Zwei Frauen, drei Geburten – davon eine Alleingeburt

Hallo, liebe Leser! Ich darf wieder eine interessante Geschichte mit Euch teilen. Genau genommen sind es gleich drei – von zwei Frauen: Eine klassische Krankenhausgeburt, eine Geburtshausgeburt, die wegen Sternguckerlage im Krankenhaus mit Kaiserschnitt endete, und eine turbulente Alleingeburt (vorsicht, viel Blut 😉 ). Aber macht Euch selbst ein Bild …

Wir sind eine Regenbogenfamilie: ich habe unser erstes Kind geboren, meine Partnerin unser zweites und ich wieder unser drittes.  Das ist vielleicht von dem her speziell, dass beide die Seite des Zuschauers und der Gebärenden kennen …

Ich dachte schon in der ersten Schwangerschaft: Ich gehe nicht so viel zu den Untersuchungen und gebären würde ich am liebsten alleine – habe dann aber doch alles mitgemacht, was man so macht. Irgendwie freute ich mich auf die Kontrollen, weil man übers Kind redete, aber irgendwie war es im Nachhinein immer etwas überflüssig. Zuerst in einer antroposophischen Klinik in der Schweiz, danach zogen wir aber Ende Schwangerschaft nach Deutschland wegen der geplanten Stiefkindadoption, welche für uns in der Schweiz verboten ist. Dort war ich bei einer konventionellen Ärztin und nervte mich extrem über sie, da ich den Zuckertest nochmals machen musste, weil im Ultraschall der Baby angeblich zu groß sei. Ich glaubte dem Ultraschall sowieso nichts und ich hatte in dieser Schwangerschaft weitgehend auf Zucker verzichtet.

Zur Geburt fuhren wir nach dem Blasensprung und ca. zwei Stunden ziemlich starker Wehen im 3 Minuten-Abstand in ein Riesenkrankenhaus, wo sie mich nicht untersuchen konnten, weil ich mich zu viel bewegte. Darauf schickte mich die Hebamme noch auf ein Stationszimmer. Dort duschte ich ca. vier Stunden auf dem WC sitzend. Dann trocknete ich mich irgendwann ab und bekam Presswehen. Das ganze kam mir viel zu schnell vor und ich sagte meiner Partnerin die schlief, sie solle jemanden rufen. Die packten mich auf ein Bett, fuhren mich in den Kreißsaal, sagten ich solle so fest ich kann pressen und drückten mit aller Kraft auf dem Bauch mit. Auch spritzten sie Oxitocin wegen den langen Wehenpausen. Ich war gut drauf wegen der Geburt und fand das alles gar nicht so schlimm in dem Moment, nur das ich extrem zitterte und nachher lange nicht alleine aufstehen konnte wegen dem Kreislauf. Am meisten hat mich gestört, dass unsere Tochter so lange einfach da lag, bis sie sie mir gaben, obwohl ich die ganze Zeit sagte: Darf ich sie mal! Die Nachgeburt wollte ich auch anschauen. (Ich bin Landwirtin und es interessierte mich, wie das bei einem Mensch aussieht.) Sie hielten sie mir von weitem kurz hin, das machte mich irgendwie traurig. Die Nabelschnur wurde natürlich sofort durchgeschnitten und als meine Partnerin fragte, ob sie auspulsiert sei, meint die Ärztin: nein.

