Wenn sich trotz Turbulenzen alles fügt – Kraftvolle Alleingeburt

Die Mutter in diesem Bericht bekommt ihr viertes Kind. Dank dem Familienleben, was man mit ein paar Kindern so hat, und der Coronazeit sind die Tage vor der Geburt reichlich turbulent. Aber dann fügt sich doch alles ganz wunderbar.

„Ich glaub, ich bin in der Übergangsphase!“
„Was? Schon?!“

Vorab:

Lina ist unser 4. Kind. Unser erstes Kind kam an ET + 11 mit Einleitung im Krankenhaus (Gott sei Dank „nur“ PDA und Oxytocin-Tropf und am Ende angeleitetem Powerpressen wegen angeblich schlechter Herztöne) innerhalb 16 Stunden. Die kleinen Brüder dann an ET + 2 und an ET – 4 innerhalb von etwa vier Stunden zuhause, mit relativ zurückhaltenden Hebammen. Schon beim dritten Kind hatte ich mir eigentlich gewünscht, es nur mit Baby und Papa zusammen zu meistern, bat M. (meinen Mann) dann aber 45 Minuten vor dem ersten Schrei doch die Hebamme anzurufen: Ich brauche sie jetzt! Seit unserer Alleingeburt weiß ich, dass ich sie in der Übergangsphase da haben wollte in der irrationalen Hoffnung, dass ihre Anwesenheit irgendetwas an der Situation ändert …

Als ich dann knapp vier Jahre nach unserem dritten Kind wieder schwanger war, reflektierte ich viel über die letzten Geburten und habe bemerkt, dass ich mich durch die pure Anwesenheit von „fremden“ Personen gestört gefühlt hatte und dass selbst Sätze wie „hock dich mal so hin“ und „noch nicht pressen!“, „Ich untersuch dich noch“ und der Koffer mit der Aufschrift „Beatmung“ mich verunsichert und aus meiner Mitte gebracht hatten. Außerdem ging die volle Konzentration auf das Baby, mich und meinen Körper schon beim Warten auf die Hebamme(n) und erst recht beim deren Eintritt ins Geburtszimmer mehr oder weniger verloren.

Bitte auf keinen Fall falsch verstehen! Hebammen sind natürlich Gold wert und ihre unermüdliche Arbeit darf um nichts in der Welt verloren gehen. Dennoch würde ich mir mehr abwartendes und zurückhaltendes (Nicht-)Handeln wünschen, ganz im niederländischen Sinne des „Hands off“. Doch ich erahne auch erst nach und nach, in welcher Zwickmühle sich die Hebammen befinden, zwischen Vertrauen auf die Intuition der Mutter und ihrer eigenen, um nicht in zum Teil furchtbare Situationen zu rutschen. Unsere liebe, aktuelle Hebamme C. hat angedeutet, dass sie letztes Jahr in so eine unschöne Situation geraten ist, die bis heute ein Verfahren gegen sie nach sich zieht, so dass sie erst einmal nicht arbeiten konnte und im Moment schauen muss, ob sie die Arbeit weiter machen kann.

Ich hatte eine wundervolle, vierte Schwangerschaft und sehr viel Kontakt zu meinem Kind, viele wunderschöne Träume und unheimlich viele philosophisch-spirituelle und soziale Erkenntnisse. Schon sehr früh hatte ich vorzeitige Wehen und einen verkürzten Gebärmutterhals, so dass ich für einige Wochen eine Haushaltshilfe bekam, was unglaublich toll war! Ich habe in der kompletten Schwangerschaft zu etwa 90 % auf Zucker, gegen Ende auch auf so gut wie alle kurzkettigen Kohlenhydrate verzichtet, so dass ich dieses Mal kaum jemals Sodbrennen und andere Schmerzen oder Wassereinlagerungen hatte. Mir ging es (vielleicht deshalb?) körperlich viel besser als bei den ersten drei Schwangerschaften. Auf die Geburt bereitete ich mich mit Sarah Schmids grandiosem Buch „Alleingeburt“ vor und redete viel mit M. über meinen Wunsch einer Alleingeburt, der sich mehr und mehr dafür öffnete. Außerdem las ich alle Geburtsberichte auf Sarah Schmids und Jobina Schenks Blogs (danke euch dafür!!!) und sah mir Berichte und Videos bei YouTube an. Unsere Hausgeburtshebamme, welche die meisten Vorsorgeuntersuchungen machte, weihten wir nicht in unsere Pläne ein aus Angst, sie könnte abspringen … (Heute denke ich, wir hätten sie mutig einweihen sollen.) Unserem Baby erzählte ich oft über meinen Wunsch einer sehr entspannten Geburt über etwa 12 Stunden. (Die letzten beiden waren für meine Psyche eigentlich zu schnell gewesen.)

Der errechnete Termin unserer kleinen Lina fiel mitten in die turbulente „Corona-Zeit“ und der Schul- und Kitaschließung, so dass klar war, dass wir sehr wahrscheinlich in Anwesenheit unserer sehr lebendigen Buben unser Baby bekommen werden. Meine Schwester war letztlich in der Zeit der Ausgangssperre die einzige Person, die (auch nur relativ) zuverlässig für unsere Kinder da gewesen wäre. Sie hat aber keinen Führerschein, so dass wir nur planen konnten, dass sie bei gutem Wetter ein, zwei Stündchen mit den Großen einen langen Spaziergang machen würde. Unsere direkten Nachbarn (wir wohnen in einer Häusergemeinschaft mit gemeinsamem Hof und Garten) boten auch ihre Hilfe an, waren aber viel unterwegs und es ließ sich partout nie voraus sagen, wie es am jeweiligen Tag sein würde. Anfangs musste ich über diese verrückte Situation schmunzeln und hab mir immer wieder gesagt: Bleib fröhlich!“, was mir Gott sei Dank auch meistens gelang. M. machte Home Office, die Kinder spielten viel draußen mit den anderen Kindern unserer kleinen Gemeinschaft (7 Erwachsene, 10 Kinder), ich versuchte mit meiner dicken Kugel den Haushalt einigermaßen auf Vordermann zu halten und kam dank Mann zuhause auch meist zu meinem dringend benötigten Mittagschlaf.

Es schien seit etwa zwei Wochen vor Termin, als würde Klein-Lina immer wieder ernsthafte Anläufe machen zu kommen: Regelmäßige, stärker werdende Wehen, zum Teil im Fünf-Minuten-Abstand. Abgang eines großen Teils des Schleimpfropfes, Durchfall … Und was passierte bei mir? Es ratterte sofort los im Kopf: O nein, heute wäre es sehr ungeschickt! Es regnet, die Jungs wären hier im Haus, vielleicht höchstens ein bisschen drüben bei den Nachbarn … usw. Manchmal hatte ich auch stärkere Wehen und „befürchtete“ im größten Trubel, dass es jetzt los geht. Die Kinder stritten, waren laut, brauchten uns … Nein! Ich war mental absolut nicht bereit! (Ich bewundere alle Frauen sehr, die inmitten ihrer Kinder entspannt entbinden können. Ich glaube, ich komme gut mit den Wehen klar, solange ich möglichst in Ruhe gelassen werde und mich voll und ganz konzentrieren kann auf das, was da geschieht. Da scheint auch jede Frau anders zu sein. Ich selbst betitele mich schon länger gerne als „Höhlen-Gebärende“.)

Zwei Tage vor dem errechneten Termin wurden M. und unser Großer sehr krank. Beide heftige Grippe, unser Sohn mit Mittelohrentzündung und schließlich Trommelfelldurchbruch. Meine Schwester hatte frei, wollte aber ungern kommen, um sich und damit ihren sehr ängstlichen Freund nicht (eventuell sogar mit Corona) anzustecken. Verzweifelt versorgte ich mit dicker Kugel und ständig hartem Bauch die zwei Gesunden und die zwei Kranken, telefonierte mit verschiedenen Ärzten, und machte mir dann einen Tag später sehr große Sorgen, als unser kranker Sohn über sehr kurze Zeit immer höheres Fieber, starke Kopfschmerzen und schließlich Nackenschmerzen bekam. Ich zögerte nicht lange und rief, mit den Tränen kämpfend, die Rettung: Jetzt sollte keiner ins Krankenhaus müssen, dachte ich mir, die sollen ruhig kommen und mal einen Blick auf unseren Sohn werfen und hoffentlich eine Hirnhautentzündung ausschließen. Maskiert und von Scheitel bis zur Sohle in Schutzkleidung kamen sie zu viert im Wohnzimmer am Krankenlager an und verkündeten nach etwa einer Minute, dass sie ihn mitnehmen würden. Meine Schwester hatte sich dann doch erweichen lassen zu kommen und war im Taxi auf dem Weg zu uns, so dass ich direkt hinter dem Krankenwagen ins Krankenhaus fahren konnte. Zum Glück war alles in Ordnung, so dass unser Sohn nach ein paar Stunden wieder entlassen wurde und das zweite große Glück: Er war auf Corona getestet worden!

Zwei Tage später war klar: Er hat kein Corona, ergo auch wir anderen nicht. (Soweit die Informationslage Ende März.) Am Montag, den 30.3. hatte ich abends einen vermeintlichen Blasensprung, so dass ich meinen Vater bat, unsere Großen am Tag darauf abzuholen, was dank des negativen Corona-Tests kein Problem war. Wehen hatte ich keine stärkeren als auch die letzten Wochen, als mein Vater unsere Buben gegen Mittag des 31.3. abholte, die sich sehr auf ein paar Tage bei den Großeltern freuten! Puh! Was für eine Erleichterung! Endlich durchatmen, nach den vielen sehr, sehr anstrengenden Wochen … Ich ermahnte mich immer wieder: Jetzt nur nicht ungeduldig werden, die Wehen werden schon kommen … Obwohl M. noch nicht ganz gesund war, hatten wir einen sehr ruhigen und schönen Tag zusammen, gingen dann allerdings wegen der ausbleibenden Wehen gegen Abend zum Frauenarzt, der einen Blasensprung ausschloss: Also hatte ich mich dermaßen heftig eingepinkelt!? Wahnsinn! Aber auch nur deshalb waren die Kinder bei den Großeltern … also war es immerhin für etwas gut. Um etwa 00:00 Uhr gingen wir nach einem gemütlichen Film-Abend ins Bett.

Die Geburt:

Am nächsten Morgen, wir schrieben den 1. April (ET + 5), bin ich gegen 4:00 Uhr von der ersten Wehe aufgewacht, die anders war als die Wehen, die ich in den letzten Wochen (eigentlich Monaten) schon hatte: Ich musste mich auf meinen Atem konzentrieren um nicht zu tönen und M. zu wecken, der seit ein paar Wochen im angrenzenden Gästezimmer schlief, wegen meiner ständigen nächtlichen Pipi-Gänge. Die Wehen kamen ca. alle 20 bis 30 Minuten. Ich nickte zwischendurch wieder ein, sah nach einem Gang zum Klo den Sonnenaufgang über den nahen Bergen und dachte: Das wäre ein wunderbarer Start in Linas Geburtstag! Gegen 9:00 Uhr hatte ich schon bei zwei Wehen leise tönen müssen, als ich meine Eltern anrief um zu erfahren, wie es unseren Großen geht und wie die erste Nacht war. Von den Wehen hab ich nix gesagt, ich bin nämlich jemand, der das gerne ganz im Stillen vollzieht 😉 … Hab dann schnell aufgelegt, bevor die nächste Wehe kam, mit der Ausrede, ich müsse jetzt etwas essen, damit mir nicht übel wird.

Ich hab dann gemütlich gefrühstückt, immer mal wieder eine Wehe vertönt, die noch völlig unregelmäßig kamen: mal war auch gefühlt 50 oder 60 Minuten nichts, mal waren sie nur 10 Sekunden lang. Tönen musste ich allerdings jedes Mal. M. kam irgendwann dazu, dem es leider immer noch nicht sehr gut ging. Ich hab dann zu Musik singend die Küche aufgeräumt und auch mal tief singend eine Wehe vertönt … Ich war gut gelaunt und zuversichtlich, dass es vielleicht heute endlich soweit ist, nach so vielen Fehlalarmen …

Ich bin dann von halb zwölf bis halb eins eine Runde wandern gegangen in den Weinbergen wie auch die letzten Tage schon. Diesmal bei makellosem, azurblauem Corona-Himmel. (M. blieb zuhause um noch einen Einlauf zu machen: unsere Methode um schnell wieder auf die Beine zu kommen. Er wollte für die Geburt fitter und einigermaßen ausgeruht sein …) Die Bussarde kreisten über mir, Vogelschwärme flogen auf, es war unglaublich schön! Wenn ich Spaziergängern begegnet bin, musste ich stehen bleiben oder ein Stück in eine andere Richtung laufen, um in Ruhe die Wehen möglichst leise zu vertönen, die inzwischen etwa alle 10 Minuten kamen. Danach lächelte ich die Menschen an und dachte mir vergnügt: Wenn ihr wüsstet! Ich redete mit der Kleinen und sagte mir bei den Wehen mein spontanes Mantra vor: „Ich gebäre ruhig und entspannt“. Ich hab beim Einatmen bis fünf gezählt und beim Ausatmen bis sieben. Um 12.00 Uhr saß ich auf einer Bank oberhalb unseres Nachbardorfes, gegenüber der Kirche, und hörte die Glocken und beobachtete die Vögel und bestaunte die Schönheit der nahen Berge. Es war einfach wunderschön! Eigentlich hatte ich zu einer kleinen Kapelle wandern wollen, verspürte aber dann den Drang langsam nachhause zu gehen.

Zuhause angekommen bin ich in die Badewanne um zu testen, ob die Wehen bleiben. Denn aus irgendeinem Grund hielt ich es noch für genau so wahrscheinlich, dass es ein Fehlalarm ist. Ich hatte vor was zu essen und dann einen Mittagsschlaf zu machen, denn inzwischen war ich ziemlich müde. M. kochte unten und ich las im warmen Wasser mit mäßiger Konzentration und hundemüde in meinem Buch: Wehen weg. Na gut, dann eben vielleicht morgen oder übermorgen. Wäre ja auch ok. Nach etwa einer halben Stunde hatte ich dann die nächste, schon kräftigere Wehe. Nach drei Stück dieser Art, etwa 15 Minuten später, wollte ich raus aus der Wanne, zumal das Essen fertig war und ich ja eigentlich noch ein Schläfchen machen wollte. Wir haben dann gemeinsam gegessen, ich im Schneidersitz im Bademantel auf dem Bett, M. auf einem Stuhl mir gegenüber. Während des Essens musste ich ein paar kräftige Wehen laut vertönen, zwei davon mit vollem Mund, denn Zeit zum Schlucken war nicht mehr. 😉 M. hab ich dann beim zweiten Mal noch schnell raus geschickt, denn dass er mir beim Tönen in den Gemüse-Spiegelei-Kartoffel-Mund schaut war mir dann doch ein bisschen … äh … unangenehm.

