Eine Alleingeburt nach Kaiserschnitt

Die Mama im folgenden Bericht bekommt ihr zweites Kind. Das erste war eine abgebrochene Hausgeburt, die im Kaiserschnitt endete. Dieses Mal plant sie eine Geburt nur mit Mann und Doula.

Am Tag vor der Geburt war ich bei einer Freundin zu ihrer Blessingway-Feier eingeladen. Ich bin mit dem Zug gefahren und musste auf dem Bahnhof noch ein paar Tränen verdrücken. Ich hatte plötzlich wieder so große Zweifel. Das Köpfchen war ja immer noch nicht fest im Becken (vermutete ich) und ich hatte große Sorgen, dass das Baby wieder nicht ins Becken rutscht. Bei meinem ersten Kind kam es bei einer versuchten Hausgeburt (mit Hebamme) zum Geburtsstillstand, welcher letztendlich zum Kaiserschnitt geführt hat. Ich bin wieder ins Zweifeln gekommen: Was, wenn mein Becken wirklich zu klein ist?

Die Blessing-way-feier war unglaublich schön. Ich war überrascht, dass ich gleich mit gesegnet wurde. Es war unglaublich, wie mir dieses Erlebnis einfach zugeflogen ist. Ich habe nichts organisiert, nichts gewünscht und nichts gefragt und plötzlich waren da 6 Frauen, die mich und mein Baby mit guten Wünschen überschütteten. Viele schöne Dinge wurden gesagt und getan und mein Baby und ich bekamen auch Geschenke. Meine schwangere Freundin lud mich großzügig ein, ohne schlechtes Gewissen alles mitzumachen. Wir verzierten gemeinsam Kerzen, die bei Geburtsbeginn brennen sollten als Zeichen der Verbundenheit und der Unterstützung. Die Frauen witzelten, dass die Geburt aber doch bitte nicht im Zug losgehen sollte.

Im Zug hatte ich tatsächlich schon die ersten leichten Wehen. Es war dann ca 19:30 Uhr. Zweimal bin ich aufgestanden und habe mich oben an der Gepäckablage festgehalten. Das Ruckeln im Zug war ganz angenehm, um das Becken ein bisschen zu bewegen. Zuhause hat unser „großer“ Sohn (3 Jahre) schon geschlafen und ich war froh drüber. Mein Mann und ich haben noch ein bisschen gepuzzelt und ich hatte immer wieder leichte Wehen. Wir haben Radio gehört, das fand ich angenehm, weil es so alltagsmäßig war. Später haben wir Musik von meinem Yoga & Bauchtanz-Kurs gehört. Irgendwann wollte ich aber einfach meine Ruhe. Die ersten Wehen habe ich im Türrahmen veratmet. Irgendwo habe ich gelesen, dass es in der Anfangsphase hilft, das Kreuzbein zu entspannen. So legte ich in den Wehenpausen immer wieder eine Wärmflasche auf das Kreuzbein, was wirklich angenehm war. Die Wehen kamen von Anfang an im Abstand von 3 bis 5 Minuten und steigerten sich langsam von der Intensität. Ich habe eine Zeit lang auf einem Zettel jeweils den Beginn der Wehen mitgeschrieben. Später hat sich mein Mann Notizen gemacht.

Gegen 22 Uhr habe ich einen Mini-Einlauf gemacht und es kam dann auch ein bisschen Durchfall. Ob das wirklich notwendig oder sinnvoll war, weiß ich nicht. Stuhlgang ging bei mir trotzdem bis zum Schluss ein bisschen mit, was mich aber nicht gestört hat. Erbrechen musste ich auch, das war so um 23:00 Uhr. Mein Mann hat eine Matratze im Wohnzimmer gemütlich hergerichtet. Ich wollte mich hinlegen und ein bisschen schlafen, dazu kam es aber nicht mehr. Lange haben wir geglaubt, dass die Wehen bestimmt nochmal schwächer werden.

Irgendwann habe ich mich getraut, den Blessingway-Mädels zu schreiben, dass sie die Kerzen anzünden sollen. Das war ca Mitternacht. Vorher hatte ich echt überlegt, ob ich das mit den Kerzen überhaupt mitmachen soll. Ich hatte die Befürchtung, dass ich unter Druck geraten könnte, wenn ich weiß, dass 6 Frauen an mich denken und auf eine freudige Nachricht nach der Geburt warten. Ich denke, dass der Moment ein ganz wichtiger war, in dem ich mich überwunden habe, die Nachricht loszuschicken. Ich dachte, den Mut muss ich jetzt einfach haben, sonst wird es nichts mit der Geburt. Ich habe also die anderen Frauen informiert und konnte das Ritual als Unterstützung annehmen.

Die Wehen wurden kräftiger und ich sagte schon um 00:45 Uhr das erste Mal, dass ich keine Lust mehr habe. Ich vertönte die Wehen im Stehen, auf dem Wohnzimmertisch abgestützt. An diese Phase im Wohnzimmer kann ich mich am wenigsten gut erinnern. Ich wollte mich immer in den Wehenpausen hinlegen, aber es ging nicht so gut. Die Pausen waren kurz und ich musste bei einer Wehe pünktlich an meinem Platz am Tisch stehen. Mein Mann musste aufpassen, dass der Tisch nicht kippt. Irgendwann dachte ich, dass das Kind nicht runter kommt. Ich hab auch getastet und habe gemeint, es wäre in Sternguckerpposition. Mein Mann meinte, dass mein Bauch anders aussieht. Ich dachte, dass es an der Sternguckerposition lag. Spinning-babies-Übungen wollte ich nicht machen. Es muss trotzdem raus, dachte ich nur. Um ça. 01:30 Uhr haben wir doch das Walcher Manöver in der Küche gemacht. Es war unangenehm und während der Übung beschloss ich, dass ich einfach normal weitermachen muss. Es kam mir zu technisch vor. Im Nachhinein denke, dass das Kind nicht wirklich am Beckeneingang hängen geblieben ist, sondern dass es eher wie eine Erinnerung an meine erste Geburt war. Das Manöver hätten wir vermutlich nicht gebraucht, aber sicher weiß ich das nicht.

Um 02:00 Uhr hat es einen Pflatsch gemacht und es kam Schleim. Vermutlich ist in dem Moment auch die Fruchtblase geplatzt, aber sicher sind wir uns nicht gewesen. Das Köpfchen hat vermutlich schon gut abgedichtet, sodass es für uns nicht eindeutig war. Mein Mann und ich haben uns sehr gefreut. Wir wussten für den Moment, dass wir unser Kind tatsächlich zuhause zur Welt bringen werden. Als ein bisschen Stuhl gekommen ist, haben wir uns auch sehr gefreut. Das Kind schiebt es raus, dachten wir beide, also muss es vorangehen. Fast bei jeder Welle kam etwas mit. Ein weiteres gutes Zeichen war, als ich einen Druck nach unten gespürt habe. Es waren immer wieder Momente, in denen ich zweifelte und dann gab es wieder so Art Schlüsselmomente, in denen ich meine Zuversicht zurückbekommen habe.

Um ca 03.00 Uhr hat unser großer Sohn geschrien und ist nicht mehr eingeschlafen. Wahrscheinlich ist er aufgewacht, weil ich doch sehr laut getönt habe. Ich habe dann unsere Doula angerufen und mein Mann ist zu unserem Sohn gegangen. Ich bin in die Küche umgezogen, da es dort von der Lautstärke her für unseren Sohn leiser war. Es war so schwierig, die Matte und die Unterlagen und das Trinken alleine in die Küche zu bringen. Ich konnte kaum mehr laufen und die Wehenabstände waren kurz. In der Küche kniete ich mich hin und lehnte mich auf das Sofa. Ich dachte, ich wäre auch kurz eingenickt zwischen den Wehen. Mein Mann meinte aber, er hat mich trotzdem immer in kurzen Abständen brüllen hören.

Ich wollte nicht allein sein und war sehr froh, als die Doula ca. eine halbe Stunde später schon bei mir war. Ich sagte nur kurz Hallo und schickte sie dann gleich, um meine Wärmflasche aufzufüllen. Ich kannte die Doula nicht sehr gut, aber es war sofort super mit ihr. Sie war sehr zurückhaltend und hat darauf gewartet, von mir Anweisungen zu bekommen, zum Beispiel, mir das Trinken zu reichen oder in den Wehenpausen kurz das Fenster aufzumachen. Es kam dann auch bald mein Mann wieder. Er war bei mir auf dem Boden oder irgendwo in der Nähe. Ich brüllte so laut. Unsere Doula meinte später, sie hätte mich schon von der Straße aus gehört. Ich kniete vor dem Sofa, damit ich in den Pausen kurz meinen Oberkörper ablegen konnte. Später stand ich am Tisch. Ich stützte mich so stark auf, dass die Doula dagegen halten musste. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass meine Beine fast abheben. Ich habe immer wieder getastet. Ich habe den Muttermundrand gefühlt. Dachte ich jedenfalls. Ich habe mich so gefreut, das Köpfchen zu spüren. Später kam es ein bisschen vor und ich habe immer wieder gefragt: Ist das wirklich der Kopf? Die Doula meinte, dass der Kopf sich länglich anfühlt, aber ich habe immer wieder gefragt: Kann das der Kopf sein? Was ist das? Ich habe zu mir selbst gesprochen.

Um 04:30 Uhr habe ich zu meinem Mann gesagt, er soll mal nachschauen. Er hat nichts sehen können, weil es so dunkel war. Ich meinte, er soll eine Taschenlampe holen. Er hat dann mit meinem Handy in meine Vagina reingefilmt. Ich stand und habe die Schamlippen auseinander gehalten. Er hat dann auch tatsächlich schwarze Haare gesehen. Es gibt auch ein kurzes Video von diesem besonderen Moment. Im Nachhinein war das auch eine sehr lustige Situation, wie er so in mich hineinleuchtete und den Kopf suchte.

Dann kam der Teil, der mir am meisten in Erinnerung geblieben ist. Der Kopf kam ein Stückchen weiter raus, so dass er von außen sichtbar war. Wir wissen nicht mehr genau, wann das war, es gibt aber das erste Beweisfoto um 04:50 Uhr. Die Wehen waren sehr stark. Ich stütze mich nach wie vor am Tisch ab oder an meinem Mann. Zwischendurch stand ich auch im Vierfüßler vor und auf dem Sofa oder ging in die tiefe Hocke. Ich brüllte und schrie: „Komm raus“. Zwischendurch war ich richtig verzweifelt und jammerte ganz weinerlich. Immer wieder kam der Kopf ein Stückchen weiter heraus. Mehrmals dachte ich, es kommt jetzt bald, vielleicht 3 oder 4 Wehen noch, hab ich gesagt. Irgendwann habe ich diesen berühmten Feuerring gespürt, es tat ganz kurz wirklich sehr weh, es brannte total.

Ich habe schon ziemlich gelitten und wollte einfach nur, dass das Kind endlich rauskommt, aber schmerzhaft waren die Wehen ansonsten eigentlich nicht. Es war einfach diese Anstrengung. Ich machte mir auch ein bisschen Sorgen, weil ich das Baby nicht mehr gut spürte. Jetzt denke ich, dass es normal war, sie war ja dann wahrscheinlich schon gut eingequetscht. Den Moment, in dem sie dann tatsächlich geboren wurde, hab ich gar nicht kommen sehen. Es war ca 5:25 Uhr. Ich kniete vor dem Sofa und hatte wahrscheinlich meine Hand an ihrem Kopf. Auf jeden Fall drehte ich mich in die Hocke und hatte sie dann plötzlich in den Händen, am Kopf und am Rücken. Sie ruderte mit den Armen und hatte sofort die Augen offen. Sie schrie ein bisschen, aber es blubberte noch. Kurz fragte ich mich, ob das normal sei, aber man konnte sehen, dass sie fit war. Sie schrie weiter und ich wusste gar nicht richtig, wie ich sie halten soll. Mir tat plötzlich alles weh und ich wusste nicht, wie ich mich setzen soll. Mein Kreuzbein tat weh und mein Damm. Ich lehnte mich an meinen Mann an und wir konnten es beide nicht glauben, dass wir es wirklich geschafft haben. Das war wirklich in vielerlei Hinsicht ein ganz intensiver Moment.

Ich konnte meine Tochter dann noch so am Boden stillen und in Ruhe bewundern. Beim Stillen habe ich nur ganz leichte Kontraktionen gespürt. Ungefähr eine Stunde nach der Geburt hatte ich den Impuls, in die Hocke zu gehen und einfach zu versuchen, die Plazenta zu gebären. Die Doula fragte noch, ob ich schon was spüre. Ich legte unsere Tochter in die Hände meines Mannes und ging in die Hocke. Ich drückte nur ganz leicht und die Plazenta ist dann einfach rausgefallen. Es war ca 6:30 Uhr. Wir haben sie noch gemeinsam angeschaut und ich fand sie total schön.

Dann hätte eigentlich der gemütliche Teil kommen sollen, aber leider hatten wir dann noch ziemlichen Stress mit unserer Nachsorgehebamme. Ich habe ihr gute vier Stunden nach der Geburt eine SMS geschrieben. Sie ist gleich in Stress verfallen und ist sofort vorbeigekommen. Sie wollte uns mit dem Rettungswagen in die Klinik schicken. Ich sagte sofort, dass wir nicht ohne Grund in die Klinik fahren. Sie kündigte uns an, dass sie die Sache mit der Alleingeburt auf jeden Fall noch mit uns besprechen will, denn wir haben uns in große Gefahr gebracht oder so ähnlich. Es war wie eine Ankündigung für eine ordentliche Standpauke.

