So kam es zur Alleingeburt im Wald

Ich habe meine Geschichte an verschiedenen Stellen zwar schon erzählt (und alle, die sie kennen, können hier einfach drüber springen), aber auf meinem Blog findet sie sich noch nicht, worauf ich von einer Leserin berechtigter Weise hingewiesen wurde. Hier also noch mal von Anfang an:

Alles begann noch bevor ich das erste Mal schwanger wurde. Im Medizinstudium galt es, diverse Famulaturen und später das Praktische Jahr zu absolvieren. Da ich später einmal Kinder wollte, nutzte ich die Gelegenheit, und famulierte vier Wochen lang in der Gynäkologie/Geburtshilfe eines kirchlichen Krankenhauses. Ich war unvoreingenommen und neugierig. Wartete mit Spannung auf jede Geburt, bei der ich dabei sein durfte. Einmal sogar eine Zwillingsgeburt! Und einmal, aber auch nur einmal, war ich bei einer Geburt dabei, die aufrecht und nicht in Rückenlage stattfand. Ich sah mir an, wie die Säuglingsstation organisiert ist und assistierte bei ein paar Kaiserschnitten. Das waren Highlights! Ich musste mit dem Sauger das Fruchtwasser auffangen, wenn die Fruchtblase kaputtgemacht wurde. Die Ärzte waren nett. Unter den Hebammen gab es ganz unterschiedliche Typen. Eine junge ist mir bis heute im Gedächtnis (bei ihr fand übrigens auch die Geburt im Knien statt, bei der ich dabei sein durfte!). Sie bekam immer ganz rote Wangen, wenn die Geburt kurz bevorstand. Sie musste quasi gar nicht den Muttermund tasten, um zu wissen, dass die Frau vollständig eröffnet war. Das hat mir inmitten aller Technik und Überwachung imponiert.

Meine nächste Begegnung mit der Geburtshilfe bekam ich im Praktischen Jahr. Ich war inzwischen verheiratet und frisch schwanger mit unserem ersten Kind. Ich durfte jetzt so ziemlich nichts Praktisches mehr machen (wie Blut abnehmen etc.), sondern war aus Sicherheit vorwiegend zum Zugucken und Papier hüten verdammt. Aber zugeguckt habe ich dafür um so genauer. Diesmal war ich im größten Krankenhaus der Stadt zwei Monate lang auf der Geburtsstation, auf der ich selbst einmal geboren worden war. Die Hebammen waren solche vom alten DDR-Schlag. Im Kreißsaal herrschte nicht selten Feldwebelton. Die Frauen wurden angeschrien und beleidigt, wenn sie nicht so taten, wie die Hebammen verlangten. Ein ordentlicher Dammschnitt war Routine und oft sehr wohl schmerzhaft, obwohl den Frauen vorher was anders erzählt wurde. Die Hebammenschülerinnen ubertrumpften sich damit, wer von ihnen schon die meisten Dammschnitte gemacht hatte. Ich habe vergessen, wie viele sie gemacht haben mussten, aber es waren nicht wenige. Es gab einige Szenen, die ich ganz schrecklich fand. Als hätte ich ein Verbrechen beobachtete, ohne etwas tun zu können, um das Opfer zu schützen. Die Entscheidung zur Hausgeburt fiel mir da nicht mehr schwer. Das Risiko, so gebären zu müssen, wollte ich nicht eingehen. Und mein Mann war mit meiner Entscheidung zufrieden, da besagte Klinik von unserem Haus nur fünf Minuten mit den Auto entfernt lag. Im Notfall war der „sichere“ Hafen ja nicht weit.