Ich hab mich dann hingelegt um zu schlafen, doch schon nach der nächsten Wehe wollte ich partout nicht mehr liegen, ich wollte mal den Geburtspool „testen“ – dachte, ich könnte dort in den Wehenpausen ein bisschen an den Rand gelehnt dösen und bei den Wehen schneller eine gute, erträgliche Position finden. Ich hielt es also immer noch für möglich, dass die Geburt noch ein paar Tage auf sich warten lassen könnte… Wir haben dann gemeinsam den Pool, der schon aufgepumpt und vorbereitet im gemütlich vorbereiteten Wohnzimmer stand, befüllt, Salz rein geschüttet, die Geburtskerze angezündet, ich habe noch Fotos und Selfies gemacht … Es war 15:00 Uhr.

Im Wasser kamen die Wehen etwa alle 5-7 Minuten, waren immer noch mit meinem Mantra gut auszuhalten, aber ich wurde schon lauter. M. hab ich Aufgaben aufgetragen wie Trinken holen, einen Eimer (denn mir war etwas übel), Wasser über meinen Rücken fließen lassen während der Wehen usw. Zwischen den Wehen hab ich gedöst oder wir haben geredet, unten am Poolboden stand: „Stricktly no diving!“ – darüber haben wir noch herzlich gelacht.

Irgendwann dachte ich, ich müsse aufs Klo (dabei war ich heute schon zweimal Groß!). Bin dann langsam und zittrig mit Hilfe von M. in den Bademantel geschlüpft und in den ersten Stock hoch (denn in der unteren Toilette hätten mich die Nachbarn, die im Garten waren, wahrscheinlich gehört), wobei mir schlagartig klar wurde, dass ich mich in der Übergangsphase befinde. „Was!? Schon???“, war der Kommentar von M. Eine Hammer-Wehe jagte die nächste, ich dachte, ich schaffe es nicht nach oben. Auf dem Klo waren die Wehen unerträglich … Gibt es wirklich Frauen, die die Toilette während der Geburt lieben? Dachte ich noch … M. ließ heißes Wasser in den Pool nachlaufen, weil es inzwischen etwas abgekühlt war. Als ich nach unten kam sagte ich ihm, dass ich nicht mehr aus dem Wasser gehe, das halte ich nicht aus, komme, was da wolle!

Wieder im Wasser, was mir jetzt etwas zu warm vorkam, wurden die Wehen sehr, sehr heftig. Mein Mantra half nicht mehr, aber die unendliche Bewunderung für meinen Körper und mein Baby, wie sie das so toll gemeinsam meisterten und ganz genau wussten, was sie zu tun hatten, half mir … M. schickte ich einmal mit den Worten: „Such dir was zu tun!“ weg, denn ich konnte es schwer ertragen, dass er da sitzt und mir zuschaut … Er nahm es mit Humor und ging sich was zu Essen holen. Mir wurde wieder übel, ich bat M. um Traubenzucker, um Wasser zu trinken, um einen nass-kalten Waschlappen, um ein nass-kaltes Handtuch, das ich mir um die Schultern legte. Bei drei Wehen drückte er mir gegen das Kreuzbein, dann bemerkte ich, dass das den nötigen Platz einschränkt, den mein Becken jetzt braucht. Irgendwann bemerkte ich, dass ich falsch atme und ein Kribbeln in den Händen spürte. Ich bat M., mich immer bei den Wehen daran zu erinnern, durch die Nase einzuatmen. Ich dachte jetzt, ich halt das nicht mehr aus! Können wir bitte die Rollen tauschen!!!??? „Wieso? Mir geht’s gut! Ich kann noch ewig so weitermachen“, war das Kommentar von M. „Finde bitte den Pauseknopf, ich will später weiter machen!!!“, „Meinst du, C (die Hebamme) könnte mir jetzt helfen?“ „Äh, ich glaube nicht …“
Ich fühlte dann mal nach und siehe da, mir ragte die prall gefüllte Fruchtblase entgegen und dahinter das Köpfchen, noch weit oben aber deutlich fühlbar. Wie herrlich!
Gut, dann tapfer weiter machen!!!
Kurz darauf – ca. 16.45 Uhr – kam die erste Presswehe, ich kniete im Pool und war laut wie ein Stier, und mit der Wehe kam nicht wenig Stuhl, der dann im Pool schwamm. M. musste also immer im Wechsel fischen – ich half ihm zum Teil beim Finden der Elementarteilchen – den Eimer leeren gehen und wieder kommen, um mir beim richtigen Atmen zu helfen. Zwischendrin schob er mir einen Traubenzucker in den Mund. Beim nächsten Mal Nachfühlen war schon ein Fortschritt erkennbar. Ich versuchte, die störende Fruchtblase mit den Nägeln zum Platzen zu bringen, was mir nicht gelang und mich kurz zum Verzweifeln brachte.
Ich hatte das Gefühl, dass sie extrem viel Platz braucht und die Hoffnung, dass dadurch mehr Platz entsteht und die Wehen erträglich werden. Tatsächlich war dann erstmal eine kleine Wehenpause erkennbar, als sie endlich geplatzt war. Ich kniete im Pool, fühlte wieder nach: Oben in der Scheide deutlich ihr zusammengequetschtes Köpfchen! „Sie hat Haare!“ rief ich M. zu. Mit der nächsten Presswehe – was für eine überwältigende Naturgewalt!!! – dann kam sie kooooooooooomplett nach unten „laaangsam!!!“ bis ihr Köpfchen geboren war. Es brannte!!! (Ich spürte sogar das Flop-Gefühl, als ihr kleines Näschen den Damm passierte ;)) Ich streichelte überglücklich ihren Kopf während der gefühlten zehn Sekunden Wehenpause, den sie schon tapfer hin und her drehte, um ihre Schultern frei zu bekommen … Bei der nächsten Wehe kam dann der restliche Körper nach vorne aus mir raus geschossen, sie verzog ich Gesichtchen zu ihrem ersten Schrei, den sie dann gleich von sich gab, als ich sie schnell aus dem Wasser zu mir nahm. Sie quäkte kurz und atmete dann tapfer mit so unglaublich süßen Geräuschen, dass mir gleich das Herz schmolz … 17:16 Uhr. M. legte ein Handtuch über sie, sie atmete ruhig und war wach, ich sang ihr ein Geburtstagslied, wir waren einfach nur überwältigt.

Nach etwa zehn Minuten hat M. dann die Hebamme angerufen, die uns lachend gratulierte und überglücklich und stolz war, dass wir die Geburt ohne sie gemeistert hatten. Sie machte sich direkt auf den Weg. Wir zogen nach etwa 20 Minuten um auf das Sofa, wo ich sie dann sehr schnell anlegte, da sie schon anfing zu suchen. Sie trank gleich wie eine kleine Weltmeisterin.

Die Hebamme versorgte uns, wir machten die U1, zogen sie an, M. räumte in Ruhe auf, meine zwei Schürfungen wurden begutachtet und für nicht nähenswert gehalten. Alles perfekt!

Lina, 3.720g, 51cm, 35 KU. Ein kleines, perfektes Zwerglein.

Die Brüder kamen drei Tage später nachhause (was für herrliche drei Tage zu dritt!!!) und sind total verliebt in ihre Schwester … Es lief erstaunlich gut, trotz Corona usw. Zum Glück haben wir einen großen Garten und wohnen mit anderen Familien in einer Häsergemeinschaft, so dass es immer Spielgefährten und Abwechslung gab. Das warme Wetter, das Vogelgezwitscher, trug das Seine dazu bei. Einfach herrlich!
(Unsere Mit-Bewohner haben mit ihren Kindern gegen 17:00 Uhr vor unserer Terrassentüre aufgeräumt und NICHTS von der Geburt mitbekommen… ;))

Seid herzlich gegrüßt, ob Wöchnerin oder noch Kugelnde. Ich wünsche euch wundervolle Erlebnisse – ob vor, während oder nach der Geburt!

Beim 3. Kind: Geplante Hausgeburt wird zur Alleingeburt

Diese Mama berichtete von ihrer dritten Geburt, wo das Baby ein bisschen schneller als die Hebamme kam. Aber da sie gut vorbereitet war, war das gar kein Problem.

Mein drittes Kind wollte ich zuhause zur Welt bringen. Die Vorstellung, mit Mundschutz zu Corona-Zeiten in der Klinik zu gebären, passte mir gar nicht. Mein Mann war sofort davon begeistert.

Wir lernten eine nette Hausgeburtshebamme kennen und es passte alles. Unser Sohn sollte am 5.11.20 zur Welt kommen. Laut Ärztin, die ich sehr schätze, da ich meine Schwangerschaft gestalten durfte und sie alles mitmachte, würde er aber sicherlich bisschen früher kommen, da er immer zwei Wochen voraus war mit Größe, Gewicht usw. Mir selber kam es auch so vor. Mein Gefühl täuscht mich eigentlich nicht und so hatte ich auch alles früher schon fertig und die letzten Tage vor der Geburt wollte ich nur noch „nicht mehr schwanger“ sein. Am 19.10.20 hatte ich tagsüber immer mal leichte Wehen, die meinen Einkauf sogar beendeten und ich lieber mit meinem 6 jährigen Sohn nach Hause fuhr. Zuhause war alles weg und auch abends kam nichts mehr. Dabei hatte ich mittags sogar für den nächsten Tag vorgekocht, was ich sonst nie mache. Unsere Pudelhündin lag abends eng an mir und folgte mir auf Schritt und Tritt. Die beiden anderen Kinder kamen nachts, daher rechneten wir abends mit Wehen. Mein Mann und ich gingen um 22 Uhr ins Bett.

Um 1. 46 Uhr wachte ich von einer recht anständigen Wehe auf. Ich blieb im Bett, versuchte zu schlafen. Ging aufs Klo, leichte minimale Schmierblutung … Ich war mir nicht sicher. Ich versuchte zu schlafen, die Wehen kamen alle 15 Minuten. So gegen halb vier hatten sich die Abstände auf sieben Minuten verringert und es zog schon bisschen in den Rücken. Um vier stand ich auf und ging ins Wohnzimmer, ich stellte alles parat, zündete den Kamin und die Kerzen an und wollte mich noch ablenken mit einer Brötchenbackmischung, die es sonst nicht bei uns gibt. Mein Mann kam um 4.15 Uhr runter und übernahm das Backen, da ich schon ordentlich zu tun hatte. Bei jeder Wehe musste ich mich am Stuhl abstützen. Die Hebamme wollten wir noch nicht anrufen. Um Viertel vor fünf fragte mein Mann, ob er nun die Hebamme anrufen solle, denn sie brauchte ca. 35 Minuten zu uns. Ich verneinte. Ich konnte gut auf meinem Gymnastikball sitzen und zwischen den Wehen noch reden und es kam mir nicht dringend vor. Schließlich habe ich schon zwei Kinder und wusste, wann es zeitlich drängen würde. Eine Stunde später rief mein Mann dann die Hebamme an und um ca. 6 Uhr kamen unsere Kinder runter, da sie zur Schule mussten. Ich war schon heftig am Tönen und musste zum Klo, dort platzte dann die Fruchtblase. Nun ging es los, es kam leicht Blut und Schleim. Bei den anderen beiden Kindern fand danach die Geburt zügig statt. Ich wusste zu dem Zeitpunkt, dass die Hebamme nicht reichzeitig kommt, aber es war mir egal. Ich hatte keine Angst. Ich wusste, was zu tun ist. Mein Mann stützte mich auf dem Weg zum Sofa, ich kniete davor und die erste Presswehe kam, die ich nur veratmete, da ich nicht sicher war, ob es eine war. Mein Mann rannte zum Ofen und nahm die Brötchen raus. Die nächste Wehe kam, ich fühlte den Kopf kommen … nach der nächsten Wehe war der Kopf geboren und mit der vierten und letzten Presswehe kam der Körper hinterher. Ich rief noch zu meinem Mann, dass er unseren Jungen gleich auffangen muss. Leif Erik fiel um 6.33 Uhr am 20.10.20 in die Hände seines Vaters. Die Kinder kamen zu uns (sie hielten sich im Hintergrund auf), unsere Hündin kam aus ihrer Box heraus und da saßen wir alle zusammen und bestaunten unser Baby und die ganze Situation. Fünf Minuten später klingelte es an der Tür, die Hebamme war da. Meine große Tochter (11) sagte, das Baby sei schon da. Sie kam herein, rief die zweite Hebamme per Telefon hinzu und alles war gut. Es war die leichteste und schönste Geburt, die ich hatte. Mein Mann war ein prima Geburtshelfer und wir sind uns sicher, dass wir es immer wieder so machen würden!

Die Hebamme kam zu spät – Blitzgeburt beim zweiten Kind

Manchmal geht eine Geburt schneller als gedacht. Die Mutter in diesem Bericht hat das bei der Geburt ihres zweiten Kindes erlebt. Mehr von ihr findet ihr auf Instagram @christine.springer.

Eine Geburt ist immer eine Reise zu sich Selbst und in einen neuen Teil von Ich. Das fängt in der Schwangerschaft an und oft auch schon davor.

Bei meinem zweiten Sohn hatte ich, entgegen meiner ersten Schwangerschaft, erstaunlicherweise nie ein Gefühl für Zeit. Das übernahm mein Großer, denn er sagte ein Datum voraus – ganz klar und definitiv. Was ich aber schon hatte, war ein Gefühl für den Ort: Ich wollte eine Hausgeburt. Die Vorstellung, direkt zu Hause gemeinsam anzukommen, in sicheren vier Wänden Loslassen zu können und von keiner Fremdbestimmung abgelenkt zu sein, waren nur ein paar Gründe dafür. Ich wollte wissen, was alle Frauen wissen sollten, von Generation zu Generation, und habe mich in einem wundervollen Kurs, nicht nur mir als Gebärende gestellt und Wissen über Geburt angehäuft, sondern Sicherheit, Selbstbestimmtheit und meinen Leitsatz: „Ich bin der Geburtsort.“ gewonnen.

