Eine kleine Geburt in Eigenregie

Der Körper einer Frau ist gut zum Gebären gemacht. Und selbst wenn sich die Schwangerschaft aus irgendeinem Grund nicht weiterentwickelt, ist der Körper normalerweise gut in der Lage, mit dieser Situation umzugehen. Diese Mama erzählt die Geschichte ihrer selbstbestimmten Fehlgeburt.

Vorgeschichte 

Letztes Jahr hatte ich bereits eine frühe Fehlgeburt in der 7. Woche. „Zu meinem Glück“ begann die Blutung an einem Samstag und die Fehlgeburt war dann am Montag darauf, was ein Feiertag war, weshalb ich gar nicht erst zum Arzt ging und somit das Thema Ausschabung gar nicht erst aufkam.

Über ein Jahr später war ich dann etwas überraschend wieder schwanger.  Wir hatten es schon länger probiert und es ausgerechnet in diesem Zyklus eigentlich nicht darauf angelegt. Ich freute mich, konnte mich allerdings nicht so richtig auf die Schwangerschaft einlassen. Wahrscheinlich versuchte ich unbewusst, mich vor einer erneuten Enttäuschung zu schützen. Ich überlegte hin und her, ob ich zum Arzt gehen sollte – ein Herzschlag könnte mir vielleicht helfen, mich besser auf die Schwangerschaft einzulassen. Andererseits war mir klar, dass das immer nur eine Momentaufnahme ist. Trotzdem ging ich in der 8. Woche zum Arzt und vergoss Freudentränen, als tatsächlich ein Herzschlag zu sehen war. Die Freude hielt aber nur kurz an, schon bald überwog wieder die Angst, dass das Herz aufhören könnte zu schlagen. So überlegte ich wieder, ob ich überhaupt zum Vorsorgetermin in der 11. Woche gehen sollte. Am Tag danach wollten wir in den Urlaub fahren … Ich hatte zwar Angst vor dem Termin, gleichzeitig war die Unsicherheit aber auch schwer zu ertragen und so entschied ich mich, hinzugehen.

Ich wartete 45 Minuten mit Herklopfen und schwitzigen Händen. Der Arzt schallte und sagte erstmal nichts, dann nur „Querlage“ und dann wieder nichts. Da war mir schon alles klar. Er sagte dann auch „Das sieht nicht gut aus, ich kann keinen Herzschlag finden“. Und wieder brach ich noch auf dem Untersuchungsstuhl in Tränen aus. Er gab mir sofort eine Überweisung ins Krankenhaus, meinte, ich solle da nochmal nachschauen lassen, die hätten bessere Geräte, ich solle aber jetzt nichts mehr essen und trinken und nicht rauchen. Ich verstand das alles erstmal nicht. Meinte er, dass heute noch eine Ausschabung gemacht werden soll? Er hatte mir nicht einmal gesagt, wie groß der Embryo war und mich auch nicht gefragt, ob ich ein Bild haben will. Die Arzthelferin war nett, redete mir aber noch zu, dass ich dann nach der Schwangerschaft unbedingt die Röteln-Impfung machen lassen solle. Genau, was man in so einer Situation hören will …

Unter Tränen ging ich raus und rief erst einmal meine Mutter an. Sie riet mir, nach Hause zu fahren und die Hebammen zu kontaktieren. Das machte ich dann auch, rief noch meinen Mann auf der Arbeit an, der sofort zu mir kam und völlig schockiert und verzweifelt reagierte. Er war im Gegensatz zu mir optimistisch gewesen.

Die Hebamme beruhigte mich und sagte, dass ich auch erstmal abwarten und ruhig in den Urlaub fahren kann, was auch genau meinem Gefühl entsprach. So machte ich es, und es passierte erstmal lange nichts. Nach drei Wochen ließ ich im Krankenhaus nochmal einen Ultraschall machen. Ich wollte gerne wissen, wie weit die Schwangerschaft sich überhaupt entwickelt hatte und ob sich vielleicht schon etwas getan hat. Die Fruchtblase war sehr groß, der Embryo allerdings nur ca. 2 cm, was Ende der 9. Woche entspricht. Es hatte sich noch nichts getan.

Drei Tage danach, bei 12+6, also ziemlich genau 4 Wochen, nachdem das Herz stehen geblieben sein musste, begann eine leichte Blutung. Um meinen Körper zu unterstützen trank ich ab da Himbeerblätter- und Hirtentäscheltee. Die Blutung wurde aber nicht wirklich stärker, ab und an ging mal ein kleines bisschen Schleimhaut ab. Schmerzen hatte ich auch nicht wirklich, nur ein bisschen im unteren Rücken.

Die kleine Geburt

Bei 13+2 wurde ich morgens um 6.30 Uhr von Bauchschmerzen wach. Mit Wärme waren sie aber noch eine Weile gut auszuhalten. Die Blutung war immer noch sehr schwach.

Die Schmerzen steigerten sich dann aber, und es waren tatsächlich Wehen. Sie kamen, hielten vielleicht eine Minute an und danach kam eine Pause ohne Schmerzen. Die Pausen wurden dann immer kürzer und die Schmerzen immer heftiger. Damit hatte ich nicht gerechnet. Es war absolut nicht zu vergleichen mit der kleinen Geburt in der 7. Woche, bei der die Schmerzen nicht stärker als bei der Menstruation waren. Ich nahm dann 2 Paracetamol, die aber nach meinem Empfinden keine Wirkung zeigten. Diese starken Schmerzen hatte ich von etwa 10.30 Uhr bis zur kleinen Geburt um ca. 12.45 Uhr. Ich musste während der „Wehen“ heftig atmen, um es aushalten zu können. Mein Kreislauf machte das nicht gut mit, daher lag ich die meiste Zeit im Bett, weil ich sonst das Gefühl hatte, gleich umzukippen. Wenn ich merkte, dass was kommen würde, setzte ich mich auf die Toilette, meistens mit einer Schüssel drin. Meine Mutter war die ganze Zeit dabei, sie ist Krankenschwester auf der Neugeborenenstation. Es war beruhigend für mich, sie dabei zu haben, auch wegen meines schwachen Kreislaufs.

Was mich auch überraschte war, dass die ganze Zeit immer noch sehr wenig Blut und Gewebe kam. Das hatte ich von der letzten kleinen Geburt ganz anders in Erinnerung. Ich versuchte auch mal aktiv zu schieben, aber das brachte gar nichts. Irgendwann, vielleicht so eine dreiviertel Stunde bevor es vorbei war, äußerte ich die Vermutung, dass sich wahrscheinlich die Fruchtblase gelöst hat und vor dem Muttermund liegt und diesen blockiert. Irgendwie fühlte es sich so an und es war für mich eine logische Erklärung dafür, dass so wenig Blut kam. Ich wollte dann eigentlich mal nachfühlen, dazu kam ich aber nicht, weil ich zu sehr mit den Schmerzen beschäftigt war.

Irgendwann bekam ich dann einen leichten Anflug von Verzweiflung, wollte, dass endlich was rauskommt, fragte, wie lange das jetzt noch so weiter gehen soll. Kurz hatte ich den Gedanken, dass es dann eben doch in Ordnung wäre, ins Krankenhaus zu fahren und eine Ausschabung machen zu lassen, fragte mich nur, wie ich die Fahrt ins Krankenhaus schaffen sollte. Während ich diese Gedanken hatte war ich sehr zittrig, kniete auf dem Boden und zitterte. Ich merkte, dass mir so langsam unwohl wird bei der Sache und es jetzt bald mal vorbei sein müsste.

Es fühlte sich aber sehr danach an, dass dort etwas ist, was nicht rauskommt. Ich sagte noch zu meiner Mutter, dass es sich anfühlt wie Verstopfung. Ich bat meine Mutter dann kurz rauszugehen, um mich alleine besser entspannen zu können. Ich hatte noch eine letzte Hoffnung, dass es dann vielleicht doch noch klappen könnte, wenn ich mal diesen Druck wegbekommen würde. Sie war gerade raus, ich setzte mich auf die Toilette und nach ein paar Sekunden fiel etwas Großes aus mir heraus ins Wasser (da war leider gerade keine Schüssel drin). Danach ging es mir plötzlich schlagartig besser, das Zittern und die Schmerzen waren sofort weg.

Ich sagte meiner Mutter Bescheid und sie zog sich Handschuhe an, fischte es raus und legte es in eine Schüssel. Sie war ganz euphorisch und meinte: Du hast es geschafft! Ich konnte es irgendwie noch nicht ganz glauben, aber eigentlich wusste ich es auch. Was da rausgekommen war, war die Fruchtblase, komplett intakt und noch gefüllt mit Fruchtwasser. Es sah im Prinzip aus wie ein mit Wasser gefüllter Ballon, ca. 10 cm lang und 5 cm breit. Ich fand das unglaublich, dass sie intakt geblieben ist. Meine Mutter meinte auch, am Rand die Plazenta zu erkennen, bzw. da wo sie angewachsen war. Tatsächlich sah es da etwas anders aus. Ich denke, ich lag richtig mit meiner Vermutung, dass die Fruchtblase sich gelöst und den Muttermund praktisch verschlossen hatte. Vielleicht hatte ich auch deswegen so starke Schmerzen. Es muss ja doch ein gewisser Druck dagewesen sein und der Muttermund sich ziemlich weit geöffnet haben, damit sie so völlig unbeschädigt rauskommen konnte. Irgendwie war ich sehr glücklich darüber, dass sie komplett war. Dadurch war ich mir sehr sicher, dass es jetzt vorbei ist und ich hatte danach auch tatsächlich gar keine Schmerzen mehr.

Ich wollte dann gerne noch nachschauen, ob man den Embryo sehen kann. Dafür mussten wir die Fruchtblase aufschneiden. Und tatsächlich, man konnte ganz eindeutig einen kleinen, ca. 2 cm großen Embryo erkennen. Mit Augen an den Seiten, kleinen Paddeln und ich meine auch noch einen kleinen Schwanz erkannt zu haben. Auch der Embryo war noch völlig intakt, obwohl das Herz ja schon vor 4 Wochen aufgehört hatte zu schlagen, aber er lag ja auch die ganze Zeit im Fruchtwasser. Auch die Nabelschnur konnte man erkennen. Ich fand das absolut faszinierend und bin sehr glücklich, dass ich das sehen konnte. Wir haben dann noch Fotos gemacht und meine Mutter fragte, ob ich es ins Labor schicken will. Ich war mir nicht sicher und habe dann meinen Mann angerufen. Er war aber eher dagegen. So haben wir es dann nachmittags im Garten begraben.

Nachdem es überstanden war, ging es mir sofort viel besser und ich war sehr erleichtert. Danach kamen noch ein paar Schwälle Blut, aber alles in allem nicht besonders viel, wie ich fand. Am dritten Tag nach der kleinen Geburt kam nochmal viel Blut, ansonsten war die Blutung nicht mehr als meine normale Menstruation. Gut zwei Wochen nach der kleinen Geburt hatte ich wieder einen Eisprung.

Ich ließ danach noch meinen Eisenwert und hcG-Wert überprüfen, der Eisenwert war sehr gut, ich hatte auch zur Vorbereitung Kräuterblutsaft getrunken und viel Eisenhaltiges gegessen. Das hcG war 4 Tage nach der kleinen Geburt schon auf 120 gesunken und eine Woche später auf 25. Aufgrund von Unstimmigkeiten mit meinem Frauenarzt ließ ich keinen Ultraschall mehr machen.

Ein selbstbestimmter Weg

Obwohl die kleine Geburt ziemlich schmerzhaft war und ich auch an einen Punkt gekommen bin, an dem ich kurz vorm Verzweifeln war (vielleicht so eine Art Übergangsphase…?) bin ich sehr, sehr froh, diesen Weg gegangen zu sein. Ich habe nach der Diagnose fast drei Wochen auf die kleine Geburt gewartet und habe das Gefühl, dass ich dadurch Zeit hatte, mich körperlich und mental darauf vorzubereiten und loszulassen. Dass ich es gesehen habe, hilft mir glaube ich auch, es zu realisieren und zu verarbeiten. Zwischendurch hatte ich sehr große Angst vor dem, was danach kommt, wieder aufs schwanger werden warten, wieder die ersten Wochen zittern…aber da müssen wir wohl durch und auch das werden wir schaffen. Dass mein Körper es selbst geschafft hat gibt mir trotz allem ein Stück weit Vertrauen zurück.

Allen, die unsicher sind, ob sie die kleine Geburt machen wollen, möchte ich Mut zusprechen. Lasst euch nicht von Ärzten und anderen Menschen verunsichern, sondern hört auf eure Bedürfnisse und achtet gut auf euch und euren Körper. Wenn ich Anzeichen einer Infektion gehabt hätte, wäre ich sofort zum Arzt gegangen, aber so lange es mir gut ging sah ich keinen Grund zur Eile. Die Begleitung meiner Mutter und meiner Hebammen war Gold wert (im Gegensatz zur Verunsicherung durch den Arzt).

Ich hoffe sehr, dass Frauen wie wir, die diesen Weg gehen, irgendwann ein Umdenken bei den Ärzten anregen werden. Auch ich bin natürlich sehr dankbar für die medizinischen Möglichkeiten, wenn ich sie brauche, wünsche mir aber sehr, dass endlich mal mit alten Ammenmärchen aufgeräumt wird und den Frauen und ihren meist sehr gut funktionierenden Körpern wieder mehr Vertrauen entgegen gebracht wird.

 

 

 

Zwillingsgeburt in Eigenregie – „Da schaut ein Füßchen unten raus.“

Die Mama im folgenden Bericht wünscht sich auch bei ihrem vierten Kind eine Hausgeburt. Aber dann stellt sich heraus, dass sie mit Zwillingen schwanger ist. Ihre Hebamme will/kann sie so nicht bei einer Hausgeburt begleiten. Ist der Traum also geplatzt? In diesem Bericht erzählt sie von der Geburt ihrer beiden Jungs.

