Mein Weg zu Freiheit und Selbstbestimmung – Ein Erfahrungsbericht

Ihr Lieben, der folgende Bericht stammt aus einer Email, die diese Mutter an mich geschrieben hat. Ich fand ihre Geschichte so inspirierend und kraftvoll, dass ich sie gefragt habe, ob ich sie mit euch teilen darf. Sie schildert darin die Geburten ihrer drei Kinder und ihren Weg von der Fremdbestimmung zur Selbstbestimmung. 

In meiner dritten Schwangerschaft habe ich erstmalig von Alleingeburt, einer schönen Geburt, Geburt ohne Ärzte, Hypnobirthing und ähnlichem gehört. Nachdem ich zwei Schwangerschaften und Geburten erlebt habe, die ich so überhaupt gar nicht wollte, habe ich alles verschlungen was mit dem Thema zu tun hatte. Schon in meiner ersten Schwangerschaft war ich sehr unglücklich. Diese vielen Untersuchungen, dieser Druck, jedesmal wurde etwas Neues festgestellt. Ich musste jede Woche zum Ultraschall kommen. Weil ich natürlich risikoschwanger war. Mein Kind war viel zu klein. Mein Kind hatte dies. Mein Kind hatte das. In der 29. Schwangerschaftswoche habe ich dann Wehen bekommen und habe das Krankenhaus erst nach der Geburt bei 34+0 wieder verlassen. Für mich eine fast traumatische Erfahrung. Ich wurde angeschrien, gezwungen mich auf den Rücken zu legen obwohl ich mehrfach sagte, dass ich mich auf der Seite viel wohler fühle und meine Schmerzen viel erträglicher wären. Dies wurde aber ignoriert. Ich wurde festgehalten, wenn ich mich bewegen wollte. Mir wurde ein Katheter gelegt, damit mein Baby mehr Platz hat und schneller raus kommt, obwohl ich dies verneinte. Meiner Tochter musste noch in meinem Unterleib Blut aus dem Kopf abgenommen werden. Ich wurde angeschrien, dass mein Baby jetzt stirbt, und schon pressten zwei Ärzte mit vollem Körpergewicht auf meinen Bauch um mein Baby zu gebären. Mein Muttermund riss sogar dabei ein. Über die weiteren Geburtsverletzungen an Damm, Schamlippen und von innen in der Scheide muss ich vermutlich nichts erzählen. Meine Tochter wurde mir sofort weggenommen und lag zwei Wochen lang auf der Intensivstation.
Damals dachte ich, das war alles so richtig.
Dann wurde ich zum zweiten Mal schwanger. Ich ging (natürlich wie jeder) zum Frauenarzt. Musste ganz schnell alle 2 Wochen kommen, da meine erste Schwangerschaft ja so risikobehaftet war und dies auf jeden Fall wieder so sein würde. Mein Baby würde auf jeden Fall wieder ein Frühchen. Ich würde wieder monatelang im Krankenhaus liegen. Für mich völlig unverständlich. Wieso sollte alles genau so werden? Aber ich glaubte den Ärzten und ging brav zu jeder Untersuchung. Eines Tages sagte meine Frauenärztin, dass mein Sohn vermutlich das Down Syndrom hat. Ich sollte dorthin und dies untersuchen und und und. Aber ich weigerte mich. Für mich hätte es keinen Unterschied gemacht. Ich hätte mein Kind niemals abgetrieben. So ging ich zu einem anderen Arzt und vereinbarte einen 3D Ultraschall. Ich dachte, so könnten wir uns unseren Sohn noch mal genau anschauen, schauen ob die Finger wirklich so kurz sind, wie die Ärztin sagte und die vielen anderen Dinge, die auf ein Down Syndrom hinweisen. Der Arzt machte den Ultraschall und sagte, dass unser Sohn in seinen Augen völlig gesund aussieht. Da war ich zum ersten mal so sauer, wie ich noch nie war. All die Sorgen waren völlig unbegründet. Vorher war es für mich immer völlig normal, dass Ärzte recht haben. Dass alles so sein muss. Schließlich sagt einem jeder, wie gefährlich alles ist. Die Untersuchungen, die dann bis zur Geburt folgten, waren für mich nur noch eine Pflichtveranstaltung. Alles was sie sagte und maß war für mich nur noch Schwachsinn. Ich fand es nur noch schön, meine kleine Maus live zu sehen, wie er an seinen Fingern nuckelt und gähnt.
