Heilende Alleingeburt nach traumatischer erster Geburt

Diese Mama fuhr beim ersten Kind so spät wie möglich ins Krankenhaus und erlebte trotzdem eine fremdbestimmte Geburt, die sich für sie wie eine Vergewaltigung anfühlte. Um so heilender war für sie die zweite Geburt, die sie nach ihren eigenen Wünschen und ganz selbstbestimmt erleben durfte. Von dieser Geburt erzählt sie im folgenden Bericht.

06.08.17
Am Sonntag waren wir mit Marcels Oma Pizza essen, weil sie Geburtstag hatte. Auch an diesem Tag hatte ich Wehen, die ich aber mittlerweile ignorierte, da ich vier Wochen vorher schon Wehen hatte. Vier Wochen lang dachte ich eigentlich so täglich, dass es los gehen würde. Ich konnte mich nach zwei Wochen selbst nicht mehr ernst nehmen und nahm einfach alles nur noch dankend an, weil ich durch meine Hebamme wusste, dass all das gerade eine gute Vorbereitung für die Geburt sein sollte. In der Zeit habe ich auch schnell noch ein Geburtsvorbereitungskurs bei ihr mitgemacht, was am Wochenende stattgefunden hat. Ich fand den Kurs sehr interessant und konnte noch einiges für mich mitnehmen. Wir haben die verschiedenen Gebärpositionen ausprobiert und die Hebamme hat die Geburt bildlich, anhand eines Buches und einer Puppe, Schritt für Schritt erklärt. Sie machte auch Mut zur Alleingeburt und nach dem Kurs fühlte ich mich noch viel sicherer, obwohl ich mich von Anfang an schon total sicher gefühlt habe bei dem Gedanken einer Alleingeburt.
Im Restaurant bei Teatro angekommen, war ich schon genervt, weil es so voll war und Elias auch gar nicht gut drauf war. Er ist die kurze Strecke im Auto eingeschlafen und war somit nicht ausgeschlafen. Ich hatte mich so auf Pizza gefreut, aber der Kellner teilte direkt mit, dass es bei einer Pizzabestellung heute länger dauern würde. Alle hätten Pizza bestellt und die kamen nicht hinterher. Da ich schon leicht genervt war und nur noch schnell nach Hause wollte – auch bedingt durch die schlechte Laune von Elias – wählte ich eine Auberginen-Lasagne aus der „Veganichen (Kein Scherz, so stand es in der Karte) Seite“.
In der Wartezeit ging ich mit Elias spazieren und holte ihm sogar ein Eis, in der Hoffnung, seine Laune würde sich bessern. An dem Tag war es aber warm und er weinte, weil sein Eis so schnell schmolz. Also nahm er den Rest komplett in den Mund und weil es zu kalt war, spuckte er mir alles in die Hand und ich hatte nichts dabei. Ich rannte mit ihm schnell wieder rein, um unsere Hände zu waschen. Das fand er natürlich auch doof! Gott, war ich sauer und genervt! Als wir wieder zurückgingen, war auch schon unser Essen da. Aber auch seine geliebten Pommes wollte er nicht essen. Über mein Essen war ich total enttäuscht. Das war alles andere, aber keine Auberginen-Lasagne! Die Lasagne bestand nur aus einem kleinen Turm mit Tofu Streifen, geschichtet mit Auberginenscheiben und vom Basilikum fehlte jede Spur! Von dem bisschen wäre ich doch niemals satt geworden! Also bestellte ich mir noch Brot dazu und aß auch noch die Pommes von Elias, die er eh nicht haben wollte. Ich beeilte mich, weil ich Marcel ablösen wollte, da er gerade mit Elias draußen war, um ihn zu beschäftigen.
Heute denke ich, dass er schon gespürt hat, dass sich ab morgen alles ändern würde, denn so kannte ich ihn nicht. Er suchte nämlich meine Nähe und gleichzeitig war ihm das wieder zu viel. Wir rannten die Straße hoch und runter und dabei grüßte er alle Menschen, die uns entgegenkamen. Er sprang von einer Mauer immer wieder in meine Arme und wir hatten viel Spaß. Es tat gut, mit ihm alleine zu sein und ich genoss jede Sekunde, da ich nur noch eine Woche bis zum errechneten Geburtstermin hatte. Als mir das nochmal so bewusst wurde, überkam mich das Gefühl der Traurigkeit. Ich nahm Elias ganz fest in den Arm und sagte ihm, wie sehr ich ihn lieben würden. Gleichzeitig hatte ich auch so mit Tränen zu kämpfen, weil ich echt Angst davor hatte, eins der Kinder nicht lieben zu können bzw. nicht gleich lieben zu können. Ich liebe mein Kind über alles und konnte mir einfach nicht vorstellen, wie ich diese Liebe teilen sollte.
Ich hatte aber auch nicht viel Zeit darüber nachzudenken, da kam auch schon Marcel mit seiner Oma. Es war noch früh, also beschlossen wir, noch zum Xantener Nordsee zu fahren, damit Elias nicht einschläft und die Nacht wieder zum Tag macht. Aber dort angekommen, fing er erneut an zu jammern. Wir setzten uns dennoch hin und warfen Steine ins Wasser. Da wurde seine Laune besser. Ich genoss die Ruhe und es war herrlich schön dort. Die Sonne ging gerade unter und es war auch noch so warm.

Elias gute Laune hielt auch da nicht lange an und so beschlossen wir, schnell nach Hause zu fahren. Zuhause angekommen, stillte ich Elias in den Schlaf und wollte nur noch die Ruhe genießen. Ich setzte mich auf die Couch und fühlte mich nicht so wohl.
Irgendwann war ich genervt, weil ich schon wieder so extremen Durchfall hatte und schob das auf das fettige Essen, was ich schnell geschlungen hatte und mir gar nicht geschmeckt hatte. Ich ging mehrmals zur Toilette. Mir ging es so schlecht und so dreckig einfach. Ich hätte direkt sitzen bleiben können. Jedes Mal, wenn ich aufgestanden bin, hatte ich wieder das Bedürfnis mich hinzusetzen. Als aber nichts mehr kam, setzte ich mich wieder auf die Couch und schloss die Augen, in der Hoffnung, endlich Ruhe zu haben. Ganz plötzlich hatte ich den Gedanken, dass es auch die Geburt sein könnte. Das war um ca. 23 Uhr. Ich spürte die Wehen dieses mal nämlich öfter und in kürzeren Abständen. Ich teilte das Marcel mit, der irgendwie die Ruhe selbst war. Ich begann wie verrückt, das Geburtszimmer (mein Nähzimmer) vorzubereiten. Ich räumte auf und machte meine Kerzen und die Himalaya Lampen an, die ich mir extra besorgt hatte. Während ich das alles tat, war ich mir immer noch so unsicher. Ich schrieb meiner Freundin aus Peru in Whatsapp um 23:13 Uhr: „Ich glaube, es geht los. Aber ich glaube es nur …“ Sie schickte mir eine Sprachnachricht und man hörte, dass sie total aufgeregt war. Im Nachhinein finde ich es witzig, dass sie es ernst genommen hat. Denn ich hatte ihr in den vier Wochen schon paar mal geschrieben, dass es los geht und komischerweise war sie sonst immer recht entspannt dabei geblieben. Sie muss also gespürt haben, dass es dieses Mal ernst ist. Ich hätte sie so gerne dabei gehabt. Dank der modernen Technik war sie für mich auch dabei. Ich teilte ihr alles mit, was geschah und musste nur zwischendurch das Handy weglegen, um neue Kräfte zu sammeln. Während Marcel den Geburtspool füllte, ging ich bestimmt noch 30 weitere Male zur Toilette und entleerte mich. In der Zeit gab mir meine Beißerlein (so nenne ich sie liebevoll) ganz tolle und wertvolle Tipps. Sie schrieb um 23:51 Uhr:
„Mund nicht verkrampfen
Shhhhh statt schreien
Zurück zum Tönen kommen
Vanessa: Handtücher in den Backofen
Am Kreuzbein massieren
Übergeben? Schüssel bereit.
Pool testen
Bett vorbreiten, Handtücher
Wickelunterlage
Binden
Essen“
Sie schickte mir dann eine fast siebenminütige Sprachnachricht, um mich schnell nochmal an all das zu erinnern, was wichtig ist. Dafür möchte ich dir an dieser Stelle nochmal Dankeschön sagen. Du bist einfach toll! Ich liebe dich wie meine Schwester.  Schön, dass es dich gibt. Du bist ein sehr wichtiger Teil meines Lebens geworden. ♥
Unten wieder angekommen, versuchte Marcel mich zum Lachen zu bringen und wir alberten noch ein wenig rum. Danach haben wir über die Temperatur des Wassers diskutiert. Er war der Meinung, dass es noch Stunden dauern würde und das Wasser bis dahin eiskalt wäre. Also ließ er nur heißes Wasser laufen. Um 00:27 Uhr, als alles fertig war, schickte ich Beißerlein ein Foto vom Zimmer. Marcel stoppte die Abstände zwischen den Wehen und als es nur alle vier Minuten waren, bat ich ihn darum, für die optimale Temperatur zu sorgen.
Ich wollte ein bisschen alleine sein und bat ihn drum zu gehen. Ich lehnte mich auf meinen Gymnastikball und fühlte mich schnell wie in Trance versetzt. Ich genoss diese magische und ruhige Atmosphäre. Ich kreiste immer wieder mit dem Becken und habe noch nie meinen Körper so intensiv gespürt. Es mag sich vielleicht doof anhören, aber der Schmerz war angenehm, Ich konnte mich zu 100 Prozent fallen lassen. Auf einmal musste ich ganz schnell aufstehen und hatte das Bedürfnis meine Klamotten auszuziehen. Als ich gerade geschafft hatte, die Hose auszuziehen, merkte ich, wie der Schmerz nach oben wanderte und ich lief auf Zehenspitzen. Ich weiß nicht wieso, aber der Schmerz war so besser auszuhalten. Darüber konnte ich auch nicht lange nachdenken, denn ich verspürte den dringenden Wunsch, in den Pool zu steigen. Was nicht ging, weil das Wasser noch zu heiß war. Und dann platzte auch schon die Fruchtblase um 00:56 Uhr. Und ab da wusste ich, es geht tatsächlich los und war so erleichtert.
Ich stieg dann trotzdem in den Pool und rief Marcel, er solle erst einmal kaltes Wasser laufen lassen. Ich erzählte ihm, dass die Fruchtblase geplatzt sei und er nicht ausrutschen soll. Statt meinem Wunsch nachzugehen, trocknete er erst den Boden ab! Da ich alles genießen wollte, habe ich meine Energie gespart und ihn nochmal nett darum gebeten, endlich kaltes Wasser laufen zu lassen, was er auch tat. Im Pool lief auch das restliche Fruchtwasser ab.
Ich zog dann auch noch mein Shirt aus und nutzte die Zeit, Beißer mitzuteilen, dass ich mir jetzt absolut sicher wäre und die Fruchtblase geplatzt sei. Als ich die optimale Temperatur spürte, konnte ich mich endlich hinknien und dann gingen auch schon die Presswehen los. Marcel drehte nur noch den Wasserhahn zu, nahm den Hocker, setzte sich vor den Pool und hielt meine Hände. Ich sprang plötzlich raus und wollte zur Toilette, weil ich nochmal das Gefühl hatte, mich zu entleeren. Aber Marcel meinte, ich soll mich eben im Pool entleeren, dafür sei er auch da und ich soll mir keinen Stress mehr machen. Es kam dann nichts mehr und ich konnte mich fallen lassen. Doch dann kam der Schmerz so fies, dass ich mit der zweiten Wehe dachte, ich packe das nicht und mein Trauma mit Elias kam schlagartig hoch!
Dieses Gefühl der Ohnmacht und gleich zu versagen, weil ich die Kontrolle über meinen Körper verliere. Das war auch die Phase, wo ich Marcel darum bat, doch die Hebamme anzurufen. Während ich nur ein paar Sekunden hatte zu entspannen, weil ich eine Power-Wehe nach der anderen hatte, fragte er mich nach meiner PIN fürs Handy und wie denn die Hebamme überhaupt hieße!? (Waaaah, wir hätten uns wirklich besser vorbereiten sollen! )
Die Hebamme fragte dann, ob sie denn überhaupt noch kommen soll, weil ich im Hintergrund gerufen habe, dass der Kopf gleich geboren wird. Sie versprach aber, sich auf dem Weg zu machen und ich wusste, sie würde es eh nicht mehr pünktlich schaffen. Also sprach ich laut zu mir, dass ich das schon schaffen werde bzw. wir das schaffen werden. Marcel legte auf und hielt wieder meine Hände. Er erinnerte mich immer wieder daran zu atmen und zu entspannen. Er war dieses Mal die Ruhe selbst und hat mich so toll unterstützt.
Bei Elias Geburt habe ich mir mehr Sorgen um ihn gemacht, da er so nervös und aufgeregt war. Aber dieses Mal tat er so, als hätte er noch nie was anderes gemacht. Ich erinnere mich genau, dass ich ihm ganz tief in die Augen geschaut habe und meinte: „Wir schaffen das, oder?“ Und er:“ Natürlich schaffen wir das! Und jetzt mach dein Mund wieder locker und entspanne dich.“ Und jedes Mal, wenn ich pressen musste, habe ich ganz laut „Shhhhh Shhhh“ gemacht und Marcel hat mitgemacht und mir gesagt, wie toll ich das mache. Ich erinnerte mich auch immer wieder an die Worte von Sarah Schmid, dass Angst ein schlechter Ratgeber ist und auch das habe ich zwischendurch immer wieder gesagt: “Ich habe zwar Angst, aber das ist normal und wir schaffen das“. Und während ich „Shhhh Shhh“ machte und laut mit mir bzw. uns gesprochen habe, habe ich Marcel genauestens über den Verlauf informiert.
Es war einfach herrlich. Ich konnte mich auch an die bildliche Darstellung meiner Hebamme aus dem Geburtsvorbereitungskurs erinnern und das hat mir nochmal ganz viel Sicherheit gegeben. Ich war so erleichtert, als ich das Köpfchen gefühlt habe. Mein erster Gedanke war: “Oh mein Gott, wie klein das Köpfchen ist!“ Ich hatte einen unheimlich Druck nach unten und merkte, dass mein Körper versuchte, das Köpfchen mit einer Wehe zu gebären. Aber beim Fühlen wusste ich: Das wäre zu viel und habe die Wehe gestoppt. Ich habe mir noch ein paar weitere Wehen gegeben, um das Köpfchen endgültig kommen zu lassen. Ich wollte auf gar keinen Fall genäht werden! Immer wieder spürte ich genau, wie das Köpfchen sich Stück für Stück nach vorne arbeitete und wieder nach hinten verschwand. Ich fühlte mich nach der vierten Wehe so stark, weil ich die Schmerzen kontrollieren konnte und genau wusste, was als nächstes passieren würde. Als das Köpfchen dann mit der sechsten Wehe geboren war, fühlte ich diese Erleichterung und der Druck war weg. Ich strahlte über das ganze Gesicht und sagte zu Marcel: “Jetzt ist alles geschafft! Mit der nächsten Wehe drehen sich die Schultern und dann ist es geboren. Wir haben es geschafft!“
Dann kam die nächste Wehe. Ich fühlte unten wieder und spürte genau, wie sich die Schultern leicht zur Seite drehten. Dann kam auch schon die nächste Wehe und das Baby war geboren! Ich habe es dann in meine Arme schwimmen lassen, habe es langsam aus dem Wasser gehoben und direkt auf meine Brust gelegt. Marcel schaute auf die Uhr und teilte mir mit, dass wir jetzt genau 1:22 Uhr hatten. Marcel zog mein BH aus und ich kuschelte nackt im Pool mit meinem Baby, was ich gerade selbst geboren hatte. Ich schwebe immer noch auf Wolke 7 und dieses irreale Gefühl, dass ich es tatsächlich geschafft hatte, habe ich bis heute. Das Baby war da und alles andere war mir egal. Ich stillte mein Baby noch im Pool und stieg dann aus, um es mir auf der Couch gemütlich zu machen. 20 Minuten später kam die Hebamme rein und lachte nur noch. Ihre Worte waren: “Ich wusste bei dir genau: Du schaffst das auch ohne mich.“ Sie freute sich für mich, weil sie wusste, wie wichtig und heilend das alles für mich gerade war.
Ich erzählte ihr alles und dann habe ich mir bewusst ein paar Minuten Zeit genommen, um mich von der Plazenta zu verabschieden, die noch nicht geboren war. Ich merkte, dass ich noch nicht los lassen wollte. Mich überkam ein Gefühl der Traurigkeit, weil ich all das zum letzten Mal erlebte und mir alles zu schnell ging. Ich weiß nicht, was in ein paar Jahren ist, aber eigentlich ist für uns beide das Thema abgeschlossen. Als die Plazenta da war, schaute die Hebamme nach, ob sie vollständig war (war sie) und ob ich gerissen bin. Sie war ebenfalls überrascht, dass ich gar nicht gerissen bin. Ich hatte zwar die Wehen gestoppt und hab mir ein paar mehr Wehen gegeben bzw. meinem Baby, aber ich war fest davon ausgegangen, dass ich gerissen bin. Erst dann haben wir nach dem Geschlecht geschaut bzw. als ich das Handtuch abnahm, damit die Hebamme schauen konnte, sah ich schon den Penis und sagte freudestrahlend: “Es ist wieder ein Junge.“ Und ich hatte bis zum Schluss mit einem Mädchen gerechnet. Diesmal lag ich wirklich ganz falsch mit meinem Gefühl und musste mehrmals gucken.
Während der kompletten Schwangerschaft war ich nicht einmal beim Arzt und spürte keinen Druck und somit hatten wir auch keinen Druck bei der Namensauswahl. Wir waren uns einig, erst dann zu entscheiden, wenn das Baby da ist. Und das würde ich immer wieder so machen, denn ich war einfach nur schwanger und genoss das Schwangersein in vollen Zügen.
Ich ließ Marcel über den Namen ganz alleine entscheiden. Ich war einfach nur so glücklich und verliebt über all das, dass mir das plötzlich gar nicht mehr so wichtig war. Er entschied sich für den Namen Jonathan. Gut, bei Peter oder Horst hätte ich vermutlich schon was gesagt, aber mit Jonathan konnte ich mich total gut anfreunden.
Da lag nun mein Baby auf mir und ich war Zuhause. Dieses Gefühl kann ich einfach nicht beschreiben, aber ich verspüre einfach tiefe Dankbarkeit, dass ich das so erleben durfte und habe meinen inneren Frieden gefunden. Ich habe mit der traumatischen Krankenhausgeburt von Elias komplett abschließen können. Die Geburt von Jonathan hat meine Seele vollständig geheilt und ich fühle mich jetzt erst vollkommen. Er macht uns und unser Leben perfekt.  Ich habe nach fast 28 Stunden die Nabelschnur durchgeschnitten. Geplant war eigentlich eine Lotusgeburt, aber mit einem eifersüchtigen großen Bruder war mir das irgendwann zu umständlich. Damit kann ich gut leben und nun ist mein Mini-Baby schon neun Wochen alt.