Geburtsbericht Twins  21.6.18

Vorgeschichte: Nachdem ich schon dreimal absolut unkompliziert und rasch geboren habe (1x im Spital, 2x zu Hause mit Hebamme), hätte ich mir auch diesmal wieder eine Hausgeburt gewünscht. In der 24. SSW ging ich zum (geplant einzigen) Ultraschall, wo uns die Ärztin eröffnete, dass da zwei Kinder im Bauch sind! Ein Riesenschock, war doch die Schwangerschaft sowieso nicht geplant und von meinem Mann auch nicht gewollt … also mussten wir uns nun damit anfreunden, gleich zwei Kinder zu bekommen. Puh. Da Zwillings-Geburten per Definition Ärztesache sind, wollte/konnte uns die Hausgeburtshebamme nicht für die Geburt begleiten und trotz intensiver Suche fanden wir auch keine andere, die das übernommen hätte. Allenfalls, wenn es zu schnell ginge, um noch ins Spital zu fahren, würden sie uns natürlich schon zur Hilfe kommen. Aber nicht als geplante Hausgeburt. Für mich war das eine riesige Enttäuschung. Ich soll in die Klinik? Obwohl ich selbst Hebamme bin, konnte ich mir das nicht vorstellen. Alles in mir sträubte sich dagegen. Zum Gebären brauche ich Ruhe und sicher niemanden, der mir irgendwie dreinredet oder Stress macht … schon nur die ganzen Routinehandlungen wie Venenkatheter und CTG, um die ich nicht herumkommen würde, machten mir sehr Mühe. Ich begann zu überlegen, Alternativen zu suchen, fand aber keine – ausser der unassistierten Hausgeburt. Dazu fehlte mir aber die innere Ruhe und vor allem das Vertrauen meines Mannes. Seine grösste Angst war es, dass ein behindertes Kind zur Welt kommen könnte und keine Fachperson da war, die die Verantwortung dafür hätte übernehmen können. Ich suchte also eine Beleghebamme für die Klinik und diskutierte mit meiner Ärztin meine Geburtsvorstellungen – sicher kein Kaiserschnitt, nur im absoluten Notfall, und eigentlich wollte ich ja überhaupt nichts und niemanden dabei haben! Ich merkte glücklicherweise, dass beide – Hebamme und Gynäkologin – sehr an einer interventionsarmen Geburt interessiert waren und ich von ihnen wirklich unterstützt wurde. Dies gab mir die nötige Ruhe, mich auf jedes mögliche Szenario einzulassen, und nahm mir meinen Stress bezüglich Klinikgeburt ziemlich. Blieb noch die Tatsache, dass ich mit Wehen Auto fahren müsste und meine älteren Kinder nicht dabei sein könnten. Besonders das machte mich sehr traurig, hatte doch meine 4jährige Tochter von Anfang an geäussert, sie wolle dann die Nabelschnüre durchtrennen … und das wollte ich ihr irgendwie gerne ermöglichen. Überhaupt empfinde ich es als normal, dass ältere Kinder bei der Geburt ihres Geschwisters dabei sind, und ich hatte deshalb sehr Mühe damit, sie auszuklammern. Ich entschied mich ca. in der Mitte der Schwangerschaft bewusst dazu, mich möglichst gesund und ausgewogen zu ernähren, mich genug zu bewegen und aktiv zu entspannen, damit die Zwerge möglichst normal gedeihen konnten. Ich las nochmal die Bücher ˋAlleingeburtˋ, ˋMeisterin der Geburtˋ und ˋflow birthingˋ und begann zu recherchieren. Kontaktierte Alleingebärerinnen und insbesondere eine andere Zwillingsmama, die ihre Kinder allein geboren hatte. Diese Begegnungen waren allesamt so schön, bestärkend, mutmachend – einfach toll. Wie Puzzleteile, die sich eins ums andere zu einem ganzen Bild zusammensetzten. Bezüglich Beckenendlage und Zwillingen half mir der Rockenschaub sehr, meine Bedenken wegen möglicher Komplikationen einzugrenzen. Die einzige Sorge, die ich hatte, war die einer vorzeitigen Plazentaablösung vor Geburt des 2. Kindes, was aber meine Frauenärztin als sehr unwahrscheinlich darstellte. Gut, ein Problem weniger! Eine befreundete Hypnosetherapeutin machte eine individuelle Geburtshypnose für mich. Diese CD hörte ich oft vor dem Einschlafen. Ich übte auch, mich bewusst zu entspannen und wahrzunehmen, ging schwimmen und übte dabei positive Affirmationen ein …

Visualisierte ich meine Wunschgeburt, war es immer Tag. Mein Mann war außer Haus, nur die Kinder hier. Ich gebäre meine Babys alleine. Dennoch ließ ich mir bis zum Schluss alle Optionen offen und übte mich darin, jedes Setting und jeden möglichen Geburtsverlauf anzunehmen und doch bei mir zu bleiben. Die Spitalgeburt blieb – auch in meinen Gedanken – offizielles Hauptszenario. Das war wahnsinnig wichtig für mich – ich wollte mich nicht zu sehr auf etwas fixieren und deshalb eine Komplikation verpassen. Lange waren beide Kinder in Beckenendlage, später drehte sich B (das obere) in Schädellage. So ab Woche 35 begann mich dies zu beschäftigen und ich versuchte, es mittels Übungen, Moxen und Visualisieren zum Drehen zu bewegen. Erfolglos. Meine Ärztin hatte diese Lagekombination ursprünglich als zwingende Indikation für einen Kaiserschnitt dargestellt, aufgrund des Verkeilungsrisikos. Ich konnte mir jedoch nicht vorstellen, dass dieses 100% beträgt, schon gar nicht bei zweieiigen Zwillingen. Sie forschte nach und fand irgend ein Schema einer deutschen Klinik, das bei Mehrgebärenden Spontangeburtsversuche zulässt, worauf sie sich bereit erklärte, mich in meinem Wunsch zu unterstützen. Ich hätte mich auf jeden Fall geweigert, eine Plansectio durchführen zu lassen, und war deshalb sehr froh, hier nicht weiter diskutieren zu müssen! Wann würden sie wohl geboren werden? Hoffentlich vor dem errechneten Termin. Ich hatte Angst um meinen Bauch, der immer grösser wurde … hatte keinen Bedarf an noch mehr Schwangerschaftsstreifen. Dazu kam die angespannte Beziehung zu meinem Mann. Irgendwie spitzte sich alles so sehr zu, dass ich ihn eines Abends, ca 3 Wochen vor dem errechneten Termin, fast aus dem Haus geworfen hätte. Wir kamen jedoch überein, am nächsten Abend nochmals zusammen zu reden. In dieser Nacht schlief ich nicht gut. Am nächsten Morgen kam ich fast nicht aus dem Bett. Wie sollte ich diesen schwierigen Tag überstehen? Ich nahm mir vor, einfach zu schauen, dass die Kinder gut versorgt sind, und möglichst bald wieder schlafen zu gehen … doch dazu sollte es nicht mehr kommen! 9:00 Uhr: Wir stehen auf. Der Älteste ist schon zur Schule gegangen. Ich entscheide mich, nicht wie geplant ins Freibad zu gehen, da die Kleinen zwei noch stark husten. Ich mache also das Frühstück bereit und überlege, was wir sonst tun könnten. Lustigerweise sehe ich, als ich aus dem Küchenfenster schaue, wie schon die letzten paar Tage einen Storch auf dem abgemähten Maisfeld gegenüber herumspazieren. Ich freue mich, denke mir aber gar nichts dabei … 10:30 Uhr: essen abräumen. Plötzlich strampelt es im Bauch. Ein Fuss stösst kräftig in Richtung Ausgang. Es knackt. Hoppla! Ist das jetzt ein Blasensprung? Tatsächlich, mir läuft ein Schwall Fruchtwasser die Beine herunter. Und ich fühle irgendetwas im Scheidenausgang … also erstmal alles aufputzen, dann ins Bad zum Kontrollieren. Da schaut ein Füsschen unten raus …. ok. Ich berühre es vorsichtig. Das Baby reagiert sofort mit Bewegung, es geht ihm also gut. Aber der Fuss bleibt draussen. Ich überlege, was zu tun ist, und entscheide mich erstmal abzuwarten, ob sich Kontraktionen entwickeln. Die Kinder haben mitbekommen, was passiert ist. Ich erkläre der 4jährigen, dass die Babys heute zur Welt kommen werden. Natürlich reagiert sie total aufgedreht, rennt im ganzen Haus herum … 11:00 Uhr: Ich suche mal alles zusammen, was ich für eine Hausgeburt brauchen könnte. Nabelklemmen, sterile Schere, ein paar Tücher, Gazen … was noch? Mehr braucht’s doch eigentlich gar nicht. Das alles auch nur für den Fall, dass ich Nr. 1 abnabeln müsste, bevor Nr. 2 kommt. Dann packe ich die Kliniktasche, das hatte ich bisher immer aufgeschoben, da ich bis heute das Gefühl hatte, noch ewig schwanger zu sein … Die Kids wuseln zwischen meinen Beinen herum, meine Tochter stellt tausend Fragen. Oh Mann, wie soll man so gebären können? Ich spüre ganz leichte, kurze Kontraktionen, nichts Ernsthaftes. Es kommt immer wieder Fruchtwasser, ich wechsle regelmässig die Binden, es läuft klar. Dazwischen kreise ich mit dem Becken, rede den Zwergen gut zu, kontrolliere immer wieder, ob sie sich normal bewegen … ja, alles gut. Ich erzähle den Kids ein Bilderbuch und hänge die nasse Wäsche auf. Hoffentlich fällt den Nachbarn nichts auf. 11:30 Uhr: Ich bin trotzdem minimal unsicher wegen der Fusslage, nehme meine Fachbücher hervor. Schneider: Fusslage ist sehr komplikationsträchtig, sofort Sectio, bei Mehrgebärenden allenfalls Spontangeburtsversuch, 15% Erfolgschancen. Ok. Rockenschaub: Es ist völlig egal, wie genau die Steisslage aussieht, solange es der Mutter gut geht und sie nicht in Angst gerät, passt das Kind durch. Schon besser. Ich werd mich lieber an dem orientieren 🙂 Ich mache Mittagessen für die Kids. Kontraktionen eher zunehmend, aber immer noch nicht kräftig genug. Kindsbewegungen weiterhin völlig normal, was mich beruhigt. Ich gebe uns Zeit bis nach dem Mittagessen, ich will den 2jährigen ins Bett bringen und schauen, ob dann die Geburt losgeht. Ich habe den Eindruck, dass es nur an der nötigen Ruhe fehlt. Ansonsten würde ich meinen Mann und die Hebamme informieren und in die Klinik fahren. Wobei man dort ja auch nicht mehr machen kann als hier zu Hause. 12:45 Uhr: Der Kleine ist im Bett. Zum Glück schläft er mittags zuverlässig. Endlich Ruhe. Ich schlage meiner Tochter vor, eine Zeichnung zu machen für die Zwerge. Erstaunlicherweise ist sie einverstanden. Die Kontraktionen werden stärker und häufiger, sind aber nicht schmerzhaft. 12:55 Uhr: Ich stelle mich unter die Dusche. Das warme Wasser tut gut, ich entspanne mich völlig. Komm, Baby! Ich bin so gespannt auf die Zwerge. Muttermund-Kontrolle: ist noch gleich, aber der Fuss kommt tiefer. Baby bewegt sich normal, Fruchtwasser läuft klar. Unter der Dusche werden die Wellen plötzlich kräftiger, ich wechsle von der Hocke ins Stehen, kreise das Becken, singe irgendwas. Freue mich, bald meine Kinder zu sehen! 13:10 Uhr: Muttermund-Kontrolle. Ein Saum steht noch. Ich spüre das zweite Beinchen oberhalb. Es will sich herausdrücken, steht noch quer im Beckeneingang. Gut so, es geht vorwärts. Urplötzlich überwältigen mich die Wellen. Ich muss mitschieben, atmen reicht nicht mehr. Das zweite Bein entwickelt sich. Mit der nächsten Welle rutscht der Körper nach unten, ich stehe auf, fasse ihn. Presse nach der Kontraktion einfach noch etwas weiter, es brennt, dann kommt auch der Kopf. 13:20 Uhr: Baby Nr. 1 ist da. Welch ein Wunder! Er ist blau, voller Käseschmiere. Ein paar kleine Schreie, er beginnt zu atmen. So ein kleines Baby … Ich nehme ihn hoch. Rufe meine Tochter. Mache ein Beweisfoto. Die grosse Schwester kommt ins Bad, sieht sich den Kleinen an, staunt. 13:30 Uhr: Ich rufe meinen Mann an, der wundersamerweise ganz in der Nähe am Ausliefern ist – Er wird in 10 Minuten da sein. Gut. Ich stille den Zwerg. 13:40 Uhr: Mein Mann ist da. Er hat eine Freundin informiert, die Pflegefachfrau ist, sie wird auch bald eintreffen – einfach damit noch zwei Hände mehr da sind. Ob er die Hebamme informieren soll? Nein, ich denke nicht. Uns geht es gut, ich brauche niemanden. Ich möchte keine gestresste Hebamme hier haben. Nach dem Stillen versuche ich, Nr. 1 irgendwie zu verstauen, damit ich die Hände frei habe für Nr. 2. Es geht nicht, die Nabelschnur ist zu kurz. Also doch abnabeln. Zum Glück ist die Nabelschnur schon auspulsiert. Meine Tochter schneidet sie durch, voller Stolz. 13:50 Uhr: Mein Mann nimmt den Kleinen zu sich. Ich möchte allein sein, schicke ihn mit den Kindern raus. 14:00 Uhr: Die Wellen beginnen erneut. Werden rasch intensiver. Ich untersuche mich – der Muttermund ist noch fast ganz geöffnet, dahinter eine pralle Fruchtblase. Das Baby bewegt sich, bisher blute ich nicht, also muss die Plazenta von Nr. 1 noch fest sein. Gut. Ich versuche irgendwie, den Bauch zu schienen, um Nr. 2 in Längslage zu halten. Keine Chance, die Gebärmutter hat einen zu hohen Tonus. Es ist auch gar nicht notwendig, der Zwerg wird seinen Weg selber finden, das weiss ich. Meine Freundin kommt rein, ich schicke sie sofort weg. Ich kann hier niemanden brauchen, ich mache das allein. 14:15 Uhr:  Ich wechsle bei jeder Welle die Position. Nirgends ist mir wohl, ich habe keine Lust mehr, die Wellen schmerzen wahnsinnig. Wenn nur diese verd… Fruchtblase springen würde! Ich versuche sie zu öffnen, das geht nicht. Vielleicht besser so. Ich spüre Pressdrang. Will nicht, will trotzdem, drücke fluchend mit. 14:25 Uhr: Die Fruchtblase springt während einer Presswehe. Ein Riesenschwall Fruchtwasser ergiesst sich, das Baby rutscht hinterher. Es brennt, der Kopf wird geboren, der Rest des Körpers rutscht einfach hinterher … 14:32 Uhr: Baby Nr. 2 ist geboren! Auch er beginnt sofort zu atmen, alles gut. Ich wechsle aufs Sofa, damit ich ihn in Ruhe stillen kann. Nach 10 Minuten kommen beide Plazenten gleichzeitig, keine vermehrte Blutung, die Gebärmutter kontrahiert sofort gut. Nachdem beide Zwerge gestillt sind und die Nabelschnur von Nr. 2 auspulsiert ist, darf meine Tochter auch diese durchschneiden. Kurze Zeit später kommt der 2jährige von seinem Mittagsschlaf nach unten in die Stube und bestaunt, noch etwas zurückhaltend, seine zwei Brüder. Auch die Nachsorgehebamme trifft bald ein, hilft uns aufzuräumen und die Zwerge zu vermessen. Geburtsverletzungen habe ich keine. So gut! Dann liegen wir lange zusammen auf dem Sofa und bestaunen die zwei kleinen Wunder. Als der Älteste von der Schule kommt, schaut er ziemlich ungläubig, freut sich dann aber mit uns über seine Brüder. Ich bin total erfreut darüber, wie einfach diese Geburt war! Hätte ich mich wie jede andere Frau gutgläubig auf das Kliniksystem eingelassen, wären meine Kinder garantiert per Plan-Kaiserschnitt geboren worden. Was hätte ich da verpasst … erstaunlich ist auch, wie sehr die reale Geburt der hundertmal visualisierten Wunschgeburt glich. Auch jetzt noch, Monate später, wo ich diesen Bericht zum x-ten mal durchlese und überarbeite, bin ich sehr berührt und dankbar für dieses Erlebnis. Es hat für mich nichts mit ‚Mut’, ‚Lebensmüdigkeit’ oder ‚Glück’ zu tun, dass meine Kinder zu Hause, ohne professionelle Hilfe, geboren wurden und gesund sind. Im Gegenteil – es war eine sehr überlegte Wahl. Nachdem ich mich mit sämtlichen bekannten Risiken eingehend befasst habe, konnte ich sie für mich soweit eingrenzen, dass ich die Hausgeburt als mindestens so sicher wie die Spitalgeburt (und für mich viel angenehmer) einordnen konnte. Ich bin dankbar, dass ich dank des tollen Klinik-Teams, das mir zur Verfügung gestanden wäre, eine echte Wahl hatte und nicht aus Verzweiflung oder Angst heraus handeln musste. Es war gut, dass ich die volle Verantwortung für mich – für uns – übernommen habe.

