„Bei der stillen Geburt unseres Sohnes im Krankenhaus haben wir durch eine außerordentlich schöne Geburt und wie wir mit allem umgegangen sind einen besonderen und tiefen Eindruck hinterlassen. Und wir wurden ganz gelassen, konnten alles so machen, wie wir wollten, – etwas was ja sonst nicht möglich ist in der Klinik, – denn – das Kind war ja tot …  – Das finde ich irgendwie absurd. Und schade. Daher brauchten wir auch eine Weile, um zu realisieren, dass wir bei einem lebenden Kind niemals eine solche Geburt in der Klinik würden haben können.“

Daniela H. (stille Geburt im KH – Hausgeburt – Alleingeburt)

„Bin ganz überrascht, wie instinktiv man handelt und wie man im Rausch ist.“

Eine frischgebackene Mama, die sich beim 6. Kind das erste Mal eine Geburt in Eigenregie getraut hat.  Ihr Baby wurde 17 Tage nach Termin und mit der Hand am Kopf geboren.

Alleingeburt und natürliche Sterbegleitung

Liebe Leser,

heute darf ich einen besonderen Bericht mit euch teilen. Tod und Leben liegen manchmal dicht beieinander. Die Mutter im folgenden Bericht bekommt ihr viertes Kind in Eigenregie und verliert ihr erstes Kind kurze Zeit später an einem Hirntumor. So schrecklich das ist, so nötig ist es, dass unsere Gesellschaft nicht nur das Gebären, sondern auch das Sterben von allen auferlegten Tabus befreit und den Menschen zurück in die Hände legt. Die Berichtschreiberin und ich hoffen, hiermit einen kleinen Beitrag dazu leisten zu können.

Ich heiße Yana und bin Mutter von vier Kindern. Zwei Kinder waren  hebammenbegleitet und zwei Alleingeburten. Dieses Jahr habe ich mein viertes Kind im Wald mit dem Papa auf die Welt gebracht. Die Schwangerschaft verlief problemlos. Keine Untersuchungen, keine Arzttermine. Alles war entspannt.

Doch am Ende der Schwangerschaft wurde ich doch etwas nervös. Ich hatte Angst vor dem Verlust und Tod. Ich wusste, dass ich auch damit rechnen musste. Wir geben Leben und begleiten auch das Sterben. Das war mir plötzlich bewusst.

Als ich in der 37. Woche war, kam dann der Schock. Mein Sohn Lennox, 10 Jahre, vorher kerngesund, hatte plötzlich Probleme beim Laufen und Sprechen, er sabberte und schielte.

Wir sind ins Krankenhaus. Diagnose Hirnstammtumor!!! Überlebensrate ein Prozent. Ich war am Boden zerstört. Wie soll ich das schaffen? Wird er sterben? Wie soll ich denn jetzt ein Baby gebären? Wie soll ich leben? Mein Sohn musste ins Krankenhaus und wurde erst einmal mit Kortison behandelt. Einen Monat später sollte er mit der Strahlentherapie beginnen.

Der Papa blieb mit Lennox zwei Wochen im Krankenhaus. Dann durfte Lennox erst mal nach Hause. Er war stabil, aber mittlerweile konnte er kaum noch laufen, essen, trinken, sprechen. Es war ein Marathon zwischen Geburtsvorbereitung und Überlebenskampf. Wir haben angefangen, die Ernährung umzustellen. Haben uns über Naturheilverfahren informiert. Haben Pflanzenextrakte besorgt, Heiler kontaktiert usw. Nichts hat geholfen. Es ging ihm nicht besser und der Geburtstermin und die Strahlentherapie rückten immer näher.

Ich war im Stress. Das Baby musste vor der Strahlentherapie kommen. Denn die Strahlentherapie sollte in Paris gemacht werden. (Wir wohnen in Südfrankreich.) Und ich wollte in der Nähe von meiner Familie bleiben.

Dann am 26.3., 4 Uhr morgens, verlor ich den Schleimpfropf. Erste Wehen machten sich bemerkbar. Ich war so froh, endlich, drei Tage vor der Strahlentherapie.

Die Wehen waren noch unregelmäßig. Ich nahm mir Zeit, spazierte etwas im Wald und legte mich dann wieder schlafen. Am Nachmittag um 16 Uhr wurden die Wehen stärker. Ich ging in den Wald. Mein Mann kam nach. Wir haben ein Feuer gemacht und die Regentonne aufgefüllt. Es war warm und romantisch. Die anderen Kinder waren bei Freunden und nun hätte ich entspannen können.

Aber es war so schwer. Ich hatte Angst. Angst vor dem Tod. Die Wehen wurden langsam sehr stark. Ich stieg in die Regentonne. Aber irgendwie wurde es immer länger. Das war ich nicht gewohnt (die anderen Kinder kamen in 2 Stunden).

Dann um 23 Uhr kamen die Presswehen. Und irgendwie wollte ich plötzlich aus der Regentonne raus. Mit der letzten Kraft bin ich dann rausgeklettert. Noch drei Presswehen und die kleine Ziarka war geboren. Ein gesundes kleines Mädchen. Das Komische war nur: Die Nabelschnur war so kurz, dass ich die Kleine nicht mal auf meinen Bauch legen konnte. Ich glaube deshalb bin ich aus der Regentonne gestiegen. Aber irgendwie war das Anlegen nicht möglich mit dieser kurzen Nabelschnur. Also haben wir gewartet, bis sie auspulsierte und sie dann durchtrennt. Ich konnte nun endlich mein Baby in den Arm nehmen und sie an meine Brust anlegen.

Wir haben noch eine Weile auf die Nachgeburt gewartet und als die nicht kam, sind wir zu den anderen Kindern ins Bett und haben erst mal geschlafen. Am Tage ging es uns gut. Die Kinder sind aufgewacht und haben sich über die kleine Schwester gefreut. Nur die Nachgeburt wollte nicht kommen. Dann ENDLICH 16 Stunden nach der Geburt kam die Nachgeburt. Ufff, da waren wir sehr erleichtert.

Wir waren so froh, dass alles gut ging, aber ausruhen konnten wir nicht. Wir mussten alles vorbereiten, um nach Paris zu reisen. Drei Tage später waren wir dann in Paris, um die Strahlentherapie für Lennox zu beginnen. Voller Angst vor der Zukunft, dem Tod, der Strahlentherapie und gleichzeitig die Freude über das Baby, stellten wir uns unserer Aufgabe.