Eine Hausgeburt – Plädoyer für gute Hebammen

Nicht jede Frau fühlt sich bei der Geburt völlig allein am wohlsten. Gerade beim ersten Kind oder nach einer traumatischen Geburt kann die ruhige Zuversicht und Erfahrung einer anwesenden Person einen gewaltigen Unterschied machen. Wo Hebammen primär in der Klinik ausgebildet werden und die dortige Angst und Interventionsfreude leicht übernehmen, sind Hebammen, die abwarten und vertrauen können rar. In Deutschland, wo die Hausgeburtshebammen langsam aber sicher mit den steigenden Haftpflichtprämien abgeschafft werden, noch mehr. Aber es gibt sie, die guten Hebammen, die eigentlich gar nichts groß tun als da zu sein und dann tätig zu werden, wenn sie gebraucht werden. Schöne Geburten und zufriedene Mütter sind die Folge.  Diese Mama bekam ihr viertes Kind zu Hause, ihre dritte Hausgeburt mit einer Hebamme, die auch kein Problem damit hatte, sich in einem anderen Raum aufzuhalten, wenn die Mama allein sein wollte.

Bei meiner Hausgeburt wurde ich von einer sehr einfühlsamen Hebamme betreut. Ich habe im Vorfeld mit zwei Hebammen Kontakt gehabt, sie haben die Vorsorgeuntersuchungen gemacht, meistens im Wechsel und immer bei mir Zuhause. Es gehört zum Prinzip dieses Geburtshauses, dass sich zwei Hebammen in die Betreuung teilen, dass man beide gut kennen lernt und dass diejenige Hebamme dann zur Geburt kommt, die gerade für eine Woche das Bereitschaftshandy hat. Die andere Hebamme hat dann Pause und kann auch mal ins Kino, ins Konzert, die Sauna oder wohin auch immer gehen, mit der Gewissheit, dass sie arbeitsmäßig nicht gestört wird. Die Hebamme Lara kannte ich vom Erzählen bereits recht lang, mehrere Freundinnen von mir haben mit ihr entbunden und waren sehr zufrieden. Also traf auch ich mich zuerst mit Lara, die mir erklärte, dass die Hebammen in ihrem Geburtshaus eben immer in Zweierteams arbeiten. Wir unterhielten uns und sie antwortete geduldig auf alles, was ich so wissen wollte. Auch Maria lernte ich in der nächsten Zeit gut kennen und gemeinsam bereiteten wir drei uns auf das Abenteuer Geburt vor. Auch unsere drei großen Mädels (alle schon Schulkinder) und mein Mann wurden einbezogen – schließlich sollte es ja eine Hausgeburt werden und ich wollte meine Lieben gern um mich haben. Obwohl es eine vierte Geburt war und ich schon zweimal mal außerklinisch entbunden habe, war alles spannend und aufregend – durch den größeren Abstand irgendwie auch wie beim ersten Mal. Wir freuten uns sehr auf den neuen kleinen Erdenbürger, der Zuhause den Weg zu uns finden sollte. Der vom Geburtshaus geliehene und aufgeblasene Geburtspool stand zwei Wochen vor dem Entbindungstermin im Wohnzimmer bereit. Es konnte also losgehen! Genau eine Woche vor dem Termin hatte ich nachts einen Blasensprung. Da ich noch keine Wehen hatte, weckte ich erstmal niemand und versuchte weiterzuschlafen. Gar nicht so leicht, die Aufregung wird ja nicht kleiner nach einem Blasensprung. Morgens sagte ich dann meinem Mann und den Kindern Bescheid und vormittags meldete ich mich dann auch bei Maria, die gerade „dran“ war. Sie kam vorbei und freute sich mit uns auf das bevorstehende Ereignis. Da ich aber noch immer keine Wehen hatte, ließ sie uns wieder in Ruhe und schaute nachmittags und abends noch mal vorbei. Um neun Uhr sangen wir alle zusammen einen Kanon, redeten dem Baby noch mal gut zu und gegen 10 brachte mein Mann die Kinder ins Bett. Endlich merkte ich, dass es nun richtig loszugehen schien. (Ob ich unterbewusst doch die Kinder lieber raushalten wollte?!) Dass es nun losging, freute meine Hebamme auch sehr, denn irgendwann sollte sich das Baby ja mal auf den Weg machen, wenn die Fruchtblase geplatzt ist. Ungeduldig wie ich bin, wollte ich dann auch recht bald von Maria wissen, ob und wenn ja wie weit der Muttermund schon aufgegangen ist. (Die Hebammen erklärten mir im Vorfeld, dass sie nicht so gern vaginal untersuchen, denn das diene eigentlich nur der Befriedigung der Neugier der Hebamme und man braucht es nicht wirklich …) Hebammenneugier hin oder her – ICH wollte wissen, wie weit ich schon gekommen bin und so fühlte Maria nach meinem Muttermund. Zwei Zentimeter, das konnte also noch dauern … Es war inzwischen schon kurz vor 11 und wir beschlossen zu zweit noch ein bisschen spazieren zu gehen. Das stellte sich aber als ganz schön anstrengend heraus und so waren wir halb 12 wieder Zuhause, wo ich nun laut tönend die Wehen veratmete und bald in meinen Pool wollte. Das tat gut und entspannte mich! In dem Moment, als mein Mann dachte, jetzt wäre er eigentlich auch ganz gern allein mit mir, sagte Maria, dass sie sich mal zurückzieht, wir kämen gut ohne sie zurecht, sie geht eine Etage nach oben ins Gästezimmer und wenn wir sie brauchen, ist sie natürlich da. Ich hatte im Vorfeld mit beiden Hebammen besprochen, dass ich gern für mich wäre, solange ich mich gut dabei fühle. Die nächste Stunde verbrachte ich im Pool und auf dem Klo, bzw. auf allen vieren auf dem Weg zum Klo. Es zog mich dauernd zum Klo, weiß auch nicht warum. Meinem Naturell entsprechend, jammerte ich zwischendurch immer mal. „Das geht nicht. Ich kann nicht mehr. Wie soll denn bitteschön ein Baby aus mir rauskommen?! Das ist doch absurd und GEHT JA GAR NICHT!“
Mein geduldiger Mann redete mir gut zu und behauptete, dass ich das schaffen werde. Etwa gegen ein Uhr nachts (ich war im Wohnzimmer vor meinem Pool) verspürte ich den Drang zu pressen. Da schaltete sich schlagartig mein Kopf ein und sagte: „Das kann nicht sein, so schnell kann das nicht gehen, hier stimmt was nicht!“
Ich bekam richtig Angst und mein Mann wollte Maria holen. Das steigerte meine Angst nur, ich krallte mich an ihn und rief, dass er bei mir bleiben soll, ich habe schließlich Angst! Es kam die nächste Presswehe und noch als ich sie „wegdrücken“ wollte (der Kopf behauptete schließlich, dass das noch nicht sein kann), stand Maria vor mir. Sie redete beruhigend auf mich ein und ich erklärte ihr, dass ich pressen müsste und so doll Angst habe, denn das KANN ja noch gar nicht soweit sein. Sie soll doch bitte noch mal nach meinem Muttermund tasten. Das tat sie und sagte lächelnd: „Dein Baby ist so gut wie da!“
Ich konnte es nicht fassen! Weil das Kind (wie die Schwestern) im Wasser geboren werden sollte, „hüpfte“ ich schnell in meinen Pool und freute mich.  Das Baby ist so gut wie da! Ich fühlte selbst in mir nach dem Kopf des Babys und spürte etwas Runzeliges. Das Ohr! Ich war wie elektrisiert! Bei der nächsten Wehe kam dann das Köpfchen und eine Wehe später war das Baby geboren!!! Ich konnte es kaum fassen – so schnell …
Die Hebamme schaute direkt nach der Geburt ins Kinderzimmer. Die Kinder haben die Aufregung gespürt (eins musste sogar dringend aufs Klo) und waren alle wach. Sie kamen natürlich sofort und gemeinsam schauten wir, wer da bei uns gelandet ist. Ein Mädchen!!! Wie schön. Ich blieb noch ein bisschen im Pool, kam dann irgendwann raus und auf dem Sofa wurde die Plazenta geboren. So ein bisschen Geburt haben die Kinder dann also doch noch mitbekommen.  Als die Nabelschnur nicht mehr pulsierte, hat eine der Schwestern sie durchtrennt. Wir feierten dann gemeinsam noch ein bisschen mit Sekt und Limo, schließlich war ja Geburtstag! Maria erledigte ihren Schreibkram. Füllte brav alles aus …
Geboren um 1. 13 Uhr. 3340g, 51 cm lang. Gesundes Mädchen …
Es war irgendwie alles toll auf einmal.
Noch immer bin ich dankbar und froh! Es ist ein Glück, dass es so einfühlsame, kompetente Hebammen gibt! Danke, liebe Maria!!!

Einfach Kinderkriegen?

Wie wir unser genetisches Potential verspielen         von Sean Croxton  (aus dem Englischen von Sarah Schmid)

„Es wird nicht mehr so gemacht wie früher. Man hat den bewährten Bauplan verlassen. Wiederkehrende Produktionsfehler sind die Folge. Qualitätskontrollen finden kaum noch statt. Defekte Teile sind allgegenwärtig. Wie zu erwarten weist die Führungsetage sämtliche Verantwortung von sich und sieht die Schuld bei anderen. Weil es keine systematische Evaluierung aktueller Produktionsvorgänge gibt, erscheint die Krise unausweichlich.“

Die oben beschriebene Situation in einer Fabrik würde sicherlich einen öffentlichen Aufschrei provozieren. Arbeiter würden in Scharen die Arbeit niederlegen und streiken. Nur spreche ich hier nicht von der Aufsicht bei der Produktion von Waren, sondern davon, wie wir Babys machen.

Babys werden nicht mehr so gemacht wie früher.

Es ist noch nicht lange her, als Forscher und Missionare ihre Begegnungen mit den „übermenschlichen Kriegern“ niederschrieben, die durch ihren überragenden Mut und Intellekt beeindruckten und erstaunliche athletische Fähigkeiten und Widerstandskraft gegen Krankheit bewiesen. Diese Eingeborenen genossen ein langes Leben frei von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und den unzähligen Leiden des modernen Menschen. Sie verkörperten körperliche und geistige Perfektion mit ihren symmetrischen Gesichtern, weiten Nasenwegen für eine unbehinderte Atmung, breiten Kiefern, in denen alle ihre kariesfreien Zähne Platz hatten (die Weisheitszähne inbegriffen) und Augen die keine Brillen brauchten. Ihr Auftreten wurde als angenehm und umgänglich beschrieben. Ihre Dörfer brauchten keine Gefängnisse, psychiatrische Anstalten oder Krankenhäuser.

