Was tun … bei Geburtsstillstand, weil das Baby nicht ins Becken will

Dies ist der zweite Beitrag zum Thema Geburtsstillstand und Optimierung der Kindslage. (Hier geht’s zu ersten Teil.) Das, was ich hier teile, beruht auf dem umfangreichen Wissensschatz von Gail Tully, den sie auf ihrer Webseite und in ihren Workshops teilt. Im Folgenden geht es um einen Geburtsstillstand und wie er sich überwinden lässt, weil das Baby sich nicht ins Becken einstellt. Ins Becken einstellen bedeutet, dass das Baby mit seinem größten Kopfdurchmesser am Beckenrand vorbei ins Becken eingetreten ist.

Bei einer Mutter, die mit dem ersten Kind schwanger ist, stellt sich das Baby normalerweise ungefähr zwei Wochen vor der Geburt ins Becken ein. Bei späteren Kindern ist das in der Regel auch so, aber nicht immer. Die meisten der Kinder, die zu Geburtsbeginn noch über dem Beckeneingang stehen, stellen sich aber unter den Geburtswehen ein. Nur wenn das nicht der Fall ist, hat man ein Problem.

Woran kann man erkennen, dass das Baby hoch steht, also Probleme hat, ins Becken einzutreten?

  • Man fühlt den Kopf des Babys über der Symphyse, entweder etwas überstehend oder auch so hoch, dass man die Fingerspitzen darunterstecken kann
  • Der Kopf kann auch ein kleines Stück eingetreten sein (bei -2, siehe Höhenstandsmessung nach Lee im ersten Teil), aber nicht weiterkommen, oft bei Geburten mit Sternengucker und androidem Becken.
  • Schmerzen sehr weit oben: auf der Symphyse, in den Hüften und im Lendenbereich
  • Start-und-Stop-Geburtsverlauf, der nicht im Zusammenhang damit steht, dass die Frau zu wenig getrunken hat oder andere, offensichtliche Gründen vorliegen (Tag-Nacht-Rhythmus: Wehen nehmen normalerweise abends und in der Nacht zu, tags werden sie schwächer, Störung durch Ortswechsel und andere Umstände)
  • schwache, unveränderte oder unregelmäßige Wehen über Stunden oder unaufhörliche, starke Wehen (wie normalerweise erst in der Übergangsphase) ohne Fortschritt
  • Fühlt sich an wie Übergangsphase, aber Baby kommt nicht
  • Die Mutter ist noch sehr im Großhirn-Modus, nicht in der instinktiven „Geburtsblase“, da die für diesen Wechsel zuständige Hormonveränderung bei einem hoch stehenden Baby oft noch nicht stattgefunden hat.

Was kann man tun?

Der gelbe Kreis zeigt, wie der Kopf in den Beckeneingang eintreten muss: quer.  Zu den Seiten hin bietet jedes Becken auf dieser Ebene genug Platz. Eng kann es aber zwischen Symphyse und Kreuzbein, also von vorn nach hinten werden. Hier setzt man an und kann mit verschiedenen Übungen mehr Platz schaffen.

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Die Fantastischen Vier: vier Übungen, die Becken, Beckenboden, diverse Bänder und Muskeln ins Gleichgewicht bringen helfen und die ich im verlinkten Artikel näher beschreibe. Sie sind allgemein hilfreich, wenn es in der Schwangerschaft und während der Geburt ein Problem mit der Kindslage gibt.

Speziell für die Situation, dass das Baby sich nicht ins Becken einstellt, sind außerdem folgende Übungen gedacht:

Abdominal Lift and Tuck: Der Bauch wird während 10 Wehen hintereinander angehoben und gleichzeitig der untere Rücken flach gemacht, wobei man das Becken nach hinten kippt. Dabei bewegt sich der obere Vorsprung vom Kreuzbein (Promontorium genannt) ein Stück nach hinten und der Beckeneingang vergrößert sich.

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Die Übung lässt sich auch mit einem großen Tuch (Tragetuch, Rebozo) machen (Man denke sich einen Bauch an den Mann ;-).):

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Wichtig ist, den Rücken flach zu machen und das Becken zu kippen – und zwar in die richtige Richtung: nach hinten.