Es kam dann noch eine befreundete Hausgeburtshebamme vorbei. Ausgerechnet diese, mit der ich vor drei Jahren versucht habe, meinen Sohn zu gebären. Unsere Hebamme hatte sie dazu gerufen, damit sie eine Zweitmeinung abgibt. Meine damalige Hausgeburtshebamme war ruhig und gelassen, aber ich war enttäuscht, dass sie uns nicht mal gratuliert hat. Zu zweit haben sie die Plazenta untersucht und meinen Damm angeschaut. Die Hausgeburtshebamme meinte, sie habe so eine Dammschwellung in 25 Jahren noch nicht gesehen. Insgeheim dachte ich, dass sie eine solche kraftvolle Geburt auch niemals begleitet hätte.

Wir sind dann deswegen mit dem Auto in die Klinik gefahren, zum Glück wohnen wir wirklich sehr nah dran. In der Klinik waren alle voll nett. Die Untersuchung tat übelst weh, aber die Ärztin hat keine Verletzung gefunden. Nur ein ganz kleiner Riss, was aber eine „Schürfung“ sei. Mir war es schon ganz recht, dass wir das abgeklärt haben, die Schwellung war wirklich riesig und ich konnte fast nicht mehr pinkeln. Die Ärztin wollte uns schon einen Katheder mitgeben, falls ich die Blase wirklich gar nicht mehr entleeren kann. Zum Glück ging das aber, Pinkeln im Stehen war der beste Ratschlag dafür.

Es ging dann noch ein bisschen chaotisch weiter. Am zweiten Tag waren wir beim Kinderarzt und am dritten Tag kam eine andere Hebamme vorbei, um das Fersenblut abzunehmen, weil alle anderen Beteiligten Gründe gefunden hatten, dies nicht zu tun. Diese Hebamme war total nett und spontan. Sie lachte nur darüber, dass wir die Geburt allein erlebten. Sie erklärte den Schwangeren immer, das Wichtigste sei das Vertrauen in den Körper. „Sie haben alles richtig gemacht“, sagte sie. Das tat richtig gut, das von einer Hebamme zu hören.

Am Abend war ich richtig wütend auf unsere Hebamme und zog ernsthaft in Erwägung, ihre Betreuung zu kündigen. Wir hatten dann aber am nächsten Tag ein klärendes Gespräch und sie entschuldigte sich auch dafür, dass sie sich von ihren Emotionen so mitreißen hat lassen. Für sie war es ein großer Vertrauensbruch, weil alles anders abgesprochen war. Ich sagte ja im Vorfeld zu ihr, dass wir eine ambulante Geburt planen und hatte mit ihr ausgemacht, dass ich mich noch von der Klinik aus bei ihr melde, um meine Entlassung zu besprechen. Sie hätte niemals unsere Betreuung übernommen, wenn sie von der geplanten Alleingeburt gewusst hätte. Deshalb fand sie es unfair, weil sie sich unwissend mit „reingezogen“ fühlte. Wir haben es ihr nicht gesagt, um sie soweit wie möglich rauszuhalten. Letztendlich glaube ich, dass es natürlich besser gewesen wäre, wir hätten eine Hebamme gefunden, die unsere Pläne gut findet und mit der wir zumindest offen kommunizieren hätten können. Aber zum einen war ich noch nicht soweit in meinem Selbstvertrauen bezüglich der Geburt und zum anderen ist es schwer, eine Hebamme zu finden, die eine Alleingeburt nach Kaiserschnitt unterstützen würde. Insofern waren sich mein Mann und ich uns einig, dass es so unsere einzige Möglichkeit war und wir alles richtig gemacht haben. Gleichzeitig tat es uns natürlich auch leid, dass wir unsere Hebamme in eine so stressige Situation gebracht haben und wir uns selbst dadurch so stressige erste Wochenbetttage beschert haben.

Insgesamt bin ich trotz der stressigen Nachsorge sehr glücklich über die Geburt. Ich denke, es hätte in der Klinik oder mit Hebamme nicht besser laufen können. Vermutlich wären mir wie damals bei meinem Sohn Positionswechsel oder Medikamente angeboten worden, denn ich habe wirklich sehr gejammert und ich bin sehr froh und dankbar, dass mein Mann und später die Doula das so gut einschätzen konnten und mich einfach haben machen lassen. Vermutlich hätte ich in der Situation auch noch alles angenommen und mitgemacht, denn ich war zeitweise wirklich mit den Nerven am Ende. Wahrscheinlich hätte ich zum Schluss sogar einem Dammschnitt zugestimmt, obwohl ich jetzt natürlich froh bin, dass mir das erspart geblieben ist. Die Schwellung an meinem Damm ist auch innerhalb ein paar Tagen wieder zurückgegangen und die Nachsorgehebamme hat mir mehrmals gesagt, dass ich bezüglich Verletzungen wirklich sehr gut weggekommen bin, es ist ja immerhin meine erste vaginale Geburt gewesen. Dass dies bei Alleingeburten ja meistens der Fall ist, habe ich mir aber verkniffen…

Alleingeburt nach zwei Kaiserschnitten

Die Mama im folgenden Bericht hat zwei Kinder, die per Kaiserschnitt geboren wurden. Diesmal, beim dritten Kind, entscheidet sie sich für eine Geburt in Eigenregie.

Am 20.6. war errechneter Termin. Seit Anfang Juni hatte ich immer wieder Vorwehen und ich spürte, wie meine Körperin mein Becken weitete. Mental habe ich alles noch einmal durchgespielt und mich immer wieder mit positiven Affirmationen vorbereitet. Es war meine erste spontane vaginale Geburt nach meinen beiden Kaiserschnitten. Aber diesmal war ich dafür bereit. Ich wusste, dass alles gut wird, denn meine Tochter hatte es mir gesagt.

Es war ein heißer Tag. Wir waren nachmittags mit unseren Kindern noch auf dem Spielplatz … ich schon schwerfällig wie ein Walross. Abends setzten dann die ersten Wellen ein … sanft, leicht und mit leiser Vorankündigung. Nach zwei Stunden dachte ich dann, sie sind immer noch da, dann geht’s heute los.

Ich war voller Freude. Auf der Couch schliefen meine Jungs, ich hatte eine Matratze davor gelegt und bezog extra das Bett frisch mit Bettwäsche, die ich für die Geburt gekauft hatte. Die Wellen nahmen an Fahrt auf, gut zu veratmen und mental absolut zu beherrschen. Der Sturm wurde stärker, ich verfiel in einen Rauschzustand, spürte meine Tochter, wie sie sich nach unten schob. Dann der point of no return… ruf den Rettungswagen, befahl ich meinem Mann … ach doch nicht … doch, jetzt sofort … nein ich mag nicht mehr … nein ich bin nicht sicher …😄 Und dann plötzlich das Gewitter, die Fruchtblase platzte und ich brüllte. Die Kinder wachten auf und mein Mann brachte sie fix zur Nachbarin. Und nun gab ich die Kontrolle ab, war nur noch das Gefäß und meine Tochter fand den Weg hinaus zu uns. Mein Mann berührte sie zuerst, fühlte wie sie sich nochmals drehte und fing sie dann auf. Und da war sie … klein, zart, ganz sauber ohne Blut oder schmiere. Einfach zauberhaft.

Ich war groggy aber wohl auf, ohne Blessuren, bekam einen Kakao und einen mega hochkalorischen Kuchen und ruhte auf der Couch. Gegen 04:00 Uhr holten wir unsere Jungs dazu und mein großer Kleiner schnitt die Nabelschnur durch. Die beste Entscheidung meines Lebens und ein Geschenk des Himmels, dass ich eine unkomplizierte, freie Geburt erleben durfte.

Danke auch an alle, die mich darin bestärkt und unterstützt haben. ♥️

Die freie Geburt unserer Zwillinge

Heute darf ich wieder einmal von meiner eigenen Geburt berichten. Es ist meine 7. Geburt, meine 6. Geburt in Eigenregie. Das Besondere: Es sind Zwillinge!

Die Schwangerschaft

Meine 7. Schwangerschaft begann ein halbes Jahr früher als ich geplant hatte. Eigentlich halte ich einen Geburtenabstand von 3 Jahren für ideal. Aber sobald mein Zyklus nach der ersten Stillzeit wieder in Schwung ist, reden mir meine Eierstöcke ein weiteres Kind ein. Deshalb haben wir zwar eigentlich mit nfp und Kondom in der fruchtbaren Zeit verhütet, aber wir riskierten doch ein bisschen was. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, mit 36 Jahren 5 Tage vor Eisprung schwanger zu werden? Sehr klein. Ich hab mir das damals sogar mit nem Online-Rechner ausrechnen lassen. *lach* Tja, ein Treffer war trotzdem möglich und, was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: ein Doppeltreffer.

Zunächst war diese Schwangerschaft nicht anders als die anderen zuvor. Mir ging es gut, ein bisschen müde und latente Übelkeit um die 7. Schwangerschaftswoche herum. Nichts, was mich im Alltag einschränkte. Ich genoss meinen wachsenden Bauch und meine vorsorgefreie Schwangerschaft.

Unbewusst muss das Zwillingsthema aber wohl doch präsent gewesen sein. Meine Schwester war zu diesem Zeitpunkt mit ihrem zweiten Kind schwanger, auch ultraschallfrei, und hatte in den letzten Wochen den Verdacht, es könnten vielleicht zwei sein. Ich freute mich, fand es spannend und sagte: „Ja, krieg du mal die Zwillinge. Dann krieg ich sie schon nicht.“ Ich fand Zwillinge spannend, aber kriegen sollten sie bitte die anderen. Mir reichte ein Kind auf einmal völlig aus.

Meine Schwester bekam dann doch nur ein Kind.

Seit ich in der 5. Schwangerschaft schon mal – fälschlicherweise – Zwillinge vermutet hatte, weil mein Fundus höher war als im Buche stand, vermied ich es, meinem Fundusstand vor der 20. SSW irgendeine Bedeutung beizumessen. Denn wenn man nicht das erste Kind bekommt, kann der auch bei Einlingen früh sehr hoch stehen. Nun blieb meine Gebärmutter aber auch jenseits der 20. SSW groß. Der Fundusstand entsprach einer Schwangerschaft, die 4-6 Wochen weiter war. Ebenso meine Gewichtszunahme, wenn ich sie mit den Schwangerschaften davor verglich. Ich ignorierte das gekonnt, bis ich beim Tasten glaubte, eine Beule neben der anderen zu tasten. Anfangs passierte das nur immer mal. Wenn ich dann wieder tastete, fand ich nur eine Beule und erklärte mir den vorigen Tastbefund weg. Aber die zweite Beule tauchte immer öfter auf und der Gedanke ließ mich nicht mehr los. Ich kontaktierte die Hebamme, die ich auch schon in der 5. Schwangerschaft gebeten hatte, mir meinen Zwillingsverdacht auszureden. Bei 23+0 SSW tastete sie, suchte mit dem Dopton und fand nur eins. Warum der Fundus so hoch steht? Viel Fruchtwasser, andere Einnistung der Plazenta waren ihre Erklärungsversuche. Wenig greifbar, aber ich war beruhigt. Für ein paar Tage. Dann tastete ich wieder und da war immer öfter eine zweite Beule oben oder unten eine neben der ersten. Es gab dafür keine wirklich plausible Erklärung – außer Zwillinge.

An einem Abend ließ ich auch meinen Mann tasten. Er fühlte, was ich fühlte und meinte, er könne mir einen Ultraschalltermin besorgen. Männlicher Pragmatismus. Ich war nicht so überzeugt, ob ich das wollte, aber er führte praktische Gründe an. Wir würden ein größeres Auto oder zumindest einen weiteren Sitz im Auto brauchen, was man aufgrund behördlicher Vorschriften beim 10. Sitz nicht einfach so mal macht. Ich stimmte schließlich zu. Endlich würden das Spekulieren und die Ungewissheit ein Ende haben.

In der Nacht träumte ich von diesem Ultraschalltermin. Wir kamen dahin, der Arzt schallte und es waren zwei. Ich wollte das Geschlecht wissen und er fand zwei Jungs. Im Traum rannte ich aus dem Untersuchungsraum und brüllte meine Wut raus. Ich hatte ja schon zwei Mädchen und vier Jungs. Das konnte doch nicht sein, dass ich jetzt zwei kriege und es ist kein Mädchen dabei!

An Heiligabend, bei 25+4 SSW, bekamen wir recht spontan einen Ultraschalltermin im hiesigen Krankenhaus. Es lief zunächst ab wie in meinem Traum. Wir kamen hin und im Ultraschall sah man sofort zwei. Ich lachte – vor Erstaunen, Unglauben und triumphierend, dass mich mein Körpergefühl nicht getäuscht hatte. Im Fall von Zwillingen wollte ich das Geschlecht wissen, weil ich nicht gezwungen sein wollte, mich mit meinem Mann prophylaktisch auf vier Vornamen einigen zu müssen. Der Arzt schallte und fand einen Jungen. Da laut Plan gerade der Organultraschall vorgesehen war, nahmen wir den auch noch mit. Es dauerte also eine Weile, bis er Baby A zu Ende untersucht hatte. Endlose erscheinende Minuten. Bitte, lass das andere ein Mädchen sein!, betete ich im Stillen und sah schon meinen Traum aus der einen Nacht wahr werden. Aber Baby B war, sehr eindeutig für uns zu sehen, ein Mädchen! Yes! Ich wollte doch sooo gern noch eins. Alles war ansonsten in bester Ordnung. Die Plazenten lagen oben, beide Babys waren in der Ultraschallschätzung fast gleich schwer und lagen mit dem Kopf nach unten. Ich wusste nun alles, was ich wissen wollte.