Ich fand auf Empfehlung eine ältere, erfahrene Hebamme. Ich hatte mit ihr ein gutes Gefühl und dachte, dass nun ja nichts mehr schief gehen könne. In dieser Zeit wohnten wir am Waldrand. Das PJ war stressig. Mein erstes Tertial (das PJ ist in drei Abschnitte a 4 Monate unterteilt, die Tertiale genannt werden) absolvierte ich in der Notaufnahme. Es verlief zwar spannend und lehrreich … aber ich konnte kaum aufs Klo gehen. Es gab dafür zum Glück ein wunderbares Heilmittel und das wirkte zuverlässig und oft schon nach einer Viertelstunde: Der Wald. Sobald ich dort spazieren ging, kam sozusagen alles in Bewegung. Und während ich durch den Wald streifte und sich in mir Entspannung breit machte, dachte ich immer wieder: Hier müsstest du gebären. Du verkriechst dich einfach, ohne dass einer weiß wo du bist, und dann kommst du mit dem Baby zurück. Kein Trubel, kein Stress, keiner, der etwas von dir erwartet, verlangt oder auf die Uhr guckt. Das muss doch herrlich sein! Wenn ich hier so schön meine Verstopfung lösen kann, muss das doch ein hervorrangender Ort sein, um auch die ganz große Verstopfung, also das Baby, herauszubekommen.
In diesem Wald war das allerdings nicht machbar. Zu viele Jogger und Hundegänger. Es gab da kein mit Sicherheit ruhiges, ungestörtes Örtchen. Trotzdem war der Gedanke so schön, dass ich ihm gern nachhing.

Unser erstes Kind kam dann in unserer Mietswohnung zur Welt. Ich dachte, ich hätte alles für eine sichere Geburt getan und war guter Dinge. Als ich über Termin ging, weigerte ich mich standhaft, alle zwei Tage zum CTG aufzukreuzen. Meine Hebamme meinte, ich wär der Typ, dem sie zutraut, die Geburt auch allein durchzuziehen und sie spät zu rufen. Und ich hatte mir insgeheim auch offen gehalten, genau das zu tun. Aber weil wir nett sein wollten, riefen wir am Morgen, als die Wehen begannen, schon mal an, um Bescheid zu sagen, dass es heute was werden würde. Dann trafen zwei Dinge ein, die sich nicht im Voraus hatten berechnen lassen: Meine Hebamme war just zu diesem Moment bei einer anderen Geburt. Und: Eine Vertretungshebamme aus dem Geburtshaus kam vorbei, obwohl wir gesagt hatten, dass noch keiner zu kommen bräuchte, sondern wir nur Bescheid sagen. Da war sie also, die Vertretungshebamme. Ich fühlte mich nicht wohl mit ihr und wollte eigentlich, dass sie so schnell wie möglich wieder verschwindet. Sie war schon auf dem Weg nach draußen, wir hatten ihre Nummer, unter der wir sie erreichen konnten und … plötzlich setzten bei mir die Wehen heftig ein. Sie blieb. Ich hatte nicht den Mut und die Nerven, sie herauszuschmeißen. Ich dachte: Augen zu und durch. Aber diese Rechnung ging nicht auf, wie sich schnell herausstellte. Ich war zwar bald vollständig eröffnet, eine zweite Hebamme wurde dazu gerufen, wie das so üblich ist, wenn die Geburt kurz bevorsteht. Aber dann ging stundenlang nichts vorwärts. Nur Wehen und Schmerzen. SCHMERZEN! Dann irgendwann die Erkenntnis: hoher Geradstand!
Nun schwebte also auch noch das Damoklesschwert Krankenkenhaus und Kaiserschnitt über mir. Dabei hatte ich die Geburt innerlich an die Hebammen abgegeben. Erst als ich merkte, dass sie auch nicht weiterwussten und ICH hier was tun muss, wenn ich nicht im Krankenhaus auf dem OP-Tisch landen wollte, nahm ich die Geburt wieder an mich. Wenn mein Körper wusste, wie er das Kind herausbekommen kann, dann musste ich auf ihn hören und nicht auf die Hebammen mit ihren sich so wirkungslos anfühlenden Schaukellagerungen. Das tat ich und fand es ganz angenehm, stehend das Becken hin und her zu bewegen und dabei meine Tochter aufzufordern, dich zu drehen. Glücklicherweise kam dann auch endlich MEINE Hebamme. Sie massierte eine angeschwollene Muttermundskante weg (sehr schmerzhaft, aber effektiv). Der Kopf des Babys hatte sich nun gedreht und kurze Zeit später hielt ich sie im Arm. Völlig fertig aber sehr sehr froh!

