Alleingeburt – zum dritten Mal

Liebe Leser, 

heute darf ich den Geburtsbericht samt Video einer Mama teilen, die ihr fünftes Kind bekommt und dabei ihre dritte Alleingeburt erlebt. Ihr werdet merken, sie ist schon ein Gebär-Profi – und trotzdem ist jede Geburt neu und hält Überraschungen bereit …

Videolink und Webseite der Familie findet ihr ganz unten. 

Ich möchte euch teilhaben lassen an meiner dritten Geburt in Eigenregie, welche wieder unspektakulär und schnell war.

Meine großen Kinder kamen alle ca. 2 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin zur Welt, so dass ich auch dieses mal mit dieser Zeit rechnete. Tja, unser Baby kam natürlich auch mit einer Aufgabe zu uns, es sollte uns Gelassenheit und Geduld lehren. So verging die Zeit und ich war bereits in der 40. Schwangerschaftswoche. Da es mir aber sehr gut ging, sowohl körperlich als auch seelisch, war es ok so lang schwanger zu sein und ich genoss meinen Bauch im Sommer. Ich hatte nur 8 kg zugenommen und war bis zum Schluss kaum eingeschränkt mit meinem Bauch. Spaziergänge im Wald brachten nicht den gewünschten Erfolg eines Geburtsbeginns, ganz zu schweigen von anderen Mittelchen und Empfehlungen. Ich hatte einige Tag vor der Geburt jeden Abend ab und zu einen harten Bauch, aber nichts Regelmäßiges, so dass ich meist genervt ins Bett bin und früh ausgeschlafen mit Baby im Bauch aufwachte. Dennoch rechnete ich mit einer Geburt in der Nacht, wie die letzte Geburt war. In meinen Vorstellungen war es unmöglich, mit drei bis vier Kindern im Haus tagsüber eine Geburt über die Bühne zu bringen, viel zu wuselig ist es bei uns zu Hause. Aber dieses Abkommen hatte ich ohne meinen Körper gemacht.

Am 12. 7. hatte ich vormittags immer mal einen harten Bauch, gefühlt aber nicht regelmäßig und auch nicht heftig genug, um dass es auf eine Geburt hindeutete. Ich verabredete mich sogar mit einer Freundin auf dem Spielplatz. Als ich ihr von meinen leichten Wehen schrieb, empfahl sie mir doch lieber zu Hause zu bleiben und in Ruhe mein Baby zu bekommen. Die hat gut reden, dachte ich, und räumte aber sicherheitshalber mal das Haus auf, kochte Mittag und aß gemeinsam mit meiner Familie. Um zu schauen, ob die Wehen wirklich regelmäßig kommen und mich endlich körperlich und moralisch auf die Geburt einstimmen zu können, schickte ich meinen Mann mit den zwei großen Jungs (die Tochter war mit der Oma unterwegs) um 13 Uhr zum Einkaufen und auf den Spielplatz. Meinen 22 Monate alten Sohn begleitete ich in den Mittagsschlaf und hatte dann endlich Ruhe im Haus. Sitzend und wartend auf dem Sofa ging gefühlt nichts vorwärts, so dass ich mich weiter dem Haushalt widmete. Ich räumte den Geschirrspüler aus, die Küche wurde gewienert und das Wohnzimmer aufgeräumt. Während ich so vor mich hinarbeitete, kamen die Wehen aller 8-10 Minuten. Also doch recht regelmäßig, dachte ich. Und teilweise auch schon so, dass ich sie bewusst veratmen musste und in den Bauch atmete. Ok, vielleicht wird das ja doch was heute mit dem Baby. Ich bat meinen Mann per Nachricht, noch länger auf dem Spielplatz zu bleiben. Doch die Jungs wollten nach Hause und versprachen, leise oben zu spielen. So waren sie gegen 14.30 Uhr wieder zu Hause und auch der Jüngste wurde von seinem Mittagsschlaf wach. Toll, nun sind die Wehen bestimmt bald weg. Unserer Geburtsfotografin hatte ich Bescheid gegeben. Sie fragte auch, ob sie schon kommen soll (14.45Uhr), aber nein, das dauert sicher noch und ich war auch nicht so weit. Die Wehen blieben trotz Kindern um mich, der Kleinste schlängelte sich während der Wehen sogar um und durch meine Beine. Seit ca. 15 Uhr musste ich dann doch mittönen und wurde lauter, selbst das störte den Kleinen nicht. Meine Bedenken, dass er vielleicht Angst bekommt, waren völlig unbegründet. Zum Vertönen der ersten Wehen verzog ich mich dann erstmal aufs Klo, ich brauchte meine Ruhe und wollte noch nicht beobachtet werden. Mein Mann begann in der Zwischenzeit, den Pool einzulassen, welcher schon seit 3 Wochen aufgepustet dastand. Gegen 15.15 Uhr sagte ich dann der Fotografin Bescheid, dass sie so langsam doch vorbeikommen kann. Sie soll aber bitte nicht böse sein, wenn ich sie wieder rausschicke. Als sie 15.30 Uhr da war, nahm ich wieder mit dem Badezimmer vorlieb und vertönte meine Wehen für mich. Sie kamen seit um drei Uhr ca. alle 5 Minuten, waren aber gut aushaltbar. So ging ich dann 15.40 Uhr nach unten und konnte 15.50 Uhr endlich in den Pool. Das tat gut, ich hatte auch nach der ersten Wehe im Pool gefühlt eine lange Pause bis zur nächsten Wehe und konnte meine Kräfte noch einmal richtig sammeln. Denn dann begann die Übergangsphase und es wurde heftiger. 16.06 Uhr platze die Fruchtblase und ich fühlte nach dem Babykopf, welcher noch weit hinten war und so rechnete ich nicht so schnell mit der Geburt, obwohl ich wusste, dass bei den anderen die Geburt nach dem Blasensprung fünf Minuten später beendet war. Tja auch hier täuschte mich das Gefühl, denn das Baby wollte prompt geboren werden. So kam in der nächsten Wehe der Kopf und in der folgenden Wehe der Körper hinterher. Tamo Jarik wurde 16.13 Uhr in meine Hände geboren. Ich nahm ihn aus dem Wasser und war total perplex, dass es doch wieder so schnell ging. Mein Mann sollte gleich die zwei „kleinen“ Jungs holen, so dass auch sie ihren Bruder begrüßen konnten. Der große Sohn war auf dem Spielplatz und kam ca. 15 Minuten später dazu. Sie waren total glücklich, genauso wie wir Eltern und bestaunten unser Baby. Selbst der bisher Kleinste zeigte keinerlei Eifersucht, er lachte und freute sich über dieses kleine Wesen auf Mamas Brust.