Zunehmend wusste ich aus meiner Intuition heraus, dass es eine Alleingeburt werden würde – ohnehin auch sehr gewünscht von mir – und habe gemeinsam mit meinem Mann und der Hebamme auch diesen Fall genauestens durchgesprochen im Vorfeld.

Und dann war er da, der von meinem Sohn „vorhergesagte“ Tag (ein paar Tage vor ET). Und er verging und verging und verging. Ich habe sogar noch mit dem Vermieter wegen kalten Wassers geschimpft und die Aschelade beim Ofen mit bloßen Händen ausgeleert.

Am Abend wollte ich es mir mit einer Musik-Unterhaltungssendung gemütlich machen. Mein Sohn und mein Mann schliefen bereits nebenan, ich saß im Schneidersitz, sprach zu meinem Baby. Und dann machte es unerwartet zweimal Rums/Knack nach unten. Ich wusste noch von meiner ersten Geburt, dass das der Startschuss war, die Fruchtblase war „geplatzt“ um ca. 23 Uhr. Ich rief meinen Mann, sagte ihm, dass es losgeht und schon befand ich mich in den heftigsten Wehen (wieder von 0 auf 1000 ohne Ankündigung – das ist bei meinem Körper scheinbar einfach so). Er half mir aufs Klo und ja, da hat der Urinstinkt meines Körpers das Ruder übernommen mit Kommando: „Einmal komplett entleeren.“

Dazwischen Wehen, bei denen mir sehr klar war, dass das hier sehr schnell gehen würde und schreien eben doch auch eine Urkraft ist, die beim Loslassen helfen kann. Mein Mann hatte keinen Hauch einer Chance den Pool aufzupusten und musste der Hebamme am Telefon, die wollte, dass ich mich nochmal entspannt hinlegen solle, von mir ausrichten: „Dass ich auf die Couch mache, wenn ich mich hinlege und das definitiv nicht möglich ist, nochmal zu entspannen.“ (Der 0-Ton war etwas weniger damenhaft.) Der Wehenabstand war da schon bei 1-2 Minuten und ich wusste kaum noch, ob ich sitzen, hocken, stehen oder das Regal eintreten soll. Ich habe offensichtlich so ziemlich jede Phase übersprungen und war relativ schnell bei dem Standardsatz „Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr, ich schaffe das nicht“. An Veratmen der Wehen war nicht zu denken, es war einfach sofort viel zu heftig. Trotzdem war ich im tiefen Vertrauen und voller Vorfreude und Aufregung. Schließlich brachte mich jede Sekunde näher zu meinem Baby.

Da ich das Kind nicht auf dem Klo bekommen wollte, habe ich mich noch schnell in die Dusche geschleppt. Dort wollte ich – wie von meiner Hebamme empfohlen – mich hinlegen, aber schon im Versuch mich hinzulegen habe ich gemerkt: Das geht gar nicht. Ich habe mich hingekniet, nach unten gefasst, war direkt in der letzten Wehe und mein tönendes Schreien ging über in „es kommt“. Und schon war der Kopf in meiner Hand, mein Mann griff in dem Moment auch mit nach unten und es rutschte in einem Rutsch komplett durch und war da. Unser Sohn hat es bis heute einfach immer eilig.

Selbstbestimmte Geburt nach 3 KAISERSCHNITTEN (VBA3C)

Eine natürliche Geburt nach drei Kaiserschnitten? Die Mutter im folgenden Bericht hat diesen Traum für sich wahr machen können – mit einer geduldigen Begleitung im ausgewählten Krankenhaus und vor allem mit ganz viel Gottvertrauen.

Gott ist mit mir/uns einen sehr interessanten Weg gegangen mit den Geburten. Die erste Geburt war als Hausgeburt geplant gewesen und wurde zu einem Notkaiserschnitt wegen Präeklampsie. Vorher konnte ich nicht glauben, dass Gott auch in einer Geburt im Krankenhaus wirken kann, aber Er hat mich eines Besseren belehrt! Bei der nächsten Geburt suchten wir nach einer Möglichkeit, normal zu entbinden, aber es schien keinen Weg zu geben und wir erlebten trotz allem Gottes Führung. Bei der dritten fiel es mir schon sehr schwer, zu glauben, dass Gott eine normale Geburt schenken könnte, ich hatte mich schon fast an die Kaiserschnitte gewöhnt. (Ich liebe es, wenn sich Dinge wiederholen und fühle mich dann gut aufgehoben und sicher). Aber Gott hat weiter an meinem Herzen gearbeitet. Bei der Fehlgeburt 2019 in der 17. SSW erlebte ich Gottes Nähe auf besondere Art und durfte sozusagen eine ‚Hausgeburt‘ erleben und zum ersten Mal leichte Wehen erfahren. Irgendwie war das ein Wendepunkt, und dann war die Art der Geburt plötzlich nicht mehr wichtig für mich, sondern es wurde vorrangig, Gottes Wege zu gehen, auf seine Stimme zu hören und Ihm zu vertrauen, dass Er alles am besten weiß.
Und so konnte ich mit ganz viel Offenheit der Geburt von Benaya entgegensehen und wissen, dass alles möglich ist, sowohl eine normale Geburt, als auch ein Kaiserschnitt, und dass Gott der sein wird, der alles gut lenkt.

Am Dienstag, 16.6.2020 bin ich vier Tage über dem Termin. Die letzten zwei Ultraschallmessungen haben etwas wenig Fruchtwasser ergeben, ansonsten alles bestens (5,9 am 13.6. und 8 am 15.6. bei verschiedenen Ärzten). Tagsüber habe ich leichte Wehen und kurz vor Mitternacht einen Blasensprung mit klarem Fruchtwasser (wahrscheinlich die Blase vor dem Kopf). Danach setzen sofort stärkere Wehen ein, alle 3-4 min, Muttermund ist weich und auf 1,5 cm. Bei den Wehen kommt immer wieder mal ein Schwall Fruchtwasser mit, diesmal leicht grünlich (wahrscheinlich hat das Baby zu einem früheren Zeitpunkt Mekonium abgesetzt und nun wird das bei den Wehen sichtbar). Wegen dem grünlichen Fruchtwasser und den regelmäßigen Wehen, beschließen wir, in die Klinik zu fahren, bevor der Berufsverkehr richtig startet. In der Klinik ist das CTG gut, die Entzündungswerte leicht erhöht. Der Arzt klärt uns über die Risiken auf und empfiehlt eine Einleitung mit Ballonkatheter und evtl. Oxytocin. Wir lehnen ab und einigen uns auf CTG Kontrollen zweimal täglich und Blutkontrolle täglich. Wir dürfen ein Familienzimmer beziehen (wie ein Hotelzimmer, mit normalem Doppelbett, Vollpension und wegen Corona sogar Zimmerservice) und den sonnigen Tag im Park genießen. Die Wehen sind nur noch schwach, Fruchtwasser wird immer klarer, Entzündungswerte sinken.

Am nächsten Tag (Donnerstag) beginnen erst am Nachmittag wieder Wehen, die abends und nachts relativ stark werden. Abends setzt das Baby nochmals frisch Mekonium ab, bei den Wehen geht es ganz schwarz ab. CTG und Blutwerte sind gut, daher kein Antibiotika und keine Intervention notwenig (obwohl es der Arzt jeden Tag anbietet/empfiehlt). In der Nacht packt mich einmal die Angst ganz stark und ich bilde mir ein, dass das Baby nicht mehr lebt. Mein Mann ermutigt mich und es stellt sich heraus, dass das Baby einfach trotz Wehen selig geschlafen hat. Gegen Morgen ist mein Muttermund bei 3-4cm, die Wehen schwächen wieder ab und kommen erst nach 24 Stunden wieder zurück. In der Zeit ohne Wehen trinke ich viel und das Fruchtwasser wird wieder klarer.

Wir haben einen schönen Freitag und eine sehr erholsame Nacht. Nach dieser Angst-Attacke brauche ich dringend Ermutigung von Gott und Er schenkt sie mir in Form von zwei Geschichten: Petrus, der auf dem Wasser läuft und ins Zweifeln gerät, als er auf die Wellen schaut, obwohl er unter seinen Füßen gerade ein Wunder erlebt. In dem Moment war es ihm keine Hilfe, auf seine Erfahrung zu schauen! Und die Geschichte von Joschafat (2. Chr. 20), der in seiner Angst Gott suchte. Und Gott sprach zu ihm (durch einen Propheten aus einer Benayah-Linie 😁): Fürchte dich nicht, verzage nicht! Nicht ihr werdet kämpfen sondern Ich. Ihr müsst nur hintreten, stehen und zusehen, wie Ich helfe. Diese Ermutigung hält bei mir bis heute an!

Am Samstag beginnen die Wehen am Nachmittag wieder. Meine Schwiegermama und die Kinder besuchen uns, ich muss öfters mal die Augen schließen und innehalten, um die Wehen zu verarbeiten. Gegen 20:00 werden die Wehen intensiver und ab 22:30 brauche ich Hilfe von meinem Mann, weil ich bei den Wehen starke Schmerzen im Kreuzbein habe. Ich muss erbrechen (war auch in den Tagen vorher bei stärkeren Wehen der Fall) und um Mitternacht gehen wir zum Kreißsaal. Dort wird 1,5 Stunden ein CTG geschrieben, danach fragt die Hebamme, ob wir ins Zimmer zurück wollen oder im Kreißsaal bleiben wollen. Ich empfinde die Wehen als sehr intensiv und überwältigend, so habe ich es mir bei 8-9 cm vorgestellt. Deshalb will ich im Kreißsaal bleiben. Es ist 01:30, wir müssen in einen anderen Kreißsaal wechseln, der vorbereitet ist, mein Mann holt ein paar Sachen aus dem Zimmer. In der Zeit habe ich zwei Wehen, die ohne seine Unterstützung schwer auszuhalten sind. Die Hebamme schlägt mir eine andere Position vor, damit sich meine Beine entspannen können, aber als ich es versuche, sind die Wehen noch schlechter auszuhalten, weil der Druck auf dem Kreuzbein so stark ist. Dann soll ich mich aufs Bett legen, damit sie sehen kann, wie weit der Muttermund ist. Gerade, als sie mir das schöne Ergebnis mitteilen will, rollt wieder eine Wehe an, die im Liegen fast nicht zu ertragen ist. Mein Mann ist wieder zurück und als ich wieder aufnahmefähig bin, teilt sie uns voller Freude mit, dass ich auf 5-6 cm bin. Ich bin total enttäuscht! Sie will noch erklären, dass der Muttermund sehr verkrampft ist und ich bei der nächsten Wehe versuchen soll, auf alle Vier zu gehen, um den Druck vom Kopf etwas wegzukriegen. Bevor sie ausgeredet hat, rollt die nächste Wehe an, in der ich ziemlich Panik schiebe. Ich versuche, mitten in der Wehe der Anweisung der Hebamme zu folgen und mich umzudrehen, gleichzeitig muss ich ein paarmal total pressen und habe eine Riesenangst, dass der Muttermund reißt, weil er doch noch nicht offen ist. Ich sage der Hebamme, dass ich pressen muss und geistesgegenwärtig kontrolliert sie den Muttermund gleich nochmal – er ist ganz verstrichen! Da kommt auch schon die nächste Wehe und ich darf das Baby rauspressen, was für eine Erleichterung! Ich finde eine super Position auf den Knien oder in der Hocke (weiß ich gar nicht mehr) und kann das Baby ganz sanft mit meiner Hand nach draußen begleiten. Die Hebamme bitte ich, keinen Dammschutz zu machen, weil ich das als unangenehm empfinde und es mich nur ablenkt. Diese zwei Minuten, wo ich das Baby rauslotsen kann, sind wunderschön! Das ganze Baby kommt problemlos nach draußen und ich sehe sofort – es ist ein kleiner Benny! Hallelujah!

Was für ein Wunder – vom 5-6cm offenen Muttermund bis das Baby da war geschah in fünf Minuten! Wenn da nicht die Gebete der letzten fünf Tage gebündelt erhört wurden!
Die Plazenta ist auch neun Tage nach dem Termin ohne Verkalkungen, ich habe zwei unkomplizierte Risse bei den Schamlippen, die ohne Nähen problemlos verheilen. Benny ist von Anfang an quitschfidel, ohne Atemprobleme (das könnte eine Komplikation sein, wenn Babys im Bauch Mekonium absetzen), APGAR 10/10/10. Er ist auch ganz sauber, ohne Käsesschmiere, keine Spur von Mekonium, einfach schön durchgewaschen von den fünf Tagen im Fruchtwasser-Fluss.
Den ganzen Sonntag ruhen wir als Familie aus und am Montag um 10:00 dürfen wir nach Hause gehen!

Am Tag der Entlassung habe ich den Arzt am Gang getroffen und mich für seine Geduld mit uns bedankt. Er meinte, von den fünf Geburten in dieser Nacht war unsere Geburt die ‚normale‘, alle anderen waren kompliziert!

Schwangerschaft ungeplant, Alleingeburt geplant

Die Mama im folgenden Bericht erzählte uns von der Geburt ihres fünften Kindes, die gleichzeitig ihre erste Alleingeburt war.

21.05.2020: Schon morgens auf der Toilette spürte ich, dass der Druck nach unten stark zugenommen hatte, dachte mir aber wenig dabei. Bei 38 + 4 SSW war für mich sowieso klar, dass es jederzeit losgehen kann. Der Tag verging, wie die Tage eben vergehen mit vier Freilerner-Kindern innerhalb einer Wohngemeinschaft mit insgesamt zehn Personen und vielen unterschiedlichen Tieren.

