Geplante Beleggeburt wird ungeplante Alleingeburt

Ihr Lieben, die Mutter im folgenden Bericht hatte für ihr drittes Kind eine Beleggeburt im Krankenhaus geplant. Dann ging aber alles ganz schnell – zu schnell für die gemachten Pläne. Wie die Mutter das erlebt hat, könnt ihr im Folgenden lesen. 🙂

Geburtsbericht von klein Leonard

Am 05.12.2016 um 5.25 Uhr bei genau 40+0 wurde ich wach und verspürte ein Ziehen. Da die Mittlere stillen wollte, bin ich wach geblieben und habe mal die Uhr beobachtet: 5.35 Uhr, 5.45 Uhr erneut. Aber dann … 5.50 Uhr, 5.53 Uhr, 5.56 Uhr, 5.59 Uhr … Ich rief meine Hebamme an und sagte ihr, dass ich seit 5.25 Uhr Wehen habe, die plötzlich immer schneller kommen und auch intensiver werden. Sie sagte, wir sollen uns fertig machen und in die Klinik kommen. Ich sagte ihr, dass wir noch die Kinder wecken und anziehen müssen und schätzungsweise gegen 6.45 Uhr im Kreißsaal sind. Dann hab ich meinem Mann geholfen, die Kinder zu wecken und anzuziehen. Musste mittlerweile jede Wehe ordentlich veratmen (war etwa gegen 6.25 Uhr). Er zog sich an und fuhr ein paar Straßen weiter zu meinen Eltern um die Kinder abzuliefern. Meine Schwiegermutter kam in der Zwischenzeit und machte mich nervös. Ich hab mich dann ins Bad verkrochen und hab sie ins Wohnzimmer geschickt mit der Bitte, mich in Frieden zu lassen. Ich verspürte plötzlich einen wahnsinnigen Druck. Ich fühlte und tastete und konnte es kaum glauben: Eine pralle Fruchtblase ragte aus mir heraus – fühlte sich an wie eine Luftballon voll Wasser. 😀  Ich habe nochmals getastet, ob evtl. die Nabelschnur zu ertasten ist, war sie aber nicht. Also hab ich die Fruchtblase mit zwei Fingern zum Platzen gebracht (6.48 Uhr). Ich schaute unter mich und sah klares Fruchtwasser. Ich legte mir schnell zwei dicke Badetücher gefaltet vor die Wanne, denn jetzt wurde mir erst bewusst: Dieses Baby kommt hier zur Welt, jetzt in dem Moment. Ich bin auf alle Viere und habe geatmet. Es spannte, ich fühlte nach. Der Kopf war bereits da. Dann hörte ich, wie mein Mann die Wohnungstür aufschloss. Ich rief nur noch: „Komm schnell, der Kopf ist schon da!“ Er kam und stand panisch schauend in der Tür. (Diesen Blick werde ich im Übrigen nie vergessen. 😂) Ich habe eine weitere Presswehe veratmet und klein Leonard wurde geboren. Um 6.53 Uhr lag er da,  so niedlich, so vollkommen, so perfekt. Er schrie sofort und wurde rosig. Ich packte ihn in ein Handtuch und hielt ihn an meine Brust damit er nicht auskühlt. Völlig mit der Situation überfordert rannten mein Mann und meine Schwiegermutter wie nervöse Hinkel durch die Wohnung. Ich sagte, sie sollen sich beruhigen. Ich war die Ruhe selbst, es war meiner Einschätzung nach alles in Ordnung, also kein Grund panisch zu werden. Ich bat meinen Mann meine Hebamme anzurufen und ihr Bescheid zu geben, da sie ja bereits auf uns wartete. 🙈 Sie schickte uns dann einen RTW und zwei Notärzte, um uns dann in die Klinik zu bringen (ein riesen Fehler wie sich hinterher herausstellte, aber das ist wieder ein anderes Thema). Die Sanitäter kamen, nabelten ab und haben uns in den RTW gebracht. Im Kreißsaal angekommen wurde Leonard gewogen und vermessen. 4070g, 56cm und einen KU von 35cm. 😊 Die Plazenta wurde geboren und ich wurde genäht.

Ich bin unendlich dankbar diese Erfahrung gemacht haben zu dürfen. Ich hatte drei wundervolle Geburten, aber diese dritte Geburt war was ganz besonderes . ❤

Ich habe diese Mama dann noch neugierig gefragt, warum sie den Transfer in die Klinik als so unangenehm erlebt hat. Hier ihre Schilderung: 

Es ging hauptsächlich ums Stillen. Ich habe mir die Freiheit genommen, dass ich mich nach 16 Monaten Stillerfahrung als Profi bezeichnet habe. Leonard hat in den ersten beiden Tagen mehr als die besagten 10% abgenommen (und zwar genau 20g zu viel 😑). Am dritten Tag hatte er bereits 10g zugenommen, sodass er bei der U2 noch genau 10g unter der Grenze lag. Nachdem der Kinderarzt dann sagte, dass er uns so auf gar keinen Fall entlassen kann, da Leonard „quasi am Verhungern ist“, bin ich dezent ausgeflippt und es wurde laut auf Station. Die Diskussion zwischen Arzt, Kinderkrankenschwester und mir muss wohl äußerst interessant gewesen sein, später standen nämlich überall die Türen auf und neugierige Köpfe schauten heraus 😂.
Der gute Herr Doktor hat verlangt, das ich meinem drei Tage alten Sohn 80ml Pre Nahrung per Flasche fütter. Habe ich selbstverständlich abgelehnt. Ich argumentierte damit, dass ich seit dem morgen meinen Milcheinschuss habe und es deswegen unnötig sei auf Kunstnahrung zurückzugreifen. Damit war er dann auch vorerst einverstanden, allerdings verlangte er dann, dass ich 120ml abpumpe und ihm per Flasche fütter (warum konnte er allerdings nicht begründen). Ich bombadierte ihn dann mit den verschiedensten Bildern (Zufütterungsfalle, Größe des Magens eines drei Tage alten Babys usw.).
Ja, was soll ich sagen, er war ja schließlich der Arzt und nicht ich. Ich hätte von alldem keine Ahnung weil ich nicht studiert habe. Ich habe ihm dann gar nicht weiter zugehört. Bin wieder auf meiner Zimmer und hab erst mal vor lauter Wut geweint. Die Schwestern kamen dann noch ein oder zweimal. Ich soll Stillproben machen um zu schauen, wie viel er trinkt pro Mahlzeit usw. (absoluter Schwachsinn 😒)
Meine Hebamme kam dann am späten Nachmittag noch zu mir und sagte, sie vertraue mir da voll und ganz. (Sie hat Kind Nr.2 entbunden und kennt mich dementsprechend lange und weiß, dass ich genügend Stillerfahrung habe.)
Ich habe die Schwestern und auch die Ärzte gebeten, mir meine Ruhe zu lassen und habe mein Kind nach Bedarf gestillt. Am nächsten Tag dann die Stunde der Wahrheit: +90g. Der Kinderarzt hat sich im Übrigen nicht mehr blicken lassen. Hätte so gerne sein Gesicht gesehen. 😂

Es ärgert mich soooo sehr, dass die Kliniken so wenig Ahnung vom Stillen haben. Wenn ich eine unerfahrene Mutti gewesen wäre, hätte ich vermutlich auf Schwestern und Ärzte gehört und hätte damit vermutlich auch schon abgestillt aufgrund einer Saugverwirrung o.ä.

Wir stillen jetzt seit drei Monaten Tandem und beide Kinder werden satt. Aber ich hab ja von alldem keine Ahnung weil ich nicht studiert habe wie er.

(*Achtung, einige Sätze könnten Ironie enthalten* 😉 )

Eine mutige Frau und ihre Geburten

Hallo ihr Lieben, der folgende Bericht stammt von einer Mutter, die vier Kinder und drei Sternenkinder hat. Hier berichtet sie von ihren ganz unterschiedlichen Geburtserlebnissen. Ein Kind kam in  Beckenendlage und das letzte Kind wurde geplant in Eigenregie geboren – mit einer Plazenta, die sich 30 Stunden Zeit ließ. Viel Spaß beim Lesen und vielen Dank an die Mama für’s Teilen dieser wertvollen Momente voll Mut und Selbstbestimmung!

