Ungeplante Alleingeburt bei Zwillingen

Triggerwarnung wegen Reanimation

Die Mutter im folgenden Bericht bekommt Zwillinge. Ihre erste Geburt war ein Kaiserschnitt, die Zwillinge sollen möglichst auf natürlichem Weg im Krankenhaus geboren werden. Eine äußere Wendung in der 38. Schwangerschaftswoche brachte den führenden Zwilling in Schädellage und somit stand einer natürlichen Geburt nichts mehr im Weg. Die allerdings passierte schließlich so schnell, dass die Babys zu Hause geboren wurden. Der zweite Zwilling kam in Beckenendlage und steckte fest, es folgten Reanimation und Krankenhaustransfer. Es ist die besondere Geschichte dieser Familie, es lief nicht alles perfekt aber doch mit Happy End. Ich poste diese – wie alle – Geburtsberichte nicht, damit das jemand nachmacht oder pauschal verurteilt. Jeder Weg ist individuell, das Leben lässt sich nicht ins letzte Detail steuern. Aber aus jeder Geschichte kann man etwas für sich mitnehmen. Vielen Dank an die Berichtschreiberin, dass ich deine aufregende Geschichte hier teilen darf.

Zum besseren Verständnis kurz ein paar Infos zur Vorgeschichte. Diese Schwangerschaft war meine sechste. Ich habe bereits einen vierjährigen Sohn und fünf Sternenkinder (darunter der Zwilling meines großen Sohnes). Mein Sohn sollte 2015 zuhause zur Welt kommen. Nach 24 Stunden kräftiger Wehen alle 3-5 Minuten sind wir ins Krankenhaus umgezogen, da seit vielen Stunden der Muttermund nicht weiter aufging (7-8cm) und die Fruchtblase bereits über 24 Stunden offen war. Im Krankenhaus dann wegen des Muttermundes und meiner Erschöpfung PDA, Muttermund vollständig, aber Wehen unregelmäßig, Wehentropf, Kopf senkt sich nicht ins Becken, nach weiteren 12 Stunden im Krankenhaus Entscheidung zur Sectio wegen des hohen Gradstand plus grünem Fruchtwasser. Nach 36 Stunden Kampf für eine natürliche Geburt war das natürlich ganz und gar nicht schön und hat meine Gedanken um die kommende Geburt beeinflusst.

Jetzt war ich also mit Zwillingen schwanger. Eine Hausgeburt/Alleingeburt konnte ich mir da nicht vorstellen. Nach mehreren Gebärmutter-OPs, nach Sectio, mit Blutgerinnungsstörung und demnach Heparin und zu guter Letzt mit führendem Zwilling in Beckenendlage (eine äußere Wendung keine 48 Stunden vor der tatsächlichen Geburt war dann allerdings erfolgreich) fühlte ich mich im Krankenhaus besser aufgehoben. Zudem das Krankenhaus, das ich ausgewählt hatte, auf Zwillinge und Beckenendlage spezialisiert ist und eine spontane Geburt ermöglicht hätte. Dennoch hatte ich Sorge, dass es wieder eine Sectio wird. Weil ich vielleicht gar nicht gebären kann. Weil ein ängstlicher Arzt einen Grund erfindet. Weil die 1,5 Stunden Fahrt zum Krankenhaus die Geburt stört. Weil ich einfach Pech habe. Weil, weil, weil…

Jetzt zum eigentlichen Geburtsbericht. Es war Freitag der 13., 37+4 SSW. An diesem Tag hatte die Kita meines Großen geschlossen und zufälligerweise hat mein Mann am Abend vorher spontan einen Tag Urlaub nehmen können, sodass er bei uns zuhause war (welch eine glückliche Fügung!). Über den Morgen verteilt und beim gemeinsamen Frühstück hatte ich drei, vier Wehen. Vorwehen hatte ich zwar schon seit vielen Wochen extrem häufig und diese Wehen jetzt waren nicht stärker, aber irgendwie tiefer in mir. Sodass ich meinen Mann bat, mal provisorisch einen Wasserhahn an der Badewanne anzubauen (wir sanieren gerade das Bad und ich hatte erst am Vorabend die Fliesen an der Badewanne verlegt). Gegen 10:30 Uhr bin ich in die Badewanne gestiegen um zu sehen, ob die Wehen nun einen Geburtsbeginn bedeuten oder nicht. Innerhalb von wenigen Minuten haben sich dann regelmäßige Wehen alle 3 Minuten eingestellt, auf die ich mich schon konzentrieren und ein bisschen veratmen musste. Also habe ich meine Mutter informiert und meinen Mann gebeten, unseren Sohn zu ihr auf die Arbeit zu bringen (5 Minuten Fahrt von uns). Mein Sohn kam noch ins Bad sich verabschieden mit „Alles gut, Mama. Wird bestimmt nicht anstrengend.“ Dabei fand ich es zu dem Zeitpunkt schon verhältnismäßig anstrengend, dafür, dass es erst vor ein paar Minuten losgegangen ist.

Kurz vor 11 Uhr vormittags sind mein Mann und mein Sohn dann los. Kaum war die Tür ins Schloss gefallen, kam plötzlich eine Wehe von unglaublicher Kraft. Ich konnte überhaupt nicht mehr atmen sondern habe gebrüllt, ein tiefer Urschrei, der einfach aus mir heraus kam. In diesem Moment habe ich Angst bekommen. Diese Wehe war so heftig wie keine bei der Geburt meines Großen und die Vorstellung, das noch stundenlang zu ertragen, hat mich umgehauen. In diesem Moment habe ich es ernsthaft bereut, keine Sectio geplant zu haben und wollte sofort ins Krankenhaus und eine PDA. Ich ging schließlich davon aus, dass eine natürliche Geburt (insbesondere, da es ja die erste für meinen Geburtskanal war) mindestens bis zum Abend dauern müsste. Mein Plan war nun also mich schleunigst fertig zu machen und im Krankenhaus anzurufen, um mein Kommen anzukündigen. Ich habe es allerdings nur aus der Wanne raus bis zur Toilette geschafft. Die Wehen kamen weiterhin alle 3 Minuten und mit dieser wahnsinnigen Wucht, dass ich nicht wusste, wie ich zum Handy oder gar bis zum Krankenhaus gelangen sollte. Die Vorstellung von 1,5 Stunden Autofahrt war beängstigend und gleichzeitig so absurd, dass ich es komisch fand. Kurz nach 11 Uhr war mein Mann zurück und etwas irritiert, wie ich mich benahm. Als er eine Viertelstunde vorher gefahren war, war schließlich noch alles entspannt gewesen und jetzt brüllte ich bei jeder Wehe wie ein Tier. Er war allerdings klug genug nichts zu sagen und einfach meinen Anweisungen zu folgen. Mein Kopf wollte ja immer noch in die Klinik fahren (auch wenn mein Bauch längst wusste, dass daraus nichts mehr wird). Also kündigte mein Mann uns im Krankenhaus an und trug Handtücher zum Auto. Während dessen konnte ich lediglich zwischen auf der Toilette sitzen und stehen wechseln, an Anziehen und fertig machen war gar nicht zu denken. Wenige Minuten später kam mein Mann zurück und informierte mich, dass das Auto jetzt startklar wäre.

In diesem Moment kam die nächste Wehe und ich hatte großen Druck ganz weit unten und nach hinten. Ich war total irritiert, denn diese Beschreibung kannte ich aus Geburtsberichten für den Punkt, wenn das Baby gleich geboren wird. Aber das konnte ja nicht sein, fand mein Kopf, ich musste doch ganz am Anfang der Eröffnungsphase sein, hatte schließlich noch keine Stunde Wehen. Aber mein Instinkt hat vehement widersprochen. Also habe ich das erste Mal getastet (hatte ich vorher nie, da ich in der Schwangerschaft sowieso nicht an meinen Muttermund kam) und bin in meiner Scheide prompt auf das Köpfchen meines Sohnes gestoßen. Ganz schön weit unten schon, ich konnte meinen Finger nicht mal mehr ganz einführen. Einerseits war ich ein bisschen schockiert, anderseits fühlte mein Instinkt sich bestätigt und ich war unglaublich erleichtert. Jetzt war klar, wir fahren nirgends mehr hin. Die Kinder kommen hier und jetzt in unserem Badezimmer zur Welt. Ab diesem Zeitpunkt war die Geburt schön und ich habe mich unglaublich gut gefühlt. Kopf und Bauch waren sich jetzt einig. Es durfte so heftig sein, denn es war der Endspurt. Ich würde meine Kinder spontan gebären ohne Intervention. Ich war einfach ganz bei mir, ruhig, konzentriert und voller Vorfreude. Ich sagte meinem Mann was Sache ist. Der war etwas fassungslos und wäre glaube ich gerne geflohen, blieb aber ruhig. Er fragte, ob er einen Krankenwagen anrufen soll – nein, ganz sicher nicht – oder wenigstens meine Hebamme – ebenso wenig (sie macht schon lange keine Geburten mehr und noch nie außerklinisch). Stattdessen habe ich ihn eine Decke für den Boden und Handtücher für die Babys, sowie mein Dopton holen geschickt.

Nachdem der Boden durch die Decke nicht mehr rutschig war, stand ich bei den Wehen frei im Raum. Ich hatte merkwürdigerweise gar kein Bedürfnis mich festzuhalten. Ich fühlte mich ganz leicht und geerdet zugleich. Die Wehen waren weiterhin heftig und kamen teilweise ohne Pause, aber jetzt fühlten sie sich gut und richtig an. Ich habe gefühlt, wie sie mein Baby durch den Geburtskanal schoben, hatte nicht das Bedürfnis aktiv etwas machen zu müssen. Ich hatte einfach eine Hand am Kopf meines Sohnes, stand da, habe meine Urschreie gebrüllt und aufmerksam hingefühlt was mein Körper tat. Als ich merkte, dass das Köpfchen kommen will, bin ich auf die Knie gegangen und da kam mein Sohn schon in einer einzigen Wehe in die Welt geflutscht. 11:27 Uhr – etwa eine Stunde nachdem ich in die Wanne gestiegen war um herauszufinden ob dies ein Geburtsbeginn sein könnte. Er schrie laut und entrüstet noch ehe er ganz draußen war. Ich fühlte mich wie eine Göttin und hieß ihn willkommen. Leider war seine Nabelschnur so kurz, dass wir abnabeln mussten. Ich konnte ihn sonst weder hoch nehmen, noch mich bewegen, geschweige denn um die Geburt seiner kleinen Schwester kümmern. Mein Mann zückte ganz cool meine Schneiderschere (die sonst niemand anfassen darf) und einen IKEA-Tüten-Clip und schritt zur Tat. Und das alles obwohl er normalerweise kein Blut sehen kann.

Er nahm dann unseren Sohn zum Kuscheln an die Brust, während ich mich um das Baby in meinem Bauch kümmerte. Herztöne waren super. Leider war die kleine Wehenpause nach der Geburt unseres Sohnes nicht lang genug um die Lage des Kindes zu tasten geschweige denn zu beeinflussen. Ich hatte also wieder ordentliche Wehen, tastete vaginal und hatte die kleinen Erbsenzehen meiner Tochter in der Hand. Oha, jetzt also Geburt aus Beckenendlage allein zuhause. Nun gut. Ich wechselte während der folgenden Wehen zwischen Hocke und Vierfüssler und bald schon wurden Füße und Körper unserer Tochter geboren. Ab hier ging das Drama los. Problem 1: sie hatte die Arme hochgeschlagen. Problem 2: ich hatte plötzlich keine Wehen mehr. Nachdem es also nicht weiter ging, habe ich nochmals ihre Herztöne gehört – leider schon viel zu langsam. Ohje! Mir war klar, dass es jetzt ums Ganze geht, doch irgendwie hatte ich keine Angst. Ab jetzt wird meine Erinnerung etwas undeutlich. Ich habe versucht vorsichtig ein Ärmchen zu lösen und ich habe versucht ohne Wehen zu pressen. Mein Mann wollte wieder den RTW rufen. Mir war aber klar, dass die Sanitäter keine Ahnung haben würden und alles nur noch schlimmer machen, weil sie versuchen am Kind zu ziehen. Ich weiß nicht was am Ende dazu geführt hat, aber nach einer gefühlten Ewigkeit habe ich es geschafft ohne Wehen auch Kopf und Arme meiner Tochter zu gebären. 11:58 Uhr. Da lag sie vor mir, weiß wie ein Gespenst, stumm wie ein Fisch und absolut regungslos. Ich habe sofort abgesaugt und sie gerubbelt – keine Reaktion. Also habe ich ein paar Male beatmet – keine Reaktion. Jetzt war der Zeitpunkt, wo ich meinem Mann bat doch den Krankenwagen zu rufen. Während er telefonierte, habe ich begonnen unserer Tochter zu beatmen. Rubbeln, beatmen, ansprechen, weiter, immer weiter. Manchmal kam ein klitzekleines Zucken in ihrer Brust, mehr nicht. Erstaunlicherweise hatte ich immer noch keine Angst. Ich war ganz ruhig, war mir absurderweise sicher, dass alles gut würde und habe gearbeitet.

Nach 10 Minuten waren die Sanitäter da und wie erwartet maximal überfordert. Sie wussten nicht, ob sie das Baby absaugen sollten (nein, hatte ich ja schon), sie wussten nicht, ob sie mit oder ohne Sauerstoff beatmen sollten (Sauerstoff verursacht bei Frühchen Augenschäden, wäre beim reifen Neugeborenen aber sinnvoll), ihnen ging alle paar Sekunden die Maske vom Beatmungsbeutel ab, sie haben es ewig nicht geschafft das Monitoring anzulegen und waren offensichtlich etwas ängstlich. Der Notarzt, der kurz darauf kam, war noch schlimmer. Total hilflos und kurz vorm Hyperventilieren. Als sie dann endlich soweit waren die Reanimation von mir zu übernehmen, bin ich nach nebenan ins Schlafzimmern gegangen. Denn die Plazentas waren schon eine Weile geboren, aber ich blutete ziemlich stark und immer weiter.