Die Plazenta wollte im Pool nicht kommen, so dass ich noch ca. 20 Minuten den Pool verließ und aufs Sofa umsiedelte. Mir war total kalt und ich zitterte, gefühlt waren es tausend Nadelstiche die auf mich einpieksten. Zum Glück wurde mir zugedeckt schnell warm. Eine Stunde später hockte ich mich vors Sofa und gebar die Plazenta. Auch das völlig problemlos. Danach sagten wir dann der Hebamme Bescheid, dass sie sich in den nächsten Stunden gern auf den Weg machen darf, um unser Baby kennenzulernen. Sie war zwischen 18 bis 20 Uhr da, untersuchte unser Baby für die U1 und schrieb den ganzen Papierkram. Tamo war 3700g schwer und 53 cm groß, der Kopfumfang betrug 36 cm. Die zwei Wochen mehr im Bauch haben sich also bemerkbar gemacht. Er war mein schwerstes Baby, aber außer kleinen Schürfungen blieb ich unverletzt.

Mein Körper hat auch diese Geburt toll gemeistert, ich konnte die Wehen gut ertragen und hatte keine Sekunde Angst. Ich fühlte mich sicher und geborgen und hatte ein wunderbares Urvertrauen in mich. Selbst die Übergangsphase nahm ich nicht als solche war und konnte sie erst danach wirklich realisieren. Ich bin froh und sehr dankbar, die Geburt so erlebt zu haben und kann nur alle Frauen ermutigen, ihrem Körper und in ihre eigenen Gebärfähigkeiten zu vertrauen. Ich wünsche jeder Frau so eine selbstbestimmte Geburt.

Video und Webseite:

www.gemeinsamfreileben.de

Alleingeburt aus Beckenendlage nach Kaiserschnitt

Hallo liebe Leser,

ich darf heute eine ganz besondere Geburtsgeschichte mit euch teilen. Das dritte Baby einer Mama kam nach Kaiserschnitt und in Beckenendlage zur Welt. Weil niemand sie vertrauensvoll begleiten wollte, nahm sie die Sache selbst in die Hand.  Viel Spaß beim Lesen und vielen, vielen Dank an die Mama, die diese wertvolle Geschichte mit uns teilt!