Dem Arzt hatten wir von unseren bisherigen Alleingeburten erzählt. Mein Mann gibt gern ein bisschen damit an, vor allem vor Kollegen. Der Doktor war ein ganz entspannter Zeitgenosse. Aber absichern musste er sich natürlich. Er ließ mich unterschreiben, dass ich über die Vorsorgeroutine bei Zwillingen Bescheid wusste, sie aber ablehnte. Er gab mir Überweisungszettel für die üblichen Blutuntersuchungen mit. Mit der Zwillingsdiagnose wollte ich nochmal nachdenken, ob ich doch irgendeine Vorsorge in Anspruch nehmen wollte. Er kündigte mir an, dass engmaschige Kontrollen per Ultraschall, Muttermunduntersuchung etc. vorgesehen sind und man bei 38+0 den Termin ansetzt. Man hätte mich also bei 39+0 oder spätestens 39+3 eingeleitet.

Mir war schnell klar, dass ich keine Untersuchungen wollte, solange es mir gut ging. Als gesunde Schwangere zum Arzt zu gehen, hatte mir noch nie eingeleuchtet. Da ich dazu neige, über Termin zu gehen, sah ich den Stress schon auf mich zu kommen. Nein. Ich entschied mich komplett dagegen. Ich hielt mir lediglich offen, mich zur Geburt im Krankenhaus anzumelden – für den Fall einer Verlegung. Woraus dann lediglich eine Kreißsaalbesichtigung in der 39. SSW wurde.

Nach dem ersten Schock nahm mein Mann die Sache sportlich und begann, sich mit der Autolösung zu beschäftigen.

Die restliche Schwangerschaft verlief ganz normal und schön. Ich war früher als sonst ziemlich behäbig, bekam aber zum Schluss Hilfe von meiner Schwiegermutter in der Zeit, wo mein Mann in Schweden arbeiten war – was immer zwei Wochen Abwesenheit im Monat bedeutete. Sachen vom Fußboden aufzuheben vermied ich und entsprechend sah es zwischendurch aus. Meine Krampfadern störten diesmal kaum, so dass ich die Stützstrümpfe auch mal wegließ. Zum Ende hatte ich an manchen Tagen ein bisschen Wasser in den Füßen, das früh wieder verschwunden war. Sonst gab es nichts zu klagen. Ich hatte auch schon Schwangerschaften mit mehr Wehwehchen. Besonders die ersten drei. Ich schiebe es auf meine traditionelle Ernährung, dass die späteren Schwangerschaften so schön unkompliziert verliefen. In dieser Schwangerschaft war besonders, dass ich eine Abneigung gegen Kohlenhydrate hatte. Ich mochte weder Brot, Reis noch Kartoffeln und aß höchstens minimale Mengen. Sofort nach der Geburt änderte sich das wieder und ich mochte diese Dinge wieder.

Der Herr Doktor vom Ultraschall machte sich derweil wohl doch so seine Gedanken. Jedenfalls veranlasste er den Besuch einer staatlichen Hebamme, die uns die Risiken einer Zwillingshausgeburt darlegte. Etwas, das ich genauso gut hätte tun können.

In der 38. SSW kam mein Mann endgültig nach Hause. Jetzt durften die Zwillinge kommen. Aber erst drei Tage nach Termin machten sie sich schließlich auf den Weg.

In der 38. SSW

Geburtsvorbereitungen

Im Hinblick auf die Geburt hatte ich interessanterweise gar keine Angst. Ich hatte Geburtsberichte gelesen, Videos von Zwillingshausgeburten angeschaut und meine befreundete Hebamme ausgequetscht, die in ihren Jahren als Hausgeburtshebamme auch Erfahrung mit Zwillingsgeburten gesammelt hatte. Von den zusätzlichen Risiken einer Zwillingsgeburt machten mir nur die mögliche Querlage des zweiten Zwillings nach der Geburt des ersten etwas Sorge, sowie eine längere Pause zwischen der Geburt von eins und zwei. Auch dazu befragte ich „meine“ Hebamme, durchforstet das Internet nach Erfahrungsberichten und las Geburtsberichte. Mir schien, dass die Gefahr einer Querlage im Krankenhaus durch PDA, Geburt in Rückenlage und Wehentropf größer war, als wenn die Geburt instinktgesteuert und aufrecht passieren durfte. Meine Hebammenbekannte hatte den Fall einer Querlage beim zweiten Zwilling in einer von 50 Zwillingshausgeburten. Eine Korrektur der Querlage ist schwer möglich und meist ist ein Kaiserschnitt nötig.

Für den Fall einer größeren Pause zwischen eins und zwei besorgte ich mir ein Dopton, um ggf. die Herztöne überprüfen zu können. Allerdings sollte ich damit vorsichtig sein, riet die Hebamme, da sie im Krankenhaus miterlebt hatte, wie der Arzt mit seiner Suche nach den Herztönen des Zweiten diesen auch mal in Querlage gebracht hatte. Ich hoffte, dass Baby B schnell (innerhalb einer halben Stunde) hinterherkam, wie es bei den meisten Zwillingsgeburten der Fall ist.

Die Geburt

Wie in fast allen Schwangerschaften hatte ich keine nennenswerten Anzeichen, dass die Geburt bevorstand. Hier und da mal eine harmlose Kontraktion in den Wochen vorher, aber sonst nichts. Die Babys waren munter und ich hatte nur einmal Zweifel und das Bedürfnis, mit dem Doppler zu kontrollieren, ob beide noch „da“ waren. Am 7. April 2019 hatte ich dann um die Mittagszeit eine doch recht kräftige Wehe. Ich legte mich später wie gewohnt zu meinem Mittagsschlaf hin. Dabei träumte ich in einem anregenden Traum von meinem Mann und wachte von einer kräftigen Wehe auf. Offenbar wirkt Sex auch wehenanregend, wenn man ihn nur träumt. *lol* Ab da kamen die Wehen in kürzer werdenden Abständen. Sie waren nicht so stark. Manche musste ich veratmen, mehr nicht. Aber da es loszugehen schien, begann ich das Wohnzimmer aufzuräumen. Hier wollte ich gebären und hier sah es mal wieder aus nach kinderverursachtem Bombeneinschlag. Mein Mann war mit einem Teil der Kinder unterwegs und kam wenig später heim. Ich hatte inzwischen für Ordnung gesorgt und meinen Geburtskram herbeigeschafft. Begeistert stürzten sich die kleinen Jungs auf den Ball. Der Trubel war mir schnell zu viel. Mein Räumen wurde schon alle 3 Minuten etwa von einer Wehe unterbrochen, die veratmet werden wollte. Die Kinder wurden also schnell mit Abendessen abgefertigt. Ich habe nur noch einen Erdbeerquark gegessen und war ansonsten schon auf Rückzug in meine Gebärblase. Um 20 Uhr rief ich Cerstin an, die fotografieren sollte, und Monique, die filmen sollte. Mein Mann brachte derweil die kleinen Jungs ins Bett. Es wurde ruhig im Haus und wir drei Frauen machten es uns im Wohnzimmer bequem. In den Wehen hing ich kniend über dem Ball, zwischen den Wehen quatschen wir oder ich hörte meinen beiden Kamerafrauen zu, wie sie sich unterhielten. Ich machte Musik auf dem Handy an und dimmte das Licht. Ich hatte zuerst das Gefühl, die Ankunft der beiden habe die Wehen abgeschwächt. Aber obwohl die Wehen harmlos erschienen, war die Geburt mitten im Gange. Mein Lied für diese Geburt wurde diesmal „How can I keep from singing“, die Version von Audrey Assad. Das flog mir schon in den Tagen vor der Geburt zu. Die Wehen wurden etwas kräftiger, waren zum Teil im Rücken, was ich nur aus meiner ersten Geburt kannte. Aber alles gut auszuhalten.

Irgendwann hatte ich genug von Musik und checkte noch meine Facebook-Gruppen. Dann unterhielten wir uns über Gebärpositionen. Ich erzählte Monique und Cerstin, wie ich abgestützt zwischen zwei Stühlen die Babys rauspressen wollte. So abgestützt kann ich einfach am besten gebären. Und während ich das so demonstrierte, kamen die ersten Presswehen. Die waren aber nur so halbgar. Ich fühlte etwas (Kopf? Schultern?) sich über meiner Symphyse bewegen. Ob er noch die richtige Position suchte? Irgendetwas kam mit den Presswehen, aber nicht der Kopf. Es war die Fruchtblase, die für ein paar Presswehen prall herausstand, bis sie bei einer Presswehe schließlich platzte. Leicht grünes Fruchtwasser entleert sich mit einem großen Platscher auf die Einmalunterlage, die auf der selbstaufblasenden Isomatte unter mir lag. Schließlich kam er in einer Presswehe herunter. Mit der nächsten Wehe war der Kopf geboren, wenn ich richtig erinnere. Dann entstand eine längere Pause, aber er schrie schon, nur mit Kopf draußen. Schließlich die Schulterdrehung. Mein Mann fing ihn 22:56 Uhr auf.

Die Nabelschnur war so kurz. Weiter kam er damit nicht.

Die Nabelschnur war allerdings so kurz, dass er davon gerade am Ausgang gehalten wurde. Die Nabelschnur sah für mich auspulsiert aus, also haben wir sie durchtrennt. Es suppelte dann doch noch etwas Blut, so dass wir mit dem Nabelschnurbändchen von Eileen abbanden. Mein Mann übernahm ihn, nachdem ich ihn kurz gehalten hatte, denn die Wehen setzten schon wieder ein. Ich tastete den Kopf des Mädchens in Startposition. Keine Querlage. 🙂 Dann eine Presswehe und ich beförderte sie durch mein Becken nach draußen – mit einem Stopp für die Schultern. Mein Mann fing sie 23:05 Uhr auf und entwirrte die Nabelschnur, die zweimal um den Hals war. Sie war noch komplett voll Käseschmiere.

Da waren unsere zwei jüngsten Teammitglieder! Während wir die Ankunft der Babys feierten, kam auch ganz unspektakulär die Plazenta und plumpste unter mir auf die Unterlage, wo ich kniete. Der Blutverlust war so minimal wie bei den anderen Geburten.

Nach dem ersten Bestaunen ging ich duschen. Danach wurde Baby B, das Mädchen, abgenabelt und ich stillte beide zum ersten Mal.

Meine beiden Kamerafrauen verabschiedeten sich schließlich. Alle gingen ins Bett. Nur unsere Große (12) leistete mir noch Gesellschaft. Sie half mir, die Babys zu wiegen und anzuziehen. Ich aß noch was im Schein der Geburtskerze: meinen Mamas Spezialquark. *g* Dann trug ich meine beiden Frischlinge hoch ins Bett und ging irgendwann nach 2 Uhr schlafen.

Samuel: 2850g, 49 cm lang, 34 cm KU

Sarah: 2870 g, 49 cm lang, 34 cm KU

Die Geburt war eine meiner leichtesten. Vielleicht weil der Kopfumfang kleiner als bei den Einlingen war? Die klassische Übergangsphase mit den bekannten Gedanken, es nicht mehr auszuhalten, kam gar nicht. Auch mein Beckenboden war hinterher kaum mitgenommen und schnell wieder in der gewohnten Verfassung. Im Nachhinein würde ich lieber nochmal ne Zwillingsgeburt machen als nen Einling zu kriegen. Nur das Danach ist mit einem doch lauschiger. Wobei ich mich eigentlich nicht beklagen kann. Die zwei sind echt brav und ich bekomme fast immer genug Schlaf.

Eine freie Geburt 15 Tage nach Termin

Die Mama im folgenden Bericht entscheidet sich beim dritten Kind für eine Geburt nur mit ihrem Mann. Schließlich muss sie bis 15 Tage nach Termin ausharren, um ihr Wunder in Empfang nehmen zu können.

Die freie Geburt von Lone *14.7.2019

Völlig überraschend hat sich die kleine Dame in meinen Bauch geschlichen und nur durch Zufall und der Hartnäckigkeit meiner Freundin sei Dank, erfuhren wir am 5.11.2018 von unserem dritten Wunder. Ende August des gleichen Jahres mussten wir leider ein Baby aus den Bauch in den Himmel gehen lassen. Mit einer erneuten Schwangerschaft hatte keiner gerechnet, aber unsere Gebete nach Veränderung in unserem Leben wurden mit voller Liebe beantwortet. Die Schwangerschaft war kurz gesagt, wie auch bei den beiden Kindern zuvor, sehr anstrengend. Das volle Programm von Kreislaufproblemen, Übelkeit, Sodbrennen bis zum Erbrechen und einer Symphysenlockerung nach einem Sturz und damit verbundenen Schmerzen war leider allzeit präsent. Verständlich ist daher, dass die Nerven beim Überschreiten des ET völlig blank lagen. Ich weiß nicht, wieviele unzählige Gespräche ich mit meinem Herrn im Himmel geführt habe, war kurz vorm „Aufgeben“, zweifelte an den Fähigkeiten meines Körpers, haderte mit mir selbst. Nach 11 Tagen über ET bot mir meine Hebamme einen „Wehencocktail“ an, sie sah meine Not und wollte mir gerne helfen. Ich kaufte die Zutaten, weinte auf der Rückfahrt im Auto bitterlich. Seit Monaten hatten Tim und ich uns nun auf die Geburt vorbereitet, hatten um eine interventionsfreie Schwangerschaft gekämpft und unsere Pläne zu Hause alleine zu entbinden verteidigt – warum sollte ich jetzt eingreifen MÜSSEN? Ich fühlte mich nicht wohl und Tim stärkte mir den Rücken, weiter abzuwarten. Auch meine Hebamme war am nächsten Tag glücklich mit meiner Entscheidung abzuwarten und bestärkte uns zusätzlich. Unser Ausharren und Beten wurde bei ET +15 beantwortet.