Ich legte also meinen Sohn das erste Mal an, in der Hoffnung, dass sie die Gebärmutter dann vernünftig zusammen zieht. Trotz der Aufregung stillte er sofort, als hätte er nie etwas anderes getan. Leider blutete ich fröhlich weiter und auch damit wusste der Notarzt nicht umzugehen. Auf meine Frage, ob er denn Oxytocin spritzen könnte, schaute er wie ein Auto. Zwischenzeitlich hörte ich von nebenan endlich, endlich ein klägliches Jammern – unsere Tochter atmete! Bald darauf traf die Kinderärztin ein und übernahm die Versorgung. Von nun an halte ich es mal kurz, weil es ja nicht mehr zur Geburt gehört.

Wir fuhren uns Krankenhaus. Die Kinder bzw unsere Tochter mit meinem Mann auf die Neo, ich in den Kreissaal. Bei mir Vollnarkose und Gebärmutter ausräumen damit die Blutung aufhört (Blutverlust geschätzt auf 1,5l), Versorgung Dammriss 1. Grades. Bei unserer Tochter Aufwärmen, Blutzucker stabilisieren und Überwachung Gehirn und Vitalwerte. Den Nachmittag, Abend und die halbe Nacht verbrachten mein Mann und ich also mit unserem Sohn bei unserer Tochter auf der Neo und machten uns unbeliebt (weil wir nicht gingen, weil ich stillte statt Pre zu füttern, weil wir uns nicht an die Essenszeiten alle 4 Stunden hielten, weil wir Haut zu Haut kuschelten statt sie ins Wärmebett zu legen und weil wir ernsthaft mit dem Kinderarzt besprechen, am nächsten morgen nach Hause zu gehen, da sich abzeichnete, dass alles gut und stabil war). So zogen wir nach Mitternacht für ein paar Stündchen Schlaf auf die Wochenbettstation, ließen morgens noch einmal Blutwerte checken und fuhren dann keine 24 Stunden nach der Geburt wieder nach Hause um endlich in Ruhe zu kuscheln. Mein Mann beseitigte schnell das Schlachtfeld im Bad und meine Mutter brachte unseren großen Sohn vorbei, sodass wir nachmittags gemütlich zu fünft im Familienbett lagen.

Jetzt sind vier Wochen vergangen und es geht uns allen prächtig. Die Zwillinge haben bereits ein Kilo über Geburtsgewicht, halten uns ordentlich auf Trab, unser Großer ist der tollsten große Bruder der Welt und wie wir genießen die Zeit in vollen Zügen. Außerdem bin ich unglaublich stolz auf diese Geburt. Darauf einfach ganz normal gebären zu können und keine Sectio zu brauchen. Darauf alles so gut gemeistert zu haben. Darauf mit meinem Mann ein so gutes Team zu sein. Und ich bin unendlich dankbar dafür diese Geburt und das Happy End. Allerdings ist damit jetzt unsere Familienplanung abgeschlossen. Ich möchte weder nochmal 36 Stunden Geburtsmarathon mit Sectio noch die Reanimation eines meiner Kinder erleben müssen. Wir möchten das Glück nicht nochmal herausfordern. Wir sind dankbar und geben uns mehr als zufrieden mit dem dreifachen Glück, das uns geschenkt wurde.

Ungeplante Alleingeburt – Wenn das Herz über die Angst siegt

Die Mama im folgenden Bericht bekommt ihr zweites Kind. Sie wünscht sich eine Hausgeburt, aber die Hebamme sagt ihr ab, als herauskommt, dass sie B-Streptokokken hat. Eine Besiedlung der Scheide mit diesen Bakterien kann in seltenen Fällen zu einer schweren Infektion des Neugeborenen führen. Heutzutage ist es üblich, in dem Fall prophylaktisch Antibiotika unter der Geburt zu geben. Was also tun? Dann muss es wohl eine Krankenhausgeburt werden. Aber dann passiert die Geburt doch genauso, wie sie es sich erträumt hat.

Nach einer Fehlgeburt im Juni 2018 haben mein Mann und ich wieder versucht schwanger zu werden und im September 2018 hatte es dann auch wieder geklappt. Etwa 10 Tage nach meinem Eisprung wachte ich von einem Mittagsschlaf auf und wusste, dass ich schwanger war, dass es ein Mädchen ist und dass dieses mal alles gut werden würde. Eine gute Woche später hielt ich dann den positiven Schwangerschaftstest in der Hand und war überglücklich. Ich hatte dennoch Angst, dass es dieses Mal wieder schief gehen würde. Ich vertraute trotzdem auf meinen „Traum“ und versuchte keine negativen Gedanken zuzulassen.
Meinen ersten Frauenarzttermin hatte ich in der 9. SSW und war restlos beruhigt, als sie mir sagte, dass alles gut aussehen würde. Sie machte dann noch einen Abstrich, wo unter anderem auch nach Streptokokken B geschaut wurde. Ich freute mich auf die Schwangerschaft. Ich hatte jedoch stark unter der Übelkeit zu kämpfen. Es gab Tage, an denen ich vom Sofa fast nicht hoch kam …
Dieses Mal wollte ich unbedingt eine Hausgeburt, nachdem meine erste Geburt im Krankenhaus nicht die schönste Erfahrung für mich war.
Etwa in der 14. oder 15. SSW, nachdem ich einen Termin mit der Hebamme, die Hausgeburten begleitete, ausgemacht hatte, hatte ich einen Moment, wo ich mir an den Bauch faste und mir war sofort klar, dass dieses Kind zu Hause geboren werden würde.
Als ich dann in der 16. SSW meinen Termin mit der Hebamme hatte und sie mir sagte, sie könnte mich leider nicht bei der Geburt begleiten, da ich Streptokokken B positiv bin, war ich am Boden zerstört und habe einige Tage nur geweint. Ich wollte nicht noch einmal im Krankenhaus entbinden! Also durchforstete ich das Internet und machte mich auf die Suche nach Berichten, Studien, Artikel, etc. von Streptokokken B.
Nach wochenlangem Hin und Her mit meinem Mann, ob wir Antibiotika während der Geburt haben möchten ja oder nein, entschieden wir uns dann doch dafür, weil uns das Risiko einer Neugeborenensepsis zu gross war und ich auf gar keinen Fall mein Kind in Gefahr bringen wollte – auch wenn das Risiko einer Infektion beim Neugeborenen sehr gering ist und die provisorische Antibiotikagabe während der Geburt in verschiedenen Ländern umstritten ist. Darüber zu lesen ist eine Sache, wenn es um das eigene Kind geht, eine ganz andere.
Ich fand mich also mit dem Gedanken ab und fand sogar an einigen Tagen meinen Frieden mit dieser Entscheidung und freute mich auf die Geburt. Ich schrieb einen detaillierten Geburtsplan und ging damit in der 37. SSW zu meinem Aufnahmetermin ins Krankenhaus, wo ich eine sehr liebe Hebamme hatte, die ich schon von meiner ersten Schwangerschaft kannte. Sie war so ermutigend und sagte mir, dass mein Geburtsplan super sei und alles was ich rein geschrieben hätte schön und natürlich sei und eigentlich das Normalste der Welt sein sollte und dass es sehr traurig ist, dass Frauen überhaupt einen Geburtsplan schreiben müssen. Bei mir wurde noch einmal ein Abstrich gemacht, um zu schauen, ob ich nach wie vor Streptokokken B positiv war (was ich leider noch immer war). Als ich aus dem Krankenhaus nach Hause ging, fühlte ich mich gut und bestärkt und hatte eine innere Ruhe dass es dieses mal schön sein wird im Krankenhaus zu entbinden.

Bei 39+3 hatte ich am späten Nachmittag Wehen, die ich schon ordentlich gespürt habe. Sie waren unregelmässig und gingen auch wieder weg. Ich hatte Angst, dass die Geburt vielleicht schon früher los gehen würde, wenn mein Mann noch arbeiten musste. Er musste noch bis Ende der Woche arbeiten und dann hatte er Urlaub.

Bei 39+5 und 39+6 wachte ich morgens durch Wehen auf, die ich auch schon veratmen musste. Die Wehen verschwanden aber nach einer Zeit wieder komplett.
Bei 40+1 musste ich wieder ins Krankenhaus für eine CTG-Kontrolle, da ich ab jetzt über dem errechneten Termin war. Dieses Mal hatte ich eine andere Hebamme, die mir zwar sagte, es sei gut, dass ich bzw. die Frauen sich Gedanken über ihre Geburt machen würden, man sich leider aber nicht immer an die Vorstellungen der Frauen halten könne und ich einige Punkte in meinem Geburtsplan hätte, die sie leider nicht respektieren könnten. Ich war wieder am Boden zerstört. Ich fühlte mich übergangen und nicht respektiert in meinen Wünschen. Als ich nach Hause ging, war ich nur am Weinen und wusste nicht, was ich machen sollte. Ich hatte wieder ein ungutes Gefühl mein Kind im Krankenhaus zu entbinden. Den Abend verbrachte ich wieder damit, mir Erfahrungsberichte durchzulesen von Frauen, die kein Antibiotikum während der Geburt bekamen. Es war mir dennoch klar, dass es für mich keine Alternative zum Krankenhaus geben würde und versuchte mich zu beruhigen. Ich besprach mich noch einmal mit meinem Mann und wir sagten uns: Egal was auch kommt, wir mussten einfach unsere Wünsche so gut es eben ginge verteidigten. Mit dem Wissen, dass mein Mann sich für unsere Wünsche einsetzen würde, wenn ich es nicht konnte, schlief ich beruhigt ein.

Am nächsten Morgen, also bei 40+2, wachte ich wieder mit Wehen auf, die ich auch veratmen musste. Es war ungefähr viertel vor 6 und ich sagte meinem Mann, dass ich Wehen hätte. Ich ging gegen 7 Uhr in die Badewanne, um zu schauen, ob die Wehen wieder verschwinden würden. Sie wurden nicht schlimmer, gingen aber auch nicht weg. Also beschlossen wir erst einmal zu frühstücken und riefen meine Schwester an, damit sie auf unseren Sohn aufpassen kommt, wenn wir ins Krankenhause fahren würden. Mein Mann sagte ihr, sie könne sich noch Zeit lassen. Wir wären noch nicht sicher, ob es doch schon richtig los gehen würde. Wir frühstückten in Ruhe und ich musste immer wieder zwischendurch die Wehen veratmen. Mein Mann holte mir meinen Gymnastikball, weil mir das Sitzen auf einem Stuhl weh tat. Als wir gegen halb 9 fertig mit Frühstücken waren, ging mein Mann mit unserem Sohn nach draußen zu unserer Baustelle. Wir renovierten ein kleines Ferienhäuschen etwa 100 Meter von unserem Wohnhaus. Ich räumte in der Zwischenzeit noch den Tisch ab und merkte, dass ich die Wehen jetzt doch schon vertönen musste (zum Glück waren wir zu Hause, ich glaube nicht dass ich mich das im Krankenhaus getraut hätte) und dachte mir, wenn die Wehen jetzt schon so heftig sind, wie lange werde ich das dann noch aushalten. Ich wusste ja nicht, wie weit ich da schon war 😉
Ich ging mit meinem Gymnastikball in unser Schlafzimmer und legte mich mit dem Oberkörper über den Ball, kniend auf unserem Bett und das tat so so gut. Also verblieb ich in dieser Position und vertönte eine Wehe nach der anderen. Auf einmal spürte ich, wie sich der Kopf nach unten schraubte und ich wusste: Ok, jetzt wird es nicht mehr lange dauern und unsere Tochter wird hier zu Hause geboren! Ich schrieb gegen 9 Uhr meinem Mann, dass er JETZT wieder ins Haus kommen soll. Ich zog meine Hose aus und hatte auf einmal das Gefühl, ich müsste Pipi machen und würde unser Bett vollsauen. Also nutzte ich die Wehenpause und ging schnell ins Badezimmer, um mir ein paar Handtücher zu holen, die ich noch gerade rechtzeitig vor der nächsten Wehe auf unserem Bett ausgebreitet bekam. Mein Mann kam mit unserem Sohn so gegen viertel nach 9 zu mir ins Schlafzimmer und fragte mich, ob er den Krankenwagen rufen solle. Ich sagte nein. Dafür war es eh zu spät und ich wollte auf gar keinen Fall mein Kind gebären und sofort danach ins Krankenhaus transportiert werden.

Unser Sohn tat sich schwer damit, mich so brüllen zu hören und weinte. (Später haben wir viel mit ihm darüber geredet und ihm alles genau erklärt und er hat die Geburt ohne Probleme verarbeitet.)
Dann kamen auch schon die Presswehen und nach zwei oder drei Presswehen war die Fruchtblase sichtbar und nach zwei weiteren Presswehen sagte mein Mann, er müsste jetzt nach hinten, um unsere Tochter aufzufangen. Ich presste noch einmal und unsere Tochter wurde um 9:30 Uhr in die Hände meines Mannes geboren. Er reichte sie mir nach vorne und ich konnte unsere Tochter begrüßen.
Unser Sohn kuschelte sich zu mir, bewunderte seine kleine Schwester und küsste sie vorsichtig auf die Stirn.
Wir kuschelten erst einmal ausgiebig und sie fing schnell an, nach meiner Brust zu suchen. Nach einer Stunde nabelten wir sie ab und mein Mann rief einen Krankenwagen, weil ich leider einen leichten Dammriss hatte.

Die Nachgeburt gebar ich im Krankenhaus, aber auch nur, weil ich mich zu Hause nicht genug getraut habe um noch einmal zu pressen. Hätte ich mich getraut und gewusst, dass ich ruhig noch einmal pressen kann, dann wäre die Plazenta noch zu Hause geboren.
Im Krankenhaus war unsere Geburt etwas ganz besonderes und niemand hat gewusst, wie oder was sie in die Papiere schreiben müssen.
Die liebe Hebamme, die ich das erste Mal im Krankenhaus hatte, kam noch extra zu mir und hat mir gratuliert und mir gesagt, dass ich das super gemacht hätte. Ich hatte zum Glück einen sehr netten Arzt, der mich genäht hat. Nachdem auch unsere Tochter einmal untersucht wurde, sind wir wieder nach Hause gefahren und wir hatten einen wundervolles Wochenbett, wo wir alle genug Zeit hatten uns kennen zu lernen. Auch für meine Nachsorgehebamme war unsere Geschichte etwas besonderes. Unser Sohn ist überglücklich und sehr fürsorglich mit seiner Schwester. Beide verbindet für immer eine ganz besondere Geschichte.