Bereits vor Bekanntwerden der Schwangerschaft war für uns klar, dass auch unser drittes Kind im Geburtshaus zur Welt kommen soll. In der ersten Schwangerschaft hatte ich noch gar kein Gefühl für meinen Körper und habe keinen Gebrauch von meinem Selbstbestimmungsrecht gemacht. Diese endete in einem vorzeitigen Kaiserschnitt, da mein Sohn eine Fehlbildung hatte und eine spontane Geburt unter der Voraussetzung schlecht bis nicht möglich war. Leider verließ er seinen irdischen Körper nach zwei Monaten wieder. Dreieinhalb Jahre später wurde ich erneut schwanger und die schwere Schwangerschaft (Hyperemesis gravidarum, kaum Nahrungsaufnahme möglich, da permanente Übelkeit und Erbrechen) bewirkte, dass ich mich informierte und beschloss, dass ich im Geburtshaus gebären möchte. Zum ersten Mal hörte ich von Hypnobirthing und außerklinischen Geburten, dieser „alternativen Schiene“. Meine Tochter habe ich dann einen Tag nach Termin ohne Probleme im Geburtshaus bekommen. Knapp 1,5 Jahre später haben wir erfahren, dass ein weiteres Menschenkind zu uns kommen möchte. In der 31. SSW wurde uns mitgeteilt, dass unser Ungeborenes sich in Beckenendlage (BEL) gedreht hatte. Jedoch sollte ich mir keine Sorgen machen, das Baby hätte noch genug Zeit sich zu drehen. Da ich bis dahin noch gar keine Ahnung hatte, was es mit dieser Kindslage auf sich hatte, habe ich mich im Internet etwas erkundigt. Ich war mir sicher, unser Mäuschen würde sich noch drehen, also habe ich mir keine Panik gemacht. In der 36. Woche wurde ich langsam unruhig, habe meine Hebamme gefragt, ob man nicht versuchen könnte, das Kind zu „locken“. Langsam aber stetig häuften sich die Versuche, Mini zum Drehen zu animieren. Moxen, Becken hochlagern, Gespräche –  hat sie alles nicht beeindruckt und so näherten wir uns langsam dem errechneten Termin. Gleichzeitig wuselte ich im Internet herum und las alles, was ich bezüglich Geburten aus BEL in die Finger bekam. Da die Hebammen in unserer Umgebung keine BEL-Geburten begleiten, musste ich mich mit einer Klinikgeburt befassen. Ein unnötiger Kaiserschnitt kam für uns nicht in Frage. Mir war nicht wohl bei dem Gedanken, in ein Krankenhaus zu gehen, um mein Kind zu bekommen, aber ich dachte mir: Hey, sei nicht so voreingenommen, es gibt auch schöne KH-Geburten. Also suchte ich in der 38. SSW nach Kliniken, die erfahren sind und spontane BEL begleiten. Ich machte einen Termin zur Geburtsplanung in einem Krankenhaus knapp 30 km von uns entfernt in der Hoffnung, dass ich danach meine Ängste ablegen und ganz entspannt dort gebären kann. Leider riet mir der Oberarzt zu einem Kaiserschnitt. Laut ihm war das Risiko einer Uterusruptur zu hoch. Für mich war das wie ein Schlag. Ich empfand das Gesagte als überspitzt und fragte einige Hebammen, ob das Risiko einer Uterusruptur bei einer BEL wirklich so viel höher sei, da ich ja bereits eine vaginale Geburt hatte. Alle befragten Hebammen sagten, dass das totaler Blödsinn sei und dass das Risiko nicht wirklich höher sei als bei einer Geburt aus Schädellage. Die Klinik, die hier im Umkreis von 80 km die meisten BEL macht, fünf in den letzten zwei Wochen, rät mir zu einem Kaiserschnitt … Das konnte nicht sein und fühlte sich so falsch an. Ich setzte mich erneut ans Internet und suchte, suchte, suchte. Ich stieß auf Alleingeburtlerinnen, doch aufgrund dieser seltenen Geburtslage und der wenigen Berichte zu Alleingeburten aus BEL war das für mich noch nicht greifbar. In dieser Zeit war ich ein nervliches Wrack. Nach einem Termin mit der Hebamme vereinbarte ich einen Termin in einer etwas weiter entfernten Klinik. Optimistisch fuhr ich zum Termin. Auch dort riet man mir zum Kaiserschnitt. Laut der Oberärztin dieser Klinik lag das Risiko in unserem Fall weniger an der Narbe, sondern eher darin, dass unser Kind sehr zierlich war. Geschätzt wurde sie laut 2. uns 3. Ultraschall auf 2500 g und das Verhältnis von Kopf zu Abdomen sei etwas ungünstig für eine spontane BEL-Geburt – der Kopf wäre proportional größer als der Bauch. Ich bestand auf den Versuch und das veranlasste die Ärztin, mit dem Chef zu telefonieren. Jedenfalls wollte man mir wenigstens „die Chance geben, mein Kind spontan zu bekommen, doch bei der kleinsten Kleinigkeit wird eine Sectio gemacht. Und bei meiner Vorgeschichte äußerst großzügig“. Auf Nachfrage erfuhr ich jedoch, dass die Frauen dort nach Anweisung gebären – den Körper auf dem Rücken liegend, den Kopf im Vierfüßler. Für eine BEL nicht ideal. Ich wollte, wie auch bei meiner Tochter, zumindest versuchen, im Wasser zu gebären. Und auf jeden Fall aufrecht. Nach diesem Gespräch war mir klar: Ich bereite mich auf eine Alleingeburt vor, lasse mir aber die Option Klinik offen und fahre dorthin, falls ich das Bedürfnis haben sollte, Klinikpersonal um mich herum zu haben –  für den Fall. Jedoch hatten wir auch ein Klinikum in näherer Umgebung, ca. sieben Autominuten entfernt, falls wirklich eine Sectio notwendig werden sollte. Die letzten Tage vergingen in noch intensiverer Vorbereitung auf die Geburt. Am errechneten Termin wachte ich auf und hatte leichte Wehen im Zehn-Minuten-Takt. Für mich war das noch kein Anzeichen für eine unmittelbar bevorstehende Geburt. Dafür fand ich die Pausen zu lang. Liegen ging gar nicht und so verließ ich das Schlafzimmer, in dem mein Mann und meine Tochter noch selig schliefen. Ich begann, die immer intensiver werdenden Wellen zu vertönen und ließ Wasser in die Wanne laufen. Orientiert habe ich mich bei der Atemtechnik an Hypnobirthing. Immer wieder stieg ich ins Wasser und wieder raus und tigerte durch die Wohnung. Ich bekam kurz Zweifel: Sollen wir gleich losfahren? Was ist, wenn irgendwas schief läuft? Ich erinnerte mich daran, mich einfach nur auf mich zu konzentrieren, auf meinen Körper zu hören und zu vertrauen. Wenn es soweit ist, könnten wir immer noch fahren, dachte ich mir. Gegen 8:30 Uhr holte ich meinen Mann aus dem Bett, da der Schleimpropf sich zu lösen begann und bat ihn, Obst für’s Frühstück zu schneiden. Die Abstände waren immer noch dieselben, lediglich an Intensität nahmen sie zu. Ich bekam Hoffnung, dass es sich vielleicht doch nicht bis zum Abend ziehen könnte. Zwischendurch ließ ihn heißes Wasser nachlaufen, während ich hin und her lief. Als ich nach dem Muttermund tasten wollte, stellte ich fest, dass ich die Fruchtblase bereits spüren konnte. Das hatte ich mir für diese Geburt gewünscht – dass die Fruchtblase so lange wie möglich intakt bleibt. Unter der Welle lehnte ich mich etwas nach vorne, um mich irgendwo festzuhalten, während ich die Wehe vertönte. Dann fiel mir die Stelle aus „Meisterin der Geburt“ ein, in der die Autorin sich unter der Wehe in den Türrahmen stellt und ihr Kreuzbein gegen das andere Ende drückt. Gott, Wahnsinn. Die Wehen empfand ich nun als viel angenehmer. Als ich wieder in der Wanne saß, merkte ich, wie weit die Fruchtblase bereits herausragte und fragte mich, wie lange es denn noch dauern könnte. Die Wehenpausen waren immer noch ziemlich lang, doch die Fruchtblase war schon so weit. Dann plötzlich sprangen die Abstände auf alle fünf Minuten (circa) und zwischendurch spürte ich zum Abschluss einer Wehe das Bedürfnis zu drücken. Und dann begann plötzlich das, was ich unter Pressphase kenne. Mein Tönen würde energischer und mein Mann kam mit Töchterchen angerannt und nahm vor der Wanne Platz. Bei der zweiten Geburtswehe platzte die Blase, bei der nächsten kam der Po. Vorsichtig umfasste ich den Körper. Das war der kritische Moment bei BEL, dachte ich mir, und versuchte nach der Wehe weiterzudrücken – doch das war so erfolgreich wie der Versuch, auf das Gaspedal eines ausgenommenen Autos zu drücken. Also durchatmen, Kraft tanken und mit der nächsten Welle mitgehen. Mit der nächsten kam der Rumpf samt Füßchen, doch da der Rücken nach oben gewandt war, konnten wir nichts als diesen sehen. Danach die Arme und schließlich der Kopf. Um 9:54 Uhr war sie geboren. Ich spürte, wie sie sich bewegt, also alles gut, dachte ich mir. Ihr Körper war winzig und bläulich. Ich nahm sie aus dem Wasser und legte sie auf meine Brust, streichelte sie, sprach mit ihr und pustete sie an. Und dann endlich hörten wir sie. In dem Moment fiel alles von mir ab, die ganze Anspannung der letzten Wochen, die diese seltene Geburtslage in unserer Gesellschaft verbreitet. Ich wusste, dass alles gut läuft, wenn man uns nur lässt und genauso ist es gekommen.  Kurz drauf, und noch in der Wanne, trank sie zum ersten Mal. Dann rief mein Mann die Hebamme an, die nach einer Stunde eintraf und verständlicherweise sehr überrascht war. Wir sind unbeschreiblich stolz und dankbar, diese Erfahrung gemacht zu haben. Wenn ich eins von meinen Kindern gelernt habe, dann Folgendes: wie es ist zu kämpfen und zu verlieren, Vergangenes loszulassen und zu vertrauen.

