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Eine Alleingeburt – Mit der Familie und Gottvertrauen

Liebe Leser, wieder darf ich die schöne, ganz normale Geburt in Eigenregie einer anderen Mama mit euch teilen. Warum und wie sie ohne Hebamme geboren hat und wie sie mit einer stärkeren Lösungsblutung nach der Geburt umgegangen ist, erzählt sie euch im folgenden Bericht:  

Meine erste Geburt war eine sehr unschöne Krankenhausgeburt. Die Geburt vom zweiten Babysohn war eine sehr schöne, hebammenbetreute Hausgeburt. Ich hätte auch mein drittes Kind wieder mit meiner tollen Hebamme bekommen, einfach weil ich sie sehr gerne mag, nicht weil ich mir das gebären nicht alleine zugetraut hätte, aber sie konnte leider keine Hausgeburten mehr anbieten. Mit der Option Krankenhaus konnte ich auch nicht wirklich leben … Also habe ich mich die ganze Schwangerschaft über auf eine Alleingeburt eingestellt.

Sonntag, 27. September 2015: SSW 40+1

Nachdem ich in der letzten Woche immer wieder Wehen hatte und dachte, dass es jetzt bestimmt los geht, ist es heute sehr ruhig. Ich hab letzte Nacht gut schlafen können und bin morgens relativ fit. Vormittags habe ich aber einfach das Bedürfnis mich zurück zu ziehen und mein Mann kümmert sich um die Jungs, so dass ich das machen kann.

Ich lege mich ins Bett, döse ein bisschen vor mich hin. Danach schreibe ich noch einen Brief an das Baby in meinem Bauch. Ich freue mich so auf dich und hoffe, dass du ganz bald bei uns bist.

Generell ist die Stimmung einfach ruhig. Ich freue mich auf mein Baby. Bin weder total euphorisch, noch total down, sondern einfach in frohere Erwartung.

Nachmittags sind wir bei meinen Eltern und auch einige meiner Geschwister. Wir trinken Kaffee, die Jungs spielen draußen mit ihren Cousinen und Papa. Ich hab Lust abends noch mal gemütlich Essen zu gehen und meine Mama kommt mit mir.

Als ich mich fertig mache, fangen die Wehen wieder an, es zieht immer mal, aber das nehme ich nicht mehr ernst. Ist ja an den meisten Abenden so. Das bleibt so, auch als wir im Restaurant sitzen. Ab 20 Uhr gucke ich immer mal auf die Uhr, die mir gegenüber hängt. Die Wehen sind schön beständig und alle unter zehn Minuten. Ab und zu muss ich mal mein Besteck hinlegen und kann auch nicht sooo gut zuhören oder erzählen. Aber auch das ist ja nichts Neues. Auf dem Rückweg ins Auto gucken wir noch ein bisschen Schaufenster an. Beim Laufen kommen die Wehen schon unter fünf Minuten und ich muss auch immer mal stehen bleiben.

Ich überlege, wann ich meine Freundin anrufen soll, die zum Photos machen kommen soll. Will sie nicht unnötig aufscheuchen. So richtig glaube ich immer noch nicht an einen Beginn der Geburt. Ich schreibe ihr einfach, dass ich Wehen habe, aber noch nicht weiß ob sie bleiben, dass sich alles auch noch wieder legen kann. Sie soll sich ruhig ins Bett legen. Und ich rufe dann an, wenn sie kommen soll.

Ich will zu Hause erstmal duschen gehen und gucken ob alles so bleibt.

Gegen 22 Uhr sind wir zu Hause und ich sage J., meinem Mann, wie der Stand der Dinge ist. Als ich auf dem Klo bin, sehe ich, dass sich der Schleimpfropf langsam löst. Hach, vielleicht doch Geburtsbeginn?!

Ich gehe duschen und sage J., dass er sich ruhig noch mal ins Bett legen kann. Ich wecke ihn dann, falls es ernster wird.