Blitz-Alleingeburt: Wenn das Baby schneller ist als alle

Mein Schwester hat ihr zweites Baby bekommen – und ich bin zum zweiten Mal Tante geworden! Vielleicht erinnern sich manche an ihre erste Geburt, die ich damals geschildert habe. Diesmal lief alles gaaanz anders als damals und diesmal meldet sie sich auch selbst zu Wort. 🙂

Jack Leonard ist mein zweites Kind. Und wie bei seinem Bruder vor ihm musste die Geburt mal wieder in irgendein Extrem ausarten …

Diesmal bin ich vorbereitet … hab ich gedacht. Diesmal hab ich so viel Bauchtanz gemacht … und ja, das Hüftewackeln ist nicht nur für die Ausrichtung des Kindes gut, sondern lindert auch die Hüft- und Bauchschmerzen gegen Ende der Schwangerschaft. Diesmal bekomme ich mein Kind zuhause und mein Mann ist dabei und alles in Ruhe bei Kerzenschein und Tee. Mal sehen, ob mein großer Sohn dann schläft. Mit Papa ist das aber auch egal, weil er ihn beruhigen kann, egal was ist … oder der Kleine geht zu den Nachbarn oder zu ner Freundin. Haben ja ne Auswahl am Start.

Hauptsache nicht wie beim letzten Mal … Geburt ziemlich genau 4 Tage nach Blasensprung … mit vielen, vielen, vielen Wehen … aber wenigstens natürlich. Da hat sich das Aushalten gelohnt. (Diese Geschichte findet ihr hier.)

Samstag kurz vor 24 Uhr Blasensprung. Ok, dann kommt es morgen … alles tutti … erstmal schlafen. Das ging auch erstaunlich gut.

Sonntag so hier und da ’n fester Bauch, mal regelmäßig und dann wieder nix. Gegen Abend noch kein Kind da. Na gut. Vielleicht wartet es, bis es ruhig ist und der Große schläft. Im Bett kommen wieder Wehen … aber nix, was ich ernsthaft als Start ausmachen würde.

Montag. Ich konnte wieder gut schlafen. Ein paar mehr Wehen waren es schon … aber das Kind ist immer noch nicht da. Ich schick mein Mann auf Arbeit. Schlimm genug, wenn einer wartet … aber wenn zwei sinnlos rumhocken, kann ich mich noch weniger entspannen. Treppenlaufen? Mich stressen mit Übungen? Öhm, neeee. Ich bin fit und gut vorbereitet.

Der Große spielt und ich male das Babybild, das ich schon die ganze Schwangerschaft über malen wollte. Hab während dessen regelmäßig Wehen. Bissel doller, aber noch kein Zeichen für mich, dass es los geht.

Mittag rückt ran. Der Große braucht Mittagsschlaf und ich muss nochmal auf den Topf. Na, schau an … wenn das nicht der legendäre Schleimpfropf ist! Dann geht es jetzt vielleicht mal richtig los.

Ich lege mich mit dem Großen hin und versuche ihn wie jedes Mal einzustillen. Da kommen sie … die Wehen, die veratmet werden wollen. Nur noch ein bisschen aushalten, bis der Große schläft … Pustekuchen. Das wird nix mehr. Erstmal dem Papa Bescheid geben, dass es jetzt auch wirklich los geht. Dann Geburtsplatz vorbereiten, solang das noch geht.

Ich versuche, die Wehen möglichst lustig zu veratmen … was nicht immer so funktioniert. Außerdem versuche ich zwanghaft, einen Notfallkontakt für Jim zu aktivieren … der steht nämlich noch immer nölend neben mir in Wohnzimmer, ist müde und will ne Brust. Und zwei die jammern … keine so gute Kombi.

Vergeblich warte ich auf Ablöse und mein Mann braucht mindestens ne Stunde, bis er hier auftaucht. Eine Wehe folgt der nächsten und zwischendurch versuche ich den Großen zu beruhigen. Ich bin wütend, dass ich niemanden für Jim finde … entweder nicht da oder nicht zu erreichen. Doch dann muss ich innerlich lachen über die skurrile Situation. So hatte ich mir das Ganze nicht vorgestellt. Aber ja … wann ist schon eine Geburt, wie man sie sich vorstellt?

Und dann, eine halbe Stunde nachdem der Papa informiert war … da kam sie. Die erste Presswehe. Ich glaub, so schnell hatte ich meine Hose noch nie aus. Da kam nicht nur ne Presswehe… da kam der Kopf und das ganze Kind wurde innerhalb dieser Presswehe geboren. Ich stand vor der Couch und fing was mir da in die Finger glitt. Fruchtwasser platschte auf die Auslage. Der Große fing an zu weinen. Da stand ich nun vor der Couch. Unter mir ne Sauerei, in meinen Händen der frischgeschlüpfte Erdenbürger und neben mir mein Sohn, der mit der Gesamtsituation überfordert war.

Was tun? Beruhigende Worte an meinen Großen. Mich selbst erstmal setzen, Klamotten aus und Baby auf die Brust. Das ist der Moment, in dem einem einfällt, was man alles vergessen hat. Küchentücher, warmes Wasser, Nabelklammer, ein großes Handtuch für mich und die Heizung aufdrehen. An meinen Händen war Schmiere und Blut, aber zum Glück war mein Handy in Reichweite. Als nächstes hab ich dem Papa und der Hebamme Bescheid gegeben … doch beide kamen gefühlt erst nach ner Stunde.

Was nun? Ich musste mir was zum Anziehen besorgen und irgendwie mein Chaos ordnen. Den Großen konnte ich ablenken, indem ich ihm mein Handy gab und er damit beschäftigt war, im Messenger Tiere und Autos einzugeben.

Nach einer Weile Sitzen entschied ich mich (nach meinem Gefühl und weil ich aufstehen und mir was anziehen wollte) nochmal zu pressen und die Plazenta los zu werden. Das tat ich … nur war ich irgendwie überrascht, als sie auf die Auslage platschte und darüber hinaus Blutspritzer auf Gardine und Teppich hinterließ. Oha … mein armer Mann … ein Glück hat er mit Backpulver alles raus bekommen. Ich war frei und kroch wie Rumpelstilzchen durch die Wohnung, zog mir was an, knuddelte den Großen und versuchte wieder, den Kleinen an die Brust zu legen … was der Große da grade gar nicht lustig fand. Dann kam die Hebamme im Doppelpack.

Sie haben ne Bestandsaufnahme gemacht und gecheckt, ob alles i.O. ist. Und dann kam mein Mann auch. Jeaaa … da war ich sehr erleichtert und der Große war versorgt.

Das war es soweit … bis auf einen Riss in der Schamlippe war alles intakt bei mir.

Mein letzter Tipp: Gottvertrauen und: Lasst euch nicht stressen vor und während der Geburt. Warum Gottvertrauen? Ich hab es maximal drauf angelegt, habe mich auf ihn verlassen und wurde nicht enttäuscht … die Ausführung würde hier aber den Rahmen sprengen.

Viel Erfolg euch da draußen mit euren eigenen Entscheidungen und selbst erlangten Erfahrungen. :*

 

Ihr möchtet euch auf eine Geburt in Eigenregie vorbereite – sei es allein, mit Partner, Doula, Hebamme oder im Krankenhaus? Mein Buch „Alleingeburt – Schwangerschaft und Geburt in Eigenregie“ vermittelt euch eine gute Portion Grundwissen und Vertrauen in die Geburt, die andere Ratgeber nicht enthalten.      – Sarah Schmid

 

Alleingeburt beim ersten Kind – in einer Jurte auf Sizilien

Die Frau in diesem Berich bekommt ihr erstes Kind und entscheidet sich für eine Alleingeburt – bei einer Gemeinschaft auf Sizilien in einer Jurte.

Fest stand, ich wollte eine Hausgeburt. Obwohl ich mich in der Großstadt nicht mehr wohl fühlte und obwohl ich keine Auswahl bei der Hebamme hatte, ging ich erst den Kompromiss ein. Ich dachte, so sei es sicherer bei der ersten Geburt. Aber im Laufe meiner Schwangerschaft fühlte ich immer mehr, dass ich mich gerne in die Natur zurückziehen wollte. Dass ich mich am besten mit meiner Urkraft verbinden könne, da wo ich mich wirklich wohl fühle. Und nachdem die Hebamme mir zum wiederholten Male drohte, ich könne keine Hausgeburt haben, wenn mein Eisenwert nicht höher sei oder mein Scheidenpilz wieder auftauchte und sowieso mit ihrer Liste wedelte, auf der tabellarisch Dinge standen, wie zum Beispiel: Wenn die Plazenta nach so und so viel Minuten nicht raus käme, müssten wir ins Krankenhaus, und ich davon sogar Alpträume hatte, fasste ich den Entschluss, meinem Instinkt zu folgen.

Wir organisierten alles, um uns auf Sizilien in der mongolischen Jurte von Freunden für sechs Monate in einem Ökodorf, indem wir zuvor zwei Jahre lebten, ein Nest auf Zeit einzurichten. Welch ein Segen! Ich erfuhr von der Option einer Doula, was sich super stimmig für mich anhörte und ich bestellte einen Geburtspool. Wir (ich hochschwanger am Steuer, denn mein Partner hat keinen Führerschein – ja, selbst ist die Frau) fuhren schnurstracks mit unserem Van von Berlin nach Sizilien. Und ja, es war wunderbar, meinem Impuls zu folgen. Alles lief wie am Schnürchen. Bis auf, dass die frei laufenden Kühe am Tag, als die Wehen einsetzten, die Schläuche der Zisterne verschoben hatten und wir kein Wasser bereit fanden für den Pool. Mein Partner rief die anderen Gemeinschaftsmitglieder zusammen und alle bildeten eine Kette zum Fluss, um Wasser im Kessel auf dem Lagerfeuer zu erhitzen, um den Pool in der Jurte zu füllen. Und so war ungeplant reges Treiben um mich herum, das ich aber nicht als störend empfand, sondern mir ein wunderschönes Gefühl von Zusammenhalt und Umsorgtsein gab. Ich war derweil im Zelt, mal auf allen Vieren, mal aufs bett gestützt, in einer anderen Welt in Geburtstrance, konzentriert atmend. Lange verstand ich nicht, wie weit der Geburtsverlauf schon voranging und so riefen wir meine Doula erst sehr spät. Sie kam und setzte sich ruhig im Abstand neben mich. Als es dann fast soweit war, erinnerte sie mich in einem Moment, als ich es vergaß, dass ich meinen Atem benutzen kann. Sie reichte mir Wasser, als ich es verlangte und ließ mich sein. An einem Punkt, wurde ich ungeduldig und fragte nach, ob der Pool denn schon voll sei. Ich wäre nun wirklich bereit fürs Wasser. Fast zeitgleich kamen mein Partner und ein helfender Freund und standen mit dem letzten Kessel verdutzt im Türrahmen, denn sie wurden Zeugen von einem lauten Urgebrüll und einem kleinen Wesen, dass dann doch auf dem Holzboden zur Welt kommen wollte.

Die Plazenta ließ ein wenig auf sich warten, aber ich war Gott froh, dass ich Zeit hatte dafür. Mein Scheidenpilz war nach der Geburt weg und mein Kind unversehrt. Wir machten eine Tinktur aus einem Stück der Plazenta und ließen sie im Lotusstil abfallen. Danach wurde darauf ein neuer Baum in der Gemeinschaft gepflanzt.