Ein großer Dank geht an alle Frauen dieser Welt ❤

Insbesondere an dich, Sarah.

 

„Der überwachte Bauch“ und „Schwangerschaft schafft Heldinnenkraft“

Ich wollte euch heute mal zwei Bücher zum Thema Schwangerschaft vorstellen, die vielleicht für die eine andere von euch interessant sind.  Beide Bücher stammen aus der Feder von Doris Moser, die mit mir zusammen auch den privaten Mutterpass geschaffen hat.  Doris ist Medizinanthropologin und hat zwei Kinder.  Sie setzt sich in ihren Büchern für eine selbstbestimmte Schwangerschaft und einen informierten Umgang mit dem modernen Vorsorgesystem ein.

51T4eewvbyL._SX350_BO1,204,203,200_

„Der überwachte Bauch“ beschreibt und analysiert im Detail die Inhalte und den Ablauf der modernen Schwangerenvorsorge. Die Autorin ist Österreicherin, ihre Ausführungen beziehen sich schwerpunktmäßig auf die Situation in Österreich. Genauso fließen aber  auch deutsche und schweizerische Besonderheiten ein, da wo es sie gibt. Im Grunde unterscheiden sich die Vorsorgeprogramme der deutschsprachigen Länder ja kaum. Sie schildert ihre eigenen Erfahrungen, außerdem kommen Hebammen und andere Mütter mit ihren Erfahrungen und Meinungen zum Thema Schwangerenvorsorge zu Wort.

Mir gefällt gut, dass sie hier Aufklärungsarbeit leistet, mit der werdende Mütter sich kritisch mit den hiesigen Vorsorgemaßnahmen auseinandersetzen können. Zum Thema Ernährungsempfehlungen und Ernährung in der Schwangerschaft werden ich mit ihr als Veganerin sicher nie unter einen Hut kommen ;-), aber das ist eh nur ein Randthema in der heutigen medizinischen Vorsorge und folglich auch im Buch.

Also definitiv informativ und lesenswert für Erstschwangere oder Schwangere, die sich vorher noch nie Gedanken zu dem Thema gemacht haben.

Ein zweites Buch, das ich vorstellen möchte ist „Schwangerschaft schafft Heldinnenkraft“, ebenfalls von Doris.

51zo6yNPVWL._SX350_BO1,204,203,200_

In diesem Buch geht es um die Selbstvorsorge während der Schwangerschaft und was man tun kann für eine harmonische Schwangerschaft.  Das Buch gibt beispielsweise Anleitungen für verschiedene Yoga-Positionen, die hilfreich sein sollen, und weitere die Schwangerschaft unterstützende und als Vorbereitung auf die Geburt nützliche Bewegungsmöglichkeiten. Es gibt Ernährungstipps, Tipps zur Bestimmung von Fundusstand, Kinds- und Plazentalage und Tipps für das eigene körperliche und emotionale Wohlbefinden. Außerdem findet man Platz und Anregungen für die Geburtsplanung.