Die Wehen bleiben auch nach dem Duschen. Zwischen 4 und 6 Minuten sind die Abstände und sie werden ganz langsam kräftiger. Ich veratme sie noch still vor mich hin.

Montag, 28. September 2015

Meine Mama kommt um 12:40 Uhr dann auch zu mir. Wir wollten sie gerne da haben, falls die großen wach werden. Und falls nicht, ist es auch schön, sie einfach so bei der Geburt dabei zu haben. Sie kann sowieso nicht schlafen. Gemeinsam verbringen wir noch einige Zeit im Wohnzimmer und irgendwann habe ich dann Lust, Wasser in den Pool zu lassen, um mich darin ein bisschen zu entspannen.

Zwischen den Wehen räume ich hier und da noch ein bisschen rum, der Pool füllt sich langsam. Ich ruhe mich immer wieder auf dem Bett aus. Die Abstände der Wehen sind im Laufen und auf dem Klo sehr viel kürzer als im Liegen und werden immer intensiver.

Um zwanzig nach 1 rufe ich meine Freundin an, die dann gegen 2 Uhr da ist. Wir Frauen unterhalten uns in den Wehenpausen, meinen Mann lasse ich noch eine Stunde schlafen. Um 3 weckt Mama ihn.

Ich wandere immer zwischen Pool und Klo hin und her. Dazwischen stütze ich mich während der Wehen an Kommode oder Bett ab und kreise mein Becken. Ich töne schon langsam bei den Wehen mit. Im Pool sind die Abstände weiterhin sehr viel größer als draußen. Deshalb gehe ich immer wieder raus und bewege mich, damit es weiter geht. Gehe auch immer wieder zum Wehen veratmen aufs Klo, weil ich merke, dass dieses Geburtshocker-artige Sitzen gut tut. Der Kopf rutscht immer weiter nach unten, der Muttermund öffnet sich langsam, aber ich fühle, wie die Fruchtblase ganz prall vor dem Kopf sitzt.

Ab ca. 4 Uhr werden die Wehen wirklich heftig. Ich muss sie schon gut vertönen um sie auszuhalten. Diese Intensität kenn ich nur von der Übergangsphase bei den beiden Jungs und freue mich, dass es dann wohl bald geschafft ist.

Zwischendurch fällt es mir wirklich schwer, mich nicht auf den Schmerz, sondern die Atmung zu konzentrieren. Die Wehe zuzulassen und mich zu öffnen, alles locker zu lassen und nicht anzuspannen, weil ich möchte, dass sie schnell vorbei ist. Ab hier habe ich kein wirkliches Zeitgefühl mehr. Ich möchte gerne, dass es voran geht, steige deshalb immer wieder aus dem Pool, aber merke schnell, wie mein Körper an seine Grenzen kommt und ich immer erschöpfter und müder werde. Ich möchte nur noch schlafen. Ich schicke irgendwann alle aus dem Zimmer und lege mich ein bisschen ins Bett. Wenn mein Körper ein bisschen Ruhe braucht, soll er die haben. Ich habe keine Ahnung, wie lange ich Wehenpausen habe, aber ich kann mich ein bisschen erholen.

Irgendwann hole ich meine Mama wieder dazu. J. und B. – meine Freundin, bleiben nebenan. Sobald ich aufstehe sind, die Wehenabstände wieder kürzer. Ich verbringe jetzt viel Zeit auf dem Klo und versuche immer mal mitzuschieben, aber es tut sich nichts. Wenn diese Fruchtblase doch endlich platzen würde.

Irgendwann wachen die Jungs auf und ich weiß, dass während sie da sind, das Baby auch nicht kommen wird. Ich veratme weiter meine Wehen. Ich erinnere mich selbst dabei an eine Löwenmama – ich brauche so viel Kraft für diese Wehenarbeit, hab vor jeder Wehe das Gefühl, es nicht mehr länger zu schaffen und muss mich selbst immer wieder ermutigen weiter zu machen. Die Wehenabstände sind weiterhin lang aber die Wehen, die ich dann habe, seeehr intensiv und lang.