Irgendwann war es soweit – Mein Abitur war bestanden und wir setzten die Pille ab.
Die Freude war riesig, als der Test uns sagte, dass wir ein Baby bekommen werden. Auch der Test bei meiner damaligen (ziemlich groben) Frauenärztin zeigte positiv. Anfang März 2011 sollte der Termin sein.
Aber es gab eine Person, die sich darüber gar nicht freuen konnte – mein Vater! Der Mann, der mir meine Kindheit und Jugend zur Hölle machte, wusste nun, dass ich ausziehen werde und er keine Gelder mehr für mich kassieren konnte. So nahm das ganze seinen Lauf und er mir mein erstes Kind. Am 8. Juli 2010 verlor ich mein Sternchen nachdem sich ein großer Bluterguss an der Gebärmutter bildete. Meine Frauenärztin hatte zu dem Zeitpunkt Urlaub, also ging ich zu einer anderen, bei der ich dann auch blieb. Sie hat uns toll aufgefangen. Nachdem feststand, dass alles vom Körper selbst „herausgespült“ wurde, sollte es keine Probleme geben, rasch erneut schwanger zu werden.
So kam es dann auch und kurz darauf erwarteten wir unser Folgewunder. Wir freuten uns auf einen süßen kleinen Jungen, der am 19. April 2011 das Licht der Welt erblicken sollte. Als der Termin verstrichen war, musste ich natürlich jeden zweiten Tag zur Untersuchung. Mir war das alles schon immer sehr unangenehm und schrie so sehr nach Kontrolle. Eigentlich wollte ich immer Zuhause entbinden, aber eine Hebamme dafür gab es im Umkreis nicht. KRANKENhaus war für mich immer nur für Kranke und deren Genesung gedacht – Aber zum Gebären?! Mir wurde dann immer eindringlicher zu einer Einleitung „geraten“. Genau genommen fühlte ich mich fast genötigt. Aber ich blieb standhaft. Ich wollte keine Einleitung! Die Unterlagen im Kreißsaal hatte ich schon längst ausgefüllt: „Keinen Dammschnitt und kein frühes Abnabeln“ hatte ich extra groß dazu geschrieben.
Am 1. Mai (Feiertag – Sonntag) war ich also wieder im Kreißsaal zur Untersuchung. Wieder wurde ich gebeten einleiten zu lassen. Meinem Sohn ging es prächtig und mir auch. Ich verneinte und ging aus dem Untersuchungsraum. Ich war zu dem Zeitpunkt ET+12. Auf dem Gang passierte es dann. Ein Blasensprung wie im Hollywoodfilm! Alles nass! Ich ging zurück und sagte „Mein Kind kommt!“ – und genau so war es auch! Sofort bekam ich heftigste Presswehen. Ich wusste gar nicht, was genau geschah, aber ich habe instinktiv mit gepresst und geschrien. In den Kreißsaal habe ich es nicht geschafft. Mein Kind kam noch im Untersuchungszimmer. So kam es, dass die Ärztin gegen meinen Willen den Damm schnitt, während die Hebamme meinte, dass es nicht nötig sei. Mein Kind war nach 12 Minuten da, wurde abgenabelt und mir an die Brust gelegt. „Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Tochter Frau Kiel!“ Halt! Tochter? Ich hatte doch einen Sohn im Bauch!? Nun gut – Meine Gynäkologin, die Feindiagnose und die Gynäkologin im Krankenhaus haben sich also geirrt. Adrian-Pascal ist noch heute eine Zoe-Summer! Zoe ist altgriechisch und bedeutet „das Leben“. Ihre Namensrune ist zeitgleich die Lebensrune. Das bezieht sich auf die vorangegangene Fehlgeburt. Summer war eine Eingebung des Vaters und sie ist tatsächlich ein sehr sommerlicher Typ. Sie war 45 cm kurz und brachte zarte 2530 g auf die Waage. Ihr Köpfchen hatte einen Durchmesser von 32 cm. Ich bin am Muttermund gerissen und in der Scheide, aber mein Damm wäre locker genug gewesen und nicht nennenswert gerissen. Dafür hat man ihn eben schön weit aufgeschnitten – man gönnt sich ja sonst nichts. Nachdem ich genäht wurde und eine Bluttransfusion bekam (Aufgrund der Verletzungen und einem gestörten Gerinnungswert hatte ich viel Blut verloren) durfte ich dann mit meiner Tochter auf Station. Dort war es nicht viel besser – ich wurde ständig gestört, weil die Schwestern ganz selbstverständlich einfach hineinplatzen. Ich musste mein Kind vor und nach dem Stillen wiegen und sollte zufüttern. Nicht mit mir! Mein Kind wird gestillt! So kam dann auch recht zügig (am 2. Tag) der Milcheinschuss und der hatte es in sich! Die Brüste waren so prall, dass Zoe gar nicht richtig trinken konnte. Ich müsse unbedingt abpumpen – Also habe ich gepumpt! Es lief und lief und lief! Es lief so toll, dass ich einen Tag später heftige Schmerzen, harte gerötete Stellen und allgemeines Krankheitsgefühl hatte. Mir ging es schlechter als einem Mann mit Grippe! Ich hatte einen saftigen Milchstau! Danke, ihr top ausgebildeten Krankenschwestern! Dank der Hebammen bekam ich das zum Glück innerhalb von 2 Tagen wieder einigermaßen in den Griff und konnte mit meinem Kind nach Hause, wo es seitdem Gott sei Dank NIE WIEDER zu einem Milchstau kam. Dafür hatte ich seitdem an meiner Naht vom Dammschnitt bis zur nächsten Geburt immer nur Probleme und Schmerzen, da diese schief und krumm und viel zu eng genäht wurde!

Noch vor der Geburt war klar, dass der Abstand des Geschwisterchens möglichst gering sein sollte. Unser Plan ging auf – meine Periode kam seit dem Wochenfluss immer pünktlich und mein Zyklus war regelmäßig. Ich wurde rasch erneut schwanger! Das war aber nicht alles: es sollten Zwillinge werden! Der Schock war groß, aber die Freude noch größer. Am 16. Oktober 2012 war ihr Entbindungstermin, doch keines der beiden sollte es bis dahin schaffen. Etwa 2 Wochen nach der freudigen Nachricht auf Zwillinge bekam ich eine starke Blutung und auf dem Ultraschall war am 13. März nur noch eines der Babys zu sehen. Diesem kleinen Würmchen ging es zum Glück prächtig, sodass sich zu der Trauer auch Freude und Erleichterung gesellten. Das kleine Würmchen da drin wuchs und wuchs und wuchs. Es wuchs so schnell, dass sich meine Gynäkologin schon Gedanken machte. Am 23. August vormittags fing es dann plötzlich an: Ich hatte Wehen! Keine Übungs- oder Senkwehen! Ich wusste „Jetzt geht es los!“ Aber es ist doch viel zu früh! Also ging ich erstmal baden – die Wehen wurden stärker. Ohhh! Meine Große muss ja noch komplett versorgt sein – wer weiß wie lange das Baby in der Klinik bleiben muss! „Ich muss nochmal einkaufen!“ Gesagt, getan. Ich machte mir noch etwas zu Essen, dann kam die Große zum Opa und wir in den Kreißsaal. Dort LAG (Oh, wie ich es hasste! Ich wollte mich bewegen!) ich bis zum nächsten Morgen in den Wehen. In der Nacht bekam ich noch eine PDA gelegt, damit ich etwas schlafen könne und „für den Fall der Fälle“. Immer wieder wollte mich die Ärztin aufgrund BEL (unter der Geburt hatte sie sich nochmal gedreht) und Frühgeburt zum Kaiserschnitt drängen. NICHT MIT MIR! Dann wollte mir die Hebamme ohne mein Einverständnis die Blase öffnen. Die beugte sich hinunter – In dem Moment sprang sie von allein und die gute Frau bekam so einiges an Fruchtwasser ab. So setzten nun auch endlich die Presswehen ein. Eine Stunde lang mühte ich mich liegend auf diesem Bett ab. Ich wollte einfach nur aufstehen! Ich wollte nicht liegen, aber ich musste. Statt das machen zu dürfen, was ich instinktiv als richtig und notwendig erachtete, wurde ich beschimpft und beleidigt, dass ich doch nun endlich anständig pressen solle, ich hätte es mir ja so ausgesucht und müsste beim zweiten Kind wissen, wie das funktioniert. Die werte Dame von Hebamme, die wohl besser als Ausbilderin zur Bundeswehr gegangen wäre, durfte dann auf meinen lautstark geäußerten Wunsch den Raum verlassen. Die anwesende Ärztin machte die Situation nicht besser. Ihr dauerte es schlicht zu lange. Also warf sie sich ohne Erklärung auf meinen Bauch, dass ich mich vor Schmerzen erbrach! Dass dieser verdammte Kristeller-Griff überhaupt heute noch angewendet wird ist eine Schande! Mein Baby kam dann zum Glück ohne Schaden heraus – Die Füße voran und das Gesicht gen Himmel (OK, eigentlich war es die Kreißsaaldecke, aber Sternengucker ist Sternengucker.). Mich wundert es ja, dass sie nicht noch auf die „tolle“ Idee kam, an dem Kind zu ziehen. Wieder wurde gegen meinen Willen direkt abgenabelt. Die letzte Geburt lag 16 Monate zurück und die Narbe vom Dammschnitt ist aufgerissen. Dieses Mal durfte mich niemand nähen! Diese Pfuscher mit ihren Nadeln sollten da schön die Finger davon lassen. Ja, die Heilung dauerte etwas länger, aber dafür verheilte es BESSER! Seitdem hatte ich nicht mehr durchgehend Probleme mit der Narbe – nur noch hin und wieder. Meine zweite Tochter – geboren 32+3 – hatte stattliche 3000 g und 51 cm mit einem Kopfumfang von 32,5! Nachdem eine Verrechnung des Termins ausgeschlossen wurde, konnten sich die Ärzte das ganze nur so erklären, dass die verlorene Zwillingsschwester nicht durch die gemeinsame Plazenta versorgt wurde und mein Körper dann weiterhin das eine Kind als Zwillingsschwangerschaft versorgt hat. Zum ET hätte sie laut Ärzten um die 60 cm und 5 kg gehabt. Ursprünglich sollten die beiden Aalissa-Helma und Naya-Rosa heißen. Nun wurde ihr der Name Aalissa-Naya Helma gegeben. Aalissa ist altgermanisch und steht für „das Glück“, welches sie tatsächlich hatte, als ihre Schwester von uns ging und sie bleiben durfte. Naya ist ebenfalls altgermanisch und bedeutet „kleine Schwester“ (Eigentlich war zu dem Zeitpunkt kein weiteres Kind geplant und nach den beiden unschönen Geburten hatte ich sowieso richtige Panik vor Klinikentbindungen.). Helma heißt ihre Ururgroßmutter (die Urgroßmutter des Papas), die übrigens immer noch sehr fit ist. Es ist ein Kriegerinnenname und passt perfekt zu ihr. Rosa hieß meine Urgroßmutter, die mich sehr geprägt hat und in meiner frühen Jugend gestorben ist.