Mir gefällt, dass das Buch sowohl die körperliche, emotionale als auch die intellektuelle Selbstvorsorge und Geburtsvorbereitung gleichermaßen in den Fokus nimmt. Dieses Buch eignet sich gerade für Erstschwangere (wo man noch viel ungestörte Zeit für die vorgestellten Übungen hat ;-)). Wer mit Yoga und anderen fernöstlichen Elementen nicht so viel anfangen kann oder mag – so wie ich zum Beispiel – für den ist es wahrscheinlich nur teilweise geeignet. Da hätte ich mir noch ausführlicher „neutralere“ Alternativen gewünscht. Aber für alle schwangeren Yoga- und Meditations-Begeisterten ist dieses Buch wohl goldrichtig. :-)

 

Alleingeburt in der Regentonne

Hallo liebe Leser! Heute ein ganz frischer Geburtsbericht einer Mama, die ihr zweites Kind bekommen hat. Ich kenne sie persönlich und hatte das Vorrecht, sie nach der Geburt zu besuchen und auch ihre besondere Plazenta mit eigenen Augen zu sehen. Aber lest selbst. :-)

Am 04.06.16 war ich den ganzen Tag furchtbar faul und wollte viel Zeit mit meinem Erstgeborenen verbringen. Ein paar Tage vorher hatte ich abends regelmäßige Wehen gehabt und seither wartete ich auf die Geburt, obwohl der errechnete Termin erst der 12. Juni war. Wir fuhren morgens mit meiner Mutter einkaufen, wobei ich nur im Auto kugelrund vor mich hin döste, danach rollte ich mich auf meine Stammliege im großelterlichen Garten und von dort auf die Spielplatzbank , wo ich glücklich (und im Liegen) meinem Sohn beim Sandeln zuschaute. Es begann zu regnen und ich chillte mich nach Hause auf unsere Couch. Ich war ja schon länger ziemlich träge, aber dieser Tag übertraf jeden anderen maßlos. Nachmittags/Abends hatte ich immer mal ein paar nicht schmerzhafte Wehchen und mir fiel auf, dass sie nicht nur zuhause kamen, sondern auch draußen, was bis dahin ungewöhnlich für meine Senkwehen war. Aber mein Schleimpfropf war noch drin und ich hatte auch sonst bis auf meine Faulheit keine Anzeichen für eine baldige Geburt. Kein Durchfall, keine Übelkeit. Also war es ok für mich, dass mein Mann an diesem Abend auf den Geburtstag eines Freundes ging, der allerdings etwa eine Autostunde weit weg stattfand. Im Nachhinein stellte sich das leider als Fehler heraus, denn er war die ganze Geburt über eher unkonzentriert und es blieb vieles an mir hängen während der Geburt zu managen.

