Hier stelle ich euch vier hilfreiche Übungen für die Schwangerschaft und während der Geburt vor von der Kindslageoptimierungs-Expertin Gail Tully:
Den Bauch mit dem Tuch schaukeln (Rebozo Sifting), der halbe, abgestützte Kopfstand (Forward-Leaning-Inversion), die seitliche Dehnung im Liegen (Sidelying Release) und Lockerungsübung für das Becken (Standing Release).
- Worum es geht: ein Baby in eine geburtsoptimale Position zu bringen und eine unkomplizierte Geburt zu fördern. Dabei macht man sich dreierlei zunutze:
Balance
Schwerkraft
Bewegung.
Dass die Schwerkraft (aufrechte Gebärhaltung) und In-Bewegung-sein bei der Geburt helfen, ist relativ bekannt.
Balance meint die Ausgeglichenheit der Muskeln und Bänder im Körper in sich selbst und zueinander. Die folgenden Übungen (verlinkt mit einem Video, wo ihr sehen könnt, wie es geht) können das unterstützen:
Den Bauch mit dem Tuch schaukeln (Rebozo sifting)
soll helfen, das untere Drittel der Gebärmutter zu entspannen, um mehr Platz für das Baby zu schaffen und ihm zu erleichtern, sich in eine optimale Position zu begeben. Es handelt sich dabei um eine traditionelle Massagetechnik aus Mexiko, die einen Helfer mit einem langen Tuch (Tragetuch, Rebozo) braucht.
Wann macht man’s?
wöchentlich oder so oft man will in der Schwangerschaft
ergänzend zu anderen Übungen zweimal täglich, wenn das Baby nicht optimal liegt
in der frühen Eröffnungsphase der Geburt, wenn es nur langsam vorangeht.
Vorsichtig sein bei (nicht zu derb schaukeln, sachte ist es aber normalerweise eh angenehmer):
Vorderwandplazenta, Gefahr einer Fehlgeburt, stechenden Schmerzen/Krampf kurz über der Symphyse (im runden Gebärmutterband)
So geht’s:
- Eine entspannte Atmosphäre schaffen
- Die Mutter kniet vor einem Stuhl/Sofa/Gymnastikball und lehnt den Oberkörper/die Arme darauf. Schön bequem.
- Der Helfer legt das Tuch um den Bauch der Mutter wie in eine Hängematte.
- Der Helfer hält das Tuch (wie die Zügel beim Pferd). Das Tuch trägt nun das Gewicht des Babybauchs. Ah, das entspannt schön!
- Der Helfer beginnt nun, den Babybauch mit kleinen, sanften Bewegungen zu schütteln/schaukeln. Dabei keine großen, wilden Bewegungen machen, sondern eher ein Vibrieren – schneller oder langsamer, wie es angenehm ist. Die Mutter gibt dem Helfer Feedback, damit Druck und Geschwindigkeit genau richtig sind. Ziel ist, dass die Mutter Entspannung empfindet.
- Nach 2 Minuten sind die Arme des Helfers wahrscheinlich müde und die Mama hoffentlich schön entspannt. Langsamer werden und stoppen.
Halber, abgestützter Kopfstand (Forward Leaning Inversion)
soll helfen, die Bänder, mit denen die Gebärmutter im Becken fixiert ist, zu dehnen und somit zu entspannen und dem Baby dadurch mehr Platz zu schaffen. Dehnt und entspannt außerdem Bänder im Becken und das untere Drittel der Gebärmutter. Letzteres kann durch schlechte Körperhaltung oder einseitige, wiederholende Bewegungen eine Verdrehung in sich haben, was dem Baby in dem Bereich weniger Platz lässt. Diese Übung geht auf Dr. Carol Phillips zurück.
Wann macht man’s?
täglich für 30-60 Sekunden in der Schwangerschaft, um einem Baby aus Beckenendlage oder Sternguckerlage in eine bessere Position zu helfen.
während der Geburt, aber nur wenn die Geburt stockt.
Wann macht man’s nicht?
bei hohem oder sehr niedrigem Blutdruck
bei Verdacht auf vorzeitige Plazentaablösung
nach einer üppigen Mahlzeit (Gefahr von Sodbrennen)

So geht’s:
- Auf den Rand eines Sofas oder einer Treppe knien
- In Position bringen: Langsam und vorsichtig mit dem Oberkörper vorbeugen, bis die Hände, dann die Ellenbogen den Boden berühren. Dabei evt. von einem Helfer stützen lassen.
- Kopf frei hängen lassen (nicht auf den Boden auflegen), Kinn nicht überstrecken.
- Die Knie sind nah an der Sofakante, der Hintern zeigt in die Luft. Wenn man will, kann man sanft dieHüften schwingen oder den unteren Rücken flach machen, um mehr Platz für die sich gerade dehnenden Bänder zu schaffen.
- Wenn möglich drei Atemzüge lang durchhalten, Bauch locker, Schultern fest, Kinn gerade und Hals lang.
- Fertig und langsam wieder aufstehen.