Nach Aalissas Geburt ließ ich mir die Hormonspirale Mirena einsetzen (Das würde ich NIE WIEDER tun, aber das ist ein anderes Thema mit vielen Nebenwirkungen und Hintergrundinformationen, die den Rahmen sprengen würden.) Die Beziehung und Ehe zum Vater der beiden hielt seit der Geburt noch etwa 9 Monate. Nach Gewalt, Drama und Frauenhaus lernte ich dann meinen neuen Partner kennen und lieben. Ich 23, in Scheidung lebend und Mutter zweier Kleinkinder – Er zarte 17! Aber es passte einfach – für ihn, für mich, für die Kinder. Früher schon war er unser Nachbar, als ich frisch verheiratet mein erstes Kind erwartete – nun zog ich um und er war wieder mein Nachbar. Seitdem machten wir einfach alles zusammen, als wäre es schon immer so gewesen und nach kurzer Zeit waren wir ein Paar. Wir redeten darüber, dass wir irgendwann gemeinsame Kinder bekommen wollen, aber wussten noch nicht wann. Die Entscheidung wurde uns abgenommen! Anfang Februar 2015 bekam ich von meiner Gynäkologin gesagt, dass wir am 9. September 2015 unser erstes gemeinsames und ich mein drittes Kind bekommen sollte. Der Schock saß! Die Zeugung musste in etwa um Weihnachten gewesen sein – Mitte November bei der Kontrolle war die Spirale noch an Ort und Stelle – Nun war sie unauffindbar. Ein Herausfallen hätte ich wohl merken und sehen müssen, Verwachsen mit Plazenta, Kind oder den Bauchraum ließ sich nicht feststellen. Also war ich risikoschwanger! (Wer auch immer sich diesen Begriff ausgedacht hat.) Die Schwangerschaft war zum Kotzen! Es tut mir ja Leid für die Wortwahl (Nein, eigentlich nicht.), aber wie kann man dieses tägliche Erbrechen und Übelkeit rund um die Uhr bis zum Ende der Schwangerschaft sonst bezeichnen? Ab der Hälfte der Schwangerschaft kamen vorzeitige Wehen hinzu. Bettruhe. Toll!!! Je näher der Termin kam, desto panischer wurde ich. Ich MUSSTE ja in das verhasste Krankenhaus wegen dieser dummen Spirale, falls sie mit dem Kind verwachsen wäre und eine OP nötig sein sollte. Ich ging dann auch nicht mehr zu meiner Gynäkologin (soooooo häufig war ich ehrlich gesagt sowieso nicht dort), weil ich mich lieber mit meinem Inneren beschäftigte und mir die Termine zu viel Stress bereiteten (2 Stunden Fahrt ist ja auch nicht so angenehm im Sommer hochschwanger). Am 4. September (ein Freitag) sagte ich dann „Am Montag kommt sie!“ So sollte es sein. Am 7. September in der Nacht merkte ich, dass sie sich langsam auf den Weg machen will. Ich hatte unregelmäßig Wehen, die ich gut verstecken konnte. Ob ich sie nur vor meinem Mann oder doch auch vor mir selbst nicht eingestehen wollte, das weiß ich nicht genau. Ich bekam einfach nur Angst! Nicht vor der Geburt, sondern vor der Klinik! Bis etwa Mittag ging das gut, dann bekam ich richtige Wehen und ich konnte nichts mehr verstecken, so dass ich mit ihm dann gezwungenermaßen in den Kreißsaal ging. Dort ging dann natürlich erstmal gar nichts mehr. Also gingen wir raus, etwas essen. Plötzlich wurden die Wehen so stark, dass ich immer wieder aufstehen musste. Wir gingen also zurück. Auf dem Weg zum Kreißsaal konnte ich so ziemlich jede Tapenstruktur der Klinik abtasten. Als wir angekommen waren, wurde schon wieder direkt in mich hineingefasst. Ich hasse diese ständigen Untersuchungen! Es ist unangenehm, es tut weh – und es tut verdammt nochmal nichts zur Sache! Nun ja, es wurde dennoch gemacht und siehe da: vorher komplett geschlossen, war der Muttermund nun vollständig geöffnet. Und wieder musste ich liegen bleiben! Habe ich schon erwähnt, dass ich das gar nicht leiden kann? Ein paar Minuten später platzte die Fruchtblase und die Presswehen setzten ein. Ich lag auf der Seite. Die Hebamme, die generell nur schlecht gelaunt und nervig war, schrie herum, ich solle nicht pressen und muss unbedingt auf den Rücken! Ich sagte nur, dass das nicht geht und ich nicht will, also wurde mein Mann genötigt, mich auf den Rücken zu drehen. Ich hätte der guten Frau den Hals umdrehen können! Nicht pressen? Wenn mein Körper mir das Signal gibt, dann führe ich den Befehl auch aus! Ich presste also unter Operngesängen schön mit. Mit einer zweiten Presswehe hatte ich dann den Kopf geboren. Die Hebamme schimpfte regelrecht, dass ich jetzt bloß nicht weiter pressen soll. Die nächste Presswehe kam, ich presste und das Kind war komplett geboren. Wie die beiden Male vorher schon, wurde das Kind gegen meinen Willen sofort abgenabelt. Kein Riss, kein Schnitt, keine Schürfung! Alles blieb ganz am Mutter und Kind! Und das obwohl ich genau das Gegenteil getan habe, was die Hebamme verlangte (Ja, sie VERLANGTE es! Sie bat nicht um etwas, sie gab keinen Rat, nein, sie VERLANGTE, dass ich so gebäre, wie sie es WOLLTE!). Meine dritte Tochter war wieder 51 cm groß, wog 2880 g und hatte einen Kopfumfang von 33 cm. Mirena-Freya wurde nach der Hormonspirale benannt, die sie ausgetrickst hatte. Mirena ist aber auch ein italienischer Name. Freya ist die Fruchtbarkeitsgöttin. Die Zusammensetzung dieser beiden Namen beschreibt ganz gut, wie es zu diesem kleinen Geschöpf kam. Mirena war eine ambulante Geburt und dank meiner Hartnäckigkeit schonmal deutlich angenehmer, als die beiden Horrorgeburten zuvor. Dennoch war die Geburt übergriffig und alles andere als selbstbestimmt. Und obwohl nur eine einzige Hebamme dabei war, fühlte ich mich damit nicht wohl. Ich mag einfach keine Zuschauer dabei haben. Die möchte ich nicht bei der Zeugung und eben sowenig bei der Geburt. Ich kann ja nicht einmal kacken, wenn Besuch bei uns ist, also wie sollen mir dann fremde Menschen während dem Gebären hilfreich sein?

