Geplante Alleingeburt bei 35+6

Die Mama im folgenden Bericht bekommt ihr drittes Kind. Bereits ihre ersten beiden kamen recht früh auf die Welt. Auch dieses kündigt sich früh an. Diesmal soll das aber kein Hindernis für eine ungestörte Geburt zu Hause sein.                                                                                                                       Im zweiten Teil des Berichts berichtet sie außerdem von dem 24-stündigen Krankenhausaufenthalt, der aufgrund von Anpassungsstörungen nach der Geburt nötig war. Wer keine Trigger lesen möchte, hört an der entsprechenden Stelle – ist deutlich gekennzeichnet – bitte auf zu lesen.                                                                                                        Vielen Dank an dieser Stelle an die Berichtschreiberin, dass ich diesen Bericht hier teilen darf. 🙂

So nach über 10 Wochen schreibe ich mal unsere Geburtsreise auf.
Es hat am Montag den 25.6.2018 angefangen (35+5 SSW).
Ich war mit meiner Zweieinhalbjährigen mittags im Baumarkt, um einen Schlauch für den Pool zu kaufen. An der Kasse hat sie zwei Luftballons geschenkt bekommen. Am Auto habe ich, wie versprochen einen aufgeblasen. Dabei dachte ich, etwas eingepullert zu haben.
Zu Hause angekommen, ca 13 Uhr, ging etwas mehr Wasser ab. Im Auto dachte ich noch, dass es ja der Knaller wäre, wenn es jetzt losginge. Als hätte das Baby gewartet, bis alles Notwendige angeschafft wäre. Ja, der Schlauch hat noch gefehlt. Jetzt war er da und es ist tatsächlich meine Blase gesprungen. Bei den beiden Großen hat es ebenfalls so angefangen (36+3 und 36+0).
Ich habe dann meinen Mann angerufen und ihn gebeten, sich auf den Weg zu machen, da hier noch nichts und absolut noch gar nichts vorbereitet war.
Danach habe ich den Großen 7Jährigen von der Schule abgeholt.
Ich war erstaunlich gelassen. Es war irgendwie „normal“ und aufregend zugleich. Zu Hause angekommen haben die Kinder gespielt und ich habe gefühlt einen Frühjahrsputz im Wohnzimmer gemacht. Meine Gebärmutter hat hin und wieder mal etwas Aktivität gezeigt und ich habe geputzt, vorbereitet und noch mehr geputzt. Da war er also, der Nestbautrieb. 😉
Mein Mann kam gegen 14 Uhr und er fing gleich an, den Esstisch abzubauen, um Platz für den Geburtspool zu machen. Innerlich habe ich mit meiner zweiten Geburt verglichen. Meine Tochter war acht Stunden nach Blasensprung da. Ich wollte gern alles bis dahin fertig haben. 🙂
15,30 Uhr war alles bereit für die Ankunft von unserem Überraschungsei. Mein Mann ist mit den Kids zum Spielplatz und ich habe noch bis 18 Uhr geschlafen. Meine Gebärmutter wurde etwas aktiver. Es waren gaaaaaanz leichte Mini-Wellen im Abstand von 3-5 Minuten.
Wir haben um 20 Uhr alle zusammen Abendbrot gegessen und danach die Kids bettfertig gemacht. Ich habe meine Tochter in den Schlaf gestillt, was die Aktivität meiner Gebärmutter ordentlich angekurbelt hat. Die Wehen waren alle 2 Minuten. Ich habe gezeichnet und freue mich, dass alles so gut voran geht. Innerlich habe ich mich darauf eingestellt, dass das Baby darauf wartet, bis die Kinder schlafen, um dann in Ruhe zu kommen. Es hat sich so angefühlt.
Mein Mann hat dann den Pool mit Wasser gefüllt. Wir haben noch ein paar letzte Bauchbilder gemacht. Ich habe Kerzen angemacht. Es war eine schöne und entspannte Stimmung. Gegen 23 Uhr bin ich dann in den Pool, um da festzustellen, dass die Wehen schwächer wurden und die Abstände länger …. also wieder raus. Es war dabei geblieben. Somit versuchte ich nochmal zu schlafen. Die Wellen waren mir im Liegen unangenehm.
Ich verbrachte die nächsten Stunden damit, zwischen den Wellen zu dösen und die Wellen im Vierfüßler zu verkreiseln.
Um 7 Uhr wird meine Tochter wach und stillt ganz eifrig. Meine Gebärmutter nimmt sofort ihren Job in Angriff und wellt was das Zeug hält. Ich töne mit und habe auch keinen Bedarf mehr Abstände zu messen. Ich weiß, jetzt geht’s los.
Mein Mann wird, umso lauter ich die Wellen vertöne, umso schneller dabei, den Pool wieder warm zu kriegen. Er lässt erst Wasser ablaufen und dann kippt er heiß aufgekochtes Wasser nach. Leider ist da der improvisierte Adapter vom Hahn abgefallen und er hatte ein paar Wege mehr mit den Eimern und dem Wasserkocher.
Die Kinder waren wach und total erfreut über den nun endlich mit Wasser befüllen Pool und sind rein gehüpft und haben Spaß gehabt.
8 Uhr: Ich bin dazu. Nun ja, es war nicht so romantisch, wie ich es mir mit den Kindern im Pool beim Gebären vorgestellt habe.
Bei den Wellen haben sie mich richtig gestört. Die beiden haben es gut gemeint und wollten mich trösten. Ich konnte es in dem Moment überhaupt nicht gebrauchen und schließlich wurden sie mit dem Lap Top und YouTube ins Schlafzimmer verfrachtet. Ich tönte und versuchte meine Affirmationen zu fokussieren.
Ab 9 Uhr wurde es intensiv und aus meinen Tönen wurde ein Brüllen. Ich war soooo laut. Richtig laut. Es ging mir wunderbar dabei. Mein ganzer Körper hat gearbeitet. Ich habe jeden Muskel gespürt und unser Baby, wie es sich nach unten schiebt. Wieder habe ich mit der Geburt meiner Tochter verglichen, die in dem Stadium nach 10 Minuten geboren war … nun ja … den Gedanken hatte ich dann ein paar mal. Zwischendurch habe ich mal unten gefühlt. Da ich aber noch nie mich unten mal gefühlt habe während einer Geburt, hatte ich gar keine Ahnung was ich da spüre. In dem Moment war es für mich kein Kopf. Ich bekam etwas Panik und dachte nur: Was ist das denn jetzt? Da war so eine Kante zu spüren. Ich konnte das gar nicht einordnen. Ich habe das meinem Mann mitgeteilt, der etwas hilflos mich angeschaut hat und mich gefragt hat, was wir jetzt machen sollen? Ich meinte darauf hin nur: „Das Kind jetzt bekommen.“ Im Nachhinein waren das die Schädelplatten, die ich gespürt habe, die sich übereinander geschoben haben. In dem Moment war ich nicht in der Lage so weit zu denken.
Die Welle danach habe ich den Ring of Fire gespürt und meinte nur: „Jetzt kommt das Baby“
Mit einer weiteren Welle kam das Köpfchen und der Körper hinterher. Ich habe mein Baby in Empfang genommen und auf meine Brust gelegt. Mein Mann hat mir ein Handtuch gereicht und dann die Kinder geholt. Wir haben dann geschaut. Ein Junge. Ein kleiner süßer Junge, der uns kräftig begrüßte und gar nicht aufhören wollte seine ersten Schrei zu beenden. Wir haben noch kurze Zeit im Pool verbracht und bevor wir auf die Couch übersiedelten. Ich habe nochmal gepresst und die Plazenta geboren, die mit den Eihäuten noch an mir festgehalten hat. Ich hatte ein Säckchen Plazenta zwischen den Beinen und dachte nur: „Scheiße, was ist das denn jetzt?“ Irgendwie bin ich mit Baby und Plazenta zwischen meinen Beinen auf der Couch angekommen und wir haben erstmal ausgiebig gekuschelt. Der kleine Mann hatte sich auch beruhigt und neugierig seine Umwelt betrachtet. Mit seinen großen Augen schaute er hin und her und fing dann auch an die Brust zu suchen. Auf Anhieb hat das erste Andocken gut geklappt und wir waren alle in Love.
In der Zwischenzeit hatten wir unserer Hebamme Bescheid gegeben, dass die Plazenta irgendwie nicht loslassen will. Sie wollte bald vorbei schauen.
Wir lagen erstmal nur da und haben gekuschelt. Es war wunderschön. Im Gedanken habe ich mich bei meiner Plazenta bedankt für ihre gute Arbeit, für die tolle Schwangerschaft und dass sie gerne loslassen kann. Tatsächlich hatten sich die Eihäute von mir gelöst und ich habe auch ganz normal geblutet. Wow, wir haben es geschafft. Die Geburt, die Nachgeburt, alles lief wunderbar. Unser perfektes Baby im Arm.