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Weitere Übungen, den Beckeneingang zu öffnen:

Wenn man im Pool ist, die Füße über den Poolrand haken. Den Kopf natürlich aus dem Wasser raus. 😉

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Walcher’s Manöver:  Wenn 10 Wehen Abdominal Tuck nichts bringen oder im Krankenhaussetting: Beine von der Bettkante hängen lassen ohne den Boden zu berühren, durch 3 Wehen halten. Öffnet den Beckeneingang, die Wehen drücken das Baby ins Becken. Nicht einfach mit dickem Bauch, aber hat schon so manche Geburt gerettet.

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Solange das Baby nicht im Becken ist, sollten alle Positionen vermieden werden, die den Beckeneingang kleiner machen. Dazu gehören die tiefe Hocke und die Knie-Ellenbogen-Lage.

Ist das Baby endlich im Becken, passiert es laut Gail typischerweise, dass die Wehen erst einmal aufhören. Die Mama eine Pause bekommt zum Schlafen, Ausruhen, Essen und Trinken. Dann nehmen die Wehen wieder Fahrt auf und das Baby wird in der Regel rasch geboren.

 

 

 

 

 

 

19 Gedanken zu „Was tun … bei Geburtsstillstand, weil das Baby nicht ins Becken will“

  1. Vielen Dank! Vor allem die Grafiken helfen das ganze viel besser zu verstehen. Wie schade, dass ich das alles jetzt erst nach den zwei gescheiterten Geburten meine Kinder richtig be- und ergreifen kann. Vielleicht wäre mit diesem Wissen doch noch eine Chance für die spontane Geburt gewesen. Dennoch freue ich mich, neues gelernt zu haben und bin fasziniert von unserem Körper!

  2. Mein erstes Kind kam leider per KS zur Welt. Nach fast 72 St Muttermund bei 8 cm. Ich musste nach jeder Wehe Urin ablassen, kann dass bedeuten dass das Kind noch nicht im Becken war? Einige Wochen vor der Geburt hiess dass es im Becken sei, kann noch zurück rütschen?

    1. Hallo Diana, tut mir leid, dass deine Geburt so gegangen ist. Das war sicher sehr anstrengend und enttäuschend. Dein Baby war offenbar gut im Becken, darauf deutet alles hin. Aber aus verschiedenen Gründen kann ein Baby auch im Becken Schwierigkeiten haben weiterzukommen. Dazu mache ich noch einen Beitrag – wollte es schon längst getan haben. Danke für’s erinnern. 😉

  3. Danke, ich freue mich schon auf den neuen Beitrag. Bin jetzt in der 30 SSW und plane (wieder) eine HG…
    Gibt’s irgendwie die Möglichkeit zu unterscheiden, ob eine Geburt nicht gut läuft wegen Kopf/unpassende Chemie mit der Hebamme oder tatsätzlich wegen Lageanomalien? Ich habe leider zu der erste (in KS beendete) HG eine Vertretungshebamme gehabt, mit der ich nicht zurecht gekommen bin…

    1. Eine Vertretungshebamme, mit der ich nicht klar kam, hätte meine erste Geburt beinah auch als KS enden lassen. Das kommt mir sehr bekannt vor. Aber im Endeffekt ist wohl schwer zu sagen, ob das eine oder andere Schuld war. Es kann ja auch mal beides gewesen sein. Ich würde mich körperlich so gut vorbereiten wie es geht und dann alle möglichen Störfaktoren bei der Geburt so gut es geht draußen halten. Bei meiner ersten Alleingeburt hatte ich das konsequenterweise so gemacht (wobei ich da von der körperlichen Vorbereitung mittels ausgleichenden Übungen und Körperhaltung noch keine Ahnung hatte) und siehe da, mein Körper hat super funktioniert.

  4. Hallo liebe Sarah,
    wir haben kürzlich geskypet und ich freue mich sehr über den Eintrag und die Ausführliche Erklärung zum Geburtsstillstand.
    Da ich Erstgebärende bin, an was merke ich denn, dass die Wehen schwach sind; wie kann ich den Kopf gut ertasten?
    Ich komm in der 31 SS und es fällt mir manchmal schwer der Grafik in Deinem Buch auf S. 65 zu folgen, ich frag mich sind es sanft Tritte mit dem Beinchen oder feste Schläge mit Hand oder Ellenbogen…oft rumpelt es ganz schön in der Kiste 😉
    An was merke ich denn, dass es sich anfühlt wie in der Übergangsphase? An was merke ich denn, das die Schmerzen nicht zu weit oben sind, sondern an der richtigen Stelle?
    Mir fehlt grad jede Erfahrung dazu und die Vorstellung darüber.
    Oder werde ich es einfach wissen? Wenn ich, wie ich es immer versuche, gut im Kontakt mit mir zu sein?
    Viele herzliche Grüße
    Andrea