Ab 23 Uhr spürte ich deutlich, dass sich was tat. Klara war sehr aktiv und drückte sehr runter, Muttermund stach und Bänder an den Leisten dehnten sich stark … Aber nicht wirklich Wehen. „Vielleicht wird’s nächste Nacht was …“, berichtete ich meinem Mann und legte mich neben mein schlafendes Kind. Es entwickelte sich zu einem Menstruationskribbeln, verbunden mit nicht schmerzhaften Wehen. Schlafen konnte ich aber auch nicht und ich hielt meinen Mann auf dem Laufenden, der sich etwas gestört fühlte. Er wollte den Geburtstag für einen Fehlalarm nicht verlassen und ich wollte nicht, dass er dann sauer auf mich ist. Um kurz nach 24 Uhr beschloss ich, das in Kauf zu nehmen und bestellte ihn Heim. Ich fand es auffällig, dass vor jeder Wehe Kindsbewegungen voraus gingen, als würde Klara sie auslösen. Er wollte in einer Viertelstunde los fahren. Nach 10 Minuten wurden die Wehen schmerzhaft und regelmäßig alle 4 Minuten und dauerten 30s an. Ich forderte ihn auf, sofort loszufahren! In der nächsten Stunde bereitete ich das Wohnzimmer in den Wehenpausen vor. Ich brachte noch eine Kakawindel raus, machte Sprudel, Rolläden runter, zündete die Kerzen und Duftlampe an, räumte Spielsachen weg, legte meinen Alleingeburtsordner raus, machte meine Geburtsmusik an, bereitete das Badesalz und den Schlauch vor. Die Wehen musste ich schon hörbar verschnaufen und mich dabei im Vierfüßler über die Couch oder den Gymnastikball hängen. Gegen 1 Uhr war er dann endlich da und ich sagte ihm, er solle bitte sofort die Adapter anschließen und die Tonne füllen. Leider klappte das nicht reibungslos, da das Warmwasser nicht ganz reichte und wir immer wieder warten mussten, bis wieder warmes Wasser kam. Am Ende erreichten mir nur 36, statt 37 Grad und ich konnte ziemlich überfällig endlich ins Wasser. Ich bin definitiv nicht der Typ zum Trockengebären und die Tonne verschaffte mir Erleichterung, gleichzeitig wurden die Wehen natürlich heftiger (wegen des Wassers? oder einfach natürlich weil die Geburt voranschritt). Ich schickte meinen Mann immer wieder zu unserem Sohn, um nach dem Rechten zu schauen. Weil ich immer lauter wurde, befürchtete ich, dass er bald aufwachen würde und ließ meine Mutter rufen. Die Wehen kamen nun alle 3 Minuten und dauerten 1 Minute an. Ich war in der Eröffnung und hatte das Gefühl, es zerreißt mich innerlich. Entgegen meiner Erwartung, schaffte ich es gut in mich hinein zu spüren. Ich fühlte die Dehnung des Muttermunds und deutliche Kindsbewegungen. Es war etwa 2 Uhr als ich die Dehnung nur noch schwer ertragen konnte und meinem Mann sagte, er solle mir sagen, dass ich „unendlich weit“ bin. Doch er sagte das nicht, sondern schrieb es ins Protokoll. Die Wehen kamen jetzt jede Minute und dauerten auch eine Minute an. Dann geschah eine Veränderung: Klara stellte ihren Kopf unten irgendwie um, das konnte ich sehr deutlich spüren und die Übergangsphase begann. Ich musste mal groß und überlegte noch, ob ich in die Tonne machen sollte, weil ich Angst davor hatte, die Übergangswehen im Trockenen zu erleben und ging dann doch platschnass aufs Klo, um besser los lassen zu können. Jetzt bemerkte ich auch den Schleimpfropf am Papier und rannte so schnell ich konnte wieder zurück in die Tonne. Um 2:13 Uhr kamen meine Mutter und meine Schwester. Ich schickte sie sofort aus dem Wohnzimmer raus und startete in die nächste Wehe. Sehr laut und sehr lang musste ich tönen, aber es war kein hysterisches Schreien, wie bei Lars, sondern konzentriertes Energie ableiten. Meine Schwester verkraulte ich damit sofort wieder und sie verpasste leider die kurz bevor stehende Geburt. Ich tönte meistens „Aaaaa“ und „Aaaauuuuu“ und wenn ich „Nein“ dachte, tönte ich „Jaaaa „. Diese Phase war sehr schlimm und ich jammerte viel, dass ich nicht mehr mag. Ich überlegte die 5 Minuten ins Städtische in den OP zu gehen und scheiterte daran, dass ich es im Trockenen nicht aushielt. „Es muss doch einfacher gehen“ Kinder zu kriegen, dachte ich mir und warum ich so blöd war, dass ich nochmal eins wollte. Immer wieder belästigten mich die Anwesenden mit ihrer Anwesenheit. Mein Mann „wollte mal gerne nachsehen, wie weit“ ich war. Die Situation war so absurd in meinem Elend, dass ich ihn fast ausgelacht hätte, wenn ich die Kraft dazu gehabt hätte. Um 2:30 Uhr fühlte ich dann selber mal und spürte die Fruchtblase prall aus dem Muttermund hängen. Kurz danach um 2:46 Uhr platzte sie. Ich presste den Kopf sehr laut nach unten und wollte einfach nur diese unangenehme Situation hinter mich bringen. Er war schon etwas aus der Scheide, da rutschte er plötzlich wieder recht tief rein. Ich war kurz irritiert und machte dann einfach weiter (was auch sonst?!). Die Kopfgeburt fühlte sich an, als würde mir gleich „der A*** platzen“ und das brüllte ich auch immer wieder. Ich sagte meinem Mann, dass er nun leuchten kann und er freute sich ganz aufgeregt, dass der Kopf schon da war. Er rannte raus, um Kind und Oma zu holen und ich rief ihm hinterher, dass er Fotos machen soll. Wir warteten alle gemeinsam auf die letzte Wehe und ein paar Minuten tat sich nichts, auch drehen wollte sie sich nicht. Um 2:58 Uhr schoss sie dann aus mir heraus. Ich schnappte mir ein Ärmchen und zog das Kind an die Wasseroberfläche. Sie fing sofort an zu schreien und beeindruckte uns mit ihrer Laut- und Willensstärke. Außerdem war sie wie Lars damals rosig und sauber. Nur zierlicher war sie ganz offensichtlich. Die Nabelschnur war so kurz, dass ich Klara gerade so an der Luft halten konnte und ich hatte Mühe sie richtig zu halten. Da kam ein Handtuchangriff von meinem Mann und ich sagte ihm, dass ich keins brauchte und warf es zurück. Er versuchte wieder es uns aufzudrücken und ich musste mich weg drehen, damit er kapierte, dass ich „den Scheiß nicht will!“. Ich konnte auch erst nicht nachsehen, ob sie jetzt wirklich ein Mädchen ist (wie bei Lars verzichtete ich auch diese Schwangerschaft vollständig auf Ultraschall), weil die Nabelschnur so spannte. „Was ist es denn jetzt, Steffi?“ Meine Mutter war ganz ungeduldig und mein Sohn und ich stellten fest, dass meine Klara also tatsächlich ein „Muschele“ hat. Wie damals Lars, sah sie gar nicht aus, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Sie hatte schwarze Haare (mein Mann ist rot, ich blond) und auch im Gesicht sah sie uns gar nicht ähnlich. Sie sah nur etwas wie Lars als Neugeborener aus. Schon nach wenigen Minuten bekam ich wieder eine Wehe und drückte sehr laut heulend die Plazenta raus. Sie blieb erst noch in der Scheide hängen und nachdem ich sie rausgepopelt hatte, hatte ich Sorge, dass sie nicht vollständig sein könnte. Auch, weil sie so komisch aussah.