Trigger -> Anpassungstörungen mit Krankenhausaufenthalt

Und dann fing der Kleine auf einmal an merkwürdig zu atmen. So angestrengt. Als würde er Verstopfungen haben. Ich habe mir erst nichts dabei gedacht und wir sind ins Schlafzimmer und murmelten uns ins Bettchen.
Es stöhnte in einer Tour und so langsam machte es mir Sorgen. Mir kam der Gedanke, dass er Probleme mit seiner Atmung haben könnte. In dem Moment beobachtete ich, wie seine Stirn langsam anfing blau zu werden.
In diesem Moment klingelte es an der Tür. Meine Hebamme.
Sie kam mit ihrer Praktikantin und hörte nur seine Atmung und sagte sofort: „Der hört sich nicht gut an.“ Sie schickte ihre Praktikantin runter zum Auto, um ihr Sauerstoffsättigungsgerät zu holen. 92%. Zu wenig. Es ging dem Kleinen schlecht und er musste ins Krankenhaus. Innerlich brach eine Welt für mich zusammen. Auch nach über 10 Wochen kommen mir noch Tränen jetzt beim Schreiben.
Ich packte schnell die wichtigsten Sachen zusammen und funktionierte. Unser Sohn wurde gewogen und vermessen (2730g , 49 cm lang und 32 cm KU). Er war unterkühlt (35,8 Grad ) und wir zogen ihn schnell ganz warm an und riefen die Feuerwehr. Meine Tochter bekam die Schwingungen mit und drehte völlig am Rad. Meine Hebamme füllte schnell die Papiere aus und dann klingelte es schon.
Die Fahrt war eine Katastrophe. Die Fragen von den Feuerwehrmännern und mein kleines, hilfloses, stöhnendes Baby im Arm. Auf einmal kein Stöhnen mehr. Das waren die schlimmsten zwei Sekunden meines Lebens. Auf einmal stöhnte er weiter. In dem Moment wäre ich schon zusammen geklappt, hätte ich nicht funktionieren müssen.
Im Krankenhaus angekommen bringen mich meine fünf Bodyguards auf die Station. Ich bedanke mich und verabschiede mich.
Dort soll ich untersucht werden. Ich frage mich, warum? Mir geht’s gut. Mein Sohn braucht Sauerstoff. Sie bringen uns in einem Raum. Ich lege den Kleinen ab, lege meine Tasche zu Seite und werde mit Fragen bombardiert. Der Arzt kommt und nimmt meinen Sohn mit. Ich nehme meine Tasche und laufe hinterher. Auf die Frage, wo er hingebracht wird, kommt: „Er wird untersucht.“
Ich klebe dem Arzt wie eine Klette am Arsch und weiche nicht von meinem Sohn. Angekommen im kleinsten Schockraum der Welt, bittet mich der Arzt raus. Ich lehne ab. Er fängt an zu diskutieren. Ich weigere mich. Es kommt eine Schwester mit einem Stuhl. Sie sagt zum Arzt, dass es noch weitere Patienten gäbe und es keine Zeit zum Diskutieren gibt. Sie reicht mir den Stuhl mit den Worten: „Sie haben doch gerade entbunden, setzen sie sich lieber.“ Ach ja, stimmt ja. Ich habe erst vor drei Stunden entbunden. Das fühlte sich so weit weg an. Mein Zuhause, unser Wochenbett …
Der Kinderarzt fügte sich und begann mir alles zu erklären, was er jetzt macht und warum und was passiert.
Der erste Griff ging zur Nabelklemme. Ich habe ihn abgehalten und eindringlich klar gemacht, dass nicht abgeklemmt wird. Skandal. Zum 1. Mal in diesem Krankenhaus war eine Lotusgeburt auf Station. Ich war wohl das Gesprächsthema Nr. 1 auf der Station.
Der Arzt respektierte meinen Wunsch. Unter der Wärmelampe ging es unserem Sohn gleich besser. Seine Sauerstoffsättigung stieg. Jedoch strengte ihn das Atmen sehr an.
Mein großer Sohn hatte das nach der Geburt auch, nur hatte es sich anders angehört. Der Große kam für eine Stunde in so einen Brutkasten mit zusätzlichem Sauerstoff und dann war gut. Ich dachte, dass wird jetzt hier auch so gemacht.
Der Arzt war wirklich sehr geduldig mit mir und erklärte mir, dass unser Sohn eine Nasenmaske braucht, die Sauerstoff in seinen Körper drückt, so dass er fürs Atmen keine Kraft braucht und er sich so stabilisieren kann. Zudem brauchte er noch eine Magensonde, weil dadurch auch Luft in den Bauch gedrückt wird und durch die Sonde die Luft entweichen kann. Es war so schlimm für mich zu sehen, wie immer ein weiterer Schlauch und ein weiteres Kabel an ihn angebracht wurde. Die Zeit im Schockraum kam mir ewig vor. Mir war gleichzeitig heiß und kalt und schwindelig und alles war zu viel. Wir mussten stationär aufgenommen werden. Auf die Neo-Intensiv. Unser Glück war die Lotusgeburt. Wegen der „Keimschleuder“ durfte unser Sohn nicht zu den anderen auf die Intensiv und somit wurde für uns extra ein Zimmer eingerichtet, damit ich mit aufgenommen werden kann, um mich um die Plazenta zu kümmern. Unser Glück. Sonst wäre ich nur ein Besucher. Auf dem Zimmer angekommen, wurde unserem Sohn noch ein Zugang gelegt, da er eine Glucoselösung intravenös erhalten sollte.
Ich wollte nur kuscheln. Was wir bis zur Entlassung dann auch gemacht haben. Mir wurde empfohlen zuzufüttern, da das Stillen mit Magensonde im Mund schwer wäre. Mein Kleiner hat es geschafft. Er war so tapfer. Ich habe so viel geweint. Mich tröstete der Gedanke, dass wenn alles gut läuft, wir einen Tag später nach Hause können.
Nach fünf Stunden hatte er sich so gut stabilisiert, dass er keinen zusätzlichen Sauerstoff mehr brauchte und die Magensonde somit auch raus konnte. Jetzt konnte ich wieder sein ganzes Gesichtchen sehen. Mir fiel es schwer das Geschehene anzunehmen. Das war also unsere Geburtsreise und der Start vom Wochenbett? Ja … das war unser Weg. Die Nacht ging vorüber und seine Werte waren vorbildlich. Er hatte paar mal gestillt und ich konnte die Visite nicht abwarten. Ein letztes Warten auf Blutergebnisse. Keine erhöhten Entzündungswerte. Wir können gehen. Exakt 24 Stunden waren wir im Krankenhaus. Mein Mann hat uns mit den Kindern abgeholt. Wir konnten nach Hause und da weitermachen wo wir aufgehört haben. Zu Hause ankommen und kuscheln.
Meine Hebamme fragte mich, ob ich mich nochmal für eine freie Geburt entscheiden würde. Nach längerem Überlegen hätte ich mich nochmal für diesen Weg entschieden, aus mehreren Gründen:
1. bei 35+6 hätte keine Hausgeburt stattfinden können.
2. auch keine Geburt in unserem Wunschkrankenhaus, da dieses keine Neo hat und erst ab 36+0 Geburten aufnimmt.
3. hätte ich niemals im Krankenhaus so selbstbestimmt bei meinem Sohn bleiben können. Sie hätten ihn sofort abgenabelt und auf die Intensiv gebracht und ich würde da im Kreisssaal liegen und wäre machtlos.
Ja! Es war unser Glück, dass wir uns für diesen Weg entschieden haben und somit nie getrennt waren.

Unser Kleiner entwickelt sich prächtig und hat sich schon verdoppelt. 🙂 Er war bei der U3 schon 58cm groß und 5110g schwer mit 6 Wochen. Wir sind schwer verliebt. Die Kinder vergöttern ihn und er genießt hier sein Leben und verbringt mit 10 Wochen den meisten Tag mit Schlafen und Stillen. <3

Gut zu wissen: Anpassungsstörungen sind bei Kindern, die in den Wochen vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren werden, nicht selten, nehmen aber ab, je reifer das Baby wird. Meist handelt es sich um Probleme mit der Wärmeregulation, der Blutzuckerregulation und der Atmung. Ein Baby, dass zu früh geboren wurde, muss daher besonders gut beobachtet, warm gehalten und schnell an die Brust gelegt werden (um eine Unterzuckerung zu vermeiden). Für den Fall, dass es sich nicht schafft, selbst zu regulieren, sind – wie in diesem Bericht – die Experten zuständig. 

Vom Kasierschnitt zur Alleingeburt

Die fünffache Mutter im folgenden Bericht erzählt von ihren Geburten und lässt uns ausführlich an ihren letzten beiden Geburten teilhaben, die sie nur mit ihrem Mann zusammen erlebt hat.

Vorgeschichte

Wir, bisher sechs, leben Patchwork. Meine drei „großen“ Kinder zogen mit mir in die zweite Ehe, aus der nun auch Kindchen vier und fünf entstanden sind. Von meinem ersten Sohn wurde ich 2003 per Sectio entbunden. 2005 folgte mein zweiter Sohn auf natürlichem Weg, jedoch mit allen Schikanen, die ein Krankenhaus zu bieten hat. Im Jahr 2009 ein Sternenkind und 2010 durfte ich mich über meinen dritte Sohn freuen. Eine vaginale Geburt, die mithilfe des Wehentropfes eingeleitet wurde. Woraus sich eine sehr schmerzhafte „MaikäferaufdemRücken“ – Geburt ergab.

Die Schwangerschaften waren allesamt unauffällig und ohne Komplikationen. Ich lief brav, wie vom Gesundheitssystem empfohlen, regelmäßig zu allen Vorsorgeuntersuchungen und ließ, ohne zu hinterfragen, alles über mich ergehen. Eine Hebamme sah ich erst zur Geburt, zuvor nur meinen Frauenarzt.

Schon in der dritten Schwangerschaft hielt ich das Buch „Die Hebammensprechstunde“ jeden Abend in meinen Händen und lass, bewundernd und staunend, die Berichte von Ingeborg Stadelmann. Eine Hausgeburt – wie schön diese Vorstellung war. Aber die Angst und fehlendes Wissen sowie Vertrauen in meine Fähigkeiten waren viel zu groß. Zudem hatte mein damaliger Partner absolutes Vertrauen in Krankenhäuser.

Viertes Kind, erste Alleingeburt

Nun fünf Jahre später, 2015, war es endlich soweit. Mein jetziger Mann und ich hatten die Hoffnung schon fast aufgegeben. Ich war endlich schwanger und schnell waren wir uns einig: Dieses Baby empfangen wir Zuhause, in Liebe und Würde. Eine von den wenigen Hausgeburtshebammen war schnell gefunden und meine ersten Termine zur Vorsorge wahrgenommen. Ich wollte diesmal so wenig wie notwendig Ärzte aufsuchen.