Nach dieser Geburt wurde ich trotz Kondomen in der Vollstillzeit erneut schwanger. Das haben wir allerdings erst durch die (sehr frühe) Fehlgeburt gemerkt. Ab da an war uns klar, dass da noch eine kleine Seele zu uns wollte und wir waren bereit dazu. Nach ein paar Monaten war ich dann wieder schwanger. Dieses Mal ging ich zu einer anderen Gynäkologin (ich wollte nicht 2 Stunden fahren), die die Schwangerschaft feststellte. Diese Frau empfand ich als absolut nicht hilfreich, negativ und teilweise untragbar, sodass ich mich schnell dazu entschloss, auch auf die Schwangerschaftsvorsorge zu verzichten. Zuvor hatten wir ein Gespräch mit einer Hausgeburtshebamme, zwischen der die Chemie auch nicht so recht passte und wir ohnehin merkten, dass wir die Geburt generell am Liebsten ohne störende Drittperson erleben wollen. Somit war die Hebamme frei für eine Frau, die mit ihr gemeinsam gebären möchte und wir waren frei von sämtlichen Leuten, die uns irgendetwas aufzwingen und einreden wollen. Es war die schönste und entspannteste Schwangerschaft von allen! Ich habe es GELIEBT schwanger zu sein. Ich fand es so wundervoll, ohne blöde Termine und Druck in 100%igen Kontakt zu meinem Kind zu stehen. Ich wusste immer ganz genau, was mein Baby macht, wo und wie es liegt. Auch der Papa konnte tasten, wie es liegt und mit seinem Kind kommunizieren. Wir bereiteten uns auf die Geburt nach und nach und ohne viel Hektik vor. Mein Mann wollte dann gern Sarah Schmids „Alleingeburt“ lesen und stellte fest, dass da eigentlich nur das drin steht, was er selbst auch über natürliche Geburten denkt. Alles in allem lieben wir dieses Buch. Es bestärkte uns darin, dass wir das richtige tun. Ich würde es jeder ängstlichen Frau empfehlen, nicht nur denen, die eine Alleingeburt (Irgendwie fand ich den Begriff gar nicht passend für uns, weil ich ja gar nicht ALLEIN, sondern nur ohne Störfaktoren gebären wollte. Freie Geburt trifft es eigentlich besser – die Schwangerschaft war von Freiheit geprägt und so sollte die Geburt ebenfalls sein – FREI!) planen. Das Baby drehte sich noch 2 mal in Querlage, die wir gemeinsam durch reden und mit den Händen anleiten beide Male schnell wieder in eine SL brachten. Dann war es soweit. Etwas früher als erwartet wollte sie zu uns kommen. Erst ging am 9. Februar der Schleimpfropf ab (das hatte ich bei den 3 Geburten zuvor nie), dann am nächsten Tag hatte ich leichte und recht unregelmäßige Wehen über den ganzen Tag. Am 11. Februar um 2:44 Uhr wurde ich dann endgültig wach, indem mir die Fruchtblase sprang. Mehr als ein paar Tropfen kamen nicht. Ich stieg dann in die Badewanne und mein Mann zündete die Geburtskerze und weitere Kerzen an. Ich fühlte mich einige Zeit lang wohl im warmen Wasser und die Wehen wurden kräftiger und regelmäßiger. In der Übergangsphase bin ich dann aus der Wanne gestiegen. Die Geburt fand dann im Bett statt. Die Presswehen dauerten etwa eine Stunde an. Ich versuchte es je nach dem wie ich mich wohl fühlte in verschiedenen Positionen. Das Köpfchen fand den Weg nicht allein und brauchte meine Unterstützung. Als ich dann im Vierfüßlerstand war, ging alles sehr schnell und mit nur einer Presswehe konnte ich das Kind im Ganzen gebären. Ich ging mit dem Unterkörper nach unten und sie glitt als Sternenguckerin sanft auf meiner Hand auf das vorher mit Unterlagen ausgelegte Bett, bevor ich das Becken wieder hob. Da war sie nun. Ich konnte mein Kind eigenständig nehmen, statt zu warten, dass es mir von einem fremden Menschen gereicht wird. Die Nabelschnur war relativ kurz, sodass ich sie gerade so anlegen konnte. Sie nuckelte dann etwa eine Stunde an meiner Brust, danach kuschelten wir einfach weiter. Es war einfach wundervoll. Nach etwa 3 Stunden haben wir dann gemessen und gewogen. Sie war 53 cm lang, wog (nachdem sie mich schon ordentlich angepinkelt hatte) 2990 g und hatte einen Kopfumfang von 35 cm. Aus unserer geplanten Lotusgeburt wurde leider nichts. Da die Nabelschnur recht kurz und die Plazenta noch nicht geboren war und ich immer unruhiger wurde durch meinen Bewegungs- und Harndrang, entschlossen wir uns dann 19:14 Uhr die Nabelschnur zu durchtrennen. Als mein Mann sie durchschnitt, weinte das schlafende zufriedene Baby sofort kurz auf und mir zog ein ungutes Gefühl durch den ganzen Körper. Die Plazenta wurde dann am nächsten Tag etwa 30 Stunden nach dem Kind geboren. Mein Körper konnte nicht so schnell von der wundervollen Schwangerschaft loslassen und brauchte diese Zeit. Ich vertraute meinem Körper und gab ihm diese Zeit. Diese Erfahrung ist unbeschreiblich, nachdem ich nach jeder Geburt sofort eine Spritze bekam, dass die Plazenta direkt geboren wird. Ich hatte selbst im Gefühl, dass das alles so richtig ist, war aber dennoch währenddessen in Kontakt mit ein paar wundervollen und erfahrenen Alleingeburtlerinnen, die mich in meinem Körpergefühl weiter bestärken konnten. Den beiden großen Töchtern, die unbedingt bei der Geburt dabei sein wollten, war die Geburt am Ende zu laut und sie haben im Zimmer gespielt, aber bei der Plazenta-Geburt hatte ich ausschließlich die beiden bei mir. Sie haben mir, während ich sie in meine Hand gleiten ließ, Schüssel und Sieb gereicht, die eigentlich für die Lotusgeburt bestimmt waren. Nun liegt das gute Stück im Gefrierfach und wartet darauf, dass unsere Jüngste alt genug ist und wir einen Apfelbaum darauf pflanzen können. Jetzt ist unsere Familie komplett und unser letztes Kind heißt Elana-Sorina Fenia. Elana ist wieder ein italinischer Name und bedeutet „Sonnenstrahl“. Sorina ist germanisch und steht ebenfalls für „die Sonne/Morgenröte“ und ist die Tochter des Thor. Sie soll ihr Licht für unsere 3 Sternenkinder erleuchten lassen. Fenia kommt aus der keltischen Mythologie. Fenia und Menia waren zwei Riesinnen unter dem dänischen König Frodi. Fenia bedeutet „die Moorbewohnerin“. Sie soll also selbst im dunkelsten Moor hell strahlen. Dass die kleine Riesin mein größtes Kind zur Geburt sein soll, wussten wir in der Schwangerschaft zwar nicht, aber das Gefühl hatte mal wieder gepasst.

Ein weiteres ganz wichtiges Gefühl ist meine Überzeugung, dass manchmal die Seelen unserer Sternchen zu uns zurück finden. Aalissa hat schon immer ihre Zwillingsschwester gefehlt. Das hat man ihr seit der Geburt angemerkt. Nicht nur dass Elana ihr unglaublich ähnlich sieht – auch andere Dinge passen zusammen. Beide Geburten hatten mit den Wehen etwa einen Tag gedauert und bei beiden hatte ich etwa eine Stunde lang Austreibungsphase. Beide Kinder waren Sternenguckerchen. Beide waren lang und dünn. Ebenso hatten beide eine leichte Neugeborenengelbsucht. Sogar ein paar ihrer Verhaltensweisen sind sehr ähnlich. Ich weiß, dass es nicht ein und dasselbe Kind sein kann, aber ich bin mir irgendwie sicher, dass ein Teil von ihr jetzt bei uns lebt.

 

Was tun … wenn das Baby im Becken stecken bleibt?

Dies ist der dritte Beitrag zum Thema Geburtsstillstand und Optimierung der Kindslage. (Hier geht’s zu ersten Teil.) Das, was ich hier teile, beruht auf dem umfangreichen Wissensschatz der Hebamme Gail Tully, den sie auf ihrer Webseite und in ihren Workshops teilt. In diesem Beitrag geht es um einen Geburtsstillstand und wie er sich überwinden lässt, wenn das Baby ins Becken eingetreten ist und dort nicht weiterkommt. Meist ist das auf Beckenmitte der Fall, aber auch ein Steckenbleiben im Beckeneingang ist möglich.

Woran erkennt man, dass das Baby im Becken steckengeblieben ist?