Nach diesem wunderbaren Geburtserlebnis habe ich inzwischen beschlossen, auch andere Frauen als freie Doula zu unterstützen – ganz zu ihren Bedingungen.

Gut zu wissen: Eine Doula ist eine Frau, in der Regel mit eigener Geburtserfahrung, die andere Frauen nicht-medizinisch bei der Geburt begleitet. Eine freie Doula ist eine, die auch Alleingeburten begleitet – etwas, das die meisten anderen Doulas sich verpflichtet haben, nicht zu tun.

Geplante Alleingeburt bei 35+6

Die Mama im folgenden Bericht bekommt ihr drittes Kind. Bereits ihre ersten beiden kamen recht früh auf die Welt. Auch dieses kündigt sich früh an. Diesmal soll das aber kein Hindernis für eine ungestörte Geburt zu Hause sein.                                                                                                                       Im zweiten Teil des Berichts berichtet sie außerdem von dem 24-stündigen Krankenhausaufenthalt, der aufgrund von Anpassungsstörungen nach der Geburt nötig war. Wer keine Trigger lesen möchte, hört an der entsprechenden Stelle – ist deutlich gekennzeichnet – bitte auf zu lesen.                                                                                                        Vielen Dank an dieser Stelle an die Berichtschreiberin, dass ich diesen Bericht hier teilen darf. 🙂

So nach über 10 Wochen schreibe ich mal unsere Geburtsreise auf.
Es hat am Montag den 25.6.2018 angefangen (35+5 SSW).
Ich war mit meiner Zweieinhalbjährigen mittags im Baumarkt, um einen Schlauch für den Pool zu kaufen. An der Kasse hat sie zwei Luftballons geschenkt bekommen. Am Auto habe ich, wie versprochen einen aufgeblasen. Dabei dachte ich, etwas eingepullert zu haben.
Zu Hause angekommen, ca 13 Uhr, ging etwas mehr Wasser ab. Im Auto dachte ich noch, dass es ja der Knaller wäre, wenn es jetzt losginge. Als hätte das Baby gewartet, bis alles Notwendige angeschafft wäre. Ja, der Schlauch hat noch gefehlt. Jetzt war er da und es ist tatsächlich meine Blase gesprungen. Bei den beiden Großen hat es ebenfalls so angefangen (36+3 und 36+0).
Ich habe dann meinen Mann angerufen und ihn gebeten, sich auf den Weg zu machen, da hier noch nichts und absolut noch gar nichts vorbereitet war.
Danach habe ich den Großen 7Jährigen von der Schule abgeholt.
Ich war erstaunlich gelassen. Es war irgendwie „normal“ und aufregend zugleich. Zu Hause angekommen haben die Kinder gespielt und ich habe gefühlt einen Frühjahrsputz im Wohnzimmer gemacht. Meine Gebärmutter hat hin und wieder mal etwas Aktivität gezeigt und ich habe geputzt, vorbereitet und noch mehr geputzt. Da war er also, der Nestbautrieb. 😉
Mein Mann kam gegen 14 Uhr und er fing gleich an, den Esstisch abzubauen, um Platz für den Geburtspool zu machen. Innerlich habe ich mit meiner zweiten Geburt verglichen. Meine Tochter war acht Stunden nach Blasensprung da. Ich wollte gern alles bis dahin fertig haben. 🙂
15,30 Uhr war alles bereit für die Ankunft von unserem Überraschungsei. Mein Mann ist mit den Kids zum Spielplatz und ich habe noch bis 18 Uhr geschlafen. Meine Gebärmutter wurde etwas aktiver. Es waren gaaaaaanz leichte Mini-Wellen im Abstand von 3-5 Minuten.
Wir haben um 20 Uhr alle zusammen Abendbrot gegessen und danach die Kids bettfertig gemacht. Ich habe meine Tochter in den Schlaf gestillt, was die Aktivität meiner Gebärmutter ordentlich angekurbelt hat. Die Wehen waren alle 2 Minuten. Ich habe gezeichnet und freue mich, dass alles so gut voran geht. Innerlich habe ich mich darauf eingestellt, dass das Baby darauf wartet, bis die Kinder schlafen, um dann in Ruhe zu kommen. Es hat sich so angefühlt.
Mein Mann hat dann den Pool mit Wasser gefüllt. Wir haben noch ein paar letzte Bauchbilder gemacht. Ich habe Kerzen angemacht. Es war eine schöne und entspannte Stimmung. Gegen 23 Uhr bin ich dann in den Pool, um da festzustellen, dass die Wehen schwächer wurden und die Abstände länger …. also wieder raus. Es war dabei geblieben. Somit versuchte ich nochmal zu schlafen. Die Wellen waren mir im Liegen unangenehm.
Ich verbrachte die nächsten Stunden damit, zwischen den Wellen zu dösen und die Wellen im Vierfüßler zu verkreiseln.
Um 7 Uhr wird meine Tochter wach und stillt ganz eifrig. Meine Gebärmutter nimmt sofort ihren Job in Angriff und wellt was das Zeug hält. Ich töne mit und habe auch keinen Bedarf mehr Abstände zu messen. Ich weiß, jetzt geht’s los.
Mein Mann wird, umso lauter ich die Wellen vertöne, umso schneller dabei, den Pool wieder warm zu kriegen. Er lässt erst Wasser ablaufen und dann kippt er heiß aufgekochtes Wasser nach. Leider ist da der improvisierte Adapter vom Hahn abgefallen und er hatte ein paar Wege mehr mit den Eimern und dem Wasserkocher.
Die Kinder waren wach und total erfreut über den nun endlich mit Wasser befüllen Pool und sind rein gehüpft und haben Spaß gehabt.
8 Uhr: Ich bin dazu. Nun ja, es war nicht so romantisch, wie ich es mir mit den Kindern im Pool beim Gebären vorgestellt habe.
Bei den Wellen haben sie mich richtig gestört. Die beiden haben es gut gemeint und wollten mich trösten. Ich konnte es in dem Moment überhaupt nicht gebrauchen und schließlich wurden sie mit dem Lap Top und YouTube ins Schlafzimmer verfrachtet. Ich tönte und versuchte meine Affirmationen zu fokussieren.
Ab 9 Uhr wurde es intensiv und aus meinen Tönen wurde ein Brüllen. Ich war soooo laut. Richtig laut. Es ging mir wunderbar dabei. Mein ganzer Körper hat gearbeitet. Ich habe jeden Muskel gespürt und unser Baby, wie es sich nach unten schiebt. Wieder habe ich mit der Geburt meiner Tochter verglichen, die in dem Stadium nach 10 Minuten geboren war … nun ja … den Gedanken hatte ich dann ein paar mal. Zwischendurch habe ich mal unten gefühlt. Da ich aber noch nie mich unten mal gefühlt habe während einer Geburt, hatte ich gar keine Ahnung was ich da spüre. In dem Moment war es für mich kein Kopf. Ich bekam etwas Panik und dachte nur: Was ist das denn jetzt? Da war so eine Kante zu spüren. Ich konnte das gar nicht einordnen. Ich habe das meinem Mann mitgeteilt, der etwas hilflos mich angeschaut hat und mich gefragt hat, was wir jetzt machen sollen? Ich meinte darauf hin nur: „Das Kind jetzt bekommen.“ Im Nachhinein waren das die Schädelplatten, die ich gespürt habe, die sich übereinander geschoben haben. In dem Moment war ich nicht in der Lage so weit zu denken.
Die Welle danach habe ich den Ring of Fire gespürt und meinte nur: „Jetzt kommt das Baby“
Mit einer weiteren Welle kam das Köpfchen und der Körper hinterher. Ich habe mein Baby in Empfang genommen und auf meine Brust gelegt. Mein Mann hat mir ein Handtuch gereicht und dann die Kinder geholt. Wir haben dann geschaut. Ein Junge. Ein kleiner süßer Junge, der uns kräftig begrüßte und gar nicht aufhören wollte seine ersten Schrei zu beenden. Wir haben noch kurze Zeit im Pool verbracht und bevor wir auf die Couch übersiedelten. Ich habe nochmal gepresst und die Plazenta geboren, die mit den Eihäuten noch an mir festgehalten hat. Ich hatte ein Säckchen Plazenta zwischen den Beinen und dachte nur: „Scheiße, was ist das denn jetzt?“ Irgendwie bin ich mit Baby und Plazenta zwischen meinen Beinen auf der Couch angekommen und wir haben erstmal ausgiebig gekuschelt. Der kleine Mann hatte sich auch beruhigt und neugierig seine Umwelt betrachtet. Mit seinen großen Augen schaute er hin und her und fing dann auch an die Brust zu suchen. Auf Anhieb hat das erste Andocken gut geklappt und wir waren alle in Love.
In der Zwischenzeit hatten wir unserer Hebamme Bescheid gegeben, dass die Plazenta irgendwie nicht loslassen will. Sie wollte bald vorbei schauen.
Wir lagen erstmal nur da und haben gekuschelt. Es war wunderschön. Im Gedanken habe ich mich bei meiner Plazenta bedankt für ihre gute Arbeit, für die tolle Schwangerschaft und dass sie gerne loslassen kann. Tatsächlich hatten sich die Eihäute von mir gelöst und ich habe auch ganz normal geblutet. Wow, wir haben es geschafft. Die Geburt, die Nachgeburt, alles lief wunderbar. Unser perfektes Baby im Arm.

Trigger -> Anpassungstörungen mit Krankenhausaufenthalt

Und dann fing der Kleine auf einmal an merkwürdig zu atmen. So angestrengt. Als würde er Verstopfungen haben. Ich habe mir erst nichts dabei gedacht und wir sind ins Schlafzimmer und murmelten uns ins Bettchen.
Es stöhnte in einer Tour und so langsam machte es mir Sorgen. Mir kam der Gedanke, dass er Probleme mit seiner Atmung haben könnte. In dem Moment beobachtete ich, wie seine Stirn langsam anfing blau zu werden.
In diesem Moment klingelte es an der Tür. Meine Hebamme.
Sie kam mit ihrer Praktikantin und hörte nur seine Atmung und sagte sofort: „Der hört sich nicht gut an.“ Sie schickte ihre Praktikantin runter zum Auto, um ihr Sauerstoffsättigungsgerät zu holen. 92%. Zu wenig. Es ging dem Kleinen schlecht und er musste ins Krankenhaus. Innerlich brach eine Welt für mich zusammen. Auch nach über 10 Wochen kommen mir noch Tränen jetzt beim Schreiben.
Ich packte schnell die wichtigsten Sachen zusammen und funktionierte. Unser Sohn wurde gewogen und vermessen (2730g , 49 cm lang und 32 cm KU). Er war unterkühlt (35,8 Grad ) und wir zogen ihn schnell ganz warm an und riefen die Feuerwehr. Meine Tochter bekam die Schwingungen mit und drehte völlig am Rad. Meine Hebamme füllte schnell die Papiere aus und dann klingelte es schon.
Die Fahrt war eine Katastrophe. Die Fragen von den Feuerwehrmännern und mein kleines, hilfloses, stöhnendes Baby im Arm. Auf einmal kein Stöhnen mehr. Das waren die schlimmsten zwei Sekunden meines Lebens. Auf einmal stöhnte er weiter. In dem Moment wäre ich schon zusammen geklappt, hätte ich nicht funktionieren müssen.
Im Krankenhaus angekommen bringen mich meine fünf Bodyguards auf die Station. Ich bedanke mich und verabschiede mich.
Dort soll ich untersucht werden. Ich frage mich, warum? Mir geht’s gut. Mein Sohn braucht Sauerstoff. Sie bringen uns in einem Raum. Ich lege den Kleinen ab, lege meine Tasche zu Seite und werde mit Fragen bombardiert. Der Arzt kommt und nimmt meinen Sohn mit. Ich nehme meine Tasche und laufe hinterher. Auf die Frage, wo er hingebracht wird, kommt: „Er wird untersucht.“
Ich klebe dem Arzt wie eine Klette am Arsch und weiche nicht von meinem Sohn. Angekommen im kleinsten Schockraum der Welt, bittet mich der Arzt raus. Ich lehne ab. Er fängt an zu diskutieren. Ich weigere mich. Es kommt eine Schwester mit einem Stuhl. Sie sagt zum Arzt, dass es noch weitere Patienten gäbe und es keine Zeit zum Diskutieren gibt. Sie reicht mir den Stuhl mit den Worten: „Sie haben doch gerade entbunden, setzen sie sich lieber.“ Ach ja, stimmt ja. Ich habe erst vor drei Stunden entbunden. Das fühlte sich so weit weg an. Mein Zuhause, unser Wochenbett …
Der Kinderarzt fügte sich und begann mir alles zu erklären, was er jetzt macht und warum und was passiert.
Der erste Griff ging zur Nabelklemme. Ich habe ihn abgehalten und eindringlich klar gemacht, dass nicht abgeklemmt wird. Skandal. Zum 1. Mal in diesem Krankenhaus war eine Lotusgeburt auf Station. Ich war wohl das Gesprächsthema Nr. 1 auf der Station.
Der Arzt respektierte meinen Wunsch. Unter der Wärmelampe ging es unserem Sohn gleich besser. Seine Sauerstoffsättigung stieg. Jedoch strengte ihn das Atmen sehr an.
Mein großer Sohn hatte das nach der Geburt auch, nur hatte es sich anders angehört. Der Große kam für eine Stunde in so einen Brutkasten mit zusätzlichem Sauerstoff und dann war gut. Ich dachte, dass wird jetzt hier auch so gemacht.
Der Arzt war wirklich sehr geduldig mit mir und erklärte mir, dass unser Sohn eine Nasenmaske braucht, die Sauerstoff in seinen Körper drückt, so dass er fürs Atmen keine Kraft braucht und er sich so stabilisieren kann. Zudem brauchte er noch eine Magensonde, weil dadurch auch Luft in den Bauch gedrückt wird und durch die Sonde die Luft entweichen kann. Es war so schlimm für mich zu sehen, wie immer ein weiterer Schlauch und ein weiteres Kabel an ihn angebracht wurde. Die Zeit im Schockraum kam mir ewig vor. Mir war gleichzeitig heiß und kalt und schwindelig und alles war zu viel. Wir mussten stationär aufgenommen werden. Auf die Neo-Intensiv. Unser Glück war die Lotusgeburt. Wegen der „Keimschleuder“ durfte unser Sohn nicht zu den anderen auf die Intensiv und somit wurde für uns extra ein Zimmer eingerichtet, damit ich mit aufgenommen werden kann, um mich um die Plazenta zu kümmern. Unser Glück. Sonst wäre ich nur ein Besucher. Auf dem Zimmer angekommen, wurde unserem Sohn noch ein Zugang gelegt, da er eine Glucoselösung intravenös erhalten sollte.
Ich wollte nur kuscheln. Was wir bis zur Entlassung dann auch gemacht haben. Mir wurde empfohlen zuzufüttern, da das Stillen mit Magensonde im Mund schwer wäre. Mein Kleiner hat es geschafft. Er war so tapfer. Ich habe so viel geweint. Mich tröstete der Gedanke, dass wenn alles gut läuft, wir einen Tag später nach Hause können.
Nach fünf Stunden hatte er sich so gut stabilisiert, dass er keinen zusätzlichen Sauerstoff mehr brauchte und die Magensonde somit auch raus konnte. Jetzt konnte ich wieder sein ganzes Gesichtchen sehen. Mir fiel es schwer das Geschehene anzunehmen. Das war also unsere Geburtsreise und der Start vom Wochenbett? Ja … das war unser Weg. Die Nacht ging vorüber und seine Werte waren vorbildlich. Er hatte paar mal gestillt und ich konnte die Visite nicht abwarten. Ein letztes Warten auf Blutergebnisse. Keine erhöhten Entzündungswerte. Wir können gehen. Exakt 24 Stunden waren wir im Krankenhaus. Mein Mann hat uns mit den Kindern abgeholt. Wir konnten nach Hause und da weitermachen wo wir aufgehört haben. Zu Hause ankommen und kuscheln.
Meine Hebamme fragte mich, ob ich mich nochmal für eine freie Geburt entscheiden würde. Nach längerem Überlegen hätte ich mich nochmal für diesen Weg entschieden, aus mehreren Gründen:
1. bei 35+6 hätte keine Hausgeburt stattfinden können.
2. auch keine Geburt in unserem Wunschkrankenhaus, da dieses keine Neo hat und erst ab 36+0 Geburten aufnimmt.
3. hätte ich niemals im Krankenhaus so selbstbestimmt bei meinem Sohn bleiben können. Sie hätten ihn sofort abgenabelt und auf die Intensiv gebracht und ich würde da im Kreisssaal liegen und wäre machtlos.
Ja! Es war unser Glück, dass wir uns für diesen Weg entschieden haben und somit nie getrennt waren.