Ab der 20. Schwangerschaftswoche suchte mich ein fieser Dauerdurchfall auf. Dieser blieb fast 11 Wochen, bei Tag und  auch bei Nacht. Homöopathisch hat meine Hebamme nichts unversucht gelassen. Zum Ende bin ich dann doch dehydriert, freiwillig, in ein Krankenhaus gegangen. Jedoch nur um mich zu regenerieren und mir bestätigen zu lassen, dass es meinem Baby an nichts fehlt. Die mehrfach angeratene Darmspiegelung habe ich abgelehnt. Meinem Baby ging es gut und ich wollte nichts riskieren. Jedoch gefiel dies meiner Hebamme nicht sonderlich. Der Durchfall hielt an und war auch alternativ-medizinisch nicht zu stoppen. In der 33. Schwangerschaftswoche verabschiedete ich mich von meiner Hebamme. In mir wuchs der Gedanke einer Alleingeburt. Bestärkt durch gleichnamiges Buch und Facebookgruppen. Dennoch wollte ich eine Hebamme  finden, die bereit ist mich zu unterstützen, falls ich sie brauche. Das Glück war auf meiner Seite und ich hatte schnell eine Hebamme gefunden. Den Durchfall haben wir in kurzer Zeit homöopathisch auflösen können. Heute bin ich mir sicher, dass die Ursache rein psychisch war.

Die letzten Wochen vergingen ohne Auffälligkeiten und mein Wunsch nach einer Alleingeburt wuchs. Ich war völlig frei von Ängsten und Sorgen und vertraute auf mich und meine Fähigkeit dieses Baby allein zu gebären. Meinem Mann gegenüber erwähnte ich es immer nur beiläufig.

In der Nacht, 5.8., wurde ich gegen 0.15 Uhr von leichten Wellen geweckt. Liegen bleiben wollte ich nicht und beschloss  nach unten ins Wohnzimmer zu gehen, um zu sehen wie sich die Wellen entwickeln.

Noch schnell eine Wehenapp installiert und das Wohnzimmer hergerichtet. Kerzen erleuchteten fast weihnachtlich das Wohnzimmer. Zur Musik kreiste ich mein Becken und merkte, dass die Wellen regelmäßig und in immer kürzeren Abständen kamen.

Ich weckte meinen Mann. Es war ca. 1.15 Uhr. Zeit für ihn den Pool aufzubauen. Er war aber noch völlig schlaftrunken und sagte mir: „ Das schaffe ich jetzt nicht mehr“. „Gut, dann geh ich erst mal in die Badewanne“, erwiderte ich. Ich war schon völlig im Flow, voller Vorfreude auf die kommende Geburt.

In der Wanne wurden die Wellen stärker und die Abstände verkürzten sich wieder. Ich wollte laufen, mich bewegen. Also stieg ich aus und mich ereilte eine Welle, die mich in die Knie zwang. Ich stützte mich am Wannenrand, bejahend die Welle veratmend. Ja, ich lasse los. Im Wohnzimmer angekommen, sah ich das mein bisher entspannter Mann langsam nervös wurde. Ich schickte ihn auf die Terrasse, wo er seinen xten Kaffee trank.

Ich lief weiterhin durch das Wohnzimmer und bejahte jede Welle. Zu keiner Zeit waren die Wellen schmerzhaft und ich fühlte mich wirklich wohl in meinem Zustand. Die nächste Welle kündigte sich an, sie kam voller Kraft, eine Urgewalt. So dass ich noch heute keine richtigen Worte finde. Es war eine Urkraft, die mich dazu bewog, das erste Mal nach meinem Muttermund zu fühlen. Prima, vollständig geöffnet und ich spürte das Köpfchen bereits. Es brannte und ich wusste, dass unsere Tochter nicht mehr lange auf sich warten lässt. Jetzt durfte mein Mann die Hebamme anrufen, welche sich gleich auf den Weg machte.

Meine Beine begannen zu zittern und ich musste mich seitlich auf unser Sofa legen. Kaum lag ich  spürte ich die erste „Presswehe“ und schob, atmend das Köpfchen vorwärts. Nach nur zwei „Presswehen“ war das Köpfchen  geboren und ich wartete auf die nächste Welle. Meine, Mann kniete vor dem Sofa und hielt das Köpfchen, während ich spürte, dass sich die Schultern drehten. Mit der nächsten Welle war sie dann geboren, 4.24 Uhr.

Kurz darauf kam unsere Hebamme, völlig erstaunt, dass unser Baby schon da ist. Sie untersuchte unsere Kleine, die mit 4700 Gramm und 54 cm gar nicht so klein war. Die Nabelschnur war bereits auspulsiert und wurde von meinem Mann durchtrennt. Meine Plazenta folgte, nachdem die Hebamme am herausragenden Rest der Nabelschnur zog. Ich war viel zu sehr im Hormonrausch, so dass ich dies über mich ergehen ließ.

Fünftes Kind, zweite Alleingeburt

Im Dezember 2017 freuten wir uns noch einmal, denn ich hielt einen positiven Test in der Hand. In dieser Schwangerschaft sollten es nur drei Termine bei meiner Ärztin werden. Ich nahm nur die Screenings wahr und lehnte sowohl vaginale als auch alle anderen unnötigen Untersuchungen wie z.B. CTG ab.

Wir hatten uns wieder für die Hebamme entschieden, die uns auch in der letzten Schwangerschaft  begleitete. Allerdings hat auch sie das Handtuch in der Hausgeburtshilfe geschmissen. Auch ihr waren die Versicherungsbeiträge zu hoch. Daher war schnell klar, dass es wieder eine Alleingeburt wird.

Die Wochen der Schwangerschaft vergingen rasend schnell und ich genoss jeden Tag mit meinem Baby im Bauch. Ich wollte diese letzte Schwangerschaft so bewusst wie möglich wahrnehmen. Jeder Tag war ein Geschenk und mir ging es unheimlich gut. Der Kontakt zu meinem Baby bestätigte mir, dass es ihm auch gut ging. Meiner Hebamme habe ich ab der 37. Schwangerschaftswoche alle Termine abgesagt. Denn sie bekam es mit der Angst zu tun, da sie wusste, ich würde in kein Krankenhaus gehen. Ich wollte frei sein von den Ängsten aus meinem Umfeld und blieb die letzten Wochen daheim und bereitete mich mental auf die Geburt vor. Ich visionierte eine Geburt im Garten. Dafür hatten wir extra umgestaltet und diesen Platz als den meinigen erklärt.

Am 25.7., es war wieder so ein heißer Tag, den wir abwechselnd  im kühlen Haus als auch im erfrischenden Pool verbrachten. An diesem Abend, es waren alle Kinder daheim, zog es uns wieder in den Garten. Vom angrenzenden Feld wehten frische Brisen und wir spielten ausgelassen miteinander. Mich zog es dann zu meinem „Platz“, ich hatte das Bedürfnis  mich zu erden. Also legte ich mich auf meine Wiese,  genoss die kühlere Luft und die Wärme der Wiese.

Ich bemerkte nun, dass ich wieder Kontraktionen hatte. Schenkte ihnen aber keine große Beachtung und fuhr im Alltagsgeschehen fort. Als dann unsere Jüngste im Bett war, setzte ich mich gemütlich auf unsere Terrasse und entspannte mich. Meinen Mann verabschiedete ich, als er zum Gassigehen mit dem Hund loszog mit folgenden Worten: „Mausel, geh net so lange. Unser Baby macht sich auf den Weg.“ Ich war selbst ganz erstaunt über meine Worte, denn sie kamen mir einfach so über die Lippen.

Gegen 21.30 Uhr wurde mir bewusst, dass es Geburtswellen sind. Zwar sehr unregelmäßig aber deutlich. Nach einer Stunde war dann auch mein Mann wieder zurückgekehrt. Wir machten es uns auf der Terrasse gemütlich. Zündeten Teelichter an, stellten Musik bereit und auch mein „heiliger“ Platz wurde mit der Feuerschale und reichlich Brennholz bestückt. Die Wellen kamen nun alle 7 Minuten. Ich bejahte jede Welle und „schwamm“ mit ihnen.

Es war nun schon dunkel und kühler geworden. Und ich genoss die Wärme, welche von der Feuerschale erstrahlte, lief durch das feuchte Gras im Garten und veratmete jede Welle. Mein Gefühl sagte mir immer wieder: Bleib in Bewegung und hilf dem kleinen tiefer ins Becken einzutreten. Die Zeit verging rasant und die Uhr zeigte nun Mitternacht. Die Straßenbeleuchtung erlosch und der Mond stand direkt über uns, während nun die Wellen alle 5 Minuten kamen. Der Druck im Rücken nahm mit jeder Welle zu und mein Mann massierte mich fleißig. Durch das viele Laufen waren meine Beine sehr angespannt und auch hier durfte mein Mann Abhilfe schaffen. Ich bat ihn jedes Bein „auszuschütteln“ und fühlte auch gleich Besserung.

Am liebsten hätte ich mich hingelegt, um mich auszuruhen, aber instinktiv blieb ich in Bewegung und kreiste meine Becken. Irgendwie wurde ich ungeduldig, denn meine letzte Geburt ging deutlich schneller voran. Ich tastete nach meinem Muttermund und freute mich über 5cm. Mein Mann wurde ungeduldig und ich bot ihm an, sich doch noch kurz hinzulegen. Wir gingen ins Wohnzimmer. Kerzenschein und Duftlampe sorgten auch hier für eine schöne Atmosphäre. Da das Sofa schon „geburtsbereit“ war, legte mein Mann sich kurzerhand auf das Kindersofa. Ich musste schmunzeln, denn es sah schon witzig aus. Ein 1,80 m-Mann zusammengerollt auf einem 1,00 m-Kleinkindersofa liegend.

Die Wellen und auch der Druck im Kreuzbein wurden nun wesentlich stärker und die Abstände sehr kurz. Ich kniete vor dem Sofa und stützte mich in den Pausen auf dem Sofa liegend ab. Die Wellen waren gewaltig, so auch der enorme Druck hinten. Ich versuchte weiterhin jede Welle zu bejahen und ging hinüber in eine sehr tiefe Tonlage. 2.00 Uhr, platsch – „Mausel das war die Fruchtblase“.  „ Hab es gehört.“ Und schon legte mein Mann neue Unterlagen aus. Ich war nun vollständig geöffnet und es folgten sogleich die „Presswehen“. Ich schob mit den langen Wellen das Köpfchen voran und konnte ihn auch gut fühlen. Während der gesamten „Pressphase“ hielt ich meine Hand am Kopf des Kleinen. Der Kopf war noch nicht vollständig geboren und es folgte die letzte Welle. Der Kleine „rutschte“ in die Hände des stolzen Papas. Da war er nun. Ich kniete noch vor dem Sofa, als mein Mann mir den Kleinen durch meine Beine reichte. Ich nahm ihn und begann erst einmal zu schluchzen und zu weinen. Völlig überwältigt im Gefühlsrausch.