Wir blieben sechs Wochen in Paris. Lennox bekam seine Strahlentherapie. Ich war am verzweifeln. Es ging ihm immer schlechter, ich hatte das Gefühl, er wird sterben. Nach sechs Wochen sind wir zurück nach Hause und Lennox ging es sehr schlecht. Die Strahlen hatten ihm nicht geholfen. Zu Hause haben wir ihn weiter mit Pflanzenextrakten behandelt. Es schien ihm dann auch immer besser zu gehen. Er konnte so wieder Fahrrad fahren, Pony reiten usw.

Dann plötzlich, von einem Tag auf den anderen, konnte er wieder nicht sprechen, laufen, richtig essen. Wir sind wieder ins Krankenhaus. Der Tumor ist gewachsen. Er soll sterben. Die Ärzte haben ihn aufgegeben, es gibt keine Behandlungsmöglichkeiten. Noch ca. zwei Wochen zu leben. Lennox sollte aus dem Krankenhaus entlassen werden, um noch Zeit mit seiner Familie zu verbringen.

Was sollten wir tun??? Es war so schrecklich. Ich sollte mein Sohn beim Sterben begleiten. Ihn aufgeben. Also sind wir in unser Haus ans Meer gefahren (Lennox liebt das Meer), in Begleitung von Freunden, die uns unterstützten. Wir versuchten weiterhin Lennox zu heilen. Es ging ihm immer schlechter und wir mussten uns mit dem Thema Natürliche Sterbebegleitung auseinandersetzen. Ich habe meinen Sohn natürlich auf die Welt gebracht, ich werde ihn auch natürlich beim Sterben begleiten.

Mittlerweile war Lennox vollständig gelähmt. Er wurde nur noch mit einem Tropf am Leben erhalten. Wir haben ihn gepflegt und unsere letzte Zeit mit ihm genossen. Er hatte sich so verändert, er war so schön, wie ein Baby, so rein und weise. Jede Sekunde mit ihm, war ein Geschenk. Es war so schwer und doch so schön. Mein Herz weinte, aber seine Anwesenheit hat alle Unsicherheit genommen. Er war so stark. Als sein Tod immer näher rückte, wurde der Tropf von den Krankenschwestern entfernt. Um den Körper seinen natürlichen Weg gehen zu lassen. Er war ok, er hat nicht mehr gelitten, er war schon so weit weg. Er verließ so langsam seinen Körper. Wir haben in ausgezogen, er sollte nackt wie er geboren ist von uns gehen.

Einen Tag später, am 14. September, habe ich ihn im Arm gehalten und sein Herz hat aufgehört zu schlagen. Er hatte es geschafft und wir waren todtraurig, aber auch froh für Lennox, der nicht mehr leiden muss. Er ist von uns gegangen in LIEBE.

Es gibt nicht viel mehr zu sagen. Nur finde ich, es war eine Erfahrung, die ich gerne teilen möchte. Ich habe Lennox begleitet und es waren oft die gleichen Gefühle wie bei einer Geburt, Leben geben und das Ende zu begleiten sind sich schon sehr ähnlich. Nur der Tod bringt Trauer und Ende. Geburt bringt Freude und Zukunft.

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Vier ausgleichende Übungen für Schwangerschaft, Geburt und eine optimale Kindslage

Hier stelle ich euch die „Fantastischen Vier“ vor. Vier hilfreiche Übungen für die Schwangerschaft und während der Geburt von der Kindslageoptimierungs-Expertin Gail Tully:

Das Rebozo Sifting, die Forward-Leaning-Inversion, den Sidelying Release und den Standing Sacral Release. (Verzeiht mir das Englisch an dieser Stelle, aber mir fällt einfach keine richtig passende Übersetzung ein. Und mit den englischen Begriffen könnt ihr auch selbst nachgoogeln, denn da gibt’s im Englischen so einiges.)

Worum es geht: Gail Tully von www.spinningbabies.com arbeitet nach drei Prinzipien, um ein Baby in eine geburtsoptimale Position zu bringen und eine unkomplizierte Geburt zu fördern:

Balance

Schwerkraft

Bewegung.

Dass die Schwerkraft (aufrechte Gebärhaltung) und In-Bewegung-sein bei der Geburt helfen, ist relativ bekannt.

Balance meint die Ausgeglichenheit der Muskeln und Bänder im Körper in sich selbst und zueinander. Die folgenden Übungen (verlinkt mit eine Video, wo ihr sehen könnt, wie es geht) können das unterstützen:

Rebozo sifting soll helfen, das untere Drittel der Gebärmutter zu entspannen, um mehr Platz für das Baby zu schaffen und ihm zu erleichtern, sich in eine optimale Position zu begeben. Es handelt sich dabei um eine traditionelle Massagetechnik aus Mexiko, die einen Helfer mit einem langen Tuch (Tragetuch, Rebozo) braucht.

Wann macht man’s?

wöchentlich oder so oft man will in der Schwangerschaft

ergänzend zu anderen Übungen zweimal täglich, wenn das Baby nicht optimal liegt

in der frühen Eröffnungsphase der Geburt, wenn es nur langsam vorangeht.

Vorsichtig sein bei:

Vorderwandplazenta, Gefahr einer Fehlgeburt, stechenden Schmerzen/Krampf kurz über der Symphyse (im runden Gebärmutterband)

So geht’s: 

  1. Eine entspannte Atmosphäre schaffen
  2. Die Mutter kniet vor einem Stuhl/Sofa/Gymnastikball und lehnt den Oberkörper/die Arme darauf. Schön bequem.
  3. Der Helfer legt das Tuch um den Bauch der Mutter wie in eine Hängematte.
  4. Der Helfer hält das Tuch (wie die Zügel beim Pferd). Das Tuch trägt nun das Gewicht des Babybauchs. Ah, das entspannt schön!
  5. Der Helfer beginnt nun, den Babybauch mit kleinen, sanften Bewegungen zu schütteln. Dabei keine großen, wilden Bewegungen machen, sondern eher ein Vibrieren – schneller oder langsamer, wie es angenehm ist. Die Mutter gibt dem Helfer Feedback, damit Druck und Geschwindigkeit genau richtig sind.
  6. Nach 2 Minuten sind die Arme des Helfers wahrscheinlich müde und die Mama hoffentlich schön entspannt. Langsamer werden und stoppen.