Unser Kleiner entwickelt sich prächtig und hat sich schon verdoppelt. 🙂 Er war bei der U3 schon 58cm groß und 5110g schwer mit 6 Wochen. Wir sind schwer verliebt. Die Kinder vergöttern ihn und er genießt hier sein Leben und verbringt mit 10 Wochen den meisten Tag mit Schlafen und Stillen. <3

Gut zu wissen: Anpassungsstörungen sind bei Kindern, die in den Wochen vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren werden, nicht selten, nehmen aber ab, je reifer das Baby wird. Meist handelt es sich um Probleme mit der Wärmeregulation, der Blutzuckerregulation und der Atmung. Ein Baby, dass zu früh geboren wurde, muss daher besonders gut beobachtet, warm gehalten und schnell an die Brust gelegt werden (um eine Unterzuckerung zu vermeiden). Für den Fall, dass es sich nicht schafft, selbst zu regulieren, sind – wie in diesem Bericht – die Experten zuständig. 

Vom Kaiserschnitt zur Alleingeburt

Die fünffache Mutter im folgenden Bericht erzählt von ihren Geburten und lässt uns ausführlich an ihren letzten beiden Geburten teilhaben, die sie nur mit ihrem Mann zusammen erlebt hat.

Vorgeschichte

Wir, bisher sechs, leben Patchwork. Meine drei „großen“ Kinder zogen mit mir in die zweite Ehe, aus der nun auch Kindchen vier und fünf entstanden sind. Von meinem ersten Sohn wurde ich 2003 per Sectio entbunden. 2005 folgte mein zweiter Sohn auf natürlichem Weg, jedoch mit allen Schikanen, die ein Krankenhaus zu bieten hat. Im Jahr 2009 ein Sternenkind und 2010 durfte ich mich über meinen dritte Sohn freuen. Eine vaginale Geburt, die mithilfe des Wehentropfes eingeleitet wurde. Woraus sich eine sehr schmerzhafte „MaikäferaufdemRücken“ – Geburt ergab.

Die Schwangerschaften waren allesamt unauffällig und ohne Komplikationen. Ich lief brav, wie vom Gesundheitssystem empfohlen, regelmäßig zu allen Vorsorgeuntersuchungen und ließ, ohne zu hinterfragen, alles über mich ergehen. Eine Hebamme sah ich erst zur Geburt, zuvor nur meinen Frauenarzt.

Schon in der dritten Schwangerschaft hielt ich das Buch „Die Hebammensprechstunde“ jeden Abend in meinen Händen und lass, bewundernd und staunend, die Berichte von Ingeborg Stadelmann. Eine Hausgeburt – wie schön diese Vorstellung war. Aber die Angst und fehlendes Wissen sowie Vertrauen in meine Fähigkeiten waren viel zu groß. Zudem hatte mein damaliger Partner absolutes Vertrauen in Krankenhäuser.

Viertes Kind, erste Alleingeburt

Nun fünf Jahre später, 2015, war es endlich soweit. Mein jetziger Mann und ich hatten die Hoffnung schon fast aufgegeben. Ich war endlich schwanger und schnell waren wir uns einig: Dieses Baby empfangen wir Zuhause, in Liebe und Würde. Eine von den wenigen Hausgeburtshebammen war schnell gefunden und meine ersten Termine zur Vorsorge wahrgenommen. Ich wollte diesmal so wenig wie notwendig Ärzte aufsuchen.

Ab der 20. Schwangerschaftswoche suchte mich ein fieser Dauerdurchfall auf. Dieser blieb fast 11 Wochen, bei Tag und  auch bei Nacht. Homöopathisch hat meine Hebamme nichts unversucht gelassen. Zum Ende bin ich dann doch dehydriert, freiwillig, in ein Krankenhaus gegangen. Jedoch nur um mich zu regenerieren und mir bestätigen zu lassen, dass es meinem Baby an nichts fehlt. Die mehrfach angeratene Darmspiegelung habe ich abgelehnt. Meinem Baby ging es gut und ich wollte nichts riskieren. Jedoch gefiel dies meiner Hebamme nicht sonderlich. Der Durchfall hielt an und war auch alternativ-medizinisch nicht zu stoppen. In der 33. Schwangerschaftswoche verabschiedete ich mich von meiner Hebamme. In mir wuchs der Gedanke einer Alleingeburt. Bestärkt durch gleichnamiges Buch und Facebookgruppen. Dennoch wollte ich eine Hebamme  finden, die bereit ist mich zu unterstützen, falls ich sie brauche. Das Glück war auf meiner Seite und ich hatte schnell eine Hebamme gefunden. Den Durchfall haben wir in kurzer Zeit homöopathisch auflösen können. Heute bin ich mir sicher, dass die Ursache rein psychisch war.

Die letzten Wochen vergingen ohne Auffälligkeiten und mein Wunsch nach einer Alleingeburt wuchs. Ich war völlig frei von Ängsten und Sorgen und vertraute auf mich und meine Fähigkeit dieses Baby allein zu gebären. Meinem Mann gegenüber erwähnte ich es immer nur beiläufig.

In der Nacht, 5.8., wurde ich gegen 0.15 Uhr von leichten Wellen geweckt. Liegen bleiben wollte ich nicht und beschloss  nach unten ins Wohnzimmer zu gehen, um zu sehen wie sich die Wellen entwickeln.

Noch schnell eine Wehenapp installiert und das Wohnzimmer hergerichtet. Kerzen erleuchteten fast weihnachtlich das Wohnzimmer. Zur Musik kreiste ich mein Becken und merkte, dass die Wellen regelmäßig und in immer kürzeren Abständen kamen.

Ich weckte meinen Mann. Es war ca. 1.15 Uhr. Zeit für ihn den Pool aufzubauen. Er war aber noch völlig schlaftrunken und sagte mir: „ Das schaffe ich jetzt nicht mehr“. „Gut, dann geh ich erst mal in die Badewanne“, erwiderte ich. Ich war schon völlig im Flow, voller Vorfreude auf die kommende Geburt.

In der Wanne wurden die Wellen stärker und die Abstände verkürzten sich wieder. Ich wollte laufen, mich bewegen. Also stieg ich aus und mich ereilte eine Welle, die mich in die Knie zwang. Ich stützte mich am Wannenrand, bejahend die Welle veratmend. Ja, ich lasse los. Im Wohnzimmer angekommen, sah ich das mein bisher entspannter Mann langsam nervös wurde. Ich schickte ihn auf die Terrasse, wo er seinen xten Kaffee trank.

Ich lief weiterhin durch das Wohnzimmer und bejahte jede Welle. Zu keiner Zeit waren die Wellen schmerzhaft und ich fühlte mich wirklich wohl in meinem Zustand. Die nächste Welle kündigte sich an, sie kam voller Kraft, eine Urgewalt. So dass ich noch heute keine richtigen Worte finde. Es war eine Urkraft, die mich dazu bewog, das erste Mal nach meinem Muttermund zu fühlen. Prima, vollständig geöffnet und ich spürte das Köpfchen bereits. Es brannte und ich wusste, dass unsere Tochter nicht mehr lange auf sich warten lässt. Jetzt durfte mein Mann die Hebamme anrufen, welche sich gleich auf den Weg machte.

Meine Beine begannen zu zittern und ich musste mich seitlich auf unser Sofa legen. Kaum lag ich  spürte ich die erste „Presswehe“ und schob, atmend das Köpfchen vorwärts. Nach nur zwei „Presswehen“ war das Köpfchen  geboren und ich wartete auf die nächste Welle. Meine, Mann kniete vor dem Sofa und hielt das Köpfchen, während ich spürte, dass sich die Schultern drehten. Mit der nächsten Welle war sie dann geboren, 4.24 Uhr.

Kurz darauf kam unsere Hebamme, völlig erstaunt, dass unser Baby schon da ist. Sie untersuchte unsere Kleine, die mit 4700 Gramm und 54 cm gar nicht so klein war. Die Nabelschnur war bereits auspulsiert und wurde von meinem Mann durchtrennt. Meine Plazenta folgte, nachdem die Hebamme am herausragenden Rest der Nabelschnur zog. Ich war viel zu sehr im Hormonrausch, so dass ich dies über mich ergehen ließ.

Fünftes Kind, zweite Alleingeburt

Im Dezember 2017 freuten wir uns noch einmal, denn ich hielt einen positiven Test in der Hand. In dieser Schwangerschaft sollten es nur drei Termine bei meiner Ärztin werden. Ich nahm nur die Screenings wahr und lehnte sowohl vaginale als auch alle anderen unnötigen Untersuchungen wie z.B. CTG ab.

Wir hatten uns wieder für die Hebamme entschieden, die uns auch in der letzten Schwangerschaft  begleitete. Allerdings hat auch sie das Handtuch in der Hausgeburtshilfe geschmissen. Auch ihr waren die Versicherungsbeiträge zu hoch. Daher war schnell klar, dass es wieder eine Alleingeburt wird.

Die Wochen der Schwangerschaft vergingen rasend schnell und ich genoss jeden Tag mit meinem Baby im Bauch. Ich wollte diese letzte Schwangerschaft so bewusst wie möglich wahrnehmen. Jeder Tag war ein Geschenk und mir ging es unheimlich gut. Der Kontakt zu meinem Baby bestätigte mir, dass es ihm auch gut ging. Meiner Hebamme habe ich ab der 37. Schwangerschaftswoche alle Termine abgesagt. Denn sie bekam es mit der Angst zu tun, da sie wusste, ich würde in kein Krankenhaus gehen. Ich wollte frei sein von den Ängsten aus meinem Umfeld und blieb die letzten Wochen daheim und bereitete mich mental auf die Geburt vor. Ich visionierte eine Geburt im Garten. Dafür hatten wir extra umgestaltet und diesen Platz als den meinigen erklärt.

Am 25.7., es war wieder so ein heißer Tag, den wir abwechselnd  im kühlen Haus als auch im erfrischenden Pool verbrachten. An diesem Abend, es waren alle Kinder daheim, zog es uns wieder in den Garten. Vom angrenzenden Feld wehten frische Brisen und wir spielten ausgelassen miteinander. Mich zog es dann zu meinem „Platz“, ich hatte das Bedürfnis  mich zu erden. Also legte ich mich auf meine Wiese,  genoss die kühlere Luft und die Wärme der Wiese.

Ich bemerkte nun, dass ich wieder Kontraktionen hatte. Schenkte ihnen aber keine große Beachtung und fuhr im Alltagsgeschehen fort. Als dann unsere Jüngste im Bett war, setzte ich mich gemütlich auf unsere Terrasse und entspannte mich. Meinen Mann verabschiedete ich, als er zum Gassigehen mit dem Hund loszog mit folgenden Worten: „Mausel, geh net so lange. Unser Baby macht sich auf den Weg.“ Ich war selbst ganz erstaunt über meine Worte, denn sie kamen mir einfach so über die Lippen.

Gegen 21.30 Uhr wurde mir bewusst, dass es Geburtswellen sind. Zwar sehr unregelmäßig aber deutlich. Nach einer Stunde war dann auch mein Mann wieder zurückgekehrt. Wir machten es uns auf der Terrasse gemütlich. Zündeten Teelichter an, stellten Musik bereit und auch mein „heiliger“ Platz wurde mit der Feuerschale und reichlich Brennholz bestückt. Die Wellen kamen nun alle 7 Minuten. Ich bejahte jede Welle und „schwamm“ mit ihnen.