Da ich wirklich geschafft war, versuchte ich mich auf das Sofa zu legen. Leichter gesagt als getan. Mein Hinterteil schmerzte und bewegen war nur mit aller größter Anstrengung möglich. Selbst ohne Bewegung tat es unheimlich weh. Da lag ich nun. Die Nachwehen waren auszuhalten und wir warteten auf das Auspulsieren der Nabelschnur sowie auf die Geburt der Plazenta. Ich stillte unseren Sohn zum ersten Mal. 3.05 Uhr haben wir abgenabelt und die Plazenta gebar ich hockend in die dafür vorgesehenen Schüssel um 3.33 Uhr. Geschafft. Wir waren müde. Mein Mann wusch mich und den Kleinen, er räumte auf,  entsorgte die Unterlagen und stellte meine Plazenta in den Kühlschrank. Wir zogen 4.15 Uhr nach oben ins Bett, wo auch unsere jüngste Tochter schlief. Die großen Brüder haben alles verschlafen und wollten auch nicht geweckt werden. Die Überraschung war am nächsten morgen umso schöner. Kuschelzeit im Familienbett.

8.30 Uhr kam schon unsere Hebamme zur Nachsorge. Dass ich keine Geburtsverletzungen hatte, wusste ich bereits und auch sonst war alles gut. Der Kleine wurde gewogen und gemessen. 4650 Gramm und 54 cm lang.

Wir sind überglücklich, dass wir uns wieder für den Weg der Alleingeburt entschieden haben. Für uns war es genau die richtige Entscheidung. Es gibt aber auch die andere Seite. Das Umfeld, Außenstehende. Bereits in der Schwangerschaft haben wir es vermieden über den geplanten Geburtsort zu reden. Unverständnis, Kopfschütteln bis hin zu Debatten über Risiken und Verantwortungsbewusstsein.

Beide Geburten werden immer zu unseren intimsten und schönsten Ereignissen im Leben zählen. Momente, die wir nicht geteilt haben, die allein uns gehören. Dennoch bedauerte ich die ersten Tage nach der Geburt, dass ich mit niemandem über diese Geburt reden konnte. Zu gern hätte ich einfach nur erzählt bzw. geredet. Im frischen Gefühlsrausch, stolz und glücklich erzählen zu können, einen lieben und verständnisvollen Zuhörer zu finden. Denn die Geburt meines fünften Kindes war ein ganz anderes Erlebnis als die Geburt meiner Tochter. Er war ein Sternengucker, die Atmosphäre berauschend lieblich und dennoch nicht ohne diese intensiven, gewaltigen Urkräfte, die anders waren als bei meiner Tochter.

Ihr lieben Frauen und Leser/innen, traut euch. Es ist euer Körper und allein eure Verantwortung. Jeder Frau kann gebären, wir konnten es schon immer. Unsere wunderbaren Körper sind dazu geschaffen. Selbstbestimmend und würdevoll gebären zu können ist möglich, sofern ihr dafür einsteht. Für euch und eure Kinder.

Herzlichst

Daniela und Uwe

In eigener Sache: zurück aus der Sommerpause

Hallo ihr Lieben,

ich hoffe, ihr hattet einen schönen Sommer! Einige von euch warten schon eine Weile auf eine Antwort auf ihre Kommentare und Emails. Ich habe euch nicht vergessen, aber habe mir eine kleine Sommerpause gegönnt, plus wurde sie mir aufgezwungen, weil ich aufgrund technischer Probleme lange nicht oder nur sporadisch auf meine Webseite zugreifen konnte. Das Problem wird aber jetzt hoffentlich gelöst und ganz bald hoffe ich, dass ich alles abarbeiten kann. Und auch neue Geburtsberichte sind in der Warteschlange.

Demnächst also mehr!

Viele Grüße,

Sarah Schmid

Zweite Alleingeburt nach Kaiserschnitt

Die Mama im folgenden Bericht bekommt ihr viertes Kind. Das erste war ein Kaiserschnitt, das zweite eine Hausgeburt, Nummer drei war eine Alleingeburt und Nummer vier soll auch eine werden. Diesmal liegt das Baby offenbar nicht so optimal, aber zusammen mit ihrem Mann meistert sie die Geburt. Als eine letzte Hürde stellt sich dann die Anmeldung der Geburt heraus. In Österreich gibt es eine Hebammenhinzuziehungspflicht, die auch für die Mutter gilt. Was passiert in Österreich bei einer Geburt, die bewusst ohne Hebamme stattfindet? Lest selbst.

Als ich den Schwangerschaftstest machte, war mir klar: Es muss da raus! Daher lief das Projekt „Baby klein halten“ ab Tag 1 (groß sollte es werden, nur nicht zu groß). Großes Unwohlsein in der Frühschwangerschaft ließ jedoch eine geordnete Ernährung in weite Ferne rücken, sodass ich mich oft aufgebläht, mieselaunig und ungut fühlte. Fußreflexzonen-Massage schaffte zwar teilweise Abhilfe, aber richtig gut ging es mir erst, als die berühmten ersten drei Monate der Schwangerschaft vorbei waren. Zu diesem Zeitpunkt startete ich auch wieder in meine Yoga-Kurse, meist zwei Mal pro Woche (Ashtanga Yoga). Gewicht hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt ca. 3 kg zugenommen, und es kam nicht mehr wirklich was dazu bis zum Ende der Schwangerschaft. Ich versuchte, mich hauptsächlich eiweißreich zu ernähren und Dickmacher-Kohlenhydrate wie Zucker, Brot, Mehl, Reis etc. zu vermeiden. Das heißt: Statt Cornflakes zum Frühstück gab es dann zwei Rühreier mit Pilzen und Joghurt mit frischen Früchten.

Ärztliche Untersuchungen nehme ich keine in Anspruch, auch Hebamme gibt es keine. Der Kontakt zu meinem Bauchgefährten ist sehr direkt. Bereits recht früh spüre ich erste Schmetterlingsbewegungen, die dann immer deutlicher und besser wahrnehmbar werden. Bis zum Ende der Schwangerschaft wird der 1-zu-1-Kontakt so intensiv, dass ein Gedanke an mein Kind ausreicht, um eine Reaktion von ihm herbeizuführen. Auf Bauch-Berührungen reagiert es sowieso prompt, sodass ich weiß: Auch die Geburt werden wir gemeinsam zuverlässig meistern.

Mein Bauch wächst, jedoch sehr in Maßen – es dürfte recht wenig Fruchtwasser vorhanden sein (was sich gegen Ende nach Blasensprung bestätigt, als der Bauch fast noch genau so aussieht wie vor dem Blasensprung). Die Kindsbewegungen sind stark, deutlich, teils pieksig – und als ich am Tag vor der Geburt in ein Geschäft spaziere, um Reitsachen für die große Tochter zu kaufen, und man fragt (wie üblich zu der Zeit, wann es denn käme, sage ich: „Weiß nicht. In ein oder zwei Wochen – oder morgen.“

An diesem „Morgen“ ist es 1 Uhr nachts. 38. Schwangerschaftswoche und ein paar zerquetschte Tage. Am Vorabend hatte mein Kind schon so in Richtung Muttermund gepiekst, dass ich mir dachte: Lang wird das die Fruchtblase nicht mehr tolerieren. Dennoch fühle ich mich noch nicht wirklich geburtsbereit. Vor allem vom Kopf her bin ich noch „dicht“ – will es hinauszögern, wobei der Platz im Bauch ziemlich aufgebraucht ist und die Nachbarin am Vornachmittag meinte: „Dein Bauch ist ja schon vooolll weit unten!“ – war mir gar nicht aufgefallen.

Ich wache also nach großer Müdigkeit und langem Spaziergang am Vortag auf und bin sofort hellwach, denn meine Schlafhose ist patschnass (lustigerweise das Bett darunter nicht. Wie genau das funktioniert hat, kann ich mir bis heute nicht erklären. Offenbar hat die Hose rascher aufgesaugt als alles andere). Ich stehe auf und denke: Hm, wenn ich jetzt links aus meinem Zimmer gehe, hört das mein Mann und wird munter. Daher gehe ich erstmal auf die Gästetoilette und lasse dort weiteres Fruchtwasser ab. Weil noch nichts weitergeht, fange ich an, einen Geburtsbericht in das Fotoalbum für mein Kind zu schreiben:

„Nun ist es ca. 3:19 Uhr. Fruchtblase leer, ziemlich. Darm + Blase auch gut aufgeräumt. Ich hab 1 Kalziumtablette genommen und grad eine Banane gegessen. Bei Geburtsbeginn waren wir ca. 73,4 kg schwer. Unsere Waage zeigt ja immer sehr unterschiedliche Gewichte. Je nachdem, wo man gerade steht.

Wir arbeiten daran, dass du geboren wirst.

Schmerzen habe ich keine.

4:39 Eilig hast du es nicht, arbeitest aber mit (obwohl Du schläfst)

6:00 bisschen geschlafen, Wehen beginnen wieder.

Ab 7 Uhr kleine Tochter wach, kurz danach die Mittlere, später die Große. Es ist hell, Du magst nicht. Alle tönen, Hunde laufen, kein guter Zeitpunkt zum Gebären.

Die Nachbarin nimmt ab 9:35 die beiden kleineren Kinder, um 10:15 geht die Große nach unten. Sie ist heute mit einer Freundin zum Reiten verabredet.