Forward Leaning Inversion soll helfen, die Bänder, mit denen die Gebärmutter im Becken fixiert ist, zu dehnen und somit zu entspannen und dem Baby dadurch mehr Platz zu schaffen. Dehnt und entspannt außerdem Bänder im Becken und das untere Drittel der Gebärmutter. Letzteres kann durch schlechte Körperhaltung oder einseitige, wiederholende Bewegungen eine Verdrehung in sich haben, was dem Baby in dem Bereich weniger Platz lässt. Diese Übung geht auf Dr. Carol Phillips zurück.

Wann macht man’s?

täglich für 30-60 Sekunden in der Schwangerschaft, um einem Baby aus Beckenendlage oder Sternguckerlage in eine bessere Position zu helfen.

während der Geburt, aber nur wenn die Geburt stockt.

Wann macht man’s nicht?

bei hohem oder sehr niedrigem Blutdruck

bei Verdacht auf vorzeitige Plazentaablösung

bei sehr viel Fruchtwasser plus einem Baby, das noch nicht im Becken ist (Baby könnte sich in Beckenendlage drehen)

nach einer üppigen Mahlzeit (Gefahr von Sodbrennen)

So geht’s:

  1. Auf den Rand eines Sofas oder einer Treppe knien
  2. In Position bringen: Langsam und vorsichtig mit dem Oberkörper vorbeugen, bis die Hände, dann die Ellenbogen den Boden berühren. Dabei evt. von einem Helfer stützen lassen.
  3. Kopf frei hängen lassen (nicht auf den Boden auflegen), Kinn nicht überstrecken.
  4. Die Knie sind nah an der Sofakante, der Hintern zeigt in die Luft. Wenn man will, kann man sanft dieHüften schwingen oder den unteren  Rücken flach machen, um mehr Platz für die sich gerade dehnenden Bänder zu schaffen.
  5. Wenn möglich drei Atemzüge lang durchhalten, Bauch locker, Schultern fest, Kinn gerade und Hals lang.
  6. Fertig und langsam wieder aufstehen.

Bitte hör immer auf dein Gefühl bei dieser und allen anderen Übungen. Lass dir wenn nötig helfen, in Position zu kommen oder die Position zu halten. Und lass die Übung sein, wenn es dir dabei nicht gut geht.

Sidelying-Release dehnt eine Reihe von Muskeln und Bändern im Becken inklusive Beckenboden. Diese Übung wurde ebenfalls von Dr. Carol Phillips erfunden und bedeutet nicht, dass man nur auf der Seite herumliegt. Am besten macht man die Übung zusammen mit einem Helfer und immer auf beiden Seiten (allein geht auch, ist dann aber nicht so präzise).

Wann macht man’s?

zweimal täglich in der Schwangerschaft

bei Geburtsstillstand,

bei scharfen Hüft- oder Rückenschmerzen während Schwangerschaft und Geburt,

als Ergänzung zu anderen Techniken bei Querlage, Sternguckerlage, Beckenendlage, schief eingestellter Kopf (Asynklitismus), tiefem Querstand,

sehr schmerzhafte Wehen oder Wehen ohne Geburtsfortschritt

So geht’s:

  1. Die Mutter liegt auf der Seite auf dem Bett (nicht zu weich, ein Tisch mit Yoga-Matte tut’s auch), der Kopf liegt auf einem Kissen, so dass er in Verlängerung der Wirbelsäule gerade ist.
  2. Die Mutter hält sich an etwas beim Kopfende fest (Bettgibel, Stuhllehne o.ä.).
  3. Die Mutter rutscht mit dem Becken bis 5 cm an die Bettkante heran. Ein schwangerer Bauch ragt dann über die Kante hinaus.
  4. Die Schultern sollen gerade in einer Ebene sein
  5. Das untere Bein wird von der Mutter ausgestreckt (nicht von Helfer gerade gezogen), der Fuß angewinkelt
  6. Der Helfer hält die Hüften senkrecht, indem er Druck auf die obere Hüfte (Beckenkamm) ausübt. Dabei kann er die Hüfte leicht (!) schaukeln.
  7. Jetzt kommt der passive Stretch: Die Mutter hebt das obere Bein an und lässt es nach vorn unten hängen. 4-10 Minuten halten, bis die Mutter das Gefühl hat, die Muskeln werden länger.
  8. Jetzt auf der anderen Seite dasselbe.
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Dieses Bild zeigt die Muskeln, Bänder etc., die beim Sidelying Release beeinflusst werden.

Standing Sacral Release ist eine einfache Technik, mit der bindegewebige Strukturen gelockert werden sollen, die Muskeln und Organe im Becken und bis hoch zum Zwerchfell umgeben. Laut Gail kann es die Kindslage verbessern, bei Beckenproblemen, aber auch Sodbrennen helfen. Die Übung braucht einen Helfer (kann von der Mutter auch selbst gemacht werden, evt. mit einem weichen Ball als Kontaktgeber) und wurde von Dr. Carol Phillips speziell für Schwangere entwickelt.

Wann macht man’s?

bei Rücken- und Hüftschmerzen,

wenn das Baby sich aus Querlage, Beckenendlage oder Sternenguckerlage drehen soll,

zur Minderung vorzeitiger Wehen (vor der 37. SSW)

in der Schwangerschaft und während der Geburt, wenn es sonst nützlich erscheint

So geht’s:

  1. Füße (ohne Schuhe)  hüftbreit auseinander, Knie locker, mit ausgestreckten Armen nach vorn gegen eine Wand stützen. Lockere Kleidung.
  2. Der Helfer steht neben der Mutter, ebenfalls Knie locker.
  3. Der Helfer berührt mit einer Hand sanft den unteren Teil des Bauchs der Frau ohne zu drücken.
  4. Die andere Hand berührt ganz leicht das Kreuzbein, ohne Zug auszuüben.
  5. Die Berührungen sollen so leicht sein, wie der Auflagedruck eine kleine Münze (also sehr klein), der Helfer darf das Gewicht seiner Arme nicht auf der Mutter auflegen.
  6. Die Mutter spürt in ihren Körper hinein und fängt an, sich instinktiv von den Hüften an zu bewegen, der Berührung der Hände nachzugehen. Das sind spontane Bewegungen, die nicht großhirngesteuert sein sollen. Wie eine Art spontaner Tanz.
  7. Die Frau kann dabei alle möglichen Bewegungen machen, die Hände können auch die Wand verlassen. Die Bewegungen können auch ganz minimal sein oder nur für den Helfer zu spüren sein.
  8. Der Helfer bewegt die Mutter nicht und schränkt ihre Bewegungen nicht ein. Er folgt der Mutter oder kann auch loslassen, wenn die Mutter sich zum Boden bewegt oder Bewegungen macht, die den Kontakt zu seinen Händen verlieren lässt.
  9. Die Mutter hört auf, wenn sie sie das Gefühl hat, dass sie fertig ist. Diese Übung erreicht das beste Ergebnis, wenn Mutter und Helfer lockere Knie und Hüften behalten.