Nach dem ersten Glücksrausch begann ich, die Geburt zu analysieren. Was war schief gelaufen? Wie hätte ich die vielen schmerzhaften Stunden vemeiden können? Woran lag es, dass das, was bis zum Eintreffen der Hebamme so unspektakulär verlaufen war, danach so kompliziert wurde?

Ich las mich durch das Internet, las über Alleingeburt und das Aha ließ nicht lange auf sich warten. Ich war nicht die einzige, die sich von der Anwesenheit bestimmter Leute so aus dem Takt bringen ließ. Fremde Leute zu seiner Geburt einzuladen ist nicht selten ein Risiko an sich. Aber wenn ich noch ein Kind bekäme, wie konnte ich meine Geburt wirklich sicher machen? Wie konnte ich sicher sein, niemanden einzuladen, der mich hemmte, der meinem Körper nicht vertraute und mir mit seiner Angst die emotionale Kraft aussaugte, die ich zum Gebären brauchte? So wuchs in mir der Entschluss, dass das nächste Kind nur in Anwesenheit von Menschen kommen sollte, die keine Angst vor dem Ereignis Geburt hatten. Ob ich so jemanden finden würde?

Kurz nach der Geburt der Großen zogen wir nach Schweden um. Der Wald begann nun direkt hinter unserem Haus. Ich brauchte nur aus der Haustür zu fallen. Ein kurzer Weg, um jede Verstopfung aufzulösen. Und eines Tages, bei einem meiner Spaziergänge quer waldein, fand ich ihn, den Platz, an dem unser Sohn später geboren wurde. Weiches Moos, das von umgefallenen Fichten wie mit Wänden umgeben wurde. Daneben ein plätscherndes Bächlein. Hier war der Wald wild, ungepflegt und kein Wanderer, kein Pilzsammler oder Jogger würde sich jemals hierher verirren. Ich war begeistert. Von nun an pilgerte ich immer öfter zu diesem Platz. Plante, malte mir aus, wie es sein würde, hier zu gebären … und als mein Mann endlich überzeugt war, weihte ich auch ihn ein. Na klar, es war verrückt. Oder war es das? Betrachtet man die Menschheitsgeschichte, ist diese Art zu gebären durchaus üblich gewesen. Nur, weil etwas anderes heute Mode ist, muss das andere ja nicht gleich undenkbar sein.
Wie anders war diese Schwangerschaft als meine erste! Ich war einfach nur schwanger. Die Vorsorgeuntersuchungen bei der Großen hatten mich immer verunsichert und irritiert. Jetzt war ich frei. Ein unglaubliches, wenn auch manchmal beängstigendes Gefühl. Aber mir ging es gut, mein Baby bewegte sich in mir … alles war gut. Zuerst dachte ich: Gehst du ab der und der Woche zur Vorsorge. Das reicht auch noch. Aber dann kam die besagte Woche und in mir sträubte sich alles. Ich hatte das Gefühl, es würde meine selige Blase der guten Hoffnung zerstören, wenn ich mich von jemandem Frenden vermessen und beurteilen lassen würde. Irgendwann ließ ich den Plan fallen und war glücklich, dass ich den Vorsorgestress einfach boykotierte. Eine Hebamme zu suchen hatte ich noch früher aufgegeben. Erstens gibt es in Schweden fast keine Hausgeburtshebammen. Aus diesem Grund hätte sie sehr weit anreisen müssen. Zweitens hätte ich die 2000 Euro als Kosten für die Geburt selbst tragen müssen. Aber das auf die Gefahr hin, dass die Hebamme es zur Geburt gar nicht rechtzeitig schaffte. Das schien mir das viele Geld dann doch nicht wert zu sein. Und drittens: wie hätte ich die Hebamme von meinen Waldplänen überzeugen sollen?

Natürlich hätte es sein können, dass es regnet oder ein anderer Umstand mir den Wald vegrault. Ich war nicht stur darauf festgelegt, dass es unter allen Umständen der Wald werden musste. Aber alles passte am Schluss und der Rest ist Geschichte. Seitdem habe ich noch zwei weiteren Kindern im Alleingang auf die Welt geholfen. Der Wald hat sich aus verschiedenen Gründen nicht noch einmal als Geburtsort ergeben. Dafür einmal die Wiese und einmal das Wohnzimmer. So hat jedes Kind seinen ganz eigenen, besonderen Geburtsplatz.