    1. Liebe Andrea,
      In der 31. Woche bist du früh dran mit Tasten. Wenn man noch keine Erfahrung hat, ist das zum diesem Zeitpunkt noch nicht so einfach. Das macht aber nichts, es wird zum Ende hin immer leichter, je größer das Baby wächst. Wenn du zum Ende hin immer noch total unsicher bist, kann eine zweite Meinung (eine Hebamme tastet oder ein Arzt macht Ultraschall) hilfreich sein.
      Übergangsphase ist gekennzeichnet durch verschiedene Symptome, die nicht alle auftreten müssen, aber irgendwelche davon treten ziemlich sicher auf: frieren/zittern und gleichzeitig schwitzen, erbrechen, das Gefühl, man kann nicht mehr, die Angst zu sterben.
      Schwache Wehen meint, frau weht u.U. tagelang vor sich hin, die Wehen lassen sich nicht mehr ignorieren, müssen schon veratmet werden, nehmen aber nicht Fahrt auf und werden stärker, wie bei einer fortschreitenden Geburt. Auf Dauer erschöpft sich die Mutter.
      Der Kopf tastet sich nur gut, wenn er noch nicht im Becken ist. Also in der Schwangerschaft, bevor er sich ins Becken senkt, oder bei der Geburt, wenn er noch nicht im Becken ist. Ansonsten kann man nur die Seite tasten und den Kopf im Beckeneingang hin und her schieben. Wenn der Kopf nicht im Becken ist und das Baby aber in Schädellage liegt, tastet sich der Kopf hart direkt über der Symphyse. Ist er im Becken, ist direkt über der Symphyse nur eine Vertiefung zu tasten.
      Der allgemeine „Wehenschmerz“ projiziert sich normalerweise nicht auf eine bestimmte Stelle, sondern ist eher ein riesengroßer Druck nach unten. Anhaltende, spezifische Schmerzen, sei es im Kreuzbein, auf der Symphyse oder in einer Hüftseite deuten darauf hin, dass der kindliche Kopf noch nicht optimal liegt und man besser in Bewegung bleiben sollte. Meist weiß man instinktiv, welche Bewegungen dem Baby helfen. Mir ging es jedenfalls so. Darüber hinaus werden die Übungen von spinningbabies.com vielfach erfolgreich angewandt, um die Geburt wieder in den Fluss zu kriegen, wenn es mal stockt.
      Hoffe, das hilft die erstmal weiter. Mit dem Tasten immer wieder üben und nicht verzweifeln, wenn man keinen Plan hat. So ging es mir auch, aber man lernt mit der Zeit, es immer besser einzuschätzen. Wenn man schon mal weiß, wo der Rücken liegt, ist super. Von da aus kann man sich dann weiterentwickeln. 🙂
      Viele Grüße,
      Sarah

  5. Hallo Sarah,
    mich würde interessieren, wie es bei deinen Schwangerschaften war: War da der Kopf des Babys schon im Becken drin oder noch überhalb – also verschiebbar/beweglich?
    Ich bin selber gerade ET+8 (2. Schwangerschaft, Kind 1 wurde vaginal geboren) und plane eine Hausgeburt. Der Kopf des Babys ist immer noch tastbar und eben verschiebbar/beweglich. Da es noch keine wirklichen Anzeichen für eine Geburt bei mir gibt, frage ich mich, ob es damit zusammen hängt, dass der Kopf noch nicht im Becken ist und somit evtl. keine Wehen auslösen kann.
    Welche Übungen würdest du empfehlen? Die Übungen auf dieser Seite „Wenn das Baby hoch steht“ oder die „Übungen zur Optimierung der Kindslage“? Oder würdest du es nicht als notwendig erachten, Übungen zu machen, damit der Kopf des Baby sich vor der Geburt im Becken einstellt?
    Liebe Grüße,
    Judith