 

Was tun … bei Geburtsstillstand, weil das Baby nicht ins Becken will

Dies ist der zweite Beitrag zum Thema Geburtsstillstand und Optimierung der Kindslage. (Hier geht’s zu ersten Teil.) Das, was ich hier teile, beruht auf dem umfangreichen Wissensschatz von Gail Tully, den sie auf ihrer Webseite und in ihren Workshops teilt. Im Folgenden geht es um einen Geburtsstillstand und wie er sich überwinden lässt, weil das Baby sich nicht ins Becken einstellt. Ins Becken einstellen bedeutet, dass das Baby mit seinem größten Kopfdurchmesser am Beckenrand vorbei ins Becken eingetreten ist.

Bei einer Mutter, die mit dem ersten Kind schwanger ist, stellt sich das Baby normalerweise ungefähr zwei Wochen vor der Geburt ins Becken ein. Bei späteren Kindern ist das in der Regel auch so, aber nicht immer. Die meisten der Kinder, die zu Geburtsbeginn noch über dem Beckeneingang stehen, stellen sich aber unter den Geburtswehen ein. Nur wenn das nicht der Fall ist, hat man ein Problem.

Woran kann man erkennen, dass das Baby hoch steht, also Probleme hat, ins Becken einzutreten?

  • Man fühlt den Kopf des Babys über der Symphyse, entweder etwas überstehend oder auch so hoch, dass man die Fingerspitzen darunterstecken kann
  • Der Kopf kann auch ein kleines Stück eingetreten sein (bei -2, siehe Höhenstandsmessung nach Lee im ersten Teil), aber nicht weiterkommen, oft bei Geburten mit Sternengucker und androidem Becken.
  • Schmerzen sehr weit oben: auf der Symphyse, in den Hüften und im Lendenbereich
  • Start-und-Stop-Geburtsverlauf, der nicht im Zusammenhang damit steht, dass die Frau zu wenig getrunken hat oder andere, offensichtliche Gründen vorliegen (Tag-Nacht-Rhythmus: Wehen nehmen normalerweise abends und in der Nacht zu, tags werden sie schwächer, Störung durch Ortswechsel und andere Umstände)
  • schwache, unveränderte oder unregelmäßige Wehen über Stunden oder unaufhörliche, starke Wehen (wie normalerweise erst in der Übergangsphase) ohne Fortschritt
  • Fühlt sich an wie Übergangsphase, aber Baby kommt nicht
  • Die Mutter ist noch sehr im Großhirn-Modus, nicht in der instinktiven „Geburtsblase“, da die für diesen Wechsel zuständige Hormonveränderung bei einem hoch stehenden Baby oft noch nicht stattgefunden hat.

Was kann man tun?

Der gelbe Kreis zeigt, wie der Kopf in den Beckeneingang eintreten muss: quer.  Zu den Seiten hin bietet jedes Becken auf dieser Ebene genug Platz. Eng kann es aber zwischen Symphyse und Kreuzbein, also von vorn nach hinten werden. Hier setzt man an und kann mit verschiedenen Übungen mehr Platz schaffen.

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Die Fantastischen Vier: vier Übungen, die Becken, Beckenboden, diverse Bänder und Muskeln ins Gleichgewicht bringen helfen und die ich im verlinkten Artikel näher beschreibe. Sie sind allgemein hilfreich, wenn es in der Schwangerschaft und während der Geburt ein Problem mit der Kindslage gibt.

Speziell für die Situation, dass das Baby sich nicht ins Becken einstellt, sind außerdem folgende Übungen gedacht:

Abdominal Lift and Tuck: Der Bauch wird während 10 Wehen hintereinander angehoben und gleichzeitig der untere Rücken flach gemacht, wobei man das Becken nach hinten kippt. Dabei bewegt sich der obere Vorsprung vom Kreuzbein (Promontorium genannt) ein Stück nach hinten und der Beckeneingang vergrößert sich.

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Die Übung lässt sich auch mit einem großen Tuch (Tragetuch, Rebozo) machen (Man denke sich einen Bauch an den Mann ;-).):

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Wichtig ist, den Rücken flach zu machen und das Becken zu kippen – und zwar in die richtige Richtung: nach hinten.

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Weitere Übungen, den Beckeneingang zu öffnen:

Wenn man im Pool ist, die Füße über den Poolrand haken. Den Kopf natürlich aus dem Wasser raus. 😉

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Walcher’s Manöver:  Wenn 10 Wehen Abdominal Tuck nichts bringen oder im Krankenhaussetting: Beine von der Bettkante hängen lassen ohne den Boden zu berühren, durch 3 Wehen halten. Öffnet den Beckeneingang, die Wehen drücken das Baby ins Becken. Nicht einfach mit dickem Bauch, aber hat schon so manche Geburt gerettet.

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Solange das Baby nicht im Becken ist, sollten alle Positionen vermieden werden, die den Beckeneingang kleiner machen. Dazu gehören die tiefe Hocke und die Knie-Ellenbogen-Lage.

Ist das Baby endlich im Becken, passiert es laut Gail typischerweise, dass die Wehen erst einmal aufhören. Die Mama eine Pause bekommt zum Schlafen, Ausruhen, Essen und Trinken. Dann nehmen die Wehen wieder Fahrt auf und das Baby wird in der Regel rasch geboren.

 

 

 

 

 

 

Was tun … bei Geburtsstillstand? (allgemein)

Die Wehen sind heftig und der Muttermund (so jemand ihn tastet) geht kaum auf? Das Baby will nicht geboren werden trotz stundenlanger Wehen? Kommt immer mal wieder vor und endet häufig im Kaiserschnitt. Oft wäre das nicht nötig – nur leider fehlt den meisten Geburtshelfern das nötige Wissen. Im Folgenden habe ich versucht zusammenzufassen, was ich dazu im Workshop von Gail Tully gelernt habe. Sie ist Hebamme in den USA und Expertin in Sachen Kindslageoptimierung. Die Abbildungen sind von ihr, Fotos habe ich während des Workshops bei der Midwifery Konferenz gemacht. Damit die Übersichtlichkeit halbwegs erhalten bleibt, mache ich mehrere Teile. Dieser erste Teil behandelt den Geburtsstillstand aufgrund kindlicher Fehleinstellung allgemein.

