FAQ – Angeborene Schmelzdefekte

Woran erkennt man angeborene Schmelzdefekte?

Typisch ist, dass die Zähne sehr schnell nach dem Durchbruch Verfärbungen aufweisen. Meist beginnt es als verfärbter, rauer Saum an der Zahnfleischkante der oberen Schneidezähne. Manchmal fangen die Zähne direkt an wegzubröckeln. Bei manchen platzt der Schmelz einfach ab und das gelbliche Zahnbein darunter wird sichtbar. Häufig und am stärksten sind die oberen Schneidezähne betroffen und die Kauflächen der Backenzähne. Meist sieht man allen Zähne an, dass mit dem Schmelz etwas nicht stimmt (gelbfleckige Schmelzstruktur). „Normale“ Karies beginnt in der Regel nicht so früh und betrifft meist nur einzelne Zähne.

Andere Zahnveränderungen, die mit angeborenen Schmelzdefekte verwechselt werden können:

  • Black stain (eine schwarze Verfärbung durch harmlose Bakterien)
  • Fluorose (Schmelzdefekte durch zu viel Fluorid)
  • Karies als Folge von Medikamenten (gegen Soor, Asthma)
  • Karies als Folge von Ernährungsfehlern, z.B. süßen Getränken aus der Flasche
  • Verfärbungen/Entmineralisierungen an den oberen Schneidezähne aufgrund von chronischer Mundatmung

Wie entstehen angeborene Schmelzdefekte?

Frühkindliche Schmelzdefekte entstehen in der Schwangerschaft oder kurz danach. Man weiß noch nicht genau warum, aber es reichen wohl kleine Imbalancen von Seiten der Mutter, um die schmelzbildenden Zellen zu stören. Es fällt auf, dass selten das Erstgeborene betroffen ist, um so häufiger aber jüngere und jüngste Geschwister. Das lässt vermuten, dass die Mutter durch die vorangegangenen Schwangerschaften ein Nährstoffedefizit aufgebaut hat, das sich in einer mangelhaften Schmelzbildung bei den jüngeren Kindern niederschlägt. Außerdem als Auslöser in der Diskussion sind Antibiotika – wobei ein störender Effekt auf die Schmelzbildung nur für eine Antibiotikaklasse bewiesen wurde, die in der Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert ist. Außerdem sind Weichmacher in Plastik und Glyphosat unter Verdacht. Diese Defekte sind in jüngster Zeit stark im Zunehmen, ohne dass offiziell jemand weiß warum. Ein Umwelteinfluss durch irgendwelche chemischen Substanzen ist also wahrscheinlich.

Was ist der Unterschied zwischen angeborenen Schmelzdefekten und MIH?

Angeborene Schmelzdefekte können Milchzähne oder auch bleibende Zähne betreffen. Als MIH (Molaren-Inzisiven-Hypoplasie) bezeichnet man eine angeborene Unterentwicklung des Schmelzes speziell bei den bleibenden Schneidezähnen und ersten Backenzähnen. Soweit habe ich die Definitionen auf jeden Fall verstanden …

Was kann man zur Kariesvorbeugung tun, gerade bei Schmelzdefekten an Milchzähnen?

Ich kann nur sagen, was ich probiert und als effektiv erlebt habe. Fleißig putzen gehört leider nicht dazu. Aber die Ernährung nach Weston Price/Ramiel Nagel ausrichten, hat uns bisher gut gedient und die aus dem Schmelzdefekt entstandene Karies bei unserer Jüngsten dauerhaft zum Stillstand gebracht. Mir ist wichtig, die Milchzähne als Platzhalter zu erhalten, bis die Bleibenden kommen. Wie sie dabei aussehen, finde ich erst einmal zweitrangig. Eine entsprechende Ernährung verlangsamt deutlich oder stoppt den Kariesfortschritt (je nachdem, wie weit die Karies fortgeschritten ist, wie gut oder schlecht die Zahnsubstanz ist und wie gut man es schafft, die veränderte Ernährung dem Kind nahe zu bringen). Andere Eltern verwenden außerdem Xylit, Beinwell, Tooth Mouse und noch einige andere Sachen. Damit habe ich aber keine Erfahrung.

 Mein Kind hat angeborene Schmelzdefekte. Bekommt es jetzt automatisch Karies? Sollte ich abstillen?