    1. Hallo Judith,
      sorry, waren im Urlaub, deshalb bin ich vermutlich zu spät. Hoffe, euer Baby ist gut geschlüpft! 🙂 Der Geburtsbeginn kann sich verzögern, wenn das Baby nicht im Becken ist. Allerdings ist das beim 2. und folgenden Kindern nicht so ungewöhnlich. Ich würde – um auf Nummer sicher zu gehen – geburtsvorbereitend die „Übungen zur Optimierung der Kindslage“ machen, evt. auch zum Osteopathen gehen, weil ein verspanntes Becken mal „schuld“ sein kann, dass das Baby sich nicht einstellt. Und gucken, ob das Kind günstig liegt, also nicht als Sternengucker. Aber ich hoffe mal, ihr braucht das alles nicht mehr und habt euer Baby längst im Arm.
      Liebe Grüße. Sarah

  6. liebe sarah,

    vor wenigen tagen habe ich mein erstes kind in einer (von meinen lieblingsmenschen begleiteten) alleingeburt auf die welt gebracht 🙂 noch am vortag der geburt hatte ich deine artikel zur optimierung der kindslage gelesen, da meine tochter sich zu dieser zeit (2 tage vor ET) noch nicht ins becken gesenkt hatte.
    soweit ich das bisher erkennen kann, kam es kurz nach wehenbeginn tatsächlich zu einem geburtsstillstand, den wir am ende durch die anwendung der oben von dir aufgeführten übungen auflösen konnten. kurz danach wurde meine tochter als sternengucker geboren. ich werde zu einem späteren zeitpunkt einen ausführlichen geburtsbericht dazu schreiben. zunächst versuche ich aber noch möglichst genau zu verstehen, was zu welchem zeitpunkt der geburt passiert ist.

    kannst du etwas dazu sagen, wie sich bei einem geburtsstillstand die muttermundsöffnung entwickelt? steht die in direktem zusammenhang mit dem sich absenken des kindes ins becken? oder kann beides bis zu einem gewissen grad unabhängig voneinander passieren? nachdem ich die letzte übung gemacht hatte, ging bei der nächsten wehe blutiger schleim ab. vielleicht der schleimpfropf, der war bis dahin nämlich noch nicht (jedenfalls nicht von mir bemerkt) in erscheinung getreten, wobei ich seit einigen tagen extra darauf geachtet hatte.

    außerdem interessiert mich, ob du weißt, ob man von der unterschiedlichen wirksamkeit der einzelnen übungen rückschlüsse auf die situation innen drin ziehen kann (position des kindes im becken, muttermund, sonstiges?).
    die übung Abdominal Lift and Tuck hat sich bei mir ganz klar verkehrt angefühlt.
    die bauchlage im pool war ergebnislos (wobei ich die füße nicht über den beckenrand hängen konnte).
    die beckenpresse brachte extreme erleichterung während der wehen, aber nur solange wir sie anwendeten. danach war alles wie zuvor.
    und Walcher’s Manöver war ziemlich schmerzhaft, aber danach war der stillstand gelöst 🙂

    sarah, ich danke dir aus ganzem herzen für das wissen, das du in deinem buch „alleingeburt“ und auf dieser seite vermittelst. es hat für die geburt meiner tochter einen entscheidenden unterschied gemacht und mir geholfen, sie zu einem letztendlich wunderschönen und kraftgebenden erlebnis werden zu lassen!

    christina

    1. Liebe Christina,
      wow, herzlichen Glückwunsch! Ich hab Gänsehaut. Das habt ihr gut gemacht! Der Muttermund steht in Verbindung mit dem tiefer tretenden Kopf, aber nicht immer zwingend. Die Fruchtblase drückt wohl auch und man kann auch vollständig eröffnet sein und das Baby steht trotzdem noch sehr weit oben. Andersherum geht aber nicht. Wenn der Muttermund nicht weiter aufgeht, dann weiß man: Der Kopf tritt nicht tiefer.
      Aus der Wirksamkeit der Übungen kann man gewisse Rückschlüsse ziehen. Aber warum die ersten beiden Übungen sich verkehrt anfühlten, dazu habe ich grad keine schlaue Erklärung. 😛 Super, wie du dich von deinem Körper hast leiten lassen! Wenn Walcher’s es gebracht hat, dann „hing“ das Baby zuvor vermutlich noch ziemlich weit oben am/über Beckeneingang. Der Muttermund geht in solchen Fällen trotz Wehen oft nur wenig weit auf. Deine Beobachtungen bezüglich Schleimpfopf wären also stimmig.
      Liebe Grüße und ich freu mich auf den Bericht! 🙂
      Sarah