Gegen viertel nach sieben bringt mein Mann die Jungs in den Kindergarten. Ich gehe wieder auf mein Klo um die Wehen zu veratmen. Da werden die Abstände wieder sehr viel kürzer. Die Blase ist immer noch prall. Ich töne inzwischen sehr intensiv und merke schnell, dass wir so nicht mehr ins Krankenhaus fahren werden.

Ich gehe in den Pool in der Hoffnung, noch etwas Entspannung zu bekommen. Aber auch da bleiben jetzt die kurzen Abstände und die Wehenintensität nimmt noch mal zu. Hier ist auch jetzt nichts mehr mit Kind einfach raus atmen. Ich muss stark mitpressen und führe gefühlt einen innerlichen Kampf gegen diese Fruchtblase … Irgendwann platzt sie dann und mit ihr kommt die Hälfte des Kopfes mit. Es brennt und diese Wehenpause, in der der Kopf halb draußen ist, ist so urgewaltig. Ich habe die ganze Zeit die Hand an Babys Kopf und fühle viele Haare. Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor. Ich widerstehe dem Drang einfach noch weiterzupressen, weiß kurz nicht, wie ich mich platzieren soll und bleibe dann einfach so aufrecht wie ich bin. Irgendwann kommt die nächste Wehe, ich merke wie der Körper meines Babys sich durch mein Becken dreht und irgendwann ganz raus flutscht. Ich hebe mein Baby ganz schnell an meine Brust. Dabei fällt mein Blick auch schon zwischen die Beine und ich sehe, dass ich Mama von meinem dritten Sohn geworden bin. Was für ein Gefühl. Ich bin so erleichtert. Es ist 8:36 Uhr und ich habe mein Kind alleine in meine eigenen Hände geboren!

Um mich rum weinen alle. Die Anspannung fällt spürbar von allen ab. J. kommt ins Zimmer, ich habe gar nicht mitbekommen, dass er die ganze Zeit im Flur neben der Tür saß und gebetet hat. Er holt Handtücher und ich decke unser Baby damit zu. Da kommt auch schon die erste Nachwehe. Recht schnell möchte ich aus dem Pool raus, um die Plazenta draußen zu bekommen.

J. und Mama helfen mir aus dem Pool und decken mich auf dem Bett zu. Da kommt auch schon die nächste heftige Nachwehe und ich höre ein flatschen in meinem Bauch, als ob die Fruchtblase noch mal platzt. Da hat sich wohl die Plazenta gelöst. Es kommt ein riesen Schwall Blut, und ich merke, dass die Plazenta auch bald kommt. Ich gebe mein Baby an meine Mama ab und hocke mich über eine Schüssel, damit ich die Plazenta aufrecht besser gebären kann. Mit ihr kommt noch mal einiges an Blut. Als die Plazenta komplett draußen ist und ich wieder zurück ins Bett möchte, merke ich, dass mir unglaublich schwindelig wird und ich kurz vor der Ohnmacht bin. Ich fange an zu zittern und bekomme nichts mehr mit um mich rum, nur Hände die auf meinem Rücken liegen und Leute, die für mich beten. Das Zimmer ist ganz schnell voller Engel… Irgendwann werde ich ruhiger und merke, dass ich langsam wieder zurückkomme. Ich lege mich auf den Boden, die Füße auf einen Hocker und bitte, dass irgendjemand mir schnell ein Stück Plazenta gibt. Die Blutung wird schnell weniger.

Da liege ich dann einige Zeit, bis ich denke ganz langsam ins Wohnzimmer aufs Sofa krabbeln zu können. Während der Plazentageburt um 9 Uhr hat mein Mann G., die Hebamme, angerufen und die ist auf dem Weg zu uns. Irgendwie habe ich es geschafft nach nebenan zu kommen und lege mich aufs Sofa. Meine Mama hat hier mit dem Babysohn und der Plazentaschüssel gewartet.

Um halb zehn ist G. da. Die Nabelschnur ist inzwischen auspulsiert und ich schneide sie durch. J. und Mama waschen mich – ich bin überall voller Blut.