  • Geburtsstillstand (2-4 Stunden) mit starken Wehen, mit oder ohne Schmerzen im untere Rücken (Wenn die Hebamme untersucht, ist der Muttermund gewöhnlich bei 5-8 cm, klassischer Stillstand auf Beckenmitte geschieht bei 7 cm Muttermundseröffnung)
  • Die Pfeilnaht (die Rinne zwischen den Schädelplatten, die von vorn nach hinten über Babys Kopf zieht und von der Hebamme getastet werden kann) bleibt quer und der Kopf tritt nicht tiefer. Wenn das Problem der Beckenboden ist, dreht sich der Kopf nach Übungen, die den Beckenboden entspannen und ins Gleichgewicht bringen (z.B. Side-Lying-Release). Wenn der Kopf sich nicht dreht, bleibt er über den Knochenvorsprüngen im Becken hängen, auf die im Bild die Pfeile zeigen (tiefer Querstand). 
  • Der durch den quer stehenden Kopf gefühlte Druck kann zu Panik führen oder dazu, dass die Frau zurückhält und sich dem Prozess nicht hingeben kann.

Welche Ursachen kann das haben? (eine oder mehr sind möglich)

  • Asynklitismus – der Kopf ist ein Stück zur Seite gekippt und kommt deshalb nicht weiter. Meist bei einem Beckenboden, der zu einer Seite hin verspannt ist. Der Beckenboden dient dem Kopf als Führung. Ist die Führung schräg, kippt der Kopf eher schräg.
  • Sternenguckerlage (hintere Hinterhauptslage), evt. plus wenn das Baby das Kinn nicht auf die Brust genommen hat, was aus der Sternenguckerlage häufiger mal passiert. Dann ist das Manövrieren durch das Becken u.a. aufgrund des größeren Kopfdurchmessers erschwert.
  • verspannte Bänder und Muskeln im Becken durch eine ungünstige Körperhaltung/viel sitzen in der Schwangerschaft
  • Unfälle oder andere Ursachen für ein schiefes Becken

Was kann man tun?

Im unteren Bild ist dargestellt, an welcher Station im Becken jeweils der meiste Platz ist und wie das Baby seinen Kopf drehen muss, um durch das Becken zu manövrieren.

Während es den Kopf im Beckeneingang quer drehen muss (gelb), ist auf Beckenmitte der meiste Platz diagonal (grün) und am Ausgang in gerader Richtung zu finden (blau). Der Kopf muss sich also vom Beckeneingang zum Beckenausgang um 90° drehen.

Die meisten Babys drehen sich auch brav so. Die, die das nicht tun, bleiben stecken.

Verschiedene Übungen können helfen, wieder Bewegung in die Situation zu bekommen.

Übungen zur Entspannung des Beckenbodens: 

Sidelying Release: Die dritte Übung der Fantastischen Vier, die ich hier detailliert beschrieben habe: Vier ausgleichende Übungen für Schwangerschaft und Geburt. Sie soll den Beckenboden entspannen und ins Gleichgewicht bringen, da der verspannte Beckenboden eine häufige Ursache für einen Stillstand im Becken ist.

„Das Bäumchen schütteln“ (shake the apple tree): Auch diese Übung soll helfen, den Beckenboden zu entspannen. Mit den Händen oder dem Rebozo-Tuch schüttelt man für ca. 20 Minuten rhythmisch den Po der Mutter – in sanften, schnellen Bewegungen, die es der Frau ermöglichen, Muskeln des Beckenbodens zu entspannen, die sie nicht so einfach bewusst „loslassen“ kann. Die Frau kann sich dazu vorn übergebeugt auf etwas lehnen oder stützen oder sich in der weiter unten beschriebenen offenen Knie-Ellenbogenlage befinden. Wichtig ist, dass das Wackeln als entspannend empfunden wird, denn entspannen soll es.

Das Becken weiter machen:

diagonale Ausfallschritte: Diese Übung soll mehr Platz zu den Seiten im mittleren Becken schaffen, damit ein im tiefen Querstand steckengebliebenes Baby den Kopf drehen kann oder ein Baby, das mit nicht optimal kleinsten Kopfdurchmesser eingestellt ist, passieren kann.

Wie macht man’s?

Die Mutter stellt ihren Fuß auf einen Stuhl, der neben ihr steht und macht leichte Schaukelbewegungen, indem sie ihr Gewicht ein Stück zu dem aufgestellten Fuß hin und wieder zurück verlagert. Festhalten an der Stuhllehne oder einem Helfer erlaubt. Während ca. 10 Wehen wiederholen, auf beiden Seiten oder mehr auf der Seite, wo es sich effektiver anfühlt. Zwischen den Wehen den Fuß herunternehmen, entspannen oder das tun, was sich passend anfühlt.

offene Knie-Ellenbogen-Lage: Wenn das Baby während der Geburt  auf Beckenmitte oder auch im Beckeneingang stecken geblieben ist, kann diese Übung das Baby wieder ein Stück aus dem Becken bewegen, und ihm die Chance geben, sich – mit Hilfe der Wehen – erneut und besser einzustellen.

Wie macht man’s?

Wie der Name schon sagt, befindet sich die Frau dazu auf den Knien und Ellenbögen. Der Hintern ragt in die Luft. Im Gegensatz zur normalen Knie-Ellenbogenlage werden die Knie weiter nach hinten platziert, weg vom Bauch. Ein Helfer kann die Frau von vorn an den Schultern stützen und einer kann von hinten die Oberschenkel  entlasten – das geht am besten mit einem langen Tuch, das um die Oberschenkel gelegt und mit Zug nach hinten gehalten wird.

Die Übung erfordert Ausdauer und Durchhaltewillen, da die Position am besten 40 Minuten gehalten werden sollte, um Erfolg zu bringen. Sind keine regelmäßigen Wehen vorhanden, sollte man die Übung aber nicht länger als 5 Minuten machen. Wenn das Baby noch nicht im Becken ist, sollte man die Übung nicht machen, da ein Baby, dass noch nicht im Beckeneingang fixiert ist, sich dabei in Beckenendlage drehen könnte.

Kombiniert mit dem oben beschriebenen Bäumchen-schütteln wird die offene Knie-Ellenbogen-Lage noch effektiver. Man kann diese Übung übrigens auch in der Schwangerschaft machen, um ein Baby aus Beckenendlage zu drehen. Fotos dazu auf der oben zur Übung verlinkten Seite von Gail Tully.

Beckenpresse: Auch dabei wird das Becken in der Mitte etwas weiter. Ein Helfer (gern ein kräftiger Mann ;-)) presst während der Wehe die Beckenschaufeln oben an den Seiten zusammen. Dadurch öffnet sich das Becken weiter unten. Noch mehr Platz entsteht, wenn die Mutter gleichzeitig die Knie ein Stück einwärts gedreht hält. Die Mutter sollte die Beckenpresse als angenehm und erleichternd empfinden.

Weitere Möglichkeiten:

Periduralanästhesie (PDA) – kann den Beckenboden entspannen und zum Fortschritt führen. Kann aber auch dazu führen, dass das Baby sich falsch positioniert, weil die Führung durch die Beckenbodenspannung verschwindet.

Manuelle Drehung: Es kann versucht werden, den Kopf manuel zu drehen. Dabei benutzen erfahrene Hebammen ihre Hand als Widerlager während der Wehen, denn Babys können sich am besten gegen einen Widerstand drehen.

Nicht hilfreich ist es, die Fruchtblase zu sprengen, wenn das Baby ein Sternengucker ist oder sich im tiefen Querstand befindet. Denn da ist die kindliche Lage die Ursache für den Stillstand. Die gesprengte Fruchtblase beschleunigt in dem Fall nichts und nimmt dem Baby das Wasserpolster vor dem Kopf weg, das ihm eine Drehung erleichtern könnte.  Außerdem tickt ab dann für die meisten Geburtshelfer wegen eines möglichen Infektionsrisikos die Uhr, ab wann die Geburt beendet sein muss.

Funktioniert alles nicht, ist ein Kaiserschnitt der letzte Ausweg.

Geplante Hausgeburt wurde zur ersehnten Alleingeburt

Hallöchen ihr lieben Leser, heute darf ich auf dem Blog von Sarah euch von der Geburt unsres Kindes erzählen.

Erstmal war mir der Gedanke, den Geburtsbericht öffentlich zu machen, total unangenehm. Aber wir haben uns jetzt entschlossen es doch zu tun, da wir durch das Buch von Sarah, ihrer Offenheit und all den Allein-/ Hausgeburtsberichten der anderen Frauen Mut, Hilfe und viele Informationen bekommen haben  und wir hoffen, durch unseren Bericht auch anderen Mut zu machen.

Kurz vorab:

Unser erstes Kind wurde nach einer schrecklichen Schwangerschaft mit extremem Erbrechen Tag und Nacht (Hyperemesis gravidarum) im Krankenhaus geboren – was alles andere als eine schöne, natürliche Geburt war, an die man sich gerne erinnert. Nach dieser Geburt haben wir nach Alternativen zu Krankenhausentbindungen gesucht, da ich unter keinen Umständen nochmals ein Kind im Krankenhaus entbinden wollte und sind auf Sarahs Blog gestoßen.