  7. liebe sarah,

    danke für deine antwort!!
    jetzt bin ich ein großes stück weiter bei meinem puzzle 🙂

    ich will kurz zusammenfassen, wie ich es soweit verstanden habe:
    während des ersten teils der geburt, also bis zu walcher’s manöver, war der muttermund wahrscheinlich nur gering geöffnet (schleimpfropf noch nicht abgegangen) und mein kind über’m beckeneingang, so wie in den letzten schwangerschaftswochen oder nur unwesentlich tiefer (dementsprechend der zu diesem zeitpunkt noch unverändert hohe fundusstand)
    durch die übung hat sich mein becken geöffnet, meine tochter ist tiefer gekommen, und kurz danach (als reaktion darauf? )hat sich der muttermund wahrscheinlich ein ganzes stück geöffnet, sodass sich der schleimpfropf gelöst hat.
    danach konnten wir den rest der eröffnungsphase ganz planmäßig zuende bringen. und den rest der geburt 🙂

    ich frage mich noch, wie meine tochter diesen geburtsverlauf wohl erlebt hat. eigentlich müsste die situation, nicht ins becken kommen zu können, während die gebärmutter schon kontrahiert, doch stressig sein. – das erschiene mir zumindest logisch. allerdings hatte ich nach der geburt überhaupt nicht den eindruck, dass sie gestresst war.
    weißt du etwas dazu?

    viele liebe grüße,

    christina

    1. Liebe Christina,
      ich weiß von ein paar solcher Geburten (Baby kommt lange nicht Becken). Stressen tut das Baby das normalerweise nicht. Stress gibt es dann, wenn die Blut- und somit Sauerstoffzufuhr gedrosselt wird. Das geschieht oft bei künstlichen Wehen, die mittels Wehentropf erzeugt werden und sehr dicht und stark aufeinander folgen. Denn während der Wehe ist die Zufuhr kurzfristig gedrosselt. Normale Wehen macht der Körper aber so, dass die Pausen dazwischen lang genug sind, dass das Baby trotzdem gut versorgt wird. Ein solches Szenario kann ein Baby lange aushalten.
      Liebe Grüße,
      Sarah

  8. Hallo,
    Stehe vor kurz vor der Geburt (2. Kind, 38 SSW). Mein erstes Kind ging vor 4 Jahren auch nach 12 Stunden Wehen und Mumu 10 cm über 2 Stunden einfach nicht ins Becken rein. Es wurde dann ein KS. Meine Frauenärztin meinte unlängst zu mir, ich sei sehr schmal gebaut und das Schambein nach hinten geneigt. Es werde wohl auch diesmal evtl. auf einen KS hinauslaufen. Was könnte ich tun um einen erneuten KS zu umschiffen?
    Ich will mein 2. Kind jetzt auch nicht einer unnötigen Gefahr aussetzen, nur um auf Teufel komm raus natürlich zu entbinden.
    Meine Schwester ist mir körperlich sehr ähnlich. Beide Geburten waren auch bei ihr sehr schwer (Saugglocke und Notkaiserschnitt) weil sie immer eine natürliche Geburt angestrebt hat.
    Die Hebammen waren bei meiner letzten Geburt sehr passiv und haben mir aktiv wenig Unterstützung geboten.
    Ich bräuchte bitte den ein oder anderen Tipp.
    VG Laura

    1. Hallo Laura,
      ich würde unbedingt vor der Geburt möglichst 1-2 Termine beim Osteopathen wahrnehmen. Am besten einen, der sich ein speziell mit Becken und Geburt auskennt. Geburtsvorbereitend würde ich mit den ausgleichenden Übungen von spinningbabies arbeiten, viel spazieren gehen und auf eine gute Körperhaltung achten, damit das Baby sich gut positioniert. Durch Tasten kann man überprüfen, ob das Baby mit dem Rücken eher nach vorn liegt (günstig) oder eher nach hinten (ungünstig). Wenn man vorn viele Bewegungen spürt, wäre das ein Hinweis, dass das Baby den Rücken nach hinten hat. Wenn man vorn etwas langes Festes tastet, dann liegt der Rücken offenbar vorn. Liegt das Baby nicht ganz günstig, kann man ihm mit bestimmten Übungen (Vierfüßlerstand und Übungen die den Beckenboden ins Gleichgewicht bringen zum Beispiel), einer gerade Körperhaltung, Spazierengehen helfen, sich besser einzustellen.
      Auf die Prognose von Ärzten würde ich nicht so viel geben. Da wird viel gesagt, was in der Realität nie eintrifft. Die sind auch keine Hellseher.
      Einer Gefahr setzt man das Kind nicht mehr aus, als wenn man einen Kaiserschnitt macht. Eher hat der Kaiserschnitt mehr Risiken. Es lohnt sich, es zu versuchen und sich die besten Bedingungen dafür zu schaffen. Unterstützung ist super wichtig. Wenn du nicht an dich glauben kannst (was nach vorangegangenen Kaiserschnitt oft der Fall ist), dann kann eine Person, die an dich glaubt, den Unterschied machen. Eigentlich sind Hebammen dafür da.
      Ich kann dir noch die facebook-Gruppe „Natürlich und selbstbestimmt gebären nach Kaiserschnitt – VBAC“ empfehlen. Die Erfolgsquote einer Geburt nach Kaiserschnitt ist so klein nicht.
      Alles Gute dir! Sarah