Die Älteren wurden in Würde alt und behielten ihre Leistungsfähigkeit und den klaren Verstand. Sie waren die Hüter des Wissens, das ihrer Sippe ermöglichte, sich körperlicher und geistiger Gesundheit zu erfreuen und kräftige Nachkommen zu zeugen, die die Traditionen fortsetzen würden. Ein Großteil dieses Wissens drehte sich um Ernährungsfragen. Dafür brauchten sie keine Bücher über Ernährung. Sie verließen sich auf die unzähligen Generationen vor ihnen, die die Zusammenhänge zwischen Nahrung und  menschlicher Entwicklung akribisch beobachtet hatten.

Das Kinderkriegen wurde nicht auf die leichte Schulter genommen. In vielen Kulturen war eine spezielle Ernährung vor Empfängnis und Schwangerschaft vorgeschrieben. Fischrogen (mit seinen Omega-3-Fettsäuren DHA und EPA für die Entwicklung des Gehirns), Innereien (reich an fettlöslichen Vitaminen) und sorgfältig zubereitetes Getreide (für eine hohe Mineralstoffverfügbarkeit) waren gängige Lebensmittel, die den jungen Frauen halfen, kräftige Nachkommen zur Welt zu bringen. Männer wurden von dieser Regel nicht ausgenommen. Auch sie wurden vor der Hochzeit und Empfängnis einer speziellen Ernährung unterzogen. Um das Jüngere-Geschwister-Syndrom (1)  zu vermeiden (worauf ich später noch eingehe), wurden die Geburten in einem Abstand von 3-4 Jahren geplant. So konnte die Mutter ihre Nährstoffvorräte auffüllen, die während der vorangegangenen Schwangerschaft geleert worden waren. Diese „primitiven“ Eingeborenen betrieben die Fortpflanzung als Wissenschaft.

Auch wenn indigene Völker vermutlich nichts über Chromosomen und DNA wussten, wussten sie um den offensichtlichen Zusammenhang zwischen Ernährung und Genexpression. Laut Dr. Catherine Shanahan, der Autorin des Buches „Deep Nutrition: Why Your Genes Need Traditional Food“(2) waren die sorgfältig ausgearbeiteten Ernährungspläne dazu da, den genetischen Reichtum zu erhalten – das genetische Erbe weiterzugeben, das jede Generation von hunderten, wenn nicht tausenden Generationen vor ihr erhalten hatte.

Den genetischen Reichtum von Jahrtausenden zu bewahren war eine Verantwortung von höchster Priorität. Verpasste man es, den reproduktiven Bauplan einzuhalten, konnte das genetische Potential nicht ausgeschöpft werden, was schwache, kränkliche Nachkommen zur Folge hatte, die den ganzen Stamm schwächten. Diese Menschen waren sich der Tatsache sehr bewusst, dass die Ernährungssünden einer einzigen Generation nicht nur ihre Kinder beeinflussen konnten, sondern auch ihre Enkel und Urenkel. Gene haben ein langes Gedächtnis … und eine kurze Sicherung.

In den 1930ern dokumentierte der Ernährungspionier Weston A. Price fotografisch den körperlichen und moralischen Verfall isolierter indigener Völker, der auftrat, sobald sie mit den „Nahrungsmitteln des Kommerz“ wie er sie nannte, in Berührung kamen: weißer Zucker, Mehl, Kochsalz und pasteurisierte Milch. Das traditionell überlieferte Wissen bestätigte sich augenscheinlich: Die Kinder derer, die diese nährstoffarmen Lebensmittel nutzten, zeigten eine veränderte Genexpression. Dazu gehörten schmale Kiefer, Zahnengstände, schlechte Sehkraft, verengte Atemwege, eine weniger ausgeglichenes Gemüt und das plötzliche Auftreten von bisher nicht vorhandenen Zivilisationskrankheiten. In anderen Worten: In einer einzigen Generation verwandelten sich diese großartigen Menschen in … nun, unsereins.

Veränderungen des Gesichts, die im Vergleich zu traditioneller Kost (oben) mit moderner Ernährung auftreten (unten): schmalere Gesichter und enge Kiefer, enger stehende Augen, schmale Nasenwege, allgemein eine Unterentwicklung des mittleren und/oder unteren Gesichtsdrittels. Quelle: „Healing our Children“ von Ramiel Nagel. Photos stammen von Weston Price

1.) auf englisch „Second-Sibling-Syndrome“

2.) Das Buch wird laut Angaben der Autorin vermutlich 2018 auf deutsch erscheinen.

Ein Blick in den Spiegel

Wo kommen die kleinen Babys her?

Bereits als Kind, als mich diverse Bücher glauben ließen, ich wäre an einem Storchschnabel hängend in die Welt gekommen, war ich fasziniert von dieser entscheidenden Frage. Die Vorstellung, wie ich in einer kleinen Decke durch die Luft direkt in die ausgestreckten Arme meiner überglücklichen Eltern flog, hinterließ einen bleibenden Eindruck in meinem jungen Gedächtnis. Mit Liebe gemacht – Vom Storch gebracht.

Irgendwann übernahmen die Bienchen und die Blümchen die Rolle des Storchs. Es wundert mich immer noch, warum Sex und Fortpflanzung immer mit geflügelten Kreaturen verknüpft wird. Aber schließlich war die Zeit der Metaphern vorbei und das Wunder des Lebens nahm reale Züge an. Nichts mehr mit Herumfliegen, dafür jede Menge Schwimmen. Eine glückliche Samenzelle verschmolz mit einer Eizelle – eine Einheit, die neues Leben bedeutete.

Der Weg von der Befruchtung bis zur Geburt war eine komplizierte Geschichte. Zellen teilten und differenzierten sich, Mitose, Meiose … das Zeug, das ich in der 8. Klasse in Bio gelernt habe und immer noch nicht ganz verstehe. Kein Wunder, dass man sich die Sache mit dem Storch ausgedacht hat. Fortpflanzung ist echte Naturwissenschaft.

Nur wenige Generationen zurück war es eine Kulturwissenschaft. Das Wissen darüber wurde wie ein Staffelstab von einer Generation an die nächste weitergegeben. Dieses Wissen beruhte nicht auf Forschung, sondern auf praktisch erlerntem Wissen und Erfahrung. Die Nahrungsmittel für die optimale Kinderaufzucht waren bekannt. Zukünftige Mütter und Väter bereiteten sich durch eine nährstoffdichte Ernährung auf eine Empfängnis vor – und begannen damit nicht erst danach. Die Babys wurden zwei Jahre gestillt – oder länger. Und um sicherzugehen, dass der Körper der Mutter stark genug für die nächste Schwangerschaft war, wartete man 3-4 Jahre bis zum nächsten Kind.

Kinderkriegen begann nicht im Mutterleib. Es begann im Boden. Aus der reichen Erde wuchsen nährstoffreiche Pflanzen. Die wurden von den Tieren gefressen. Die Menschen konsumierten beides: Pflanzen und Tiere. Die Verdichtung dieser für das Leben essentiellen Nährstoffe ermöglichte viele Generationen gesunder Babys – Babys, die eines Tages Männer und Frauen wurden, die große Stärke besaßen und immun gegen Zivilisationskrankheiten waren. Es war ihre Aufgabe, den Staffelstab weiterzugeben.

Der Staffelstab ist gefallen. Die Böden sind ausgelaugt. Die Pflanzen mit Chemikalien belastet. Die Tiere krank. Die Menschen kränker. In nur drei Generationen wurden Jahrtausende von genetischem Potential verspielt. Die ursprüngliche Dynamik ist verloren gegangen und nähert sich langsam und scheinbar unaufhaltsam dem Stillstand.

Zu sagen, dass wir in die Irre gegangen sind, ist noch eine Untertreibung. Die Ankunft industriell verarbeiteter Nahrungsmittel und giftiger Chemikalien hat eine neue Art von Menschen hervorgebracht. Eine, die auf Traditionen und gesunden Menschenverstand nicht viel gibt. Der Glaube, dass nicht gesunde Eltern gesunde Kinder bekommen können, ist längst Teil der kollektiven Überzeugung geworden. Traditionelle Wege gelten als rückständig und primitiv, seit eine bequemere Lebensweise mit Hilfe der Wissenschaften Einzug gehalten hat.

Heute haben Vitamintabletten die speziellen Nahrungsmittel ersetzt, die traditionell in Vorbereitung auf eine Schwangerschaft eingesetzt wurden. Als ob eine Tablette die vielzähligen Enzyme, Mineralstoffe, essentiellen Fettsäuren und Cofaktoren ersetzen könnte, die notwendig sind, um Nachkommen von gleicher Exzellenz zu schaffen, wie es vergangenen Generationen möglich war. Im Namen einer guten Vererbung Fischrogen, Innereien und fermentierte Lebensmittel zu verwenden – dieser Gedanke überzeugt nicht mehr. Stattdessen bauen wir unsere Körper (und die unserer Nachkommen) mit süßen Getreidepops, hormonbelasteten Tieren, ranzigen Pflanzenfetten, 90 kg Zucker im Jahr(1) und einer Diät-Cola obendrauf.

Bin ich der einzige, dem bewusst ist, dass kranke Kinder zu kranken Erwachsenen werden und dass kranke Erwachsene kranke Kinder bekommen? Das fällt nicht schwer, sich zusammenzureimen.

Moderne Krankheiten und Syndrome sind in der Tat modern. Die eingeborenen Völker, die Weston A. Price in den 1930ern und 40ern besuchte und studierte, hatten keine Ahnung von ADHS oder Autismus. Obwohl es weder Zahnseide noch Zahnbürsten gab, waren ihre Kinder (und auch die Alten) frei von Karies und brauchten keine Zahnspangen. Die meisten Kulturen hatten gar kein Wort für Krebs und trotz Rohmilch, fettem Fleisch, Eigelb und Butter waren sie frei von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Machen wir den Sprung ins Heute: einen seltsamen Ort, wo fettarm in ist und Stillen out. Irgendwie haben wir uns eingebildet, dass eine Dose mit pasteurisiertem Pulver den gleichen Nährwert und die gleichen immunologischen Vorteile bietet wie Muttermilch. Wir haben Angst vor einem geschwächten Immunsystem und legen es gleichzeitig darauf an, dass unsere Kinder ein geschwächtes Immunsystem bekommen.

Stillen ist umständlich? Milchpulver mit fluoridiertem Wasser(2) in einer BPA-haltigen Flasche anzurühren ist es nicht. Wow …

Eltern legen keinen Wert mehr auf einen Abstand zwischen den Kindern, sondern kriegen eins nach dem anderen. Der mangelernährte Körper der Mutter mag es durch die erste Schwangerschaft geschafft haben, aber die zweite und dritte fordert ihren Tribut. Dass sich ihre Gesundheit nach dem zweiten Baby verschlechterte, war in Wirklichkeit kein Mysterium, nur Ignoranz grundlegender Prinzipien der Fortpflanzung. Und obwohl sie nur ein Jahr auseinander sind, ist die Tatsache, dass das erste Kind sich besserer Gesundheit erfreuen wird als das nächste nichts anderes als die Manifestation des Jüngere-Geschwister-Syndroms. Das erste Kind hat Mamas Nährstoffvorräte geplündert und nur noch die Krümel für die Geschwister übrig gelassen. Wenn Mama und Papa es nur nicht so eilig hätten … Aber so ist Mamas ausgelaugter Körper nicht in der Lage, noch einmal genauso gesunden Nachwuchs zu erzeugen.

„Das Jüngere-Geschwister-Syndrom“ lässt sich am anschaulichsten in der weniger optimalen Entwicklung des Gesichtsschädels beim jüngeren Geschwisterkind beobachten. Hier zwei Maori-Schwestern, deren Eltern die westliche Ernährung übernommen haben: Die ältere Schwester links hat ein breites Gesicht mit den typischen Maori-Zügen. Die jüngere Schwester rechts zeigt eine Unterentwicklung des mittleren Gesichts, das wie eingedrückt wirkt. Außerdem ist das Gesicht insgesamt schmaler. Quelle: „Healing our Children“ von Ramiel Nagel. Fotos stammen von Weston Price
Weitere Beispiele für das „Jüngere-Geschwister-Syndrom“: Links das jeweils ältere Geschwisterkind, rechts das jüngere. Quelle: „Healing our Children“ von Ramiel Nagel. Photos von Weston Price.

 

Da kommen also die kleinen Babys her.

Und wie wir es lieben, mit dem Finger zu zeigen! Unsere aktuelle Gebrechlichkeit ist nicht unsere Schuld! Die Pharmaindustrie hat uns krank gemacht. Sie verfolgt uns mit Medikamenten, die wir nicht brauchen würden, wäre da nicht unsere eigene Dummheit. Sie bietet Linderung für Symptome, bei denen die meisten von uns zu faul sind, sich selbst darum zu kümmern – mit Hilfe der Ernährung, Lebensstilveränderungen, genug Ruhezeiten und Stressreduzierung. Die grundlegenden Dinge können ganz schön anspruchsvoll sein.

Nein, die Impfungen sind schuld. Egal, dass wir die Kinder lieber per Kaiserschnitt zur Welt bringen, statt sie im Geburtskanal mit Millionen das Immunsystem stimulierenden Bakterien in Kontakt zu bringen. Das Immunsystem ist eigentlich dazu da, uns gegen die Krankheiten zu schützen, gegen die geimpft wird. Wenn wir unsere Kinder mit einem beeinträchtigten Immunsystem an den Start schicken, sind wir dann nicht teilweise selber schuld?

Wir als einzelne aber auch als Gesellschaft müssen weniger Zeit damit verbringen, den Schuldigen ausfindig zu machen und mehr Zeit darauf verwenden, in den Spiegel zu schauen. Kranke Menschen bekommen keine gesunden Kinder. Das ist kein Konzept, das schwer zu verstehen ist. Die Entscheidungen, die wir heute treffen, haben einen genetischen Einfluss nicht nur auf unsere Kinder, sondern auch auf unsere Urenkel. Man kann sich die drohende Gesundheitskatastrophe ausmalen, die nur drei Generation weiter auf unserem kollektiven Familienbaum lauert.

Wir sollen das Leben achten, sagt man uns. Gleichzeitig führt unsere Selbstzentriertheit zu einer Missachtung der niedrigeren Lebensformen, die unser Leben überhaupt möglich machen und eine Nichtbeachtung des Lebens, das aus uns hervorgeht. Leider finden wir die existierenden Lösungen zu primitiv für so anspruchsvolle Wesen wie uns. Ein Bewusstwerden unserer Herkunft und unserer Vorfahren war noch nie so dringlich wie heute.