Es war nun schon dunkel und kühler geworden. Und ich genoss die Wärme, welche von der Feuerschale erstrahlte, lief durch das feuchte Gras im Garten und veratmete jede Welle. Mein Gefühl sagte mir immer wieder: Bleib in Bewegung und hilf dem kleinen tiefer ins Becken einzutreten. Die Zeit verging rasant und die Uhr zeigte nun Mitternacht. Die Straßenbeleuchtung erlosch und der Mond stand direkt über uns, während nun die Wellen alle 5 Minuten kamen. Der Druck im Rücken nahm mit jeder Welle zu und mein Mann massierte mich fleißig. Durch das viele Laufen waren meine Beine sehr angespannt und auch hier durfte mein Mann Abhilfe schaffen. Ich bat ihn jedes Bein „auszuschütteln“ und fühlte auch gleich Besserung.

Am liebsten hätte ich mich hingelegt, um mich auszuruhen, aber instinktiv blieb ich in Bewegung und kreiste meine Becken. Irgendwie wurde ich ungeduldig, denn meine letzte Geburt ging deutlich schneller voran. Ich tastete nach meinem Muttermund und freute mich über 5cm. Mein Mann wurde ungeduldig und ich bot ihm an, sich doch noch kurz hinzulegen. Wir gingen ins Wohnzimmer. Kerzenschein und Duftlampe sorgten auch hier für eine schöne Atmosphäre. Da das Sofa schon „geburtsbereit“ war, legte mein Mann sich kurzerhand auf das Kindersofa. Ich musste schmunzeln, denn es sah schon witzig aus. Ein 1,80 m-Mann zusammengerollt auf einem 1,00 m-Kleinkindersofa liegend.

Die Wellen und auch der Druck im Kreuzbein wurden nun wesentlich stärker und die Abstände sehr kurz. Ich kniete vor dem Sofa und stützte mich in den Pausen auf dem Sofa liegend ab. Die Wellen waren gewaltig, so auch der enorme Druck hinten. Ich versuchte weiterhin jede Welle zu bejahen und ging hinüber in eine sehr tiefe Tonlage. 2.00 Uhr, platsch – „Mausel das war die Fruchtblase“.  „ Hab es gehört.“ Und schon legte mein Mann neue Unterlagen aus. Ich war nun vollständig geöffnet und es folgten sogleich die „Presswehen“. Ich schob mit den langen Wellen das Köpfchen voran und konnte ihn auch gut fühlen. Während der gesamten „Pressphase“ hielt ich meine Hand am Kopf des Kleinen. Der Kopf war noch nicht vollständig geboren und es folgte die letzte Welle. Der Kleine „rutschte“ in die Hände des stolzen Papas. Da war er nun. Ich kniete noch vor dem Sofa, als mein Mann mir den Kleinen durch meine Beine reichte. Ich nahm ihn und begann erst einmal zu schluchzen und zu weinen. Völlig überwältigt im Gefühlsrausch.

Da ich wirklich geschafft war, versuchte ich mich auf das Sofa zu legen. Leichter gesagt als getan. Mein Hinterteil schmerzte und bewegen war nur mit aller größter Anstrengung möglich. Selbst ohne Bewegung tat es unheimlich weh. Da lag ich nun. Die Nachwehen waren auszuhalten und wir warteten auf das Auspulsieren der Nabelschnur sowie auf die Geburt der Plazenta. Ich stillte unseren Sohn zum ersten Mal. 3.05 Uhr haben wir abgenabelt und die Plazenta gebar ich hockend in die dafür vorgesehenen Schüssel um 3.33 Uhr. Geschafft. Wir waren müde. Mein Mann wusch mich und den Kleinen, er räumte auf,  entsorgte die Unterlagen und stellte meine Plazenta in den Kühlschrank. Wir zogen 4.15 Uhr nach oben ins Bett, wo auch unsere jüngste Tochter schlief. Die großen Brüder haben alles verschlafen und wollten auch nicht geweckt werden. Die Überraschung war am nächsten morgen umso schöner. Kuschelzeit im Familienbett.

8.30 Uhr kam schon unsere Hebamme zur Nachsorge. Dass ich keine Geburtsverletzungen hatte, wusste ich bereits und auch sonst war alles gut. Der Kleine wurde gewogen und gemessen. 4650 Gramm und 54 cm lang.

Wir sind überglücklich, dass wir uns wieder für den Weg der Alleingeburt entschieden haben. Für uns war es genau die richtige Entscheidung. Es gibt aber auch die andere Seite. Das Umfeld, Außenstehende. Bereits in der Schwangerschaft haben wir es vermieden über den geplanten Geburtsort zu reden. Unverständnis, Kopfschütteln bis hin zu Debatten über Risiken und Verantwortungsbewusstsein.

Beide Geburten werden immer zu unseren intimsten und schönsten Ereignissen im Leben zählen. Momente, die wir nicht geteilt haben, die allein uns gehören. Dennoch bedauerte ich die ersten Tage nach der Geburt, dass ich mit niemandem über diese Geburt reden konnte. Zu gern hätte ich einfach nur erzählt bzw. geredet. Im frischen Gefühlsrausch, stolz und glücklich erzählen zu können, einen lieben und verständnisvollen Zuhörer zu finden. Denn die Geburt meines fünften Kindes war ein ganz anderes Erlebnis als die Geburt meiner Tochter. Er war ein Sternengucker, die Atmosphäre berauschend lieblich und dennoch nicht ohne diese intensiven, gewaltigen Urkräfte, die anders waren als bei meiner Tochter.

Ihr lieben Frauen und Leser/innen, traut euch. Es ist euer Körper und allein eure Verantwortung. Jeder Frau kann gebären, wir konnten es schon immer. Unsere wunderbaren Körper sind dazu geschaffen. Selbstbestimmend und würdevoll gebären zu können ist möglich, sofern ihr dafür einsteht. Für euch und eure Kinder.

Herzlichst

Daniela und Uwe

In eigener Sache: zurück aus der Sommerpause

Hallo ihr Lieben,

ich hoffe, ihr hattet einen schönen Sommer! Einige von euch warten schon eine Weile auf eine Antwort auf ihre Kommentare und Emails. Ich habe euch nicht vergessen, aber habe mir eine kleine Sommerpause gegönnt, plus wurde sie mir aufgezwungen, weil ich aufgrund technischer Probleme lange nicht oder nur sporadisch auf meine Webseite zugreifen konnte. Das Problem wird aber jetzt hoffentlich gelöst und ganz bald hoffe ich, dass ich alles abarbeiten kann. Und auch neue Geburtsberichte sind in der Warteschlange.

Demnächst also mehr!

Viele Grüße,

Sarah Schmid

Zweite Alleingeburt nach Kaiserschnitt

Die Mama im folgenden Bericht bekommt ihr viertes Kind. Das erste war ein Kaiserschnitt, das zweite eine Hausgeburt, Nummer drei war eine Alleingeburt und Nummer vier soll auch eine werden. Diesmal liegt das Baby offenbar nicht so optimal, aber zusammen mit ihrem Mann meistert sie die Geburt. Als eine letzte Hürde stellt sich dann die Anmeldung der Geburt heraus. In Österreich gibt es eine Hebammenhinzuziehungspflicht, die auch für die Mutter gilt. Was passiert in Österreich bei einer Geburt, die bewusst ohne Hebamme stattfindet? Lest selbst.

Als ich den Schwangerschaftstest machte, war mir klar: Es muss da raus! Daher lief das Projekt „Baby klein halten“ ab Tag 1 (groß sollte es werden, nur nicht zu groß). Großes Unwohlsein in der Frühschwangerschaft ließ jedoch eine geordnete Ernährung in weite Ferne rücken, sodass ich mich oft aufgebläht, mieselaunig und ungut fühlte. Fußreflexzonen-Massage schaffte zwar teilweise Abhilfe, aber richtig gut ging es mir erst, als die berühmten ersten drei Monate der Schwangerschaft vorbei waren. Zu diesem Zeitpunkt startete ich auch wieder in meine Yoga-Kurse, meist zwei Mal pro Woche (Ashtanga Yoga). Gewicht hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt ca. 3 kg zugenommen, und es kam nicht mehr wirklich was dazu bis zum Ende der Schwangerschaft. Ich versuchte, mich hauptsächlich eiweißreich zu ernähren und Dickmacher-Kohlenhydrate wie Zucker, Brot, Mehl, Reis etc. zu vermeiden. Das heißt: Statt Cornflakes zum Frühstück gab es dann zwei Rühreier mit Pilzen und Joghurt mit frischen Früchten.

Ärztliche Untersuchungen nehme ich keine in Anspruch, auch Hebamme gibt es keine. Der Kontakt zu meinem Bauchgefährten ist sehr direkt. Bereits recht früh spüre ich erste Schmetterlingsbewegungen, die dann immer deutlicher und besser wahrnehmbar werden. Bis zum Ende der Schwangerschaft wird der 1-zu-1-Kontakt so intensiv, dass ein Gedanke an mein Kind ausreicht, um eine Reaktion von ihm herbeizuführen. Auf Bauch-Berührungen reagiert es sowieso prompt, sodass ich weiß: Auch die Geburt werden wir gemeinsam zuverlässig meistern.

Mein Bauch wächst, jedoch sehr in Maßen – es dürfte recht wenig Fruchtwasser vorhanden sein (was sich gegen Ende nach Blasensprung bestätigt, als der Bauch fast noch genau so aussieht wie vor dem Blasensprung). Die Kindsbewegungen sind stark, deutlich, teils pieksig – und als ich am Tag vor der Geburt in ein Geschäft spaziere, um Reitsachen für die große Tochter zu kaufen, und man fragt (wie üblich zu der Zeit, wann es denn käme, sage ich: „Weiß nicht. In ein oder zwei Wochen – oder morgen.“

An diesem „Morgen“ ist es 1 Uhr nachts. 38. Schwangerschaftswoche und ein paar zerquetschte Tage. Am Vorabend hatte mein Kind schon so in Richtung Muttermund gepiekst, dass ich mir dachte: Lang wird das die Fruchtblase nicht mehr tolerieren. Dennoch fühle ich mich noch nicht wirklich geburtsbereit. Vor allem vom Kopf her bin ich noch „dicht“ – will es hinauszögern, wobei der Platz im Bauch ziemlich aufgebraucht ist und die Nachbarin am Vornachmittag meinte: „Dein Bauch ist ja schon vooolll weit unten!“ – war mir gar nicht aufgefallen.

Ich wache also nach großer Müdigkeit und langem Spaziergang am Vortag auf und bin sofort hellwach, denn meine Schlafhose ist patschnass (lustigerweise das Bett darunter nicht. Wie genau das funktioniert hat, kann ich mir bis heute nicht erklären. Offenbar hat die Hose rascher aufgesaugt als alles andere). Ich stehe auf und denke: Hm, wenn ich jetzt links aus meinem Zimmer gehe, hört das mein Mann und wird munter. Daher gehe ich erstmal auf die Gästetoilette und lasse dort weiteres Fruchtwasser ab. Weil noch nichts weitergeht, fange ich an, einen Geburtsbericht in das Fotoalbum für mein Kind zu schreiben:

„Nun ist es ca. 3:19 Uhr. Fruchtblase leer, ziemlich. Darm + Blase auch gut aufgeräumt. Ich hab 1 Kalziumtablette genommen und grad eine Banane gegessen. Bei Geburtsbeginn waren wir ca. 73,4 kg schwer. Unsere Waage zeigt ja immer sehr unterschiedliche Gewichte. Je nachdem, wo man gerade steht.

Wir arbeiten daran, dass du geboren wirst.

Schmerzen habe ich keine.

4:39 Eilig hast du es nicht, arbeitest aber mit (obwohl Du schläfst)

6:00 bisschen geschlafen, Wehen beginnen wieder.

Ab 7 Uhr kleine Tochter wach, kurz danach die Mittlere, später die Große. Es ist hell, Du magst nicht. Alle tönen, Hunde laufen, kein guter Zeitpunkt zum Gebären.

Die Nachbarin nimmt ab 9:35 die beiden kleineren Kinder, um 10:15 geht die Große nach unten. Sie ist heute mit einer Freundin zum Reiten verabredet.

Ich gehe ins Bad. Bitte Papa, mir zu helfen. Denn ich weiß, heute, jetzt, hier, möchte ich kein Kind bekommen. Ich war, bin noch nicht so weit. Möchte es verlegen auf – irgendwann später. Nur eben nicht jetzt. – Shit, wieder eine Wehe, denn mein Kind ist anderer Meinung. – Papa hilft. Er hält und drückt meinen Rücken genau dort, wo es gut tut. Ab 10:30 h wird es anstrengend. Ich weiß nicht weiter, Papa macht mir Mut.“

Ich sage: „Ich kann das nicht.“ Er: „Doch (und schluckt).“ Ich: „Du bist unsicher, das brauch ich jetzt nicht.“ Er, selbstbewusst: „Bin ich nicht. Du kannst das.“ Ich: „Sag mir noch was Gutes.“ Er: „Du hast das schon zweimal gemacht, du kannst das auch heute.“ Ich: „Ja, das ist gut. Baby, komm runter, komm raus, jaaaaaa, rauuuus.“ Stehe über dem WC, halbhockend. Habe durch das viele Yoga starke Beine und merke keinerlei Ermüdung. Presse, schiebe, mache irgendwie mit, wie es mir sinnvoll erscheint. Wobei mein Kopf Gedanken hat wie: Woher weiß ich, ob das hier alles sinnvoll ist? Vielleicht haut es sich nur die Birne an, wie Nr. 1, die ein Kaiserschnitt war? Und überhaupt, ich hatte mir ja zwei Einläufe verpasst in der Nacht, bei der Großen bekam ich auch einen in der Klinik damals – werde ich deswegen jetzt wieder einen Kaiserschnitt haben??“ (Die Kinder 2 und 3 kamen auch schon zu Hause, Nr.2 mit Hebamme, Nr. 3 ohne – da hatten alle geschlafen, sogar die Hunde.) Dumme Gedanken kommen und gehen und bremsen mich in meiner Arbeit. Mein Mann sitzt ganz ruhig am Boden im Badezimmer. Er stört, wider Erwarten, meine Arbeit nicht. Niemals zuvor hätte ich mir gedacht, meinen Mann zu tolerieren beim Gebären. Doch jetzt ist mir alles einfach nur scheißegal. Und wenn er auch nur einen halben sinnvollen, mutmachenden Satz für mich hat: HER DAMIT! Ich brauche ihn JETZT! Als Türbewacher und Geburtsbewacher.