Meine Ausbildung hat bei meiner Entscheidung eine untergeordnete Rolle gespielt. Vorallem hat sie mir geholfen, die Geburtsmedizin in ihren Begrenzungen zu sehen und keine falschen oder überhöhten Erwartungen an sie zu haben. Sicher, ein Arzt kann ein Baby auf die Welt holen. Das geschieht heute ja immer öfter, am liebsten per Bauchschnitt. Aber ein Kind zu gebären, über sich selbst hinauswachsen und im hormonalen Freudenfeuer das Fest des Lebens feiern, das kann nur die Frau selbst. Und dafür verdient sie die beste und demütigste Behandlung durch alle, denen sie die Ehre erweist, sie dabei begleiten zu dürfen. Wir Menschen mit all unsere angehäuften Wissen sind viel weniger schlau als wir denken. Wir haben viel weniger in der Hand, als wir uns gern vormachen. So vieles wird verkompliziert, nicht weil es gefährlich ist, sondern weil wir Angst haben und mit unserem Einmischen den natürlichen Prozess erschweren oder verhindern. Es erscheint mir sicherer, mich zuerst auf mich selbst, meinen Körper und meinen Schöpfer zu verlassen. Ich will nicht, dass Fremde für mich zweitklassige Entscheidungen treffen, wenn ich selbst eine bessere Entscheidung treffen kann.

Diese Jahr wird unser Waldvöglein schon fünf. Sich für die Geburt zu entscheiden, die zu einem passt, ist nur eine von vielen Entscheidungen, die man im Leben mit Kindern treffen muss. In einem Monat ziehen wir ins Elsass (Frankreich) um, weil Kinder dort die Freiheit haben zu lernen, ohne dafür jeden Tag in ein Schulgebäude eingesperrt zu werden.

29 Gedanken zu „So kam es zur Alleingeburt im Wald“

  1. Hallo!
    Ich verfolge deinen Blog schon seit längerem und bin begeisterte Leserin(:
    Dieser Beitrag ist einfach super, vor allem die Gedanken zum Ende hin, einfach nur ABSOLUT richtig!
    Ich bin so froh, dass ich noch vor meiner ersten Schwangerschaft auf diese andere Sichtweise gebracht werden konnte!

    Ich wünsche euch alles Gute! Viel Spaß in Frankreich(:

    lg Julia

  2. Eine wundervolle Geschichte. Fühle mich gerade zu tiefst gerührt… und das am Int. Frauentag. Danke…! Mögen allen Frauen die wirklich stark sind, den Weg zur natürlichen Geburten wieder finden.

  3. Super auf den Punkt gebracht! Als ehemalige Praktkantin in der klinischen Geburtshilfe und inzwischen sechsfacher Hausgeburtsmutter, darunter einmal von Zwillingen, finde ich mich in dem Geschriebenen grösstenteils absolut wieder! Unbedingt lesenswert auch für all jene Menschen, die in Deutschland der Hebamme Anna R.-L den Pozess machen. Kleiner Tipp: Der Richter freut sich über Post…

  4. Deine Worte berühren mich – als momentan Schwangere und Kikrasr&IBCLC auf Gyn/Geb sehr … und dann ist da immer wieder die Sache mit der Angst der Anderen.

    Mich würde interessieren, wie du es geschafft hast dass dein Mann der Situation nicht mit Angst begegnet ist…

    1. Mein Mann hatte schon recht viel Angst, aber nur vor der ersten Alleingeburt. Er hat sich dann mit meinem Notfallplan zufrieden gegeben, also dass wir ins KH fahren, sollte was sein. Als Arzt weiß er ja auch, dass es sich unter einer Geburt nicht sooo schnell stirbt, wie manche glauben. Aber es war schon nicht leicht und wir hatten im Vorfeld einige Auseinandersetzungen. Die Angst der anderen kann sehr belastend sein und am besten ist, sie so gut es geht zu vermeiden. Auch aus diesem Grund habe ich bei Kind 2-4 auf eine Schwangerenvorsorge verzichtet. Man hat ja schon genug mit seinen eigenen Ängsten zu tun.