Ich gehe ins Bad. Bitte Papa, mir zu helfen. Denn ich weiß, heute, jetzt, hier, möchte ich kein Kind bekommen. Ich war, bin noch nicht so weit. Möchte es verlegen auf – irgendwann später. Nur eben nicht jetzt. – Shit, wieder eine Wehe, denn mein Kind ist anderer Meinung. – Papa hilft. Er hält und drückt meinen Rücken genau dort, wo es gut tut. Ab 10:30 h wird es anstrengend. Ich weiß nicht weiter, Papa macht mir Mut.“

Ich sage: „Ich kann das nicht.“ Er: „Doch (und schluckt).“ Ich: „Du bist unsicher, das brauch ich jetzt nicht.“ Er, selbstbewusst: „Bin ich nicht. Du kannst das.“ Ich: „Sag mir noch was Gutes.“ Er: „Du hast das schon zweimal gemacht, du kannst das auch heute.“ Ich: „Ja, das ist gut. Baby, komm runter, komm raus, jaaaaaa, rauuuus.“ Stehe über dem WC, halbhockend. Habe durch das viele Yoga starke Beine und merke keinerlei Ermüdung. Presse, schiebe, mache irgendwie mit, wie es mir sinnvoll erscheint. Wobei mein Kopf Gedanken hat wie: Woher weiß ich, ob das hier alles sinnvoll ist? Vielleicht haut es sich nur die Birne an, wie Nr. 1, die ein Kaiserschnitt war? Und überhaupt, ich hatte mir ja zwei Einläufe verpasst in der Nacht, bei der Großen bekam ich auch einen in der Klinik damals – werde ich deswegen jetzt wieder einen Kaiserschnitt haben??“ (Die Kinder 2 und 3 kamen auch schon zu Hause, Nr.2 mit Hebamme, Nr. 3 ohne – da hatten alle geschlafen, sogar die Hunde.) Dumme Gedanken kommen und gehen und bremsen mich in meiner Arbeit. Mein Mann sitzt ganz ruhig am Boden im Badezimmer. Er stört, wider Erwarten, meine Arbeit nicht. Niemals zuvor hätte ich mir gedacht, meinen Mann zu tolerieren beim Gebären. Doch jetzt ist mir alles einfach nur scheißegal. Und wenn er auch nur einen halben sinnvollen, mutmachenden Satz für mich hat: HER DAMIT! Ich brauche ihn JETZT! Als Türbewacher und Geburtsbewacher.

Im Album steht:

„Ab 10:45 Presswehen. Ich merke irgendwann, wie es innen brennt. Jetzt weiß ich: Gleich ist es geschafft, von hier aus geht es nur noch nach unten und dann raus!“

Als ich spüre, dass Du knapp vor dem Herauskommen bist, sage ich zu Papa: „Sie kommt gleich, fängst du sie auf?“ Ich wechsle vom Platz über dem WC (denn nur dort kann ich ganz loslassen und alles abfließen lassen, was die Geburtswege noch verengt) vor die Badewanne mit den praktischen Griffen. Gehe auf alle Viere und richte mich auf. Presse und schiebe mit, egal ob Wehe oder nicht, meine Muskeln sind gut. Sie ersetzen die Zeit ohne Wehe fast gleichwertig. Dann spüre ich den Aufzug nach unten, gigantisch, gewaltig, ich weiß: Dieser DRUCK hat mir so viel abverlangt. Dieser immense DRUCK ist es, der die komplette Hemmungslosigkeit verlangt! Das Aufmachen bis aufs Äußerste. „Sie kommt gleich!“, sage ich zu Papa. Er: „Ich sehe die Haare! – – Der Kopf ist da!“ Ich: „Kannst du sie rausholen, irgendwie, mach mal …“ Er: „Ist schon da!“ – – Ich: „Und?!“ Er: „Dreimal darfst du raten.“ Ich: „Ein Mädchen.“ Er: „Richtig.“

Im Album notiere ich später:

„Genau um 11 h bist Du geboren. Ein Mädchen – wie schön!

Ca. um 11:30 Uhr kommt Dein Raumschiff, die Plazenta. Jetzt esse ich ein TWIX. Papa hält dich, ich habe lange geduscht und du grunzt und quäkst. Die Augen hattest Du gleich mal offen, direkt nach der Geburt hast du gequäkt. Kofferwaage zeigt um 15:40 Uhr 2760g an. 32 cm Kopf. Erstes Stillen war um 12:10 für ca. 30 Minuten (nicht, ohne vorher Lansinoh aufgetragen zu haben gegen wunde Brustwarzen…). Erstes Augen auf am Nachmittag gegen 16 Uhr. Erster Spaziergang um 17:45 Uhr im Tragetuch.

Plazenta-Gewicht: 485 g.“

Im Nachhinein gesehen wärst Du heute noch nicht geboren, hätte ich die Kinder nicht wegorganisieren können. Sie waren ein Mega-Hemmschuh und brachten mich total aus dem Konzept. Ich kannte bis dahin keine Geburten am Tag, sondern nur in der Nacht zwischen 4 und 5. Auch hatte ich noch nie das Bedürfnis, beim Gebären zu schlafen und die Latenzphasen in Form von Ruhe­-Energie auszukosten. Im Hinterkopf dachte ich dauernd: Mist, Blasensprung vor bald 12 Stunden, da geben sie in der Klinik dann Antibiotika gegen aufsteigende Infektionen. Also setzte ich mich selbst unter Druck, unnötig. – – Aufgrund vieler Sitz-Arbeit vor dem PC und etlichen Fernseh-Abenden am Sofa lag das Kind im Nachhinein gesehen in Sterngucker-Position. Das machte das Eindrehen und Rausflutschen nicht unbedingt leichter. War aber gut zu bewerkstelligen aufgrund der relativ geringen Kindsgröße und des überschaubaren Gewichts sowie Kopfumfangs. Irgendein alter Riss ging bei der Geburt wieder auf. Ich versuchte ihn, mit Sekundenkleber zu flicken, was zwar gelang, aber nicht funktionierte auf Dauer 😉 Dennoch: Nennenswerte Schmerzen hatte ich nach der Geburt keine und war, obwohl ich diesmal 40 Tage Schonung mir selbst verordnet hatte, schon am Abend wieder so voller Energie und hormonell gepimpt, dass ich unbedingt eine Hunde-Runde spazieren wollte mit Baby im Tuch.

Bei der Besichtigung der Plazenta stellte sich heraus, dass es offenbar wieder einen „stagnierten“ Zwilling gegeben hatte. Wie schon beim letzten Mal. Ich war und bin froh, dass nur eines durchkam, zwei hätten mich definitiv überfordert.

Die Plazenta wusch ich drei Tage nach der Geburt ab, entfernte die Eihäute und schnitt sie in insgesamt 11 Teile, die ich einfror. Alle 3 Tage mixe ich mir einen Shake aus Plazenta, Beeren, Joghurt, Honig, Blüten – und trinke ihn. Der Ekelfaktor ist ja nur im Kopf, außer das Eisen schmeckt man nicht wirklich etwas von der Plazenta. Dieser Shake hilft mir dabei, stimmungsmäßig „oben“ zu bleiben, und auch energietechnisch scheint der Mix gelungen. Müde bin ich natürlich, wenn das Baby nachts zig Mal trinken möchte, aber ich fühle mich dennoch gut, fit und stark genug, um auch mit den großen Kindern nach ein paar Tagen schon wieder kleinere Ausflüge zu unternehmen. Papa als Back-Up, der übernimmt, wenn mich dann doch die Müdigkeit übermannt.

Die Milch fließt gut, wenngleich das Stillen auch nach vielen Jahren erfolgreichen Vor-Stillens schweinsmäßig wehtut die ersten Tage. Das Ansaugen, -autsch!!! Langsam wird es besser (heute 10 Tage nach der Geburt geht es nach dem Ansaugen fast schmerzfrei), aber da muss man halt durch.

 

Ganz so einfach war sie dann nicht, die offizielle „Beurkundung“ am Standesamt. Mein Witz, als ich zwei Tage nach der Geburt dort vorstellig wurde mit „da könnte ja jeder mit einem geklauten Kind kommen und sagen, das ist meines“, war natürlich unangebracht und bescherte gemeinsam mit der Tatsache, dass weder Arzt noch Hebamme dabei waren bei der Geburt jede Menge Aufregung. Nach zig Telefonaten (von Mann zu Mann, ich versuchte, im Wochenbett den unnötigen Ärger von mir fern zu halten) mit dem zuständigen Standesbeamten, kam eine offizielle Aufforderung zur „Mängelbehebung“. Diese besagte, dass entweder Arzt oder Hebamme die Geburt bestätigen sollten. Doch dagegen wehrte ich mich nach wie vor mit Händen und Füßen. Warum sollte ich ausgerechnet jetzt, wo das Kind schon über eine Woche alt war, jemanden um seine Bestätigung über etwas bitten, von dem er/sie keine Ahnung haben konnte? Ich zog es daher vor, meine Nachbarin als Zeugin mit ins Standesamt zu nehmen. Sie bestätigte durch eine offizielle Niederschrift, dass ich schwanger gewesen war und sie rund eine Stunde nach der Geburt bei mir zu Hause das Neugeborene gesehen hatte. Ich bestätigte in einer weiteren Niederschrift ebenso, dass ich schwanger war und geboren hatte. Offenbar reichten unsere deckungsgleichen Aussagen im Paket mit eindeutigen Fotos aus Spätschwangerschaft, nach der Geburt und von kurz nach der Geburt aus, um der Tatsache „die Frau war schwanger und hat tatsächlich ein Kind geboren“ durch eine Geburtsurkunde Glauben zu schenken. Der Umstand, dass ich gegen das österreichische Hebammengesetz verstoßen hatte (eigentlich gleich mehrfach, denn ich hatte nicht nur keine Hebamme hinzugerufen oder nachher verständigt, sondern mein Mann hatte auch einschlägige, eigentlich Hebammen vorbehaltene Tätigkeiten durchgeführt), spielte in weiterer Folge keine Rolle mehr. Aber man weiß ja nie, was noch kommt. Nach der Geburt des dritten Kindes (Alleingeburt), wurde damals das Jugendamt vorstellig aufgrund einer Anzeige gegen mich wegen „Kindeswohlgefährdung durch die Hausgeburt“. Da es keinen Grund zur Beanstandung gab, zogen die beiden Damen nach zwei Stunden reger Diskussion wieder davon. Dennoch hatte dieses Intermezzo, ebenso wie die Sache mit dem Standesamt, unnötige Kraftreserven gekostet. Grund genug, ein weiteres Huhn zu schmackhafter Suppe zu verarbeiten und portionsweise – neben den Plazentastücken – einzufrieren …

 