Unsere Tochter hat keine Neugeborenensepsis durch die Streptokokken entwickelt und das Stillen lief von Anfang an problemlos.
Ich bin sehr glücklich, dass es so gelaufen ist und ich bin mir sicher, dass mein Körper im Unterbewusstsein die Geburt so schnell gesteuert hat.
Es wird einem ja immer Angst gemacht vor den Wehen, aber ich kann für mich nur sagen, dass ich die Wehen nicht als schmerzhaft empfunden habe. Sie waren intensiv und der Körper leistet so einiges, aber richtig schmerzhaft habe ich sie nicht empfunden. Das einzige, was ich als schmerzhaft in Erinnerung habe, ist der Moment, an dem ich gerissen bin. Ich denke, dass ich diese Geburt auch so schmerzarm und schnell empfunden habe, weil mein Körper, dadurch dass ich in meiner vertrauten Umgebung war, entspannt war und die Hormone ungestört ihre Arbeit machen konnten. Ich bin nämlich eine Person, die sich nicht so einfach vor anderen fallen lassen kann und ich mache mir immer Gedanken, was andere vielleicht über mich denken könnten. Ich bin mir deshalb sicher, dass die Geburt einen anderen Verlauf genommen hätte, wenn ich ins Krankenhaus gegangen wäre.

Dein Buch war während der ganzen Schwangerschaft meine Bibel und dank dir und deinem Buch hatte ich zu keinem Moment Angst während der Geburt. Ich habe meinem Körper vertraut und nur das gemacht was mir gut getan hat. Vielen Dank dafür!!

Rückenschmerzen, Wassereinlagerungen und Co – Erkenne den Ursprung des Übels

Gastbeitrag von Hebamme Ann-Kathrin Gnutzmann

Es war wieder ein langer Tag im Büro. Der Bauch wächst und wächst und das lange sitzen fällt mir zunehmend schwerer. Ich könnte zwar häufigere Pausen machen, doch es gibt einfach noch so viel zu tun bis zu meinem Mutterschutz in 5 Wochen.

Eigentlich wollte ich heute endlich einen Spaziergang machen, das nehme ich mir schon seit Tagen vor. Doch vollkommen erschöpft mache ich mir zu Hause nur noch schnell etwas zu essen und setze mich dann auf´s Sofa und schalte den Fernseher ein. Gerade hingesetzt meldet sich schon wieder die Blase. Also wieder aufstehen, das Essen muss warten.
Da durchfährt mich plötzlich ein stechender Schmerz. Mir schießen die Tränen in die Augen. Ein Schmerz, der vom Rücken über den Po bis ins Bein hineinzieht. Ein unfassbarer Schmerz – ich fühle mich einen Moment lang bewegungsunfähig.
„Atmen, tief einatmen“, sage ich mir selbst und sinke auf`s Sofa zurück.

Da höre ich den Schlüssel in der Haustür und mein Mann kommt herein.
Er kümmert sich gleich liebevoll um mich und macht mir eine Wärmflasche für meinen Rücken.
Ich fühle mich so hilflos. Ich rufe meine Hebamme an. Sie hat gerade Feierabend und fährt nochmal einen kleinen Umweg für mich, um mich zu tapen.

Zwei Stunden später:

Ich bin erstaunt, wie gut das Tapen hilft. Für eine Woche soll ich es auf der Haut belassen und ich spüre schon jetzt eine deutliche Verbesserung meiner Schmerzen.

Nun soll ich mich erstmal etwas schonen und in ein paar Tagen zeigt sie mir dann noch vorbeugende Übungen.

So wie der Schwangeren in der Geschichte ergeht es vielen Frauen, wenn zwei Herzen in ihrem Körper schlagen.
Hauptursache von Rückenschmerzen ist unser bewegungsarmer Lebensstil.
Wir sitzen fast den ganzen Tag, sei es beim Essen, beim Autofahren, beim Arbeiten, beim Lesen oder abends vor dem Fernseher.
Das bedeutet, unsere Hüfte ist fast ausschließlich in einer Beugung und der Körper erfährt keine abwechslungsreichen Bewegungsmuster, auf die er ursprünglich ausgelegt war, um zum Beispiel auf die Jagd zu gehen oder vor wilden Tieren zu fliehen.
Doch gerade in der Schwangerschaft, in der der Körper noch zusätzlich den veränderten Körperschwerpunkt kompensieren muss, ist ein gesunder Körper mit kräftigen Muskeln von elementarer Bedeutung für unser Wohlbefinden.

Unser Körper funktioniert äußerst komplex und die Schmerzursache befindet sich somit nicht zwangsläufig in unmittelbarer Näher der Schmerzzone.
So ist eine häufige Ursache bei Rückenschmerzen ein zu schwacher oder verkürzter Hüftbeugermuskel, der M. Iliopsoas (=Lenden-Darmbeinmuskel).
Dieser ist einerseits an unseren Oberschenkelknochen, andererseits an unserer Lendenwirbelsäule befestigt und zieht sich im inneren unseres Beckens entlang. Er ist der kräftigste Beuger des Hüftgelenks und kann zusätzlich unser Bein nach außen rotieren.
Durch seinen Ursprung an der Lendenwirbelsäule lässt sich nun schon der Zusammenhang mit möglichen Rückenschmerzen vermuten, denn der untere Rücken stellt die erste kompensatorische Einheit bei einer Dysfunktion des Lenden-Darmbeinmuskels dar.

Um Schmerzen entgegenzuwirken oder am besten direkt vorzubeugen, kann man auch in der Schwangerschaft einiges tun.

Als erstes und einfachstes empfiehlt es sich natürlich, weniger zu sitzen.
Wenn es sich nicht vermeiden lässt, dann kann auch schon ein Wechsel der Sitzpositionen (also bestenfalls auf dem Boden), eine Verbesserung herbeiführen.
Hier sollte unbedingt auch die tiefe Hocke in der Schwangerschaft Beachtung finden.

Die tiefe Hocke ist ein menschliches Grundbewegungsmuster, die wir vor allem bei Kleinkindern noch sehr gut beobachten können, die aber auch in anderen Kulturen und bei Urvölkern die Hauptposition zum Sitzen darstellt. Hier wird in dieser Position gekocht, gegessen usw.

Die tiefe Hocke mobilisiert die Hüft- und die Sprunggelenke und aktiviert die gesamte hintere Muskelkette, stellt also korrekt ausgeführt sogar ein Ganzkörpertraining dar, denn die wenigsten Westeuropäer können wohl noch bequem die Position der tiefen Hocke einnehmen ohne dass die Fersen von dem Boden abheben.

Daher empfiehlt sich ein regelmäßiges Training dieser Position schon so früh wie möglich in der Schwangerschaft.
Denn fühlt sich die tiefe Hocke erst einmal nicht mehr fremd und schwer, sondern leicht und natürlich an, stellt sie auch eine wunderbare Gebärposition dar, die das Becken unter der Geburt wunderbar öffnet. Auf diese Beckenöffnung zielt auch der Gebärhocker ab, dient hier aber zur deutlichen Unterstützung der Gebärenden, wenn die tiefe Hocke noch schwer fällt.

Als weiteres Training des Lenden-Darmbeinmuskels kann auch ein täglicher ca. 5 km langer Spaziergang dienen. Die Bewegung ist ein guter Ausgleich zum Sitzen.

Ein spezifisches Dehnen der Hüfte mittels eines großen Ausfallschrittes nach vorne in Verbindung mit einer Beckenkippe (Schambein zum Bauchnabel und Bauchnabel sanft Richtung Wirbelsäule ziehen), ggf. unterstützt durch zum Himmel gerichtete Arme, kann ebenfalls eine muskuläre Gesundheit und damit einhergehendes körperliches Wohlbefinden auch bezogen auf Wassereinlagerungen in den Beinen fördern.

Also, ganz viel Spaß in der Bewegung.

Let’s get back to the roots.

Eure Hebamme Ann-Kathrin Gnutzmann

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Eine Alleingeburt nach Kaiserschnitt

Die Mama im folgenden Bericht bekommt ihr zweites Kind. Das erste war eine abgebrochene Hausgeburt, die im Kaiserschnitt endete. Dieses Mal plant sie eine Geburt nur mit Mann und Doula.

Am Tag vor der Geburt war ich bei einer Freundin zu ihrer Blessingway-Feier eingeladen. Ich bin mit dem Zug gefahren und musste auf dem Bahnhof noch ein paar Tränen verdrücken. Ich hatte plötzlich wieder so große Zweifel. Das Köpfchen war ja immer noch nicht fest im Becken (vermutete ich) und ich hatte große Sorgen, dass das Baby wieder nicht ins Becken rutscht. Bei meinem ersten Kind kam es bei einer versuchten Hausgeburt (mit Hebamme) zum Geburtsstillstand, welcher letztendlich zum Kaiserschnitt geführt hat. Ich bin wieder ins Zweifeln gekommen: Was, wenn mein Becken wirklich zu klein ist?

Die Blessing-way-feier war unglaublich schön. Ich war überrascht, dass ich gleich mit gesegnet wurde. Es war unglaublich, wie mir dieses Erlebnis einfach zugeflogen ist. Ich habe nichts organisiert, nichts gewünscht und nichts gefragt und plötzlich waren da 6 Frauen, die mich und mein Baby mit guten Wünschen überschütteten. Viele schöne Dinge wurden gesagt und getan und mein Baby und ich bekamen auch Geschenke. Meine schwangere Freundin lud mich großzügig ein, ohne schlechtes Gewissen alles mitzumachen. Wir verzierten gemeinsam Kerzen, die bei Geburtsbeginn brennen sollten als Zeichen der Verbundenheit und der Unterstützung. Die Frauen witzelten, dass die Geburt aber doch bitte nicht im Zug losgehen sollte.

Im Zug hatte ich tatsächlich schon die ersten leichten Wehen. Es war dann ca 19:30 Uhr. Zweimal bin ich aufgestanden und habe mich oben an der Gepäckablage festgehalten. Das Ruckeln im Zug war ganz angenehm, um das Becken ein bisschen zu bewegen. Zuhause hat unser „großer“ Sohn (3 Jahre) schon geschlafen und ich war froh drüber. Mein Mann und ich haben noch ein bisschen gepuzzelt und ich hatte immer wieder leichte Wehen. Wir haben Radio gehört, das fand ich angenehm, weil es so alltagsmäßig war. Später haben wir Musik von meinem Yoga & Bauchtanz-Kurs gehört. Irgendwann wollte ich aber einfach meine Ruhe. Die ersten Wehen habe ich im Türrahmen veratmet. Irgendwo habe ich gelesen, dass es in der Anfangsphase hilft, das Kreuzbein zu entspannen. So legte ich in den Wehenpausen immer wieder eine Wärmflasche auf das Kreuzbein, was wirklich angenehm war. Die Wehen kamen von Anfang an im Abstand von 3 bis 5 Minuten und steigerten sich langsam von der Intensität. Ich habe eine Zeit lang auf einem Zettel jeweils den Beginn der Wehen mitgeschrieben. Später hat sich mein Mann Notizen gemacht.

Gegen 22 Uhr habe ich einen Mini-Einlauf gemacht und es kam dann auch ein bisschen Durchfall. Ob das wirklich notwendig oder sinnvoll war, weiß ich nicht. Stuhlgang ging bei mir trotzdem bis zum Schluss ein bisschen mit, was mich aber nicht gestört hat. Erbrechen musste ich auch, das war so um 23:00 Uhr. Mein Mann hat eine Matratze im Wohnzimmer gemütlich hergerichtet. Ich wollte mich hinlegen und ein bisschen schlafen, dazu kam es aber nicht mehr. Lange haben wir geglaubt, dass die Wehen bestimmt nochmal schwächer werden.

Irgendwann habe ich mich getraut, den Blessingway-Mädels zu schreiben, dass sie die Kerzen anzünden sollen. Das war ca Mitternacht. Vorher hatte ich echt überlegt, ob ich das mit den Kerzen überhaupt mitmachen soll. Ich hatte die Befürchtung, dass ich unter Druck geraten könnte, wenn ich weiß, dass 6 Frauen an mich denken und auf eine freudige Nachricht nach der Geburt warten. Ich denke, dass der Moment ein ganz wichtiger war, in dem ich mich überwunden habe, die Nachricht loszuschicken. Ich dachte, den Mut muss ich jetzt einfach haben, sonst wird es nichts mit der Geburt. Ich habe also die anderen Frauen informiert und konnte das Ritual als Unterstützung annehmen.

Die Wehen wurden kräftiger und ich sagte schon um 00:45 Uhr das erste Mal, dass ich keine Lust mehr habe. Ich vertönte die Wehen im Stehen, auf dem Wohnzimmertisch abgestützt. An diese Phase im Wohnzimmer kann ich mich am wenigsten gut erinnern. Ich wollte mich immer in den Wehenpausen hinlegen, aber es ging nicht so gut. Die Pausen waren kurz und ich musste bei einer Wehe pünktlich an meinem Platz am Tisch stehen. Mein Mann musste aufpassen, dass der Tisch nicht kippt. Irgendwann dachte ich, dass das Kind nicht runter kommt. Ich hab auch getastet und habe gemeint, es wäre in Sternguckerpposition. Mein Mann meinte, dass mein Bauch anders aussieht. Ich dachte, dass es an der Sternguckerposition lag. Spinning-babies-Übungen wollte ich nicht machen. Es muss trotzdem raus, dachte ich nur. Um ça. 01:30 Uhr haben wir doch das Walcher Manöver in der Küche gemacht. Es war unangenehm und während der Übung beschloss ich, dass ich einfach normal weitermachen muss. Es kam mir zu technisch vor. Im Nachhinein denke, dass das Kind nicht wirklich am Beckeneingang hängen geblieben ist, sondern dass es eher wie eine Erinnerung an meine erste Geburt war. Das Manöver hätten wir vermutlich nicht gebraucht, aber sicher weiß ich das nicht.

Um 02:00 Uhr hat es einen Pflatsch gemacht und es kam Schleim. Vermutlich ist in dem Moment auch die Fruchtblase geplatzt, aber sicher sind wir uns nicht gewesen. Das Köpfchen hat vermutlich schon gut abgedichtet, sodass es für uns nicht eindeutig war. Mein Mann und ich haben uns sehr gefreut. Wir wussten für den Moment, dass wir unser Kind tatsächlich zuhause zur Welt bringen werden. Als ein bisschen Stuhl gekommen ist, haben wir uns auch sehr gefreut. Das Kind schiebt es raus, dachten wir beide, also muss es vorangehen. Fast bei jeder Welle kam etwas mit. Ein weiteres gutes Zeichen war, als ich einen Druck nach unten gespürt habe. Es waren immer wieder Momente, in denen ich zweifelte und dann gab es wieder so Art Schlüsselmomente, in denen ich meine Zuversicht zurückbekommen habe.