Wacht auf, Leute! Der Storch kommt nicht.

Sean Croxton

1.) Die Zahlen stammen aus den USA. Der Zuckerverbrauch in Deutschland liegt bei „nur“ 35 kg pro Kopf im Jahr.

2.) In den USA ist die Anreicherung des Trinkwassers mit Flouriden üblich. In Deutschland ist das zum Glück nicht der Fall.

Der Artikel wurde erstmalig veröffentlicht im Januar 2013 und erschien auf englisch unter der Überschrift „Mindless procreation“ auf www.undergroundwellness.com in zwei Teilen: Teil 1 und Teil 2

Abschließend meine persönliche Gedanken zum Artikel: Bis zum vierten Kind kannte ich das Konzept nicht, den Abstand zwischen den Geschwistern bewusst etwas größer zu wählen. Und auch nicht, mich mit speziellen Lebensmitteln vorzubereiten. Folglich kamen die ersten vier Kinder mit Abständen von unter zwei Jahren und das „Jüngere-Geschwister-Syndrom“ ist auch an ihnen nicht spurlos vorbeigegangen. Es war eine schöne, anstrengende Zeit, die mich körperlich an meine Grenzen brachte und auch ihren gesundheitlichen Tribut forderte. Ich will meine Kinder nicht missen, keins von ihnen. Aber ich habe einiges gelernt dabei. Auch wie wertvoll es sein kann, einen Abstand von drei statt nur zwei Jahren zu haben, den wir dann zwischen dem vierten und fünften Kind einhielten. Und für diesen Abstand möchte ich gern ein Bewusstsein erwecken. Denn so eine kleine Pause tut allen Beteiligten gut: der Mutter, der Paarbeziehung, dem größeren Geschwisterkind und dem jüngeren, das noch kommen soll. Wird dann die Zeit, in der wir Kinder haben, nicht unnötig lang? Sie würde sicherlich etwas länger. Aber vielleicht würde diese Zeit dann auch viel schöner und entspannter, so dass wir unsere fruchtbaren Jahre mit Kindern und unserem restlichen Leben zusammen noch mehr genießen können und das Ende gar nicht unbedingt herbeisehnen.

Eure Sarah Schmid

P.S.: Der übersetzte Artikel kann in seiner Kürze nur einen groben Überblick über das geben, was ich in den letzten 6 Jahren recherchiert und gelernt habe. Wer mehr lesen will, kann das hier tun:

„Das Vermächtnis unserer Nahrung“ von Sally Fallon

„Karies heilen: Natürlich starke Zähne mit der richtigen Ernährung“ von Ramiel Nagel

„Deep nutrition: Why your genes need traditional food“ von Dr. Catherine Shanahan

„Nutrition and physical degeneration“ von Weston Price (kostenlose Online-Version)

„The nourishing traditions book of baby and child care“ von Sally Fallon

Alleingeburt im Krankenhaus – Geht das? (2)

Ihr erinnert Euch vielleicht an den Bericht einer Alleingeburt im Krankenhaus, den ich vor nicht langer Zeit hier gepostet habe. Leider machen die Krankenhäuser selten so großzügige Zugeständnisse. Im Folgenden berichtet eine Mama, die ihre Alleingeburt im Krankenhaus hart erkämpfen musste und deshalb immer noch das Jugendamt an der Backe hat. Es zeigt, wie viel sich noch tun muss, damit das Recht auf Ablehnung medizinischer Interventionen auch unter der Geburt respektiert wird. 

Am 16.07.2017 ist meine Fruchtblase um 19.00 Uhr geplatzt. Ich war sehr aufgeregt, da ich wusste, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis ich meine Kleine in den Armen halten kann. Ich wusste nicht, ob es sich um ein Blasenriss oder ein Blasensprung handelt. Abwarten war noch angesagt. Am liebsten wollte ich Zuhause bleiben. Aber da ich mit mein Mann einen Kompromiss eingegangen bin und dachte, ich könnte eventuell eine selbstbestimmte Geburt auch im Krankenhaus erleben, da ich in der Hebammensprechstunde erwähnte, dass ich weder ein CTG noch irgendwelche Muttermundkontrollen haben möchte – von wegen. Aber nun weiter. Nach ca. einer halben Stunde hatte ich periodenartige, leichte Wellen mit starkem Ziehen im Unterleib. Die Wellen kamen nach ca. eine Stunde lang im 10-Minuten-Abstand und es floss noch mehr Fruchtwasser. Also wusste ich, dass es tatsächlich ein Blasensprung war. Ca. 2,5 Stunden fuhren wir ins Krankenhaus. Da kamen dann die Wellen alle 5 Minuten. Als wir im Krankenhaus ankamen, legte sie mich ans CTG und unterzogen mich einmalig einer Muttermundkontrolle. Befund: Gebärmutterhals komplett verstrichen und Muttermund bei 1 cm. Ich hatte mich gefreut. Wir gingen an die frische Luft und gegen 22.30 Uhr kamen die Wellen alle 2 Minuten und nach einer halben Stunde jede Minute. Ich lehnte mich entweder an oder ging in die Knie, um es zu veratmen. Sie wurden immer stärker. Gegen 23.30 Uhr ging ich in die Badewanne. Die Wellenabstände wurden länger. Nach einer Weile überkam mich eine starke Welle und es ging voran. Irgendwann spürte ich ein Druck. Es wurde immer unerträglicher. Ich schwitzte und tönte sehr laut und schrie immer „Ya Allah, Ya Karim, Ya Waduud, Ya Rahmen saidny“, ich sagte: „Ya ALLAH, ich weiß, dass ich sündig bin“. Ich sagte meinem Mann immer wieder: “ Ya Muhammad, wenn Du nur wüsstest, was ich gerade durchmache, wenn Du nur wüsstest, ich sterbe. Er fragte: „Du hast Schmerzen, ne?“ Er schaute mich bemitleidenswert an und sah in meinen Augen die Hilflosigkeit. Das zerbrach sein Herz, mir nicht helfen zu können und meinem Leid. Ich fühlte, wie sich der Kopf immer mehr den Weg nach unten ebnet. Ich tastete und fühlte den Kopf. Ich wurde für ein Moment schwach, wo ich Schmerzmittel nehmen wollte, war nur ein Gedanke und dachte mir, ich will nie wieder Kinder haben! Mein Mann rief die Hebamme. Ich sagte, dass ich das nicht will. Sie kam und wollte mir während den Presswellen ein CTG anlegen und nach mein Muttermund tasten! Ich lehnte ab, ich wollte gar nichts, nur meine Ruhe. Mein Mann versuchte mich zu überreden aber vergebens. Ich legte die ganze Zeit meinen Finger vor den Mund, damit er ruhig ist. Er zog mir dann das Tuch an, damit sie mir CTG anlegen und ich zog es nach oben und schrie ihn an: „Ich habe gerade Schmerzen und Du ziehst mir das Zeug an?“ (Er wollte nur mitspielen und es mir danach wieder ausziehen, da er Angst um uns beide hatte. Er sagte es auch immer wieder, aber ich nahm ihn nicht ernst.) In dem Moment kam die Ärztin rein und wurde ein wenig laut und sagte mir: „Hey, schreien Sie doch nicht so!“ Ich wollte, dass alle raus gehen, weil diskutiert wurde. Die Hebamme sagte mir, selbstbestimmt muss nicht unkontrolliert heißen und, wenn das Kind tot auf die Welt kommt, wäre ich dran, usw. Ich sagte nur: „Hören Sie doch endlich auf mit ihren pessimistischen Äußerungen!“ Ich hatte keine Kraft mehr. Sie drohten mir mit der Polizei und dem Jugendamt und angeblich wären die dran, wenn dem Baby was passieren würde. Ich ignorierte sie, mir war alles egal, ich wollte doch nur meine Ruhe haben. Das nennt man psychische Gewalt unter der Geburt. Ja, tatsächlich gibt es Gewalt unter der Geburt, was ich mir früher gar nicht vorstellen konnte. Irgendwann ließen sie mich in Ruhe und ließen mich machen. Ich merkte, wie der Kopf langsam raus kam und spürte einen starken Pressdrang. Ich presste mit aller Kraft und ich kam mir wie eine Löwin vor. Ich schrie laut: „Oh mein Gott, oh mein Gott.“ Es brannte und ich suchte Trost und Zuspruch. Das fehlte mir. Ich fragte die Ärztin: „Sie kennen das doch bestimmt oder, wenn das so brennt?“ Sie bejahte. Ich fragte weiter, ob ich es denn bald geschafft hätte, daraufhin fragte die Hebamme: „Haben Sie denn das Gefühl es bald geschafft zu haben?“ Ich bejahte. Ich hielt die Hand meines Mannes ganz doll fest und plupps war der Kopf draußen und der Körper flutschte. Ich nahm sie und begrüßte sie. Puuh, was für eine Erleichterung. Ich war überwältigt und konnte kaum glauben, aus eigener Kraft meine Tochter alleine geboren zu haben. „Ich habe es geschafft, ich habe es geschafft“, sagte ich voller Freude. Mein Mann weinte und konnte es kaum fassen, dass ich es geschafft haben. Er war stolz auf mich und die Leistung, die ich vollbracht hatte. Nach einer halben Stunde durchtrennte mein Mann die Nabelschnur. Im Anschluss hatte ich sehr starke Rückenschmerzen und einen Druck, aber ich wollte nicht loslassen. Nach einer Stunde half mir die Hebamme, indem Sie mich motivierte zu pressen und die Plazenta kam. Was für eine Erleichterung! Die Rückenschmerzen waren weg! Jetzt ist erstmal das Trauma verarbeiten angesagt. Ich werde so Allah will, nie wieder im Krankenhaus entbinden. Trotzdem soll man ja in allem das Positive sehen, ich hatte desto trotz eine Alleingeburt. : )

 

Ergänzung: Ich muss natürlich dazu sagen, dass mein Mann mich keine Sekunde allein gelassen und in keinem Moment an mir gezweifelt hat! Er glaubte und vertraute fest an mich! Er streichelte, massierte und sprach mir positiv zu und sagte immer wieder, dass ich es schaffen würde. Nur in der Pressphase wollte ich absolut nicht angerührt werden. Trotz Druck seitens des Krankenhauses, blieb er standhaft und wollte einfach nur mitspielen, da er um mich und seine Tochter sorgte, deshalb zog er mir dann das Tuch für das CTG an, damit die denken, dass wir uns doch an die „Spielregeln“ halten wollen. Das alles sagte er mir, aber ich nahm es einfach nicht wahr und dachte, dass das alles echt wäre. Er schmiss sogar die Hebamme raus vor der Pressphase. Der Arzt rief ihn so oft nach draußen und drohte mit dem Jugendamt. Er beschwerte sich beim Chefarzt und die Oberärztin bekam eine Abmahnung. Er kämpfte genauso wie ein Löwe für uns. Ich bin im Großen und Ganzen stolz auf ihn!

 

Alleingeburt geplant, und dann: Zwillinge!

Ihre zweite Geburt war eine wunderschöne Alleingeburt, genau wie sie es sich vorgestellt hatte. Deshalb war klar, dass das dritte Kind genauso auf die Welt kommen sollte. Aber dann stellte sich heraus: Es waren Zwillinge! Und damit begann die große Verunsicherung seitens der Ärzte, Hebammen und Familie. Einen Kaiserschnitt hielten alle für das Beste, da der führende Zwilling in Beckenendlage lag. Dabei wünschte sie sich nur eins: Jemanden, der ihr Mut machte und sie in ihrem Vorhaben einer natürlichen Geburt unterstützte. Wie ihre beiden Jungs dann zur Welt kamen, schildert diese mutige Mama in diesem Bericht. 

Leider war der Anfang nicht sehr erfreulich und hat mir mal wieder gezeigt, dass die lieben Ärzte recht voreingenommen von ihren Instrumenten sind. So schallte der Arzt in der 8. Woche und begann mit den Worten: „Wie viele Kinder wollen Sie?“ Und als ich antwortete „4“, sagte er: „Nun haben Sie Ihre vier“. Was war das für eine riesen Freude, auch wenn ich schon eine leise Vorahnung hatte, da die Hebamme und auch ich vorher schon zu Hause einen sehr hohen Fundusstand in der 8. Woche ertasteten. Ihr knapper Kommentar dazu war auf meine Frage, ob das normal sei beim 3. Kind: „ Mhmmmm, kann schon sein.“ Wahrscheinlich ahnte sie was oder glaubte, ich hätte mich verrechnet … Jedenfalls ließ sie sich nicht zu voreiligen Diagnosen hinreißen, sondern wartete meinen Arzttermin ab.

Doch leider erschallte der Arzt eine „100 prozentige monochoriale Zwillingsschwangerschaft und leider ohne Zwischenwand“. Also Monochorial monoamniotic. ( Das heißt, die Zwillinge teilen sich eine gemeinsame Plazenta und eine gemeinsame Fruchtblase. Die Wahrscheinlichkeit liegt bei 1:100 bei Zwillingen und geht nur bei eineiigen und die haben schon nur eine Häufigkeit von 1:200 Schwangerschaften.)  Das Ergebnis stand nun so im Raum und ich wusste erstmal nicht viel damit anzufangen, dachte ich doch bis dahin, Zwilling sei Zwilling. Entweder ein- oder zweieiig. Punkt. Ich war stark verunsichert, doch wollte mein Herz mir aus der Brust herausspringen vor Freude. Und so rief ich als erste meine Schwester an, um Ihr alle sie erzählen und auch sie freute sich mit mir. Als nächstes fuhr ich zu meinem Mann auf die Arbeit, um Ihm die Nachricht persönlich mitzuteilen.  Er war recht kurz angebunden und musste gleich wieder an seinen Schreibtisch. Danach fuhr ich meine Kinder abholen. Sie hatte ich bei meiner Familienpatin gelassen und auch Ihr erzählte ich freudestrahlend von unserem Glück. Kurz davor hatte ich bei meiner Hebamme angerufen und gefragt, ob man denn diese Zwischenwand nicht erst später sehen würde. Sie meinte, dass man die Plazenta schon sehen müsste und dass eine Bekannte ein Kind bei dieser Konstellation verloren hatte. Das waren alles keine schönen Neuigkeiten und ich lief langsam immer mehr die Wände hoch. Der nächste Ultraschall war in drei Wochen. Wie sollte ich die hinter mich bringen? Zu Hause angekommen fing das große Googeln an und riss mich noch tiefer in den Abgrund der Verwirrtheit und der Angst um diese Kinder. Hatten sie doch sofort einen Namen in meinem Herzen… Tage der Verzweiflung und der Tränen folgten. Mono-Mono Zwillinge haben die Gefahr, sich selbst zu strangulieren, da es keine Zwischenwand gibt. Sie können sich berühren und schwimmen umeinander rum. Na wenigstens ist das Risiko eines Feto-Fetalen Transfusionssyndroms (d.h. ein Zwilling bekommt auf Kosten des anderen mehr Nährstoffe) nicht so hoch wie bei MONO DI Zwillingen… Kommentare meiner Mutter, ich soll doch froh sein wenn eins stirbt, halfen mir nicht unbedingt. Doch gut, dass meine Schwester noch in der Schule war und eine Lehrerin hatte, die ausrichten  ließ, dass man diese Zwischenwände erst bzw. nur zwischen der 11. Und der 14. Woche sehen kann. Endlich also ein Lichtblick und als mir meine Schwester versicherte, für meine zwei großen Mädels da zu sein und mir auf jeden Fall zu helfen wenn die Babys kommen, war ich von tiefster Dankbarkeit erfüllt und konnte mit etwas mehr Mut dem nun nahenden Ultraschall entgegensehen. Mein Anker in dieser Zeit waren sie und Ihre Lehrerin. Die einzigen, die mir mit Fakten klar machten, dass diese Diagnose nicht sicher war.

