Was tun … bei Geburtsstillstand? (allgemein)

Die Wehen sind heftig und der Muttermund (so jemand ihn tastet) geht kaum auf? Das Baby will nicht geboren werden trotz stundenlanger Wehen? Kommt immer mal wieder vor und endet häufig im Kaiserschnitt. Oft wäre das nicht nötig – nur leider fehlt den meisten Geburtshelfern das nötige Wissen. Im Folgenden habe ich versucht zusammenzufassen, was ich dazu im Workshop von Gail Tully gelernt habe. Sie ist Hebamme in den USA und Expertin in Sachen Kindslageoptimierung. Die Abbildungen sind von ihr, Fotos habe ich während des Workshops bei der Midwifery Konferenz gemacht. Damit die Übersichtlichkeit halbwegs erhalten bleibt, mache ich mehrere Teile. Dieser erste Teil behandelt den Geburtsstillstand aufgrund kindlicher Fehleinstellung allgemein.

Wenn eine Geburt nicht voran geht, muss man sich als erstes die Frage stellen: Ist das Baby gut ins Becken eingestellt?

Ein Baby, das gut ins Becken eingestellt ist, zeigt einen stetigen Geburtsverlauf mit Wehen, die über die Zeit immer stärker werden und regelmäßig sind.

Ein Baby, das nicht oder nicht gut eingestellt ist, zeigt

  • einen Geburtsverlauf ohne Fortschritt mit heftigen Wehen, die aber keine nennenswerte Muttermundseröffnung bewirken (Wehen sind bei 1-3 cm Muttermundseröffnung heftiger als bei 8 cm)
  • kann (muss aber nicht in jedem Fall) Schmerzen über der Symphyse, den Hüften oder im Rücken machen

Anzeichen, dass das Baby in Sternenguckerlage (hinterer Hinterhauptslage) liegt:

  • Doppelwehen (eine Wehe geht ohne Pause in eine zweite über)
  • Wehensturm
  • kein Druck auf den Muttermund, Kopf drückt möglicherweise nicht drauf
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Baby in hinterer Hinterhauptslage (Sternengucker), dass sich nicht ins Becken eingestellt hat. Der kindliche Kopf ist über der Symphyse tastbar.

Geburtsstillstand, wenn der Kopf im Becken ist (typisch bei 5-8 cm Muttermunderöffnung): 

  • Der Kopf des Babys bleibt quer (eine Hebamme kann das vaginal tasten), anstatt sich gerade zu drehen (tiefer Querstand)
  • Wehen waren schon kräftig und werden dann schwach
  • kann nach bisher unauffälligem Geburtsverlauf auftreten
  • unregelmäßige Wehen können vorausgehen, die nun regelmäßig sind

Bei Geburtsstillstand wichtig herauszufinden ist: Wie weit ist das Baby schon ins Becken eingetreten?

(nicht: Wie weit ist der Muttermund auf?)

Um zu beschreiben, wie tief das Baby im Becken ist, benutzt man die Höhenstandseinteilung nach Lee. Dabei ist 0 eine gedachte Linie zwischen zwei Knochenvorsprüngen, an denen das Becken am engsten ist (Interspinalebene).

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So ganz genau nach Zahlen lässt sich der Höhenstand des Kindes in der Realität kaum bestimmen. Wichtig zu wissen ist eher: Ist das Baby noch weit oben, also im oder über dem Beckeneingang (in der Abbildung gelb)?  Ist es in der Beckenmitte (grün)? Oder steht es schon tief, also fast am „Ausgang“ (blau)?

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Auf dem Weg durch das Becken muss das Baby mit dem Kopf Drehungen vollziehen um durchzupassen. Wenn man weiß, wo das Baby sich in etwa befindet, kann man bei einem Geburtsstillstand spezielle Übungen machen, um dort mehr Platz zu schaffen, wo es in der Situation notwendig ist, damit es weitergeht.

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Wie bekomme ich heraus, wo meine Baby ist?

Ein Baby, dass sehr hoch steht, tastet sich am besten von außen über die Bauchdecke. Über der Symphyse lässt sich der kindliche Kopf tasten. Lässt er sich etwas hochschieben oder bekommt man direkt über der Symphyse die Fingerspitzen drunter, ist er nicht im Becken eingestellt. Ist der Kopf im Becken, kann man das auch von außen tasten, dann ist der Kopf nur noch – wenn man etwas tiefer reindrückt – von den Seiten zu tasten. Eine Hebamme hat gelernt, den Höhenstand des Kindes vaginal zu tasten und im Verhältnis zur Interspinalebene zu bestimmen.

Mehr zum Geburtsstillstand, wenn das Baby am Beckeneingang „hängen“ bleibt, hier.

 

2 Gedanken zu „Was tun … bei Geburtsstillstand? (allgemein)“

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