Um ca 03.00 Uhr hat unser großer Sohn geschrien und ist nicht mehr eingeschlafen. Wahrscheinlich ist er aufgewacht, weil ich doch sehr laut getönt habe. Ich habe dann unsere Doula angerufen und mein Mann ist zu unserem Sohn gegangen. Ich bin in die Küche umgezogen, da es dort von der Lautstärke her für unseren Sohn leiser war. Es war so schwierig, die Matte und die Unterlagen und das Trinken alleine in die Küche zu bringen. Ich konnte kaum mehr laufen und die Wehenabstände waren kurz. In der Küche kniete ich mich hin und lehnte mich auf das Sofa. Ich dachte, ich wäre auch kurz eingenickt zwischen den Wehen. Mein Mann meinte aber, er hat mich trotzdem immer in kurzen Abständen brüllen hören.

Ich wollte nicht allein sein und war sehr froh, als die Doula ca. eine halbe Stunde später schon bei mir war. Ich sagte nur kurz Hallo und schickte sie dann gleich, um meine Wärmflasche aufzufüllen. Ich kannte die Doula nicht sehr gut, aber es war sofort super mit ihr. Sie war sehr zurückhaltend und hat darauf gewartet, von mir Anweisungen zu bekommen, zum Beispiel, mir das Trinken zu reichen oder in den Wehenpausen kurz das Fenster aufzumachen. Es kam dann auch bald mein Mann wieder. Er war bei mir auf dem Boden oder irgendwo in der Nähe. Ich brüllte so laut. Unsere Doula meinte später, sie hätte mich schon von der Straße aus gehört. Ich kniete vor dem Sofa, damit ich in den Pausen kurz meinen Oberkörper ablegen konnte. Später stand ich am Tisch. Ich stützte mich so stark auf, dass die Doula dagegen halten musste. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass meine Beine fast abheben. Ich habe immer wieder getastet. Ich habe den Muttermundrand gefühlt. Dachte ich jedenfalls. Ich habe mich so gefreut, das Köpfchen zu spüren. Später kam es ein bisschen vor und ich habe immer wieder gefragt: Ist das wirklich der Kopf? Die Doula meinte, dass der Kopf sich länglich anfühlt, aber ich habe immer wieder gefragt: Kann das der Kopf sein? Was ist das? Ich habe zu mir selbst gesprochen.

Um 04:30 Uhr habe ich zu meinem Mann gesagt, er soll mal nachschauen. Er hat nichts sehen können, weil es so dunkel war. Ich meinte, er soll eine Taschenlampe holen. Er hat dann mit meinem Handy in meine Vagina reingefilmt. Ich stand und habe die Schamlippen auseinander gehalten. Er hat dann auch tatsächlich schwarze Haare gesehen. Es gibt auch ein kurzes Video von diesem besonderen Moment. Im Nachhinein war das auch eine sehr lustige Situation, wie er so in mich hineinleuchtete und den Kopf suchte.

Dann kam der Teil, der mir am meisten in Erinnerung geblieben ist. Der Kopf kam ein Stückchen weiter raus, so dass er von außen sichtbar war. Wir wissen nicht mehr genau, wann das war, es gibt aber das erste Beweisfoto um 04:50 Uhr. Die Wehen waren sehr stark. Ich stütze mich nach wie vor am Tisch ab oder an meinem Mann. Zwischendurch stand ich auch im Vierfüßler vor und auf dem Sofa oder ging in die tiefe Hocke. Ich brüllte und schrie: „Komm raus“. Zwischendurch war ich richtig verzweifelt und jammerte ganz weinerlich. Immer wieder kam der Kopf ein Stückchen weiter heraus. Mehrmals dachte ich, es kommt jetzt bald, vielleicht 3 oder 4 Wehen noch, hab ich gesagt. Irgendwann habe ich diesen berühmten Feuerring gespürt, es tat ganz kurz wirklich sehr weh, es brannte total.

Ich habe schon ziemlich gelitten und wollte einfach nur, dass das Kind endlich rauskommt, aber schmerzhaft waren die Wehen ansonsten eigentlich nicht. Es war einfach diese Anstrengung. Ich machte mir auch ein bisschen Sorgen, weil ich das Baby nicht mehr gut spürte. Jetzt denke ich, dass es normal war, sie war ja dann wahrscheinlich schon gut eingequetscht. Den Moment, in dem sie dann tatsächlich geboren wurde, hab ich gar nicht kommen sehen. Es war ca 5:25 Uhr. Ich kniete vor dem Sofa und hatte wahrscheinlich meine Hand an ihrem Kopf. Auf jeden Fall drehte ich mich in die Hocke und hatte sie dann plötzlich in den Händen, am Kopf und am Rücken. Sie ruderte mit den Armen und hatte sofort die Augen offen. Sie schrie ein bisschen, aber es blubberte noch. Kurz fragte ich mich, ob das normal sei, aber man konnte sehen, dass sie fit war. Sie schrie weiter und ich wusste gar nicht richtig, wie ich sie halten soll. Mir tat plötzlich alles weh und ich wusste nicht, wie ich mich setzen soll. Mein Kreuzbein tat weh und mein Damm. Ich lehnte mich an meinen Mann an und wir konnten es beide nicht glauben, dass wir es wirklich geschafft haben. Das war wirklich in vielerlei Hinsicht ein ganz intensiver Moment.

Ich konnte meine Tochter dann noch so am Boden stillen und in Ruhe bewundern. Beim Stillen habe ich nur ganz leichte Kontraktionen gespürt. Ungefähr eine Stunde nach der Geburt hatte ich den Impuls, in die Hocke zu gehen und einfach zu versuchen, die Plazenta zu gebären. Die Doula fragte noch, ob ich schon was spüre. Ich legte unsere Tochter in die Hände meines Mannes und ging in die Hocke. Ich drückte nur ganz leicht und die Plazenta ist dann einfach rausgefallen. Es war ca 6:30 Uhr. Wir haben sie noch gemeinsam angeschaut und ich fand sie total schön.

Dann hätte eigentlich der gemütliche Teil kommen sollen, aber leider hatten wir dann noch ziemlichen Stress mit unserer Nachsorgehebamme. Ich habe ihr gute vier Stunden nach der Geburt eine SMS geschrieben. Sie ist gleich in Stress verfallen und ist sofort vorbeigekommen. Sie wollte uns mit dem Rettungswagen in die Klinik schicken. Ich sagte sofort, dass wir nicht ohne Grund in die Klinik fahren. Sie kündigte uns an, dass sie die Sache mit der Alleingeburt auf jeden Fall noch mit uns besprechen will, denn wir haben uns in große Gefahr gebracht oder so ähnlich. Es war wie eine Ankündigung für eine ordentliche Standpauke.

Es kam dann noch eine befreundete Hausgeburtshebamme vorbei. Ausgerechnet diese, mit der ich vor drei Jahren versucht habe, meinen Sohn zu gebären. Unsere Hebamme hatte sie dazu gerufen, damit sie eine Zweitmeinung abgibt. Meine damalige Hausgeburtshebamme war ruhig und gelassen, aber ich war enttäuscht, dass sie uns nicht mal gratuliert hat. Zu zweit haben sie die Plazenta untersucht und meinen Damm angeschaut. Die Hausgeburtshebamme meinte, sie habe so eine Dammschwellung in 25 Jahren noch nicht gesehen. Insgeheim dachte ich, dass sie eine solche kraftvolle Geburt auch niemals begleitet hätte.

Wir sind dann deswegen mit dem Auto in die Klinik gefahren, zum Glück wohnen wir wirklich sehr nah dran. In der Klinik waren alle voll nett. Die Untersuchung tat übelst weh, aber die Ärztin hat keine Verletzung gefunden. Nur ein ganz kleiner Riss, was aber eine „Schürfung“ sei. Mir war es schon ganz recht, dass wir das abgeklärt haben, die Schwellung war wirklich riesig und ich konnte fast nicht mehr pinkeln. Die Ärztin wollte uns schon einen Katheder mitgeben, falls ich die Blase wirklich gar nicht mehr entleeren kann. Zum Glück ging das aber, Pinkeln im Stehen war der beste Ratschlag dafür.

Es ging dann noch ein bisschen chaotisch weiter. Am zweiten Tag waren wir beim Kinderarzt und am dritten Tag kam eine andere Hebamme vorbei, um das Fersenblut abzunehmen, weil alle anderen Beteiligten Gründe gefunden hatten, dies nicht zu tun. Diese Hebamme war total nett und spontan. Sie lachte nur darüber, dass wir die Geburt allein erlebten. Sie erklärte den Schwangeren immer, das Wichtigste sei das Vertrauen in den Körper. „Sie haben alles richtig gemacht“, sagte sie. Das tat richtig gut, das von einer Hebamme zu hören.

Am Abend war ich richtig wütend auf unsere Hebamme und zog ernsthaft in Erwägung, ihre Betreuung zu kündigen. Wir hatten dann aber am nächsten Tag ein klärendes Gespräch und sie entschuldigte sich auch dafür, dass sie sich von ihren Emotionen so mitreißen hat lassen. Für sie war es ein großer Vertrauensbruch, weil alles anders abgesprochen war. Ich sagte ja im Vorfeld zu ihr, dass wir eine ambulante Geburt planen und hatte mit ihr ausgemacht, dass ich mich noch von der Klinik aus bei ihr melde, um meine Entlassung zu besprechen. Sie hätte niemals unsere Betreuung übernommen, wenn sie von der geplanten Alleingeburt gewusst hätte. Deshalb fand sie es unfair, weil sie sich unwissend mit „reingezogen“ fühlte. Wir haben es ihr nicht gesagt, um sie soweit wie möglich rauszuhalten. Letztendlich glaube ich, dass es natürlich besser gewesen wäre, wir hätten eine Hebamme gefunden, die unsere Pläne gut findet und mit der wir zumindest offen kommunizieren hätten können. Aber zum einen war ich noch nicht soweit in meinem Selbstvertrauen bezüglich der Geburt und zum anderen ist es schwer, eine Hebamme zu finden, die eine Alleingeburt nach Kaiserschnitt unterstützen würde. Insofern waren sich mein Mann und ich uns einig, dass es so unsere einzige Möglichkeit war und wir alles richtig gemacht haben. Gleichzeitig tat es uns natürlich auch leid, dass wir unsere Hebamme in eine so stressige Situation gebracht haben und wir uns selbst dadurch so stressige erste Wochenbetttage beschert haben.

Insgesamt bin ich trotz der stressigen Nachsorge sehr glücklich über die Geburt. Ich denke, es hätte in der Klinik oder mit Hebamme nicht besser laufen können. Vermutlich wären mir wie damals bei meinem Sohn Positionswechsel oder Medikamente angeboten worden, denn ich habe wirklich sehr gejammert und ich bin sehr froh und dankbar, dass mein Mann und später die Doula das so gut einschätzen konnten und mich einfach haben machen lassen. Vermutlich hätte ich in der Situation auch noch alles angenommen und mitgemacht, denn ich war zeitweise wirklich mit den Nerven am Ende. Wahrscheinlich hätte ich zum Schluss sogar einem Dammschnitt zugestimmt, obwohl ich jetzt natürlich froh bin, dass mir das erspart geblieben ist. Die Schwellung an meinem Damm ist auch innerhalb ein paar Tagen wieder zurückgegangen und die Nachsorgehebamme hat mir mehrmals gesagt, dass ich bezüglich Verletzungen wirklich sehr gut weggekommen bin, es ist ja immerhin meine erste vaginale Geburt gewesen. Dass dies bei Alleingeburten ja meistens der Fall ist, habe ich mir aber verkniffen…

Alleingeburt nach zwei Kaiserschnitten

Die Mama im folgenden Bericht hat zwei Kinder, die per Kaiserschnitt geboren wurden. Diesmal, beim dritten Kind, entscheidet sie sich für eine Geburt in Eigenregie.

Am 20.6. war errechneter Termin. Seit Anfang Juni hatte ich immer wieder Vorwehen und ich spürte, wie meine Körperin mein Becken weitete. Mental habe ich alles noch einmal durchgespielt und mich immer wieder mit positiven Affirmationen vorbereitet. Es war meine erste spontane vaginale Geburt nach meinen beiden Kaiserschnitten. Aber diesmal war ich dafür bereit. Ich wusste, dass alles gut wird, denn meine Tochter hatte es mir gesagt.

Es war ein heißer Tag. Wir waren nachmittags mit unseren Kindern noch auf dem Spielplatz … ich schon schwerfällig wie ein Walross. Abends setzten dann die ersten Wellen ein … sanft, leicht und mit leiser Vorankündigung. Nach zwei Stunden dachte ich dann, sie sind immer noch da, dann geht’s heute los.

Ich war voller Freude. Auf der Couch schliefen meine Jungs, ich hatte eine Matratze davor gelegt und bezog extra das Bett frisch mit Bettwäsche, die ich für die Geburt gekauft hatte. Die Wellen nahmen an Fahrt auf, gut zu veratmen und mental absolut zu beherrschen. Der Sturm wurde stärker, ich verfiel in einen Rauschzustand, spürte meine Tochter, wie sie sich nach unten schob. Dann der point of no return… ruf den Rettungswagen, befahl ich meinem Mann … ach doch nicht … doch, jetzt sofort … nein ich mag nicht mehr … nein ich bin nicht sicher …😄 Und dann plötzlich das Gewitter, die Fruchtblase platzte und ich brüllte. Die Kinder wachten auf und mein Mann brachte sie fix zur Nachbarin. Und nun gab ich die Kontrolle ab, war nur noch das Gefäß und meine Tochter fand den Weg hinaus zu uns. Mein Mann berührte sie zuerst, fühlte wie sie sich nochmals drehte und fing sie dann auf. Und da war sie … klein, zart, ganz sauber ohne Blut oder schmiere. Einfach zauberhaft.