Nun war ich in der 12. Woche und saß mit zitternden Knien im Wartezimmer. Mein Herz pochte wie wild. Ich war nun wahrscheinlich nach diesen 3 Wochen Onlinerecherche schlauer als jeder Gynäkologe und wusste die Fakten der „ Ohne- Wand-  Zwillinge“ auswendig. Wenn man nun ein „Lambda- Sign“ sehen würde, sind es zu 90% zweieiige Zwillinge und ich konnte schon in der ersten Sekunde als der Arzt schallte dieses „ Zeichen“ sehen. Also waren all diese Wochen in Angst und Bange umsonst gewesen. Nur weil ein Arzt zu viel von seinem Werkzeug hält … Auf die Frage, warum er gesagt hatte, zu 100 % monochorial, antwortete er nicht mehr, sondern sagte nur: „ Gott sein dank ist es nicht so eine komplizierte Zwillingsschwangerschaft“. Dies war mein letzter Besuch bei ihm, denn wir zogen zu guten Freunden in die Hessische Pampa bzw. kurz dahinter nach NRW. Mein Mann begann nun bei einer großen Firma und hatte jede Menge Spaß. Ich leider nicht, denn ich nagte immer noch an der Absage meiner Schwester, in der sie mir ihre Hilfe für die Zeit um die Geburt versagte, da sie als Aupair ins Ausland gehen wollte. Nur im Notfall wolle sie kommen. Ich war zutiefst geschockt und brach erstmal den kompletten Kontakt ab. Und als es soweit war, traute ich mich nicht mehr sie zu mir zu bitten. Ich lag ja nicht im Sterben.

Im neuen Wohnort angekommen merkte ich schnell, dass ich hier aufgeschmissen sein werde, was die Geburtshilfe anging und ich träumte wieder von einer Alleingeburt. Dazu gehörte, dass ich mich gründlich nach allen Seiten informierte und wieder anfing, die Hypnobirthing-CD zu hören. Und mit der Musik und der Stimme kamen die tollen Erinnerungen an meine letzte Geburt und erste Alleingeburt zurück. Damals war ich komplett angstfrei und wusste, dass mich nichts aufhalten konnte. Ebenso einfach und schnell war dann auch die Geburt. Hier im letzten Winkel NRWs gab es nun leider weder kompetente Hebammen noch Hebammen, die mir Mut zusprachen noch Ärzte, die mir in irgendeiner Form Kompetenz bewiesen. Sie wollten mich alle am liebsten im OP sehen. Weiter kam dazu, dass mein führender Zwilling in Beckenendlage (BEL) lag und der zweite in Schädellage (SL). Nun kam also auch das Thema BEL-Geburt dazu. Ein weitere Punkt, der jeder Hebamme und Ärztin hier Angst machte. Ich machte also ab der 33. SSW auch noch auf Teufel komm raus Indische Brücke. Ich schrieb drei Geburtshäuser bis 1 ½ Stunden Entfernung an, doch niemand entband Zwillinge. Ich entschied mich, alle Kliniken im nahen und fernen Umfeld abzuklappern um zu sehen, was sie in ihrem Kompetenzenköfferchen hatten, war ich doch schon ein besonders schwerer Fall. Auch vorangegangene, leichte komplikationslose Geburten machten es mir nicht leichter. Die große, sehr erfahrene Marburger Uniklinik, 1 Stunde Fahrt, wagte es nur, wenn der erste in SL lag, sonst Kaiserschnitt. Die kleine Klinik Frankenberg ,15 Minuten, auch. Das einzige was blieb war also eine 2-stündige Fahrt ins Ruhrgebiet in das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke. Hier durfte man nicht nur bei seinen Frühchen bleiben, sollten es welche werden, sondern sie hatten auch einen durch Hebammen geführten Kreißsaal. Natürlich nicht bei Risikoschwangerschaften. Und mit Zwillingen zählte ich nun leider dazu, auch wegen der BEL. Und hier war ich endlich an die Richtigen geraten. Keiner hatte Angst vor der BEL oder dass der führende in BEL und der zweite in SL lag. Die Gefahr des Verhakens gab es so gut wie nicht (sie sprach von einer Zahl von 1:2000/5000). Leider hatte sie ein Problem mit der aktuellen Fußlage des ersten Babys und meinte, wenn ich so käme, wäre ein Kaiserschnitt ihr lieber. Also wieder stimmte was nicht. Ich saß in der Falle, egal was war,  keiner traute sich diese Geburt ohne irgendwas zu bemängeln zu. Ich fuhr heim und war zumindest beruhigt, dass diese Konstellation meiner Zwillinge mich nicht mehr aufhalten würde, es alleine zu Hause zu wagen. In den letzten Wochen besorgte ich mir alle Sachen, die ich so für eine Geburt zu Hause benötigte. Leider hatte ich im Hinterkopf doch immer die Peitsche meines Mannes und der Ärzte bzw. Hebammen, die alle Angst hatten, ich würde es nicht bis nach Herdecke schaffen. Dass ich plante zu Hause zu entbinden, wollte ich doch lieber für mich behalten. Mein Mann verstand es bis zum Schluss nicht, obwohl ich mehrmals sagte, dass die Kinder nicht im Auto kommen, dass ich zu Hause bleiben wollte. Er hatte Angst. Leider beeinflusste mich diese Angst doch insgeheim stark und ich war auch durch den Stress zu Hause mit den beiden Kleinkindern und den schwangerschaftsbedingten Schmerzen in einem sehr nennen wir es „desolaten Zustand“.  Ich konnte mich kaum mehr bewegen. Bis kurz vor Ende der Schwangerschaft hatte ich meine 2jährige bei mir, die nachts alle zwei Stunden einen Nachtschreck hatte und ich musste stündlich auf Toilette. Symphysenschmerzen, Wadenkrämpfe, juckende Haut und die Unsicherheit, ob denn alles gut ginge. Ich weinte viel und musste doch stark sein, hatte ich doch keinen der mir half.  Wenn mein Mann abends heim kam, aßen wir noch kurz, brachten die Kinder getrennt ins Bett und dann hatte ich noch kurz Zeit für mich … Viel schneller als gedacht hatten mich die Interventionen in der Hand. Denn ohne Schwangerenvorsorge wollte ich doch nicht sein und so ging ich immer brav zum Arzt und ließ ein CTG machen, von dem ich sowieso nichts hielt. Und an einem besonders verregneten, kalten Novembermorgen, es war ein Tag vor meinem 25. Geburtstag, war das so verhasste CTG „schlecht“. Die Hebamme verschwand mit dem CTG-Blatt bei der Ärztin, die mir dann schonend versuchte beizubringen, dass sie das CTG so nicht akzeptieren könne und ich ins Krankenhaus fahren muss (Sie wussten, ich muss nach Herdecke). Es brach aus mir heraus und die ganze Wut und Verzweiflung der letzten Monate wollte sich in ihrer Praxis Platz machen.  Ich war am Ende, weinte und ließ es zu, verließ die Praxis mit meiner Kleinen an der Hand und rief weinend meinen Mann an. Ich hatte solche Angst, dass ich was falsch mache, wenn ich jetzt nicht reagierte und einfach zu Hause bleiben würde. Wir fuhren also umgehend nach Herdecke. Mein Mann und ich waren sehr fest davon überzeugt, dass alles in Ordnung war. In der Klinik wurden wir sehr lieb empfangen und man fühlte sich sofort wohl. Man brachte uns Wasser und natürlich war das CTG unauffällig. Eine Assistenzärztin untersuchte mich und „ oh Schreck“ mein Muttermund war bereits bei 3 cm und komplett verstrichen. Sie würde so gerne „mit einem bisschen Wehenmittel anstupsen und dann hätte ich meine Zwillinge schon im Arm“. Mein Mann war gleich dabei, doch in mir sträubte sich alles gegen eine Einleitung. Zu oft war sowas der Anfang vom Ende und ich fuhr sicher keine 2 Stunden, um dann trotzdem wieder einen KS zu bekommen. Also warteten wir bis abends, um nochmal ein CTG zu machen und fuhren dann endlich heim und holten unsere Mädels ab. War ich froh, dass ich auf mein Herz gehört hatte. Meine Kleinen durften noch schön lange drinnen bleiben, egal wie groß doch der Schmerz und die Erschöpfung waren. Doch schon eine Woche später war ich wieder beim CTG, dieses Mal war alles gut, doch waren es dieses Mal die Blutwerte, die zu denken gaben. Ein paar Tage vorher waren sie schon leicht verändert, doch jetzt „wären sie nicht mehr hinzunehmen“. Ich hatte zwar keine Hellp-Symptome (das Hellp-Syndrom ist eine Form der Schwangerschaftsvergiftung), doch „könne sich sowas schnell entwickeln“.  Leider fand ich in keinem meiner alternativen Bücher  Infos zu diesem Thema und auch meine alte Hausgeburtshebamme wollte mich da nicht beruhigen bzw. konnte es nicht, wie sie mir ziemlich pampig mitteilte, da sie mich nicht mehr betreute. Ich war am Ende und hatte keine Kraft mehr. Langsam ging mir der Mut aus und so fuhren wir abermals mit gepackter Kliniktasche nach Herdecke, wo sie mich schon mit den Blutergebnissen erwarteten. Hier waren Sie jedoch ziemlich ruhig und empfohlen am nächsten Tag einzuleiten. Ich wollte es jedoch erstmal so versuchen und so wurde der Eipol gelöst, akupunktiert und Nelkenöltampons gemacht. Am Abend war ich emotional so zerrüttet, dass ich lange weinte und meine Zimmernachbarin fragte, ob alles in Ordnung war.  Mir entglitt die Situation vollständig und ich wollte meinen Babys doch den besten Start ermöglichen. Am nächsten Morgen sollte ich eingeleitet werden. Ich verzog mich in eines der angrenzenden Waschräume und heulte mich nochmal ordentlich aus. Alles war so kalt und noch konnte ich mir nicht vorstellen, hier auch nur ein Kind zu bekommen. Ich sehnte mich nach einer dunklen, warmen und vertrauten Ecke zu Hause im Schlafzimmer … Am nächsten Morgen wurde mir mitgeteilt, dass die Blutwerte wieder OK waren. Also lag es wohl auch etwas an der Belastung zu Hause. Trotzdem hatten die Ärzte Angst, es würde sich wieder verschlechtern und auch ich hatte keine Lust mehr. Am Morgen der Geburt hatte ich schon ein leichtes 10-minütiges  Ziehen. Und am CTG war auch schon was zusehen. Die besten Voraussetzungen also, dass eine Einleitung auch was bringen würde. Ich bekam die geringste Dosierung an Prostanglandingel und sofort setzten starke Wehen ein. Ich musste noch eine halbe Stunde liegen, doch musste ich extrem dringend auf Toilette, worauf mir eine Bettpfanne gebracht wurde. Ich lehnte erbost ab und wartete noch bis die 20 Minuten rum waren, machte das CTG ab und ging auf Toilette. Ich hatte bereits wilde, starke Wehen und überlegte, wie ich denen Herr werden sollte. Ich durfte endlich in den Kreißsaal und sollte nochmal an das CTG. Es war jedoch schon so schwierig für mich, mit den 2-3 minütigen Wehen umzugehen, dass ich bat davon erlöst zu werden. Das geschah und um 12 kam mein Mann. Er war mir jedoch keine Hilfe, schaute er mir doch so unverblümt zu, wollte mir helfen, wusste jedoch nicht wie und setzte sich immer direkt vor mich. Und so bat ich darum, in die Wanne, die hinter einer Wand war, gehen zu dürfen. Das durfte ich und das war so entspannend. Ich schickte meinen Mann hinter die Wand und hatte endlich meine Ruhe. Nun wurden die Wehen regelmäßig und ich verzweifelte langsam, da ich nicht wusste, wie ich mit den Wehen umgehen sollte. Ich wünschte, sie hörten wieder auf, da sie doch eh nur vom Wehenmittel kamen. Ich wollte nicht mehr … Doch dann kam schon der erste Urschrei, den ich so nur von meiner Alleingeburt kannte. Gleich kam die Hebamme reingerannt und fragte, ob ich denn denke, die Geburt beginne. Ich schlug gedanklich die Hände über den Kopf und wollte darauf nicht mehr antworten. Nach einem zweiten Schrei kniete ich mich hin und spürte schon die Fruchtblase. Die Hebamme stand daneben und schaute mir zu. Sie bat mich doch bitte rauszukommen, sie müsse mich untersuchen und so stieg ich sehr widerwillig raus und musste dann auch noch auf den „ Gebärtisch steigen“. Und das obwohl ich zu meinem Mann sagte, da drauf werde ich nicht steigen. Doch wurde mir angedroht, sie würden mich drauf heben, so machte ich es lieber selber. Und mit dem nächsten Urschrei kam schon der erste Zwilling in BEL herausgeflutscht und die Hebamme versuchte den Notfallknopf zu drücken und gleichzeitig den Zwilling aufzufangen. Nebenbei schrie ich sie an, ihn ja nicht anzufassen, wusste ich doch, was „hands off“ bei einer BEL bedeutete. Eine Sekunde, nachdem sie den Knopf gedrückt hatte, kamen sicher 10-15 Personen in den Kreißsaal und wollten dieser Geburt beiwohnen. Die Oberärztin, Frau Dr. Voigt, kam sogar in Bluse. Nachdem der erste Bub mit Glückshaube ( 12.51 Uhr) geboren wurde und ich zum Kommentar der Oberärztin, die diese mit einem „ wie süß“ kommentierte, den Kopf schütteln wollte, untersuchte sie mich sogleich etwas schmerzhaft. Sie suchte den Kopf des zweiten Zwillings und ließ schallen, ob der auch richtig liege. Nummer eins wurde abgenabelt und kam zu meinem Mann (ich fragte noch, ob auspulsiert war und alles bejahte, was ich im Nachhinein nicht wirklich glaube). Alles war wie es sein sollte und Dr. Voigt meinte, ich solle doch so (ich saß nun, um den ersten Zwilling willkommen zu heißen) den zweiten Zwilling rauspressen. Doch dazu sagte ich nicht viel, hockte mich abermals hin und nach ein-zwei Schreien kam auch mein kleinerer Bub (12.55 Uhr) zur Welt. Ich nahm ihn gleich zu mir und dann verschwand auch schon die Zuschauermenge. Wir kuschelten noch bis 14/15 Uhr. Genau kann ich es nicht mehr sagen, denn ich war so voller Hormone, dass ich hätte Bäume ausreißen können. Trotz vorheriger Absprache, ich wolle keinerlei Oxytocin, hing ich dann doch da dran und man wollte mir alles mögliche spritzen. Mein Mann brachte leider keine Kraft auf zu sagen, ich wolle das nicht und so musste ich diskutieren und konnte zumindest die komischen Spritzen ablehnen und das Oxytocin nahm mir eine nette Hebamme wieder ab … Unsere Jungs kamen mir soooo klein vor. Wir kamen aufs Zimmer und nun stand ich da vor meinem 90-cm-Bett und wusste nicht, wie ich die beiden auf mich bringen bzw. in meinen Arm nehmen sollte, denn da gehörten sie doch hin. Ich versuchte, sie einzumummeln und legte mich daneben, doch die Kinderkrankenschwester kam und meinte, sie müsse alle drei Stunden Temperatur messen. Das schrie ja schon nach Krankenhausroutine und natürlich waren die Babys „ nicht ok“. Das ging bis Mitternacht so und dann schob sie mir ein Wärmebett ins Zimmer. Ich war so traurig und hilflos. Erst legte ich sie rein, doch googelte ich schon bald  (meine Lieblingsbeschäftigung inzwischen), nahm sie raus und band mir den einen mit der niedrigeren Temperatur ins Tragetuch ein. Ne Stunde später war seine Temperatur super und der, der noch im Wärmebett lag, war immer noch etwas „ kühl“. Ich beschloss, so schnell es geht das Krankenhaus zu verlassen, denn so würden die ersten Tage zum Desaster werden. Am Morgen kam der Kinderarzt und sagte mir, dass alles super sei und wir heim können. Am Morgen kam mein Mann und abends durften die Mädels ihre Brüder willkommen heißen und kennenlernen. Leider hatte ich trotz Nachsorgehebamme, die sehr lieb war, keinen der mir sagte, dass alles gut war. Dauernd war ich verunsichert und glaubte, die wären zu dünn, zu klein oder wahrscheinlich auch noch anderweitig krank. Mit acht Tagen kam die U3 und so fuhren wir zum Kinderarzt. Ihr passte nix, die Kleinen sind so schlapp, haben Froschbeine und ihre Haut sei zu gelb. Meine Hebamme soll einen Billi-Test machen. Diese machte ihn aber wegen fehlender Geräte nicht und so blieb ich zu Hause und überlegte. An dem Tag kam noch die Fotografin und machten herrliche Fotos. Doch an dem Abend war ich so durcheinander wegen der gelben Haut, dass ich am Abend weinend meinem Mann erzählte, ich sei mir nicht sicher, ich will doch einen Billitest machen. Dazu musste ich aber in die Notaufnahme fahren und wegen der Großen fuhr ich alleine. Dort angekommen bin ich um 21 Uhr. Um 23 Uhr kam ich dran und da wurde ihnen vorsorglich ein Zugang gelegt, am Kopf und auch Blut entnommen. Ich musste das Zimmer verlassen und das brach mir das Herz, nicht bei meinem anderen Baby sein zu können. Ich mache mir heute noch Vorwürfe, dass ich rausgegangen bin. Drei Stunden später war das Ergebnis da und es war alles in Ordnung.