Nun fand ich auch heraus, woher meine Sorgen um Klara kamen, die in der Schwangerschaft immer wieder auftraten. Eine ganz leise, rational nicht erklärbare Angst, sie könnte nicht gesund sein. Ich zweifelte viel, ob mir nicht ein Ultraschall Klarheit verschaffen könnte. Aber wahnsinnig viel erkennen kann der auch nicht und was, wenn er meine Sorgen bestätigen würde? Sie würden nur wachsen, denn ändern kann der Ultraschall nichts. Vielleicht kam die Angst ja auch nur, weil es eben eine große Aufgabe ist, selbstverantwortlich zu sein. Dann hätte ich ihn umsonst über mich ergehen lassen. Und wären die Sorgen dann weg? Vermutlich nicht, denn es gibt um einiges mehr Erkrankungen, die ein Ultraschall gar nicht erkennen kann, als die wenigen, die er sieht (oder auch oft genug fälschlicherweise zu sehen glaubt). Ich entschied mich dazu, die Ängste auszuhalten. Sollte im Zweifel etwas sein, würden die 5 Minuten Fußweg zur Kinderklinik reichen. Die allermeisten Fehlbildungen werden ohnehin erst Tage nach der Geburt bei der U2 vom Kinderarzt erkannt und bei sehr schweren Fällen, wenn ein Kind nicht lebensfähig ist, kann da auch kein Arzt was dran ändern. Der Grund für meine Sorgen musste Klaras Plazenta gewesen sein, die einen seltenen Nabelschnuransatz hatte, den man als „Insertio velamentosa“ bezeichnet und der etwa bei jeder 100. Plazenta vorkommt. Klara selbst ist völlig gesund, das hat die Kinderärztin mir bei der U2 auch bestätigt.

13454064_1085495884829453_480961253_n

Leider riss ich auch diese Geburt wieder schlimm am Damm (DR 2.Grades), obwohl ich Klara in der tiefen Hocke und im Wasser geboren habe und sie mit einem 35 cm Kopfumfang kleiner ist als Lars es war (37 cm). Ich vermute, dass die Hebamme bei Lars die beiden Rissseiten nicht so zusammen genäht hat, wie sie hingehören, und die Stelle deshalb nicht so stabil zusammen wachsen konnte, sodass die Naht bei diese Geburt wieder auf ging. Nun habe ich nicht nähen lassen in der Hoffnung, dass ich jetzt da unten wieder so verheile, wie ich hingehöre und evtl. etwas größer, damit das nächste Kind durchpasst. Außerdem war es das letzte Mal sehr schmerzhaft, unten zugenäht zu werden und zu sein und diese Plage habe ich mir diesmal erspart. Bis jetzt macht mir der Riss keine Probleme und laut Hebamme verheilt er gut. Also hoffentlich war das der letzte Riss meines Lebens.

Auch wenn diese Geburt wieder eine gewaltige Aufgabe war, wenn auch nicht so schlimm wie beim Ersten, würde ich es wieder so machen. Allerdings nicht in den nächsten zwei Jahren, so viel Pause muss sein. Evtl. würde ich auch ganz alleine gebären (also auch ohne Familie), denn es ist auch nicht leicht, es mir unter der Geburt recht zu machen, wenn mein Nervenkostüm vor Schmerzen sehr dünn ist und die Anwesenden vor lauter Aufregung (verständlicher Weise) unkonzentriert werden.

13442089_1085495891496119_873230547_o

Ich möchte mich auch hier nochmal bei dir bedanken, liebe Sarah, für die vertrauensvolle Beratung in allen Themen der Mutterschaft und des Lebens generell. So viele Mütter und damit natürlich Kinder profitieren von deinen Erfahrungen und Erkenntnissen und du bist mir ein großes Vorbild. Was hab ich für ein Glück, dass es dich gibt!

 

 

Liebe voll verbunden statt lieblos entbunden – Alleingeburt beim zweiten Kind

Hallo, liebe Leser! Ich darf heute einen – wie ich finde – ganz bezaubernden Bericht mit euch teilen. Die erste Geburt dieser Frau fand im Krankenhaus statt. Die zweite dann daheim in Eigenregie. Hier berichtet sie über diese Geburt Geburt, aber auch über ihren Weg hin zu mehr Selbstbestimmung. Eine Lieblingsstelle von mir: 

„Wenn es um einen herum ganz still wird, kann man unglaubliche Dinge wahrnehmen.“

Aber lest selbst. :-)

Nach der Geburt meines ersten Sohnes war mir klar, so entmündigt möchte ich mich in meinem Leben nimmer mehr fühlen. Eine angstbesetzte Schwangerschaft, mit eingeleiteter Geburt als Finale. Durch Unwissenheit ließ ich all die Interventionen zu und fühlte mich dabei oft gar nicht mehr wie eine erwachsene Frau. Trotzdem war der Moment, in dem ich meinen Sohn das erste Mal im Arm halten und stillen durfte, der schönste meines Lebens. Nun hatte ich für das Leben meines Sohnes ab Geburt recht konkrete Vorstellungen: Stillen nach Bedarf, keinerlei Impfungen, Familienbett, Tragen, windelfrei … Ich hatte nur leider die Schwangerschaft und Geburt schlicht nicht berücksichtigt. Aber man entwickelt sich ja weiter. Von nun an machte ich die bewusste Erfahrung, dass wildfremde Menschen über mich und das Leben meines Sohnes bestimmen wollten. Da fiel irgendwie über die Zeit der sprichwörtliche Groschen.

Die Schwangerschaft mit meinem zweiten Sohn begann leider mit einer recht starken Blutung, was mich doch wieder in die Hände meiner Frauenärztin trieb. Dort wurde mir auch sogleich die Hoffnung auf eine intakte Schwangerschaft genommen. Meine Anmerkung, ich hätte einen sehr langen Zyklus und das kleine Wesen in meinem Bauch sei zwei Wochen jünger als es die gängigen Errechnungsmethoden sagen, wurde belächelt. Nun gut, zwei Termine später war da „plötzlich“ ein Kindlein und der voraussichtliche Geburtstermin wurde um meine bereits bemerkten zwei Wochen nach hinten korrigiert ;-).