Nach dem Aufstehen um 10 Uhr fingen leichte Wehen an. Allerdings glaubte ich absolut nicht an Geburtsbeginn, denn diese Wehen kannte ich nur zu gut von mittlerweile unzähligen „Fehlalarmen“. Auch mein vorhandener Appetit ließ nicht auf Geburtsbeginn schließen. Nach dem Frühstück hab ich mich auf meinen Gymnastikball begeben und ins Tragetuch gehangen. Gegen 11 Uhr bemerkte ich beim Bearbeiten der Wehen, dass mich zunehmend die laute Kulisse der beiden großen Kinder störte. Als mein Mann dann noch (zu recht) mit den Kindern schimpfte, war ich super angespannt und bat meinen Mann energisch für Frieden zu sorgen. Mein Mann sagt rückblickend, dass dies der Moment war, an dem er wusste, dass es jetzt losgeht. Leider fühlte ich mich auch weiter durch das rege Leben im Haus abgelenkt, so dass ich Tim bat, die Kinder zu meiner Mutter zu bringen. Bei ihr wäre das Zurückrudern bei einem Fehlalarm nicht so „peinlich“. Kurzzeit war ich enttäuscht, da ich ihnen beiden frei stellen wollte dabei zu sein. Aber es war die richtige Entscheidung – für Tim und für mich.

Bis ca. 13 Uhr glaubte ich nicht an den Geburtsbeginn, aber als ich dann das erste mal das Bedürfnis verspürte, die Geburtsplaylist zu starten, waren auch meine Gedanken in Richtung Geburtsarbeit fokussiert. Passend dazu erklang das erst Lied von „Hillsong – Be still“, was ich oft vorher gehört habe, wenn meine Gedanken zu viel kreisten. Die Wehen kamen von Beginn an in kurzen Abständen – ich schätze max. 3-4 Minuten. Sie nahmen einfach stündlich an Intensität zu. Ich erlebte sie zum ersten mal sehr intensiv als „Arbeit“ und nicht als Schmerz. Tim und ich lachten viel, beteten, hielten einander, fragten unser Kind, wie es ihm geht – und ja, wir bekamen immer eine Antwort. Ob durch Bewegung, einen Tritt oder Schluckauf. Eine unbeschreibliche, tiefe Verbindung herrschte zwischen uns dreien. Ich trank viel, lutschte zwischendurch einen Traubenzuckerlolli, weil mir etwas übel war. Das tat gut. Ich merkte zunehmend, dass ich Richtung Übergangphase unterwegs war, am meisten daran, dass ich anfing zu schwitzen und kleine Gedanken des Zweifels aufkamen. Schaff ich das wirklich? Bisher sind die Übergangsphasen von der Hebamme „beendet“ worden, indem die Fruchtblase eröffnet wurde. Schaff ich das jetzt alleine? Tim schrieb unserer Hebamme (die leider ohne Versicherung für die Geburt ist) eine Nachricht, dass das geplante CTG heute Abend wohl nicht mehr stattfindet, wir uns aber für die U1 melden würden. Er schrieb ihr zudem, dass er schätzte, dass ich mich Richtung 7cm befinden würde. Wahnsinn oder? Was hab ich für einen tollen Mann!

Gegen 15.30 Uhr nahmen die Wehen Fahrt auf, besonders im Unterbauch Richtung Oberschenkel und Kreuzbein. Gut, dass ich vorher vom „Türrahmenwehen“ gelesen hatte. Was war das eine Erleichterung!!! Und gut, dass wir massiv gebaut haben 😉 Vorher hatte ich selbst versucht zu ertasten, wo wir uns befanden, aber ich fühlte NICHTS. Keinen Muttermund noch irgendwas, was sich nach Kopf anfühlte. Ich war zugegebenermaßen enttäuscht, aber vertraute zu dem Zeitpunkt meinem Körper. Nach über einer Stunde starker Wehen wurde noch mal der Ofen angeheizt. Ich war sicher in der Übergangsphase, aber auch nach erneutem Tasten, NICHTS. Der Türrahmen und ich waren beste Freunde und mein Mann die beste Unterstützung, die man sich erdenken kann. Ruhig, gelassen, voller Vertrauen in mich und das Baby sprach er uns gut zu, ermutigte mich auch nach 40x „ich kann nicht mehr“.

Gegen 17.15 Uhr war der Höhepunkt der Intensität erreicht. Ich überlegte im Türrahmen vom Badezimmer stehend, ob ich es zum Telefon schaffe und 112 rufen soll, zweifelte aber an geeigneten Narkosemitteln auf dem Rettungswagen, die ich gerne hätte haben wollen. Ich wollte weglaufen, einfach hier aufhören. Das Gefühl kannte ich und trotzdem übermannte mich es erneut. Die Tatsache, dass ich bereits Druck verspürte, ließ mich noch mal vorsichtig versuchen, meinen Muttermund zu tasten. Wieder NICHTS. Endlose Weite, aber kein Muttermund, Kopf oder Fruchtblase. Ich fing an unruhig zu werden, veratmete die nächste Wehe wieder im Türrahmen und während einer erneuten Wehen mit Druck musste ich etwas mitschieben. In diesem Moment tropften zwei kleine Tropfen Blut auf die Fliesen. Der Höhepunkt der Unsicherheit war bei mir erreicht. Ich meinte zu Tim, dass Blut nicht gut sei. Er war total entspannt und meinte, dass es doch normal sei, wenn der Muttermund sich öffnet, dass es auch mal blutet – oder es sei vielleicht der Schleimpfropf, der sich löst. Wie weise er ist, dachte ich und war wieder beruhigter. Trotzdem zweifelte ich noch an der eigenen Fähigkeit, diese Fruchtblase zum platzen zu bringen. Der Druck war unbeschreiblich und so intensiv, wie bei noch keiner Geburt. Aber laut meinem Tasten war ja noch kein Kopf ansatzweise Richtung Ausgang unterwegs.

Interessanterweise wollte ich gegen 17.35 Uhr die nächste Wehe nicht mehr im Türrahmen stehend erleben, sondern wieder ins Wohnzimmer in mein Tragetuch. Ich kam gerade noch auf meine Gymnastikmatte mit Einmalunterlage drauf, hing mich ins Tuch und die nächste Wehe kam. Diese fühlte sich völlig anders an. Es brannte leicht im Bereich des Muttermundes und der Druck „bewegte“ sich. Ich spürte den Kopf, der sich nach vorne schob. Ich sagte Tim, dass sich der Kopf eindreht, war aber der Annahme, dass er sich noch „oben“ im Geburtskanal befand. (Ich hatte ja kurz vorher NICHTS er tastet.) Tim kniete hinter mir und beantwortete meine Frage mit: „Ich seh den Kopf, der Kopf kommt.“ Ich dachte, er meint, dass er einen kleinen ersten Teil sieht, aber dem war nicht so. Die Blase sprang, der Kopf wurde geboren, den kurzen Widerstand des Kinns konnte ich am Damm spüren und ohne Pause drehten sich die Schultern ein und Tim sagte: „Sie kommt – ich habe sie.“ Mit dem Aussprechen hatte er sie aufgefangen. Sie weinte sofort, auch wenn ich sie noch nicht sah. Ich war sprachlos. Vor 4 Minuten hatte ich noch nichts tasten können und jetzt schrie sie. Ich begriff gar nichts. Tim reichte sie mir durch die Beine (ich habe sie im Stehen geboren) und ich entwirrte die Nabelschnur die um Hals und Bauch gewickelt war. Sie war rosig, die Hände und Füße leicht blass/livide, aber ansonsten strotzte sie vor Leben, schaute mich ungläubig an. Mindestens genauso ungläubig schaute ich Tim an. Wahnsinn. 17.41 Uhr. Sie ist da, wir drei haben es geschafft – und wie?! Genau dort, wo Tim und ich von Beginn an gesagt haben, hier kommt sie zur Welt. Punktlandung – für alle.

Ich setzte mich aufs gegenüberstehende Sofa, hielt dieses wunderschöne Mädchen in meinem Arm und wir genossen den Moment. Heilig beschreibt es am besten. Die Geschwister waren 15 Minuten nach der Geburt bei uns, bestaunten dieses Wunder.

Die Geburt der Plazenta war nochmal mit starken Wehen verbunden, sodass wir uns nach einer Stunde doch fürs Abnabeln entschieden, damit ich mich besser bewegen kann. Geboren habe ich die Plazenta dann ca. eine Stunde später in der Dusche. Nochmal ein Wunder, diese in den Händen zu halten. Ehrfurcht beschreibt diesen Anblick wiederum am besten. Nach der Geburt der Plazenta ging es mir prächtig. Ich habe während der gesamten Geburt kaum geblutet, legte mich mit der Kleinen ins Bett, wir stillen und kuschelte und nach insgesamt drei Stunden kam unsere Herzens-Hebamme und führte die U1 durch. Alles bestens, genauso wie bei mir. Keine Verletzungen, die Plazenta war vollständig und wurde der Tiefkühltruhe zugeführt. 😉

Ich hatte bisher eine vorbildliche Rückbildung, trotz minimalster Nachwehen, der Milcheinschuss war heftig, aber ist nun auch bereits überwunden. An Tag 9 postpartum bin ich immer noch überwältigt von den Ereignissen und kann nicht fassen, dass unser Traum in Erfüllung ging – noch viel segensreicher als ausgemalt. Wie froh bin ich über meinen Mann, den kein Wort der Welt beschreiben kann und über meinen Herrn im Himmel, der sich für mich in diesem Wunder und den Geschehnissen verherrlicht hat.

„Vertraue auf den Herrn mit deinem ganzem Herzen und stütze dich nicht auf deinen Verstand. Auf all deinen Wegen erkenne nur IHN, dann ebnet er selbst deine Pfade.“ Sprüche 3, 5-6

Aus Peru: Zweites Kind, zweite Alleingeburt

Die Mama in diesem Bericht erzählt von ihrer zweiten Alleingeburt. Genau wie die erste Geburt findet sie in Südamerika statt.

Im Folgenden möchte ich euch von meiner zweiten Alleingeburt im Ausland erzählen. Am 05.12.2016 kam unsere erste Tochter Mia Lorena in Paraguay zur Welt. Die Geburt war für mich ein kraftvolles und energetisches Ereignis. Ein Bericht dazu gibt es hier auf Sarahs Blog. Ebenso ein Video auf unserem YouTube-Kanal.