Bei der zweiten Geburt gingen wir zu den Vorsorgeuntersuchungen und zur Geburt in ein Geburtshaus. Ich tastete durch den Bauch meiner Partnerin, dass irgendwie alle Füsse und Hände zu spüren waren. Die Hebammen sagten, er liegt verkehrt herum, dann sagten sie, sie wissen es nicht, wie er liegt, dann sagten sie, er liegt wie ein Sterngucker. Und immer, aber nicht in dem Zusammenhang, sagten sie, wir können auch gerne in ein Spital gehen, weil sie dachten, meine Partnerin schaffe so eine Geburt nicht. Als die Fruchtblase platzte, ließen die Wehen auf sich warten, kamen dann aber doch sanft. Die eine Hebamme kam vorbei und bezweifelte, dass die Fruchtblase geplatzt sei. Dann gaben sie uns eine Frist bis am Abend ins Geburtshaus zu kommen. Als wir kamen mit Wehen in 7 min Abstand, bezweifelten sie, dass es Wehen seien. Ich nervte mich innerlich extrem. Meine Partnerin hatte sich mit Hypnobirthing vorbereitet und man merkte ihr keine Wehe an, wenn man sie nicht kannte. Als die Hebammen am Muttermund feststellten, dass die Geburt ja doch schon weiter war als sie dachten, waren sie erstaunt. Dann ging aber alles sehr langsam und sie kamen immer wieder für Herztonkontrollen (waren immer bestens) und sagten dann und dann muss der Muttermund so und so viel weiter offen sein und nach so und so viel Wehen kontrollieren wir ihn wieder. Weil unser Sohn nicht weiter runter rutschte, sollte sie Treppen laufen, das half, aber er lag immer noch falsch und die Presswehen drückten ihn aufs Steißbein, was nicht zum Aushalten war. Wir wurden ins Spital gebracht und eine PDA wurde gemacht. Meine Partnerin hatte großes Mitleid mit dem Kind, weil er ja immer noch gegen den Knochen drückte und für sie hatte das nichts mehr mit Geburt zu tun, wenn man nichts merkt. Dann wurde ein Kaiserschnitt gemacht, weil der Blasensprung schon 28 Stunden her war und angeblich schlechte Blutwerte da waren. Es gab auch keine Veränderung bei der Kopfstellung des Kindes und der Muttermund blieb bei 8 cm. Wir fanden die Hebammen im Spital viel entspannter, evt. da sie nicht so eine große Verantwortung alleine tragen müssen. Sie gaben mir auch als Partnerin homöopathische Kügelchen, da ich bei dem Wort Kaiserschnitt in Tränen ausgebrochen war …

Der operierende Arzt sagte nachher. Das wäre nie gegangen, so wie der lag. Unser Sohn weinte als Baby sehr viel, war sehr verkrampft und lag immer etwas schräg da, sodass wir mit ihm zu einer Osteopatin mussten.

Bei der dritten Schwangerschaft (meiner zweiten), ging ich in der zwölften Woche in ein Geburtshaus für die Krankschreibung bei der Arbeit und wegen den Stützstrümpfen. Schon das Herzton abhören mit dem kleinen Ultraschallgerät war mir nicht so recht fürs Kind. Eigentlich wollte ich nur einmal richtig Ultraschall machen und fertig. Die Stützstrümpfe musste dann aber doch ein Arzt verschreiben, also machte ich bei dem auch grad den Ultraschall. Krankschreiben wollte mich aber noch niemand 100%. Bei der zweiten Kontrolle im Geburtshaus, die ich irgendwie netterweise machte, fühlte ich mich sehr sehr  unwohl bei dem Herumgedrücke auf den Bauch. Auch dass ich mich dringend für die Geburt anmelden sollte und das Bereitschaftsgeld zahlen sollte, war mir zuwider. So sagte ich ihr für die Zukunft ab und fühlte mich extrem befreit. Zu einem sehr netten Arzt ging ich einmal nur für die Krankschreibung und er verschrieb mir Bryophyllum, weil meine Bauch schon so früh ständig hart wurde, was für mich sehr unangenehm war. Die Krankschreibung schickte er mir dann jeden Monat per Post und das Bryophyllum half sehr gut.

Da mich einmal der Schafbock ca. 20 Meter durch den Wald schleifte, ging ich, ungefähr in der Mitte, zur Kontrolle, ob alles gut ist, ins Unispital. Die sagten am Schluss: „Haben Sie nächste Woche eine Kontrolle bei Ihrem Frauenarzt und den Zuckertest?“  Ich sagte einfach: „Ja genau“  und sie schrieb das auf.

Vor der Geburt machten wir noch eine Liste, was wir alles nicht wollen bei der Geburt, falls ich doch den Wunsch hätte, ins Spital zu gehen. Mir ist ein Spital lieber als eine persönlich Hebamme, weil es anonymer ist und die Tage nach der Geburt im Spital zu verbringen finde ich eigentlich auch toll (man hat seine Ruhe vor dem Alltag und es ist wie in einem Hotel). Wir überlegten auch, dass man bei einer Alleingeburt nicht über die teilhabenden Leute reden kann, weil es keine gibt, man hat irgendwie diese ewig in Erinnerung bleibenden Begegnungen nicht .