Wenn eine Geburt nicht voran geht, muss man sich als erstes die Frage stellen: Ist das Baby gut ins Becken eingestellt?

Ein Baby, das gut ins Becken eingestellt ist, zeigt einen stetigen Geburtsverlauf mit Wehen, die über die Zeit immer stärker werden und regelmäßig sind.

Ein Baby, das nicht oder nicht gut eingestellt ist, zeigt

  • einen Geburtsverlauf ohne Fortschritt mit heftigen Wehen, die aber keine nennenswerte Muttermundseröffnung bewirken (Wehen sind bei 1-3 cm Muttermundseröffnung heftiger als bei 8 cm)
  • kann (muss aber nicht in jedem Fall) Schmerzen über der Symphyse, den Hüften oder im Rücken machen

Anzeichen, dass das Baby in Sternenguckerlage (hinterer Hinterhauptslage) liegt:

  • Doppelwehen (eine Wehe geht ohne Pause in eine zweite über)
  • Wehensturm
  • kein Druck auf den Muttermund, Kopf drückt möglicherweise nicht drauf
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Baby in hinterer Hinterhauptslage (Sternengucker), dass sich nicht ins Becken eingestellt hat. Der kindliche Kopf ist über der Symphyse tastbar.

Geburtsstillstand, wenn der Kopf im Becken ist (typisch bei 5-8 cm Muttermunderöffnung): 

  • Der Kopf des Babys bleibt quer (eine Hebamme kann das vaginal tasten), anstatt sich gerade zu drehen (tiefer Querstand)
  • Wehen waren schon kräftig und werden dann schwach
  • kann nach bisher unauffälligem Geburtsverlauf auftreten
  • unregelmäßige Wehen können vorausgehen, die nun regelmäßig sind

Bei Geburtsstillstand wichtig herauszufinden ist: Wie weit ist das Baby schon ins Becken eingetreten?

(nicht: Wie weit ist der Muttermund auf?)

Um zu beschreiben, wie tief das Baby im Becken ist, benutzt man die Höhenstandseinteilung nach Lee. Dabei ist 0 eine gedachte Linie zwischen zwei Knochenvorsprüngen, an denen das Becken am engsten ist (Interspinalebene).

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So ganz genau nach Zahlen lässt sich der Höhenstand des Kindes in der Realität kaum bestimmen. Wichtig zu wissen ist eher: Ist das Baby noch weit oben, also im oder über dem Beckeneingang (in der Abbildung gelb)?  Ist es in der Beckenmitte (grün)? Oder steht es schon tief, also fast am „Ausgang“ (blau)?

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Auf dem Weg durch das Becken muss das Baby mit dem Kopf Drehungen vollziehen um durchzupassen. Wenn man weiß, wo das Baby sich in etwa befindet, kann man bei einem Geburtsstillstand spezielle Übungen machen, um dort mehr Platz zu schaffen, wo es in der Situation notwendig ist, damit es weitergeht.

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Wie bekomme ich heraus, wo meine Baby ist?

Ein Baby, dass sehr hoch steht, tastet sich am besten von außen über die Bauchdecke. Über der Symphyse lässt sich der kindliche Kopf tasten. Lässt er sich etwas hochschieben oder bekommt man direkt über der Symphyse die Fingerspitzen drunter, ist er nicht im Becken eingestellt. Ist der Kopf im Becken, kann man das auch von außen tasten, dann ist der Kopf nur noch – wenn man etwas tiefer reindrückt – von den Seiten zu tasten. Eine Hebamme hat gelernt, den Höhenstand des Kindes vaginal zu tasten und im Verhältnis zur Interspinalebene zu bestimmen.

Mehr zum Geburtsstillstand, wenn das Baby am Beckeneingang „hängen“ bleibt, hier.

 

Alleingeburt nach zwei Kaiserschnitten

Hallo liebe Leser, 

der Geburtsbericht, den ich heute mit euch teilen darf, stammt von einer Mama, die ihr viertes Kind bekommen hat. Die ersten beiden Kinder kamen per Kaiserschnitt, das dritte wurde im Krankenhaus auf natürlichem Weg mit Hilfe der Saugglocke geboren. Und das vierte kam gut informiert und vorbereitet in Eigenregie. Nach der Geburt gab es eine Verlegung in die Klinik, die die Mutter im Rückblick unnötig fand. Aber lest selbst!

Die Geburt unseres vierten Kindes am 03.10.2016

Vorgeschichte: Meine Tochter kam 2008 per sekundären Kaiserschnitt zur Welt, dessen Gründe im Nachhinein nicht mehr nachvollziehbar waren. Ich kam damit überhaupt nicht zurecht, dass die Geburt so endete und fing an im Internet zu recherchieren. Dabei stieß ich auf die Seite von Sarah Schmid. Mir war sofort klar, so ganz alleine könnte ich am besten gebären.

Daraus wurde aber erstmal nichts, denn 2011 kam dann mein Sohn wegen Querlage/ immer auch mal wieder BEL per geplanten Kaiserschnitt zur Welt. Ein Drehversuch scheiterte, weil die Herztöne abfielen.

Nach diesen zwei Sectios traute ich mir noch keine Alleingeburt zu, fand auch keine Hausgeburtshebamme, die mich mit meiner Vorgeschichte betreuen wollte. So kam 2013 meine Tochter im Krankenhaus zur Welt. Bei dieser Geburt wurde viel untersucht und angeleitet. Schließlich kam es, nach einer Untersuchung durch die Hebamme und danach angeleitetem Pressen in Rückenlage zu einem Riss und starkem Blutverlust (ca. 1000ml). Aber ich war stolz, wenigstens vaginal entbunden zu haben, denn ich habe eine Wirbelsäulenversteifung und war mir nicht 100% sicher, ob ich so überhaupt gebären kann. Ich hatte während der Geburt viel diskutieren müssen, über Wehentropf und liegen bleiben. Ich habe mich gegen vieles gewehrt, trotzdem war es eine interventionsreiche Geburt.

Umso mehr ich mich informierte,  umso mehr ich die Abläufe der Geburten revue passieren ließ, desto überzeugter bin ich, dass Geburt 1 und 3 nur wegen der vielen Eingriffe, der mangelnden Ruhe und dem vorgegebenen Zeitdruck so gelaufen sind.