Ich war groggy aber wohl auf, ohne Blessuren, bekam einen Kakao und einen mega hochkalorischen Kuchen und ruhte auf der Couch. Gegen 04:00 Uhr holten wir unsere Jungs dazu und mein großer Kleiner schnitt die Nabelschnur durch. Die beste Entscheidung meines Lebens und ein Geschenk des Himmels, dass ich eine unkomplizierte, freie Geburt erleben durfte.

Danke auch an alle, die mich darin bestärkt und unterstützt haben. ♥️

Die freie Geburt unserer Zwillinge

Heute darf ich wieder einmal von meiner eigenen Geburt berichten. Es ist meine 7. Geburt, meine 6. Geburt in Eigenregie. Das Besondere: Es sind Zwillinge!

Die Schwangerschaft

Meine 7. Schwangerschaft begann ein halbes Jahr früher als ich geplant hatte. Eigentlich halte ich einen Geburtenabstand von 3 Jahren für ideal. Aber sobald mein Zyklus nach der ersten Stillzeit wieder in Schwung ist, reden mir meine Eierstöcke ein weiteres Kind ein. Deshalb haben wir zwar eigentlich mit nfp und Kondom in der fruchtbaren Zeit verhütet, aber wir riskierten doch ein bisschen was. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, mit 36 Jahren 5 Tage vor Eisprung schwanger zu werden? Sehr klein. Ich hab mir das damals sogar mit nem Online-Rechner ausrechnen lassen. *lach* Tja, ein Treffer war trotzdem möglich und, was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: ein Doppeltreffer.

Zunächst war diese Schwangerschaft nicht anders als die anderen zuvor. Mir ging es gut, ein bisschen müde und latente Übelkeit um die 7. Schwangerschaftswoche herum. Nichts, was mich im Alltag einschränkte. Ich genoss meinen wachsenden Bauch und meine vorsorgefreie Schwangerschaft.

Unbewusst muss das Zwillingsthema aber wohl doch präsent gewesen sein. Meine Schwester war zu diesem Zeitpunkt mit ihrem zweiten Kind schwanger, auch ultraschallfrei, und hatte in den letzten Wochen den Verdacht, es könnten vielleicht zwei sein. Ich freute mich, fand es spannend und sagte: „Ja, krieg du mal die Zwillinge. Dann krieg ich sie schon nicht.“ Ich fand Zwillinge spannend, aber kriegen sollten sie bitte die anderen. Mir reichte ein Kind auf einmal völlig aus.

Meine Schwester bekam dann doch nur ein Kind.

Seit ich in der 5. Schwangerschaft schon mal – fälschlicherweise – Zwillinge vermutet hatte, weil mein Fundus höher war als im Buche stand, vermied ich es, meinem Fundusstand vor der 20. SSW irgendeine Bedeutung beizumessen. Denn wenn man nicht das erste Kind bekommt, kann der auch bei Einlingen früh sehr hoch stehen. Nun blieb meine Gebärmutter aber auch jenseits der 20. SSW groß. Der Fundusstand entsprach einer Schwangerschaft, die 4-6 Wochen weiter war. Ebenso meine Gewichtszunahme, wenn ich sie mit den Schwangerschaften davor verglich. Ich ignorierte das gekonnt, bis ich beim Tasten glaubte, eine Beule neben der anderen zu tasten. Anfangs passierte das nur immer mal. Wenn ich dann wieder tastete, fand ich nur eine Beule und erklärte mir den vorigen Tastbefund weg. Aber die zweite Beule tauchte immer öfter auf und der Gedanke ließ mich nicht mehr los. Ich kontaktierte die Hebamme, die ich auch schon in der 5. Schwangerschaft gebeten hatte, mir meinen Zwillingsverdacht auszureden. Bei 23+0 SSW tastete sie, suchte mit dem Dopton und fand nur eins. Warum der Fundus so hoch steht? Viel Fruchtwasser, andere Einnistung der Plazenta waren ihre Erklärungsversuche. Wenig greifbar, aber ich war beruhigt. Für ein paar Tage. Dann tastete ich wieder und da war immer öfter eine zweite Beule oben oder unten eine neben der ersten. Es gab dafür keine wirklich plausible Erklärung – außer Zwillinge.

An einem Abend ließ ich auch meinen Mann tasten. Er fühlte, was ich fühlte und meinte, er könne mir einen Ultraschalltermin besorgen. Männlicher Pragmatismus. Ich war nicht so überzeugt, ob ich das wollte, aber er führte praktische Gründe an. Wir würden ein größeres Auto oder zumindest einen weiteren Sitz im Auto brauchen, was man aufgrund behördlicher Vorschriften beim 10. Sitz nicht einfach so mal macht. Ich stimmte schließlich zu. Endlich würden das Spekulieren und die Ungewissheit ein Ende haben.

In der Nacht träumte ich von diesem Ultraschalltermin. Wir kamen dahin, der Arzt schallte und es waren zwei. Ich wollte das Geschlecht wissen und er fand zwei Jungs. Im Traum rannte ich aus dem Untersuchungsraum und brüllte meine Wut raus. Ich hatte ja schon zwei Mädchen und vier Jungs. Das konnte doch nicht sein, dass ich jetzt zwei kriege und es ist kein Mädchen dabei!

An Heiligabend, bei 25+4 SSW, bekamen wir recht spontan einen Ultraschalltermin im hiesigen Krankenhaus. Es lief zunächst ab wie in meinem Traum. Wir kamen hin und im Ultraschall sah man sofort zwei. Ich lachte – vor Erstaunen, Unglauben und triumphierend, dass mich mein Körpergefühl nicht getäuscht hatte. Im Fall von Zwillingen wollte ich das Geschlecht wissen, weil ich nicht gezwungen sein wollte, mich mit meinem Mann prophylaktisch auf vier Vornamen einigen zu müssen. Der Arzt schallte und fand einen Jungen. Da laut Plan gerade der Organultraschall vorgesehen war, nahmen wir den auch noch mit. Es dauerte also eine Weile, bis er Baby A zu Ende untersucht hatte. Endlose erscheinende Minuten. Bitte, lass das andere ein Mädchen sein!, betete ich im Stillen und sah schon meinen Traum aus der einen Nacht wahr werden. Aber Baby B war, sehr eindeutig für uns zu sehen, ein Mädchen! Yes! Ich wollte doch sooo gern noch eins. Alles war ansonsten in bester Ordnung. Die Plazenten lagen oben, beide Babys waren in der Ultraschallschätzung fast gleich schwer und lagen mit dem Kopf nach unten. Ich wusste nun alles, was ich wissen wollte.

Dem Arzt hatten wir von unseren bisherigen Alleingeburten erzählt. Mein Mann gibt gern ein bisschen damit an, vor allem vor Kollegen. Der Doktor war ein ganz entspannter Zeitgenosse. Aber absichern musste er sich natürlich. Er ließ mich unterschreiben, dass ich über die Vorsorgeroutine bei Zwillingen Bescheid wusste, sie aber ablehnte. Er gab mir Überweisungszettel für die üblichen Blutuntersuchungen mit. Mit der Zwillingsdiagnose wollte ich nochmal nachdenken, ob ich doch irgendeine Vorsorge in Anspruch nehmen wollte. Er kündigte mir an, dass engmaschige Kontrollen per Ultraschall, Muttermunduntersuchung etc. vorgesehen sind und man bei 38+0 den Termin ansetzt. Man hätte mich also bei 39+0 oder spätestens 39+3 eingeleitet.

Mir war schnell klar, dass ich keine Untersuchungen wollte, solange es mir gut ging. Als gesunde Schwangere zum Arzt zu gehen, hatte mir noch nie eingeleuchtet. Da ich dazu neige, über Termin zu gehen, sah ich den Stress schon auf mich zu kommen. Nein. Ich entschied mich komplett dagegen. Ich hielt mir lediglich offen, mich zur Geburt im Krankenhaus anzumelden – für den Fall einer Verlegung. Woraus dann lediglich eine Kreißsaalbesichtigung in der 39. SSW wurde.

Nach dem ersten Schock nahm mein Mann die Sache sportlich und begann, sich mit der Autolösung zu beschäftigen.

Die restliche Schwangerschaft verlief ganz normal und schön. Ich war früher als sonst ziemlich behäbig, bekam aber zum Schluss Hilfe von meiner Schwiegermutter in der Zeit, wo mein Mann in Schweden arbeiten war – was immer zwei Wochen Abwesenheit im Monat bedeutete. Sachen vom Fußboden aufzuheben vermied ich und entsprechend sah es zwischendurch aus. Meine Krampfadern störten diesmal kaum, so dass ich die Stützstrümpfe auch mal wegließ. Zum Ende hatte ich an manchen Tagen ein bisschen Wasser in den Füßen, das früh wieder verschwunden war. Sonst gab es nichts zu klagen. Ich hatte auch schon Schwangerschaften mit mehr Wehwehchen. Besonders die ersten drei. Ich schiebe es auf meine traditionelle Ernährung, dass die späteren Schwangerschaften so schön unkompliziert verliefen. In dieser Schwangerschaft war besonders, dass ich eine Abneigung gegen Kohlenhydrate hatte. Ich mochte weder Brot, Reis noch Kartoffeln und aß höchstens minimale Mengen. Sofort nach der Geburt änderte sich das wieder und ich mochte diese Dinge wieder.

Der Herr Doktor vom Ultraschall machte sich derweil wohl doch so seine Gedanken. Jedenfalls veranlasste er den Besuch einer staatlichen Hebamme, die uns die Risiken einer Zwillingshausgeburt darlegte. Etwas, das ich genauso gut hätte tun können.

In der 38. SSW kam mein Mann endgültig nach Hause. Jetzt durften die Zwillinge kommen. Aber erst drei Tage nach Termin machten sie sich schließlich auf den Weg.

In der 38. SSW

Geburtsvorbereitungen

Im Hinblick auf die Geburt hatte ich interessanterweise gar keine Angst. Ich hatte Geburtsberichte gelesen, Videos von Zwillingshausgeburten angeschaut und meine befreundete Hebamme ausgequetscht, die in ihren Jahren als Hausgeburtshebamme auch Erfahrung mit Zwillingsgeburten gesammelt hatte. Von den zusätzlichen Risiken einer Zwillingsgeburt machten mir nur die mögliche Querlage des zweiten Zwillings nach der Geburt des ersten etwas Sorge, sowie eine längere Pause zwischen der Geburt von eins und zwei. Auch dazu befragte ich „meine“ Hebamme, durchforstet das Internet nach Erfahrungsberichten und las Geburtsberichte. Mir schien, dass die Gefahr einer Querlage im Krankenhaus durch PDA, Geburt in Rückenlage und Wehentropf größer war, als wenn die Geburt instinktgesteuert und aufrecht passieren durfte. Meine Hebammenbekannte hatte den Fall einer Querlage beim zweiten Zwilling in einer von 50 Zwillingshausgeburten. Eine Korrektur der Querlage ist schwer möglich und meist ist ein Kaiserschnitt nötig.

Für den Fall einer größeren Pause zwischen eins und zwei besorgte ich mir ein Dopton, um ggf. die Herztöne überprüfen zu können. Allerdings sollte ich damit vorsichtig sein, riet die Hebamme, da sie im Krankenhaus miterlebt hatte, wie der Arzt mit seiner Suche nach den Herztönen des Zweiten diesen auch mal in Querlage gebracht hatte. Ich hoffte, dass Baby B schnell (innerhalb einer halben Stunde) hinterherkam, wie es bei den meisten Zwillingsgeburten der Fall ist.

Die Geburt

Wie in fast allen Schwangerschaften hatte ich keine nennenswerten Anzeichen, dass die Geburt bevorstand. Hier und da mal eine harmlose Kontraktion in den Wochen vorher, aber sonst nichts. Die Babys waren munter und ich hatte nur einmal Zweifel und das Bedürfnis, mit dem Doppler zu kontrollieren, ob beide noch „da“ waren. Am 7. April 2019 hatte ich dann um die Mittagszeit eine doch recht kräftige Wehe. Ich legte mich später wie gewohnt zu meinem Mittagsschlaf hin. Dabei träumte ich in einem anregenden Traum von meinem Mann und wachte von einer kräftigen Wehe auf. Offenbar wirkt Sex auch wehenanregend, wenn man ihn nur träumt. *lol* Ab da kamen die Wehen in kürzer werdenden Abständen. Sie waren nicht so stark. Manche musste ich veratmen, mehr nicht. Aber da es loszugehen schien, begann ich das Wohnzimmer aufzuräumen. Hier wollte ich gebären und hier sah es mal wieder aus nach kinderverursachtem Bombeneinschlag. Mein Mann war mit einem Teil der Kinder unterwegs und kam wenig später heim. Ich hatte inzwischen für Ordnung gesorgt und meinen Geburtskram herbeigeschafft. Begeistert stürzten sich die kleinen Jungs auf den Ball. Der Trubel war mir schnell zu viel. Mein Räumen wurde schon alle 3 Minuten etwa von einer Wehe unterbrochen, die veratmet werden wollte. Die Kinder wurden also schnell mit Abendessen abgefertigt. Ich habe nur noch einen Erdbeerquark gegessen und war ansonsten schon auf Rückzug in meine Gebärblase. Um 20 Uhr rief ich Cerstin an, die fotografieren sollte, und Monique, die filmen sollte. Mein Mann brachte derweil die kleinen Jungs ins Bett. Es wurde ruhig im Haus und wir drei Frauen machten es uns im Wohnzimmer bequem. In den Wehen hing ich kniend über dem Ball, zwischen den Wehen quatschen wir oder ich hörte meinen beiden Kamerafrauen zu, wie sie sich unterhielten. Ich machte Musik auf dem Handy an und dimmte das Licht. Ich hatte zuerst das Gefühl, die Ankunft der beiden habe die Wehen abgeschwächt. Aber obwohl die Wehen harmlos erschienen, war die Geburt mitten im Gange. Mein Lied für diese Geburt wurde diesmal „How can I keep from singing“, die Version von Audrey Assad. Das flog mir schon in den Tagen vor der Geburt zu. Die Wehen wurden etwas kräftiger, waren zum Teil im Rücken, was ich nur aus meiner ersten Geburt kannte. Aber alles gut auszuhalten.