Auch jetzt habe ich wieder kein Zeitgefühl mehr. G. macht einiges an Papierkram. Irgendwann wird unser Sohn gewogen und gemessen: 3750 g – 50 cm und 36 cm Kopfumfang. Ich liege nackt mit ihm auf dem Sofa und so genießen wir die ersten Stunden bis die großen Brüder nach Hause kommen und ihren kleine Bruder glücklich begrüßen.

 

 

Alleingeburt und Hochzeit an einem Tag (Video)

Ganz frisch: Ein sehr schöner Bericht von Annalena in Video-Form. In drei Teilen schildert sie, wie es dazu kam, dass sie eine Geburt in Eigenregie geplant hat und wie die Geburt dann tatsächlich war. Viel Spaß beim Anschauen!

Viiielen Dank für’s Teilen, Annalena! 🙂

https://www.youtube.com/watch?v=CNqS32JCqXo

https://www.youtube.com/watch?v=TIgneWJX2yY&t=3s

https://www.youtube.com/watch?v=hr4ztzFmKio

Geburtsberichte gesucht!

Hallo meine lieben Leser!

Geburtsberichte zu lesen war für mich damals eine große Hilfe in Vorbereitung auf meine erste Alleingeburt. Damals gab es fast nur englische Berichte im Internet, aber davon jede Menge. Ganz besonders hilfreich fand ich solche, wo die Alleingeburt aus irgendeinem Grund abgebrochen wurde. Dadurch habe ich für mich so viel gelernt. Meine Seite hier lebt zu einem großen Teil von Geburtsberichten und soll euch helfen, wie mir all diese Berichte damals auch geholfen haben.

Wer schon eine Alleingeburt hatte und sein Erlebnis gern mit anderen teilen will, darf mir also gern schreiben! Ganz besonders wünsche ich mir auch Berichte, wo es nicht geklappt hat oder wo es nach der Geburt Probleme oder eine Verlegung gab. Solche Berichte sind zwar nicht unbedingt rosarot, aber dafür um so wertvoller für alle, die sich auf einem Alleingeburt vorbereiten. Veröffentlicht wird natürlich so anonym ihr das wünscht.

Also keine Scheu! Ihr müsst auch keine begnadeten Schriftsteller sein. Gerade wie ihr es schreibt, ist es genau richtig. 🙂

Unser Besuch im Frühstücksfernsehen

Alles beginnt am 11.1., als ich mittags von einem Termin nach Hause komme und unser Babysitter mir aufgeregt das Telefon entgegen trägt.

Am nächsten Morgen soll ich in Berlin im Frühstücksfernsehen sein und am besten sofort „ja“ sagen? Äh … da muss noch ein bisschen was geklärt werden vorher. Aber alles passt schließlich und am Abend sitze ich mit dem Jüngsten im Taxi in Richtung Flughafen.

Ich smartphone-skeptische Tante bin das erste Mal mit einem (ausgeliehenen, älteren) Smartphone unterwegs und nutze die Wartezeit vor dem Flug (hat wegen Schneesturm in Berlin Verspätung), um mich mit der Technik anzufreunden. Gar nicht so verkehrt das Teil. Es stellt sich auf dieser Reise sogar als überaus wertvoll heraus. Nur die Bildqualität könnte besser sein …

Landeanflug auf das verschneite Berlin. Die vielen Lichter glitzern wie lauter Edelsteine.

Das Baby ist gut gelaunt und freundlich zu allen Mitreisenden.

Nach ewiger Taxi-Fahrt durch Berlin endlich im Hotel. Das Baby ist immer noch gut gelaunt. Ich bin inzwischen ziemlich müde. Und morgen 6.20 Uhr steht das Taxi vor der Tür, das mich zum Sender fahren soll …

In der Nacht schlafe ich echt wenig. Aber das Adrenalin hilft. Ich bemerke den Schlafmangel am ganzen folgenden Tag nicht.