Am Abend hatten mein Mann und ich noch ein wenig Zeit zu zweit und ich konnte ihm um 00:00 Uhr zu seinem Geburtstag gratulieren und ihm vor allem sagen, wie froh ich bin über seine Präsenz in meinem Leben. Wir gingen dann schlafen und um 04:00 Uhr wurde ich von zunehmender Wehentätigkeit geweckt. Nachdem ich die dreijährige Tochter wieder ins Bett gebracht hatte, ließ ich mir um ca 4:45 Uhr ein Bad ein. Das warme Wasser brachte kaum Veränderung. Nach wie vor kamen Wehen in regelmäßigen Abständen von 2-5 Minuten. Um 06:00 Uhr hatte ich großen Hunger und weckte meinen Mann auf. Er machte Frühstück für mich, während ich die Wehen veratmen musste. Ich war unruhig, getrieben, konnte weder sitzen noch liegen. Also stand ich und lief in der winzigen Wohnung hin und her. Dann aß ich einige Bissen und wurde von einer Wehe auf die Knie gebeten. Also Klappmatratze auf, Stuhl davor, Hose aus und auf die Knie. Das war um 07:15 Uhr und alle vier großen Kinder waren wach. Der Älteste (10) hatte viele Fragen und mein Mann bat ihn, sich alle zu merken und später zu stellen. Dann hatte er die Idee, meiner Schwester im Nachbarhaus zu sagen, dass das Baby kommt. Das machte er auch und meine Schwester, die Supertante, hat sofort drei Kinder zum Hundespaziergang eingepackt. Der fünfjährige saß noch auf dem Bett und ließ sich ablenken von hirnlosen Youtube-Kindersendungen. Die erste Presswehe veratmete ich und zwang mich zur Entschleunigung. Ich spürte, dass es sonst zu schnell gehen könnte und sagte leise zu dem Baby: „Mach langsam!“ Die zweite kam jedoch direkt hinterher (mit einer Minute Pause) und ich hörte auf mein Gefühl und schob kräftig mit. Mein Mann kniete vor mir und ich zerquetschte seine Hände. Ich sagte, er soll schauen, was da zwischen meinen Schenkeln hängt, da ich spürte, dass bereits ein Teil geboren war. Er lief um mich herum und sagte: „Der Kopf ist schon da.“ Die nächste Presswehe kam sofort und mit ihr unser Baby in seine Hände und gleich darauf eine Hormonwelle über mich, die mich zum laut Lachen brachte.

Um 08:26 Uhr saßen wir auf der Klappmatratze und lachten. Auf meinem Arm ein rosiges Bübchen und hinter meinem Mann ein Fünfjähriger, der die schleimige Lache auf der Matratze mit „Igitt!“ würdigte. Die anderen Kinder und meine Schwester kamen dann auch nacheinander zu uns und alle waren sehr glücklich. Die Plazenta kam ca. 30 Minuten nach dem Baby und wir nabelten nach etwa 90 Minuten ab. Wahnsinn!!!

Geburtstag: 22.06.2020, 08:26 Uhr Daten: ca. 3500 g, 52cm Länge, 35 cm KU, 5.Schwangerschaft ungeplant, Alleingeburt geplant, Ort: W. in Frankreich

Geburt ohne Angst – Alleingeburt beim vierten Kind

In diesem Bericht erzählt uns eine Mutter von ihrer vierten Geburt und ersten Alleingeburt.

Wer mehr von ihr lesen will: Sie bloggt über das Leben als Homeschooling-Familie auf www.ichmagmeinkind.de

Unser viertes Kind kündigt sich an. Nach drei, für mich schlimmen Geburten im Krankenhaus, mit Kristellern, Fruchtblase trotz meiner Ablehnung gewaltsam öffnen, Not-Kaiserschnitt wegen falsch gelegter PDA und Saugglocke mit gewaltsamen Herausdrücken des schüchternen kleinen Babys, traue ich mich anders zu denken. Ich traue mich neue Wege zu gehen. Mein Körper ist so gemacht, dass ICH MEIN Kind gebären kann. Ich kenne mein Kind. Ich kenne meinen Körper. Ich kenne die Vorgänge während der Schwangerschaft und Geburt. In Frieden gebären! Ohne Fremdeinwirkung! Mein Bild über Gebären ändert sich. Ich entspanne und lasse locker.

Monate der Vorbereitung vergehen. Gedankenveränderung ist für mich der wichtigste Aspekt. Noch besser lernen, auf meinen Körper und dessen Bedürfnisse in dieser besonderen Zeit zu hören. Neue Gedanken. Neue Gefühle. Neue Gewohnheiten. Neue Verhaltensweisen.
Ich mag mich. Ich mag meinen Körper. Ich mag die neuen vielen Kurven, denn dass ist echte Weiblichkeit. Weiblicher kann es nicht werden. Ich kenne mich gut. Ich lerne mein Baby kenne. Das ist wichtig für mein Wohlbefinden. Für Frieden. Frieden mit mir und meinem Kind.

Warum zu Hause und allein, ohne jede medizinische Hilfe? So habe ich keinen Zeitdruck. Niemand der mich beobachtet oder dem ich mich verpflichtet fühle. Ich kann ich bleiben. So wie ich bin. Leise. Nachdenklich. Hochsensibel. Keine Fragen beantworten müssen. Volle Konzentration auf das Geschehen in meinem Körper. Alles um mich ist gewohnt.

Alleingeburt von Lilly

Freitag, 22:00 Uhr: Sehr regelmäßige Wehen. Soll ich das wirklich allein machen? Welche Alternative habe ich? Der Gedankenkampf. Ping Pong im Kopf.

23:00 Uhr: Alle schlafen. Es ist leise. Ich kann nicht schlafen. Was soll ich tun? Das Baby muss jetzt irgendwie aus mir raus. Es wird ernst. Aber sowas von ernst. Was soll ich bloß tun? Ich und meine blöden Ideen. Warum muss ich immer alles anders machen als andere? Zweifel. Fragen. Gedankengänge voll Angst. Was wenn, …, Was wenn nicht?

Samstag, 2:00 Uhr: Die Entscheidung ist gefallen. Ich mache es allein. Egal was kommt. FREIHEIT! Keine Grenzen. Keine natürliche Sicherheit. Keine
Hebamme. Keine Ärtze. Auto steht bereit und Notarzt-Nummer im Telefon steht ganz oben. Jetzt kann ich schlafen. Mein Mann breitet Folien und Decken im Bad aus und legt alles andere bereit.

4:00 – 8:00 Uhr: Werde von einer Wehe geweckt. Ich konnte gut schlafen. Bin erholt. Stehe auf. Dusche nicht. Brauch ich jetzt nicht. Ziehe mein pfirsichfarbenes Kleid an. Darin fühle ich mich richtig gut. Laufe durchs Haus. Veratme die Wehen.

10:00 Uhr: Esse noch ein halbes Brötchen mit Marmelade. Atme alle zehn Minuten Wehen weg. Lehne mich an einen Schrank, dass ist überhaupt nicht angenehm. Möchte alles aufmachen und rauslassen, deshalb gehe ich in die Wanne. Das Wasser tut gut. Es hilft mir locker zu lassen. Bin lange im Wasser.

15:00 Uhr: Jetzt würde man in Krankenhaus gehen. Meine Gedanken machen was sie wollen. Das wird doch nicht eher morgen Abend. Die Wehen sind regelmäßig und kurz und tun überhaupt nicht weh.
Gehe ins Bett. Da tun die Wehen weh. Gehe wieder ins Bad, auf Klo kann ich am besten loslassen und nach unten atmen. Stütze mich am Ball vor mir ab. Versuche mich zu untersuchen. Der Muttermund ist auf, ich weiß aber nicht wieviel. Der Kopf ist fest.

18:00 Uhr: Gehe wieder ins Wasser. Untersuche mich wieder. Merke die weiche Fruchtblase. Das gibt Kraft!!! Die Wehen werden stärker. In der Wanne liegen geht nicht mehr. Schneller Atmen wird notwendig. Brauche langsam jede Pause trinken. Mein Mann meint: „Komm lieber raus.“ Ja das ist eine gute Idee. Schaffe es gerade noch raus. Lehne mich über den Ball vor der Wanne. Die Fruchtblase kommt immer tiefer. Wie spannend. Das erlebe ich leider erst bei meinem vierten Kind zum ersten mal. Verspüre den Drang zu pressen.

19:30 Uhr: Die Fruchtblase ist ganz unten. Sie hängt richtig raus. Weich. Wehe. Pressen. Sie springt. Das gibt mir Wärme. Mut. Kraft. Jetzt bin ich voll offen. Fühle mich irgendwie verwundbar. Ertaste den Kopf. Merke enormen Druck. Presse. Presse. Presse. Der Kopf ist raus. Wie soll ich jetzt sitzen, hocken? Brauche eine Pause. Der Kopf ist schwer. Meine Beine zittern. Wehe kommt. „Schatz, du musste es jetzt auffangen!“ Volle Aufregung. Es ist so süß. Der kleine Kopf ist ganz blau. Dicke Lippen. Ich seh unser Baby.
„Mach ein Foto! Ich will das auch sehen!“ (Ich hätte nie gedacht, dass ich das je in so einem Moment sagen würde.)
„Wie?“ Wehe kommt. Körper flutscht raus. „Ich hab es!“
Sofort gibt er mir das Baby. Jetzt ist es da. Es ist ein Mädchen.
Foto.

20:16 Uhr: Sie ist da. Ich hab es geschafft. Hol die Kinder. Sie dürfen gleich dazukommen. Alle ums Baby. Totale Freude. Total überwältigend. Sie ist so zart. Wie soll sie heißen? Der Bruder sagt Lilly. Alle sind sich einig. Ja das ist Lilly.
Ins Bett kuscheln. Kennenlernen. Lieben.

21:30 Uhr: Jetzt müssen wir uns um die Nabelschnur und Plazenta kümmern. Lilly trinkt. Ich gebe sie meinem Mann. Ok. Jetzt aufstehen. Sie fällt einfach in die Schüssel. Die Plazenta ist draußen. Wow. Es hat geklappt.
Nabelschnur trennen. Mit Bindfaden zwei Enden abwickeln. Trennen. Blut spritzt raus. Boa, sieht die innen genial aus. Wir binden sie fest und machen ein Taschentuch drauf. Geschafft.

Rosa – Alleingeburt mit 4-Kilo-Baby

Die Mama im folgenden Bericht bekommt ihr drittes Kind. Zum ersten Mal entscheidet sie sich für eine Geburt in Eigenregie. Ihr Mann hält minutiös fest, was wann während der Geburt passiert.