Ich schrieb einen Brief. Einen Brief an meine Hebamme im Krankenhaus. (Ja, da war es für mich leider immer noch normal, wieder ins Krankenhaus zu gehen.) In dem Brief stand alles, was während der ersten Geburt passiert war. Alles wovor ich panische Angst hatte. Und alles was ich mir wünschte. (z.B. keine Medikamente. Keine äußeren Einwirkungen. Keine Dauerüberwachung. Freie Wahl der Geburtsposition.) Alles was völlig normal sein sollte, schrieb ich auf und gab es der Hebamme die mich bei der Geburt betreute. Wir gingen spät abends los, als ich anfing zu bluten. (Heute weiß ich, dass ich noch nicht hätte hin gehen müssen.) Im Krankenhaus angekommen fand die Hebamme meinen Brief ganz toll und wollte versuchen, sich an alles zu halten (wenn denn alles normal verläuft). Vermutlich war es nur dieser eine Satz und ich hatte keine einzige Wehe mehr. Wäre mein Muttermund nicht schon 4 cm offen gewesen, hätte ich nach Hause gehen können. Aber so durfte ich nicht. So lag ich dort die ganze Nacht. Immer wieder wurde ich gefragt, ob sie nicht was machen sollten. Einleiten. Medikamente. Einen Einlauf. Ich war aber schon immer gegen Medikamente und wollte einfach nur meine Ruhe haben. Am nächsten Tag wurde mittags (mal wieder) untersucht. Bei der Untersuchung platzte Gott sei Dank einfach so ohne Wehen meine Fruchtblase und mein Sohn schnappte sich seinen Schlitten und rodelte innerhalb von 50 Minuten in die Freiheit. 🙂 Ich hatte eine Wehe nach der anderen und war soooo glücklich. Ich durfte mich nämlich hinlegen wie ich das wollte und hatte dadurch kaum Schmerzen. (Achso, übrigens keine vorzeitigen Wehen. Geburt bei 37+2 SSW.)
Nun kommen wir zum dritten Kind. Da ja beim zweiten alles so viel schöner verlief, ging ich wie gewohnt zum Frauenarzt. Genervt ging ich zum Frauenarzt. Lustlos. Ich erfuhr im Laufe der Schwangerschaft von dir und kaufte mir sofort dein Buch. Das war das beste was ich hätte machen können. Ich wünschte, ich hätte es schon 2008 lesen können. Nachdem meine Frauenärztin meinte, meine Tochter würde nicht mehr wachsen und sie würde mir raten, sofort ins Krankenhaus zu fahren um einleiten zu lassen (noch weit entfernt vom Geburtstermin), dachte ich, ich falle vom Glauben ab. Mein Bauch wuchs und wuchs. Mein Gewicht stieg und stieg, ohne das ich dicker wurde (außer der Bauch) und die Tritte meiner Tochter wurden von Woche zu Woche immer stärker und heftiger. Ich suchte mir auf der Stelle eine Hebamme und bat sie mich zu betreuen. Aber ohne Untersuchungen. Ich wollte, dass sie sich mit mir trifft, sich mit mir unterhält. Wir zwischendurch mal nach meinem Urin schauen und ich ansonsten einfach nur meine Ruhe habe. Gesagt, getan. Leider durfte sie mich nicht bei einer Hausgeburt betreuen. (Du kennst das ja. Ein Frühchen. Der Frauenarzt schreibt dramatische Dinge und schwupps darf man gar nichts mehr.)
Ich kann dir gar nicht sagen, wie glücklich ich war. Ich war so frei. Mir ging es so gut. Ich hatte keinen Druck mehr nach unten (in den anderen Schwangerschaften immer mit offenem Muttermund). Ich ging spazieren, zupfte Unkraut, räumte den Garten auf, putze jeden Tag das ganze Haus. (All das wurde mir in den anderen Schwangerschaften verboten. Ich durfte nur liegen. Weil die Gefahr einer Frühgeburt viiiel zu gross war.)