Vorbereitung: Für diese Geburt wünschte ich mir eine Alleingeburt. Mein Mann war etwas skeptisch und bekundete, er habe davor gehörigen Respekt. Wir einigten uns darauf, dass ich erst mal daheim bleibe und wenn einer von uns beiden ein ungutes Gefühl bekommen würde, wir uns ins Krankenhaus begeben würde. Dort meldete ich mich im Vorfeld ganz normal an.

Vorbereitet habe ich mich durch die Bücher von Sarah Schmid, Ina May Gaskin, die Internetseiten von Jobina Schenk und Sarah Schmid. Außerdem halfen mir die Berichte und der Austausch in den Natürlichen Geburtsgruppen (Facebook).

Wir haben eine größere Badewanne, die sich ideal zum gebären eignet. Damit ich auch in den Genuss eines Gebärhockers kommen konnte, stellte ich zwei Ikea-Kinderhocker links und rechts neben die Toilette, auf die ich meine Füße stellte und so tiefer „in der Hocke“ sitzen konnte.(Idee ist ebenfalls geklaut, von einem Geburtsbericht auf Sarahs Seite). Für eine evtl. auftretende Wehenschwäche, bei der sie mir zweimal im Krankenhaus den Wehentropf aufdrängten, bereitete ich ein Glas Wasser mit aufgelösten Calcium vor.

Zur Vorsorge war ich zweimal beim Ultraschall und dreimal bei meiner lieben Hebamme, die bedauerte, dass sie mich nicht begleiten könne, aber sie traue es sich nicht zu. Außerdem war sie zur Geburtszeit sowieso im Urlaub. Ich erzählte ihr dann auch nicht direkt, dass ich mit einer Alleingeburt liebäugelte. Trotzdem war es für sie klar, dass das eine Option für mich ist.

 

Geburt unserer Tochter vom 03.10.20160 (SSW 39+3)

Wie auch schon am Tag vor der Geburt meiner zweiten Tochter, beschlossen wir an diesem Feiertag, mal wieder meinen Lieblingschinesen zu beehren. Nach dem Zahlen um ca. 13:30 spürte ich tatsächlich die erste Wehe. Evtl lag es am  scharfen, ingwerreichem Essen, aber auch, dass wir uns am Morgen geliebt hatten, könnte die Wehen angestoßen haben.

Zu Hause fing ich an, das Haus sauber zu machen und die Kleintiere am Hof zu füttern. Dabei kamen immer wieder erträgliche Wehen in recht kurzen Abständen. Als sie schmerzhafter wurden nutze ich den Türstocktrick, von dem ich im Internet gelesen hatte. Es war, als könnte ich die Wehen fast ausschalten, wenn ich mich mit beiden Händen von einer Türstockseite abdrückte und so mein Kreuzbein gegen die andere Seite drückte. Die Wehen wurden intensiver und mussten dann immer mehr veratmet werden. Es war jetzt ca. 16 Uhr und mein Mann ging zur Stallarbeit. Ich beruhigte ihn und meinte, wenn das jetzt kein falscher Alarm sei, dann würde ich mit dem Baby erst nachts rechnen. War doch die erste Geburt nach 12 Stunden mit einem Kaiserschnitt beendet worden und die dritte nach etwa 10 Stunden mit Saugglocke.

Um ca. halb fünf kam mein Sohn vom Spielen rein, weil er sich mit den Geschwistern und Nachbarkindern gestritten hatte. Er konnte sein Glück gar nicht fassen, als ich ihm bereitwillig den Fernseher anbot, denn damit bin ich normalerweise sehr knausrig. Doch nun wollte ich meine Ruhe und in die Badewanne. Dass sich seine Geschwister ebenfalls bereitwillig vor der Glotze niederlassen würden, davon konnte ich mit Sicherheit ausgehen.

In der Badewanne verschwanden die Wehen für ca. 15-20 Minuten komplett. Ich konnte mich nochmal richtig ausruhen und döste sogar etwas weg, trank aber von meinem Calciumwasser. Als es wieder losging, diesmal mit verstärkter Intensität, konnte ich aber gut mitarbeiten. Sowohl mit der Atmung als auch beim Positionswechsel hatte ich das Gefühl, intuitiv das Richtige zu machen.

Die Übergangsphase war dann nicht mehr so schön. Ich fing an rum zu jammern und sogar laut vor mich hin zu schimpfen, wollte Hilfe und dass mir das Ganze jetzt jemand abnimmt. Als mich mein Mann besuchen kam und mich fragte, was ich brauche und ob wir doch jetzt ins Krankenhaus fahren sollten, war das genau die richtige Frage. Ich wurde plötzlich wieder ganz klar im Kopf. Nein, ins Krankenhaus wollte ich nicht. Ich spürte nach jeder Wehe mein Kind, ich hatte das Gefühl alles läuft genauso, wie es soll. Am liebsten wollte ich meine Ruhe und dass sich mein Mann um die drei Geschwister kümmert, jedoch immer mal wieder nach mir schaut. Irgendwie war das der Punkt der Entscheidung, dass wir das jetzt wirklich hier zu Hause zu Ende bringen.

In einem Interview sagte die Hebamme Anna Rockel-Loenhoff sinngemäß: Die Frau müsse erkennen, dass die Wehen nichts Böses seien, dass sie ertrage müsse, sondern dass sie von dem Körper der Frau kommen und sie damit arbeiten müsse. Diese Worte, die mir wieder in den Sinn kamen und der Entschluss, ich zieh das jetzt durch, ließen mich wieder aktiver werden. Mit Pferdeschnauben und in der Hocke schon ein bisschen mitdrückend löste ich vermutlich den Pressdrang aus. Es war eine Erlösung, denn die erste Presswehe war nicht mehr schmerzhaft. Ich stand auf, wollte auf die Toilette, weil ich auch etwas Stuhl verloren hatte, doch die nächste Wehe zog mich fast in die Knie. Sie war nicht schmerzhaft, sondern sie hatte eine so wahnsinnige Kraft. Ich glaube, ich habe gebrüllt wie eine Löwin. Hier kam nochmal ein kurzer Zweifel, ob wir vielleicht doch ins Krankenhaus sollten. Dieser dauerte aber nur ganz kurz, denn auf der Toilette merkte ich ein Brennen an der Scheide und rief meinen Mann zu, dass nun der Kopf komme. Als er ins Bad kam, meinte er erst noch „Nein, das ist die Fruchtblase, da kommt noch lange kein Kopf“. Ich fasste selbst hin und spürte auch die Blase weit rausragen. Nun kniete ich mich vor die Badewanne und hielt mich am Rand fest. Der Kopf kam mit der nächsten Wehe ohne Fruchtblase darüber. Dann kam eine Wehenpause von ca. einer halbe Minute und mein Mann wurde nervös. Dank Eurer Geburtsberichte und den Videos konnte ich ihn jedoch beruhigen, dass das völlig normal sei. Mit der nächsten Wehe wurde dann problemlos unsere kleine Tochter in die Hände meines Mannes geboren. Wir einigten uns auf 18:50 Uhr als Geburtszeit.