Wehen einschätzen

Das erste Kind ist unterwegs und die ersten regelmäßigen Wehen sorgen für nicht geringe Aufregung. Vielleicht hat sich der Schleimpfropf schon verabschiedet, vielleicht ist die Blase schon geplatzt .. Jetzt kommt das Baby! Doch halt. So schnell geht es normalerweise nicht. Ohne kräftige Wehen wird das Baby nicht geboren. Und nur weil die Wehen regelmäßig sind, heißt das noch nicht, dass das Baby gleich da ist. Die Wehen werden im Geburtsverlauf immer stärker. Hier eine einfache Unterscheidungshilfe, mit der man die eigenen Wehen einschätzen kann:

schwache Wehen (frühe Eröffnungsphase):

  • Man kann sich währenddessen unterhalten, ohne dass der andere merkt, dass man gerade eine Wehe hat.
  • Man ist noch recht kopfgesteuert
  • Ablenkung und kurzweilige Unterhaltung tun gut.
  • Die Wehen sind kurz. Bis 30 Sekunden lang.
  • Die Wehen können regelmäßig oder unregelmäßig sein. Im Geburtsverlauf nehmen sie an Häufigkeit, Regelmäßigkeit und Stärke zu.

starke Wehen (späte Eröffnungsphase):

  • Man muss sich GANZ auf die Wehe konzentrieren.
  • Man muss die Wehe veratmen oder vertönen.
  • Liegen ist in diesem Stadium normalerweise sehr unangenehm.
  • Zwischen den Wehen ist man zu beschäftigt damit sich zu erholen als dass man etwas anderem Aufmerksamkeit widmen möchte. Angesprochen werden und Unterhaltungen erlebt man als störend.
  • Die Wehen dauern ungefähr 60 – 90 Sekunden und kommen in Abständen von wenigen Minuten.

Wenn das Baby gleich kommt (Übergangsphase):

  • Man glaubt, es nicht länger auszuhalten.
  • Sämtliche Veratmungs- und Vertönungsstrategien greifen nicht mehr.
  • Die Beine zittern, man fühlt sich kaltschweißig.
  • Man will weg, schreit nach Mama oder verlangt nach einem Kaiserschnitt. 😛

… und dann beginnen die Presswehen und das Baby ist wirklich bald da. 🙂

Geplante Alleingeburt wird zur natürlichen Geburt im Krankenhaus

Ein Geburtsstillstand ist wohl der häufigste Grund, warum eine Alleingeburt abgebrochen wird. Die Mama im folgenden Bericht plante für ihr erstes Kind eine Alleingeburt. Zuerst lief alles nach Plan, aber dann kam eine Muttermundslippe dazwischen, die alles ins Stocken brachte.  Aber lest selbst, wie sie die Geburt erlebt hat.

Ja, mach nur einen Plan

sei nur ein großes Licht

und mach dann noch ’nen zweiten Plan

gehn tun sie beide nicht.

– Bertolt Brecht, Dreigroschenoper

Geburt ist.

Zu Beginn der Schwangerschaft wussten wir nicht, dass eine Geburt auch außerhalb einer Klinik möglich ist. Ich fühlte mich jedoch komisch dabei, wenn ich gesund bin, in ein Krankenhaus zu fahren und machte mich schlau …

Wir hatten zuerst eine Hausgeburtshebamme, die hörte aber auf und ihre Nachfolgerin passte nicht zu mir, sie wollte auch mehr Kontrollen als es in der Klinik üblich gewesen wäre. Eine alternative Hebamme gab es nicht. Da ich bereits bei meiner zweiten Vorsorge bei der Hebamme über eine Alleingeburt nachdachte, war diese Situation für mich ok, mein Freund brauchte noch etwas Zeit, um sich damit vertraut zu machen. 😉

Die Geburt

Am 20. März 2018 aßen mein Freund und ich gerade zu Mittag, Erbsensuppe. Ich musste wie so oft in den letzten Wochen noch einmal zwischendrin auf die Toilette, wo ich (beim Drücken) einen Knack hörte und irgendwie auch spürte, der mich an das Einrenken von einem Wirbel erinnerte, nur mehr in meiner Mitte. Ich vermutete sofort die Fruchtblase, die wohl geplatzt war, kreiste mein Becken, aber es kam kein Fruchtwasser. Also beschloss ich (mit leicht zittrigen Händen vor Aufregung) zurück zum Essen zu gehen. Es war 11 Tage vor „Termin“. Mein Freund schaute mich an, fragte mich, ob alles fit sei, ich meinte jaja. Kurz darauf war ich nass zwischen den Beinen, meine kleine Binde war heillos überfordert damit, also berichtete ich meinem Freund, dass ich auslaufe. Er wusste sofort, was ich meinte. Seit wir den Entschluss einer Alleingeburt gefasst hatten, bereiteten wir uns beide darauf  vor. Ich bin also erneut auf die Toilette, Binde wechseln – ich ging tatsächlich davon aus, dass es die dünne täte…, das Becken kreisen brachte wieder kein Fruchtwasser. Zurück am Tisch meinte ich nur, ja, das war Fruchtwasser. Mein Freund hob seinen Löffel mit Erbsensuppe hoch und fragte mich, ob es so aussah. Nein, es war klar. 14h war es, wir schrieben die Uhrzeit auf, falls wir es vergessen würden, damit wir wussten, ab wann wir in die Klinik müssten, wenn die Wehen ausblieben.  Wehen hatte ich noch keine, aber eine volle „ToDo“. Einkaufen, Vaterschaftsanerkennung in 2 Tagen, Steuer….  Wir hatten zudem mehrfach den Rat bekommen, einen Friseurtermin vor der Geburt zu machen, da man danach nicht dazu käme. Den hatten wir heute um 16h. Also räumten wir noch bisschen auf, ich war mittlerweile auf Surfbretter umgestiegen.

15:30 fuhren wir in die Stadt zum Friseur, jetzt fingen auch langsam die Wehen an, mal 10, mal 8, mal 9 Minuten Abstände, also gut unregelmäßig, dachten wir uns. Da man ja noch dem Alltäglichen nachgehen sollte, da es ja noch dauern kann bis sich wirklich was tut, dachten wir uns nichts dabei. Nach 10-15 Minuten Fahrt war ich bei ca 7/8 Minuten angekommen, langsames gehen war aber kein Problem. Die Damen im Friseur meinten nur, oh ja, Du bist aber schon weit, oder? Wann meinst Du denn wird’s losgehen? Ja wohl nicht hier, oder? Nein, nein …

17h gingen wir noch kurz in den Supermarkt, der geplante Bioladen wäre zu viel Act gewesen. Mein Freund holte das Auto. Ich war ca. 10 Minuten beim Einkaufen, und hatte nur drei Sachen im Wagen, dafür aber auch schon alle drei Minuten eine Wehe. Mein Freund wunderte sich über den „Einkauf“, merkte aber schnell, dass ich einen Gang zugelegt hatte. Er packte alles Relevante in den Wagen, checkte die Zeit zwischen den Wehen und schob mich und den Wagen zur Kasse. Zu meiner Verwunderung fühlte ich mich ein wenig wie drauf, meine Beine zitterten so, wie ich es beim Feiern kannte, auch mein Kiefer hatte ein wenig Flattermann. Es war 18h und ich mittlerweile bei zwei Minuten Abständen angekommen (also in 2,5h) und nutzte jedes Mobiliar, das ich gerade zur Hand hatte, um mich während der Wehen abzustützen. Ich empfand sie als sehr angenehm und fragte mich, wann die echten Wehen einsetzen würden, die einen so überrollen (sollen…) Ich genoss das Werken meines Körpers und freute mich auf das, was noch kommen sollte. Mein Freund füllte die Tonne mit Wasser; zuerst nur halb voll, damit ich noch gut in die Hocke gehen konnte.

(19:20) Kurz darauf war ich auch schon in der Tonne, das Wasser tat so gut und entspannte noch mal.

Ich wollte meinem Baby die Reise durchs Becken so angenehm wie möglich machen und kreiste das Becken mit abwechselnd hoch gestellten Beinen, ging in die Hocke und wieder hoch, lehnte mich vor an den Tonnenrand, nach hinten, ich war nie still und es tat gut. Mein Freund hängte die Affirmationen auf, die schon die letzten Tage darauf warteten, wir kamen nur nie dazu. Und wenn nicht jetzt, wann dann?

Er zeigte mir die Affirmationen und las sie mir vor. „Lust und Schmerz sind Geschwister“ erinnerte mich an etwas, ich wollte probieren, ob das stimmt und fasste mich an der Klitoris an. Es stimmte. Die Anstrengung schwappte sofort in Lust über und ich war so erstaunt darüber, dass ich sofort meine Hand wegnahm (wie blöd…) ich testete es noch mal mit demselben Ergebnis. Irgendwie machte ich mit den Bewegungen weiter, fühlte mich aber etwas komisch. Die Wehen wurden knackiger und kamen nun in einminütigen Abständen. Ich hatte das Gefühl, dass sie unproduktiv waren, auch wenn ich eigentlich keine Ahnung hatte, wie eine Wehe sich anzufühlen hatte, wenn sie produktiv war. Aber es war ein Gefühl und darauf hörte ich. Ich stellte häufiger die Beine abwechselnd hoch, kreiste weiter mit dem Becken, mein Freund drückte mir ins Kreuzbein um es etwas zu entlasten. Es half aber alles nichts, also tastete ich trotz bereits eröffneter Fruchtblase nach meinem Muttermund. Er war etwa so weit offen, wie mein Zeigefinger lang (7/8cm) und ich konnte eine Wurst an der Schambeinseite spüren, die etwa so dick war wie mein Zeigefinger (1-2cm).  Jetzt war ich endgültig im Denkerhirn angekommen. Das Mitatmen mit den Wehen war rum, es brachte nichts mehr (ich hatte zuvor ständig die Wellenatmung aus Hypnobirthing gemacht und sehr genossen). Ich wollte herausfinden, ob es die Nabelschnur war. Da mein Baby bereits seit Wochen fest im Becken steckte, hatte ich davor aber wenig Angst. Es war auch fest an mir, ich konnte es nicht bewegen oder einen Finger drumrum schieben. Ich vermutete eine Muttermundslippe und wollte nach einigen Stellungswechseln und ca ½ bis 1h noch einmal tasten und dann (um ihn nicht schon vorher unnötig zu beunruhigen) meinem Partner Bescheid geben, wenn es nicht weg ist.