Im Album steht:

„Ab 10:45 Presswehen. Ich merke irgendwann, wie es innen brennt. Jetzt weiß ich: Gleich ist es geschafft, von hier aus geht es nur noch nach unten und dann raus!“

Als ich spüre, dass Du knapp vor dem Herauskommen bist, sage ich zu Papa: „Sie kommt gleich, fängst du sie auf?“ Ich wechsle vom Platz über dem WC (denn nur dort kann ich ganz loslassen und alles abfließen lassen, was die Geburtswege noch verengt) vor die Badewanne mit den praktischen Griffen. Gehe auf alle Viere und richte mich auf. Presse und schiebe mit, egal ob Wehe oder nicht, meine Muskeln sind gut. Sie ersetzen die Zeit ohne Wehe fast gleichwertig. Dann spüre ich den Aufzug nach unten, gigantisch, gewaltig, ich weiß: Dieser DRUCK hat mir so viel abverlangt. Dieser immense DRUCK ist es, der die komplette Hemmungslosigkeit verlangt! Das Aufmachen bis aufs Äußerste. „Sie kommt gleich!“, sage ich zu Papa. Er: „Ich sehe die Haare! – – Der Kopf ist da!“ Ich: „Kannst du sie rausholen, irgendwie, mach mal …“ Er: „Ist schon da!“ – – Ich: „Und?!“ Er: „Dreimal darfst du raten.“ Ich: „Ein Mädchen.“ Er: „Richtig.“

Im Album notiere ich später:

„Genau um 11 h bist Du geboren. Ein Mädchen – wie schön!

Ca. um 11:30 Uhr kommt Dein Raumschiff, die Plazenta. Jetzt esse ich ein TWIX. Papa hält dich, ich habe lange geduscht und du grunzt und quäkst. Die Augen hattest Du gleich mal offen, direkt nach der Geburt hast du gequäkt. Kofferwaage zeigt um 15:40 Uhr 2760g an. 32 cm Kopf. Erstes Stillen war um 12:10 für ca. 30 Minuten (nicht, ohne vorher Lansinoh aufgetragen zu haben gegen wunde Brustwarzen…). Erstes Augen auf am Nachmittag gegen 16 Uhr. Erster Spaziergang um 17:45 Uhr im Tragetuch.

Plazenta-Gewicht: 485 g.“

Im Nachhinein gesehen wärst Du heute noch nicht geboren, hätte ich die Kinder nicht wegorganisieren können. Sie waren ein Mega-Hemmschuh und brachten mich total aus dem Konzept. Ich kannte bis dahin keine Geburten am Tag, sondern nur in der Nacht zwischen 4 und 5. Auch hatte ich noch nie das Bedürfnis, beim Gebären zu schlafen und die Latenzphasen in Form von Ruhe­-Energie auszukosten. Im Hinterkopf dachte ich dauernd: Mist, Blasensprung vor bald 12 Stunden, da geben sie in der Klinik dann Antibiotika gegen aufsteigende Infektionen. Also setzte ich mich selbst unter Druck, unnötig. – – Aufgrund vieler Sitz-Arbeit vor dem PC und etlichen Fernseh-Abenden am Sofa lag das Kind im Nachhinein gesehen in Sterngucker-Position. Das machte das Eindrehen und Rausflutschen nicht unbedingt leichter. War aber gut zu bewerkstelligen aufgrund der relativ geringen Kindsgröße und des überschaubaren Gewichts sowie Kopfumfangs. Irgendein alter Riss ging bei der Geburt wieder auf. Ich versuchte ihn, mit Sekundenkleber zu flicken, was zwar gelang, aber nicht funktionierte auf Dauer 😉 Dennoch: Nennenswerte Schmerzen hatte ich nach der Geburt keine und war, obwohl ich diesmal 40 Tage Schonung mir selbst verordnet hatte, schon am Abend wieder so voller Energie und hormonell gepimpt, dass ich unbedingt eine Hunde-Runde spazieren wollte mit Baby im Tuch.

Bei der Besichtigung der Plazenta stellte sich heraus, dass es offenbar wieder einen „stagnierten“ Zwilling gegeben hatte. Wie schon beim letzten Mal. Ich war und bin froh, dass nur eines durchkam, zwei hätten mich definitiv überfordert.

Die Plazenta wusch ich drei Tage nach der Geburt ab, entfernte die Eihäute und schnitt sie in insgesamt 11 Teile, die ich einfror. Alle 3 Tage mixe ich mir einen Shake aus Plazenta, Beeren, Joghurt, Honig, Blüten – und trinke ihn. Der Ekelfaktor ist ja nur im Kopf, außer das Eisen schmeckt man nicht wirklich etwas von der Plazenta. Dieser Shake hilft mir dabei, stimmungsmäßig „oben“ zu bleiben, und auch energietechnisch scheint der Mix gelungen. Müde bin ich natürlich, wenn das Baby nachts zig Mal trinken möchte, aber ich fühle mich dennoch gut, fit und stark genug, um auch mit den großen Kindern nach ein paar Tagen schon wieder kleinere Ausflüge zu unternehmen. Papa als Back-Up, der übernimmt, wenn mich dann doch die Müdigkeit übermannt.

Die Milch fließt gut, wenngleich das Stillen auch nach vielen Jahren erfolgreichen Vor-Stillens schweinsmäßig wehtut die ersten Tage. Das Ansaugen, -autsch!!! Langsam wird es besser (heute 10 Tage nach der Geburt geht es nach dem Ansaugen fast schmerzfrei), aber da muss man halt durch.

 

Ganz so einfach war sie dann nicht, die offizielle „Beurkundung“ am Standesamt. Mein Witz, als ich zwei Tage nach der Geburt dort vorstellig wurde mit „da könnte ja jeder mit einem geklauten Kind kommen und sagen, das ist meines“, war natürlich unangebracht und bescherte gemeinsam mit der Tatsache, dass weder Arzt noch Hebamme dabei waren bei der Geburt jede Menge Aufregung. Nach zig Telefonaten (von Mann zu Mann, ich versuchte, im Wochenbett den unnötigen Ärger von mir fern zu halten) mit dem zuständigen Standesbeamten, kam eine offizielle Aufforderung zur „Mängelbehebung“. Diese besagte, dass entweder Arzt oder Hebamme die Geburt bestätigen sollten. Doch dagegen wehrte ich mich nach wie vor mit Händen und Füßen. Warum sollte ich ausgerechnet jetzt, wo das Kind schon über eine Woche alt war, jemanden um seine Bestätigung über etwas bitten, von dem er/sie keine Ahnung haben konnte? Ich zog es daher vor, meine Nachbarin als Zeugin mit ins Standesamt zu nehmen. Sie bestätigte durch eine offizielle Niederschrift, dass ich schwanger gewesen war und sie rund eine Stunde nach der Geburt bei mir zu Hause das Neugeborene gesehen hatte. Ich bestätigte in einer weiteren Niederschrift ebenso, dass ich schwanger war und geboren hatte. Offenbar reichten unsere deckungsgleichen Aussagen im Paket mit eindeutigen Fotos aus Spätschwangerschaft, nach der Geburt und von kurz nach der Geburt aus, um der Tatsache „die Frau war schwanger und hat tatsächlich ein Kind geboren“ durch eine Geburtsurkunde Glauben zu schenken. Der Umstand, dass ich gegen das österreichische Hebammengesetz verstoßen hatte (eigentlich gleich mehrfach, denn ich hatte nicht nur keine Hebamme hinzugerufen oder nachher verständigt, sondern mein Mann hatte auch einschlägige, eigentlich Hebammen vorbehaltene Tätigkeiten durchgeführt), spielte in weiterer Folge keine Rolle mehr. Aber man weiß ja nie, was noch kommt. Nach der Geburt des dritten Kindes (Alleingeburt), wurde damals das Jugendamt vorstellig aufgrund einer Anzeige gegen mich wegen „Kindeswohlgefährdung durch die Hausgeburt“. Da es keinen Grund zur Beanstandung gab, zogen die beiden Damen nach zwei Stunden reger Diskussion wieder davon. Dennoch hatte dieses Intermezzo, ebenso wie die Sache mit dem Standesamt, unnötige Kraftreserven gekostet. Grund genug, ein weiteres Huhn zu schmackhafter Suppe zu verarbeiten und portionsweise – neben den Plazentastücken – einzufrieren …

 

Wehen einschätzen

Das erste Kind ist unterwegs und die ersten regelmäßigen Wehen sorgen für nicht geringe Aufregung. Vielleicht hat sich der Schleimpfropf schon verabschiedet, vielleicht ist die Blase schon geplatzt .. Jetzt kommt das Baby! Doch halt. So schnell geht es normalerweise nicht. Ohne kräftige Wehen wird das Baby nicht geboren. Und nur weil die Wehen regelmäßig sind, heißt das noch nicht, dass das Baby gleich da ist. Die Wehen werden im Geburtsverlauf immer stärker. Hier eine einfache Unterscheidungshilfe, mit der man die eigenen Wehen einschätzen kann:

schwache Wehen (frühe Eröffnungsphase):

  • Man kann sich währenddessen unterhalten, ohne dass der andere merkt, dass man gerade eine Wehe hat.
  • Man ist noch recht kopfgesteuert
  • Ablenkung und kurzweilige Unterhaltung tun gut.
  • Die Wehen sind kurz. Bis 30 Sekunden lang.
  • Die Wehen können regelmäßig oder unregelmäßig sein. Im Geburtsverlauf nehmen sie an Häufigkeit, Regelmäßigkeit und Stärke zu.

starke Wehen (späte Eröffnungsphase):

  • Man muss sich GANZ auf die Wehe konzentrieren.
  • Man muss die Wehe veratmen oder vertönen.
  • Liegen ist in diesem Stadium normalerweise sehr unangenehm.
  • Zwischen den Wehen ist man zu beschäftigt damit sich zu erholen als dass man etwas anderem Aufmerksamkeit widmen möchte. Angesprochen werden und Unterhaltungen erlebt man als störend.
  • Die Wehen dauern ungefähr 60 – 90 Sekunden und kommen in Abständen von wenigen Minuten.

Wenn das Baby gleich kommt (Übergangsphase):

  • Man glaubt, es nicht länger auszuhalten.
  • Sämtliche Veratmungs- und Vertönungsstrategien greifen nicht mehr.
  • Die Beine zittern, man fühlt sich kaltschweißig.
  • Man will weg, schreit nach Mama oder verlangt nach einem Kaiserschnitt. 😛

… und dann beginnen die Presswehen und das Baby ist wirklich bald da. 🙂

Geplante Alleingeburt wird zur natürlichen Geburt im Krankenhaus

Ein Geburtsstillstand ist wohl der häufigste Grund, warum eine Alleingeburt abgebrochen wird. Die Mama im folgenden Bericht plante für ihr erstes Kind eine Alleingeburt. Zuerst lief alles nach Plan, aber dann kam eine Muttermundslippe dazwischen, die alles ins Stocken brachte.  Aber lest selbst, wie sie die Geburt erlebt hat.

Ja, mach nur einen Plan

sei nur ein großes Licht

und mach dann noch ’nen zweiten Plan

gehn tun sie beide nicht.

– Bertolt Brecht, Dreigroschenoper

Geburt ist.

Zu Beginn der Schwangerschaft wussten wir nicht, dass eine Geburt auch außerhalb einer Klinik möglich ist. Ich fühlte mich jedoch komisch dabei, wenn ich gesund bin, in ein Krankenhaus zu fahren und machte mich schlau …

Wir hatten zuerst eine Hausgeburtshebamme, die hörte aber auf und ihre Nachfolgerin passte nicht zu mir, sie wollte auch mehr Kontrollen als es in der Klinik üblich gewesen wäre. Eine alternative Hebamme gab es nicht. Da ich bereits bei meiner zweiten Vorsorge bei der Hebamme über eine Alleingeburt nachdachte, war diese Situation für mich ok, mein Freund brauchte noch etwas Zeit, um sich damit vertraut zu machen. 😉

Die Geburt

Am 20. März 2018 aßen mein Freund und ich gerade zu Mittag, Erbsensuppe. Ich musste wie so oft in den letzten Wochen noch einmal zwischendrin auf die Toilette, wo ich (beim Drücken) einen Knack hörte und irgendwie auch spürte, der mich an das Einrenken von einem Wirbel erinnerte, nur mehr in meiner Mitte. Ich vermutete sofort die Fruchtblase, die wohl geplatzt war, kreiste mein Becken, aber es kam kein Fruchtwasser. Also beschloss ich (mit leicht zittrigen Händen vor Aufregung) zurück zum Essen zu gehen. Es war 11 Tage vor „Termin“. Mein Freund schaute mich an, fragte mich, ob alles fit sei, ich meinte jaja. Kurz darauf war ich nass zwischen den Beinen, meine kleine Binde war heillos überfordert damit, also berichtete ich meinem Freund, dass ich auslaufe. Er wusste sofort, was ich meinte. Seit wir den Entschluss einer Alleingeburt gefasst hatten, bereiteten wir uns beide darauf  vor. Ich bin also erneut auf die Toilette, Binde wechseln – ich ging tatsächlich davon aus, dass es die dünne täte…, das Becken kreisen brachte wieder kein Fruchtwasser. Zurück am Tisch meinte ich nur, ja, das war Fruchtwasser. Mein Freund hob seinen Löffel mit Erbsensuppe hoch und fragte mich, ob es so aussah. Nein, es war klar. 14h war es, wir schrieben die Uhrzeit auf, falls wir es vergessen würden, damit wir wussten, ab wann wir in die Klinik müssten, wenn die Wehen ausblieben.  Wehen hatte ich noch keine, aber eine volle „ToDo“. Einkaufen, Vaterschaftsanerkennung in 2 Tagen, Steuer….  Wir hatten zudem mehrfach den Rat bekommen, einen Friseurtermin vor der Geburt zu machen, da man danach nicht dazu käme. Den hatten wir heute um 16h. Also räumten wir noch bisschen auf, ich war mittlerweile auf Surfbretter umgestiegen.