Das Interview und das ganze Drumherum wird eine nette Sache. Aufgeregt bin ich nicht mehr. Das mit dem Aufgeregtsein habe ich in der Nacht offenbar erledigt …

Hier ein Ausschnitt aus dem Interview bei www.sat1.de. Das lässt sich nur in Deutschland anschauen, leider. Für die Schweiz geht dieser Link: www.sat1.ch. Ich hab’s auch noch privat bei youtube hochgeladen, wer nicht rankommt. Öffentlich machen darf ich’s aus Urheberrechtsgründen nicht.

Die Zeit zwischen den Auftritten (dreimal bin ich ran) verbringe ich im dortigen Gästezimmer in netter Gesellschaft: Ich habe mich mit Denise und Isabel verabredet. Da meine Zeit in Berlin so kurz ist, treffen wir uns eben hier.

Isabel fährt mich zum Flughafen und wir quatschen auf der Fahrt. Kurz darauf bin ich wieder in der Luft. Diesmal fliege ich über Frankfurt zurück und dann geht’s mit dem Zug das letzte Stück.

In der Sendung mit der Maus wurde behauptet, dass Tomatensaft im Flugzeug besonders gut schmecken soll. Ich teste es, finde es aber nicht unbedingt lecker.

Kiran schläft derweil neben mir.

Ab Frankfurt also weiter mit dem Zug. Am Bahnhof spricht mich eine Frau an, die mich im Frühstücksfernsehen gesehen hat. Wir reden über Geburten, bis der ICE einfährt.

Der heimische Bahnhof in Sichtweite.

24 Stunden und 30 Minuten nachdem ich von daheim losgefahren bin, treffe ich wieder zu Hause ein. Was man in 24 Stunden so erleben kann! Ich fühle mich, als hätte ich einen Abstecher in eine andere Welt gemacht.

Anmerkung: Foto 4 und 5 stammen von Denise Wilke. Danke, dass ich sie nutzen darf!

 

 

 

Was wir essen und warum

Da es immer wieder nachgefragt wurde, habe ich zum Thema Ernährung und wie wir das handhaben mal eine dreiteilige Videoreihe gemacht.  Ich hoffe, das beantwortet die meisten Fragen. 🙂

Teil 1: Die Urvölker, Weston Price und unser Weg zu gesunder Ernährung

Teil 2: Sieben Prinzipien traditioneller Ernährung

Teil 3: Anwendung der 7 Ernährungsprinzipien

 

 

 

 

„Bei der stillen Geburt unseres Sohnes im Krankenhaus haben wir durch eine außerordentlich schöne Geburt und wie wir mit allem umgegangen sind einen besonderen und tiefen Eindruck hinterlassen. Und wir wurden ganz gelassen, konnten alles so machen, wie wir wollten, – etwas was ja sonst nicht möglich ist in der Klinik, – denn – das Kind war ja tot …  – Das finde ich irgendwie absurd. Und schade. Daher brauchten wir auch eine Weile, um zu realisieren, dass wir bei einem lebenden Kind niemals eine solche Geburt in der Klinik würden haben können.“

Daniela H. (stille Geburt im KH – Hausgeburt – Alleingeburt)

„Bin ganz überrascht, wie instinktiv man handelt und wie man im Rausch ist.“

Eine frischgebackene Mama, die sich beim 6. Kind das erste Mal eine Geburt in Eigenregie getraut hat.  Ihr Baby wurde 17 Tage nach Termin und mit der Hand am Kopf geboren.

Alleingeburt und natürliche Sterbegleitung

Liebe Leser,

heute darf ich einen besonderen Bericht mit euch teilen. Tod und Leben liegen manchmal dicht beieinander. Die Mutter im folgenden Bericht bekommt ihr viertes Kind in Eigenregie und verliert ihr erstes Kind kurze Zeit später an einem Hirntumor. So schrecklich das ist, so nötig ist es, dass unsere Gesellschaft nicht nur das Gebären, sondern auch das Sterben von allen auferlegten Tabus befreit und den Menschen zurück in die Hände legt. Die Berichtschreiberin und ich hoffen, hiermit einen kleinen Beitrag dazu leisten zu können.