Jetzt zur Geburt unserer zweiten Tochter Enya Marie. Sie erblickte das Licht der Welt am 12.05.2019 (man beachte das Zahlenspiel zu Mia Lorena <3 ). Mittlerweile waren wir allerdings umgezogen und so fand diese Geburt in Peru statt. Da wir noch keinen festen Wohnsitz haben, leben wir aktuell in einer Stadt in einem kleinen Haus zur Miete. Deshalb war es für mich sehr wichtig, dass diese Geburt leise vonstatten ging. Ich wollte verhindern, dass die Nachbarn oder der Vermieter aus Sorge den Krankenwaagen rufen, weil Hausgeburten in Peru mittlerweile ungern gesehen sind. Ich sprach in der Schwangerschaft zu meinem noch ungeborenen Kind und erzählte ihm von meinen Vorstellungen der Geburt. So wünschte ich mir eine schmerzarme und schnelle Geburt. Die Tage um den Geburtstermin herum wurde ich zunehmend ungeduldiger und nervöser. Ich wollte unseren Nachwuchs endlich in den Arm nehmen und nicht länger die immer größer werdende Bauchkugel vor mir her tragen. Einen Tag nach ET war es dann soweit. Um 6 Uhr Morgens erwachte ich mit leichten Unterleibsziehen, wie sie wohl viele Frauen von der Periode her kennen. Es stellte sich sofort eine innerliche Freude bei mir ein und der Gedanke: “Heute kommt unser zweites Kind zu Welt!“ Mein Mann Sebastian erwachte neben mir im Bett und ich strahlte ihn mit breiten Grinsen an. Nachdem er fragte was sei, sagte ich ihm, dass wir unseren für diesen Tag geplanten Ausflug nicht machen werden, da es heute soweit sei und unser Kind sich auf den Weg machen würde. Wir starteten also in den Tag. Alles ging seine alltägliche Routine. Wir frühstückten, kümmerten uns um unsere erstgeborene Tochter und erledigten Hausarbeiten. Die Wehen kamen und gingen, völlig schmerzlos aber mal stärker dann wieder schwächer. Zwischendurch dachte ich schon, sie haben aufgehört aber dann kam wieder eine und so verlief der ganze Vormittag. Zum späten Vormittag hin war ich mir zwischendurch auch nicht mehr sicher, ob das jetzt Geburtswehen sind oder nicht. Mein Unterbewusstsein wusste es, aber jetzt fing mein Ego an, dies in Frage zustellen. Bei der Geburt von Mia, da ging alles so gestaffelt … zack, zack und jetzt scheinen die Wehen zu kommen und zu gehen wie sie wollen. So entschied ich eine warme Dusche zu nehmen. In der Hoffnung danach Gewissheit zu haben, ob die Geburt jetzt beginnt oder nicht. Nachdem ich mich an dem Morgen bestimmt schon das fünfte Mal entleert hatte, stieg ich also unter die Dusche aber irgendwie blieb der gewünschte Effekt aus. Die Wehen waren nicht verschwunden aber auch nicht stärker oder gar mehr geworden. Etwas deprimiert nahm ich dies zu Kenntnis und empfing einfach jede Wehe so wie sie kam. Sei sie schwach und kurz oder länger und stärker. Gegen Mittag waren die Wehen immer noch unregelmäßig, dennoch empfand ich es mittlerweile als angenehmer, wenn ich die kommenden Wellen im Gehen empfangen konnte. Ich hatte bei weitem noch keine Schmerzen, aber sie waren deutlicher zu spüren und im Sitzen einfach unangenehm. So aß ich mein Mittagessen mit kleinen Laufpausen im Raum und freute mich mit jeder Wehe mehr auf die bevorstehende Geburt. Jetzt schien mein Verstand wieder mehr der Meinung gewesen zu sein, dass es wirklich los geht. Ich fing auch vermehrt damit an, dass ich mir mit jeder Welle mein Mantra sagte: „Ich bin weit und offen. Jede Wehe bringt mich näher zum Kind!“ Gegen 13 Uhr waren die Kontraktionen so stark, dass sie jetzt meine ganze Aufmerksamkeit verlangten. So kam es mir sehr gelegen, dass mein Mann mit Mia das Haus verließ, um draußen im Auto zu spielen (das macht unsere Tochter sehr gerne). Derweilen hatte ich mich meiner Kleidung erledigt, weil ich sie nicht mehr tragen wollte. Die Wellen wurden jetzt regelmäßig und sehr präsent. Ich empfand es immer noch am angenehmsten, diese im Laufen bzw. Stehen zu empfangen. In den Pausen saß ich auf dem Gymnastikball. Manchmal kam Sebastian ins Haus, um für unsere Tochter Essen oder Trinken zu holen. Ich empfand das manchmal als störend. Ich bin jemand, der in dieser Phase der Geburt völlige Konzentration braucht und ich mag dabei nicht gestört oder gar angefasst werden. Nachdem mein Mann mich das eine oder andere fragte und ich nicht mehr konkret darauf antworten konnte und wollte, merkte er wahrscheinlich auch, dass es jetzt nicht mehr lange dauern könne und machte die Kamera an. Wie es meinen Wünschen entsprach, war ich wieder alleine, bei mir und meinem Kind. Ich war ganz konzentriert, um jede Wehe anzunehmen und mich nicht dagegen zu wehren. Denn ich merkte, sobald ich das tat, war es viel schmerzvoller. Ich habe bis zu diesem Zeitpunkt nicht Schreien oder Tönen müssen. Das Einzige was ich machte um mit der Welle besser umgehen zu können war, dass ich die Luft zwischen meinen Lippen entweichen ließ. Dies reichte völlig aus. Dann ging alles sehr schnell. Ich stand noch in der Küche, um mich auf die kommende Wehe vorzubereiten und merkte plötzlich das ich einen Druck nach unten spürte. Jetzt wollte ich meine Geburtsposition einnehmen und so ging ich auf die vorbereitete Matte in den Vierfüßler, um dort die Kontraktionen empfangen zu können und dann war es soweit. Der Pressdrang setzte ein. Sofort rief ich nach meinem Mann. Schließlich wünschte ich mir so sehr, das er unser Kind diesmal auffangen möge. Das erste, was ich da aus mir drückte, war jedoch nicht das Kind, sondern die Fruchtblase, die mit einer kleinen Explosion wirklich platzte und eine kleine Sauerei auf dem Boden hinterließ. Das Fruchtwasser war grün, unsere Tochter hatte also Stress. Dies machte mir jedoch keine Sorge, da ich bereits Pressdrang hatte, würde sie ja jederzeit da sein und so folgte in den nächsten Wehen schon ihr Kopf, der sich nach unten drückte. Ich hatte das Gefühl, dass es zu schnell ging und so versuchte ich etwas zu Hecheln, damit ich mir mehr Zeit gab, um die Dehnung nicht zu schnell passieren lasse. Es dauerte dennoch nicht lange und der Kopf war geboren. Ich hörte sie bereits schreien. Ab da schien die Zeit für mich still zu stehen. Ich sagte meinem Mann, der bereits hinter mir hockte, dass ich auf die nächste Welle warten müsse, welche sich gefühlte drei Minuten Zeit lies, bis sie kam. Ich drückte mit und spürte deutlich die Schulterdrehung. Um 13:45 Uhr Ortszeit in Peru empfing der stolze Papa unsere zweite Tochter. Unsere ältere Tochter holten wir sofort ins Haus und zeigten ihr stolz ihre jüngere Schwester Enya Marie, die mit 2950g Gewicht und 34,5cm Kopfumfang zur Welt kam. Nach ungefähr 45 Minuten kam dann auch die Plazenta, welche ich auf Vollständigkeit überprüfte. Nach weiteren acht Stunden haben wir dann Enya abgenabelt. Ich bin so stolz, dass ich wieder eine so wundervolle Geburt erleben durfte. Eine Geburt, die alle meine Wünschen erfüllt hat. Sie war für mich schmerzarm und schnell. Kein Nachbar hat etwas mitbekommen. Des weiteren hat mein Mann unsere Tochter aufgefangen und als erster in Empfang genommen, genauso wie ich mir das vorgestellt habe. Ich habe nur einen kleinen Riss an einer inneren Schamlippe gehabt, welcher von alleine sehr gut verheilt ist. Bei einem weiteren Kind werde ich wieder diesen Weg gehen. Es fühlt sich für mich als das einzig Richtige an. Mein Mann ist ebenfalls sehr stolz auf mich und erzählte mir, dass es für ihn den Anschein erweckt hätte, als hätte ich das Kind mal ebenso nebenbei bekommen.

Hier der Link zum aktuellen Video:

Alleingeburt im Wasser beim 3. Kind

Die Mama im folgenden Bericht entscheidet sich nach zwei Klinikgeburten für eine Hausgeburt, begleitet nur von ihrem Partner.


„Die laufende Inhaltsanalyse für Geburtsberichte“ – so hat mich mein Freund in den letzten Schwangerschaftstagen scherzhaft genannt, wenn ich wieder einmal vor dem Notebook saß und gelesen habe. Ich weiß nicht, ob es diesen Bericht über eine Alleingeburt geben würde, wenn nicht so viele Frauen im Internet offen ihre Geburtserlebnisse geteilt hätten. Von daher ist es für mich selbstverständlich, dass ich nun auch meine Geschichte erzähle.
Meine ersten zwei Jungs sind beide in derselben Klinik zur Welt gekommen (2013 und 2015). Bei der ersten Geburt wurde ich von einer jungen, unsicheren Hebamme begleitet. Das hatte die üblichen Interventionen zur Folge: Einleitung nach unerkannten Blasenriss, Einlauf, vorgeschriebene Geburtsposition, Baustrahler (!), Wehenmittel für die Geburt der Placenta… Die Geburt war nicht traumatisierend, aber im Nachhinein ärgere ich mich doch sehr über die vielen Einmischungen, die die Geburt erschwert und ihr ein bisschen das Magische genommen haben. Die zweite Geburt war schon auf Grund meiner Erfahrung deutlich selbstbestimmter. Die Hebamme war viel entspannter und ist erst in der Pressphase richtig anwesend. Als ich dann mit Kind 3 schwanger war, las ich zum ersten Mal einen Geburtsbericht über eine Alleingeburt. Zuerst hielt ich Alleingeburten für fahrlässig und unverantwortlich. Aber dann begann ich zu lesen (Geburtsberichte, „Alleingeburt“ von Sarah Schmid, Fachartikel etc.) und hörte die nächsten 9 Monate nicht mehr auf. Am Ende habe ich mich für eine Alleingeburt entschieden, weil es bei uns im Umkreis von 90km keine Hebamme mehr für Hausgeburten gibt und die Klinik nicht die besser Alternative war. Die Gefahr unter der Geburt von einer Hebamme/Arzt begleitet zu werden, deren Eingriff in den natürlichen Geburtsverlauf das Risiko einer medizinischen Intervention erhöht hätte, wollte ich nicht riskieren. Ohne meinen Freund, der mich sofort unterstützt hat und mir die Alleingeburt ohne zu Zögern zutraute, hätte ich den Versuch allerdings nicht gewagt. Für mich passt der Name „Alleingeburt“ deshalb auch eigentlich nicht – ich war nicht alleine, mein Partner war immer bei mir – als Masseur, Stützte, Koch, Unterhalter oder Fotograf.


Aber nun zum eigentlich Teil: die Geburt. Am Abend zuvor lag ich, wie so oft in den letzten Tagen mit Übungswehen im Bett wach, dachte mir aber nicht viel dabei. Am nächsten Morgen brachten wir um 6 Uhr morgens die Kinder zu ihren Großeltern – mein Freund musste arbeiten und die Kinder sollten den Tag dort verbringen, damit ich nochmal etwas Ruhe hatte. Auf der 10 minütigen Fahrt hatte ich zwei sehr deutliche aber schmerzfreie Wehen. Als auf der Rückfahrt die Wehen weiterhin kamen, bat ihr meinen Freund, seine Termine am Morgen abzusagen. Durch die tagelangen Übungswehen war ich allerdings sehr unsicher, ob sich das Ganze nicht wieder als Fehlalarm herausstellen würde. Wir begannen deshalb den Tag mit einem langen Spaziergang in der Morgensonne. Dabei wurden die Wehen immer intensiver (wenn auch immer noch schmerzfrei). Wir entschieden uns also den Ofen im Geburtszimmer anzumachen und den Geburtspool mit Wasser zu füllen. Ich habe alle meine Kinder im Wasser bekommen und wollte auch zu Hause nicht auf den Luxus verzichten. Die Wärme entspannte mich auch sofort als ich in die Wanne stieg. Vielleicht entspannte sie mich auch etwas zu sehr, denn die nächsten 3 Stunden verbrachte ich mit Essen, Unterhalten und Film schauen im Wasser. Erst ganz langsam wurden die Wehen wieder intensiver, waren aber mit einer Massage des Steißbeins von meinem Freund immer noch sehr gut zu veratmen. Gegen 12 Uhr merkte ich, dass mein Kreislauf mit der vielen Wärme (Wasser und Ofen) langsam Probleme bekam. Zwischendurch versuchte ich immer wieder meinen Muttermund zu tasten – aber ganz ehrlich – so eine richtige Orientierung habe ich bis zum Schluss nicht gefunden. Schweren Herzens entschloss ich mich aus der Wanne zu steigen und veratmete einige Wehen im Türrahmen. Der Druck auf das Steißbein tat unheimlich gut. Doch dann wurde es plötzlich ziemlich schnell unangenehm. Niemand war da, der mir sagte, wie weit mein Muttermund ist, wie lange es noch dauert, ob ich alles richtig mache – die Antwort auf diese Fragen lagen alle bei mir. Ich konnte mich in den letzten Minuten der Eröffnungsphase nicht so sehr fallen lassen, wie bei den Klinikgeburten. Der Muttermund war (nach meinen Tastversuchen) noch nicht vollständig geöffnet und trotzdem waren die Wehen so heftig, dass meine Entspannungstechniken nicht mehr funktionierten. Es tat weh und ich wollte das es aufhört. Ich stand im Türrahmen und begann, mit den Wehen langsam und vorsichtig nach unten zu drücken. Es waren eindeutig noch keine Presswehen aber es fühlte sich gut an und machte die Schmerzen erträglicher. Da ich Angst hatte, bei vorzeitigen Pressen etwas „kaputt zu machen“, schob ich nur vorsichtig mit. Dieser Zustand dauerte ca. 10min und war durch die Verunsicherung und die Schmerzen die anstregenste Phase. Dann endlich platzte die Fruchtblase. „Jetzt beginnen gleich die richtigen Presswehen“, schoss es mir durch den Kopf und ich stieg schnell wieder in die Badewanne. Das warme Wasser entspannte mich augenblicklich und ich bereute es etwas, nicht früher wieder ins Wasser gegangen zu sein. Wie vermutet begannen nun die richtigen Presswehen. Die Umstellung des Körpers von Übergangs- zu Austreibungsphase war bei allen drei Geburten faszinierend. Es ist, als wäre der stechenden, atemraubende Schmerz plötzlich von einer Sekunde auf die andere verschwunden. Die Presswehen empfand ich auch diesmal als wenig bis gar nicht scherzhaft. Natürlich spürt man die Dehnung und das Brennen, wenn das Köpfchen sich nach vorne schiebt, aber es ist viel angenehmer, als die Übergangsphase kurz zuvor. Die Tatsache, dass ich nun endlich etwas aktiv „machen“ konnte, um die Geburt vorwärts zu bringen, nahm mir fast vollständig die Schmerzen. Bei den ersten beiden Geburten bin ich leider nie auf die Idee gekommen, den Austritt des Köpfchens mit der Hand zu begleiten. Nun hing ich im Vierfüßlerstand über den Rand der Wanne und tastete bei jeder Wehe. Es war ein unbeschreibliches Gefühl. Ich merkte, wie sich das Köpfchen vorwärts schob und wieder zurückzog. Ich tastete die Haare und die weiche Haut. In der Klinik mit angeleitetem Pressen war dieser Moment viel unbewusster. Das Kind wurde von jemand anders aus mir herausbegleitet (ich war nur für das Pressen zuständig). Nun war ich diejenige, die es begleitete. Als das Köpfchen zur Hälfte draußen war musste ich lachen vor Freude und Glück. Angst, dass etwas nicht stimmen könnte (Nabelschnur, Herztöne etc.) hatte ich keine mehr. Mit der nächsten Wehe war das Köpfchen geboren. Nun war aller Druck weg. Ich war einfach nur glücklich und in der relativ langen Wehenpause unterhielt ich mich mit meinem Freund. Ich fühlte das Köpfchen vom Baby und die kleinen Ohren und mein Freund erzählte mir, wie das knautschige Gesicht aussah. Dann kam die nächste Wehe, die Schulter drehte sich (ein tolles, unbeschreibliches Gefühl) und 15.03 Uhr war unser drittes Kind geboren. Ich hob es langsam aus dem Wasser und es schrie sofort los. Sehr rosig und fast gar nicht blau lag es nun endlich in meinen Armen. Geschafft. Endlich. Ich hatte mein Kind alleine zur Welt gebracht und war stolz und glücklich. Nach ein paar Minuten schauten wir auch nach, was es geworden war: ein Junge, der entgegen der Prognose des Frauenarztes kein zu kleines, untergewichtiges Baby war, sondern ganze 3850g wog. Leider ging uns im diesem Moment das warme Wasser aus und so musste mein Freund während ich noch selig in der Wanne lag (und mich weigerte raus zu kommen) mit dem Wasserkocher nachhelfen. Vor zwei Punkten hatte ich bei der Alleingeburt am meisten Angst: das Kind atmet nicht oder meine Blutungen sind zu stark. Im Wasser lies sich der Anteil vom Blut nur sehr schwer einschätzen. Nach kurzer Zeit war das ganze Wasser rot. Ich wollte dennoch für die Nachgeburt im Wasser bleiben. Trotz meiner Sorgen vorher, hatte ich plötzlich keine Bedenken mehr wegen der Blutmenge. Ich fühlte mich gut – kräftig und kaum erschöpft – das gab mir die Zuversicht, dass die Blutungen nicht so stark sein können. Nach 30min kam dann endlich die Plazenta. Jedenfalls ¾ davon. Sie blieb quasi auf dem Weg nach draußen stecken und so saß ich nun in der Badewanne mit der Plazenta zwischen den Beinen und wusste nicht so recht weiter. Davon hatte ich noch in keinem Geburtsbericht gelesen. Durfte ich den Rest herausziehen? Ich entschied mich dafür die nächste Wehe abzuwarten. So saß ich da eine viertel Stunde. Dann hatte ich keine Lust mehr. Wir trennten die Nabelschnur durch und mein Partner nahm mir das Baby ab. Ich hockte mich in der Wanne hin und zog sehr vorsichtig mit Pressen den Rest der Plazenta heraus. Dann stieg ich endlich aus dem Wasser und machte es mir auf dem Sofa bequem. Der kleine Jorin lag in meinem Arm und machte die ersten Trinkversuche. Niemand war da, der uns in diesen ersten intimen Momenten zu Dritt störte. Nach drei Stunden riefen wir die Hebamme an. Ich wollte gerne jemanden haben, der sich noch einmal die Plazenta anschaut und meine Gebärmutter abtastet. Natürlich wusste sie nichts von der Alleingeburt und da sie mich während der Schwangerschaft nicht begleitet hatte, war ich mich wegen ihrer Reaktion unsicher. Eine Hebamme, die mir einen Vortrag über Risiken und mein unverantwortliches Handeln gehalten hätte, hätte die ganze Atmosphäre zerstört. Aber ich hatte Glück. Die Hebamme schien sich sogar zu freuen und war völlig positiv eingestellt. Die Plazenta war in Ordnung und ich hatte keinerlei Geburtsverletzungen davon getragen.