15:30 fuhren wir in die Stadt zum Friseur, jetzt fingen auch langsam die Wehen an, mal 10, mal 8, mal 9 Minuten Abstände, also gut unregelmäßig, dachten wir uns. Da man ja noch dem Alltäglichen nachgehen sollte, da es ja noch dauern kann bis sich wirklich was tut, dachten wir uns nichts dabei. Nach 10-15 Minuten Fahrt war ich bei ca 7/8 Minuten angekommen, langsames gehen war aber kein Problem. Die Damen im Friseur meinten nur, oh ja, Du bist aber schon weit, oder? Wann meinst Du denn wird’s losgehen? Ja wohl nicht hier, oder? Nein, nein …

17h gingen wir noch kurz in den Supermarkt, der geplante Bioladen wäre zu viel Act gewesen. Mein Freund holte das Auto. Ich war ca. 10 Minuten beim Einkaufen, und hatte nur drei Sachen im Wagen, dafür aber auch schon alle drei Minuten eine Wehe. Mein Freund wunderte sich über den „Einkauf“, merkte aber schnell, dass ich einen Gang zugelegt hatte. Er packte alles Relevante in den Wagen, checkte die Zeit zwischen den Wehen und schob mich und den Wagen zur Kasse. Zu meiner Verwunderung fühlte ich mich ein wenig wie drauf, meine Beine zitterten so, wie ich es beim Feiern kannte, auch mein Kiefer hatte ein wenig Flattermann. Es war 18h und ich mittlerweile bei zwei Minuten Abständen angekommen (also in 2,5h) und nutzte jedes Mobiliar, das ich gerade zur Hand hatte, um mich während der Wehen abzustützen. Ich empfand sie als sehr angenehm und fragte mich, wann die echten Wehen einsetzen würden, die einen so überrollen (sollen…) Ich genoss das Werken meines Körpers und freute mich auf das, was noch kommen sollte. Mein Freund füllte die Tonne mit Wasser; zuerst nur halb voll, damit ich noch gut in die Hocke gehen konnte.

(19:20) Kurz darauf war ich auch schon in der Tonne, das Wasser tat so gut und entspannte noch mal.

Ich wollte meinem Baby die Reise durchs Becken so angenehm wie möglich machen und kreiste das Becken mit abwechselnd hoch gestellten Beinen, ging in die Hocke und wieder hoch, lehnte mich vor an den Tonnenrand, nach hinten, ich war nie still und es tat gut. Mein Freund hängte die Affirmationen auf, die schon die letzten Tage darauf warteten, wir kamen nur nie dazu. Und wenn nicht jetzt, wann dann?

Er zeigte mir die Affirmationen und las sie mir vor. „Lust und Schmerz sind Geschwister“ erinnerte mich an etwas, ich wollte probieren, ob das stimmt und fasste mich an der Klitoris an. Es stimmte. Die Anstrengung schwappte sofort in Lust über und ich war so erstaunt darüber, dass ich sofort meine Hand wegnahm (wie blöd…) ich testete es noch mal mit demselben Ergebnis. Irgendwie machte ich mit den Bewegungen weiter, fühlte mich aber etwas komisch. Die Wehen wurden knackiger und kamen nun in einminütigen Abständen. Ich hatte das Gefühl, dass sie unproduktiv waren, auch wenn ich eigentlich keine Ahnung hatte, wie eine Wehe sich anzufühlen hatte, wenn sie produktiv war. Aber es war ein Gefühl und darauf hörte ich. Ich stellte häufiger die Beine abwechselnd hoch, kreiste weiter mit dem Becken, mein Freund drückte mir ins Kreuzbein um es etwas zu entlasten. Es half aber alles nichts, also tastete ich trotz bereits eröffneter Fruchtblase nach meinem Muttermund. Er war etwa so weit offen, wie mein Zeigefinger lang (7/8cm) und ich konnte eine Wurst an der Schambeinseite spüren, die etwa so dick war wie mein Zeigefinger (1-2cm).  Jetzt war ich endgültig im Denkerhirn angekommen. Das Mitatmen mit den Wehen war rum, es brachte nichts mehr (ich hatte zuvor ständig die Wellenatmung aus Hypnobirthing gemacht und sehr genossen). Ich wollte herausfinden, ob es die Nabelschnur war. Da mein Baby bereits seit Wochen fest im Becken steckte, hatte ich davor aber wenig Angst. Es war auch fest an mir, ich konnte es nicht bewegen oder einen Finger drumrum schieben. Ich vermutete eine Muttermundslippe und wollte nach einigen Stellungswechseln und ca ½ bis 1h noch einmal tasten und dann (um ihn nicht schon vorher unnötig zu beunruhigen) meinem Partner Bescheid geben, wenn es nicht weg ist.

Nach etwa einer Stunde war es dann so. Ich gab ihm Bescheid, er hatte es eh schon vermutet, dass etwas nicht stimmte, da ich „anders“ war. Er machte mir den Vorschlag, dass ich den Muttermund noch einmal tasten sollte, ihm die Weite mitteilen und dann nach einer halben Stunde gibt er mir Bescheid und ich taste noch einmal. Gesagt getan. Es wurde sogar wieder eine Stunde daraus, aber es tat sich nichts mehr. Die Wehen waren mittlerweile beinahe ununterbrochen (ich hatte auch mal 10-20 Sekunden Pause), mein Stöhnen und Tönen war mehr ein Schreien geworden. Ich achtete vermehrt auf Bewegungen meines Kindes, aber spürte sie nicht mehr. Die Tage zuvor waren sie schon sehr wenig geworden, jetzt spürte ich jedoch nur noch das Anspannen meiner Gebärmutter, was mich zusätzlich sehr anspannte und verunsicherte. Ich hatte seit ca. zwei Stunden Angst um mein Baby. Und mein Freund jetzt auch. Ich ging aus der Tonne, wollte mich auf die Couch legen, um zu sehen, ob ich nicht doch noch mal entspannen konnte, seitlich liegen war jedoch sehr schmerzhaft, also ließ ich es. Mein ganzer Körper zitterte.

Obwohl wir ausgemacht hatten, dass mein Freund während der Geburt keine Herztöne abhört (er tat das immer wieder mal in der Schwangerschaft und genoss es sehr), bat ich ihn darum. Er zögerte, denn selbst wenn alles ok wäre, könnte es sein, dass er die Herztöne schlicht nicht findet und wir uns total verrückt machen. Er fand sie jedoch relativ schnell und sie waren zwar leise aber normal schnell. Mittlerweile hatte ich einen sehr starken Pressdrang bei beinahe jeder Wehe. Ich wollte aber nicht mitdrücken, da ich das Gefühl hatte, dass der Kopf meines Babys nicht an dem geschwollenen Ding vorbei konnte und ich sonst nur ihm oder mir damit schaden würde. Also schrie ich stattdessen, damit ich dem Pressdrang aushalten konnte. So ging die Energie nach oben statt unten raus. Ich wollte die Schwerkraft nutzen und lagerte mein Becken höher als meinen Oberkörper (Knie aufs Sofa, Ellenbogen und Kopf auf den Boden), es machte es erträglicher. Mein Freund machte sich sichtlich Sorgen, er wusste ja nicht, was diese Muttermundslippe ist. Die Wehen waren so heftig, dass ich kaum Zeit hatte, ihm dazwischen zu erklären, was los ist. Er hatte das nötigste verstanden und fragte, ob er versuchen sollte, die Lippe am Kopf vorbei zu schieben. Ich verneinte, denn ich wollte nichts, was unserer (sexuellen) Partnerschaft schaden könnte. Ich hatte im Vorfeld gehört, dass Männer erst mal eine lange Pause nach einer Geburt und den freien Einblicken auf ihre Frau brauchten. Das wollte ich vermeiden.

Fünf Minuten später bat ich ihn dann doch, es zu probieren. Es war die letzte Hoffnung, die ich hatte, um unser Kind zu Hause gebären zu können. Er fand die Mutttermundslippe sofort und prüfte selbst noch einmal, ob es nicht doch die Nabelschnur sein könnte, aber nein, auch er merkte, dass es fest war. Zwischen den Wehen hatte er sie einmal am Köpfchen unseres Babys vorbei schieben können, bei der nächsten Wehe war das Geschwulst wieder da. Auch während der Wehe probierte er es (aua!!) aber es kam wieder. Den dritten Versuch brachen wir ab.  Jetzt wussten wir beide, dass wir es nicht alleine schaffen, wollten es jedoch nicht wahr haben und ich versuchte mich noch weitere 3h zu „entspannen“, mich auf mich zu besinnen. Leider ohne Erfolg.

Um 23:30 rief mein Freund in der Rettungsleitstelle an, die dann 10 Minuten später da waren. 3 Männer kamen zur Terrasse rein, ich hatte mir einen Bademantel übergezogen. Die Männer (alle keine Ahnung von Geburt…) fragten unentwegt, wie weit das Köpfchen schon draußen sei. (Gar nicht!!) Ob ich spüren könne, dass es bald kommt … Sie sahen mehrmals (ohne zu fragen) nach, ob es schon komme, das war ihre größte Angst. Sie wollten mich nicht in diesem Zustand transportieren, denn sie hatten Angst, dass es während der Fahrt kommen könnte. Ich versicherte ihnen, dass das nicht passieren würde, aber das interessierte nicht. Sie telefonierten mit dem Krankenhaus, wollten, dass von dort eine Hebamme dazu käme für die Fahrt, die verweigerten, da nur eine Hebamme im Dienst war und nicht vom Krankenhaus weg konnte. Sie versuchten eine Hebamme im Nachbarort zu erreichen und dazu zu bewegen, dazu zu kommen, sie kam nicht. Also fuhren wir doch ohne. Ich verklickerte den Sanis, dass ich NICHT rücklings auf dieser Bare geschnallt werden wollte/konnte, sondern selber zum Krankenwagen laufen konnte. Ich weigerte mich auch, noch Schuhe zu holen, konnte ich doch barfuß laufen (ich brauchte drei Anläufe mit dem Sani, bis er einsah, dass Schuhe gerade nicht wichtig waren…). Im Sanka wollten sie mich erneut in Rückenlage auf das Ding schnallen. Ich verweigerte. Mein Freund sollte vorne mitfahren, er verweigerte. Die Sanis mochten uns. *g* Also schnallten sie mich im 4-Füßler auf das Ding, sehr sicher … ich musste nur etwas nachgeben und war völlig ungesichert, da wäre Stehen sicherer gewesen. Ab und zu schaute ein Sani, ob das Kind schon käme… Das Gute war, der Gurt drückte fein aufs Kreuzbein und lenkte mich etwas ab. Im Krankenhaus durfte ich nicht rein laufen, sie bestanden aufs Schieben. Im Kreißsaal empfang mich eine sehr nette, ruhige Hebamme. Sie wartete die Wehen’pausen‘ ab, bis ich antworten konnte, ich verwies aber auch sehr häufig an meinen Freund. Sie fragte, ob ein CTG ok wäre, sie machte sich Sorgen um das Kind. Ich auch. Ich war sogar froh darum. Dem Baby ging es gut. Was für eine Erleichterung.

Ein Arzt kam zum Blutabnehmen, wegen dem vorzeitigen Blasensprung. Er kam kurz darauf mit meinen Werten, die sehr schlecht waren. Ich hatte bereits eine Infektion und er meinte, der Blasensprung müsse bereits vor über einem Tag gewesen sein, nicht erst 10h her. Er empfahl mir ein Antibiotikum noch während das Kind in mir ist, damit es die Antibiose nicht in ein paar Tagen i.v. bekommen müsse. Die Hebamme untersuchte mich, mein Muttermund war bereits 8 cm geöffnet. Sie bestätigte meine Muttermundslippe, ich hatte sogar noch eine zweite gegenüber. Sie besprach mit uns, dass sie mir Buscopan  i.v. geben könnte, damit sich der Muttermund etwas entspannte und sie die Muttermundslippe wegmassieren könnte. Es half leider nichts und sie erklärte uns, dass ich Wehenpausen brauchte, um zu entspannen, damit sie die Mumulippe weg bekäme. Sie bot mir ein Schmerzmittel an, das dem Kind nichts mache, Meptid. Ich stimmte zu.  Das „betrunken“ Gefühl war nach kurzer Zeit wieder verschwunden. Nach 1h wurden die Wehen weniger, ich konnte etwas entspannen und die Hebamme die Mumulippe innerhalb einer weiteren Stunde beseitigen. Sie massierte sie mit Rescuecreme. Ich durfte nun, wenn eine Wehe kam, wieder leicht mitschieben. Meine Wehen waren aber bei Weitem nicht mehr das, was ich von davor oder zu Hause kannte. Kaum begonnen, waren sie nach ein paar Sekunden wieder verschwunden und wurden noch dazu immer seltener und leichter. Kaum merkte ich sie und wollte mitmachen, waren sie wieder weg. Also warteten wir eine Weile. Da sich aber nichts tat und sie letztendlich ganz ausblieben, bekam ich Eisenkraut zum Schnüffeln, das die Wehen sanft anregen sollte. Ich benutzte es, um mich auf andere Gedanken zu bekommen.  Der Muttermund war komplett eröffnet und das Warten brachte keine nennenswerten Wehen, also gebar ich mein Kind mit meinen Bauch- und Beckenbodenmuskeln. Die Hebamme forderte mich öfter auf, weiter zu schieben. Obwohl ich zuvor absolut gegen angeleitetes Pressen war, war es in diesem Fall gut für mich, da ich ja keine Wehen mehr hatte. Als der Kopf geboren war, dreht die Hebamme mit. Sie merkte schnell, dass unser Kind nicht in die Richtung wollte, wie die meisten Kinder und drehte das Stück wieder zurück und die notwendige ¼ Drehung weiter. Ich war zu sehr mit mir beschäftigt, um ihr zu sagen, dass ich das nicht möchte.  (Im Nachhinein vermute ich, dass die Hebamme wahrscheinlich mitdrehen musste, da Lila keine Muskelspannung hatte, als sie geboren war. Ich vermute, dass das an dem Schmerzmittel lag, das ich bekam. Meptid  gelangt zu 100% über die Plazenta zum Kind, das davon mindestens so beduselt war wie ich.)

Unsere Tochter Lila war um 2:24 mit 51cm, 35cm Kopfumfang und 3170g geboren. Ich war so erleichtert, ihr Röcheln zu hören.

Das, was ich alleine zu Hause erfahren habe, diese unglaubliche Macht, mit der ich mitgehen konnte, hinterlässt Lust auf ein nächstes Mal.