Zwei Wochen vor dem von der Hebamme errechneten Termin und eine Woche vor meinem errechneten Termin ging um sechs Uhr morgens der Schleimpfropf ab. Ab und zu kam eine ganz zarte Wehe zwei Stunden, später beim Frühstück alle viertel Stunde eine Wehe. Gegen halb zwölf kam eine sehr starke Wehe, ich musste mich übergeben und blieb grad im Badezimmer bei laufendem Wasser. Die Wehen kamen fast pausenlos und wurden wahnsinnig schmerzhaft. Ich ging in die Badewanne zum Duschen. Meine Partnerin brachte mir einen Hocker und ich duschte meine Beine und den Unterbauch die ganze Zeit kalt ab. Ich dachte kurz, ich falle vielleicht in Ohnmacht und sagte zu meiner Partnerin: Ich kann wirklich nicht mehr! Ich hatte richtig Angst vor der nächsten Wehe und atmete ganz schlecht oberflächlich. Dann merkte ich den Kopf Richtung Ausgang rutschen – ein sehr spezielles Gefühl. Die Wehen hörten plötzlich auf, es gab eine Pause und es kamen nur noch Presswehen. Die waren nur noch örtlich und nicht wirklich schmerzhaft (nur das Brennen und reißen tat weh) und es gab Pausen dazwischen. Ich sagte: „ jetzt ist alles sehr gut!“ Ich fand es sooo angenehm, dass mir niemand sagte, wann und wie ich zu pressen hatte.

Der Kopf kam schnell und dann das ganze Kind – und es fiel in die Badewanne! Weil meine Partnerin nicht dorthin kam mit der Hand wegen dem Waschbecken und ich mich auf keinen Fall anders setzten wollte und erst recht nicht weg von dem Wasser (meine Partnerin schlug ein paar Mal vor, aufs Bett in den Vierfüßlerstand zu gehen).  Er fiel ungefähr 30 Zentimeter, aber wir machen uns schon Vorwürfe deswegen …

Meine Partnerin rief die Kinder, die am Ostereier anmalen waren und nur ab und zu vorbeigeschaut hatten. Wir gingen ins Bett und der Kleine trank an der Brust. Die Uhrzeit war zehn vor eins! Da die Wehen für die Plazenta so stark waren, wechselte ich die Position in den Vierfüßlerstand und legte mich danach wieder. Weil die Nabelschnur sehr kurz war und ich mich wegen der starken Wehen nicht richtig um das Kind kümmern konnte, schnitten wir die Nabelschnur nach ungefähr einer Stunde weit weg vom Kind einfach durch. Ich dachte vor der Geburt immer, bei der Nachgeburt werde ich überhaupt keinen Stress haben, die kann kommen wann sie will, und die Nabelschnur lassen wir einfach dran. Die Wehen waren aber nicht zum Aushalten, die Nachgeburt kam nicht und ich blutete schon ziemlich, sodass meine Partnerin den netten Arzt anrief (es war Sonntag). Er war ganz aus dem Häuschen dass wir keine Hebamme hatten und rief die Chefin von dem Geburtshaus an. In der Zwischenzeit hatte sich unser mittleres Kind beim Birne essen geschnitten und blutete extrem. Meine Partnerin verzweifelte fast, bis sie unter all dem Blut die Schnitte fand. Die Hebamme kam sehr schnell und war sehr nett und zurückhaltend. Sie spritze mir Oxitocin, nachdem sie versucht hatte, vorsichtig zu ziehen, und die Nachgeburt kam. Sie zeigte mir im Spiegel wie groß der Dammriss war und ich entschied mich zum Nähen, da ich fand: Das sieht riesig und so tief klaffend aus. Meine Partnerin fand, ich hätte es nicht machen sollen, da mich die Naht der ersten Geburt immer noch stört und ich vorher gesagt hatte, ich will nicht nähen. Ich sagte einfach nach dem inneren Zusammenheften, außen müsse sie nicht mehr weiter machen – keine Ahnung ob das gut war…  leider hatte das Baby in der ganzen Aufregung um die Finger und die Nachgeburt etwas kalt bekommen, nur so in Wolldecken gewickelt. Wir wogen ihn dann irgendwann abends und er war ziemlich viel leichter als meine erste Tochter.

Die Hebamme kam dann am nächsten Tag wieder wegen der Anmeldung, zu der sie verpflichtet ist, wenn sie bei der Nachgeburt dabei war (was für uns natürlich von Vorteil war). Danach hatte die Hebamme Ferien und schickte eine andere. Diese half mir mit Akupunktur sehr bei den Nachwehen, die mich vier Tage lang völlig fertig machten. Ein sehr guter Kinderarzt (mein eigener) kam nach zwei Tagen und fand, der Kleine sieht sehr fit aus, er fand den Sturz nicht schlimm. Er bewunderte auch die Alleingeburt, die sich anscheinend schon herumgesprochen hatte. Leider bekam das Baby von den beiden Großen Husten und Schnupfen in der ersten Woche, und macht uns jetzt mit eineinhalb Wochen immer noch Sorgen damit. Die Hebammenbesuche werden mir langsam zu viel, aber einmal kommt sie jetzt halt noch, ich konnte sie nicht abwimmeln, und eigentlich ist sie ja nett …

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