Ich fühlte mich von Mal zu Mal unwohler und erlaubte keine vaginalen Untersuchungen mehr, was ich stichhaltig begründen sollte. Ich spürte die Verärgerung meiner doch sonst so zurückhaltenden Ärztin. Dann sagte sie mir, dass sie schließlich die Verantwortung trüge und das war der letzte Schups in die richtige Richtung. Von nun an gab ich mir und meiner innewohnenden Intuition eine Chance. Arztstimmen können ja so laut sein! Wenn es um einen herum ganz still wird, kann man unglaubliche Dinge wahrnehmen.

Von dieser Warte aus betrachtet, schmerzte mich mein erstes Schwangerschafts- und Geburtserlebnis noch bewusster. Eine Zeit der Aufarbeitung und Selbstfindung begann, was für eine Chance. Ich bin heute tatsächlich eine andere. Die, von der ich schon sooft träumte, wird realer und ich habe solch eine Freude, ihrer Entwicklung zuzusehen. Werde, wer du bist, sagte ein wissender Philosoph.

Meine Vorbereitung auf die Geburt, über Bücher und Geburtsberichte all dieser mutigen selbstbestimmten Frauen, mündete aufgeregt freudig und etwas ungewiss am 09.05.16, in mittäglichen regelmäßigen Zehnminutenwellen. Etwa zwei Stunden lang und dann plötzlich alle fünf Minuten regelmäßig ebenfalls zwei Stunden lang, jedoch nicht sehr kräftig. Dann… Ruhe. Die sprichwörtliche vor dem Sturm, obwohl es Sturm nicht wirklich trifft, ehr Brise.

So war es Abend geworden und ganz still um uns, meinen Sohn, meine Frau und mich. Gegen 21.00 Uhr dann eine sehr kräftige Welle, gerade zu Beginn vom aufgezeichneten Börne und Thiel Tatort. Den haben wir bis heute nicht zu Ende gesehen 😉 … Ab dort zehnminütig gut zu veratmen bis 23.00 Uhr, dann hielt ich es liegend im Bett nicht mehr aus und weckte meine Liebste aus ihrem wohlverdienten Schlaf.

Wir betteten unseren schlummernden Sohn auf dem Sofa und verkrümelten uns still und leise im Bad. Dort blieb ich, bis zum Impuls in die Wanne zu steigen, recht komfortabel mit jeweils einem Buch als Erhöhung unter den Füßen (alte und neue Rechtschreibung, hihi…), auf der Toilette sitzen und ganz in meinem Geburtsmikrokosmos versunken. Alle drei Minuten ganz mitreißende Wellen auf mein Baby zu. Ich war wie im Rausch. Es war urgewaltig wundervoll. Dann ein zartes Plop, Fruchtblase geplatzt, im gleichen Zuge der Schleimpfropf gelöst und nun wusste ich, es ist ganz bald soweit.

Meine Liebste war meine stille Begleiterin, meine Gefährtin, einfach nur da. Ich stieg in die warme Badewanne und die Wellen wandelten sich unmittelbar in den unbezwingbaren Drang zum Pressen. Es war ein so mächtiges Gefühl, ich lachte glücklich und flüsterte: Langsam… Ich tastete nach seinem Köpfchen, aber dort war nur absolute Weichheit zu spüren. Meine Berührung löste sogleich die nächste Welle aus und als ich wieder tastete, spürte ich die Wölbung des Kopfes. Mit einem euphorischen Lachen wurde der Kopf geboren und bewegte sich zwischen meinen Schenkeln hin und her. Ein irres Gefühl. Ein kleiner selbstbestimmter NEIN-Sager. Und so unendlich weiches Haar. Liebste, dass musst du fühlen und schon ihre Hand gepackt und an seinen Kopf geführt. Pure Glückseligkeit. Die nächste Welle brachte mit einer Drehung seinen kleinen Körper zu uns.

Die Zeit war dahin geflogen, um 1.57 Uhr am 10.5.16 entließ mein Tor zur Welt meinen zweiten Sohn ins warme Nass. Unter der Wasseroberfläche konnten wir ihn das erste Mal betrachten. Er hatte seinen Mund zu einem Begrüßungsschrei geöffnet und es fiel mir schwer, ihn nicht in einem Anflug von Panik unsanft aus dem Wasser zu reißen. Kaum mit dem Kopf aus dem Wasser gehoben, brüllte er auch schon ein kräftiges Hallo und kuschelte sich im warmen Wasser auf meiner Brust zusammen. Alles gut, rosig und wundervoll. 3400g, 57 stolze cm und einen Kopfumfang von 36 cm.

Für die Geburt der Plazenta zogen wir auf’s Sofa nach nebenan. Etwa zwei Stunden nach der Geburt, gegen vier Uhr, mit einer recht starken Welle war es soweit. Unser verschlafener Erstgeborener kam im perfekten Moment dazu und bestaunte seinen kleinen Bruder und auch die Plazenta interessierte ihn sehr. Wir hatten im Vorfeld viel darüber gesprochen und er hatte so überhaupt keine Berührungsängste.

Ein traumhaftes Wochenbett mit Lotusgeburt und Selbstabnabelung vier Tage nach der Geburt folgten. Ein kräftiger Tritt und der Übergang in unsere Welt war vollendet. Eine Geburt, welche so wundervoll perfekt, in unserem heutigen Gesundheitssystem niemals möglich gewesen wäre.

Danke, Sarah und all den tollen Frauen da draußen, welche um diese vollkommene Weiblichkeit wissen.