Ich heiße Yana und bin Mutter von vier Kindern. Zwei Kinder waren  hebammenbegleitet und zwei Alleingeburten. Dieses Jahr habe ich mein viertes Kind im Wald mit dem Papa auf die Welt gebracht. Die Schwangerschaft verlief problemlos. Keine Untersuchungen, keine Arzttermine. Alles war entspannt.

Doch am Ende der Schwangerschaft wurde ich doch etwas nervös. Ich hatte Angst vor dem Verlust und Tod. Ich wusste, dass ich auch damit rechnen musste. Wir geben Leben und begleiten auch das Sterben. Das war mir plötzlich bewusst.

Als ich in der 37. Woche war, kam dann der Schock. Mein Sohn Lennox, 10 Jahre, vorher kerngesund, hatte plötzlich Probleme beim Laufen und Sprechen, er sabberte und schielte.

Wir sind ins Krankenhaus. Diagnose Hirnstammtumor!!! Überlebensrate ein Prozent. Ich war am Boden zerstört. Wie soll ich das schaffen? Wird er sterben? Wie soll ich denn jetzt ein Baby gebären? Wie soll ich leben? Mein Sohn musste ins Krankenhaus und wurde erst einmal mit Kortison behandelt. Einen Monat später sollte er mit der Strahlentherapie beginnen.

Der Papa blieb mit Lennox zwei Wochen im Krankenhaus. Dann durfte Lennox erst mal nach Hause. Er war stabil, aber mittlerweile konnte er kaum noch laufen, essen, trinken, sprechen. Es war ein Marathon zwischen Geburtsvorbereitung und Überlebenskampf. Wir haben angefangen, die Ernährung umzustellen. Haben uns über Naturheilverfahren informiert. Haben Pflanzenextrakte besorgt, Heiler kontaktiert usw. Nichts hat geholfen. Es ging ihm nicht besser und der Geburtstermin und die Strahlentherapie rückten immer näher.

Ich war im Stress. Das Baby musste vor der Strahlentherapie kommen. Denn die Strahlentherapie sollte in Paris gemacht werden. (Wir wohnen in Südfrankreich.) Und ich wollte in der Nähe von meiner Familie bleiben.

Dann am 26.3., 4 Uhr morgens, verlor ich den Schleimpfropf. Erste Wehen machten sich bemerkbar. Ich war so froh, endlich, drei Tage vor der Strahlentherapie.

Die Wehen waren noch unregelmäßig. Ich nahm mir Zeit, spazierte etwas im Wald und legte mich dann wieder schlafen. Am Nachmittag um 16 Uhr wurden die Wehen stärker. Ich ging in den Wald. Mein Mann kam nach. Wir haben ein Feuer gemacht und die Regentonne aufgefüllt. Es war warm und romantisch. Die anderen Kinder waren bei Freunden und nun hätte ich entspannen können.

Aber es war so schwer. Ich hatte Angst. Angst vor dem Tod. Die Wehen wurden langsam sehr stark. Ich stieg in die Regentonne. Aber irgendwie wurde es immer länger. Das war ich nicht gewohnt (die anderen Kinder kamen in 2 Stunden).

Dann um 23 Uhr kamen die Presswehen. Und irgendwie wollte ich plötzlich aus der Regentonne raus. Mit der letzten Kraft bin ich dann rausgeklettert. Noch drei Presswehen und die kleine Ziarka war geboren. Ein gesundes kleines Mädchen. Das Komische war nur: Die Nabelschnur war so kurz, dass ich die Kleine nicht mal auf meinen Bauch legen konnte. Ich glaube deshalb bin ich aus der Regentonne gestiegen. Aber irgendwie war das Anlegen nicht möglich mit dieser kurzen Nabelschnur. Also haben wir gewartet, bis sie auspulsierte und sie dann durchtrennt. Ich konnte nun endlich mein Baby in den Arm nehmen und sie an meine Brust anlegen.