Beim Dritten endlich konsequent eigenverantwortlich und interventionsfrei

Gut eine Woche vor dem Termin hatte ich immer wieder Vorwehen, dazu ging auch ein wenig rötlicher Schleim ab. Nachdem ich am Samstag (39+0) die Kinder beim Einschlafen begleitet hab, bin ich rüber ins andere Bett und wollte es mir grade mit dem E-book-Reader bequem machen, da hat sich das Baby im Bauch bewegt und plötzlich wurde es ziemlich nass. Bis ich im Bad war, war die Hose komplett nass und es rann und tropfte immer weiter. Ich wollte aus dem Kinderzimmer eine Einlage holen und hab auf halbem Weg wieder umgedreht, weil ich den ganzen Holzboden nass gemacht hätte. Es war eindeutig ein Blasensprung. Um 21:43 Uhr. Mein Mann hat übrigens fleißig und von mir unbemerkt Protokoll mitgetippt, was jetzt sehr interessant ist im Nachhinein! Ich war ganz überrascht von diesem Beginn, bei meinem Ersten wurde die Blase aufgemacht von der Hebamme. Zu dem Zeitpunkt waren noch gar keine Wehen da. Mit einer dicken Einlage in der U-Hose bin ich runter ins Wohnzimmer, um das meinem Mann mitzuteilen. Danach (22:10) hab ich ein Mini-Klistier angewendet. Irgendwie hatte ich im Kopf, dass das auch wehenanregend wirkt. Es hat auch die erwünschte Wirkung gezeigt in jeder Hinsicht. Mit dem Stuhldrang sind dann gleichzeitig Wellen gekommen. Es kam dann später bei der Geburt in der Wanne auch kein Stuhl mit, aber ich würde es trotzdem nicht nochmal machen, wenn ich gewusst hätte, wie schnell und stark sich die Wellen entwickeln. Das war gleich ein etwas krampfiger Wellenbeginn da auf dem Klo. Ich musste mich zwischen den Beinen auf dem Kloring mit den Händen abstützen. Die darauffolgende warme Dusche konnte ich dann noch genießen, wobei ich da schon immer wieder innehalten musste für eine Welle. Ich hab nochmal schön meinen Kugelbauch eingecremt und mir einen schönen Rock zum Anziehen gesucht. Während der Wellen musste ich mich am Waschbecken oder sonstwo abstützen, Wellenabstand 5 Minuten. Die nächsten 45 Minuten habe ich damit verbracht, mir mein kleines Büro einzurichten, mit Heizlüfter, Kerze, Duftlampe, Tragetuch überm Türrahmen, Unterlage auf dem Boden usw.. Wenn sich eine Kontraktion anbahnte, musste ich mir schleunigst einen Platz zum Aufstützen suchen, um durch die Welle zu kommen. Das war schon wie ein heftig krampfiger Menstruationsschmerz. Um 23:47 hab ich wohl das erste Mal die Tür zum Büro zugemacht und spätestens ab dann das Lied „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ gesungen. Vorher hatte ich meinen Mann gebeten, mir den Liedtext auszudrucken und hatte so alle 5 Strophen vor mir. Laut Protokoll und auch in meiner Erinnerung hab ich dieses Lied min. 1h10min. bei jeder Welle gesungen. Vor der 2. Geburt hatte ich das Lied schon im Kopf, weil es so gut zur Öffnung des Muttermundes passt und dieses Mal hatte ich auch gleich das Bedürfnis zu Singen. Je nach Wehenstärke wurde es auch ziemlich laut und ich hab mir währenddessen gedacht, dass ich das nicht machen würde, wenn eine Hebamme oder sonst noch jemand da wäre. Ich weiß nur nicht, ob es so gut war, den Text abzulesen, ob das nicht den Neocortex zu sehr aktiviert. Dann hab ich wohl nach einer Wärmflasche verlangt und bin immer wieder aufs Klo. Ich weiß auch noch, wie ich nach einer Möglichkeit gesucht hab, mich zwischen den Wellen zu entspannen. Während einer Anspannung musste ich unbedingt abgestützt stehen und dazwischen war ich so erschöpft, dass ich irgendwie möglichst entspannt sitzen wollte. Liegen ging nicht, weil da wär das runter- und hochkommen zu anstrengend gewesen. Ich hab die Sache dann mit einem Pezziball gelöst und mich mit den Armen und dem Kopf ganz auf meinem Schreibtisch abgestützt. Übrigens hab ich von Anfang an während der Wellen mit dem Becken gekreist, diese Bewegung nach links im Kreis war eindeutig gut. Aber insgesamt empfand ich diese Eröffnungswehen schon als ziemlich schmerzhaft. Eine Viertelstunde später bin ich wohl wieder aufs Klo, dann wollte ich wohl einen Lavasandsack, kann mich aber nicht mehr dran erinnern, den benutzt zu haben. Und ab da musste die Tür offen bleiben, sonst wär es mir zu stickig gewesen. Um 0:36 auch noch die Haustür auf, für die frische Luft. Ab 00:45 musste ich laut Singen während den Wellen, ab 00:58 dann mit Stöhnen, der Abstand war da wohl nur eine Minute jeweils, und um 1:06 die erste Welle auf Aaah, also das war zwei Stunden vor der Geburt. Kurz darauf kam nochmal ein Schwall Fruchtwasser, woraufhin ich Handtücher, Klopapier, trockene Socken und eine zusätzliche Unterlage brauchte. Das Tönen wurde immer lauter und ich hatte das Gefühl, ich müsste nochmal bieseln, es war aber unvorstellbar, zum Klo zu kommen. Also bat ich meinen Mann, mir die Sitzbadewanne zu bringen. Ich hab mich da auch drübergehockt, aber es kam dann doch nur wieder eine Welle. Da hatte ich eh dazu über gewechselt, auf den Knien zu knien und mich mit den Armen auf dem Ball abzustützen. Um 1:27 laute und lang anhaltende Töne. Mein Mann hat eine Tonaufnahme gemacht und wenn ich mir die jetzt anhöre, kommt mir schon wieder diese Anstrengung in Sinn. Der Wellenabstand wurde immer kürzer, und ich immer lauter, 1:37, konstanter 3-Minuten-Abstand, dann zwei Minuten, dann eine Minute. Um 1:48 sagte ich wohl das erste Mal, dass ich in die Badewanne will. Die Vorstellung, vor allem mein Becken in warmes Wasser zu tauchen, war in dem Moment verheißungsvoll. Ich hatte irgendwie den Gedanken, dass ich die letzte Geburt einfacher fand und kam deshalb auch auf das Wasser zurück. Das ging noch ein paar Mal hin und her, dass ich in die Wanne wollte und dann wieder doch nicht. Ich wusste gar nicht, wie ich da nach oben kommen sollte und mir fiel auch noch ein, dass die Kinder ja dann aufwachen könnten. Also ging es unten weiter mit stärkeren und schwächeren Wellen, mit Abständen von 1-2 Minuten. 50 Minuten vor der Geburt kam eine lange Welle mit Pressdruck das erste Mal, dem konnte ich auch nicht widerstehen. Es war wieder so wie beim letzten Mal, dass die Wellen mit Pressen angenehmer waren als die Eröffnungswehen. Dabei hatte ich einfach einen Schmerz. Dieses Gefühl wie sehr starke Menstruationsschmerzen. Ich musste mir ganz am Anfang das auch sagen, dass es später vielleicht leichter wird, weil ich das schon schrecklich fand. Nachdem der Pressdruck eingesetzt hatte, kam auch wieder das Verlangen nach der Badewanne auf. Ich hatte da das Gefühl, dass ich zwar voll stark am Pressen war, aber dass sich gar nichts bewegte und es nur alles runterdrückt. In dem Moment musste ich an meinen Beckenboden denken. Dann hab ich doch mal reingefühlt in der Hoffnung, das Köpfchen zu spüren, aber da war nur weiches Gewebe. Das war frustrierend. Da waren auch ein paar Wellen mit größerem Abstand. Inzwischen, ungefähr ab dem Pressdrang, hab ich mich nicht mehr auf den Pezziball, sondern auf den Boden gestützt. Es tat gut, in den Boden zu drücken. Ich glaub, meine Knie sind jeweils fast abgehoben, irgendwie um über die Hände Druck abzuleiten in den Boden. Das tat gut. Da gab es irgendwann kurz eine etwas „längere“ Pause, kams mir vor, sonst waren es so zwei-Minuten-Abstände. Da hab ich angefangen, mir die Affirmation „Jede Welle bringt mich näher zu meinem Baby“ laut vorzusagen. Das hätte ich wahrscheinlich auch nicht gemacht, wenn ich nicht alleine gewesen wäre. Ich bin da drauf gekommen, weil ich so das Gefühl hatte, das nichts vorwärts geht und dann kam auch das Gefühl, dass ich jetzt irgendwas ändern muss. Schließlich dachte ich, ich muss jetzt hoch in die Badewanne, irgendwie werde ich schon hoch kommen und egal, wenn die Kinder aufwachen, das muss jetzt sein. 3 1/4 Stunden hab ich also da in dem kleinen Raum verbracht. Die Alleingeburt hab ich ja jetzt hingekriegt, aber an der schmerzfreien Geburt müsste ich noch arbeiten. Zwischendurch hab ich wieder gedacht, dass es furchtbar ist und gedacht, dass das auf jeden Fall meine allerletzte Geburt ist, weil ich sowas nicht nochmal mitmache. Es kamen Gedanken wie, was „Frauen nur mitmachen müssen, kein Wunder, dass die Theorie der Erbsünde aufkam“ und mir taten all die Frauen so schrecklich leid, denen im Krankenhaus noch irgendwas Zusätzliches zugemutet wird, wie auf ein CTG Rücksicht zu nehmen oder Untersuchungen während der Wehen oder dergleichen. Da hab ich auch dran gedacht, dass wenn die Hebamme jetzt da wäre, dass ich sie voll zujammern würde. Das sind Gedankengänge, an die ich mich erinnere, auch wenn das dazugehörige Gefühl schon wieder fast vergessen ist. Aber auch die ersten Tage war ich noch wie „sprachlos“ über die Heftigkeit von Geburt. Auch als ich dann mein Büro wieder betrat, überkamen mich ganz gemischte Gefühle. Wie gesagt, das Pressen selber war fast angenehm. Teilweise waren auch lustvolle Gefühle im Becken dabei, auf dem Höhepunkt einer Welle mit Pressdrang, abwechselnd mit mehr schmerzhaften. Also teilte ich meinem Mann den Entschluss mit, doch hoch ins Bad zu wollen. Um 3:00 sind wir wohl los. Im Flur kam noch eine Welle, bei der ich mich kräftig auf ihn stützte. Auf der Treppe sagte ich immer wieder vor mich hin „ganz langsam“. Dann oben am Waschbecken wieder eine, dazwischen ausziehen. Das hat eher mein Mann gemacht als ich. Dann nochmal eine, bis ich in die Wanne steigen konnte. Sobald ich da im warmen Wasser war, kam mit der oder den nächsten Welle(n) der Kopf raus. Um 3:05 steht im Protokoll. Ich erinnere mich, dass er erst fast draußen war und erst mit der nächsten Welle dann ganz richtig bis zum Hals. Da hab ich im Wasser das haarige Köpfchen in meiner Hand gehabt. Dieses Gefühl werde ich nicht mehr vergessen und später im Wochenbett hat’s mich immer wieder daran erinnert, wenn ich mit meiner Hand über ihren Kopf strich. Die ganze Rosalia war dann um 3:09 da, also vier Minuten nach dem Kopf. Denn dann kam erstmal eine Welle, bei der sich nichts Offensichtliches tat. Daraufhin bin ich aufgestanden und habe diese eine Bewegung mit den Beinen gemacht, die ich bei „dancing for birth“ gelernt hab. Die Knie im Stehen seitlich ganz hoch gezogen. Ich glaube, dann hat es noch zwei Wellen gedauert, das hat mich schon an die letzte Geburt denken lassen. Da hatte die Hebamme aus Angst vor einer Schulterdystokie sofort manuell nachgeholfen und meinem Kind dabei das Schlüsselbein gebrochen. Ich dachte: „Komm schon!“ Hab glaub auch sowas gesagt. Ich hab das dann innerlich richtig „schnackeln“ gespürt, als sich die Schultern gedreht haben. Ich war da glaub aufgestützt mit den Händen auf dem Badewannenrand, auf den Füßen stehend, und hab mich glaub mehrmals bei meinem Mann versichert, dass er es auffängt. Also die Position war schon so in etwa wie beim von Michel Oden beschriebenen „Fötusausscheidereflex“. Ich glaub, meine Beine haben sich auch auf die beschriebene Art angespannt. Ja und dann war sie da. Mein erster Gedanke war: „Es atmet.“ Sie hat auch gleich einen Schrei gemacht. Sie hat aber ziemlich geröchelt. Ich wusste zwar, dass das normal sein kann, hab das aber trotzdem beobachtet und überlegt, ob sie wohl noch in der Nase zuviel Schleim hat oder so. Ich hab sie erstmal vor mich gehalten, damit wir sie anschauen können. Erst dann hab ich irgendwann zwischen ihre Beine geschaut. Ein Mädchen! Ok, da hab ich wohl falsch gelegen mit meiner Schätzung, und mein Mann und meine Tochter hatten Recht. Dann hab ich noch ein zweites Mal nachgeschaut, um sicher zu gehen. Hatte ich bei meiner letzten Tochter auch so gemacht. Zwei Minuten nachdem sie da war, sind dann auch die Großen in der Tür gestanden und unsere 3jährige meinte „Ach, hier kommt das Geräusch her“. Rosa hat sich da im Wasser gleich voll entspannt und gebannt auf die Kerze geschaut, die neben der Wanne stand. Da war ich etwas neidisch, dass sie nicht uns angeguckt hat, aber da hat sie wohl das „Licht der Welt erblickt“. Als ich das Gefühl hatte, Rosa könnte es kalt werden, sind wir raus und ich hab mich mit ihr auf den Boden im Bad gehockt. Ihre großen Geschwister sind dann runter, den Adventskalender aufmachen. Cirka ne halbe Stunde nach der Geburt hatte ich eine starke Nachwehe und damit kam, ganz unverhofft, die Plazenta mit raus. Es war etwas eine Überwindung, da nochmal was raus zu lassen, aber ich konnte mich fast nicht dagegen wehren. Dann, 40 Minuten später, hat Rosa meine Brust gefunden und angefangen zu saugen. Ich kann mich gar nicht mehr so recht erinnern, was sie eigentlich vorher gemacht hat, ob sie wach war oder so. Um 4:00 sind die Kinder runter gestürmt zu Oma und Opa ins Schlafzimmer. Kurz darauf standen sie in der Tür, um sich selbst davon zu überzeugen, dass das Baby jetzt da ist. Irgendwann haben wir dann auch die Nabelschnur durchgetrennt. Erst versuchten wir sie mit Kerzen durchzubrennen, aber das hat nicht so richtig funktioniert. Das war auch etwas stressig mit den Kindern und den Kerzen und überhaupt, aufzupassen, dass niemand über die Nabelschnur stolpert oder in die Placenta tritt. Deshalb wurde sie dann herkömmlich durchgeschnitten. Von dem Mutterkuchen hat mir mein Mann dann noch ein Stück zum gleich Runterschlucken abgeschnitten – Das mir erst zu groß war, aber nachdem er es nochmal verkleinert hat, hab ichs runterbekommen. Es war etwas schwabbelig, das Stückchen. Cirka um 5 Uhr haben wir uns alle nochmal ins Bett gelegt um zu schlafen. Das hat einigermaßen funktioniert, einer von den Großen konnte ewig nicht einschlafen. Rosa hat die ganze Zeit noch geröchelt aber selig geschlafen. Ich weiß gar nicht mehr, ob ich auch eingenickt bin. Um cirka 10:00 kam dann unsere Hebamme. Sie macht Hausgeburten und wir haben sie für die Vor- und Nachsorge engagiert und ihr von Anfang an unsere Pläne für die Alleingeburt mitgeteilt. Sie hat wunderbar unsere Eigenverantwortung unterstützt. Das war schon sehr wertvoll, noch jemanden im Hintergrund zu haben. Ich hatte einen kleinen Dammriss, der ihrer Einschätzung nach nicht genäht werden musste. Unser Kind war 55 cm groß und 4050g schwer. Rosa war immer noch bläulich im Gesicht und hatte blutunterlaufene Skleren. Die Wehen waren also wohl auch für sie ziemlich heftig gewesen. Im Nachhinein sind die Geburtsstrapazen tatsächlich schon wieder vergessen und ich habe sehr positive Gefühle bezüglich der Geburt. Den ersten Tag mit unserem Baby Rosa verbrachten wir im Bett, die zweite Kerze an dem Adventskranz mit den getrockneten Röschen drauf wurde dann erst eine Woche später angezündet…

Drei ganz verschiedene Geburten

Im folgenden Bericht nimmt uns eine Mama mit durch das Erlebnis ihrer drei Schwangerschaften und Geburten. Von der fremdbestimmten Krankenhausgeburt beim ersten Kind über die Alleingeburt beim zweiten Kind zur Erfahrung einer Fehlgeburt beim dritten Kind.