Mein Mann gab sie mir unten durch und wir waren nur noch glücklich.

Vermutlich, weil mit dem Baby erst das meiste Fruchtwasser, vermischt mit etwas Blut, ablief, sah es nach einer erschreckend starken Blutung aus. Auf Grund der starken Blutung bei der vorherigen Geburt, riefen wir den Rettungswagen. Nach ein paar Minuten war jedoch klar, dass es sich um einen Fehlalarm handelte.

In der nächsten halben Stunde erlebte ich, wie es sich anfühlt, wenn Raum und Zeit keine Größen mehr darstellen. Für mich waren es nur Sekunden, ich war so erfüllt vom Glück und Liebe, ich nahm kaum mehr etwas wirklich und doch alles so intensiv war. Meine Kleine trank schon nach kürzester Zeit, bevor der Rettungsdienst da war, kräftig an meiner Brust. Die Geschwister begutachteten ihre kleine Schwester. Während die Mädchen begeistert waren, war mein Sohn (5 Jahre) richtig schockiert. Er meinte später, er habe sein Herz in den Ohren gehört. Der Grund war, weil sie so verknautscht und schmierig war und noch dazu kein Junge.

Die Sanitäter hatten sich total verfahren und fanden deshalb erst nach einer halben Stunde zu uns. Ich denke diese Zeit das war ein kleines Geschenk von wem auch immer. Die Blutung hatte ja längst aufgehört, mir war nicht einmal schwindelig, sondern ich war topfit. Wären die Sanitäter nicht so nett gewesen, hätten sie mich wohl nicht überreden können noch kurz zur Sicherheit ins KH mit zu fahren.

Dort fühlte sich dann alles eher nach einer Vergewaltigung als nach medizinischen Hilfe an. Ich werde nicht näher darauf eingehen, aber es ist einfach schade, dass man diese hektische, schmerzhafte Viertelstunde und die völlig respektlose Behandlung nicht rückgängig und vergessen machen kann. Denn ansonsten war diese Geburt zwar nicht schmerzfrei aber mit Sicherheit das intensivste und schönste Erlebnis meines Lebens. Nach zwei Stunden gingen wir aber auf eigene Verantwortung wieder nach Hause.

Impressionen von der Midwifery Today Konferenz, Strasbourg

Die internationale Midwifery Today Konferenz fand diesmal vom 19. – 24. 10. 2016 in unserer Nähe, in Strasbourg, statt. Dort treffen sich Hebammen, Doulas und andere, denen Geburt und eine Verbesserung der Geburtshilfe am Herzen liegt. Schon letztes Jahr, wo die Konferenz in Deutschland stattfand, konnte ich einen Tag lang teilnehmen. Da war es nur etwas weiter als diesmal. Wie im letzten Jahr packte ich also für einen Samstag meine Älteste und meinen aktuell Jüngsten ins Auto und machte mich auf den Weg. Ich hatte mich für die Kurse von Gail Tully angemeldet. Ihr gehört die Seite www.spinningbabies.com. Das Wissen, das sie über die Kindslage und wie man sie beeinflussen kann, vermittelt, ist hierzulande noch rar. Immer noch führt eine nicht optimale Kindslage allzu oft zu einen Kaiserschnitt, der mit dem erforderlichen Wissen und etwas Hilfe nicht nötig gewesen wäre. Auch bei geplanten Alleingeburten kommt das vor.

Warum legen sich Babys überhaupt ungünstig für die Geburt? Schuld ist wohl ganz allgemein gesprochen unser vom Sitzen dominiertes Leben und/oder ein nicht ganz optimal geformtes Becken. Aber man kann mehr tun als nur Kaiserschnitte machen. Schon in der Schwangerschaft aber auch unter der Geburt. Da wollte ich also so viel wie möglich dazu lernen.

„Babys legen sich in die beste Position, die ihnen möglich ist – in dem Platz, der ihnen zur Verfügung steht.“

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Gails lustiges Strickmodell einer Gebärmutter – mit Eileitern, Bändern und allem. Ist das Becken in sich verspannt (durch eine schlechte Körperhaltung, viel Sitzen etc.), beeinflusst das auch die Bänder, über die die Gebärmutter im Becken befestigt ist. Dadurch kann die Gebärmutter schief gezogen werden, was unter Umständen verhindert, dass das Baby sich in eine bessere Position legt.

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Gails Arbeitsutensilien.

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Drei verschiedene Varianten, wie sich der Babykopf aus der hinteren Hinterhauptslage (Sternengucker) im Becken dreht, damit das Baby geboren werden kann.

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Side-Lying-Release demonstriert.  Ein verspannter Beckenboden kann machen, dass das Baby sich mit dem Kopf schief ins Becken einstellt und dann nicht weiterkommt. Übermäßig viel Sport wie beim Leistungssport lässt den Beckenboden gelegentlich sehr straff sein, was ebenfalls zu Problemen führen kann. Diese Übung wird auf der rechten und linken Seite für 4-10 Minuten durchgeführt und entspannt den Beckenboden.

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Eines von Gails Wandbilder: Links zum Thema Schulterdystokie. Rechts kurz zusammengefasst was man tun kann, wenn das Baby an den verschiedenen Stationen im Becken (Eingang – Mitte – Ausgang) nicht weiterkommt.

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Ein berühmter Geburtshelfer hat ebenfalls Vorträge gehalten und  war sich nicht zu schade für ein Foto. 🙂

Michel Odent

Voll mit neuem Wissen und Eindrücken fuhr ich abends wieder heim, wo mein Mann mit Bravour unsere anderen vier Kinder gemanaged hat. Ein Knöllchen habe ich mitgehen lassen. Dafür hatte ich einen Parkplatz ganz nah dran. 😛

Ich mache noch einen gesonderten Beitrag darüber, wie genau man vorgehen kann, wenn das Baby bei der Geburt nicht ins oder durch’s Becken kommt. Ich fand es hilfreich, das direkt von Gail zu hören und vorgeführt zu bekommen und nicht nur zu lesen.