„Kraftvoll, intensiv und wunderschön“ – Alleingeburt beim dritten Kind

Die Mama im folgenden Bericht bekommt ihr drittes Kind – daheim im Pool, unterstützt nur von ihrem Mann. Die Hebammen treffen zur Plazentageburt ein.

ET+4… wow – dass wir über den Termin gehen, hätte ich nicht für möglich gehalten, wo doch schon lange alles geburtsreif ist und ich immer wieder Wehen habe.

Etwas genervt und unentspannt lege ich mich also am späten Abend des 3.11. ins Bett, diesen Tag gedanklich schon abgehakt. Mein Mann neben mir schläft sofort ein. Ich liege noch etwas wach, verbinde mich mit meinem Baby, höre in mich hinein. Alles ist gut, so wie es ist. Beruhigt und deutlich entspannter schlafe ich ein. Dann werde ich wach. Huch, war das eine Wehe? Naja, kenne ich ja schon. Bevor ich die Augen schließe, schaue ich einmal auf die Uhr: 2:44. Ich bin kurz davor wegzunicken, da kommt die nächste Wehe. Autsch, das hat jetzt aber weh getan. Noch unsicher, ob es tatsächlich los geht, aber voll innerer Unruhe wecke ich meinen Mann. „Schatz, ich glaube es könnte soweit sein“. Wir stehen auf, gehen nach unten ins Wohnzimmer, ich friere furchtbar. Mein Mann stocht den Kachelofen an, ich setze mich auf die Ofenbank und wärme mich auf. Langsam lässt das Frösteln nach. Die nächste Wehe. Okay, ich glaube es geht los. Ich verspüre den Drang mich zu bewegen, schleiche wie eine Löwin umher. Ich glaube ich muss zur Toilette. Mein Darm entleert sich und ich bemerke Zeichnungsbluten. Jetzt bin ich mir sicher, dass das kein Fehlalarm ist. Ich erzähle meinem Mann davon, er bereitet alles vor: der Geburtspool steht schon, Wasser muss her. Meine Wehen veratme ich auf der Yogamatte, über dem Stuhl, über der Arbeitsplatte,… zwischendurch tigere ich durchs Haus. Kalt ist mir nicht mehr. Zwischen den Wehen scherzen mein Mann und ich, dabei denke ich: „Verdammt, ich hatte vergessen, wie weh das tut. “ Im Hintergrund läuft meine ausgesuchte Geburtsmusik: Regenwaldmelodien, Delfingesang, Meeresrauschen. Das Licht ist warm und beruhigend. Mein Mann läuft umher und holt dies und jenes – mach mich nicht nervös mit deinem Rumgerenne! Da rollt die nächste Welle heran, ich knie mich auf die Yogamatte, stütze mich auf die Couch, konzentriere mich auf meine Atmung und die Musik – knack – ok, das war die Fruchtblase. Mit der nächsten Wehe tröpfelt es aufs Handtuch. Wann ist dieser verdammte Pool endlich voll? – 20 Minuten braucht er mindestens noch. Na toll. Die Wellen rollen mit stärker werdender Kraft heran. Ich habe Mühe, ihnen Stand zu halten. Ich versuche, mich ihnen hinzugeben. Nach einer gefühlten Ewigkeit (wie spät ist es eigentlich?), darf ich ins wohltuende Wasser steigen. Erinnerungen meiner letzten Geburt kommen mir in den Sinn. Die Intensität nimmt zu. Meinem Mann sage ich, er solle sich nun endlich zu mir setzen. Er bringt mir ein Schälchen mit aufgeschnittener Orange zum dran riechen gegen meine Übelkeit. Das tut gut. Ein paar mal muss ich würgen, jedoch nicht erbrechen. Mein Mann streichelt meinen Rücken, lässt Wasser über mich plätschern, massiert mich, gibt mir Kraft, die ich nicht habe. Zweimal fühle ich nach unten – ist da schon ein Köpfchen? Nein. Mein Mann fragt mich, ob er nun die Hebamme rufen soll und ich bejahe. Dann kommen sie, die unbarmherzigen Wellen, mit einer gewaltigen Urkraft. Ich kann nicht mehr, ich schaff das nicht mehr lange. Ich sage meinem Mann, dass ich das Gefühl habe, zur Toilette zu müssen. Er fragt mich unsicher, ob er mir heraushelfen soll. Ich verneine. Unaufhörlich kreise ich während und zwischen den Wehen mein Becken, anders kann ich es kaum aushalten. Mit der nächsten Wehe verspüre ich den Drang zu pressen. Mein Mann hält mich, hält meine Hand. Ich spüre das Köpfchen, es möchte nun geboren werden. Ich bitte meinen Mann, mich ganz fest zu halten. Mach ich, mein Schatz. Mit der nächsten Wehe, die mich unheimlich viel Kraft kostet (Kraft? Wo nehme ich die her?), ist der Kopf geboren. Gleich geschafft! Ich atme auf. Mein Mann schaut und sagt ganz begeistert: „Die Haare sind ja dunkel!“. Ich sage „Könnte auch Kacka sein“. Er lacht und ich auch, denn ich weiß, gleich halte ich mein Baby im Arm. Die nächste Wehe lässt auf sich warten. Es brennt stark, ich sehne die Wehe herbei. Da ist sie! Und da – da ist mein Sohn. Ich fische ihn aus dem Wasser und lege ihn mir auf die Brust. Er weint nicht, hat die Augen geschlossen, und mein Gott, ist der hübsch. Mein Mann legt uns ein Handtuch über, ich rubble ihn ab, streichle ihn. Rosig wird er, und nach einer Weile schreit er zaghaft. Mein Mann und ich sind selig, so glücklich. Wie spät ist eigentlich? Mein Mann schaut auf die Uhr und schätzt die Geburtszeit: 5:01 klingt gut, nehmen wir ?. Plötzlich klopft es an der Jalousie, die Hebammen sind da. Mein Mann lässt sie hinein, empfängt sie mit „Er ist schon da!“. Sie begrüßen uns, lachen mit uns und bestaunen unser Baby. Kurz darauf gebäre ich die Plazenta. Als die Nabelschnur auspulsiert, nabelt mein Mann unseren Felice ab und ich steige aus dem Pool. Ich fühle mich gleichzeitig so fit und so erschöpft. Dann ruft plötzlich jemand von oben „Maaaamaaaa, Paaaapaaaa!“ Unser Sohn ist erwacht und kommt gemeinsam mit seiner Schwester nach unten, um den kleinen Bruder zu begrüßen. Ganz ehrfürchtig sind sie. Irgendwann, nach dem Standardprozedere wie die U1, verkrümeln wir uns ins Bett. Schlafen wollen unsere beiden größeren Kinder doch nicht mehr, also steht mein Mann mit ihnen auf. Ich bleibe mit Felice im Bett, möchte so gern schlafen, aber kann doch nicht. Immer wieder muss ich ihn betrachten. 3800g pures Glück. Diese Geburt war so kraftvoll, so intensiv, aber doch so wunderschön. Ich bin unendlich dankbar für dieses Erlebnis. ❤️

„Ich wollte ehrlich gesagt keine weitere Geburt“ – Heilsame Alleingeburt beim zweiten Kind

Die Mama im folgenden Bericht bekam ihr erstes Kind im Krankenhaus. Sie war mit dem Erlebnis nicht zufrieden und entschied sich beim zweiten Kind für eine Geburt in Eigenregie. 

Nachdem ich meinen ersten Sohn im Krankenhaus entbunden habe, wollte ich ehrlich gesagt keine weitere Geburt mehr erleben. Vor der Geburt meines Sohnes vor drei Jahren habe ich mich zwar mit Hypnobirthing und Alleingeburt befasst, aber die Alleingeburt habe ich etwas gescheut und das Hypnobirthing funktionierte während der Krankenhausgeburt nur bedingt. Ich kam bis zum Vorbereitungsraum und wurde dort dann von dem Krankenhauspersonal total bedrängt, weil ich nicht “nach ärztlichen Leitlinien“ entbinden wollte. Sprich, ich wollte nicht am CTG liegen oder einen Ultraschall machen, weshalb ich vom Personal massiv bedrängt und genötigt wurde, das doch zu tun. Ich war schon in der aktiven Geburtsphase und nach 2,5 Stunden kam mein Junge dann.
Das im Hinterkopf graute es mir vor einer erneuten Krankenhausgeburt. Einen Tag nach dem errechneten Entbindungstermin ging ich zur Kontrolle ins Krankenhaus. Festgestellt wurde, dass die Plazenta in Ordnung ist, ebenso das Fruchtwasser, Nabelschnur und Kindslage. Mit diesem Wissen ging ich ruhig nach Hause und machte keinen zusätzlichen Termin zum CTG. 7 Tage nach errechnetem Termin dachte ich, meine Kleine muss jetzt kommen und sie kam. Am Abend davor trank ich 1,5 l Himbeerblättertee. Ich ging schlafen, weil ich sehr müde war. Gegen Mitternacht wurde ich wach, weil ich aufs Klo musste. Mein Darm entleerte sich. Gegen 0.30 Uhr bekam ich leichte, periodenartige Schmerzen. Diese wurden immer stärker, ich lief herum, um sie zu verstärken. Als sie stärker wurden, veratmete ich sie über einem Pezziball und hörte dabei Hypnobirthing-Videos auf YouTube. Gegen 3 Uhr waren die Kontraktionen sehr stark. Ich hatte insgesamt drei Presswehen. Die erste schlug ich aus, in dem ich meinen Damm festhielt, weil ich Angst hatte der Kopf würde ihn mir sprengen. Bei der zweiten Presswehe ging ich in die Hocke ’squat‘ und der Kopf war da. Mit der dritten kam der Körper und ich fing die Kleine auf. Nach einem kurzen Verschnaufen ging ich zu meinem Mann und weckte ihn. Er kam zu mir ins Wohnzimmer und wir begrüßten die Kleine in Ruhe. Er wollte wissen, ob ich einen Notarzt brauche, aber das kam mir zu stressig vor.

 

Irgendwann nach circa einer Stunde kam die Plazenta in einem Schwung heraus und die Geburt war beendet. Wir nabelten die Kleine dann mit der Zeit ab, als wir wieder einen sauberen Zustand herstellen wollten. Die Schnur war längst auspulsiert und so schnitt mein Mann sie durch, nachdem er sie mit Zahnseide angebunden hatte.

Nachmittags, als alles dann entspannt war, ließ ich mich zur Kontrolle dann doch in die Klinik fahren, aber den Dammriss ersten Grades wollte der Arzt doch nicht nähen.

Insgesamt war diese Geburt eine schöne, heilsame Erfahrung. Meiner Kleinen geht’s super. Sie ist total ausgeglichen und das Stillen klappt diesmal auf Anhieb und ohne wunde Brustwarzen.

Vom Kaiserschnitt zur Hausgeburt

Eine Mama berichtete von den Geburten ihrer fünf Kinder. Fünf Geburten  die unterschiedlicher kaum sein könnten.
Ich bin 42 Jahre alt, mein Mann und ich haben bis jetzt 5 Kinder, wir leben im Südwesten Deutschland im ländlichen Raum. Ich finde an meiner Geschichte wird besonders deutlich wie schräg das Geburtshilfesystem in Deutschland mittlerweile ist und welche großartigen Auswirkungen das Vertrauen in die natürlichen Prozesse des Körpers, sowie Selbstbestimmung rund um Schwangerschaft und Geburt haben.