  5. vielen Dank für deine Worte! ich stecke momentan selbst in den vorbereitungen für das examen (noch 2 wochen, aaah *lach*) und plane für august eine hausgeburt, obwohl (oder grad weil?) ich (fast-)ärztin bin. es ist wirklich furchtbar, dass man sich von kommilitonen, ärzten und fremden anfeinden lassen muss, wenn man auch nur andeutet, eine hausgeburt in erwägung zu ziehen. (mittlerweile erzähle ich nur noch „wir schaun uns die klinik im juni an“ und verschweige, dass die nur als notfallplan herhalten soll…)

    meine erste tochter kam im KH zur welt, eingeleitet (hauptsächlich, weil der gyn mir und meinem mann angst gemacht hatte. ich war 7d über ET und hatte diskrete knöchelödeme – aber das kind hätte ja schon „mindestens 5kg“ und man „müsse!“ das kind nun holen, sonst „wird es sterben“… jedenfalls entschieden wir uns dann für die „sichere“ variante mit der einleitung). 3d wehen, beinahe-KS, kristellern und extremer Blutverlust – aber (wer hätte es gedacht!) kein 5kg kind (sie war die ganze zeit entspannt!) und wenigstens kein KS. grund mehr, die ganze KH-Sache zu hinterfragen! denn ich hatte nie im gefühl, dass unsre tochter die 5kg-marke knacken würde bzw ich oder sie jemals in gefahr gewesen seien. hätte ich mal auf mein gefühl gehört!

    jedenfalls: vielen dank für deinen blog! es ist schön zu lesen, dass es auch unter den ärzten welche gibt, die hausgeburten nicht mit hokuspokus verwechseln… 🙂 danke!

  6. Dieser Beitrag spricht mir so sehr aus der Seele! Noch ist kein Familienzuwachs geplant, aber ich beschäftige ich mehr und mehr mit dem Thema. Und je mehr ich lese und je mehr Videos ich gucke, desto mehr tendiere ich zu den ungewöhnlichen Alternativen. Auf youtube erzählen sie alle, wie benebelt sie von all den Schmerzmitteln waren, dass nur Rückenlage akzeptiert wird, dass Hebammen rummaulen, dass tausend Leute um dich herum sind … davon habe ich viel mehr Angst als vor der Geburt als schmerzhaftes Unterfangen ansich. Du hast einen super Weg gewählt, bei allen deinen Kindern, und ich wünsche mir, dass es bei mir auch alles unter so entspannter Atmosphäre passiert… du inspiorierst mich, vielen Dank!

    1. Hallo 🙂
      Guck mal, jetzt haben wir drei Jahre später und ich kann voller Glück berichten, dass ich hochschwanger bin und beim Rumgoogeln erneut auf deiner Seite gelandet bin. Meine Meinung bezüglich der Krankenhausalternativen hat sich nicht geändert. Wir gehen zwar nicht in den Wald, dafür aber ins Geburtshaus 🙂 Liebe Grüße!

  7. Es ist doch immer wieder erstaunlich, dass gerade die Berührung mit der klinischen Geburtshilfe dazu führt, dass frau sich entscheidet, an diesem Geburtshaus nur im Notfall gebären zu wollen. Auch bei mir war es so. Als Auszubildende in der Krankenpflege in den 1980er Jahren durfte ich über die Weihnachtsfeiertage bei einigen Geburten anwesend sein. Die Frauen waren in Rückenlage gezwungen, die Ärzte kamen und gingen, fummelten den Frauen in ihrer Vagina herum (entwürdigend!!) und die Frauen waren weitgehend sich selbst überlassen. Ich entschied als junge Frau: So bekomme ich kein Kind. Entweder gar nicht oder anders. Später lernte ich eine Hebamme kennen, die mich informierte (!), dass ich auch mit einer Hebamme zu Hause gebären könnte. Ich gebar drei Kinder in kraftvollen Geburten zu Hause und ich bin sicher, hätte ich diesen Ort nicht gewählt, wäre ich jedes Mal im OP mit Kaiserschnitt geendet. Hebamme sind etwas wundervolles und wir sollten den Glauben an unsere eigene Kraft nicht untergraben lassen.