Als ich mit unserem ersten Baby schwanger wurde, war ich 25 Jahre alt und seit vier Monaten verheiratet. Eigentlich wollten wir nicht so schnell ein Baby, wollten erst die Zeit zu zweit genießen. Aber der Kinderwunsch war bei mir plötzlich von einen Tag auf den anderen da, ich war selbst überrascht darüber. Ich wollte unbedingt ein Baby und lag meinem Mann nur noch mit dem einen Thema in den Ohren. Kurz danach blieb meine Regel aus. Ich wartete voller Spannung noch ein paar Tage – und spürte ein Ziehen im Bauch. Ich googelte sofort, was das sein könnte: die Mutterbänder. Ich war ganz sicher schwanger und überglücklich. Einen Test durchführen fand ich überflüssig. Wozu? – Wenn ich es doch so schon sicher weiß. Ich fing an, mir Gedanken um die Geburt zu machen. Insgeheim wünschte ich mir eine Alleingeburt. Obwohl ich den Begriff „Alleingeburt“ zu dem Zeitpunkt noch nicht kannte. Früher haben die Frauen doch auch schon ihre Babys ohne Hilfe zur Welt bringen können, sagte ich. Und ich hatte mal als Teenie ein Buch über Indianer gelesen, da hatte auch eine junge Frau ihr Kind während einer Reise bekommen. In der Natur, ganz schnell und einfach. Warum sollte es bei mir also nicht auch klappen? Ich erzählte meiner Mutter davon, die mir prompt davon abriet. Kinder bekommt man nun mal im Krankenhaus und basta. Mama hatte auch alle sechs Kinder dort geboren, unter schrecklichen Schmerzen, Qualen und Demütigungen. Aber so ist das im Leben, anders geht´s halt nicht. Da muss man durch. Ein Kind Zuhause allein bekommen – viiiiel zu gefährlich! Also fand ich mich mit dem Gedanken ab, zur Geburt ins Krankenhaus fahren zu müssen. Aber zur regelmäßigen Vorsorgeuntersuchung zum Frauenarzt wollte ich auf keinen Fall. Ich war noch nicht oft in meinem Leben beim Arzt gewesen, Besuche beim Frauenarzt verabscheute ich ganz besonders. Warum also sollte ich mir und dem Baby das antun, wenn ich mich doch prima fühlte? Ich wusste, dass diese Schwangerschaft ein Geschenk Gottes ist und dass er über sie wacht. Ich wollte ihm vertrauen und sie nicht von Ärzten kontrollieren lassen. Aber ich nahm nicht zu. Wochen vergingen und mein Gewicht blieb dasselbe. Meine Mutter machte sich Sorgen. Ich sollte doch lieber zum Arzt gehen und es kontrollieren lassen. Irgendwann ließ ich mich von ihrer Sorge anstecken und ging in der 18. Schwangerschaftswoche zum Arzt. Es wurde ein Ultraschall gemacht und ich musste die Freudentränen zurück halten, als ich das Baby zum ersten Mal sah. Das Geschlecht wollte ich nicht wissen, der Arzt war so vernünftig und behielt es für sich. An dem Tag konnte ich das Baby auch zum ersten Mal spüren, es war ein herrliches Gefühl. Von da an kam ich nicht drum herum, zu den Vorsorgeuntersuchungen zu gehen, weil mir einfach nach jeder Untersuchung wie selbstverständlich ein neuer Termin gegeben wurde. Also ging ich immer brav hin und bekam bestätigt, was ich eh schon vom eigenen Gefühl her wusste. Dem Baby ging es gut. Wehwehchen hatte ich während der ganzen Schwangerschaft kaum. Mir stank nur so einiges, zum Beispiel unser Sofa. Am wenigsten konnte ich aber meinen Mann riechen und – wenn wir bei meinen Eltern waren – einen meiner Brüder. Mir wurde immer übel, wenn er in meiner Nähe war. Erbrechen musste ich aber nie, worüber ich sehr froh und erleichtet war, konnte ich mich doch als älteste Tochter noch gut an die Schwangerschaften meiner Mutter erinnern, wo sie ständig über der Kloschüssel gehangen hatte … Zum Ende der Schwangerschaft plagte mich das Sodbrennen immer stärker, besonders im Liegen. Aber wenn ich vor dem Schlafengehen etwas Milch trank, war es erträglich. Einige Wochen vor der Geburt meldeten wir uns im Krankenhaus an. Ich wollte mir schon mal ein Bild vom Geburtsort machen. Nach stundenlangem Warten – es waren so viele andere Schwangere zur Anmeldung da – wurde uns von der Hebamme gesagt, dass die Kreißsäle alle besetzt waren und wir deshalb leider nicht besichtigen konnten. Sie drückte mir einen Stapel Papiere in die Hand. Das sollte ich ausgefüllt zur Geburt mitbringen, für den Fall, dass ich eine PDA brauchte. Ich meinte, die würde ich auf keinen Fall wollen. Trotzdem sollte ich das unbedingt ausfüllen, meinte sie, da man während der Geburt oft anders denkt und dann nicht im Stande ist, Papiere auszufüllen. Zuhause warf ich die Papiere alle weg und bereute die Zeitverschwendung für die Anmeldung im Krankenhaus. Mein errechneter Termin war der 29.04.16. Am 28.04. hatte ich abends um 23 Uhr direkt vor dem Zubettgehen einen Blasensprung. Im Internet hatte ich gelesen, dass man in dem Fall sofort in Krankenhaus fahren sollte. Ich war schrecklich aufgeregt, als mein Mann und ich uns auf den Weg machten. Während der Fahrt wurden die Wehen langsam stärker. Im Krankenhaus wurde ich sofort von dem diensthabenden Arzt untersucht. Er wollte mir gleich Antibiotika verabreichen zur Vorbeugung gegen eine durch den Blasensprung verursachte Entzündung. Zum Glück überlegte er es sich doch anders. Beim Ultraschall meinte er, dass das Baby viel zu klein und leicht sei und deshalb etwas nicht stimmen würde. Er gab mir acht Stunden Zeit, wenn das Baby bis dahin nicht da wäre, würden sie einen Kaiserschnitt machen. Das war ja mal ein beruhigender Empfang im Krankenhaus! Ich war so schon aufgeregt wegen der unbekannten Atmosphäre und weil ich so schlimme Geschichten über Geburten im Krankenhaus gehört hatte und jetzt DAS. Außer dem Arzt war eine ältere Hebamme für mich zuständig. Ich fragte sie, ob ich nicht in die Geburtswanne dürfte, die sich im Raum befand, was sie verneinte. In meinem Fall ginge das leider nicht, meinte sie. Im Nebenzimmer hatte sie noch eine weitere Frau zu beaufsichtigen und sah abwechselnd nach uns beiden. Da der Muttermund noch viel zu wenig geöffnet war, sollte ich mit meinem Mann im Flur herumlaufen. Die Wehen wurden stärker, mir wurde schrecklich übel, ich musste immer wieder erbrechen. Dazu fing ich furchtbar an zu zittern, es war wohl die Aufregung, Müdigkeit und dazu die Angst vor der nächsten Wehe. Die waren nämlich so schmerzhaft, dass ich jedes Mal voller Panik verkrampfte und nur noch mehr unkontrolliert zitterte. Als ich gerade wieder von der Toilette kam, sah ich wohl so schlecht aus, dass die Hebamme gleich einen CTG machen wollte. Sofort rief sie den Arzt, da die Herztöne des Babys schlecht waren. Der verabreichte mir einen Wehenhemmer. Die Herztöne wurden besser und er verabreichte mir ein Wehenmittel. Ich dachte, ich müsste sterben und die Hebamme fragte mich erneut, ob ich nicht doch eine PDA wünschte. Ich verneinte stur. Da bot sie mir ein Schmerzmittel an und versicherte, dass es ganz harmlos und ungefährlich sei. Winselnd und zitternd lag ich auf dem Bett, mein Mann hielt meine Hand um mir beizustehen (was mich die ganze Zeit furchtbar nervte; ich sagte aber nichts, da ich ihn nicht beleidigen wollte). Als Infusion über die Armvene bekam ich nun das Schmerzmittel verabreicht. Danach konnte ich nicht mehr die Augen öffnen oder mich mitteilen. Die Schmerzen blieben die gleichen, nur dass ich es nicht mehr sagen konnte. Zwischen den Wehen dämmerte ich immer wieder weg und wurde von dem Schmerz wieder hochgerissen. Ich hörte, wie der Arzt meinen Mann wegschickte, um irgendwelche Papiere zu erledigen. Kurz danach wies mich die Hebamme an, meine Knie an mich zu ziehen und zu pressen. Mein Mann kam von der Rezeption zurück, beinahe hätte er die Geburt verpasst. Ich hörte wie der Arzt meinte, er würde schneiden müssen. NICHT SCHNEIDEN!, rief ich, aber keiner hörte mich, da ich ja nicht reden konnte. Noch ein brennender Schmerz und ich hörte mein Baby schreien. „Herzlichen Glückwunsch, ein Junge“ meinte der Arzt zu meinem Mann. Der durfte die Nabelschnur durchschneiden, dann wurde mir etwas warmes, schmierig Nasses auf die Brust gelegt. Es war mein Baby, ich konnte es aber nicht sehen, da ich immer noch „unter Drogen“ war. Die Hebamme wies mich an, noch einmal zu pressen und zog an der Nabelschnur. Die Plazenta kam heraus und ich bat sie, sie mir doch zu zeigen, da ich vorher schon ganz gespannt gewesen war, wie so etwas denn aussieht. Ich hörte den Arzt murmeln, wozu denn?! Die Hebamme hielt sie mir doch hin, ich bekam die Augen aber nicht auf. Der Arzt nähte noch ein paar kleine Risse, die nicht der Rede wert waren und sehr gut von allein verheilt wären. Dann wurden wir drei allein gelassen. Langsam ließ das Schmerzmittel nach und ich konnte wieder sehen und sprechen. Mir fiel eine weiche große Beule am Kopf meines Babys auf. Der Arzt hatte eine Saugglocke benutzt um den Winzling herauszuziehen, meinte mein Mann. Später erfuhr ich, dass es keine gewöhnliche große Saugglocke war sondern ein „Kiwi“. Ein kostspieliges Einweginstrument. Ich informierte mich über das Schmerzmittel Pethidin und erfuhr, dass das Baby auch etwas davon abbekommen hatte und es deshalb zu schwach war für eine normale Geburt. Ansonsten war unser Sohn ein ganz gesundes, gut entwickeltes Kind, nur dass er mit 2490g und 45cm der Kleinste auf der ganzen Wöchnerinnenstation zu der Zeit war. Er nahm gut zu und hatte die anderen nach ein paar Monaten schon eingeholt.

Neun Monate später wollte ich unbedingt wieder ein Baby. Mein Mann wollte lieber noch ein paar Jahre warten, was würden die Leute sonst von uns denken usw. Aber mir tat unser kleiner Sohn leid. Ich als Kind einer Großfamilie fand die Vorstellung schrecklich, dass er noch so lange Einzelkind sein müsste. Schwups, war ich wieder schwanger und freute mich riesig auf das zweite Baby. Diesmal wollte ich aber alles anders, besser machen. Durch meine Recherchen war ich auf das Buch „Alleingeburt“ von Sarah Schmid gestoßen und hatte es sofort bestellt. Ich las es mehrmals durch und holte mir auch weitere Informationen im Internet. In der 10. Schwangerschaftswoche bekam ich plötzlich starke Schmerzen im Unterbauch, musste aufs Klo und sah nur, wie eine Menge Blut heraus kam. In „Alleingeburt“ hatte ich gelesen, dass die Ärzte im Falle von Blutungen bis zur 24. Schwangerschaftswoche nicht viel machen können. Das beruhigte mich irgendwie, hatte ich doch sowieso kein Vertrauen in die Ärzte. Ich googelte, was der Grund für die Blutung sein könnte und war mir danach sicher, dass es ein Hämatom sein musste. Nach dieser einen starken Blutung hatte ich nur noch zwei Tage lang Schmierblutungen. Ich schonte mich sehr, wie es im Falle eines Hämatoms sein musste und alles war wieder gut. Ansonsten verlief meine zweite Schwangerschaft ohne weitere Zwischenfälle. Ich ging wieder erst in der 18. Ssw zum Arzt, diesmal um eine Zwillingsschwangerschaft auszuschließen. Als der Arzt mir nach dem Ultraschall wie gewohnt einen neuen Termin geben wollte, meinte ich, dass ich die Vorsorge lieber von einer Hebamme machen lassen wollte. Hatte ich eigentlich nicht vor, ich musste mich da aber irgendwie herausreden. Da wurde er sehr ungehalten und meinte, so etwas könne er nicht verantworten. Wenn ich das wirklich so machen würde, wollte er mich nicht mehr in seiner Praxis sehen. Ich lachte darüber und sah ihn nie wieder. Für die geplante Alleingeburt besorgte ich mir Netzunterhosen, wie ich sie in der Klinik kennengelernt hatte und die dazugehörigen großen Einlagen. Dazu bekam ich von Mutter und Schwiegermutter einen ganzen Stapel Handtücher, die würde ich brauchen. Als Geburtsunterlage wollte ich unsere Isomatte nutzen. Das Baby sollte im Badezimmer zur Welt kommen, weil man da am besten alles wieder sauber bekommen würde und weil der Raum am weitesten von den anderen Wohnungen unseres Mehrfamilienhauses entfernt lag, sodass die Nachbarn sicher akustisch nichts mitbekamen. Zusätzlich betete ich dafür, dass die Geburt doch bitte nicht nachts losgehen sollte, was alles nur komplizierter machen würde. Ich legte alles in Gottes allmächtige Hand und vertraute ihm, dass er es recht führen würde. Am 19.10.17, dem von mir errechneten ET, bekam ich morgens um halb 8 leichte Wehen. Mein Mann ging zur Arbeit, musste aber kurz danach zurück kommen, weil die Wehen schnell stärker und regelmäßig wurden. Meine Schwiegermutter kam, um unseren Sohn abzuholen. Anders als meine Mutter, die sich große Sorgen um mein verrücktes Vorhaben machte, stand sie voll hinter meiner Alleingeburt und war überzeugt davon, dass alles gut gehen würde. Ich hatte Lust auf ein warmes Bad zur Entspannung, hielt es aber nicht lange im Wasser aus. Ich begab mich im Vierfüßlerstand auf die Isomatte und erwartete jede Wehe mit Genuss. Bei dieser Geburt konnte ich ganz entspannt sein, musste nicht zittern und verspürte keine Übelkeit. Die Schmerzen waren auch gar nicht zu vergleichen mit denen bei der ersten Geburt. Ich futterte nebenbei Chips, weil ich Hunger darauf hatte und unterhielt mich zwischen den Wehen mit meinem Mann, der die ganze Zeit bei mir war. Er hatte die letzten Monate viel Unterricht als Geburtshelfer von mir bekommen und wusste diesmal, wie er sich zu verhalten hatte und was er lieber sein lassen sollte. Plötzlich wurde ich von Presswehen überrollt. Ich war so überrascht davon, hatte ich doch in „Alleingeburt“ von der Übergangsphase gelesen, die am schwersten sein sollte und die vor den Presswehen kommt. Davon hatte ich nichts gemerkt, die Wehen waren so leicht erträglich gewesen. Ich tastete meinen Muttermund und fühlte eine für mich undefinierbare Blase, kein Köpfchen, wie ich erwartet hatte. bei der nächsten Presswehe platzte diese Blase und mir war alles klar. Nach ein paar weiteren Presswehen flutschte das Baby heraus und mein Mann fing es auf. „Ein Mädchen!“ rief er und ich meinte, er solle lieber noch einmal schauen. Das konnte doch nicht wahr sein! Wir hatten die ganze Schwangerschaft irgendwie mit einem Jungen gerechnet, weil es mir so gut ging. Ich hatte mir aber insgeheim von Herzen ein Mädchen gewünscht und war nun sehr positiv überrascht. Das Baby schrie ganz entrüstet und ich legte es schnell an die Brust. Es fing auch gleich an zu saugen und beruhigte sich sofort. Nach einer halben Stunde wurde die Plazenta geboren und ich untersuchte sie auf Vollständigkeit. Danach ging ich mit Baby ins Bett. Mein Mann machte mir etwas zu essen und räumte die ganze „Schweinerei“ im Badezimmer auf. Danach ging ich duschen, tat das gut! Den Rest des Tages genoss ich mit der Familie. Die Geburt hatte vier Stunden gedauert, halb so lang wie die Krankenhausgeburt. Unsere Tochter wog 2885 g und war 49cm groß. Am nächsten Tag rief ich irgendeine Hebamme an und bat sie, doch vorbei zu kommen, um die Geburt des Babys zu bestätigen, damit wir die Papiere machen konnten. Das war ein Fehler. Sie meinte, das Kind hätten wir irgendwo aufgesammelt haben können und drohte uns gleich mit dem Jugendamt. Dann „verpetzte“ sie uns bei der nächstliegenden Kinderklinik, dort sollten wir SOFORT vorbei kommen. Damit endete die ruhige Wochenbettzeit. In der Klinik wurde ich von meinem Baby getrennt, ich sollte zur Frauenklinik hoch gehen und mich auf Geburtsverletzungen untersuchen lassen. Hier wartete ich drei Stunden, ohne dass etwas geschah, also ging ich wieder runter und suchte nach meinem Baby. Dieses wurde gerade vom zuständigen Kinderarzt untersucht. Er meckerte an allem herum, was er finden konnte und suchte einen Grund, uns Probleme zu machen. Unsere Tochter wäre zu klein, die restliche Nabelschnur zu lang usw. Nach fünf Stunden Psychoterror kam endlich der Chefarzt der Kinderklinik, der ganz vernünftig mit uns redete und sichtlich beeindruckt war von unserer „Tat“. Er gab uns die benötigte Unterschrift im Kinder U-Heft und wir konnten endlich nach Hause. Für die nächste Geburt werde ich mir auf jeden Fall vorher eine passende Hebamme suchen, um solche Probleme mit den Ärzten und Behörden zu vermeiden.