Im Mai 2018 stellte ich fest, dass meine Monatsblutung ausgefallen war und daraufhin per Test, dass ich schwanger bin! Schock, erst mal! Damit hatte ich nicht gerechnet. Wir haben vier Kinder und hatten eigentlich abgeschlossen. Meine Lebenspläne hatte ich für die nächsten Jahre schon in eine andere Richtung gemacht. Es hat ein paar Wochen gedauert, bis wir uns gedanklich gut darauf eingestellt hatten. In dieser Zeit reifte in mir gleichzeitig der Entschluss, die anstehenden Ereignisse als Chance zu sehen.

Meine erste Geburt 2006 war als Hausgeburt geplant gewesen. Irgendwie ahnte ich damals schon, dass es besser wäre, das Kind zu Hause zu bekommen. Allerdings war ich zu blauäugig an die Sache herangegangen. Ich hatte mich allein auf eine Hebamme verlassen und mir keinen Ersatz gesucht. Und ich verließ mich darauf, dass es schon irgendwie laufen wird. Die Informationen über Schwangerschaft und Geburt holte ich mir über zwei dicke Wälzer, deren Informationsgehalt dürftig war. Sobald es ans Eingemachte ging, erhielt man die Anweisung zum Arzt zu gehen. Keine Hintergrundinformation und alles sehr systemkonform (weiß ich jetzt). Wie problematisch dieses „Geburtshilfesystem“ ist und welche Informationen ich zusätzlich gebraucht hätte, um mich seinen negativen Kräften zu entziehen, war mir nicht klar. Es gab keine einzige aufklärende Stimme in meinem Umfeld. Für mich war klar: Kinder kriegen, das gab es schon immer und so viele Frauen haben das schon geschafft, also schaffe ich das auch. Mit dieser Haltung bin ich an alles in meinem Leben herangegangen und hatte damit Erfolg gehabt. Mit so vielen Fallen bei Schwangerschaft und Geburt hatte ich allerdings nicht gerechnet.

2006:

Die Hebamme war nicht verfügbar zu diesem Zeitpunkt (Blasensprung). Sie sagte mir, es täte ihr leid und ich solle in die Klinik gehen. Dort passierte folgendes: Kind stellte sich nicht ins Becken ein, Geburtsstillstand, Wehensturm, PDA, Kaiserschnitt. (dortige Hebamme war schon 24 h im Dienst, betreute 3 Frauen gleichzeitig) Und das bedeutete es für mich: Überfahren, extrem mies fremdbestimmt, Versagen, extreme Stillschwierigkeiten, keine Geburt

2008: Niemand erklärte sich bereit, nach einem Kaiserschnitt eine Hausgeburt zu begleiten. Also wieder Klinik. Kind stellte sich nicht ins Becken ein, ich übermäßig erschöpft, Geburtsstillstand, Wehensturm, PDA, Kiwi (kleiner Saugapparat) + Kristellern auf dem Rücken liegend um Kaiserschnitt zu vermeiden. Und das bedeutete es für mich: wieder keine Geburt, Dammriss, Scheidenrisse

2010: Wegen Hausgeburt gefragt, da sich bei Kind zwei gezeigt hatte, dass eine Vaginalgeburt möglich ist. (Augenrollen, „Was soll das, du immer mit deiner Hausgeburt!“), spät in Kreissaal gegangen, guter Geburtsfortschritt, plötzlich CTG schlecht, Panik, Aufruhr, dann mind. 10 Leute im Raum, 10 Sekunden vor Durchführung kurze Info, dass das Kind jetzt mit der Zange geholt wird. Schnell noch einen Pudendus-Block gesetzt, hat aber nicht gewirkt. Schmerz ohne Gleichen, Kind sofort weggenommen. Zustand des Kindes trotz dem „schlimmen“ CTG gut. Nach dem Nähen (natürlich alles gerissen) kurz das Kind gegeben, ich schnell angelegt. Dann wieder weggenommen, weil es angeblich die Temperatur nicht halten konnte (warum nicht auf meinem Bauch lassen?). Dann Ösophagusatresie festgestellt (unvollständige Speiseröhre). Ich bekam es nicht mehr zu Gesicht, bis in 3 Tagen auf der Intensiv in einer anderen Stadt, nach einer aufwendigen OP (danke, sonst wär sie nicht mehr da). 8 Tage sediert, mit Antibiotika vollgepumpt. Ich konnte nicht in der Klinik aufgenommen werden, nur als Begleitperson, wenn das Kind später dann auf Normalstation ist. Musste mich deshalb aus Entbindungsklinik selbst entlassen, trotz katastrophalem Zustand, um mein Kind überhaupt besuchen zu können. Konnte weder stehen noch gehen wegen hohen Blutverlusts. Keine Wochenbettbetreuung, weil ich ja mein Kind sehen wollte….  Milch abpumpen, 50 km fahren, mit dem Rollstuhl rein, bei ihr sein, wieder heim, Kopfschmerzen, abpumpen, schlafen usw.. Wenn ich mich um mich selbst gekümmert hätte, hätte sie keine Milch bekommen von mir (Magensonde) und ich hätte nicht bei ihr sein können. Später Kampf ums Stillen „Warum ich mir das antue, wäre doch viel einfacher mit der Flasche, und ob das jetzt überhaupt noch klappt“ lauteten die Entmutigungen.

Wieder keine Geburt, überfahren, simple organisatorische Mängel machen die Situation zur Hölle.

2013: Von der Hausgeburt will niemand etwas hören. 10 – 12 h Wehen, Erschöpfung macht sich breit, bekomme Flashback wegen der vorherigen Geburten und weine aus Verzweiflung. Hebamme reagiert sehr gut, fängt mich auf, gibt mir Raum und fragt was ich will. Ermutigt mich sehr, suchen fieberhaft einen Weg (Positionswechsel, Bewegung). Trotzdem Geburtsstillstand, PDA. In Seitenlage habe ich das Verlangen, mich mit den Füßen abzustützen und mit den Händen an etwas zu ziehen. In dem Moment geht es vorwärts. Leider dann doch in Rückenlage. Kristellern. Dammriss, Scheidenriss. Trotzdem ein Licht am Horizont. Sollte mein inneres Gefühl, meine Intuition doch in der Lage sein, den Geburtsverlauf richtig zu beeinflussen?

Ein bisschen Geburt

2019: Es ist noch Frühjahr 2018. Ich brüte über der Geburt. Meine Gedanken schweifen zu den Unterhaltungen, die wir mit Sarah und ihrem Mann hatten, Okt. 2013 und Sept 2017, als wir uns in einem anderen Zusammenhang kennengelernt und besucht hatten. Ich besorge mir das Buch Alleingeburt. Es setzt genau dort an, wo das Problem bei der heutigen Geburtshilfe liegt. Ich wage mich, alles zu hinterfragen worüber ich je Zweifel hatte. Ich gehe jeder Ungereimtheit auf den Grund und informiere mich weiter. Dann ergründe ich, was ich genau will für die bevorstehende Geburt, prüfe, wie realistisch es ist und komme zu dem Schluss, dass ich mich noch mal auf die Suche mache nach einer Hebamme, die eine Hausgeburt begleiten würde. Und wenn nicht, nehme ich mir vor, trotzdem zu Hause zu bleiben. Das größte Problem ist eigentlich nur noch, meinen Mann davon zu überzeugen! Er ist sehr ängstlich, und hält viel von ärztlicher Autorität.

Bei der Suche nach einer Hebamme im Internet finde ich ungewöhnlich schnell eine. Der Text auf Ihrer Webseite, der ihre Einstellung widerspiegelt, deckt sich ziemlich genau mit dem, was ich mir vorstelle. In unserem ersten Gespräch achte ich besonders darauf, dass ich nicht einfach nur alles laufen lasse, so wie Richtlinien es vorgeben, sondern reiße jedes Thema bewusst an und mache deutlich was ich will und was nicht. Das ist neu für mich und ungewohnt, ich muss mich regelrecht dazu zwingen, immer wieder scheinbar Selbstverständliches in Frage zu stellen (Theater um den ET, CTG, Muttermunduntersuchungen, Eingreifen nur nach vorherigem respektvollem Fragen, sich an Absprachen halten), jedoch reagiert sie entspannt und positiv darauf. Auch im weiteren Verlauf unserer Begegnungen tauchen immer wieder Fragen auf und wir klären Dinge ab, wie zum Beispiel, ob wir Vitamin K geben oder ob wir das Stoffwechselscreening machen wollen, wer das Kind zuerst in die Hand nimmt, nachdem es herausgekommen ist und so weiter. Ich bohre, bis ich alle ihre gesetzlichen und versicherungstechnischen Grenzen und Vorgaben ausgelotet habe.

Im gemeinsamen Gespräch mit meinem Mann wird diese Hebamme mir zu großen Hilfe, ihn für eine Hausgeburt zu überzeugen. Ihre Aussagen und ihre Zuversicht, dass eine Hausgeburt wirklich eine gute Sache und auch für uns geeignet ist, helfen ihm, sich auf meinen Plan einzulassen.

Unsere Kinder füttere ich schon während der ganzen Schwangerschaft mit Informationen über das Ungeborene und über die Geburt. Ich biete Ihnen nun auch an, bei der Geburt dabei zu sein. Das möchten sie auch alle sehr gern. Ich erkläre ihnen die Geburt mit einem Bild von einem Menschen der einen Berggipfel ersteigt. Anhand dieses Beispiels lassen sich gut Vorbereitung, Gefühle und Körperzustand während dieses Projekts erklären. Auch wie sich die Aussagen von anderen Menschen auf seine Seele und seine Leistungen auswirken. Da sie gerade im Sommer erst eine Bergwanderung gemacht haben, bei der sie auf fast 2000 m aufgestiegen sind, können Sie das alles gut nachvollziehen. Ich ziehe auch noch andere Vergleiche und beantworte alle Ihre Fragen. Immer stelle ich die Geburt als ein positives und ganz besonderes Ereignis dar.

Ca. eine Woche vor dem errechneten Geburtstermin bemerke ich abends um 10.00 Uhr eine dünne, leicht rosa Flüssigkeit in der Slipeinlage. Ob das nun etwas zu bedeuten hat? 2 Stunden später ist noch mehr von dieser Flüssigkeit abgegangen, anscheinend ein Blasensprung, und ich spüre die erste Wehe. In einer Vorahnung habe ich diese zwei Stunden schon damit verbracht, unser großes Bad in eine Art Wohnzimmer zu verwandeln und meinem Mann einen Plan zu schreiben, was er in den nächsten Stunden noch tun sollte. Im Bett liegen kann ich nicht mehr, die Wehen kommen etwa alle 10-15 Minuten. Deshalb richte ich mir einen Sessel her, so dass ich meine Füße hochlegen kann und meinen Kopf anlehnen. So verbringe ich die Wehen-Pausen schlafend oder dösend. Die Notwendigkeit, mit meinen Kräften hauszuhalten war eine wichtige Erkenntnis, die ich bei der Auswertung meiner vorherigen Geburten gewonnen habe. Währenddessen versuche ich auch, so viel wie möglich noch zu trinken. Denn ich weiß, dass es mir unter der Geburt übel wird und ich erbrechen muss. Da ist nicht mehr an Trinken oder gar Essen zu denken. Um 6:30 Uhr rufe ich die Hebamme an. Ihre Kollegin ist auch schon bei ihr. Sie kommen so gegen 8:00 Uhr bei uns an. Die Wehen sind noch einigermaßen erträglich und kommen ca. alle 5 Minuten. So gegen 9:30 Uhr werden die Wehen heftiger. Die Hebammen hatte ich gebeten, mich noch eine Weile in Ruhe zu lassen, was sie auch getan haben. Wir schauen so alle 30 Minuten nach den Herztönen. Ich bin einfach zu Hause! Wie schön! Die Kerzen flimmern, ich stehe im Mittelpunkt und alles was ich sage ist sehr wichtig, für jeden! Niemand ist patzig, beleidigt oder fordernd. Jeder ist sich bewusst, dass mein Körper jetzt die Ansagen macht und ich das mit meinem Mund übersetzen kann. Ich gehe in dieser heftigen Phase auch einmal in die Wanne. Das dauert aber nur etwa eine halbe Stunde. Wirklich entspannen tut es mich wenig und ich kann einfach schlechter eine gute Position für mich finden oder mich bewegen. Also geh ich wieder raus, verbringe eine Zeit auf dem Klo. Die Wehen werden gewaltiger und schmerzhafter. Ich bin sehr laut, lasse alles über meine Stimme raus. Wir erinnern uns an diese Haltung, bei der ich mich mit den Füßen abgestoßen und mit den Händen gezogen habe. Dabei habe ich die Lendenwirbelsäule nach außen gekrümmt. Vermutlich ist es eine Bewegung, die das Kind einfach besser durchlässt. Ich setze mich in die Hocke mit dem Rücken gegen die Badewanne, dann halte ich mich an einen Turnring, den mein Mann schnell angeschraubt hat, um daran zu ziehen. Es beginnt zu spannen in der Scheide. Nach zwei weiteren Wehen ist der Kopf da. Und nach weiteren zwei Wehen ist das ganze Kind geboren. Es liegt vor mir auf dem Boden und ich nehme es auf. Die Nabelschnur ist noch ein bisschen drumrum gewickelt, wir entwirren es und ich nehme das Kind an meine Brust. Geschafft! Unglaublich, aber es ist geschafft! Wir lachen und lächeln, alle sind berührt und begeistert. Das Kind verzieht das Gesicht, öffnet den Mund und atmet – eine leise Stimme, ein leises Schreien beginnt. Die Kinder kommen heran und schauen sich das Kind an und berühren es. Wir sehen nach, ob es ein Mädchen oder ein Junge ist. Ein Mädchen!  Ich bitte um ein Handtuch, um es etwas zuzudecken auf meiner Brust. Mein Mann, die Kinder und ich befühlen die pulsierende Nabelschnur. Ich hocke immer noch vor der Badewanne – wir warten auf die Plazenta. Ungefähr 30 Minuten nach dem Kind kommt sie dann rausgeflutscht. Auch ein Haufen Blut noch. Nachdem wir die Plazenta untersucht haben und festgestellt dass sie vollständig ist, befördern wir sie in einen Eimer und wiegen noch die Vorlagen mit dem Blut, um festzustellen, wie viel Blut ich verloren habe. Danach nabeln wir gemütlich ab und irgend jemand holt mir meine Bettdecke. So wandern wir rüber auf die Couch. Dort verbringe ich mit unserer frisch geborenen Tochter den Rest des Tages. Die Hebammen bleiben noch ein bisschen, unsere Große hat Pfannkuchen gemacht. Dann fahren sie. Abends kommen Sie noch mal bei uns vorbei. Ich grinse für den Rest des Tages.