Nach etwa einer Stunde war es dann so. Ich gab ihm Bescheid, er hatte es eh schon vermutet, dass etwas nicht stimmte, da ich „anders“ war. Er machte mir den Vorschlag, dass ich den Muttermund noch einmal tasten sollte, ihm die Weite mitteilen und dann nach einer halben Stunde gibt er mir Bescheid und ich taste noch einmal. Gesagt getan. Es wurde sogar wieder eine Stunde daraus, aber es tat sich nichts mehr. Die Wehen waren mittlerweile beinahe ununterbrochen (ich hatte auch mal 10-20 Sekunden Pause), mein Stöhnen und Tönen war mehr ein Schreien geworden. Ich achtete vermehrt auf Bewegungen meines Kindes, aber spürte sie nicht mehr. Die Tage zuvor waren sie schon sehr wenig geworden, jetzt spürte ich jedoch nur noch das Anspannen meiner Gebärmutter, was mich zusätzlich sehr anspannte und verunsicherte. Ich hatte seit ca. zwei Stunden Angst um mein Baby. Und mein Freund jetzt auch. Ich ging aus der Tonne, wollte mich auf die Couch legen, um zu sehen, ob ich nicht doch noch mal entspannen konnte, seitlich liegen war jedoch sehr schmerzhaft, also ließ ich es. Mein ganzer Körper zitterte.

Obwohl wir ausgemacht hatten, dass mein Freund während der Geburt keine Herztöne abhört (er tat das immer wieder mal in der Schwangerschaft und genoss es sehr), bat ich ihn darum. Er zögerte, denn selbst wenn alles ok wäre, könnte es sein, dass er die Herztöne schlicht nicht findet und wir uns total verrückt machen. Er fand sie jedoch relativ schnell und sie waren zwar leise aber normal schnell. Mittlerweile hatte ich einen sehr starken Pressdrang bei beinahe jeder Wehe. Ich wollte aber nicht mitdrücken, da ich das Gefühl hatte, dass der Kopf meines Babys nicht an dem geschwollenen Ding vorbei konnte und ich sonst nur ihm oder mir damit schaden würde. Also schrie ich stattdessen, damit ich dem Pressdrang aushalten konnte. So ging die Energie nach oben statt unten raus. Ich wollte die Schwerkraft nutzen und lagerte mein Becken höher als meinen Oberkörper (Knie aufs Sofa, Ellenbogen und Kopf auf den Boden), es machte es erträglicher. Mein Freund machte sich sichtlich Sorgen, er wusste ja nicht, was diese Muttermundslippe ist. Die Wehen waren so heftig, dass ich kaum Zeit hatte, ihm dazwischen zu erklären, was los ist. Er hatte das nötigste verstanden und fragte, ob er versuchen sollte, die Lippe am Kopf vorbei zu schieben. Ich verneinte, denn ich wollte nichts, was unserer (sexuellen) Partnerschaft schaden könnte. Ich hatte im Vorfeld gehört, dass Männer erst mal eine lange Pause nach einer Geburt und den freien Einblicken auf ihre Frau brauchten. Das wollte ich vermeiden.

Fünf Minuten später bat ich ihn dann doch, es zu probieren. Es war die letzte Hoffnung, die ich hatte, um unser Kind zu Hause gebären zu können. Er fand die Mutttermundslippe sofort und prüfte selbst noch einmal, ob es nicht doch die Nabelschnur sein könnte, aber nein, auch er merkte, dass es fest war. Zwischen den Wehen hatte er sie einmal am Köpfchen unseres Babys vorbei schieben können, bei der nächsten Wehe war das Geschwulst wieder da. Auch während der Wehe probierte er es (aua!!) aber es kam wieder. Den dritten Versuch brachen wir ab.  Jetzt wussten wir beide, dass wir es nicht alleine schaffen, wollten es jedoch nicht wahr haben und ich versuchte mich noch weitere 3h zu „entspannen“, mich auf mich zu besinnen. Leider ohne Erfolg.

Um 23:30 rief mein Freund in der Rettungsleitstelle an, die dann 10 Minuten später da waren. 3 Männer kamen zur Terrasse rein, ich hatte mir einen Bademantel übergezogen. Die Männer (alle keine Ahnung von Geburt…) fragten unentwegt, wie weit das Köpfchen schon draußen sei. (Gar nicht!!) Ob ich spüren könne, dass es bald kommt … Sie sahen mehrmals (ohne zu fragen) nach, ob es schon komme, das war ihre größte Angst. Sie wollten mich nicht in diesem Zustand transportieren, denn sie hatten Angst, dass es während der Fahrt kommen könnte. Ich versicherte ihnen, dass das nicht passieren würde, aber das interessierte nicht. Sie telefonierten mit dem Krankenhaus, wollten, dass von dort eine Hebamme dazu käme für die Fahrt, die verweigerten, da nur eine Hebamme im Dienst war und nicht vom Krankenhaus weg konnte. Sie versuchten eine Hebamme im Nachbarort zu erreichen und dazu zu bewegen, dazu zu kommen, sie kam nicht. Also fuhren wir doch ohne. Ich verklickerte den Sanis, dass ich NICHT rücklings auf dieser Bare geschnallt werden wollte/konnte, sondern selber zum Krankenwagen laufen konnte. Ich weigerte mich auch, noch Schuhe zu holen, konnte ich doch barfuß laufen (ich brauchte drei Anläufe mit dem Sani, bis er einsah, dass Schuhe gerade nicht wichtig waren…). Im Sanka wollten sie mich erneut in Rückenlage auf das Ding schnallen. Ich verweigerte. Mein Freund sollte vorne mitfahren, er verweigerte. Die Sanis mochten uns. *g* Also schnallten sie mich im 4-Füßler auf das Ding, sehr sicher … ich musste nur etwas nachgeben und war völlig ungesichert, da wäre Stehen sicherer gewesen. Ab und zu schaute ein Sani, ob das Kind schon käme… Das Gute war, der Gurt drückte fein aufs Kreuzbein und lenkte mich etwas ab. Im Krankenhaus durfte ich nicht rein laufen, sie bestanden aufs Schieben. Im Kreißsaal empfang mich eine sehr nette, ruhige Hebamme. Sie wartete die Wehen’pausen‘ ab, bis ich antworten konnte, ich verwies aber auch sehr häufig an meinen Freund. Sie fragte, ob ein CTG ok wäre, sie machte sich Sorgen um das Kind. Ich auch. Ich war sogar froh darum. Dem Baby ging es gut. Was für eine Erleichterung.

Ein Arzt kam zum Blutabnehmen, wegen dem vorzeitigen Blasensprung. Er kam kurz darauf mit meinen Werten, die sehr schlecht waren. Ich hatte bereits eine Infektion und er meinte, der Blasensprung müsse bereits vor über einem Tag gewesen sein, nicht erst 10h her. Er empfahl mir ein Antibiotikum noch während das Kind in mir ist, damit es die Antibiose nicht in ein paar Tagen i.v. bekommen müsse. Die Hebamme untersuchte mich, mein Muttermund war bereits 8 cm geöffnet. Sie bestätigte meine Muttermundslippe, ich hatte sogar noch eine zweite gegenüber. Sie besprach mit uns, dass sie mir Buscopan  i.v. geben könnte, damit sich der Muttermund etwas entspannte und sie die Muttermundslippe wegmassieren könnte. Es half leider nichts und sie erklärte uns, dass ich Wehenpausen brauchte, um zu entspannen, damit sie die Mumulippe weg bekäme. Sie bot mir ein Schmerzmittel an, das dem Kind nichts mache, Meptid. Ich stimmte zu.  Das „betrunken“ Gefühl war nach kurzer Zeit wieder verschwunden. Nach 1h wurden die Wehen weniger, ich konnte etwas entspannen und die Hebamme die Mumulippe innerhalb einer weiteren Stunde beseitigen. Sie massierte sie mit Rescuecreme. Ich durfte nun, wenn eine Wehe kam, wieder leicht mitschieben. Meine Wehen waren aber bei Weitem nicht mehr das, was ich von davor oder zu Hause kannte. Kaum begonnen, waren sie nach ein paar Sekunden wieder verschwunden und wurden noch dazu immer seltener und leichter. Kaum merkte ich sie und wollte mitmachen, waren sie wieder weg. Also warteten wir eine Weile. Da sich aber nichts tat und sie letztendlich ganz ausblieben, bekam ich Eisenkraut zum Schnüffeln, das die Wehen sanft anregen sollte. Ich benutzte es, um mich auf andere Gedanken zu bekommen.  Der Muttermund war komplett eröffnet und das Warten brachte keine nennenswerten Wehen, also gebar ich mein Kind mit meinen Bauch- und Beckenbodenmuskeln. Die Hebamme forderte mich öfter auf, weiter zu schieben. Obwohl ich zuvor absolut gegen angeleitetes Pressen war, war es in diesem Fall gut für mich, da ich ja keine Wehen mehr hatte. Als der Kopf geboren war, dreht die Hebamme mit. Sie merkte schnell, dass unser Kind nicht in die Richtung wollte, wie die meisten Kinder und drehte das Stück wieder zurück und die notwendige ¼ Drehung weiter. Ich war zu sehr mit mir beschäftigt, um ihr zu sagen, dass ich das nicht möchte.  (Im Nachhinein vermute ich, dass die Hebamme wahrscheinlich mitdrehen musste, da Lila keine Muskelspannung hatte, als sie geboren war. Ich vermute, dass das an dem Schmerzmittel lag, das ich bekam. Meptid  gelangt zu 100% über die Plazenta zum Kind, das davon mindestens so beduselt war wie ich.)

Unsere Tochter Lila war um 2:24 mit 51cm, 35cm Kopfumfang und 3170g geboren. Ich war so erleichtert, ihr Röcheln zu hören.

Das, was ich alleine zu Hause erfahren habe, diese unglaubliche Macht, mit der ich mitgehen konnte, hinterlässt Lust auf ein nächstes Mal.