Irgendwann hatte ich genug von Musik und checkte noch meine Facebook-Gruppen. Dann unterhielten wir uns über Gebärpositionen. Ich erzählte Monique und Cerstin, wie ich abgestützt zwischen zwei Stühlen die Babys rauspressen wollte. So abgestützt kann ich einfach am besten gebären. Und während ich das so demonstrierte, kamen die ersten Presswehen. Die waren aber nur so halbgar. Ich fühlte etwas (Kopf? Schultern?) sich über meiner Symphyse bewegen. Ob er noch die richtige Position suchte? Irgendetwas kam mit den Presswehen, aber nicht der Kopf. Es war die Fruchtblase, die für ein paar Presswehen prall herausstand, bis sie bei einer Presswehe schließlich platzte. Leicht grünes Fruchtwasser entleert sich mit einem großen Platscher auf die Einmalunterlage, die auf der selbstaufblasenden Isomatte unter mir lag. Schließlich kam er in einer Presswehe herunter. Mit der nächsten Wehe war der Kopf geboren, wenn ich richtig erinnere. Dann entstand eine längere Pause, aber er schrie schon, nur mit Kopf draußen. Schließlich die Schulterdrehung. Mein Mann fing ihn 22:56 Uhr auf.

Die Nabelschnur war so kurz. Weiter kam er damit nicht.

Die Nabelschnur war allerdings so kurz, dass er davon gerade am Ausgang gehalten wurde. Die Nabelschnur sah für mich auspulsiert aus, also haben wir sie durchtrennt. Es suppelte dann doch noch etwas Blut, so dass wir mit dem Nabelschnurbändchen von Eileen abbanden. Mein Mann übernahm ihn, nachdem ich ihn kurz gehalten hatte, denn die Wehen setzten schon wieder ein. Ich tastete den Kopf des Mädchens in Startposition. Keine Querlage. 🙂 Dann eine Presswehe und ich beförderte sie durch mein Becken nach draußen – mit einem Stopp für die Schultern. Mein Mann fing sie 23:05 Uhr auf und entwirrte die Nabelschnur, die zweimal um den Hals war. Sie war noch komplett voll Käseschmiere.

Da waren unsere zwei jüngsten Teammitglieder! Während wir die Ankunft der Babys feierten, kam auch ganz unspektakulär die Plazenta und plumpste unter mir auf die Unterlage, wo ich kniete. Der Blutverlust war so minimal wie bei den anderen Geburten.

Nach dem ersten Bestaunen ging ich duschen. Danach wurde Baby B, das Mädchen, abgenabelt und ich stillte beide zum ersten Mal.

Meine beiden Kamerafrauen verabschiedeten sich schließlich. Alle gingen ins Bett. Nur unsere Große (12) leistete mir noch Gesellschaft. Sie half mir, die Babys zu wiegen und anzuziehen. Ich aß noch was im Schein der Geburtskerze: meinen Mamas Spezialquark. *g* Dann trug ich meine beiden Frischlinge hoch ins Bett und ging irgendwann nach 2 Uhr schlafen.

Samuel: 2850g, 49 cm lang, 34 cm KU

Sarah: 2870 g, 49 cm lang, 34 cm KU

Die Geburt war eine meiner leichtesten. Vielleicht weil der Kopfumfang kleiner als bei den Einlingen war? Die klassische Übergangsphase mit den bekannten Gedanken, es nicht mehr auszuhalten, kam gar nicht. Auch mein Beckenboden war hinterher kaum mitgenommen und schnell wieder in der gewohnten Verfassung. Im Nachhinein würde ich lieber nochmal ne Zwillingsgeburt machen als nen Einling zu kriegen. Nur das Danach ist mit einem doch lauschiger. Wobei ich mich eigentlich nicht beklagen kann. Die zwei sind echt brav und ich bekomme fast immer genug Schlaf.

Eine freie Geburt 15 Tage nach Termin

Die Mama im folgenden Bericht entscheidet sich beim dritten Kind für eine Geburt nur mit ihrem Mann. Schließlich muss sie bis 15 Tage nach Termin ausharren, um ihr Wunder in Empfang nehmen zu können.

Die freie Geburt von Lone *14.7.2019

Völlig überraschend hat sich die kleine Dame in meinen Bauch geschlichen und nur durch Zufall und der Hartnäckigkeit meiner Freundin sei Dank, erfuhren wir am 5.11.2018 von unserem dritten Wunder. Ende August des gleichen Jahres mussten wir leider ein Baby aus den Bauch in den Himmel gehen lassen. Mit einer erneuten Schwangerschaft hatte keiner gerechnet, aber unsere Gebete nach Veränderung in unserem Leben wurden mit voller Liebe beantwortet. Die Schwangerschaft war kurz gesagt, wie auch bei den beiden Kindern zuvor, sehr anstrengend. Das volle Programm von Kreislaufproblemen, Übelkeit, Sodbrennen bis zum Erbrechen und einer Symphysenlockerung nach einem Sturz und damit verbundenen Schmerzen war leider allzeit präsent. Verständlich ist daher, dass die Nerven beim Überschreiten des ET völlig blank lagen. Ich weiß nicht, wieviele unzählige Gespräche ich mit meinem Herrn im Himmel geführt habe, war kurz vorm „Aufgeben“, zweifelte an den Fähigkeiten meines Körpers, haderte mit mir selbst. Nach 11 Tagen über ET bot mir meine Hebamme einen „Wehencocktail“ an, sie sah meine Not und wollte mir gerne helfen. Ich kaufte die Zutaten, weinte auf der Rückfahrt im Auto bitterlich. Seit Monaten hatten Tim und ich uns nun auf die Geburt vorbereitet, hatten um eine interventionsfreie Schwangerschaft gekämpft und unsere Pläne zu Hause alleine zu entbinden verteidigt – warum sollte ich jetzt eingreifen MÜSSEN? Ich fühlte mich nicht wohl und Tim stärkte mir den Rücken, weiter abzuwarten. Auch meine Hebamme war am nächsten Tag glücklich mit meiner Entscheidung abzuwarten und bestärkte uns zusätzlich. Unser Ausharren und Beten wurde bei ET +15 beantwortet.

Nach dem Aufstehen um 10 Uhr fingen leichte Wehen an. Allerdings glaubte ich absolut nicht an Geburtsbeginn, denn diese Wehen kannte ich nur zu gut von mittlerweile unzähligen „Fehlalarmen“. Auch mein vorhandener Appetit ließ nicht auf Geburtsbeginn schließen. Nach dem Frühstück hab ich mich auf meinen Gymnastikball begeben und ins Tragetuch gehangen. Gegen 11 Uhr bemerkte ich beim Bearbeiten der Wehen, dass mich zunehmend die laute Kulisse der beiden großen Kinder störte. Als mein Mann dann noch (zu recht) mit den Kindern schimpfte, war ich super angespannt und bat meinen Mann energisch für Frieden zu sorgen. Mein Mann sagt rückblickend, dass dies der Moment war, an dem er wusste, dass es jetzt losgeht. Leider fühlte ich mich auch weiter durch das rege Leben im Haus abgelenkt, so dass ich Tim bat, die Kinder zu meiner Mutter zu bringen. Bei ihr wäre das Zurückrudern bei einem Fehlalarm nicht so „peinlich“. Kurzzeit war ich enttäuscht, da ich ihnen beiden frei stellen wollte dabei zu sein. Aber es war die richtige Entscheidung – für Tim und für mich.

Bis ca. 13 Uhr glaubte ich nicht an den Geburtsbeginn, aber als ich dann das erste mal das Bedürfnis verspürte, die Geburtsplaylist zu starten, waren auch meine Gedanken in Richtung Geburtsarbeit fokussiert. Passend dazu erklang das erst Lied von „Hillsong – Be still“, was ich oft vorher gehört habe, wenn meine Gedanken zu viel kreisten. Die Wehen kamen von Beginn an in kurzen Abständen – ich schätze max. 3-4 Minuten. Sie nahmen einfach stündlich an Intensität zu. Ich erlebte sie zum ersten mal sehr intensiv als „Arbeit“ und nicht als Schmerz. Tim und ich lachten viel, beteten, hielten einander, fragten unser Kind, wie es ihm geht – und ja, wir bekamen immer eine Antwort. Ob durch Bewegung, einen Tritt oder Schluckauf. Eine unbeschreibliche, tiefe Verbindung herrschte zwischen uns dreien. Ich trank viel, lutschte zwischendurch einen Traubenzuckerlolli, weil mir etwas übel war. Das tat gut. Ich merkte zunehmend, dass ich Richtung Übergangphase unterwegs war, am meisten daran, dass ich anfing zu schwitzen und kleine Gedanken des Zweifels aufkamen. Schaff ich das wirklich? Bisher sind die Übergangsphasen von der Hebamme „beendet“ worden, indem die Fruchtblase eröffnet wurde. Schaff ich das jetzt alleine? Tim schrieb unserer Hebamme (die leider ohne Versicherung für die Geburt ist) eine Nachricht, dass das geplante CTG heute Abend wohl nicht mehr stattfindet, wir uns aber für die U1 melden würden. Er schrieb ihr zudem, dass er schätzte, dass ich mich Richtung 7cm befinden würde. Wahnsinn oder? Was hab ich für einen tollen Mann!

Gegen 15.30 Uhr nahmen die Wehen Fahrt auf, besonders im Unterbauch Richtung Oberschenkel und Kreuzbein. Gut, dass ich vorher vom „Türrahmenwehen“ gelesen hatte. Was war das eine Erleichterung!!! Und gut, dass wir massiv gebaut haben 😉 Vorher hatte ich selbst versucht zu ertasten, wo wir uns befanden, aber ich fühlte NICHTS. Keinen Muttermund noch irgendwas, was sich nach Kopf anfühlte. Ich war zugegebenermaßen enttäuscht, aber vertraute zu dem Zeitpunkt meinem Körper. Nach über einer Stunde starker Wehen wurde noch mal der Ofen angeheizt. Ich war sicher in der Übergangsphase, aber auch nach erneutem Tasten, NICHTS. Der Türrahmen und ich waren beste Freunde und mein Mann die beste Unterstützung, die man sich erdenken kann. Ruhig, gelassen, voller Vertrauen in mich und das Baby sprach er uns gut zu, ermutigte mich auch nach 40x „ich kann nicht mehr“.

Gegen 17.15 Uhr war der Höhepunkt der Intensität erreicht. Ich überlegte im Türrahmen vom Badezimmer stehend, ob ich es zum Telefon schaffe und 112 rufen soll, zweifelte aber an geeigneten Narkosemitteln auf dem Rettungswagen, die ich gerne hätte haben wollen. Ich wollte weglaufen, einfach hier aufhören. Das Gefühl kannte ich und trotzdem übermannte mich es erneut. Die Tatsache, dass ich bereits Druck verspürte, ließ mich noch mal vorsichtig versuchen, meinen Muttermund zu tasten. Wieder NICHTS. Endlose Weite, aber kein Muttermund, Kopf oder Fruchtblase. Ich fing an unruhig zu werden, veratmete die nächste Wehe wieder im Türrahmen und während einer erneuten Wehen mit Druck musste ich etwas mitschieben. In diesem Moment tropften zwei kleine Tropfen Blut auf die Fliesen. Der Höhepunkt der Unsicherheit war bei mir erreicht. Ich meinte zu Tim, dass Blut nicht gut sei. Er war total entspannt und meinte, dass es doch normal sei, wenn der Muttermund sich öffnet, dass es auch mal blutet – oder es sei vielleicht der Schleimpfropf, der sich löst. Wie weise er ist, dachte ich und war wieder beruhigter. Trotzdem zweifelte ich noch an der eigenen Fähigkeit, diese Fruchtblase zum platzen zu bringen. Der Druck war unbeschreiblich und so intensiv, wie bei noch keiner Geburt. Aber laut meinem Tasten war ja noch kein Kopf ansatzweise Richtung Ausgang unterwegs.

Interessanterweise wollte ich gegen 17.35 Uhr die nächste Wehe nicht mehr im Türrahmen stehend erleben, sondern wieder ins Wohnzimmer in mein Tragetuch. Ich kam gerade noch auf meine Gymnastikmatte mit Einmalunterlage drauf, hing mich ins Tuch und die nächste Wehe kam. Diese fühlte sich völlig anders an. Es brannte leicht im Bereich des Muttermundes und der Druck „bewegte“ sich. Ich spürte den Kopf, der sich nach vorne schob. Ich sagte Tim, dass sich der Kopf eindreht, war aber der Annahme, dass er sich noch „oben“ im Geburtskanal befand. (Ich hatte ja kurz vorher NICHTS er tastet.) Tim kniete hinter mir und beantwortete meine Frage mit: „Ich seh den Kopf, der Kopf kommt.“ Ich dachte, er meint, dass er einen kleinen ersten Teil sieht, aber dem war nicht so. Die Blase sprang, der Kopf wurde geboren, den kurzen Widerstand des Kinns konnte ich am Damm spüren und ohne Pause drehten sich die Schultern ein und Tim sagte: „Sie kommt – ich habe sie.“ Mit dem Aussprechen hatte er sie aufgefangen. Sie weinte sofort, auch wenn ich sie noch nicht sah. Ich war sprachlos. Vor 4 Minuten hatte ich noch nichts tasten können und jetzt schrie sie. Ich begriff gar nichts. Tim reichte sie mir durch die Beine (ich habe sie im Stehen geboren) und ich entwirrte die Nabelschnur die um Hals und Bauch gewickelt war. Sie war rosig, die Hände und Füße leicht blass/livide, aber ansonsten strotzte sie vor Leben, schaute mich ungläubig an. Mindestens genauso ungläubig schaute ich Tim an. Wahnsinn. 17.41 Uhr. Sie ist da, wir drei haben es geschafft – und wie?! Genau dort, wo Tim und ich von Beginn an gesagt haben, hier kommt sie zur Welt. Punktlandung – für alle.

Ich setzte mich aufs gegenüberstehende Sofa, hielt dieses wunderschöne Mädchen in meinem Arm und wir genossen den Moment. Heilig beschreibt es am besten. Die Geschwister waren 15 Minuten nach der Geburt bei uns, bestaunten dieses Wunder.