Schmelzdefekte und Karies gehen in der Regel Hand in Hand. Wenn Zähne mit schwachem Schmelz durchbrechen, werden sie unter Umständen sofort kariös, weil eben der Schmelz so schwach ist. Oder der Schmelz platzt ab, legt das Zahnbein darunter frei, das dadurch ebenfalls leicht Karies bekommen kann. Unsere Jüngste (jetzt 5) hat Schmelzdefekte an mehreren Milchzähnen. Man sieht, dass an manchen Zähnen größere Flächen Schmelz abgeplatzt sind und in drei Vertiefungen Karies begonnen hat, die aber inzwischen schwarz ist, also zum Stillstand gekommen ist. Es ist nämlich so, dass Zähne, die neu durchbrechen, eine Erstmineralisierung durch den Speichel erfahren. Selbst wenn also die angelegten Zähne aus irgendeinem Grund schwachen Schmelz haben, kann bei guter Speichelzusammensetzung noch bis zu einem gewissen Grad eine nachträgliche Mineralisierung geschehen – genauso wie ungünstige Speichelzusammensetzung die Kariesentstehung begünstigt. Gestillt habe ich sie übrigens ungeachtet dessen.  Kinderzahnärzte prangern gern das Stillen als Schuldigen an, ohne dass es bewiesen wäre. Da erzählt man am besten erst gar nichts über das Stillen, denn das hat mit angeborenen Schmelzdefekten sowieso nichts zu tun.

Was spricht für eine Zahnbehandlung bei Schmelzdefekten, was spricht dafür zu warten und auf die Ernährung zu setzen?

Kinderzahnärzte behandeln gern schnell und im Rundumschlag in Vollnarkose. Ihr Ziel ist es, die Zähne entweder so aussehen zu lassen, also hätten sie nie etwas gehabt oder sie zu ziehen, wenn ersteres nicht mehr möglich ist. Solche Zähne sind in ihren Augen dann „nicht mehr zu retten“, obwohl ihre Wuzeln meist noch wunderbar intakt sind. Sie lassen die Karies bzw. den Schmelzdefekt also einfach optisch komplett verschwinden. Hat man Angst vor Hänseleien in Kindergarten oder Schule, ist das eine wirkungsvolle Möglichkeit, dem vorzubeugen.

Andererseits kann so eine Behandlung traumatisch für das Kind sein. Manche Kinder entwickeln nach diesem Erlebnis eine Zahnarztphobie und sind danach nur noch schwer zu behandeln. Oft war die erste Behandlung nicht die letzte (auch wenn alles in Vollnarkose gemacht wurde), weitere sind nötig. Schwierig für alle Beteiligten.

Eine Vollnarkose ist außerdem nicht ungefährlich. Sie wirkt sich nachweislich auf die Gedächtnisfunktion also auf das Gehirn aus. Da ist die Frage, ob man einen solchen Eingriff nicht echten Notfällen vorbehalten sollte. Es gibt – vor allem bei etwas größeren Kindern, die besser kooperieren – auch andere Möglichkeiten der Betäubung, die weniger invasiv sind.

Zahnersatz hat leider immer das Potential, den Biss zu beeinträchtigen und zu verändern. Werden Kronen oder Füllungen zu hoch oder zu tief angelegt, verschiebt sich der Biss und das meist dauerhaft, weil die Muskeln sich an die neue Situation anpassen. Und welches Kind, erst recht in Vollnarkose, kann sich schon darüber äußern, ob irgendwo eine Füllung oder Krone zu hoch oder zu tief ist? Die häufigste Ursache für die Craniomandibuläre Dysfunktion – eine chronische, schwer zu therapierende Krankheit – sind falsch angelegter Zahnersatz und Zahnfüllungen. Chronische Kopfschmerzen beim Kind aber auch entzündete und abgestorbene Zähne nach Zahnbehandlung können darauf hindeuten, dass Füllungen bzw. Kronen eventuell zu hoch oder zu tief sind.

Der Vorteil vom Ernährungsansatz bei angeborenen Schmelzdefekten ist, dass er eine Zahnarztbehandlung sehr oft überflüssig macht oder in ein Alter verschiebt, wo das Kind mehr verstehen kann und kooperationsbereiter ist. Dort, wo Karies begonnen hat, kommt sie in der Mehrzahl der Fälle zum Stillstand und verursacht in der Folge keine Beschwerden bis zum Zahnwechsel. Der Nachteil ist, dass die Zähne unter Umständen gar nicht schön aussehen (zum Stillstand gekommene Karies ist dunkel bis schwarz) und das Kind deswegen gehänselt werden kann. Außerdem erfordert eine solche Ernährung Disziplin, Fleiß und Durchhaltevermögen von den Eltern. Eine Balance zu finden zwischen Strenge und Ausnahmen, besonders bei Süßem, ist nicht so leicht. Mit kleineren Kindern aber noch leichter umzusetzen als mit größeren. Dabei ist Perfektionismus zum Glück nicht nötig. In der Regel reicht es, sein Bestes zu geben und einen Raum für Ausnahmen zu schaffen, damit man dem Kind nicht das Gefühl gibt, nichts zu dürfen. Bei uns hat es sich zum Beispiel bewährt, Süßigkeiten an einem Tag in der Woche nach einer Mahlzeit (dem Mittagessen) zu erlauben und sonst nur in Ausnahmefällen (Geburtstag, Party etc.). Nachteil ist natürlich auch, dass nicht alle Zahnärzte bereit sind, so ein Vorgehen zu begleiten. Bei einem normalen Zahnarzt wird man da eher fündig als bei den Kinderzahnärzten.