    Deine letzten Worte haben mich daher besonders berührt. Ich wünsche mir, dass mehr Frauen wissen, wie sie aus ihrer Kraft heraus gebären können und dabei körperlich und seelisch gestärkt und nicht beschädigt hervorgehen können. Dass das in unserer Gesellschaft so verloren gehen konnte, ist ein frauengesundheitspolitischer Skandal ersten Ranges. Ich engagiere mich bei greenbirth e.V., um dem Trend mutig mit anderen Frauen entgegen zu wirken.
    http://www.greenbirth.de

  8. Wow, das ist unglaublich!!
    Es tut so gut von anderen Frauen zu hören, die Vertrauen zu sich selbst, ihrem Körper und der „Natur“ haben. Und es macht mich so wahnsinnig traurig und wütend, dass den Frauen in unserer Gesellschaft ihr Vertrauen genommen und vorenthalten wird. Auch, dass die Angst vor dem Tod, der uns ja ganz besonders intensiv beschäftigt ab Beginn eines neuen Lebens in uns, benutzt wird für ihre Geschäfte.
    Wenn ich nur an Krankenhäuser und manche Ärzte denke, könnte ich nur heulen, so unbegreiflich ist mir dieses Verhalten von vielen. So sollte es doch nicht sein?!
    Das Leben ist etwas so unbegreiflich gigantisches, und es ist so schade, wenn man aus Angst vor dem Tod, dass Leben nicht mehr genießen und nicht mit vollem Vertrauen ganz ausschöpfen kann.
    Meine Geburt erwarte ich schon seit Tagen ganz gespannt. Und wären meine Umstände einfacher, wäre ich mutiger gegen die Masse um mich, und reifer im Leben, so würde ich ganz alleine da raus ziehen ins ungewisse gigantische Leben. Aber ich habe auch super Hebammen. Bin so gespannt auf das was kommt. Und auch trotz allem unendlich glücklich.
    Deinen Bericht zu lesen hat so gut getan… gibt mir wieder Kraft und Stärke. Du bist eine so wahnsinnig starke Frau!

  9. Owe.. genau in dieser Nacht haben die Wehen eingesetzt.
    Kein Wunder, dass ich so emotional an dem Tag war :o)
    Montagmittag hat mir dann die Hebamme gesagt,
    dass ich ins Krankenhaus muss. In dem Moment habe ich
    aufgegeben und meine Sternguckerin kam per Notkaiserschnitt.
    Ich wünschte, ich hätte es geschafft. Jetzt liegt mein Mädchen in meinen Armen und macht mich glücklich.
    Und sie duuftet :o)

      1. Danke! 🙂 Die Frauenärztin hat es zwei Wochen vorher gesehen. Ich hab danach alle möglichen Übungen gemacht und die Hebammen vom Geburtshaus meinten, dass es sich sicherlich noch dreht. So wirklich ernst hatte ich das dann nicht mehr genommen. Außerdem kam sie dann mit über vier Kilo. Aber es ist wahr 🙂 🙂 Man vergisst alles, allen Schmerz mit den Tagen. Und in der Stilldemenz vergisst man sowieso alles… schwebt so durch die Sonnenauf- und Sonnenuntergänge. Du hast es ja geschafft, dass es sich doch noch dreht. Die Stärke hat mir gefehlt. Ich hätte den Vater meiner Tochter wohl doch aus meiner Nähe verbannen müssen. Vielleicht war das das Problem. Mein nächstes Kind wird definitiv eine Alleingeburt!! Hm.. wenn das jetzt noch geht.. Wo mich keiner in den Wehen anstarrt. Wenigstens einmal im Leben erleben, wie es sich anfühlt, über Grenzen zu gehen, und eine echte Geburt zu spüren… Danke! Ja, es geht mir und ihr besstens. Sie ist das ausgeglichenste Baby, dass ich je gesehen habe. 🙂