Jetzt sind meine Jungs fast fünf Monate und inzwischen habe ich mein Selbstbewusstsein wieder gefunden. Ich geh wieder meinen Weg und vertrau meinen Kindern, dass sie stark sind und wir gemeinsam mit meinem Mann alle Hürden schaffen werden. Leider hatte ich keine Hebamme, die mir Mut zusprach und an dieser Geschichte sieht man, wie wichtig jemand ist, der einem mit Liebe und Erfahrung beisteht. Wie widersprüchliche und übereilige Diagnosen einer Schwangeren den Mut und die Sicherheit in sich und Ihren Körper rauben. Ich wünsche allen Müttern, dass sie jemanden haben, der während und nach der Schwangerschaft an ihrer Seite steht, der ihnen den Rücken stärkt und sich für sie einsetzt, der sie beschützt und auch im Haushalt hilft.  Und natürlich eine Familie mit ganz viel Sensibilität für diesen großen Lebensabschnitt.

Mein Dank gilt Sarah Schmid, die mir in der ganzen Zeit mit Rat und Tat per Email zur Seite stand und mir versuchte, jegliche Angst zu nehmen und das Vertrauen in mich zu stärken.

Alleingeburt: Rechtliche Lage und Anmeldung

Eine Alleingeburt ist in Deutschland nicht verboten. Sie ist auch nicht Bestandteil eines Gesetzestextes. Die existierende Hebammenhinzuziehungspflicht gilt nur für medizinisches Personal. Damit soll sichergestellt werden, dass zum Beispiel ein Arzt keine Geburt begleitet, ohne eine Hebamme hinzuzuziehen. Eine Errungenschaft der Hebammen im Kampf um ihre Bedeutung bei der Geburtsbegleitung.

In Österreich dagegen gilt eine Hebammenhinzuziehungspflicht auch für die Mutter. Sie wird mit diesem Gesetz verpflichtet, eine Hebamme hinzuzuziehen – wenn nicht während der Geburt, dann so schnell wie möglich danach. Auch hier also eine kleine Lücke im Gesetz, die eine Alleingeburt rein rechtlich ermöglicht, solange man die Hebamme danach ruft. Mir sind einige Alleingeburten aus Österreich bekannt, auch ohne dass eine Hebamme gerufen wurde. Eine Verfolgung bei nicht Hinzuziehung der Hebamme ist mir bislang nicht zu Ohren gekommen. Wenn ihr Fälle kennt, lasst es mich gern in den Kommentaren wissen.

In der Schweiz gibt es keine gesetzlich geregelte Hebammenhinzuziehungspflicht und auch hier ist eine Alleingeburt nicht gesetzlich verboten.

Obwohl eine Alleingeburt also kein illegale Handlung ist, sind Behörden und Krankenhäuser selten mit der Tatsache vertraut, dass es Frauen gibt, die sich bewusst und selbstverantwortlich für so eine Geburt entscheiden. Es passiert nicht selten, dass solche Frauen in eine Schublade gesteckt werden mit denen, die aus einer prekären sozialen und/oder psychischen Situation heraus ihre Schwangerschaft leugnen und ihr Kind heimlich bekommen.

Es kommt deshalb immer wieder vor, dass Krankenhauspersonal oder Standesbeamte den Eltern das Jugendamt ins Haus schicken. In den meisten Fällen ist der Verdacht der Kindeswohlgefährdung mit einem kurzen Besuch vom Tisch. In Einzelfällen standen aber auch schon der Sorgerechtsentzug und Inobhutnahme im Raum. Für die Eltern ein nicht unerheblicher Stress, den man im Wochenbett gar nicht gebrauchen kann.

Um diese Szenarien vorzubeugen, kann man verschiedene Vorsichtsmaßnahmen ergreifen:

Nicht selten findet eine Jugendamt-Meldung statt, wenn die Mutter während oder nach der Geburt medizinischen Rat oder Hilfe in Anspruch nimmt. Ist der Mutterpass dann lückenhaft oder nicht vorhanden, verstärkt sich der Verdacht auf Vernachlässigung. Leider macht das die Schwelle für Frauen, die in Eigenregie schwanger waren, unter Umständen unnötig hoch Hilfe zu suchen. Will man sich da absichern, ist ein vollständig ausgefüllter Mutterpass jedenfalls von Vorteil – aber eben auch etwas, was man selbst gar nicht möchte, wenn man die Vorteile einer Schwangerschaft in Eigenregie genießt. Die meisten Hebammen – wenn man nicht eine solche für eine Hausgeburt gebucht hat – sind in dieser Situation leider keine Hilfe. Aus Gründen rechtlicher Absicherung bestellen die meisten von ihnen den Notarzt, wenn sie zu einer Geburt gerufen werden, für die sie nicht versichert sind. Das kann nach persönlichem Ermessen der Hebamme auch dann geschehen, wenn sie erst nach der Geburt dazu kommt.  Irgendjemanden bei Unsicherheiten um Rat fragen zu können, ohne gleich in der Klinik zu landen, ist aber für die jungen Eltern sehr wichtig, auch wenn sie sich bewusst für eine Geburt in Eigenregie entschieden haben. Hier ist man gut bedient, wenn man eine Hebamme, Doula oder eine andere geburtserfahrene Frau hat, die einer Alleingeburt gegenüber aufgeschlossen ist und bereit ist dazuzukommen (oder auch nur am Telefon zu beraten), ohne gleich den Notarzt zu verständigen. Und, so sehr es zum Teil verpönt ist: Bei Zweifeln konnten die Erfahrungen und der Rat anderer Mütter in online-Gruppen schon oft helfen, Situationen um die Geburt herum richtig einzuschätzen und entsprechend zu reagieren.

Ein weiteres Szenario, das gelegentlich zur Meldung beim Jugendamt führt, ensteht bei der Anmeldung der Geburt. Können keine der vom Standesbeamten erwarteten Dokumente vorgelegt werden, regt sich bei manchem Beamten der Verdacht auf Vernachlässigung. Hier kann man dafür sorgen, dass man zum Beispiel den Mutterpass oder andere Beweise für eine Schwangerschaft oder Geburt vorlegen kann – obwohl das keine Garantie dafür ist, die Bedenken des Beamten zu zerstreuen. Oder man hat im Vorfeld eine Hebamme oder einen Arzt, die einem ein Papier wie weiter unten ausgeführt unterschreiben, wo die Hausgeburt formlos bestätigt wird. Ansonsten hilfreich sind selbstbewusstes, freundliches Auftreten und ein Anruf nach der Geburt, aber bevor man auf das Amt geht.  Das hat u.a. den Vorteil, dass der Beamte etwas Zeit hat, die Situation zu durchdenken und den Schock über eine freie Geburt zu verdauen, bevor ihm die Eltern unter die Augen treten.

Die geschilderten Sachverhalte beruhen auf Erfahrungen aus Deutschland. In den anderen deutschsprachigen Ländern dürfte es aber ähnlich sein.

Anmeldung der Geburt

Laut Personenstandsgesetz PStG § 18 -20 (Deutschland) sind grundsätzlich die Eltern  verpflichtet, die Geburt ihres Kindes beim Amt anzumelden. Dies kann mündlich geschehen und muss innerhalb einer Woche passieren. Im Folgenden der Gesetzestext im Wortlaut:

Personenstandsgesetz PStG: 

§ 18 Anzeige

(1) Die Geburt eines Kindes muss dem Standesamt, in dessen Zuständigkeitsbereich es geboren ist,

1. von den in § 19 Satz 1 genannten Personen mündlich oder
2. von den in § 20 Satz 1 und 2 genannten Einrichtungen schriftlich

binnen einer Woche angezeigt werden. Ist ein Kind tot geboren, so muss die Anzeige spätestens am dritten auf die Geburt folgenden Werktag erstattet werden.

(2) Bei einer vertraulichen Geburt nach § 25 Absatz 1 des Schwangerschaftskonfliktgesetzes sind in der Anzeige auch das Pseudonym der Mutter und die für das Kind gewünschten Vornamen anzugeben.

§ 19 Anzeige durch Personen

Zur Anzeige sind verpflichtet

1. jeder Elternteil des Kindes, wenn er sorgeberechtigt ist,
2. jede andere Person, die bei der Geburt zugegen war oder von der Geburt aus eigenem Wissen unterrichtet ist.

Eine Anzeigepflicht nach Nummer 2 besteht nur, wenn die sorgeberechtigten Eltern an der Anzeige gehindert sind.

§ 20 Anzeige durch Einrichtungen

Bei Geburten in Krankenhäusern und sonstigen Einrichtungen, in denen Geburtshilfe geleistet wird, ist der Träger der Einrichtung zur Anzeige verpflichtet. Das Gleiche gilt für Geburten in Einrichtungen, die der Unterbringung psychisch Kranker dienen, in Einrichtungen der Träger der Jugendhilfe sowie in Anstalten, in denen eine Freiheitsstrafe, ein Jugendarrest oder eine freiheitsentziehende Maßregel der Besserung und Sicherung vollzogen wird. Die Anzeigeberechtigung der in § 19 genannten Personen und ihre Auskunftspflicht zu Angaben, die der nach Satz 1 oder 2 zur Anzeige Verpflichtete nicht machen kann, bleiben hiervon unberührt.
 Der Beamte muss sich auf irgendeine Weise versichern, dass niemand ein Kind anmeldet, das geklaut wurde oder nicht existiert. Dafür ist er gewohnt, mindestens die Bescheinigung durch eine Hebamme zu erhalten. Im Fall einer Alleingeburt muss man andere Nachweise erbringen und sich mit dem Beamten einigen, was er als Nachweis gelten lässt. Ruft man vor der Geburt an, um Details darüber in Erfahrung zu bringen, passiert es häufig, dass abgewiegelt und behauptet wird,  es ginge ohne eine Bescheinigung von der Hebamme einfach nicht. Ist die Geburt ohne Hebamme aber Tatsache, sieht es anders aus. Da muss der Beamte sich überlegen, was er an alternativen Nachweisen akzeptieren will, um die Geburt einzutragen. Will man diesbezüglichen Stress vermeiden (und hat man eine Hebamme oder einen Arzt, die/der da mit macht), kann man eine selbst formulierte, von Arzt oder Hebamme unterzeichnete Bescheinigung vorlegen. Die wird erfahrungsgemäß ohne Probleme akzeptiert. Im Gegensatz zur offiziellen Anmeldung, die Hausgeburtshebammen nach einer Geburt ausfüllen, spielt es hier keine Rolle, ob die Hebamme bei der Geburt zugegen war oder nicht. Das einzige was es braucht, ist ihre Bereitschaft, ihre Unterschrift unter ein Papier zu setzen. Auch die Unterschrift eines Arztes wird hier akzeptiert. Dafür setzt man ein einfaches Schreiben auf:
Ort, Datum
… (Vorname, Name und Geschlecht des Kindes), Kind der Eltern … (Vorname und Name der Eltern) wurde am … (Geburtsdatum, Uhrzeit) zu Hause in … (Adresse) geboren. 
….
(Unterschrift von Hebamme oder Arzt, am besten mit Stempel und/oder Telefonnummer)
Wenn man möchte, kann man natürlich weitere Details wie Geburtsgewicht und Co. ergänzen. Aber die genannten Angaben sollten mindestens enthalten sein.
Um kein unnötig düsteres Bild zu zeichnen, will ich hinzufügen, dass die Anmeldung einer Alleingeburt meistens reibungslos gelingt. Aber eine gewisse Vorsicht und Weisheit kann vielleicht den einen oder anderen unnötigen Behördenstress vermeiden helfen.
Es bleibt zu wünschen, dass die Geburt in Eigenregie in Zukunft als eine mögliche Form der Geburt mehr Anerkennung und Respekt findet und niemand sich dafür schämen, rechtfertigen oder verdächtigen lassen muss. Schließlich sollen auch alle Frauen, wenn sie möchten und brauchen, die Hilfe bekommen, die sie bekommen sollen – ohne Angst haben zu müssen, dass ihnen selbstverantwortliches Handeln als Vernachlässigung ausgelegt wird.
Lasst mir gern zu diesem Thema eure Erfahrungen da und schreibt in den Kommentaren.
Anmerkung: Ich bin kein Jurist. Ich erhebe keine Anspruch darauf, Begriffe und Sachverhalte im juristischen Sprachgebrauch korrekt zu verwenden. Habe ich Fehler eingebaut? Weist mich gern darauf hin. Wer es ganz genau wissen will, kann  zu diesem Thema einen Experten kontaktieren.