Fünfte Alleingeburt – sechstes Kind

Liebe Leser, heute darf ich euch wieder einmal von einer meiner Geburten berichten.  Es ist die Geburt unseres sechsten Kindes, meine fünfte Alleingeburt. Viel Spaß beim Lesen. 🙂

Die Schwangerschaft verläuft – wie bei den anderen fünf Kindern vorher – unspektakulär. Ich bin zweimal beim Hausarzt (wegen Stützstrümpfen und Schilddrüsenwerten), sonst mache ich meine eigene Vorsorge.

Mit Näherrücken des Geburtstermins bekomme ich Lampenfieber. Der Gedanke, dass ich gebären soll, macht mir Angst. Es ist doch immer wieder eine unkontrollierbare Naturgewalt, die mir Respekt einflößt. Aber dann vergeht die Zeit, nichts tut sich und am 7.9.2016, 12 Tage nach Termin, will ich einfach nur noch gebären. Soweit über den Termin bin ich noch nie gegangen. Seit 6 Wochen ist mein Bauchumfang gleich geblieben. Aber das Baby bewegt sich munter und versichert mir so, dass es noch gut versorgt ist.

23.23 Uhr: Ich gehe nach allen anderen ins Bett, wie üblich. Unser zweiter Sohn ist im Familienbett auf meiner Schlafstelle eingeschlafen. Ich ziehe ihn auf seine Seite des Bettes und muss plötzlich auf die Toilette, schaffe es kaum. Verdächtig viel kommt da … klar, mit weißen Flöckchen und riecht nach Baby – zusammen mit noch mehr vom Schleimpfropf (etwas davon hatte ich schon tagsüber verloren). Das war wohl ein Blasensprung! Es geht endlich los!

Ich bin erst einmal munter, gehe in den Garten zu meinem Geburtsplatz und lege alles bereit. So richtig loszugehen scheint es aber dann doch nicht. Ich verschwinde schließlich im Bett. Zunächst kommen noch recht regelmäßig Wehen, alle 10 Minuten ungefähr. Sie sind aber nicht sehr stark, unter der Grenze zum Veratmen. Nach einer Stunde sind die Abstände auf 30 Minuten geklettert. Das Baby im Bauch turnt sehr lebhaft, ich weiß also, dass es ihm gut geht. Aber warum geht es nicht los? Ich hatte zwar schon eine Geburt, die mit Blasensprung begonnen hat, aber da war das Baby recht bald danach da. Da hilft wohl nur Geduld und Vertrauen – und eine Mütze Schlaf. Ich schlafe recht gut bis zum Morgen, ab und zu geweckt von einer Wehe.

Meinem Mann erzähle ich morgens von den Wehen und vom Schleimpfropf. Den Blasensprung verschweige ich. Ich will nicht, dass er sich Sorgen macht. Genug Gedanken mache ich mir ja selbst schon – obwohl alles doch im grünen Bereich ist. Die Wartezeit will ich aber möglichst ohne die Sorgen meines Mannes und den damit einhergehenden Zeitdruck im Nacken verbringen.

Den Vormittag wehe ich so vor mich hin und warte darauf, dass es richtig losgeht. Bewegung soll Wehen ankurbeln und ich muss mich ablenken. Also fege ich die Terrasse und ein Teil vom Hof. Nach dem Mittagessen mache ich Mittagsschlaf mit unserem bis dahin Jüngsten. Alle 10 Minuten wache ich für eine Wehe auf und schlafe danach weiter. Um 14.30 Uhr bin ich wieder wach. Die Wehen sind kräftiger. Es scheint endlich loszugehen! Mein Mann ist mit den anderen Kindern noch einkaufen. Ich rufe an, dass sie nicht trödeln sollen … dann richte ich mich auf dem Gymnastikball am Geburtsplatz ein. Schaue in den blauen Himmel – heute ist ein wunderschön warmer Tag – und veratme meine Wehen. Die kommen jetzt alle 2-3 Minuten. Kurz darauf sind die anderen vom Einkaufen zurück. Die Wehen werden heftiger, aber mit der Atmung und gleichzeitig mich Abstützen habe ich sie im Griff. Ich bohre meinen Blick in Kleeblätter und Gänsefingerkraut – volle Konzentration ist alles. Mein Mann hält derweil die Kinder mit dem Fernseher bei Laune und von mir fern.

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Die erste Presswehe – jetzt bin ich nicht mehr leise. Immer wieder unglaublich das Gefühl, wenn sich ein Kind durch mein Becken schiebt. Die dritte Presswehe bringt den Kopf weit herunter, er rutscht aber noch einmal zurück. Ich rede mit dem Baby: „Gleich haben wir’s geschafft.“

Mein Mann sagt den Kindern Bescheid. Die drei Großen wollten die Geburt unbedingt sehen! Die letzte haben sie verschlafen, heute endlich klappt es.

Mit der nächsten Wehe wird der Kopf geboren. Wahnsinn, wie groß dieser Kopf ist! Erleichterung, er ist raus. Jetzt die Drehung der Schultern. Ich spüre alles ganz deutlich … und bin so gefangen von dem Moment, dass ich den nächsten, völlig logischen Punkt verpasse: das Auffangen. Es ist 16.06 Uhr. Das Baby plumpst in Klee und Gänsefingerkraut. Die Nabelschnur ist um den Hals. Sie bremst den Fall und reißt dabei ab. Ich hebe den Kleinen – Es ist ein Junge! – schnell auf, stimuliere ihn, bis er regelmäßig atmet. Als ich die abgerissene Nabelschnur bemerke, hat sie schon aufgehört zu bluten. Ein gewisses Blutbad hat sie trotzdem geschafft anzurichten.

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Die großen Geschwister kommen, reden und staunen. Die Große ist enttäuscht, dass es kein Mädchen geworden ist. Die Jungs freuen sich über Verstärkung. Es vergeht keine halbe Stunde, da hat der Kleine die Brust gefunden und stillt. Wir bestaunen ihn ausführlich. Die Plazenta gebäre ich vor Ort. Dann gehe ich erst einmal duschen.

Einen Namen finden wir spät am Abend. Bis dahin hatten wir uns nur auf einen Mädchennamen geeinigt. Kiran Josia soll er heißen. Am nächsten Tag schaffen wir es zu wiegen und zu messen: 3180 g, 52 cm, 36 cm Kopfumfang

Der Sturz hat ihm offenbar nichts weiter ausgemacht. Er ist ein zufriedenes Baby und entwickelt sich genauso gut wie alle anderen vorher.

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