Die Geburt der Plazenta war nochmal mit starken Wehen verbunden, sodass wir uns nach einer Stunde doch fürs Abnabeln entschieden, damit ich mich besser bewegen kann. Geboren habe ich die Plazenta dann ca. eine Stunde später in der Dusche. Nochmal ein Wunder, diese in den Händen zu halten. Ehrfurcht beschreibt diesen Anblick wiederum am besten. Nach der Geburt der Plazenta ging es mir prächtig. Ich habe während der gesamten Geburt kaum geblutet, legte mich mit der Kleinen ins Bett, wir stillen und kuschelte und nach insgesamt drei Stunden kam unsere Herzens-Hebamme und führte die U1 durch. Alles bestens, genauso wie bei mir. Keine Verletzungen, die Plazenta war vollständig und wurde der Tiefkühltruhe zugeführt. 😉

Ich hatte bisher eine vorbildliche Rückbildung, trotz minimalster Nachwehen, der Milcheinschuss war heftig, aber ist nun auch bereits überwunden. An Tag 9 postpartum bin ich immer noch überwältigt von den Ereignissen und kann nicht fassen, dass unser Traum in Erfüllung ging – noch viel segensreicher als ausgemalt. Wie froh bin ich über meinen Mann, den kein Wort der Welt beschreiben kann und über meinen Herrn im Himmel, der sich für mich in diesem Wunder und den Geschehnissen verherrlicht hat.

„Vertraue auf den Herrn mit deinem ganzem Herzen und stütze dich nicht auf deinen Verstand. Auf all deinen Wegen erkenne nur IHN, dann ebnet er selbst deine Pfade.“ Sprüche 3, 5-6

Aus Peru: Zweites Kind, zweite Alleingeburt

Die Mama in diesem Bericht erzählt von ihrer zweiten Alleingeburt. Genau wie die erste Geburt findet sie in Südamerika statt.

Im Folgenden möchte ich euch von meiner zweiten Alleingeburt im Ausland erzählen. Am 05.12.2016 kam unsere erste Tochter Mia Lorena in Paraguay zur Welt. Die Geburt war für mich ein kraftvolles und energetisches Ereignis. Ein Bericht dazu gibt es hier auf Sarahs Blog. Ebenso ein Video auf unserem YouTube-Kanal.

Jetzt zur Geburt unserer zweiten Tochter Enya Marie. Sie erblickte das Licht der Welt am 12.05.2019 (man beachte das Zahlenspiel zu Mia Lorena <3 ). Mittlerweile waren wir allerdings umgezogen und so fand diese Geburt in Peru statt. Da wir noch keinen festen Wohnsitz haben, leben wir aktuell in einer Stadt in einem kleinen Haus zur Miete. Deshalb war es für mich sehr wichtig, dass diese Geburt leise vonstatten ging. Ich wollte verhindern, dass die Nachbarn oder der Vermieter aus Sorge den Krankenwaagen rufen, weil Hausgeburten in Peru mittlerweile ungern gesehen sind. Ich sprach in der Schwangerschaft zu meinem noch ungeborenen Kind und erzählte ihm von meinen Vorstellungen der Geburt. So wünschte ich mir eine schmerzarme und schnelle Geburt. Die Tage um den Geburtstermin herum wurde ich zunehmend ungeduldiger und nervöser. Ich wollte unseren Nachwuchs endlich in den Arm nehmen und nicht länger die immer größer werdende Bauchkugel vor mir her tragen. Einen Tag nach ET war es dann soweit. Um 6 Uhr Morgens erwachte ich mit leichten Unterleibsziehen, wie sie wohl viele Frauen von der Periode her kennen. Es stellte sich sofort eine innerliche Freude bei mir ein und der Gedanke: “Heute kommt unser zweites Kind zu Welt!“ Mein Mann Sebastian erwachte neben mir im Bett und ich strahlte ihn mit breiten Grinsen an. Nachdem er fragte was sei, sagte ich ihm, dass wir unseren für diesen Tag geplanten Ausflug nicht machen werden, da es heute soweit sei und unser Kind sich auf den Weg machen würde. Wir starteten also in den Tag. Alles ging seine alltägliche Routine. Wir frühstückten, kümmerten uns um unsere erstgeborene Tochter und erledigten Hausarbeiten. Die Wehen kamen und gingen, völlig schmerzlos aber mal stärker dann wieder schwächer. Zwischendurch dachte ich schon, sie haben aufgehört aber dann kam wieder eine und so verlief der ganze Vormittag. Zum späten Vormittag hin war ich mir zwischendurch auch nicht mehr sicher, ob das jetzt Geburtswehen sind oder nicht. Mein Unterbewusstsein wusste es, aber jetzt fing mein Ego an, dies in Frage zustellen. Bei der Geburt von Mia, da ging alles so gestaffelt … zack, zack und jetzt scheinen die Wehen zu kommen und zu gehen wie sie wollen. So entschied ich eine warme Dusche zu nehmen. In der Hoffnung danach Gewissheit zu haben, ob die Geburt jetzt beginnt oder nicht. Nachdem ich mich an dem Morgen bestimmt schon das fünfte Mal entleert hatte, stieg ich also unter die Dusche aber irgendwie blieb der gewünschte Effekt aus. Die Wehen waren nicht verschwunden aber auch nicht stärker oder gar mehr geworden. Etwas deprimiert nahm ich dies zu Kenntnis und empfing einfach jede Wehe so wie sie kam. Sei sie schwach und kurz oder länger und stärker. Gegen Mittag waren die Wehen immer noch unregelmäßig, dennoch empfand ich es mittlerweile als angenehmer, wenn ich die kommenden Wellen im Gehen empfangen konnte. Ich hatte bei weitem noch keine Schmerzen, aber sie waren deutlicher zu spüren und im Sitzen einfach unangenehm. So aß ich mein Mittagessen mit kleinen Laufpausen im Raum und freute mich mit jeder Wehe mehr auf die bevorstehende Geburt. Jetzt schien mein Verstand wieder mehr der Meinung gewesen zu sein, dass es wirklich los geht. Ich fing auch vermehrt damit an, dass ich mir mit jeder Welle mein Mantra sagte: „Ich bin weit und offen. Jede Wehe bringt mich näher zum Kind!“ Gegen 13 Uhr waren die Kontraktionen so stark, dass sie jetzt meine ganze Aufmerksamkeit verlangten. So kam es mir sehr gelegen, dass mein Mann mit Mia das Haus verließ, um draußen im Auto zu spielen (das macht unsere Tochter sehr gerne). Derweilen hatte ich mich meiner Kleidung erledigt, weil ich sie nicht mehr tragen wollte. Die Wellen wurden jetzt regelmäßig und sehr präsent. Ich empfand es immer noch am angenehmsten, diese im Laufen bzw. Stehen zu empfangen. In den Pausen saß ich auf dem Gymnastikball. Manchmal kam Sebastian ins Haus, um für unsere Tochter Essen oder Trinken zu holen. Ich empfand das manchmal als störend. Ich bin jemand, der in dieser Phase der Geburt völlige Konzentration braucht und ich mag dabei nicht gestört oder gar angefasst werden. Nachdem mein Mann mich das eine oder andere fragte und ich nicht mehr konkret darauf antworten konnte und wollte, merkte er wahrscheinlich auch, dass es jetzt nicht mehr lange dauern könne und machte die Kamera an. Wie es meinen Wünschen entsprach, war ich wieder alleine, bei mir und meinem Kind. Ich war ganz konzentriert, um jede Wehe anzunehmen und mich nicht dagegen zu wehren. Denn ich merkte, sobald ich das tat, war es viel schmerzvoller. Ich habe bis zu diesem Zeitpunkt nicht Schreien oder Tönen müssen. Das Einzige was ich machte um mit der Welle besser umgehen zu können war, dass ich die Luft zwischen meinen Lippen entweichen ließ. Dies reichte völlig aus. Dann ging alles sehr schnell. Ich stand noch in der Küche, um mich auf die kommende Wehe vorzubereiten und merkte plötzlich das ich einen Druck nach unten spürte. Jetzt wollte ich meine Geburtsposition einnehmen und so ging ich auf die vorbereitete Matte in den Vierfüßler, um dort die Kontraktionen empfangen zu können und dann war es soweit. Der Pressdrang setzte ein. Sofort rief ich nach meinem Mann. Schließlich wünschte ich mir so sehr, das er unser Kind diesmal auffangen möge. Das erste, was ich da aus mir drückte, war jedoch nicht das Kind, sondern die Fruchtblase, die mit einer kleinen Explosion wirklich platzte und eine kleine Sauerei auf dem Boden hinterließ. Das Fruchtwasser war grün, unsere Tochter hatte also Stress. Dies machte mir jedoch keine Sorge, da ich bereits Pressdrang hatte, würde sie ja jederzeit da sein und so folgte in den nächsten Wehen schon ihr Kopf, der sich nach unten drückte. Ich hatte das Gefühl, dass es zu schnell ging und so versuchte ich etwas zu Hecheln, damit ich mir mehr Zeit gab, um die Dehnung nicht zu schnell passieren lasse. Es dauerte dennoch nicht lange und der Kopf war geboren. Ich hörte sie bereits schreien. Ab da schien die Zeit für mich still zu stehen. Ich sagte meinem Mann, der bereits hinter mir hockte, dass ich auf die nächste Welle warten müsse, welche sich gefühlte drei Minuten Zeit lies, bis sie kam. Ich drückte mit und spürte deutlich die Schulterdrehung. Um 13:45 Uhr Ortszeit in Peru empfing der stolze Papa unsere zweite Tochter. Unsere ältere Tochter holten wir sofort ins Haus und zeigten ihr stolz ihre jüngere Schwester Enya Marie, die mit 2950g Gewicht und 34,5cm Kopfumfang zur Welt kam. Nach ungefähr 45 Minuten kam dann auch die Plazenta, welche ich auf Vollständigkeit überprüfte. Nach weiteren acht Stunden haben wir dann Enya abgenabelt. Ich bin so stolz, dass ich wieder eine so wundervolle Geburt erleben durfte. Eine Geburt, die alle meine Wünschen erfüllt hat. Sie war für mich schmerzarm und schnell. Kein Nachbar hat etwas mitbekommen. Des weiteren hat mein Mann unsere Tochter aufgefangen und als erster in Empfang genommen, genauso wie ich mir das vorgestellt habe. Ich habe nur einen kleinen Riss an einer inneren Schamlippe gehabt, welcher von alleine sehr gut verheilt ist. Bei einem weiteren Kind werde ich wieder diesen Weg gehen. Es fühlt sich für mich als das einzig Richtige an. Mein Mann ist ebenfalls sehr stolz auf mich und erzählte mir, dass es für ihn den Anschein erweckt hätte, als hätte ich das Kind mal ebenso nebenbei bekommen.

Hier der Link zum aktuellen Video:

Alleingeburt im Wasser beim 3. Kind

Die Mama im folgenden Bericht entscheidet sich nach zwei Klinikgeburten für eine Hausgeburt, begleitet nur von ihrem Partner.


„Die laufende Inhaltsanalyse für Geburtsberichte“ – so hat mich mein Freund in den letzten Schwangerschaftstagen scherzhaft genannt, wenn ich wieder einmal vor dem Notebook saß und gelesen habe. Ich weiß nicht, ob es diesen Bericht über eine Alleingeburt geben würde, wenn nicht so viele Frauen im Internet offen ihre Geburtserlebnisse geteilt hätten. Von daher ist es für mich selbstverständlich, dass ich nun auch meine Geschichte erzähle.
Meine ersten zwei Jungs sind beide in derselben Klinik zur Welt gekommen (2013 und 2015). Bei der ersten Geburt wurde ich von einer jungen, unsicheren Hebamme begleitet. Das hatte die üblichen Interventionen zur Folge: Einleitung nach unerkannten Blasenriss, Einlauf, vorgeschriebene Geburtsposition, Baustrahler (!), Wehenmittel für die Geburt der Placenta… Die Geburt war nicht traumatisierend, aber im Nachhinein ärgere ich mich doch sehr über die vielen Einmischungen, die die Geburt erschwert und ihr ein bisschen das Magische genommen haben. Die zweite Geburt war schon auf Grund meiner Erfahrung deutlich selbstbestimmter. Die Hebamme war viel entspannter und ist erst in der Pressphase richtig anwesend. Als ich dann mit Kind 3 schwanger war, las ich zum ersten Mal einen Geburtsbericht über eine Alleingeburt. Zuerst hielt ich Alleingeburten für fahrlässig und unverantwortlich. Aber dann begann ich zu lesen (Geburtsberichte, „Alleingeburt“ von Sarah Schmid, Fachartikel etc.) und hörte die nächsten 9 Monate nicht mehr auf. Am Ende habe ich mich für eine Alleingeburt entschieden, weil es bei uns im Umkreis von 90km keine Hebamme mehr für Hausgeburten gibt und die Klinik nicht die besser Alternative war. Die Gefahr unter der Geburt von einer Hebamme/Arzt begleitet zu werden, deren Eingriff in den natürlichen Geburtsverlauf das Risiko einer medizinischen Intervention erhöht hätte, wollte ich nicht riskieren. Ohne meinen Freund, der mich sofort unterstützt hat und mir die Alleingeburt ohne zu Zögern zutraute, hätte ich den Versuch allerdings nicht gewagt. Für mich passt der Name „Alleingeburt“ deshalb auch eigentlich nicht – ich war nicht alleine, mein Partner war immer bei mir – als Masseur, Stützte, Koch, Unterhalter oder Fotograf.