Alleingeburt im Krankenhaus – geht das?

Der Mann war nicht an eine Geburt zu Hause heranzuführen. Was tun? Diese Mama verhandelte erfolgreich mit Hebamme und Ärzten und bekam vor wenigen Tagen ihr fünftes Kind in Eigenregie – im Krankenhaus. 

Mein Mann war aus Angst absolut gegen eine alleinige Hausgeburt, da ich beim dritten Kind starke Nachblutungen mit Not-Op hatte. Also musste Plan B her, da ich unbedingt allein entbinden wollte. Ich habe sehr lange Gespräche geführt mit meiner Hebamme … ihr von meinem Wunsch erzählt, mit verschiedenen Ärzten darüber gesprochen. Und sie waren alle einverstanden. Also stand fest, wir bekommen unser Baby ALLEINE im Krankenhaus. Wo im Falle eines Falles jemand da wäre, um uns zu versorgen.
Also rief ich samstags mein Männe an, er soll bitte vom Schaffen kommen, habe Wehen … (Die hatte ich freitags auch schon, aber samstags wurden sie eklig.) Also sind wir ins Krankenhaus und dort habe ich echt noch ne Weile vor mich hingeweht, glaub 6 Stunden lang. Ich ging derzeit mal in die Badewanne um etwas zu entspannen und dann tat sich was …
Musste allerdings aus der Wanne raus, da mir durch das Wehen verarbeiten/schnaufen so schwindelig wurde und mir das mit dem Wasser dann zuviel wurde. Ich also aus der Wanne raus, wollt mich anziehen … joah, daraus wurde erst mal nix … Blasensprung!
Dann wurd’s richtig hässlich, ich wollt nur noch schreien. Die Wehen waren so heftig, dass ich eigentlich nur noch sterben wollte … Ok gut, kriegste hin, machste einfach. Ich glaub, es vergingen keine 5 „Assi-Wehen“, da setzten schon die Presswehen ein …
Ich mich also irgendwie in den Kreisssaal gehieft und dann stand ich da … vor dem Bett … mit der nächsten Pressattacke. Meine Hebamme hielt sich komplett im Hintergrund, sagte lediglich zu meinem Mann, worauf er achten solle, wenn ich das Kind jetzt im Stehen bekomme. Da ich selbst nicht wusste wie mir geschah, hab ich mich erst mal aufs Bett gesetzt und für mich beschlossen, ich presse nicht meinem Mann das Kind in den Arm, sondern ICH MACH DAS. Die Wehen waren echt fies.
ABER!!! Als es darum ging, das Kind auf die Welt zu holen, habe ich von den Presswehen keinerlei Schmerzempfinden gehabt. NICHTS. Wenn mich heut einer fragt, würde ich behaupten, ich war in Trance. Ich wurde vermutlich mit Endorphinen so überschüttet, dass ich keine Schmerzen mehr hatte. Auf einmal war alles weg. Meine Hebamme schaute sich alles genau an. Sie fand es soo faszinierend, dass sie sogar sagte, man hätte es filmen sollen, wäre gut und interessant für eine Hebammenschule gewesen.
Nu gut, sei jetzt mal so dahin gestellt. ^^ Das Nabelschnurauspulsieren und das Gebären der Plazenta blieb alles mir überlassen. Keiner funkte dazwischen, keiner machte mir Druck. Irgendwann kam mal ne Ärztin und fragt, ob sie irgendwas machen „soll“ (nähen, etc.). NICHTS, ich schickte sie weg und sagte, wir rufen sie bei Bedarf. Ich muss sagen, ich bereue zutiefst, es bei den anderen Kindern nicht auch so gehandhabt zu haben. Die Hebamme hätte nicht mal den Kreisssaal putzen müssen, so „ordentlich“ war ich.  Mein Mann war übrigens sprachlos, überwältigt und fand die Reise unserer Geburt auch so toll, dass er immer noch Tränen bekommt.
Abends bekam ich dann eine Nachricht, wie stolz meine Hebi auf mich sei, und mit welchem Stolz sie jedem erzählt, dass ich ihre erste Frau bin, seit 35 Jahren Hebamme, die allein entbunden hat und sie es so toll fand, dass sie beim Erzählen Gänsehaut bekommt.  Ich und mein Mann sind überglücklich uns dafür entschieden zu haben. Auch wenn ich lieber daheim gewesen wäre. Aber diese Erfahrung wird uns ein Leben lang begleiten.

Eine Zwillingsalleingeburt

Ihr Lieben! Ich habe die Ehre, eine Zwillingsgeburt in Eigenregie mit euch zu teilen. Es ist die vierte Geburt dieser Mama, bei der sie bewusst und gut informiert ihre Zwillinge zu Hause im Pool geboren hat. Einfach Frauenpower pur! 😀

Drei Dinge vorweg, die mich sehr geprägt haben und somit großen Einfluss auf die Geburtsentscheidung hatten:

Meine Mutter wollte mich als Hausgeburt zur Welt bringen (sie kannte von ihrer Mutter nichts anderes). Mein Vater hatte große Angst vor Komplikationen, also ließ sich meine Mutter von ihm ins Krankenhaus bringen. Dort kam ich als unkomplizierte Spontangeburt (zwar mit unnötigem Dammschnitt) in den frühen Morgenstunden zur Welt. Ich wurde abgenabelt, meiner Mutter kurz gezeigt und weg war ich. Erst abends als meine Mutter Fieber und eine Brustentzündung bekommen hatte (am 1. Tag!) hat man mich wieder zurückgebracht. Das war unser Bonding. Und ja, wie wichtig das Bonding ist merkt man erst wenn man keines hatte …

Ich wurde als Kind missbraucht. Lange Zeit habe ich dieses Ereignis verdrängt, bis es sich gewaltsam an die Oberfläche meines Bewusstseins gekämpft hat. Es folgten alle möglichen Arten von Therapien – mittlerweile bin ich mit dem Ereignis an sich im Reinen (glaub ich halt, aber das Unterbewusste ist schlau! ;-)), lediglich in gewissen Situationen (z.B. gyn. Untersuchung) kommt Panik auf. Mittlerweile bin ich alt genug, um mich und meinen Körper nicht mehr zu belügen („Es ist alles in Ordnung … alles ist gut …“ während der Untersuchung), ich lasse mich einfach nicht untersuchen – wozu auch? Ohne Beschwerden gehe ich nicht zum Frauenarzt. Nur in den Schwangerschaften holt mich das Thema regelmäßig ein (Mutter-Kind-Pass-Untersuchung und Bezug von Kinderbetreuungsgeld sind in Österreich gekoppelt und noch kann ich es mir nicht leisten darauf zu verzichten), allerdings bin ich seit der zweiten Schwangerschaft auf sehr verständnisvolle Ärzte getroffen, die mich so weit in Ruhe ließen. Noch eine Sache ist mir geblieben: eine extreme Schreckhaftigkeit (die Tür geht auf, mein Partner oder sonst wer Vertrauter kommt rein, ich sehe ihn und krieg fast einen Herzinfarkt …)

Ich bin eine HSP, eine hochsensible Person. Dass ich „anders“ bin (kompliziert, mimosenhaft, dünnhäutig … waren gebräuchliche Ausdrücke in meiner Kindheit und Jugend), weiß ich schon lange. Dass es dafür sogar eine eigene Bezeichnung gibt habe ich erst in dieser Schwangerschaft entdeckt. Wie als HSP im Krankenhaus gebären? Wie mich öffnen?

Im Dezember war ich zur ersten MuKi-Untersuchung bei meiner Frauenärztin. Im Ultraschall war allen sofort klar, dass es Zwillinge sind. Meine Ärztin murmelte noch etwas von, dass das oft bei Vierzigjährigen passiert und dann fing das Dilemma an: „Wir müssen schauen, dass wir bis in die 32. Woche kommen! Sie müssen ab der 15. Woche Utrogestan einführen! Machen sie sich keine Sorgen was da im Beipacktext steht, sie nehmen es ja nicht oral ein …“ Wie bitte? Gerade eben habe ich erfahren, dass ich mit Zwillingen schwanger bin und schon muss ich mir Sorgen um eine Frühgeburt machen???

Um die Welt wieder ins Lot zu bringen, traf ich mich mit einer Hebamme, wechselte den Frauenarzt und recherchierte im Internet. Dort fand ich Interessantes: fast 50% der Zwillingsgeburten kommen zw. der 38. und 41. SSW! Beinahe wieder die Hälfte kommen zwischen der 32. und 37. SSW (wie unfair: in einem Zeitraum von 3 Wochen kommt die eine Hälfte und in einem Zeitraum von 6 Wochen die andere) und ein kleiner Prozentsatz vor der 32. SSW. Aha, also alles nicht so dramatisch. Der ET ist der 21.6.2017, an den halte ich mich!

So, nächste Frage: wo gebären? In Österreich sind Zwillings-Hausgeburten nicht zulässig, das heißt nach drei Hausgeburten muss ich nun ins Krankenhaus! Die nächste Hiobsbotschaft: Dort „darf“ ich aber nur vaginal entbinden, wenn beide Babys in Schädellage sind! Auch wenn sich nach der Geburt des ersten Babys das zweite in eine Beckenendlage begibt wird ein Kaiserschnitt gemacht! Das nächste Krankenhaus, das Beckenendlagen entbinden kann ist ein Privates, zwei Stunden entfernt und man muss sich beim zuständigen Arzt dafür bewerben(!). Ok, über die Grenze gäbe es noch ein KH, das BEL entbinden kann. Sectioraten unter 10%, wenig Dammschnitte (ich glaub 1-2%), schon mal nicht schlecht … bleibt nur die Frage, WIE ich dort mit meiner Vorgeschichte gebären soll …

Nachdem ich auch keine Hebamme finden konnte, die mich ins KH begleiten wollte, fiel im Feber die Entscheidung zur Alleingeburt. Ich recherchierte im Internet und las jede Menge Bücher zum Thema (Schmid, Rockenschaub, Gaskin, Schenk, Odent). Ich wurde immer sicherer in meiner Entscheidung. Immer wieder fragte ich bei meinem Partner nach, ob wir „eh noch auf Kurs sind“, ob er irgendwelche Ängste hat. „Was ist wenn was passiert?“ kam ganz oft. Aber nachdem ich auf jede Eventualität eine Antwort hatte, wurde auch mein Partner ruhiger. Immer wieder fokussierte ich den 21. Juni – Sommersonnenwende. Jeder Zweifler und Frühgeburtsbefürchter, der meinen Weg kreuzte, wurde gnadenlos mit einem „Die Babys kommen am 21. Juni – ich gehe über die volle Distanz!“ zum Schweigen gebracht. Ich freute mich an meiner Schwangerschaft und genoss die Bewegungen der Kinder. Über meine Alleingeburtspläne hüllte ich mich in Schweigen (Alleingeburten sind in Österreich nicht zulässig und ich wollte mich nicht den Ängsten anderer aussetzen). Nur mein Partner und zwei ausgewählte Freundinnen waren eingeweiht. Nach und nach tat es mir immer mehr weh, andere Freundinnen zu belügen. Kurz vor der Geburt wussten dann auch die Kinder Bescheid, die Kleinen zwei sollten schließlich keine Angst haben falls ich laut werden sollte.

Laut österreichischem Gesetz muss frau, sofern sie zur Geburt keine Hebamme beiziehen kann, ehestmöglich eine Hebamme für das Wochenbett hinzuziehen. Die Hebammensuche für das Wochenbett gestaltete sich ausgesprochen schwierig: in Karenz, zu einer weiter entfernten Hausgeburt gebucht, keine Kapazitäten, zwei Monate Pause… Endlich wurde ich fündig und wir vereinbarten ein Treffen. Dort ging es um alle möglichen Eventualitäten. Am nächsten Tag wollte sie mich anrufen um mir mitzuteilen ob sie mich „nehmen würde“. Sie wollten einen speziellen Kinderarzt, einen direkten Coombstest und einen Organ-Ultraschall. Ich sagte „Nein“ und stand wieder ohne Hebamme da. So ähnlich gestaltete sich auch der Kontakt mit der nächsten Hebamme. Dazu kamen zwei absolut inkompetente Kommentare von Seiten der Hebamme („Die beckenbodenschonendste Gebärhaltung ist im Liegen“, „Stützstrümpfe sollen auch in der Nacht getragen werden“). Ich ärgerte mich darüber, dass ich mit ihr zwei Behandlungsverträge abschließen sollte und dass diese Hebamme auch noch privat zu zahlen wäre. Wieder sagte ich ab und stand 6 Wochen vor der Geburt „alleine“ da. Schlussendlich fand ich eine Hebamme mit 30 Jahren Berufserfahrung und Anstellung in einem Krankenhaus, die mich ohne ein Treffen im Vorfeld, ohne viele Worte, ohne Auflagen, ohne irgendwas einfach „nahm“. Alles erledigt, endlich Ruhe.