Es ging mir noch nie so gut nach der Geburt. Keine Geburtsverletzungen, keine Hormongaben, keine Drogen. Ich hatte im Vorfeld meinen Mann gebeten die ersten Tage Kinder und Haushalt zu übernehmen und keine Besuche zuzulassen. Auch den Kindern habe ich klar gemacht niemanden reinzulassen, weder Kinder noch Erwachsene. Sie waren selbst so begeistert und verzaubert, dass es gar nicht erst zu derartigen Herausforderungen kam. Mein Körper und meine Seele sind bei weitem nicht so durcheinander wie sie es sonst nach den Geburten waren.

Ob es sich lohnt, selbstverantwortlich an Schwangerschaft und Geburt heranzugehen, alles kritisch zu hinterfragen, der eigenen Intuition, dem eigenen Körper zu vertrauen? Ob es sich lohnt den (anstrengenderen) eigenen Weg zu suchen, anstatt die ausgetretenen Pfade der derzeitigen Schwangerenvorsorge und Geburtshilfe entlang zu gehen?

Die „großen“ Ereignisse des Lebens wie beispielsweise Einschulung, Schulabschluss, Eintritt in die Arbeitswelt, Studienabschluss, Partner finden/Ehe, Partnerwechsel, berufliche Selbständigkeit, Renteneintritt, Tod eines nahen Angehörigen, schwere Krankheit – ihnen wird in großen Teilen der Gesellschaft viel Gewicht beigemessen. Meiner persönlichen Einschätzung nach wesentlich mehr als einer Geburt. Insbesondere für das Erleben der Mutter gibt es so gut wie keine Beachtung. Der Fokus liegt auf dem Kind. Meistens hinsichtlich der Verantwortung der Eltern, der finanziellen Mehrbelastung, des Zeitaufwands oder der optimalen Förderung.

Die Geburt als eines der großen Ereignisse des Lebens einer Frau zu betrachten UND als den nicht wiederholbaren Start ins Leben für das Kind, wäre meines Erachtens die bessere Sichtweise.

„Mir ist nun bewusst, dass ich mein Leben in der Hand habe“ – Alleingeburt nach Kaiserschnitt

Die Mama im folgenden Bericht machte bei ihrer ersten Geburt alles standardmäßig an Vorsorge und Geburt mit. Das Ende wurde eine eingeleitete Geburt, die im Kaiserschnitt endete. Beim zweiten Kind war ihr klar, dass sie dieses Erlebnis nicht wiederholen wollte …

Als ich schwanger wurde mit meinem zweiten Kind, war bei mir klar, dass ich anders gebären muss als beim ersten Mal. Das erste Mal war schrecklich. Schon die Schwangerschaftskontrollen waren für mich immer mit Angst verbunden und ich habe mich als Person nie gesehen gefühlt. Mir kam es so vor, als würde mein Körper untersucht werden, aber ich selbst nie dazu gefragt. Aber ich habe das alles so mitgemacht, weil ich dachte, dass das so ist. Und vielleicht war ich auch zu bequem, mich weiter zu informieren oder dafür zu sorgen, dass mir wirklich wohl ist. Als der Geburtstermin verstrich, habe ich bis zuletzt vertraut, dass alles gut kommt. Nach 14 Tagen wurde mir gesagt, dass nun eingeleitet werden müsse. Ich habe zugestimmt. Nach einer „erfolgreichen“ Eröffnungsphase, trat dann ein sogenannter Geburtsstillstand ein, und nach ein paar Versuchen mit abwechselnd Wehenstoppern und Wehenmitteln wurde letztendlich ein Kaiserschnitt durchgeführt. Das Wochenbett im Krankenhaus war dann auch nicht gut.
Jedenfalls war mir klar, als ich das zweite Mal schwanger wurde, dass das anders gehen muss. Ich selbst wurde von meiner Mutter ohne Anwesenheit eines Arztes oder Hebamme in einem Warmwasserbassin unter freiem Himmel in Kalifornien geboren. Das schien mir unerreichbar, aber ich bin unendlich dankbar, da ich glaube, dass meine Mutter mir mit dieser Geburt das tiefe Vertrauen und Wissen in den weiblichen Körper mitgegeben hat.
In der Bibliothek habe ich verschiedene Bücher zu Geburt und Schwangerschaft mitgenommen. Zu Hause habe ich in den Büchern geblättert und ich weiss noch genau, wie ich auf dem Bett lag mit dem Buch „Alleingeburt“ von Sarah Schmid und beim Lesen der Geburtsberichte der Frauen weinen musste. Ich habe geweint, weil es mich so unendlich traurig gemacht hat, wie meine erste Geburt abgelaufen ist. Ich habe geweint, weil ich die Alleingeburten so wunderschön fand. Und ich habe geweint, weil ich so sehr auch so eine Geburt haben wollte. Ich wollte auch selbstbestimmt gebären. Ich wollte auch, dass es der schönste Moment, das wunderschönste wird in meinem Leben. Und gleichzeitig hatte ich so sehr Angst, dass es wieder so wird wie letztes Mal.
Mir ist wichtig zu sagen, dass ich in diesem Moment (noch sehr am Anfang der Schwangerschaft) NICHT beschlossen habe alleine zu gebären. Im Gegenteil. Ich habe mir das überhaupt nicht zugetraut. Ich habe mich eher als mega schwach gesehen. Deswegen bin ich zuerst zu verschieden Krankenhäusern, Geburtshäusern, Hebammen für Hausgeburten. Es war ein Marathon. Und nirgends habe ich mich wohl gefühlt. Alle waren immer nett, aber ich habe niemandem mehr vertraut und ich hatte immer das Gefühl, dass mir zu sehr reingeredet wird. Mich hat selbst bei den Hausgeburtshebammen gestört, dass sie mich nicht entscheiden haben lassen, welche Voruntersuchungen gemacht werden. Letztendlich habe ich erst Frieden und Ruhe gefunden (und das war dann erst am Ende der Schwangerschaft), als ich mir eingestanden habe, dass ich zu Hause gebären will und alleine. Dass ich mich nur so sicher fühle, dass ich gut auf meinen Körper hören kann und dass ich mich nicht aus dem Konzept bringen lasse von anderen Menschen.
Wir wohnen 10 Minuten entfernt von einem Krankenhaus und ich war angemeldet in einem mir sympathischeren Krankenhaus weiter weg. Kommuniziert habe ich gegenüber anderen, dass ich zu Hause bleibe solange wie ich mich wohl fühle und dass ich mir zutraue, rechtzeitig zu spüren, wenn etwas nicht stimmt.
Während der Schwangerschaft habe ich ausserdem ALLE Literaturempfehlungen von Sarah Schmid und noch weitere Bücher über das Gebären gelesen. Nicht nur gelesen sondern wirklich durchgearbeitet, mir Notizen gemacht, diese auf Karteikarten geschrieben, mit meinem Mann besprochen, auswendiggelernt. Das war hart aber wichtig für mich. Ich wollte mir wirklich sicher sein, dass mir nicht im letzten Augenblick etwas einfällt, irgendeine mögliche Komplikation, auf die ich keine Antwort weiss und die mir dann Angst macht.
Je mehr ich gelesen habe, desto sicherer wurde ich, dass für mich (für alle Frauen?) es absolut wichtig war, dass ich mir selbst vertraut habe, meinem Körper und meinem Baby, dass eigentlich mir niemand diese Geburt abnehmen konnte und dass es normalerweise auch gar kein Problem ist. Gegen Ende der Schwangerschaft, habe ich dann aufgehört über Komplikationen zu Lesen. Ich hatte die auch wirklich alle durch, da war ich mir total sicher. Und habe mich dann konzentriert auf positive Affirmationen, mit dem Baby reden, es mir gut gehen lassen.

Die Schwangerschaft verlief komplikationslos, alle Test waren super und ich 2 Wochen vor Geburtstermin inzwischen im Frieden mit dem Plan zu Hause zu bleiben, solange wie ich mich wohlfühle. Ich weiss gar nicht, ob ich wirklich geglaubt habe, dass ich dann wirklich alleine zu Hause gebäre. Ich glaube es war eher so, dass ich darauf gehofft habe, aber dass ich immer noch nicht gewagt habe, das wirklich zu wünschen.

Zwei Wochen vor Geburtstermin bin ich um Mitternacht aufgewacht mit ein bisschen Ziehen im Bauch. Ich habe mich gefragt, ob das jetzt Wehen sind, da ich ja durch das Einleiten der ersten Geburt nicht wusste, wie es sich anfühlt, wenn es losgeht. Ich bin ins Bad. Meine Große und mein Mann schliefen weiter. Es war eine heiße Sommernacht, die kürzeste im Jahr, ich habe die Fenster weit aufgemacht und auf der Strasse die lachenden jungen Leute beobachtet, die auf dem Weg in die Nacht oder vielleicht schon auf dem Heimweg waren. Es war eine tolle Stimmung. Und dann ging es ganz schnell. Die Wehen waren voll da. Ich habe mich mit beiden Händen am Waschbecken festgehalten und jede Wehe wie eine Welle über mich kommen lassen. Es war krass, aber gut. Wenn ich gut geatmet habe, richtig mitgemacht habe, mich nicht dagegen gewehrt habe, dann war es gut. Zwischen den Wehen habe ich aus dem Fenster geschaut in die wunderschöne Neumondnacht, meine Haare kühl abgeduscht.
Nach zwei Stunden war Pause. Ich habe meinen Mann geweckt. Eigentlich mehr aus Pflichtbewusstsein. Ich wollte nicht, dass er nachher sauer ist, wenn er alles verpasst!
Er war ganz aufgeregt, ich habe ihm gesagt, dass er das Auto und meine Tasche bereitmachen soll. Dann gingen bei mir die Wehen wieder los. Mein Mann kam immer wieder mal ins Bad und hat gefragt, ob ich etwas brauche. Das war gut, aber ich wollte einfach alleine sein.
Das waren dann auch schon die Presswehen. Nach insgesamt 4 Stunden kam das Köpfchen. Ich habe meinen Mann gerufen und er hat das Baby empfangen. Das Baby war sofort fit, hat geschnauft und war gar nicht blau. Davor hatte ich im Vorfeld Angst.
Wir sind mit unserem kleinen Baby ins Schlafzimmer. In dem Moment ist die Große (2 ½ Jahre alt) aufgewacht und wir haben ihr gesagt „Das Baby ist da!“ Sie hat Augen gemacht!!!
Dann haben wir das erste Mal uns Sorgen gemacht. Die Plazenta ist nämlich nicht grad sofort hinterhergekommen. Mein Mann hat im Krankenhaus angerufen und dort hieß es dann, wenn sie nicht innerhalb so und so lang kommt, dann muss ein Krankenwagen kommen … Also Stress gemacht, dabei war seit der Geburt gerade einmal eine halbe Stunde vergangen. Ursprünglich wollte ich, dass die Nabelschnur dranbleibt, bis das Baby richtig getrunken hat, aber ich hatte dann das Bedürfnis mich frei zu bewegen um nochmal alles zu geben, um die Plazenta zu gebären. Was dann auch geklappt hat. 40 Minuten nach der Geburt, also völlig im Rahmen.

Ich hatte vor der Geburt unseren Kinderarzt gefragt, ob er im Falle, dass alles sehr schnell gehen würde, und ich zu Hause gebären würde, ob er die Erstuntersuchung vom Baby machen könnte. Somit war das auch geregelt und wir konnten uns die anstrengende Reise ins Krankenhaus sparen. Die Kinderarztpraxis ist nämlich ein paar Straßen weiter von unserer Wohnung.

Das Wochenbett zu Hause war schön, aber auch mit allen Hoch und Tiefs. Ich muss zugeben, dass ich immer gedacht habe, dass die erste schlimme Geburt Schuld war an dem schwierigen Wochenbett. Aber jetzt nach dieser perfekten Geburt, war das Wochenbett auch krass. Ich glaube vielleicht sogar gerade weil ich alleine geboren habe und nun die enorme Anspannung gewichen ist und mir vielleicht auch erst im Nachhinein bewusst geworden ist, dass ich wirklich die ganze Verantwortung auf mich genommen habe.

Dieses Erlebnis, meine Ängste zu überwinden und diese innere Stärke in mir zu finden, hat mich zutiefst verändert. Ich bin zwar immer noch ich und habe immer noch Ängste und Selbstzweifel, aber immer wenn ich nicht mehr weiter weiß, erinnere ich mich an die Geburt und vor allem auch an die Zeit davor. Mir ist nun bewusst, dass ich mein Leben in der Hand habe und dass ich die Verantwortung dafür trage, während ich vorher mich einfach habe treiben lassen.