Nun ist noch ein Fehlgeburtsbericht hinzugekommen … Unsere Tochter ist inzwischen zwei Jahre alt, der Sohn 3,5. Ich war in der 10. Woche schwanger und wir freuten uns schon alle auf Baby Nr. 3. Da bekam ich Schmierblutungen, nichts Ungewöhnliches für diesen Schwangerschaftsabschnitt, wie ich las. Ich wartete erst einmal ab, die Blutungen wurden aber stärker. Nach einer Woche kamen Unterleibsschmerzen hinzu. Ich wusste, dass etwas nicht stimmte. Ich musste wissen, ob mein Baby noch lebte und ging deshalb zur Frauenärztin. (Mein alter Frauenarzt war inzwischen in Rente gegangen.) Sie machte einen Ultraschall und meinte bedauernd, dass da gar kein Baby zu sehen sei, nur eine leere Fruchthülle. Ich hatte mich schon innerlich darauf eingestellt und mich von dem Baby verabschiedet. Der Gedanke an unsere anderen beiden gesunden Kinder tröstete mich zusätzlich. In diesem Stadium könne der Körper nicht mehr selbst damit fertig werden – ich war inzwischen in der 11. Ssw – deshalb müsse ausgeschabt werden, meinte sie. Die Einweisung bekam ich gleich mit. Ich betete, dass Gott es doch verhindern solle, wenn es sein Wille wäre, und bekam noch am gleichen Nachmittag Wehen. Die Blutungen waren ziemlich stark und ich war froh, dass es voran ging mit der „Geburt“. Im Internet hatte ich unter „Hebammenblog.de“ einen Fehlgeburtsbericht gelesen, der mir sehr half und an dem ich mich etwas orientierte. Ich hörte auf meinen Körper, trank viel und versuchte etwas zu essen, da ist nicht wusste, wie lange so etwas dauern könnte. Ich bewegte mich viel und fand den ganzen Vorgang sehr interessant. Die Wehen waren ziemlich stark, aber angenehm, da hatte ich plötzlich das Gefühl, groß aufs Klo zu müssen. Da wurde die fast 10 cm große Fruchthülle(?) geboren und ich begutachtete sie. Danach waren die Wehen verschwunden und ich nicht mehr schwanger. Diese Geburt hatte drei Stunden gedauert. Ich war so erleichtert und dankbar für diese neue Erfahrung, die mich Gott noch näher brachte und mich meinen Körper noch besser kennen lernen ließ. Gott hat den Körper der Frau so genial geschaffen, dass dieser selbst mit solchen Aufgaben fertig werden kann. Wir müssen uns und ihm nur mehr zutrauen!

Einen Tag nach der Alleingeburt.

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt – Alleingeburt beim zweiten Kind

Die Mama im folgenden Bericht bekommt ihr zweites Kind. Sie hat sich gut auf eine Alleingeburt vorbereitet, aber dann läuft es doch nicht ganz so schmerzfrei wie erwartet. Dafür geht alles schnell und unkompliziert.

Am 6.1. um 20:51 Uhr ist innerhalb von 3 Stunden und 51 Minuten unser viertes Familienmitglied in einer unkomplizierten und komplikationsfreien Alleingeburt im heimischen Wohnzimmer auf die Welt gekommen.

Vorbereitet habe ich mich mit der Louwen-Ernährung, Mentaltraining (Hypnobirthing, autogene Geburt, die friedliche Geburt…), Malen, Osteopathie, ganz viel Literatur über natürliche und selbstbestimmte (Allein-)Geburten, Schwangerenyoga, Schwangerenschwimmen, Spinning Babys und ausreichend Bewegung an der frischen Luft.

Am Morgen des 6.1. war noch alles ruhig – bis auf die unfassbaren Beckenschmerzen, die mich seit zwei/drei Tagen plagten. Deswegen hatten ich mich dazu entschieden, Spinning Babys auszuprobieren – vielleicht lag der Kopf ja noch nicht optimal? Wir machten also den ersten Schritt der Übung*. Während des zweiten Schrittes wurde ich quasi nur seitlich gelagert und konnte mir während dessen den Podcast der friedlichen Geburt anhören.
(Am Rande: am Morgen hatte ich noch einen Post in der Alleingeburtsgruppe über Zweifel an der Alleingeburt gemacht. Hauptsächlich wegen den Schmerzen im Becken, die einfach für mich schwer einzuordnen waren.)
Sehr passend kam ich zufällig auf die Folge „Seelische Entwicklung in der Schwangerschaft“. Die sprach genau das an, worüber ich mir so den ganzen Tag den Kopf zerbrach … Und es wurde auf die Folge 25 verwiesen – Auflösen von Ängsten. Ich hörte also beide Folgen und hatte das Gefühl, dass sie mir richtig was gebracht hätten – so mental…
Anschließend stieg ich im Treppenhaus die Stufen seitlich hoch. Nach vier Mal bis in den fünften Stock juckeln ging ich auf den Pezziball und die Übung war nach 15 min beendet (Gott sei Dank! 😆).
Tatsächlich hatte ich das Gefühl, dass es mir richtig was gebracht hätte. Meine Beckenschmerzen waren immerhin etwas weniger im Rücken zu spüren.
Meine Männer gingen dann einkaufen und ich hatte nochmal richtig schön Ruhe … Ich hörte meine Mentaltrainings-CD und schlief zwischendurch ein. Als meine Männer wiederkamen, machten wir das Abendessen. Gegen kurz vor 17:00 Uhr stand dieses dann auch auf dem Tisch.
Mein Mann und ich hatten zuvor noch über den besagten „ET + 3“ philosophiert, der ja nun bald anzustehen drohte (oder auch nicht). Wir waren noch dabei, zu überlegen, ob wir diesen Termin beim Frauenarzt wahrnehmen oder nicht … Da wir sowieso keine Hebamme für die Geburt hatten, entschieden wir uns erstmal dagegen.
Jedenfalls kam dann das erste sanfte Ziehen und ich sagte: „Ja, so kannst du weiter machen, das ist nett!“, und lächelte noch zufrieden…
Wir überlegten beim Essen, ob mein Mann später noch zur Fahrschule fährt, beschlossen aber, erstmal spazieren zu gehen und dann weiter zu schauen. Wir witzelten darüber, dass bis dahin das Kind bestimmt schon da ist, gingen aber eher von einem falschen Alarm oder einem langsamen Geburtsbeginn aus.
Für den Spaziergang ging ich dann schon Mal vor. Ich sehnte mich nach Dunkelheit und Ruhe.
Während ich voraus gegangen war, blieb ich zwischenzeitlich stehen, wenn eine Welle kam.
Sie kam sanft und war leicht zu verarbeiten. Ich freute mich! Ich kreiste also mein Becken und war voll mit mir im Einklang. Ich sprach mit meinem Kind. Dass wir das alles sehr gut meistern werden, dass ich Vertrauen in uns habe und wir unsere Geburt gut schaffen werden.
Nach einer guten halben Stunde hatte mich mein Klan eingeholt 😄. Ich empfand ihre Anwesenheit leider als etwas störend, aber es war für mich okay. Ich sagte noch zu meinem Kind und meinem Mann, dass es heute doch eine wundervolle Nacht wäre, um geboren zu werden. Wunderschön, kalt und sternenklar. Ein wunderschöner Abend im Januar.
Kurz bevor wir Zuhause waren, wurde es schon etwas intensiver. Zuhause ging es dann richtig los, aber ganz sicher über den Geburtsbeginn war ich noch nicht. Aber scheinbar war ich leidlich genug, als dass mein Mann nicht zur Fahrschule ging.
Stattdessen machte ich es mir im Schlafzimmer, welches mein Mann für mich vorbereitet hatte, gemütlich und hörte meine Entspannungs-CD.
Allerdings hielt ich es dort keine zwei Wellen im Bett aus, weil das seitliche Liegen einfach nur extrem schmerzhaft war. Ich ging also aus dem Schlafzimmer wieder ins Wohnzimmer. Ich tönte auch schon teilweise gut mit und das Klo war beim bester Freund in der gesamten Zeit.
Ich kniete am Sofa im abgewandelten Vierfüßler und bat meinen Mann, unseren Sohn ins Bett zu bringen.
(In meinen Mentalübungen stellte ich mich immer so vor dem Sofa vor, fand es aber in der Umsetzung dann recht unbequem.)
Da war es dann mittlerweile kurz vor 19:00 Uhr. Zwischenzeitlich wechselte ich auch in den Türrahmen und testete das von der Decke hängende Tragetuch. Mein Mann machte unseren Sohn fertig und ich fühlte mich … Ja, verzweifelt.
Ich rief eine Freundin an und jammerte. Schließlich hatte ich eine schmerzarme/-freie Geburt erwartet … Wofür hatte ich den ganzen Kram denn gemacht? Dafür, dass ich es auch jetzt nicht wirklich aushielt? Und das war ja erst der Anfang!
Sie unterstützte mich mit lieben Worten, die wirklich gut taten in diesem Moment. Ich rief noch die Hebamme an, der wir ja abgesagt hatten, einfach für ein paar aufbauende Worte.
Das Gespräch war okay, aber nicht so, wie ich es erhofft hatte.

Mein Mann kam dann auch irgendwann von unserem Sohn und zurück, der im Schlafzimmer PawPatrol schauen durfte. Laut eigener Aussage räumte er dann das Wohnzimmer auf und versuchte es gemütlich zu machen. Ich selbst weiß davon nur, dass er irgendwie irgendwo rumgewurschtelt hat und mir zwischendurch immer wieder frisches Wasser gab. Etwas zu trinken tat mir wahnsinnig gut. Ich hatte wirklich viel Durst. Ich legte meine Ketten um, und dass das Ganze ernst war hatten wir dann auch verstanden. Ich vertönte die Wellen im Sitzen auf der Couch, manchmal im Stehen und kam dann endlich auch ein bisschen mit und ganz gut klar. Dennoch war ich verstört von der Heftigkeit. Ich hatte einfach nicht damit gerechnet. Ich hatte eine sanfte Geburt erwartet!
Gegen 20:00 Uhr ging ich aufs Klo und tastete Mal… Ich bin ehrlich: keine Ahnung. Es fühlte sich einfach nur alles matschig an. 😂 Ich dachte, dass mein Muttermund vielleicht 4 cm auf sei. Hatte dann aber den Schleimpfropf teilweise in der Hand und war dadurch wirklich extrem motiviert. Ja ich wurde fast euphorisch! Diese Info gab mir extrem viel Energie!

Gegen 20:30 Uhr rief ich noch eine andere Freundin an um die Betreuung für meinen Sohn zu gewährleisten, da mir unsere eigentliche Betreuung netterweise einfach abgesagt hatte, falls ich doch ins Krankenhaus muss/möchte und informierte ebenfalls meine Eltern als Notfallbetreuung. Wir gingen davon aus, dass es noch Stunden dauert.
Mein Mann baute in der Zeit den Pool auf. Gefühlt verging eine Ewigkeit, dabei war er sogar schon aufgeblasen. Ich saß weiter auf der Couch und schob ein bisschen mit, fand aber nicht, dass der Kopf dadurch großartig weiter runter rutscht. Dennoch war ein wenig Druck da. Dieses Gefühl fand ich richtig … Eklig. Sehr schwer zu beschreiben.
Um 20:40 Uhr stieg ich also endlich in den Pool.

Es wurde kurz still und eine wahnsinnge Ruhe kehrte in mich ein. Ich lehnte über der Poolwand, quasi tiefer Vierfüßler. Bei der nächsten Welle überkam mich dieser enorme, alles überwältigende Druck nach unten. Die Fruchtblase sprang und der Kopf rutschte sofort in den Geburtskanal. Ich tastete und sagte nur zu meinen Mann, der neben mir war, etwas hektisch: „Das Kind kommt!!!“
Er glaubte mir wohl nicht ganz, denn es kam ein verwirrter Blick und irgendwas in Richtung: „Warten wir erstmal ab …“
Ich spürte schon die Haare im Wasser. Mit der nächsten Welle wurde der Kopf geboren und dieses Gefühl an meiner Hand, von meinem ganzen Körper werde ich wohl nie vergessen. Einfach magisch. Ich sagte nur: „Mach laaaangsam … Ganz vorsichtig“, denn ich wollte nicht reißen. Ich spürte einen Arm aus mir raus flutschen und die berühmt berüchtigte Drehung. Das fand ich extrem cool. Mit der nächsten Welle gebar ich dann mein Kind.
Zehn Minuten nachdem ich in den Pool gestiegen war und quasi vier Stunden von der ersten Welle bis es mir entgegen schwamm.
Entgegen meiner Erwartung, fiel es mir unglaublich leicht, mein Kind aus dem Wasser zu fischen. Es passierte einfach automatisch, ganz natürlich und ich machte mir in dem Moment gar keine Gedanken darüber. Ich hob also mein Kind aus dem Wasser und lehnte mich zurück. Mein Kind war richtig rosig und sauber, die Nabelschnur quasi sofort weiß. Ich sagte ganz oft zu meinem Mann, der neben mir kniete: „Ich hab’s geschafft!“. Es war wahnsinnig überwältigend.