Aber nun zum eigentlich Teil: die Geburt. Am Abend zuvor lag ich, wie so oft in den letzten Tagen mit Übungswehen im Bett wach, dachte mir aber nicht viel dabei. Am nächsten Morgen brachten wir um 6 Uhr morgens die Kinder zu ihren Großeltern – mein Freund musste arbeiten und die Kinder sollten den Tag dort verbringen, damit ich nochmal etwas Ruhe hatte. Auf der 10 minütigen Fahrt hatte ich zwei sehr deutliche aber schmerzfreie Wehen. Als auf der Rückfahrt die Wehen weiterhin kamen, bat ihr meinen Freund, seine Termine am Morgen abzusagen. Durch die tagelangen Übungswehen war ich allerdings sehr unsicher, ob sich das Ganze nicht wieder als Fehlalarm herausstellen würde. Wir begannen deshalb den Tag mit einem langen Spaziergang in der Morgensonne. Dabei wurden die Wehen immer intensiver (wenn auch immer noch schmerzfrei). Wir entschieden uns also den Ofen im Geburtszimmer anzumachen und den Geburtspool mit Wasser zu füllen. Ich habe alle meine Kinder im Wasser bekommen und wollte auch zu Hause nicht auf den Luxus verzichten. Die Wärme entspannte mich auch sofort als ich in die Wanne stieg. Vielleicht entspannte sie mich auch etwas zu sehr, denn die nächsten 3 Stunden verbrachte ich mit Essen, Unterhalten und Film schauen im Wasser. Erst ganz langsam wurden die Wehen wieder intensiver, waren aber mit einer Massage des Steißbeins von meinem Freund immer noch sehr gut zu veratmen. Gegen 12 Uhr merkte ich, dass mein Kreislauf mit der vielen Wärme (Wasser und Ofen) langsam Probleme bekam. Zwischendurch versuchte ich immer wieder meinen Muttermund zu tasten – aber ganz ehrlich – so eine richtige Orientierung habe ich bis zum Schluss nicht gefunden. Schweren Herzens entschloss ich mich aus der Wanne zu steigen und veratmete einige Wehen im Türrahmen. Der Druck auf das Steißbein tat unheimlich gut. Doch dann wurde es plötzlich ziemlich schnell unangenehm. Niemand war da, der mir sagte, wie weit mein Muttermund ist, wie lange es noch dauert, ob ich alles richtig mache – die Antwort auf diese Fragen lagen alle bei mir. Ich konnte mich in den letzten Minuten der Eröffnungsphase nicht so sehr fallen lassen, wie bei den Klinikgeburten. Der Muttermund war (nach meinen Tastversuchen) noch nicht vollständig geöffnet und trotzdem waren die Wehen so heftig, dass meine Entspannungstechniken nicht mehr funktionierten. Es tat weh und ich wollte das es aufhört. Ich stand im Türrahmen und begann, mit den Wehen langsam und vorsichtig nach unten zu drücken. Es waren eindeutig noch keine Presswehen aber es fühlte sich gut an und machte die Schmerzen erträglicher. Da ich Angst hatte, bei vorzeitigen Pressen etwas „kaputt zu machen“, schob ich nur vorsichtig mit. Dieser Zustand dauerte ca. 10min und war durch die Verunsicherung und die Schmerzen die anstregenste Phase. Dann endlich platzte die Fruchtblase. „Jetzt beginnen gleich die richtigen Presswehen“, schoss es mir durch den Kopf und ich stieg schnell wieder in die Badewanne. Das warme Wasser entspannte mich augenblicklich und ich bereute es etwas, nicht früher wieder ins Wasser gegangen zu sein. Wie vermutet begannen nun die richtigen Presswehen. Die Umstellung des Körpers von Übergangs- zu Austreibungsphase war bei allen drei Geburten faszinierend. Es ist, als wäre der stechenden, atemraubende Schmerz plötzlich von einer Sekunde auf die andere verschwunden. Die Presswehen empfand ich auch diesmal als wenig bis gar nicht scherzhaft. Natürlich spürt man die Dehnung und das Brennen, wenn das Köpfchen sich nach vorne schiebt, aber es ist viel angenehmer, als die Übergangsphase kurz zuvor. Die Tatsache, dass ich nun endlich etwas aktiv „machen“ konnte, um die Geburt vorwärts zu bringen, nahm mir fast vollständig die Schmerzen. Bei den ersten beiden Geburten bin ich leider nie auf die Idee gekommen, den Austritt des Köpfchens mit der Hand zu begleiten. Nun hing ich im Vierfüßlerstand über den Rand der Wanne und tastete bei jeder Wehe. Es war ein unbeschreibliches Gefühl. Ich merkte, wie sich das Köpfchen vorwärts schob und wieder zurückzog. Ich tastete die Haare und die weiche Haut. In der Klinik mit angeleitetem Pressen war dieser Moment viel unbewusster. Das Kind wurde von jemand anders aus mir herausbegleitet (ich war nur für das Pressen zuständig). Nun war ich diejenige, die es begleitete. Als das Köpfchen zur Hälfte draußen war musste ich lachen vor Freude und Glück. Angst, dass etwas nicht stimmen könnte (Nabelschnur, Herztöne etc.) hatte ich keine mehr. Mit der nächsten Wehe war das Köpfchen geboren. Nun war aller Druck weg. Ich war einfach nur glücklich und in der relativ langen Wehenpause unterhielt ich mich mit meinem Freund. Ich fühlte das Köpfchen vom Baby und die kleinen Ohren und mein Freund erzählte mir, wie das knautschige Gesicht aussah. Dann kam die nächste Wehe, die Schulter drehte sich (ein tolles, unbeschreibliches Gefühl) und 15.03 Uhr war unser drittes Kind geboren. Ich hob es langsam aus dem Wasser und es schrie sofort los. Sehr rosig und fast gar nicht blau lag es nun endlich in meinen Armen. Geschafft. Endlich. Ich hatte mein Kind alleine zur Welt gebracht und war stolz und glücklich. Nach ein paar Minuten schauten wir auch nach, was es geworden war: ein Junge, der entgegen der Prognose des Frauenarztes kein zu kleines, untergewichtiges Baby war, sondern ganze 3850g wog. Leider ging uns im diesem Moment das warme Wasser aus und so musste mein Freund während ich noch selig in der Wanne lag (und mich weigerte raus zu kommen) mit dem Wasserkocher nachhelfen. Vor zwei Punkten hatte ich bei der Alleingeburt am meisten Angst: das Kind atmet nicht oder meine Blutungen sind zu stark. Im Wasser lies sich der Anteil vom Blut nur sehr schwer einschätzen. Nach kurzer Zeit war das ganze Wasser rot. Ich wollte dennoch für die Nachgeburt im Wasser bleiben. Trotz meiner Sorgen vorher, hatte ich plötzlich keine Bedenken mehr wegen der Blutmenge. Ich fühlte mich gut – kräftig und kaum erschöpft – das gab mir die Zuversicht, dass die Blutungen nicht so stark sein können. Nach 30min kam dann endlich die Plazenta. Jedenfalls ¾ davon. Sie blieb quasi auf dem Weg nach draußen stecken und so saß ich nun in der Badewanne mit der Plazenta zwischen den Beinen und wusste nicht so recht weiter. Davon hatte ich noch in keinem Geburtsbericht gelesen. Durfte ich den Rest herausziehen? Ich entschied mich dafür die nächste Wehe abzuwarten. So saß ich da eine viertel Stunde. Dann hatte ich keine Lust mehr. Wir trennten die Nabelschnur durch und mein Partner nahm mir das Baby ab. Ich hockte mich in der Wanne hin und zog sehr vorsichtig mit Pressen den Rest der Plazenta heraus. Dann stieg ich endlich aus dem Wasser und machte es mir auf dem Sofa bequem. Der kleine Jorin lag in meinem Arm und machte die ersten Trinkversuche. Niemand war da, der uns in diesen ersten intimen Momenten zu Dritt störte. Nach drei Stunden riefen wir die Hebamme an. Ich wollte gerne jemanden haben, der sich noch einmal die Plazenta anschaut und meine Gebärmutter abtastet. Natürlich wusste sie nichts von der Alleingeburt und da sie mich während der Schwangerschaft nicht begleitet hatte, war ich mich wegen ihrer Reaktion unsicher. Eine Hebamme, die mir einen Vortrag über Risiken und mein unverantwortliches Handeln gehalten hätte, hätte die ganze Atmosphäre zerstört. Aber ich hatte Glück. Die Hebamme schien sich sogar zu freuen und war völlig positiv eingestellt. Die Plazenta war in Ordnung und ich hatte keinerlei Geburtsverletzungen davon getragen.

„Kraftvoll, intensiv und wunderschön“ – Alleingeburt beim dritten Kind

Die Mama im folgenden Bericht bekommt ihr drittes Kind – daheim im Pool, unterstützt nur von ihrem Mann. Die Hebammen treffen zur Plazentageburt ein.

ET+4… wow – dass wir über den Termin gehen, hätte ich nicht für möglich gehalten, wo doch schon lange alles geburtsreif ist und ich immer wieder Wehen habe.

Etwas genervt und unentspannt lege ich mich also am späten Abend des 3.11. ins Bett, diesen Tag gedanklich schon abgehakt. Mein Mann neben mir schläft sofort ein. Ich liege noch etwas wach, verbinde mich mit meinem Baby, höre in mich hinein. Alles ist gut, so wie es ist. Beruhigt und deutlich entspannter schlafe ich ein. Dann werde ich wach. Huch, war das eine Wehe? Naja, kenne ich ja schon. Bevor ich die Augen schließe, schaue ich einmal auf die Uhr: 2:44. Ich bin kurz davor wegzunicken, da kommt die nächste Wehe. Autsch, das hat jetzt aber weh getan. Noch unsicher, ob es tatsächlich los geht, aber voll innerer Unruhe wecke ich meinen Mann. „Schatz, ich glaube es könnte soweit sein“. Wir stehen auf, gehen nach unten ins Wohnzimmer, ich friere furchtbar. Mein Mann stocht den Kachelofen an, ich setze mich auf die Ofenbank und wärme mich auf. Langsam lässt das Frösteln nach. Die nächste Wehe. Okay, ich glaube es geht los. Ich verspüre den Drang mich zu bewegen, schleiche wie eine Löwin umher. Ich glaube ich muss zur Toilette. Mein Darm entleert sich und ich bemerke Zeichnungsbluten. Jetzt bin ich mir sicher, dass das kein Fehlalarm ist. Ich erzähle meinem Mann davon, er bereitet alles vor: der Geburtspool steht schon, Wasser muss her. Meine Wehen veratme ich auf der Yogamatte, über dem Stuhl, über der Arbeitsplatte,… zwischendurch tigere ich durchs Haus. Kalt ist mir nicht mehr. Zwischen den Wehen scherzen mein Mann und ich, dabei denke ich: „Verdammt, ich hatte vergessen, wie weh das tut. “ Im Hintergrund läuft meine ausgesuchte Geburtsmusik: Regenwaldmelodien, Delfingesang, Meeresrauschen. Das Licht ist warm und beruhigend. Mein Mann läuft umher und holt dies und jenes – mach mich nicht nervös mit deinem Rumgerenne! Da rollt die nächste Welle heran, ich knie mich auf die Yogamatte, stütze mich auf die Couch, konzentriere mich auf meine Atmung und die Musik – knack – ok, das war die Fruchtblase. Mit der nächsten Wehe tröpfelt es aufs Handtuch. Wann ist dieser verdammte Pool endlich voll? – 20 Minuten braucht er mindestens noch. Na toll. Die Wellen rollen mit stärker werdender Kraft heran. Ich habe Mühe, ihnen Stand zu halten. Ich versuche, mich ihnen hinzugeben. Nach einer gefühlten Ewigkeit (wie spät ist es eigentlich?), darf ich ins wohltuende Wasser steigen. Erinnerungen meiner letzten Geburt kommen mir in den Sinn. Die Intensität nimmt zu. Meinem Mann sage ich, er solle sich nun endlich zu mir setzen. Er bringt mir ein Schälchen mit aufgeschnittener Orange zum dran riechen gegen meine Übelkeit. Das tut gut. Ein paar mal muss ich würgen, jedoch nicht erbrechen. Mein Mann streichelt meinen Rücken, lässt Wasser über mich plätschern, massiert mich, gibt mir Kraft, die ich nicht habe. Zweimal fühle ich nach unten – ist da schon ein Köpfchen? Nein. Mein Mann fragt mich, ob er nun die Hebamme rufen soll und ich bejahe. Dann kommen sie, die unbarmherzigen Wellen, mit einer gewaltigen Urkraft. Ich kann nicht mehr, ich schaff das nicht mehr lange. Ich sage meinem Mann, dass ich das Gefühl habe, zur Toilette zu müssen. Er fragt mich unsicher, ob er mir heraushelfen soll. Ich verneine. Unaufhörlich kreise ich während und zwischen den Wehen mein Becken, anders kann ich es kaum aushalten. Mit der nächsten Wehe verspüre ich den Drang zu pressen. Mein Mann hält mich, hält meine Hand. Ich spüre das Köpfchen, es möchte nun geboren werden. Ich bitte meinen Mann, mich ganz fest zu halten. Mach ich, mein Schatz. Mit der nächsten Wehe, die mich unheimlich viel Kraft kostet (Kraft? Wo nehme ich die her?), ist der Kopf geboren. Gleich geschafft! Ich atme auf. Mein Mann schaut und sagt ganz begeistert: „Die Haare sind ja dunkel!“. Ich sage „Könnte auch Kacka sein“. Er lacht und ich auch, denn ich weiß, gleich halte ich mein Baby im Arm. Die nächste Wehe lässt auf sich warten. Es brennt stark, ich sehne die Wehe herbei. Da ist sie! Und da – da ist mein Sohn. Ich fische ihn aus dem Wasser und lege ihn mir auf die Brust. Er weint nicht, hat die Augen geschlossen, und mein Gott, ist der hübsch. Mein Mann legt uns ein Handtuch über, ich rubble ihn ab, streichle ihn. Rosig wird er, und nach einer Weile schreit er zaghaft. Mein Mann und ich sind selig, so glücklich. Wie spät ist eigentlich? Mein Mann schaut auf die Uhr und schätzt die Geburtszeit: 5:01 klingt gut, nehmen wir ?. Plötzlich klopft es an der Jalousie, die Hebammen sind da. Mein Mann lässt sie hinein, empfängt sie mit „Er ist schon da!“. Sie begrüßen uns, lachen mit uns und bestaunen unser Baby. Kurz darauf gebäre ich die Plazenta. Als die Nabelschnur auspulsiert, nabelt mein Mann unseren Felice ab und ich steige aus dem Pool. Ich fühle mich gleichzeitig so fit und so erschöpft. Dann ruft plötzlich jemand von oben „Maaaamaaaa, Paaaapaaaa!“ Unser Sohn ist erwacht und kommt gemeinsam mit seiner Schwester nach unten, um den kleinen Bruder zu begrüßen. Ganz ehrfürchtig sind sie. Irgendwann, nach dem Standardprozedere wie die U1, verkrümeln wir uns ins Bett. Schlafen wollen unsere beiden größeren Kinder doch nicht mehr, also steht mein Mann mit ihnen auf. Ich bleibe mit Felice im Bett, möchte so gern schlafen, aber kann doch nicht. Immer wieder muss ich ihn betrachten. 3800g pures Glück. Diese Geburt war so kraftvoll, so intensiv, aber doch so wunderschön. Ich bin unendlich dankbar für dieses Erlebnis. ❤️