Die 2te Schwangerschaft planten wir dann als Hausgeburt. Leider endete diese ganz still und traurig im 4ten Schwangerschaftsmonat, leider wieder im Krankenhaus. In der 3ten Schwangerschaft haben wir uns dann ganz bewusst mit dem Thema Alleingeburt befasst (Geburtsberichte und Bücher gelesen und Sarah immer wieder mit Fragen gelöchert. 😉 )

Ca. 18te SSW haben wir unsere Ernährung umgestellt, d.h. so gut es geht keine Zucker (und die ganzen anderen zuckerähnlichen Industrieprodukte) und kein Weißmehl. Wir backen seitdem unser Brot selber, setzen unser Sauerteig selber an, haben angefangen Joghurt und Kefir selber zu machen, kaufen beim Bauern im Nachbarort Rohmilch und frisches Rindfleisch / Knochen, wenn wir etwas süßen, dann nur noch mit Honig von Freunden die Bienen halten, benutzen hochwertige Öle, essen viel Rohkost (Obst/Gemüse)… Da ich in allen Schwangerschaften sehr stark unter Hyperemesis gravidarum, also dem extrem übermäßigem Erbrechen gelitten habe, war die Ernährungsumstellung ein Versuch, dass das Erbrechen weniger wird. Und wirklich, nach ein paar Wochen ist das Erbrechen weniger geworden, dass ich nur noch so ca. 3mal am Tag erbrechen musste, was für mich schon eine sehr große Erleichterung war!

Wir wünschten uns unbedingt eine Alleingeburt, wussten aber ehrlich nicht, wie wir das alles anfangen sollten. Ca. in der 21. SSW habe ich dann endlich eine super Hebamme gefunden, die Vorsorge / Nachsorge, Hausgeburt und Geburtshausgeburten anbietet. Da wir ja nicht wussten, wie sich alles entwickelt, wollten wir uns gerne die Option „begleitete Hausgeburt / Geburtshaus“ freihalten und haben uns mit der Hebamme auch gemeinsam auf eine Hausgeburt vorbereitet. Aber wir als Eltern haben uns so sehr eine Alleingeburt gewünscht, zusammen darüber geredet, uns ausgemalt wie es wohl doch klappen könnte, viel informiert, viele Fragen gestellt und dafür gebetet.

Erzählt haben wir von unsrem Alleingeburts-Wunsch niemanden. Manchmal haben wir angedeutet, dass wir gerne eine Hausgeburt bzw. eine außerklinische Geburt wünschen, haben aber ganz schnell versucht, das Thema verdeckt zu halten, als wir die Reaktionen gemerkt haben: „zu gefährlich / macht das bloß nicht / großes Risiko / unvernünftig / was ist, wenn was passiert …“

So jetzt zum eigentlichen Bericht:

* geplante Hausgeburt wurde zur ersehnten Alleingeburt * 🙂

Es fing alles in der Nacht an, 6 Tage vor dem errechneten Termin (damit hatten wir eigentlich gar nicht gerechnet, denn unser erstes Kind kam 8 Tage nach ET).

Ich träumte von Wasser – ich weiß leider nicht mehr genau, ob es eine Wasserflasche oder ein Wasserhahn war, auf jeden Fall träumte ich, dass ich Wasser ausversehen verschütte … erschrocken wachte ich auf … und das Bett war nass 😀 Ah, die Fruchtblase war geplatzt … und die Wehen setzten auch so ziemlich sofort ein, alle 3-5min … Mein Mann war dann auch ganz schnell wach, wir waren total aufgeregt und aufgedreht …

Erstmal wussten wir gar nicht, was wir machen sollten, denn meine Hebamme war ein paar Tage vorher noch dagewesen und meinte, dass der Babykopf noch nicht richtig im Becken eingestellt ist. Wir haben sie dann doch nachts angerufen und einfach gefragt, wie wir uns verhalten sollen: die Fruchtblase ist geplatzt, es kam ein riesen Schwall, jetzt kommt aber kaum mehr Fruchtwasser …

Sie meinte, wir sollen uns nicht so viele Gedanken machen, von wegen Nabelschnurvorfall und sofort hinlegen, wie man es überall hört … Sie meinte, der Kopf ist schwerer und senkt sich schneller als die Nabelschnur und ich soll einfach auf mich, meinen Körper und das Baby hören und spüren, ob das Kind sich bewegt … Dann hat sie noch gefragt, ob es uns lieber wäre, wenn sie doch kurz vorbei kommt… aber das wollten wir nicht. Wir wollten Gott vertrauen …

Nur wegen der Badewanne war sie nicht ganz so glücklich. Ich wollte so gerne baden. Sie meinte, dann müsse das Baby aber innerhalb 24 Stunden geboren sein. Ich war mir ganz sicher, dass unser kleiner Schatz bis dahin auf jeden Fall da sein wird! Wir haben dann mit der Hebamme ausgemacht, dass sie im Laufe des Vormittags bei uns vorbeischaut, wenn sie wieder ihre Hausbesuchsrunde abfährt. 🙂

Der frühe Morgen ging echt schnell rum, Wehen alle 2-3 min ca. 40-50sec. Ich kam damit wirklich gut klar, entweder auf dem Gymnastikball, in der Hocke oder auf Knien! Unser großes Kind ist dann aufgewacht, mein Mann hat es versorgt und dann seinen Cousin + Familie angerufen, ob er unser großes Kind abholen könne, da unser Baby heute wahrscheinlich kommen würde.

Als sein Cousin kam, hat niemand damit gerechnet, dass wir 20 Minuten später schon unser Baby in den Händen halten sollten. In der Zwischenzeit waren die Wehen echt heftig geworden, ich konnte und wollte einfach nicht mehr. Die Wehen waren so unerträglich und ich habe erst total versucht, gegen den Schmerz zu kämpfen. Ich hab plötzlich total Angst bekommen, dass ich die Schmerzen und diese Wucht nicht aushalte und musste mich dann erstmal ausweinen, weil ich so fix und fertig war, bis ich dann wieder bereit war, mit den Wehen mit zu gehen und mit ihnen zu arbeiten.

Als mein Mann dann zu mir ins Bad kam, war er ganz schön erschrocken, wie heftig die Wehen inzwischen waren. Weil er in dem Moment mit der Sache etwas überfordert war, rief er die Hebamme, ob sie sich nicht doch auf den Weg machen könnte, weil bei mir die Wehen so stark waren. Die Hebamme meinte, dass sie schon unterwegs zu uns sei, weil wir (wie Nachts abgemacht) gerade die nächsten auf ihrer Route waren. Sie sagte, dass sie in ca. 15 Minuten bei uns ist. Kurz danach bekam ich plötzlich so einen heftigen und starken Druck zu pressen. ( Mit dem Pressdrang kam plötzlich die Erinnerung an die erste Geburt hoch. Da hatte die Hebamme gewollt, dass ich noch nicht pressen sollte, sondern den Pressdrang veratmen und unterdrücken sollte, was total unmöglich und echt schrecklich war. Und jetzt war keine Hebamme dabei und ich wusste gar nicht, ob ich diesmal pressen durfte.) Aber dann war es mir einfach egal, ich habe das gemacht, was mein Körper mir signalisiert hat – es war so heftig, was man da für Kräfte spürt. Nach 3 Presswehen habe ich unser Baby in die Badewanne geboren. Mein Mann hat unsren kleinen Schatz aus dem Wasser gehoben und mir gegeben. Die Nabelschnur war einmal um den Hals, ich habe sie abgewickelt und ein bisschen Schleim aus Mund und Nase gesaugt. Mein Mann hat die Hebamme angerufen und ihr gesagt, dass das Baby 9 Minuten nach seinem Anruf geboren ist. 6 Minuten später ist die Hebamme bei uns eingetroffen. Das Beste an ihr war, sie kam ganz gelassen und cool rein und hat, nur als sie die Tür geöffnet hat, gemeint: „Mama und Baby geht`s gut.“ Das war besonders für meinen Mann sehr hilfreich, denn er war echt total aufgelöst und fertig 🙂 …

Mein Mann hat uns dann ein schönes Lager im Wohnzimmer gemacht und wir sind dann dahin umgezogen um einfach Zeit miteinander zu haben und zu kuscheln. Nach ca. einer halben Stunde habe ich dann die Plazenta in der Hocke geboren. Wir haben die Plazenta noch ca. 30 Minuten an unsrem kleinen Schatz gelassen, dann hat der stolze Papa die Nabelschnur durchgeschnitten … das war alles so schön in Ruhe … die Atmosphäre zu Hause, ohne hektische Ärzte und Hebammen … mit meinen Lieben – herrlich!

