Totschlag???

Man kann sich mit Berechtigung über einige Dinge wundern, wenn man den Werdegang und Ausgang des Gerichtsprozesses um ein totes Baby und eine Hausgeburtshebamme verfolgt hat.

http://selbstgeboren.de/?p=963

Ich denke aber, sie hat gute Chancen, freizukommen, wie andere Hebammen vor ihr.

http://www.dhz-online.de/index.php?id=310&tx_ttnews%5Btt_news%5D=5212&cHash=7430425a5c02d7016254858d387598e0

Das Recht auf freie Geburtsortwahl darf nicht auf dem Rücken derer ausgetragen werden, die die Frauen dabei unterstützen. Es ist nun mal unmöglich, eine Säuglingssterblichkeit von 0% hinzubekommen. Das erwartet ja auch niemand von Geburtshelfern, die im Krankenhaus tätig sind. Also bitte: Recht muss Recht bleiben und überall sollte der gleiche Maßstab angelegt werden.

5 Gedanken zu „Totschlag???“

  1. Es ist traurig zu sehen, wohin uns unsere Gesellschaft und Gesetzgebung noch führt. Heute sucht man stets erst einen Schuldigen, bevor man noch überlegt, um was es eigentlich geht. Wir haben die Amis längst eingeholt, was skurrile und „kranke“ Prozesse angeht.

    Der Mörder, der sämtliche Tatbestandsmerkmale erfüllt hat, wird freigesprochen, da sich in der Begründung ein Kommafehler eingeschlichen hat.

    Der Vergewaltiger und Kinderschänder kommt aus der U-Haft frei, weil das Gericht mal wieder überlastet war und keinen Termin anberaumen konnte, der der Entlassung zuvorkam.

    Und eine Hebamme, die sich liebevoll und besorgt dem freudigen Ereignis widmet und alles, aber auch alles tut, um wirklich eine HILFE zu sein, wird schon im Voraus für etwas verantwortlich gemacht, das niemand sich wünscht und auch keiner erklären kann.

    Das ist Deutschland. Traurig.

    Die Rettunssanitäter/-assistenten, die nach neuem Recht ausgebildet werden sollen, denen geht es bald genauso. Sie sollen handeln wie ein Arzt, aber haften wie ein Depp. Die werden es mindestens genauso schwer haben wie die Hebammen. Traurig.

    Man schämt sich fast, dass man einer Gesellschaft angehört, die nur eines sucht: Den eigenen Vorteil. Geld schinden, verurteilen, von sich weisen…

    Nun höre ich auf mit schreiben, sonst „verrenne ich mich noch“…

  2. Hm, ich habe ein bisschen über den Fall gelesen und wundere mich nun meinerseits, dass ihr das Verhalten der Hebamme überhaupt nicht kritikwürdig findet. Baby liegt in BEL. Geburt geht nicht voran, Herztöne wurden trotzdem nicht abgehört und Verlegung ins Krankenhaus wurde nicht in Erwägung gezogen. Das klingt bei mir nach überehrgeizigem und verantwortlungslosem Handeln der Hebamme. MMn hätte sie wissen müssen, dass es riskant ist, unter diesen Bedingungen die Hausgeburt (bzw. „Hotelgeburt“) fortzusetzen, und dass das Kind durch einen KS gerettet werden kann. Was genau die Kriterien für Todschlag sind, mögen Juristen beurteilen. War die Hotelleitung eigentlich eingeweiht, was da in Zimmer soundso passiert?

    1. Wenn man glaubt, eine Geburt aus BEL sei gefährlicher als eine aus Schädellage, dann schon. Dieser moderne Glaube wird aber von neueren Studien nicht belegt, vorausgesetzt, es sind erfahrene Geburtshelfer dabei. Es ist wissenschaftlich also durchaus vertretbar, eine BEL-Geburt auf diese Weise durchzuführen. Zumal die betroffene Hebamme jahrelange Erfahrung dabei hat. Die Geburtsdauer war auch nicht über der Norm und offenbar gab es unter der Geburt keine Warnzeichen, die auf ein Problem hindeuteten. Die Frau selbst wollte eine außerklinische Geburt. Wann genau Herztöne gemessen wurden, weiß ich nicht. Möglicherweise hat die Hebamme Fehler gemacht. Aber Fehler werden auch im Krankenhaus gemacht. Das rechtfertigt nicht das Urteil des Totschlags. Denn das unterstellt Vorsatz. Und den finde ich in diesem Fall arg an den Haaren herbeigezogen bzw. nicht beweisbar.

    2. Es kommt wirklich immer drauf an, wo du Prozessbeobachtungen liest. Ich habe von anderen Quellen genau gegenteilige Sachen gelesen. WIrklich wissen wie was war, wie wer was gesagt hat und wie etwas deswegen interpretiert werden kann, dazu muss man wohl selbst drin gesessen haben.

      An diesem Fall ist ziemlich viel nicht koscher, angefangen von der offen zur Schau getragenen Abneigung der Gutachter und Gegenzeugen zum Thema Hausgeburt und der vielen Befangenheitsanträge die verhörte Mütter gestellt haben und die allesamt abgelehnt worden sind. Das schreit schon nach vorgefertigem Urteil, das nur noch ‚bewiesen‘ werden musste.

      Wenn man sich mal mehr mit den Rechtssystem hier und eigentlich überall beschäftigt, desto deutlicher wird, dass es nicht um Recht haben, sondern Recht kriegen geht. Und wir sehen, dass mit dem Thema Hausgeburt und den Hebammen grad was abgeht. Immer mehr Frauen wollen sich nicht in Klinikhände begeben. Aber anscheinend ist es wichtig, dass über geborene Kinder eine gewisse Kontrolle behalten wird.
      Dass Hausgeburten wegen der lächerlichen Hafptpflichtssache nun fast unmöglich sind, ist auch so eine Geschichte. Irgendwas ist da im Gange.

      Glaub was du willst, aber glaub nicht vorschnell Medienberichten… da findest du schon lange nicht mehr die Wahrheit. Wie viel da manipuliert wird ….
      Alles was du aufgezählt hast sind verfälschte Tatsachen. Die Geburt war nicht prolongiert, im Gegenteil. Die Herztöne wurden ständig abgehört, allerdings war dann auch einmal der Speicherchip nicht mehr aufzufinden? Der Notarzt, der auf einmal da war, obwohl ein Babynotarzt gerufen wurde hat diesen einfach verwiesen? Gutachter haben mir ganz komischen Studien um sich geworfen, denen nach Sterblichkeitsraten unter Hausgeburten doppelt so hoch seien, obwohl genau das Gegenteil der Fall ist? Die Angeklagte musste alle Hebel in Bewegung setzen, damit ein Fetalpathologe hinzugezogen wurde, der dann alle möglichen Sachen feststellte (vergrößertes Herz, gewisse Toxine im Blut), die der Pathologe vorher alle übersehen hatte? Einer der Gutachter hielt einen flammenden Vortrag darüber, dass Frauen ‚vaginal nicht gut für eine vaginale Geburt ausgestattet‘ sind?
      Also…. mir scheint da ziemlich viel, ziemlich gezinkt. Und ich wäre sehr vorsichtig einer so kompetenten Hebamme so eine schlampige Arbeit vorzuwerfen, nur weil du es irgendwo gelesen hast.
      Solche Dinge hab ich auch gelesen…. auf Seiten wie SPiegel Online und auf der Seite einiger Kanzleien… Ich find das alles sehr, sehr suspekt.

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