Bitte hör immer auf dein Gefühl bei dieser und allen anderen Übungen. Lass dir wenn nötig helfen, in Position zu kommen oder die Position zu halten. Und lass die Übung sein, wenn es dir dabei nicht gut geht.
Seitliche Dehnung im Liegen (Sidelying-Release)
dehnt eine Reihe von Muskeln und Bändern im Becken inklusive Beckenboden. Diese Übung wurde ebenfalls von Dr. Carol Phillips erfunden und bedeutet nicht, dass man nur auf der Seite herumliegt. Am besten macht man die Übung zusammen mit einem Helfer und immer auf beiden Seiten (allein geht auch, ist dann aber nicht so präzise).
Wann macht man’s?
zweimal wöchentlich in der Schwangerschaft
bei Geburtsstillstand,
bei scharfen Hüft- oder Rückenschmerzen während Schwangerschaft und Geburt,
als Ergänzung zu anderen Techniken bei Querlage, Sternguckerlage, Beckenendlage, schief eingestellter Kopf (Asynklitismus), tiefem Querstand,
sehr schmerzhafte Wehen oder Wehen ohne Geburtsfortschritt
So geht’s:

- Die Mutter liegt auf der Seite auf dem Bett (nicht zu weich, ein Tisch mit Yoga-Matte tut’s auch), der Kopf liegt auf einem Kissen, so dass er in Verlängerung der Wirbelsäule gerade ist.
- Die Mutter hält sich an etwas beim Kopfende fest (Bettgibel, Stuhllehne o.ä.).
- Die Mutter rutscht mit dem Becken bis 5 cm an die Bettkante heran. Ein schwangerer Bauch ragt dann über die Kante hinaus.
- Die Schultern sollen gerade in einer Ebene sein
- Das untere Bein wird von der Mutter ausgestreckt (nicht von Helfer gerade gezogen), der Fuß angewinkelt
- Der Helfer hält die Hüften senkrecht, indem er Druck auf die obere Hüfte (Beckenkamm) ausübt. Dabei kann er die Hüfte leicht (!) schaukeln.
- Jetzt kommt der passive Stretch: Die Mutter hebt das obere Bein an und lässt es nach vorn unten hängen. 4-10 Minuten halten, bis die Mutter das Gefühl hat, die Muskeln werden länger.
- Jetzt auf der anderen Seite dasselbe.
Lockerungsübung für das Becken (Standing Release)
ist eine einfache Maßnahme, mit der bindegewebige Strukturen gelockert werden sollen, die Muskeln und Organe im Becken und bis hoch zum Zwerchfell umgeben. Laut Gail kann es die Kindslage verbessern, bei Beckenproblemen, aber auch Sodbrennen helfen. Die Übung braucht einen Helfer (kann von der Mutter auch selbst gemacht werden, evt. mit einem weichen Ball als Kontaktgeber) und wurde von Dr. Carol Phillips speziell für Schwangere entwickelt.
Wann macht man’s?
bei Rücken- und Hüftschmerzen,
wenn das Baby sich aus Querlage, Beckenendlage oder Sternenguckerlage drehen soll,
zur Minderung vorzeitiger Wehen (vor der 37. SSW)
in der Schwangerschaft und während der Geburt, wenn es sonst nützlich erscheint
So geht’s:
- Füße (ohne Schuhe) hüftbreit auseinander, Knie locker, mit ausgestreckten Armen nach vorn gegen eine Wand stützen. Lockere Kleidung.
- Der Helfer steht neben der Mutter, ebenfalls Knie locker.
- Der Helfer berührt mit einer Hand sanft den unteren Teil des Bauchs der Frau ohne zu drücken.
- Die andere Hand berührt ganz leicht das Kreuzbein, ohne Zug auszuüben.
- Die Berührungen sollen so leicht sein, wie der Auflagedruck eine kleine Münze (also sehr klein), der Helfer darf das Gewicht seiner Arme nicht auf der Mutter auflegen.
- Die Mutter spürt in ihren Körper hinein und fängt an, sich instinktiv von den Hüften an zu bewegen, der Berührung der Hände nachzugehen. Das sind spontane Bewegungen, die nicht großhirngesteuert sein sollen. Wie eine Art spontaner Tanz.
- Die Frau kann dabei alle möglichen Bewegungen machen, die Hände können auch die Wand verlassen. Die Bewegungen können auch ganz minimal sein oder nur für den Helfer zu spüren sein.
- Der Helfer bewegt die Mutter nicht und schränkt ihre Bewegungen nicht ein. Er folgt der Mutter oder kann auch loslassen, wenn die Mutter sich zum Boden bewegt oder Bewegungen macht, die den Kontakt zu seinen Händen verlieren lässt.
- Die Mutter hört auf, wenn sie sie das Gefühl hat, dass sie fertig ist. Diese Übung erreicht das beste Ergebnis, wenn Mutter und Helfer lockere Knie und Hüften behalten.
Das Video ist das beste, was ich dazu gefunden habe. Er erwähnt allerdings nicht die Bewegung, die die Mutter laut Gail Tully intuitiv als Reaktion auf die Berührung machen soll.

