Wir haben noch eine Weile auf die Nachgeburt gewartet und als die nicht kam, sind wir zu den anderen Kindern ins Bett und haben erst mal geschlafen. Am Tage ging es uns gut. Die Kinder sind aufgewacht und haben sich über die kleine Schwester gefreut. Nur die Nachgeburt wollte nicht kommen. Dann ENDLICH 16 Stunden nach der Geburt kam die Nachgeburt. Ufff, da waren wir sehr erleichtert.

Wir waren so froh, dass alles gut ging, aber ausruhen konnten wir nicht. Wir mussten alles vorbereiten, um nach Paris zu reisen. Drei Tage später waren wir dann in Paris, um die Strahlentherapie für Lennox zu beginnen. Voller Angst vor der Zukunft, dem Tod, der Strahlentherapie und gleichzeitig die Freude über das Baby, stellten wir uns unserer Aufgabe.

Wir blieben sechs Wochen in Paris. Lennox bekam seine Strahlentherapie. Ich war am verzweifeln. Es ging ihm immer schlechter, ich hatte das Gefühl, er wird sterben. Nach sechs Wochen sind wir zurück nach Hause und Lennox ging es sehr schlecht. Die Strahlen hatten ihm nicht geholfen. Zu Hause haben wir ihn weiter mit Pflanzenextrakten behandelt. Es schien ihm dann auch immer besser zu gehen. Er konnte so wieder Fahrrad fahren, Pony reiten usw.

Dann plötzlich, von einem Tag auf den anderen, konnte er wieder nicht sprechen, laufen, richtig essen. Wir sind wieder ins Krankenhaus. Der Tumor ist gewachsen. Er soll sterben. Die Ärzte haben ihn aufgegeben, es gibt keine Behandlungsmöglichkeiten. Noch ca. zwei Wochen zu leben. Lennox sollte aus dem Krankenhaus entlassen werden, um noch Zeit mit seiner Familie zu verbringen.

Was sollten wir tun??? Es war so schrecklich. Ich sollte mein Sohn beim Sterben begleiten. Ihn aufgeben. Also sind wir in unser Haus ans Meer gefahren (Lennox liebt das Meer), in Begleitung von Freunden, die uns unterstützten. Wir versuchten weiterhin Lennox zu heilen. Es ging ihm immer schlechter und wir mussten uns mit dem Thema Natürliche Sterbebegleitung auseinandersetzen. Ich habe meinen Sohn natürlich auf die Welt gebracht, ich werde ihn auch natürlich beim Sterben begleiten.

Mittlerweile war Lennox vollständig gelähmt. Er wurde nur noch mit einem Tropf am Leben erhalten. Wir haben ihn gepflegt und unsere letzte Zeit mit ihm genossen. Er hatte sich so verändert, er war so schön, wie ein Baby, so rein und weise. Jede Sekunde mit ihm, war ein Geschenk. Es war so schwer und doch so schön. Mein Herz weinte, aber seine Anwesenheit hat alle Unsicherheit genommen. Er war so stark. Als sein Tod immer näher rückte, wurde der Tropf von den Krankenschwestern entfernt. Um den Körper seinen natürlichen Weg gehen zu lassen. Er war ok, er hat nicht mehr gelitten, er war schon so weit weg. Er verließ so langsam seinen Körper. Wir haben in ausgezogen, er sollte nackt wie er geboren ist von uns gehen.

Einen Tag später, am 14. September, habe ich ihn im Arm gehalten und sein Herz hat aufgehört zu schlagen. Er hatte es geschafft und wir waren todtraurig, aber auch froh für Lennox, der nicht mehr leiden muss. Er ist von uns gegangen in LIEBE.

Es gibt nicht viel mehr zu sagen. Nur finde ich, es war eine Erfahrung, die ich gerne teilen möchte. Ich habe Lennox begleitet und es waren oft die gleichen Gefühle wie bei einer Geburt, Leben geben und das Ende zu begleiten sind sich schon sehr ähnlich. Nur der Tod bringt Trauer und Ende. Geburt bringt Freude und Zukunft.

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