        1. Eine Alleingeburt kannst du theoretisch immer „machen“, da brauchst du ja von niemandem die Erlaubnis dazu – obwohl es natürlich von Vorteil ist, wenn man den Mann hinter sich weiß. Nur eine Hebamme nach Kaiserschnitt für eine Hausgeburt zu finden wird schwierig – wenn auch nicht unmöglich. Schön, dass du dein Baby genießt und hoffentlich kriegst du auch die eine oder andere Mütze Schlaf. 🙂

  10. Hallo, deine Erzählung und auch die Berichte der anderen sind wunderbar! Ich war in meiner 1. Schwangerschaft sehr entspannt,alles war wunderbar und ich konnte den Papa zur Geburt mit unserer wunderbaren Hebamme im Geburtshaus überzeugen. Ich hatte mich so darauf gefreut…und dann plötzlich eine sehr starke Blutung in 35/0, wir warteten noch ab bis auch meine Hebamme meinte wir sollten doch vorsichtshalber ins KH fahren. Ich wollte nicht,aber noch weniger wollte ich mein Kind in Gefahr bringen und das Blut floss nur so. Im KH war die Diagnose dann Plazentaablösung und sofort KS. So kam unser Sohn dann auch nach 10 Sek an meiner Wange sofort auf die Frühchen-Station.
    Nichts war so,wie ich es uns gewünscht hatte.

    Eure Berichte machen mir Mut! Und ich hoffe,dass unser nächstes Kind anders das Licht dieser Welt erblicken darf!!

  11. Danke für deinen Bericht! Für solche Fälle ist es wirklich gut, dass wir Krankenhäuser haben, auch wenn ich mir gut vorstellen kann, wie enttäuschend das für dich gewesen sein muss. Wünsche dir auch, dass es das nächste Mal so wird, wie du es dir erträumst!

  12. Lieben Dank Dir! Ja,es war zunächst enttäuschend,ich hätte ein paar Tage damit zu kämpfen,vor allem als unser Sohn noch im KH war. Aber dann war er Zuhause und er war und ist ein so ausgeglichenes,zufriedenes und trotzdem aufgewecktes Kerlchen! Und wie Du schreibst,wir sind einfach sehr froh,dass die „Technik“ es erlaubt hat,dass unser Sohn gesund auf dieser Welt ist! Die Dankbarkeit darüber hat die Enttäuschung besiegt!
    Liebe Grüße und danke nochmal für deine Seite und die mutgebenden Berichte!

  13. Natürlich hätte es sein können, dass es regnet oder ein anderer Umstand mir den Wald vegrault. Ich war nicht stur darauf festgelegt, dass es unter allen Umständen der Wald werden musste. Aber alles passte am Schluss und der Rest ist Geschichte.

    Steht diese Geschichte irgendwo?

    Leider wurde aus unsrer Hausgeburt/Waldgeburt eine Saugglocke…
    Aber beim nächsten Mal….!!!!

  14. Wundervoll geschrieben. Vielen Dank!

    Ich bin noch im „Kopf“ am schwanken ob ich eine Alleingeburt wagen soll… Mein Mann steht hinter Mutprobe und mein Herz sagt eigentlich auch ja nur der “ Kopf“ macht noch was er will….

  15. Oh, ich verstehe dich gut. Mein Kopf musste auch erst überzeugt werden. Mein Großhirn hat sich durch sehr viel Information beruhigen und überzeugen lassen. Super, dass dein Mann hinter dir steht! Das ist Gold wert! Wie weit ist deine Schwangerschaft? Ein bisschen Zeit hast du vielleicht noch. Oder du entscheidest einfach spontan unter der Geburt…
    Alles Gute!

  16. Danke für diese Zeilen. Ja habe nich zeit, jedenfalls sieht es so aus. Habe seit 2 Tagen immer wieder wellen und immer meine ich es geht los. Lasse es nun auf mich zukommen. Mit der Hebamme habe ich nun abgemacht, dass sie such sehr zurückhalten würde und mich evt. Auch alleine lässt. Jetzt mal schauen…

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