Eine Stunde nach der Geburt wurde unser großes Kind wieder nach Hause gebracht, um das Geschwisterchen kennenzulernen. Das war so schön und süß!! Für uns war das alles so ein Wunder. Das Baby ist gesund, mir geht es gut, ich musste nie unsre eignen vier Wände verlassen, ich hatte nur eine kleine leichte Abschürfung und musste nicht genäht werden …

Inzwischen ist unser Baby drei Monate und unser großes Kind zwei Jahre und sechs Monate… sie lieben sich heiß und innig und wir haben diesen Weg noch nicht eine Sekunde bereut …

Die Alleingeburt war zwar nicht so geplant gewesen, aber dafür wie ein Geschenk!

 

Eine Alleingeburt – Mit der Familie und Gottvertrauen

Liebe Leser, wieder darf ich die schöne, ganz normale Geburt in Eigenregie einer anderen Mama mit euch teilen. Warum und wie sie ohne Hebamme geboren hat und wie sie mit einer stärkeren Lösungsblutung nach der Geburt umgegangen ist, erzählt sie euch im folgenden Bericht:  

Meine erste Geburt war eine sehr unschöne Krankenhausgeburt. Die Geburt vom zweiten Babysohn war eine sehr schöne, hebammenbetreute Hausgeburt. Ich hätte auch mein drittes Kind wieder mit meiner tollen Hebamme bekommen, einfach weil ich sie sehr gerne mag, nicht weil ich mir das gebären nicht alleine zugetraut hätte, aber sie konnte leider keine Hausgeburten mehr anbieten. Mit der Option Krankenhaus konnte ich auch nicht wirklich leben … Also habe ich mich die ganze Schwangerschaft über auf eine Alleingeburt eingestellt.

Sonntag, 27. September 2015: SSW 40+1

Nachdem ich in der letzten Woche immer wieder Wehen hatte und dachte, dass es jetzt bestimmt los geht, ist es heute sehr ruhig. Ich hab letzte Nacht gut schlafen können und bin morgens relativ fit. Vormittags habe ich aber einfach das Bedürfnis mich zurück zu ziehen und mein Mann kümmert sich um die Jungs, so dass ich das machen kann.

Ich lege mich ins Bett, döse ein bisschen vor mich hin. Danach schreibe ich noch einen Brief an das Baby in meinem Bauch. Ich freue mich so auf dich und hoffe, dass du ganz bald bei uns bist.

Generell ist die Stimmung einfach ruhig. Ich freue mich auf mein Baby. Bin weder total euphorisch, noch total down, sondern einfach in frohere Erwartung.

Nachmittags sind wir bei meinen Eltern und auch einige meiner Geschwister. Wir trinken Kaffee, die Jungs spielen draußen mit ihren Cousinen und Papa. Ich hab Lust abends noch mal gemütlich Essen zu gehen und meine Mama kommt mit mir.

Als ich mich fertig mache, fangen die Wehen wieder an, es zieht immer mal, aber das nehme ich nicht mehr ernst. Ist ja an den meisten Abenden so. Das bleibt so, auch als wir im Restaurant sitzen. Ab 20 Uhr gucke ich immer mal auf die Uhr, die mir gegenüber hängt. Die Wehen sind schön beständig und alle unter zehn Minuten. Ab und zu muss ich mal mein Besteck hinlegen und kann auch nicht sooo gut zuhören oder erzählen. Aber auch das ist ja nichts Neues. Auf dem Rückweg ins Auto gucken wir noch ein bisschen Schaufenster an. Beim Laufen kommen die Wehen schon unter fünf Minuten und ich muss auch immer mal stehen bleiben.

Ich überlege, wann ich meine Freundin anrufen soll, die zum Photos machen kommen soll. Will sie nicht unnötig aufscheuchen. So richtig glaube ich immer noch nicht an einen Beginn der Geburt. Ich schreibe ihr einfach, dass ich Wehen habe, aber noch nicht weiß ob sie bleiben, dass sich alles auch noch wieder legen kann. Sie soll sich ruhig ins Bett legen. Und ich rufe dann an, wenn sie kommen soll.

Ich will zu Hause erstmal duschen gehen und gucken ob alles so bleibt.

Gegen 22 Uhr sind wir zu Hause und ich sage J., meinem Mann, wie der Stand der Dinge ist. Als ich auf dem Klo bin, sehe ich, dass sich der Schleimpfropf langsam löst. Hach, vielleicht doch Geburtsbeginn?!

Ich gehe duschen und sage J., dass er sich ruhig noch mal ins Bett legen kann. Ich wecke ihn dann, falls es ernster wird.

Die Wehen bleiben auch nach dem Duschen. Zwischen 4 und 6 Minuten sind die Abstände und sie werden ganz langsam kräftiger. Ich veratme sie noch still vor mich hin.

Montag, 28. September 2015

Meine Mama kommt um 12:40 Uhr dann auch zu mir. Wir wollten sie gerne da haben, falls die großen wach werden. Und falls nicht, ist es auch schön, sie einfach so bei der Geburt dabei zu haben. Sie kann sowieso nicht schlafen. Gemeinsam verbringen wir noch einige Zeit im Wohnzimmer und irgendwann habe ich dann Lust, Wasser in den Pool zu lassen, um mich darin ein bisschen zu entspannen.

Zwischen den Wehen räume ich hier und da noch ein bisschen rum, der Pool füllt sich langsam. Ich ruhe mich immer wieder auf dem Bett aus. Die Abstände der Wehen sind im Laufen und auf dem Klo sehr viel kürzer als im Liegen und werden immer intensiver.

Um zwanzig nach 1 rufe ich meine Freundin an, die dann gegen 2 Uhr da ist. Wir Frauen unterhalten uns in den Wehenpausen, meinen Mann lasse ich noch eine Stunde schlafen. Um 3 weckt Mama ihn.

Ich wandere immer zwischen Pool und Klo hin und her. Dazwischen stütze ich mich während der Wehen an Kommode oder Bett ab und kreise mein Becken. Ich töne schon langsam bei den Wehen mit. Im Pool sind die Abstände weiterhin sehr viel größer als draußen. Deshalb gehe ich immer wieder raus und bewege mich, damit es weiter geht. Gehe auch immer wieder zum Wehen veratmen aufs Klo, weil ich merke, dass dieses Geburtshocker-artige Sitzen gut tut. Der Kopf rutscht immer weiter nach unten, der Muttermund öffnet sich langsam, aber ich fühle, wie die Fruchtblase ganz prall vor dem Kopf sitzt.

Ab ca. 4 Uhr werden die Wehen wirklich heftig. Ich muss sie schon gut vertönen um sie auszuhalten. Diese Intensität kenn ich nur von der Übergangsphase bei den beiden Jungs und freue mich, dass es dann wohl bald geschafft ist.

Zwischendurch fällt es mir wirklich schwer, mich nicht auf den Schmerz, sondern die Atmung zu konzentrieren. Die Wehe zuzulassen und mich zu öffnen, alles locker zu lassen und nicht anzuspannen, weil ich möchte, dass sie schnell vorbei ist. Ab hier habe ich kein wirkliches Zeitgefühl mehr. Ich möchte gerne, dass es voran geht, steige deshalb immer wieder aus dem Pool, aber merke schnell, wie mein Körper an seine Grenzen kommt und ich immer erschöpfter und müder werde. Ich möchte nur noch schlafen. Ich schicke irgendwann alle aus dem Zimmer und lege mich ein bisschen ins Bett. Wenn mein Körper ein bisschen Ruhe braucht, soll er die haben. Ich habe keine Ahnung, wie lange ich Wehenpausen habe, aber ich kann mich ein bisschen erholen.

Irgendwann hole ich meine Mama wieder dazu. J. und B. – meine Freundin, bleiben nebenan. Sobald ich aufstehe sind, die Wehenabstände wieder kürzer. Ich verbringe jetzt viel Zeit auf dem Klo und versuche immer mal mitzuschieben, aber es tut sich nichts. Wenn diese Fruchtblase doch endlich platzen würde.

Irgendwann wachen die Jungs auf und ich weiß, dass während sie da sind, das Baby auch nicht kommen wird. Ich veratme weiter meine Wehen. Ich erinnere mich selbst dabei an eine Löwenmama – ich brauche so viel Kraft für diese Wehenarbeit, hab vor jeder Wehe das Gefühl, es nicht mehr länger zu schaffen und muss mich selbst immer wieder ermutigen weiter zu machen. Die Wehenabstände sind weiterhin lang aber die Wehen, die ich dann habe, seeehr intensiv und lang.

Gegen viertel nach sieben bringt mein Mann die Jungs in den Kindergarten. Ich gehe wieder auf mein Klo um die Wehen zu veratmen. Da werden die Abstände wieder sehr viel kürzer. Die Blase ist immer noch prall. Ich töne inzwischen sehr intensiv und merke schnell, dass wir so nicht mehr ins Krankenhaus fahren werden.