Ich sagte meiner Hebamme, dass ich bis 40+0 schwanger sein werde. Und sie lachte herzlich und meinte, ich solle von meinem Körper nicht zu viel verlangen. Ich wüsste ja, was alles passieren kann. Gegen Ende der Schwangerschaft drängte sie mich ein wenig dazu, noch ein einziges Mal zum Frauenarzt zu gehen. Sie sagte, sie müsse sich absichern. Versicherungen und und und würden ihr sonst Probleme machen. Da ich nicht wollte, dass sie Ärger bekommen kann, ging ich widerwillig zum Arzt. Ich wollte es allen beweisen. Meiner Ärztin, meiner Hebamme. Allen wollte ich beweisen, dass mir meine eigenen Gefühle genau den richtigen Weg zeigen. Im Ultraschall wurde dann festgestellt, dass mein Baby perfekt entwickelt ist und alles gesund und munter ist. Ich war richtig zufrieden mit mir selbst. Ich war richtig zufrieden, dass ich innerlich einen kleinen Stinkefinger zeigen konnte, da ich recht hatte und die Ärzte nicht.
Bei 40+0 platzte Zuhause die Fruchtblase. Ich ging in die Badewanne und blieb dort so lange, bis ich wusste, jetzt kommt sie gleich. (Mein Mann ist weiterhin ein Schisser und wir hatten das Abkommen, dass ich mit ihm ins Krankenhaus fahre, wenn ich denke, dass es Zeit wird.) Auf dem Weg ins Krankenhaus hörten die Wehen fast auf. Im Krankenhaus angekommen, zog ich mich auf der Stelle aus und stieg aufs Bett und begab mich sofort in Geburtsposition. Zig Hebammen und Ärzte (ich glaube fünf oder sechs Leute standen da rum als wäre ich eine Schwerverletzte in Lebensgefahr) kamen angerannt mit Geräten und Nadeln und irgendwelchen Schlüpfern und und und. Ich wurde ziemlich schroff und ich glaube auch sehr zickig und fauchte, dass mich niemand anfassen soll und das Baby jetzt kommt. Die Ärztin beharrte darauf, dass sie unbedingt fühlen muss, ob ich vollständig eröffnet bin. Ich glaube, ich habe noch nie so wütend geguckt und meinte zu ihr, dass man die Haare ja wohl schon sehen kann. Sie untersuchte trotzdem und stellte völlig erstaunt fest, dass da ja ein Kopf raus kommt. Ich verdrehte die Augen und fing an zu pressen. Zwei Minuten später war meine Tochter geboren. Völlig gesund und munter. Nach der Geburt fing ich an zu erzählen, dass hier nichts gemacht wird. Dass die Nabelschnur so lange dran bleibt bis sie nicht mehr pulsiert, das keine Medikamente gegeben werden oder unnötige Untersuchungen. Die Ärztin war total genervt von mir. *hahahaha* Aber das war mir scheißegal. Als die Plazenta geboren war, bin ich mit meinem Mann direkt nach Hause gefahren. Völliger Schwachsinn für sowas ins Krankenhaus gefahren zu sein. Aber mein Mann war beruhigt.
Jetzt bin ich mit meinem vierten Kind schwanger. Derzeit in der 11. SSW. Ich war einmal beim Arzt um zu schauen, ob das Herz schlägt und dass es am richtigen Platz sitzt, da ich so starke Unterleibschmerzen hatte (Eileiterschwangerschaft). Mein Mann fragte schon, wann ich denn den nächsten Termin habe. Daraufhin antwortete ich: „Wenn ich glaube, medizinische Hilfe zu benötigen.“ Derzeit wüsste ich nicht, wozu mich jemand untersuchen sollte. Die Übelkeit nimmt langsam etwas ab. Ich habe keine Schmerzen, keine Blutungen oder sonst was. Mein Bauch wächst bereits. Ich bin einfach nur glücklich. Ich werde dein Buch wieder lesen. Auch wenn ich es auswendig kann *hahahaha* Und diesmal möchte ich Zuhause bleiben und mir von niemandem mehr reinreden lassen. Auch von meinem ängstlichen Mann nicht. Meine beiden Grossen haben gefragt, warum sie bei der Kleinen nicht dabei sein konnten. Warum wir weggefahren sind. Diesmal möchten sie unbedingt helfen. 🙂

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