  9. Hallo Sarah,
    ich habe eine Frage zum Trinken.
    Bei mir steht die zweite Geburt bevor. Bei der ersten Schwangerschaft gab es nach 40+4 einen Blasensprung und 6 Stunden spaeter haben die Wehen begonnen. Mein Kind war aber nie tief im Becken, vor der Geburt lag es seitlich links. Die Wehen wurden immer staerker und es waren vor allem Rueckenwehen. Als die Hebamme zur Kontrolle da war, waren es 7 cm und wir sind zur Geburtsklinik gefahren. Die Wehen waren schon super stark (mit Uebergeben) und die Hebamme hat anhand der Wehen immer gedacht, dass es schon 10 cm sind. Am Ende waren es 3 Stunden lang super starke Wehen und der Muttermund blieb bei 7cm. Zu diesem Zeitpunkt hat sie dann mich an die Aerzte weitergegeben, da die Geburt nicht foerderte. Aber als letztes frug sie mich ob meine Blase voll ist. Da hatte ich absolut kein Gefuehl und keine Kontrolle drueber. Nachdem der Katheter gelegt wurde, kam auch fast 1 L Urin raus und 10 Minuten spaeter war ich bei 10 cm. Doch das Kind lag noch super hoch. Die meinten dann ich sollte pressen. Ich hatte aber ueberhaupt gar keinen Pressdrang und die Wehen wurden weniger und weniger. Naja, dann kam eine Infusion und spaeter eine Vakuumpumpe.
    Nun steht die zweite Geburt bevor. Und wollte den „Fehler“ mit der vollen Blase vermeiden, den diese hat das Oeffnen des Muttermundes und das Absenken des Kindes verhindert. Und da ich damals keine Gefuehl/Kontrolle drueber hatte, dachte ich mir dass ich viel weniger bis nichts trinken sollte.
    Du schreibst aber mehrmals dass regelmaessiges Trinken wichtig ist. Was tun?
    Bei der Nachuntersuchung meinte die Aerztin, dass sie mich viel zu frueh zum Pressen „gezwungen“ haben. Ich will diesmal definitiv auf die Presswehen warten. Aber was tun, wenn die Wehen, wie damals, weniger werden? Abwarten?
    Vielen Dank

    1. Hallo Katja,
      trinken ist wichtig, aber regelmäßig auf die Toilette gehen auch. Ich habe mich daran unter der Geburt immer selbst ermahnt. Wenn du von Anfang an regelmäßig zur Toilette gehst, dann kann sich gar nicht erst so viel ansammeln. Die zweite Geburt geht auch normalerweise deutlich schneller als die erste. Da wirst du kaum Zeit haben, noch mal so viel Urin anzusammeln. 😉
      Wenn eine Geburt zügig und ohne Hindernis vorangeht, dann werden die Wehen auch nicht nachlassen. Es gibt aber auch Geburten, die länger gehen, meist, wenn irgendwo ein Hindernis ist. Da scheint dann die Gebärmutter eine Pause zu nehmen aber die Wehen werden auch wieder stärker – wenn man die Geduld und das Vertrauen hat zu warten und Pausen zuzulassen. Es muss schon eine sehr lange, erschöpfende Geburt oder eine nicht gut mit Essen und Trinken versorgte Mutter sein, wo die Gebärmutter am Ende so ausgepowert ist, dass sie überhaupt keine ordentlichen Wehen mehr machen kann. Alles Gute! 🙂

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