Am 9. Juni war Vollmond, ein starker Vollmond. Ich glaube, das war der Zeitpunkt an dem die Geburt startete. Von da an hatte ich immer wieder mal Wehen, das Ilio-Sacralgelenk lockerte sich so sehr, dass ich es beim Gehen merkte, die Babys drückten auf den Ischias … alles in allem immer wieder etwas aber nichts dramatisches.

Am 14. Juni um 3:40 Uhr werde ich von Wehen geweckt. Hm, sind das Wehen? Ich schlafe wieder ein. Geburtswehen? Weiterschlafen. Geht es los? Ich stehe auf. Wie schon bei der Geburt unseres dritten Kindes lese ich im Internet nach wie denn nun Geburtswehen sind. Aha, lang und regelmäßig. Könnte sein oder aber auch nicht. Ich ärgere mich noch etwas darüber, dass ich bis zum Aufwachen der Kinder nur mehr so wenig Zeit habe, ich wollte doch alleine sein in der Eröffnungsphase. Immer wieder muss ich aufs WC, Durchfall. Irgendwann akzeptiere ich jedoch die Umstände und beginne den Geburtspool aufzublasen und die ganzen Utensilien (Handtücher, ein „Trockenplatz“, Geburtskerze, Öl …) bereitzulegen. Dabei singe ich bei den Wehen mit („Angel of Hope“). H. kommt herein, was ich da mache. „Ich glaube es geht los“. Er hilft mir. Wir brauchen ewig. Irgendwas klappt beim Poolaufblasen nicht so wie es soll und im Boiler ist nur 40° warmes Wasser. Wir wärmen das Wasser mit dem Wasserkocher und dem Herd. Endlich passt die Temperatur. Ich gehe rein „Aaaah, fein“. H frühstückt mit den Kindern. Immer wieder pendele ich zwischen WC und warmem Wasser. Manchmal ist mir etwas schlecht. Übergangsphase? Schon? Kann nicht sein. Alles irgendwie so unspektakulär. Ich bin doch grad erst in den Pool. Immer wieder auch mal eine Wehenpause. Dann wieder eine einzelne Wehe. Irgendwie weiß ich nicht, wie weit ich schon bin. Beim nächsten Klo-Gang taste ich meinen Muttermund. He, da ist ja schon der Kopf mit der Fruchtblase! Wie samtig-weich sich das anfühlt! Trotzdem mache ich weiter mit WC, Pool, Singen, „JAAAAA!“-Rufen, „Ich bin unendlich weit“-Denken. Irgendwie ist alles so ohne großen Aufwand. Bin felsenfest davon überzeugt noch in der Eröffnungsphase zu sein.

So jetzt reicht’s, ich taste noch einmal den Muttermund. Der Kopf ist schon wieder weiter, Muttermund kann ich keinen mehr spüren (wie denn auch :-)). Ob ich mal mitschiebe? Beherzt drücke ich an und es ist einfach nur genial. Jaaaa, mehr, ich will mehr!!!! Pure Lust. Ich genieße es, gebe mich dem Moment voll und ganz hin. Das Mitschieben geht leicht, ein kurzer Plopp und der Kopf ist da. Ich spüre noch immer keine Presswehen also mache ich weiter. Jaaa, noch meeeehr, meeeehr, ich will mehr davon…

Plötzlich ist das Baby da! Ich fange es und drehe es zu mir. Es schlägt die Augen auf und betrachtet mich durch das Wasser. Langsam hebe ich es hoch. H. kommt herein. Das Baby beginnt zu Schreien, gepresst, das ist gut. ich habe es an meinem Oberkörper und wiege es leicht. Es ist schön rosa. H holt die Jungs und bringt ein Handtuch für das Baby. „Ma, die Uhrzeit!“. H revidiert auf 8:50 Uhr.

Das Zweite will raus, ich spüre es deutlich. Jetzt schon? „Was ist es?“ will H wissen. Ich kann nicht nachschauen, das Baby weint, ich möchte es beruhigen, das Zweite will raus, aber ich will mit dem Ersten noch kuscheln, aber das Zweite kann nicht warten, keine Ahnung ob sich seine Plazenta schon löst, die Nabelschnur vom ersten ist nicht lang genug, dass H es außerhalb des Pools halten kann … Ok, dann halt keine Lotusgeburt, ich nable erst mal ab. Während H die Schere holt, schaue ich nach. „Ein Mädchen!“ „Was, echt?“. H kann sein Glück nach drei Jungs nicht fassen. Ich schneide die Nabelschnur durch, es kommt etwas Blut. Mist, ich hätte abbinden sollen. Ich wickle sie in ein trockenes Handtuch und reiche sie H.

Ich drehe mich zur Poolwand und schiebe mal darauf los. Das erste Schieben ist anstrengend und dann kommt sie wieder, diese riesengroße Lust. JAAAAAA, meeehr, noch mehr …! Ein größeres, gleitendes „Plopp“ und der Körper ist geboren. Oh, also wirklich eine Steißlage, ich habe richtig getastet. Und noch in der Fruchtblase! Da der Körper bis zum Hals geboren ist, packe ich das Bündel und schiebe noch mal an. „Flupp“, der Kopf ist da. Ich stecke meine Hände durch einen länglichen Riss in die Fruchtblase und wickle das Kind heraus. Das Poolwasser färbt sich rot. Ich hebe das Baby hoch. Es hat Blut am Kopf. Es streckt seine Arme aus und schaut. Ich nehme es zu mir, es schluckt. Es schaut und schluckt, wird bläulich. H wird nervös. Ich reibe dem Kind den Rücken, taste die Nabelschnur, pulsiert sie? Ich sauge es ab, komme aber nicht richtig dazu. Endlich ein kleiner, blubbernder Schrei, wenig, aber es reicht. Ok, passt, alles gut. „Die Uhrzeit!“. H hat sie notiert. Einer der Jungs bringt mir ein Handtuch. „Noch ein Mädchen! H, du hast ZWEI Mädchen gezeugt!!!“ Freude. Ich begebe mich auf meinen Trockenplatz. H bringt mir unsere erstgeborene Tochter, sie saugt bereits an ihrer Faust. Ich lege sie an und beschere mir damit heftigste Nachwehen. Die Zweitgeborene ist mit Atmen beschäftigt. Die Nachwehen sind stark und schmerzhaft, ich lehne meinen Kopf auf die Armlehne der Couch und stöhne. Gottseidank- kurze Pause. Oh nein, nicht schon wieder! Ich versuche herauszufinden, ob ich stark blute, kann mich mit den Mädchen im Arm aber nicht wirklich bewegen. Und diese Nachwehen … ich vergehe fast vor Schmerz.

Nach einer gefühlten Ewigkeit ist unsere erste Tochter eingeschlafen. Ich reiche sie H. Mit der zweiten Tochter trinkend am Arm begebe ich mich auf die Decke vor dem Pool. Ich drücke an, bei den Schmerzen muss die Plazenta doch schon gelöst sein. Nichts passiert. Ich versuche zu tasten, keine Chance, zwei Nabelschnüre und die Fruchtblase hängen aus mir heraus. Nach mehreren Pressversuchen lese ich nach. Aha, wenn die Plazenta nicht kommen will, kann man vorsichtig an der Nabelschnur ziehen, bei Schmerzen sofort aufhören. Ok, ich ziehe mal … und wirklich, die erste Plazenta fällt aus mir heraus. Sie ist groß und hat auf der einen Seite ein ziemlich großes, flaches Blutkoagel. Aha, das war die Loslösungsblutung. Für die zweite Plazenta ziehe ich an Nabelschnur und Fruchtblase gemeinsam. Keine Schmerzen, ein „Flopp“ und die zweite Plazenta ist geboren. Ich lasse unsere zweitgeborene Tochter fertig trinken und wickle ihre Plazenta für die Lotusgeburt in ein Handtuch. Nachdem ich mich mit einer Einlage versorgt habe, ziehen wir um ins Bett im ersten Stock. Ich gehe etwas unsicher, irgendwie ist alles locker und schwabbelig.

Zu Mittag rufe ich die Hebamme für das Wochenbett an. Ich erreiche sie nicht, schreibe ihr eine Nachricht, dass die Babys da sind und wir es nicht mehr ins Krankenhaus geschafft haben. Abends ruft sie zurück und erklärt, dass ich jetzt die Rettung rufen muss und mich mit den Kindern ins Krankenhaus begeben muss. „Sicher nicht!“ Na ja, ich sei ja eigenverantwortlich. Sie kommt am nächsten Tag in der Früh. Sie begrüßt mich mit den Worten „Also, offiziell darf ich das ja nicht gut heißen, aber Hut ab, wie gut sie das gemacht haben!“. Die Kleinen werden gewogen und vermessen: Beide je 3000 g schwer und 50 cm lang. Ich bin stolz auf meinen Körper, auf diese Meisterleistung. Da die Hebamme bei der Geburt nicht anwesend war, möchte sie auch keine Geburtsanzeige für das Standesamt ausstellen. Sie schreibt einen formlosen Zettel mit allen Daten und ihrem Stempel darauf. Wir verabreden uns auf einen weiteren Hausbesuch in 5 Tagen. In der Zwischenzeit hat sie mit dem für ihr Krankenhaus zuständigen Standesamt Kontakt aufgenommen und der Standesbeamte meint, sie solle doch die Anzeige machen, sie wäre ja als Erste da gewesen. Vielen, vielen Dank! Ich juble, auch dieser Teil gut gelöst! Jetzt sind wir also zu siebt!

Lieber H, danke, dass du mich in meinen Plänen so unterstützt hast, dass du mich gelassen hast wie ich wollte, ohne große Diskussion. Und danke, dass du alles wieder abgebaut hast, ich weiß, wie schwer es dir gefallen ist. In Liebe S

 

Leben ohne Schule – Wie wir lernen

Heute mal ein Beitrag nicht zum Thema Geburt. Aber da es einige interessiert, erzähle ich euch mal, wie unsere Kinder ohne Schule leben und doch was lernen. 😉

Die meisten Dinge lernen sie eigentlich aus dem Alltag mit uns. Kochen, Einkaufen, Nähen, Wäsche waschen, im Garten arbeiten …

Daran knüpfen sich automatisch typische Schulfächer: Einkaufslisten müssen geschrieben werden, Zutaten abgewogen, Pflanztiefen gemessen und Wechselgeld nachgezählt werden.

Vormittags haben wir meist eine Zeit, wo außerdem das schulisch geübt wird, was sich nicht so ganz von allein ergibt. Momentan ist das zum Beispiel die Schreibschrift. Mir ist es persönlich wichtig, dass die Kinder eine Schreibschrift lernen. Das Lesenlernen bringen sich manche Kinder selbst bei, manche wollen dabei aber gern begleitet werden. Das ist also auch etwas, das ggf. vormittags geübt wird. Genauso wie Englisch.  Wobei sich das auch gut über Filme und Besucher aus dem Ausland lernt. Dank Besuchern über workaway.info kann unsere Große schon ziemlich gut Englisch. Mit dem Französischen ist es für uns nicht so einfach, obwohl wir in Frankreich sind, da hier eben fast überall auch elsässisch (ein deutscher Dialekt) gesprochen wird. Da haben wir jetzt aber eine Lehrerin gefunden, die ins Haus kommen wird. Eine ganz Klassische, aber ich bin offen und gespannt, wie die Kinder das aufnehmen.

Das, was wir Schulisches machen, ist in jedem Fall auf den Vormittag beschränkt und der Nachmittag ist frei und entspannt.

Die beiden Großen lernen außerdem ein Musikinstrument – hier vor Ort an der Musikschule.

Welche Materialien nutzen wir? Unser Schulschrank quillt über und unsere Bücherkisten auch.

Eigentlich macht die Arbeit mit diesen Büchern nur ein Bruchteil des Lebens ohne Schule aus. Aber weil die meisten durch die Schule so geprägt wurden, hält man diesen Teil für besonders wichtig und entsprechend gibt es dazu häufig Fragen. Deshalb  im Folgenden die klassischen Schulmaterialien, die wir gern nutzen:

Zum Lesenlernen die Fibel von Mildenberger: Das Buch verwendet das Prinzip Lesenlernen nach Silben, was mir gut gefällt und das Lernen leicht macht.

Zum Erlernen einer Schreibschrift nutzen wir einen Schreibschriftlehrgang ebenfalls von Mildenberger: Zum Schreibenüben der besten Lehrgang den ich finden konnte. Auch wenn wir die Silben nicht mit blau und rot im Wechsel schreiben. Das haben unsere Kinder – jedenfalls die, die damit schon schreiben gelernt haben – nicht gebraucht. Aber trotzdem gefallen mir das Gesamtkonzept und die Illustrationen besser als die von vielen anderen Hefte, die ich mir angeschaut habe.

Besonders beliebt sind außerdem die Hefte der Stars-Reihe: Hier darf sich das Kind für die Bearbeitung von (meist) zwei Seiten einen Stern einkleben.

Und Alfons Lernwelt, ein Computerlernprogramm, mit dem auch unsere Fünfjährige schon begeistert arbeitet: Alfons, der kleine Geist, kommentiert geistreich und witzig und begleitet durch die Übungen. Man verdient sich mit dem Durcharbeiten der Übungen Heller, die man einsetzen kann, um sich ein Zimmer einzurichten oder andere spaßige Dinge zu machen.

Die Welt mit ihren Themen darf bei uns zu Hause auch nicht fehlen.

Diese Karte von www.weltkarten.de durfte ich für euch testen. Sie ist auf Leinwand, aber es gibt sie auch auf Holz, Alu und natürlich Papier. Ich mag die unaufdringlichen Farben dieser Version. Die Aufhängelösung ist erfreulich einfach gestaltet. Ein bisschen schade ist, dass die Schrift bei kleinen Städtebezeichnungen nicht mehr lesbar ist und sich manchmal farblich auch kaum vom jeweiligen Hintergrund abhebt. Da muss man ziemlich nah herangehen. Schade ist auch, dass die größeren Versionen gleich so viel teurer sind. Unsere ist die 100×50 cm Variante. Aber auf jeden Fall sehr dekorativ und ein schönes Accessoire für das Lernen zu Hause.

Was ist nun das schönste am Lernen ohne Schule?

man darf ausschlafen

man kann sich seinen Tag frei einteilen

nachmittags warten keine Hausaufgaben

und es gibt kein Mobbing und kein Ärger mit Lehrern.

Was sind die Nachteile?

In unserem Fall, dass die Kinder nicht automatisch französisch lernen, wie das der Fall wäre, wenn sie hier in die Schule gingen.

Freunde findet man nicht auf dem klassischen Weg, aber dafür gibt es zum Glück Nachbarn, Vereine und Schulfreitreffen.

Interessiert am freien Lernen? Lust, etwas für die Bildungsfreiheit in Deutschland zu bewegen? Werde doch Mitglied der Schulfrei-Bewegung