Woran erkenne ich, dass die Karies zum Stillstand gekommen ist?

Aktive Karies sieht hell aus, gelblich bis hellbraun. Je dunkler, desto inaktiver ist die Karies normalerweise. Schwarz sieht also zwar nicht schön aus, ist aber eigentlich ein gutes Zeichen.

Die Karies ist gelblich, hellbraun und hebt sich farblich kaum vom Zahn ab. Diese Karies ist also noch ziemlich aktiv.
Hier ist die Karies deutlich dunkler als der Zahn. Man kann also davon ausgehen, dass diese Karies nur noch langsam fortschreitet oder frisch zum Stillstand gekommen ist.
Hier ist die Karies ebenfalls sichtbar dunkler als der Zahn, weshalb man annehmen kann, dass die Karies zum Stillstand gekommen ist oder nur noch langsam fortschreitet. In diesem Fall bestätigte das auch der Zahnarzt.
Hier ist die Karies schon seit zwei Jahren im Stillstand. Die Karies – hier auf den Kauflächen der Backenzähne – hat sich über dunkelbraun zu tiefschwarz entwickelt und ist ansonsten seitdem unverändert. Aufgrund des angeborenen Schmelzdefektes sieht der Schmelz an fast allen Zähnen gelblich fleckig aus. An manchen Stellen fehlt Schmelz, ohne dass Karies begonnen hat.

Was sagen Zahnärzte zu angeborenen Schmelzdefekten?

Nicht alle Zahnärzte kennen angeborene Schmelzdefekte. Und wenn, dann kennen sie oft nur die MIH (siehe oben), bei der die bleibenden Zähne betroffen sind. In der Regel werden dann andere Ursachen und Schuldige gesucht. Speziell Kinderzahnärzte geben fast immer dem Stillen die Schuld, obwohl es mindestens genauso viele Kinder gibt, die mit Zähnen gestillt werden und keine Zahnprobleme haben. Will man plumpen Beschuldigungen aus dem Weg gehen, sollte man besser nicht erwähnen, wenn man noch stillt. Kinderzahnärzte wollen in der Regel sehr schnell in Vollnarkose behandeln. Normale Zahnärzte sind tendenziell eher geneigt, ein abwartendes Vorgehen zu begleiten.

Fragen? Unklarheiten? Ergänzungen? Hab ich Fehler eingebaut? Bitte schreibt mir das alles einfach in die Kommentare. 🙂

 

2 Gedanken zu „FAQ – Angeborene Schmelzdefekte“

  1. Hallo, wie sind die Erfahrungen mit Ernährungsumstellung in Fistelzahn? Ein Backenzahn meines Sohnes hat eine Fistel, welche mir ausdrücken, den Zahn oft gut von Essensresten befreien. Er hat keine Schmerzen. Zwei Backenzähne sind weggebrochen, nicht schmerzhaft. Die Karies steht still, doch was macht die Fistel mit dem Knochen, die Bakterien mit der allg. Gesundheit vom Kind?
    Jetzt war ich dummerweise doch noch einmal bei einer Kinderzahnärztin. Sie wusste nichts von W. Price, hat jedoch angeraten, die Stümpfe und den Fistelzah zu ziehen. Erstere lasse ich natürlich nicht ziehen. Bei dem Fistelzahn weiss ich nun nicht mehr 🤤

    1. Über eine Fistel wirft der Zahn wieder raus, was an Fremdmaterial eingedrungen ist. An sich also ein gesunder Umgang des Körper mit einem nicht so gesunden Zahn. Ist die Fistel schmerzlos, kann man davon ausgehen, dass der Entzündungsherd klein ist und vom Körper problemlos begrenzt wird (also auch nicht auf den Knochen übergreift). Breitet sich eine Entzündung aus, weil der Körper das nicht im Griff hat, macht sie Schmerzen. Schmerzlose Fisteln an Milchzähnen sind nicht so selten und treten zum Beispiel auch nach Sturz auf. So eine Fistel kann auch wieder verschwinden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.