Ich gehe in den Pool in der Hoffnung, noch etwas Entspannung zu bekommen. Aber auch da bleiben jetzt die kurzen Abstände und die Wehenintensität nimmt noch mal zu. Hier ist auch jetzt nichts mehr mit Kind einfach raus atmen. Ich muss stark mitpressen und führe gefühlt einen innerlichen Kampf gegen diese Fruchtblase … Irgendwann platzt sie dann und mit ihr kommt die Hälfte des Kopfes mit. Es brennt und diese Wehenpause, in der der Kopf halb draußen ist, ist so urgewaltig. Ich habe die ganze Zeit die Hand an Babys Kopf und fühle viele Haare. Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor. Ich widerstehe dem Drang einfach noch weiterzupressen, weiß kurz nicht, wie ich mich platzieren soll und bleibe dann einfach so aufrecht wie ich bin. Irgendwann kommt die nächste Wehe, ich merke wie der Körper meines Babys sich durch mein Becken dreht und irgendwann ganz raus flutscht. Ich hebe mein Baby ganz schnell an meine Brust. Dabei fällt mein Blick auch schon zwischen die Beine und ich sehe, dass ich Mama von meinem dritten Sohn geworden bin. Was für ein Gefühl. Ich bin so erleichtert. Es ist 8:36 Uhr und ich habe mein Kind alleine in meine eigenen Hände geboren!

Um mich rum weinen alle. Die Anspannung fällt spürbar von allen ab. J. kommt ins Zimmer, ich habe gar nicht mitbekommen, dass er die ganze Zeit im Flur neben der Tür saß und gebetet hat. Er holt Handtücher und ich decke unser Baby damit zu. Da kommt auch schon die erste Nachwehe. Recht schnell möchte ich aus dem Pool raus, um die Plazenta draußen zu bekommen.

J. und Mama helfen mir aus dem Pool und decken mich auf dem Bett zu. Da kommt auch schon die nächste heftige Nachwehe und ich höre ein flatschen in meinem Bauch, als ob die Fruchtblase noch mal platzt. Da hat sich wohl die Plazenta gelöst. Es kommt ein riesen Schwall Blut, und ich merke, dass die Plazenta auch bald kommt. Ich gebe mein Baby an meine Mama ab und hocke mich über eine Schüssel, damit ich die Plazenta aufrecht besser gebären kann. Mit ihr kommt noch mal einiges an Blut. Als die Plazenta komplett draußen ist und ich wieder zurück ins Bett möchte, merke ich, dass mir unglaublich schwindelig wird und ich kurz vor der Ohnmacht bin. Ich fange an zu zittern und bekomme nichts mehr mit um mich rum, nur Hände die auf meinem Rücken liegen und Leute, die für mich beten. Das Zimmer ist ganz schnell voller Engel… Irgendwann werde ich ruhiger und merke, dass ich langsam wieder zurückkomme. Ich lege mich auf den Boden, die Füße auf einen Hocker und bitte, dass irgendjemand mir schnell ein Stück Plazenta gibt. Die Blutung wird schnell weniger.

Da liege ich dann einige Zeit, bis ich denke ganz langsam ins Wohnzimmer aufs Sofa krabbeln zu können. Während der Plazentageburt um 9 Uhr hat mein Mann G., die Hebamme, angerufen und die ist auf dem Weg zu uns. Irgendwie habe ich es geschafft nach nebenan zu kommen und lege mich aufs Sofa. Meine Mama hat hier mit dem Babysohn und der Plazentaschüssel gewartet.

Um halb zehn ist G. da. Die Nabelschnur ist inzwischen auspulsiert und ich schneide sie durch. J. und Mama waschen mich – ich bin überall voller Blut.

Auch jetzt habe ich wieder kein Zeitgefühl mehr. G. macht einiges an Papierkram. Irgendwann wird unser Sohn gewogen und gemessen: 3750 g – 50 cm und 36 cm Kopfumfang. Ich liege nackt mit ihm auf dem Sofa und so genießen wir die ersten Stunden bis die großen Brüder nach Hause kommen und ihren kleine Bruder glücklich begrüßen.

 

 

Geburtsberichte gesucht!

Hallo meine lieben Leser!

Geburtsberichte zu lesen war für mich damals eine große Hilfe in Vorbereitung auf meine erste Alleingeburt. Damals gab es fast nur englische Berichte im Internet, aber davon jede Menge. Ganz besonders hilfreich fand ich solche, wo die Alleingeburt aus irgendeinem Grund abgebrochen wurde. Dadurch habe ich für mich so viel gelernt. Meine Seite hier lebt zu einem großen Teil von Geburtsberichten und soll euch helfen, wie mir all diese Berichte damals auch geholfen haben.

Wer schon eine Alleingeburt hatte und sein Erlebnis gern mit anderen teilen will, darf mir also gern schreiben! Ganz besonders wünsche ich mir auch Berichte, wo es nicht geklappt hat oder wo es nach der Geburt Probleme oder eine Verlegung gab. Solche Berichte sind zwar nicht unbedingt rosarot, aber dafür um so wertvoller für alle, die sich auf einem Alleingeburt vorbereiten. Veröffentlicht wird natürlich so anonym ihr das wünscht.

Also keine Scheu! Ihr müsst auch keine begnadeten Schriftsteller sein. Gerade wie ihr es schreibt, ist es genau richtig. 🙂

Unser Besuch im Frühstücksfernsehen

Alles beginnt am 11.1., als ich mittags von einem Termin nach Hause komme und unser Babysitter mir aufgeregt das Telefon entgegen trägt.

Am nächsten Morgen soll ich in Berlin im Frühstücksfernsehen sein und am besten sofort „ja“ sagen? Äh … da muss noch ein bisschen was geklärt werden vorher. Aber alles passt schließlich und am Abend sitze ich mit dem Jüngsten im Taxi in Richtung Flughafen.

Ich smartphone-skeptische Tante bin das erste Mal mit einem (ausgeliehenen, älteren) Smartphone unterwegs und nutze die Wartezeit vor dem Flug (hat wegen Schneesturm in Berlin Verspätung), um mich mit der Technik anzufreunden. Gar nicht so verkehrt das Teil. Es stellt sich auf dieser Reise sogar als überaus wertvoll heraus. Nur die Bildqualität könnte besser sein …

Landeanflug auf das verschneite Berlin. Die vielen Lichter glitzern wie lauter Edelsteine.

Das Baby ist gut gelaunt und freundlich zu allen Mitreisenden.

Nach ewiger Taxi-Fahrt durch Berlin endlich im Hotel. Das Baby ist immer noch gut gelaunt. Ich bin inzwischen ziemlich müde. Und morgen 6.20 Uhr steht das Taxi vor der Tür, das mich zum Sender fahren soll …

In der Nacht schlafe ich echt wenig. Aber das Adrenalin hilft. Ich bemerke den Schlafmangel am ganzen folgenden Tag nicht.

Das Interview und das ganze Drumherum wird eine nette Sache. Aufgeregt bin ich nicht mehr. Das mit dem Aufgeregtsein habe ich in der Nacht offenbar erledigt …

Hier ein Ausschnitt aus dem Interview bei www.sat1.de. Das lässt sich nur in Deutschland anschauen, leider. Für die Schweiz geht dieser Link: www.sat1.ch. Ich hab’s auch noch privat bei youtube hochgeladen, wer nicht rankommt. Öffentlich machen darf ich’s aus Urheberrechtsgründen nicht.

Die Zeit zwischen den Auftritten (dreimal bin ich ran) verbringe ich im dortigen Gästezimmer in netter Gesellschaft: Ich habe mich mit Denise und Isabel verabredet. Da meine Zeit in Berlin so kurz ist, treffen wir uns eben hier.

Isabel fährt mich zum Flughafen und wir quatschen auf der Fahrt. Kurz darauf bin ich wieder in der Luft. Diesmal fliege ich über Frankfurt zurück und dann geht’s mit dem Zug das letzte Stück.

In der Sendung mit der Maus wurde behauptet, dass Tomatensaft im Flugzeug besonders gut schmecken soll. Ich teste es, finde es aber nicht unbedingt lecker.

Kiran schläft derweil neben mir.

Ab Frankfurt also weiter mit dem Zug. Am Bahnhof spricht mich eine Frau an, die mich im Frühstücksfernsehen gesehen hat. Wir reden über Geburten, bis der ICE einfährt.

Der heimische Bahnhof in Sichtweite.

24 Stunden und 30 Minuten nachdem ich von daheim losgefahren bin, treffe ich wieder zu Hause ein. Was man in 24 Stunden so erleben kann! Ich fühle mich, als hätte ich einen Abstecher in eine andere Welt gemacht.

Anmerkung: Foto 4 und 5 stammen von Denise Wilke. Danke, dass ich sie nutzen darf!