Mein Mann gab uns Handtücher und wir schauten nach dem Geschlecht. Ich hatte einen Sohn geboren! Wir holten meinen Großen dazu.
Er fand das Ganze aber uninteressant und spielte lieber mit seiner neuen Feuerwehr. Dann wurde es langsam hektisch. Der Kleine fing an zu schreien und ich wurde nervös, weil das Anlegen nicht klappte. Mit größter Mühe bekamen wir uns aus dem Pool, die Nabelschnur war so kurz und die Plazenta noch nicht geboren. Ich lehnte mich auf die Couch und wir warteten auf die Plazenta und beobachteten die Blutung. Diese war zum Glück minimal.

Nachdem die Plazenta nach fast zwei Stunden noch nicht geboren war, bin ich dann aufs Klo gegangen. Es heißt ja, dass die Plazenta nicht gut geboren werden kann, wenn die Blase voll ist … Es kam wie es kommen musste – die Plazenta landete im Klo. Dabei wollten wir eigentlich eine Lotusgeburt.

Die anschließenden Blutungen hielten sich in Grenzen. Gegen 12 Uhr brachte ich dann meinen Großen ins Bett. Wir hatten alle noch eine Kleinigkeit gesnackt und es uns gemütlich gemacht. Um die Zeit wurde Papa dann das erste Mal angekackt. Wir blieben noch bis halb drei wach. Mein Mann versuchte, den Pool mit dem Schlauch zu leeren – und schleppte dann Eimer. 😆
Ich kämpfte noch mit den Nachwehen, wie auch noch die ganze Nacht. Es war wirklich heftig.

Am nächsten Tag kam dann die Hebamme und machte die üblichen Untersuchungen, die man auch für die normale U1 macht. Die Maße sind fast genau gleich, wie die meines ersten Kindes. Dabei hätte ich darauf schwören können, dass dieses Kind größer und schwerer ist.
3660g, 35cm KU, 53cm lang.

Ich selbst habe trotz der schnellen Geburt keine Verletzungen, außer einer leichten Schürfung an der alten Narbe davon getragen – so wie ich es mir gewünscht habe! 💪😁

Generell war die Geburt für mich heftig. Sie hat mich einfach überrumpelt. Ich konnte meine Atemtechniken und Entspannungsübungen zum größten Teil nicht anwenden. Wie ich in der Geburtsphase geatmet habe, weiß ich gar nicht mehr. 🤷 Zumal ich wegen meiner jammernden Anrufe nicht das Gefühl hatte, dass meine Vorbereitung etwas gebracht hat.
Ich fühlte mich also nach der Geburt nicht die erhofften drei Meter größer… 🤷 Es nervt mich, dass ich gerne mehr Unterstützung von außerhalb gehabt hätte. Und dass ich die Entscheidung, der Hebamme abzusagen während der Geburt so betreut habe.
Aber: geschafft habe ich es auch so und die Schmerzen hätten mir auch nicht abgenommen werden können. Dass die Schmerzen so stark waren… das wundert mich nach wie vor.
Ich denke, Dank Louwen wurde den Wellen wenigstens die Spitzen raus genommen und es war nicht so großflächig. Sowieso ein ganz anderer Schmerz als bei meinem Großen.

Dennoch bin ich mittlerweile wahnsinnig stolz auf mich. Ich habe mein Kind alleine geboren – gefühlt wirklich alleine. Denn mein Mann war irgendwie zwar da, aber massieren oder so war einfach nicht drin. Es ging auch wahnsinnig schnell, wenn man bedenkt, dass wir gegen 6 Zuhause waren und das Kind um 9 quasi da.

Meine Hebamme meinte noch, dass es vielen Frauen, die so schnell gebären so geht, dass sie einfach überfordert sind. Sie meinte, dass sie sowas hier in der Gegend noch nie erlebt hat, wir alles richtig gemacht haben und ich wahnsinnig stolz sein kann. Und das bin ich auch! Auch wenn ich letztendlich nicht die war, die ich bei der Geburt gerne gewesen wäre.

Ich danke an dieser Stelle noch all meinen Freunden und Begleitern meines Planes für ihre Verbundenheit und ihr Vertrauen in mich.
Und ganz besonders meinem Mann, der niemals Zweifel in mich hatte und mich bei unserem Weg so sehr unterstützt (und am Ende Einer geschleppt) hat. Das ist ein wirklich ganz besonderes Geschenk. Und ich danke meinem Körper, der so unglaubliches geleistet hat. Ich kann nun wieder im mich selbst Vertrauen.

9.1.2020
Mit ein paar Tagen Abstand kann ich diese Geburt wirklich besser reflektieren. Es ist nicht mehr viel da von dem Gefühl, zu viel gejammert zu haben. Es ging einfach sehr schnell und war wohl doch etwas unerwartet. Ich bin wahnsinnig stolz und auch endlich die drei gewünschten Meter gewachsen. 😊
Diese wunderbare Erinnerung wird mich mein Leben lang bereichern und ist, mit der Geburt meines Großen, das Spannendste und Wertvollste was ich in meinem Leben bislang erleben durfte.

*) Es handelte sich hier um die drei Übungen des Miles Circuit, der speziell dafür da ist, ein Baby aus Sternenguckerlage in eine vordere Lage zu bringen. www.milescircuit.com

Einmal Süden und zurück – eine Alleingeburt beim 5. Kind

Bei der Mama im folgenden Bericht läuft vieles vor der Geburt anders als geplant und doch erlebt sie am Ende mit ihrem 5. Kind eine schöne, selbstbestimmte Geburt.

Als wir im November 2016 unsere Zwillinge bekamen, sagten wir vielen Freunden, es wären die letzten. Diese lieben kleinen Jungs brachten uns an den Rand des Wahnsinns. Und doch, sie waren fast 2, beschlossen wir, den Seelen die da schon immer zu uns wollten, noch eine Chance zu geben. So entstand im August 2017 unsere Nummer 5. Schnell stand fest, es wird ein Mädchen und schnell spürte ich eine tiefe Verbundenheit zu diesem Kind.  In der Mitte der Schwangerschaft zogen wir beruflich ins Ausland. Ich freute mich, würde dieses Kind eventuell im warmen Südeuropa geboren werden. Ich träumte von einer Geburt im Garten, im Pool oder sogar im Mittelmeer. Aber auch einer Geburt bei meinen Eltern mit gewohnter Hausgeburtshebamme stand nichts im Wege. Abends saß ich oft im Bett, tüftelte Namen aus und las nach ihrer Herkunft und der Bedeutung und wie oft er vergeben wurde. Doch plötzlich, ich schaute gerade einen Krimi und hörte „diesen“ Namen. Er fühlte sich richtig an. Ich fühlte, dieser Name beschrieb, wie sie war und werden würde. Die Seherin.

Schnell war der Mann von diesem Namen überzeugt und ich malte Bilder mit ihrem Namen. Meine Gedanken und Träume umwoben seine Bedeutung.

Plötzlich, wie aus dem nichts, kam mein Mann abends heim und eröffnete mir, dass er entlassen werden könnte. Ich hatte mich auf zwei Jahre im warmen Süden sehr gefreut. Wütend und enttäuscht packte ich unsere kompletten Kleiderschränke inklusive Kleidung der nächsten Größen für alle 5 Kinder und uns wieder in die Kartons. Eine Woche schlaflos. Eine Woche zwischen noch mal alles geben und Hoffnung, dass ein solches Unglück nicht geschehen könne. Dass ein solches Unternehmen uns mit 5 Kindern doch nicht jetzt, hier, hochschwanger sitzen lassen würde. Ich war die Starke, ich musste meine tägliche Routine mit den Kindern beibehalten und musste gleichzeitig meinem Mann den Rücken stärken, ihn aufbauen. Ihm Hoffnung geben. Und doch. Eine Woche später kam mein Mann heim und sagte, pack ein, wir fahren heim.

Welch ein Glück war gerade meine Schwester da und so packten wir zusammen 150 Kartons wieder ein. Einige Möbel, unser Gartenspielgerät, sämtliche Gartenfahrzeuge, die Kücheneinrichtung usw. Innerhalb einer Woche war alles eingepackt und ich fuhr mit den Zwillingen nachts um 3 Uhr zurück nach Deutschland. Eine Pause bei Ikea und weiter ging es bis nach Hause, 12 Stunden insgesamt.

Nun genossen wir die Beurlaubung, der Garten wurde auf Vordermann gebracht und ich richtete jedes Zimmer neu ein, strich fast alle Wände und tapezierte. Ich war zwei Wochen vor dem errechneten Termin. Ich war fast zufrieden aber ich hatte keine Lust mehr. Ich wollte mich nun auf die Geburt vorbereiten und räumte das Geburtstzimmer, unser großes Bad ein. Einmalunterlagen, Nabelschnurband usw. Keiner durfte hier mehr rein und ich gönnte mir hier fast allabendlich ein warmes Bad. Wir fingen an, diese Beurlaubung zu genießen und vergaßen bald das Martyrium unserer Niederlage. Während mein Mann den Garten umgrub und die Kinder im Garten spielten, lag ich stundenlang in der Sonne, las mir all meine Bücher über Geburt nochmal durch und war vertieft in meine Träumereien meiner Geburt. Es kam der errechnete Termin und nichts rührte sich. Die Kleine schlief nachts und macht nur abends etwas Radau im Bauch. Ich fand sogar noch sehr kurzfristig die einzige Hausgeburtshebamme im Umkreis von 50 bis 100 Kilometern und sie wollte mich begleiten. Was für ein Glück. Wir machten Akupunktur und sprachen stundenlang über das Thema Geburt. Es tat so gut. Zum ersten Mal hatte ich Vorwehen, nicht schmerzhaft aber sie waren gut zu spüren. Doch abends war es das wieder. ET plus fünf machte ich meinen Kontroll-US um die Hebamme abzusichern, alles supi, Muttermund 2 cm und weich, leicht dehnbar. Zwei Tage vor der Geburt wachte ich morgens auf und spürte wie sich die Wehen plötzlich anders anfühlten, die Abstände waren bei 15 bis 20 Minuten. Diese Wehen waren schon recht knackig aber es tat sich nichts. Im Sitzen hatte ich einfach nichts und auch im Liegen waren die Wehen verschwunden. Schnell belas ich mich und stellte fest, Latenzphase. Alle 20 Minuten schon knackige Wehen. Und in der Nacht verschwanden sie, so wie in der Wanne. Na super. Sowas hatten eigentlich eher Erstgebärende. Es war eine inaktive Eröffnungsphase. Na, vielleicht eröffnen diese Wehen wenigstens ordentlich. Am Tag der Geburt kam meine Hebamme zur Kontrolle und meinte: heute kommt sie. Befund jedoch unverändert. Schleimpropf ging schon 5 Tage vorher Stück für Stück ab. Hebamme meinte, sie könne dableiben und auf dem Sofa pennen. Das wollte ich jedoch nicht. Es würde mich unter Druck setzen und ich wollte es ja eh ohne sie machen. Sagen wollte ich es ihr jedoch nicht. Ich kann das nicht. Ich wollte sie nicht in Bredouille bringen. Es wurde abends, ich setzte mich ins Bett und machte mir einen Krimi an. Mein Mann brachte die Kinder ins Bett. Punkt halb 7 kam eine Wehe die mich zwang aufzustehen, zu veratmen, rumzulaufen. Ich packte alle meine Sachen, die ich mir in einem Karton zurecht gelegt hatte für die Geburt, falls sie  im Bett kommen wollte oder im Garten, und verschwand im Bad. Meinem Mann gab ich die Klingeleinheit meiner Funktürklingel und legte mich in die Badewanne. Hier war es aushaltbar, ich lud mir eine Wehenapp herunter und konnte in dem Chaos von Wehen absolut keine Regelmäßigkeit entdecken. Erst ab 19.30 Uhr kamen die Wehen in Abständen von unter 10 Minuten. Etwa um 21 Uhr hielt ich es in der Wanne nicht mehr aus – wie im Lehrbuch, dachte ich mir und machte es mir vor der Wanne gemütlich. Ca 21.15 wurden die Wellen happig, sie waren nun fast 2 Minuten lang und ich konnte nun nicht mehr meine App bedienen. Ich spürte ein starkes Dehnen, ein reißendes Gefühl in der Scheide und mir entfuhr wie immer am Ende der Geburt ein lautes Tönen, ähnlich eines Urschreis. Nun würde auch mein Mann, der im Wohnzimmer wartete, Bescheid wissen. In dieser Welle spürte ich ihren Kopf herauskommen und tastete vorsichtig. Sie drehte ihren Kopf hin und her und dies ließ mich schmunzeln. Das passte zu ihr, so neugierig. Wieder überrollte mich ein tiefer, lauter Urschrei und sie flutschte komplett auf die Unterlage. Ich nahm sie auf und spürte sofort dieses tiefe, innige Vertrauen, welches uns schon früh verband. Ich setzte mich mit ihr auf meinen präparierten Sessel und klingelte nach meinem Mann. Er rief die Hebamme und konnte nun endlich, beim 5. Kind, sich ruhig neben mich setzen und mit mir gemeinsam dieses kleine, ruhige Wunder betrachten. Ich wollte sie anlegen, doch das interessierte sie nicht. Wir saßen am Fenster und sie drehte und wendete den Kopf, sah sich alles um sie herum an. Und so ist sie mit nun 6 Monaten immer noch, sehr emsig, sehr neugierig, sehr fröhlich und sehr geduldig. So besonders. Plazenta kam nach 30 Minuten mit einer starken Wehe. Auf ihr wird ein Obstbaum im Garten gepflanzt.