Ungeplante Alleingeburt mit HypnoBirthing

Die Mama im folgenden Bericht bekommt ihr zweites Kind. Sie hat sich nach ihrer ersten Geburt zur Hypnobirthing-Kursleiterin ausbilden lassen und ist jetzt mit HypnoBirthing gut vorbereitet. Da die Wehen – sie glaubt, es sind Vorwehen – so gut zu beatmen sind, entgeht ihr, dass die Geburt schon in vollem Gange ist. So kommt es, dass Mann und Hebamme (geplant war eine Hausgeburt) das große Ereignis verpassen.

Der Meilenstein wurde in der Schwangerschaft 2014 von unserem ersten Wunder Quirin gelegt. Er hat Wunderbares in Bewegung gesetzt. Geburtshorrorgeschichten, wie „wenn du dein Kind im Arm hältst, wirst du vergessen, wie schrecklich die Geburt war“ usw. – damit konnte und wollte ich mich nicht zufrieden geben. Ich wusste, Geburt kann anders sein. Ichwollte positive Erinnerungen an einen der schönsten Momente im Leben haben, der für unser Kind die erste Erfahrung ist und sein ganzes Leben prägt. Nach längerer Recherche bin ich auf HypnoBirthing gestoßen – damit habe ich mich alleine ohne Kurs auf die Geburt vorbereitet. Ich hatte eine schöne, natürliche und selbstbestimmte Krankenhausgeburt. Ich habe 2015 die Ausbildung zur HypnoBirthing Kursleiterin gemacht, damit mehr Frauen von dieser wundervollen Methode erfahren. Ich bin unendlich dankbar für alle Paare, die mich bisher ein Stück auf ihrem Weg mitgenommen haben – die Kurse, die Kursteilnehmer und ihre Geburtsgeschichten/Rückmeldungen haben mich reifen lassen, inspiriert und gefesselt.

Bereits vor der zweiten Schwangerschaft wusste ich genau, wie die Schwangerschaft und die gynäkologische Begleitung ausschauen werden. Ich bin erst in der 13. Schwangerschaftswoche zum Arzt gegangen, ich wollte auf unnötige Untersuchungen verzichten. Da mein Gynäkologe mich nicht nach meinen Vorstellungen begleiten wollte, habe ich zu einer Gynäkologin gewechselt. Es war eine unglaublich entspannte Schwangerschaft – ich wusste, was ich will, ich war so sicher und dieser Weg fühlte sich so richtig an. Gleich zu Beginn der Schwangerschaft machte ich mich auf die Suche nach einer Hebamme. Ich wollte unser Kind zuhause bekommen, in angenehmer Atmosphäre, ohne die medizinische Überwachung. Mein Körper sollte die Zeit bekommen, die er benötigte und er sollte seinem Rhythmus und Tempo folgen dürfen. Ab der 28. SSW habe ich mich intensiv mit HypnoBirthing vorbereitet.

Die Hebamme war ca. 3 Wochen vor errechneten Termin noch einmal bei uns. Wir haben über unsere Geburtswünsche gesprochen, Ängste angesprochen, die meinen Ehemann beschäftigt haben und sie hat uns ihren Dienstplan mitgeteilt, da sie auch noch im KH tätig ist. Ich habe täglich mit dem Bauchbewohner gesprochen, wann ein guter Zeitpunkt für die Geburt ist und wann es weniger günstig aufgrund der Arbeitszeiten der Hebamme ist. Auf Wunsch der Hebamme und meines Ehemannes habe ich eine Krankenhaustasche gepackt, denn sollte es anders kommen als geplant, dann sind wir vorbereitet (trotz innerer Stimme, die mir sagte, dass es nicht notwendig ist).

Am 24.4. verspürte ich einen leichten Druck nach unten und ein leichtes Ziehen im Rücken (Kreuzbeinbereich), ich dachte sofort an Übungswellen (Vor-/Senkwehen), unregelmäßig und sie folgten keinem bestimmten Muster. An diesem Tag habe ich auch Jin Shin Jyutsu (besser bekannt als Strömen) angewendet, um mit der großen Lebensquelle in Verbindung zu treten, damit der Beckenboden weich wird und sich für die Geburt öffnet. Das hilft loszulassen und es gibt tiefes Vertrauen und hilft dem Kind mit Urvertrauen auf die Welt zu kommen. In der Nacht spürte ich nichts.

Am 25.4. spürte ich immer wieder ein leichtes Ziehen im Kreuzbeinbereich und einen leichten Druck nach unten. Das mag jetzt seltsam klingen, aber der Geruch der Geburt war in meiner Nase. Ich habe immer wieder meine Traumgeburt visualisiert und wie so oft an diesem Abend auch vor dem Einschlafen positive Geburtsberichte, hauptsächlich Alleingeburten gelesen  – sie haben mein Vertrauen in mich, meinen Körper und unser Kind gestärkt. Von 25.4. auf 26.4. haben wir alle wunderbar geschlafen.

Am 26.4. hatte ich einen letzten Kontrolltermin bei der Gynäkologin, den ich aber nicht mehr wahrnehmen wollte und so sprach ich in den frühen Morgenstunden mit dem Bauchbewohner, dass ich er sich bitte etwas einfallen lässt. Es sollte zum Wohlergehen aller Beteiligten sein.

Gesagt, getan – morgens beim Toilettengang, sichtbarer leichter, schleimig-blutiger Ausfluss – hab den Termin bei der Gynäkologin abgesagt. Ich hab die Hebamme informiert, dass ich glaube, dass sie sich für den nächsten Tag bereithalten kann, denn heute wird die Geburt nicht sein, da sie Nachtdienst hat und mein Ehemann auf ein Metallica Konzert geht. Am Vormittag bin ich mit unserem Sohn zum Reifenwechsel in die Werkstatt gefahren, am Nachmittag waren wir am Spielplatz und beim Nachbarn auf dem Bauernhof, das neugeborene Fohlen anschauen. Ich war den ganzen Tag in Bewegung, ich spürte selten Übungswellen und wenn dann nur ganz leicht. Um 17:00 ist mein Ehemann nach Hause gekommen. Ich hab ihn beruhigt, dass alles unverändert ist und er ruhig zum Konzert fahren kann. Mein Vater hat mich gegen 19:00 angerufen und gescherzt, ob ich denn schon in den Wehen liege. Ich habe gelacht und gesagt, dass ich da sicherlich Zeit hätte zu telefonieren. Nach dem Telefonat hab ich Quirin noch eine Geschichte vorgelesen und ihn ins Bett gebracht. Mein Mann hat um 20:00 vor Konzertbeginn noch einmal angerufen, ob sich etwas verändert hat. Ich konnte ihn beruhigen, dass ich ab und zu Wellen spüre, nicht aufregend. Anschließend habe ich mich mit der Regenbogenentspannung (HypnoBirthing Meditation) in die Badewanne gelegt. Das Ziehen im Kreuzbeinbereich wurde weniger und ich dachte, gut, dass ich die Übungswellen habe. Denn so kann ich die Wellenatmung gut üben und unser Kind bewegt sich tiefer nach unten. Die Geburt wird sicher sehr einfach werden. Gegen 21:00 wollte Quirin noch ein Wasser trinken. Ich hab mich kurz zu ihm ins Bett gelegt und überlegt, was ich machen würde, wenn dies der Geburtsbeginn wäre – Ich habe den Gedanken gleich wieder verworfen, da ich dachte, unser Schatz kommt sicher nicht an diesem Abend.

Um ca. 21:15 verspürte ich plötzlich ein Ziehen im Kreuzbeinbereich/Wellen ohne Pausen dazwischen. Ich bin meinem Bauchgefühl/meiner Intuition gefolgt und habe mich während ich die Wellenatmung anwendete kurz an den Türrahmen und die Türe gehängt. So konnte ich mich oben anspannen und unten loslassen. Ich ging kurz auf die Toilette und danach ins Bad, wo wieder Wellen ohne Pausen folgten. Ich lehnte mich auf das Waschbecken und plötzlich hatte ich den Schleimpfropf in der Hand. Ich dachte, ich könnte jetzt davon ein Foto machen, doch dazu kam es nicht mehr, denn es folgte eine erneute Welle. Ich drehte mich um, kniete mich auf den Boden vor der Badewanne, links an der Türe der Halter mit den Handtüchern. Ich hielt mich daran fest und veratmete die Wellen und es machte Platsch. Die Fruchtblase hat sich geöffnet und ein kleiner Schwall kam. Diese Kraft, die sogenannte Urkraft kam zum Vorschein. Bereits in der Vorbereitung habe ich mir immer wieder gesagt, dass die Wellen mein Körper produziert, dass ich die Kraft zulasse, die Energie einfach frei durch meinen Körper fließen lasse, jeder Welle positiv begegne … jede Welle bringt mich näher zu meinem Kind. Bis zu diesem Zeitpunkt war mir noch immer nicht bewusst, dass ich mitten im Geburtsverlauf bin, dass ich bereits in der sogenannten Übergangsphase bin. Die Eröffnungsphase hab ich mehr oder weniger komplett übersehen. Es ging mir der Satz von der Regenbogenentspannung durch den Kopf „du weißt, dass Geburt ein natürlicher Vorgang ist“ und mit der nächsten Welle spürte ich, dass der Kopf sich nach unten bewegt und einen Druck nach unten/Pressdrang. Erst jetzt war mir klar, dass ich gleich unser Baby im Arm halten werde. Der Kopf kam mit der Welle. Ich habe ihn mit der Hand noch ein bisschen zurückgehalten, gedacht: „Nur nicht pressen, warte auf die nächste Welle! Der Körper macht das von ganz allein.“ Und mit der nächsten Welle kam der Kopf. Ich spürte deutlich, wie das Baby sich leicht drehte und kurz darauf mit der nächsten Welle kam der restliche Körper mit Fruchtwasser. Ich hielt das Wunder im Arm – ein magischer Moment, welch unglaubliche Erfahrung. Es war so einfach, ich war absolut entspannt, in Trance und doch total klar. Die Geburtsphase war absolut schmerzfrei, ich war in einer anderen Welt, aber doch hier, dieses Vertrauen in mich und meinen Körper, unfassbar. Unser Sohn wurde um 21:40 geboren.

Ich hab mich auf den Boden gesetzt, unseren Schatz angeschaut und gesagt, dass dies so nicht ausgemacht war (oder haben wir es uns doch so ausgemacht?). Ich war so berührt und so dankbar. Ich kam vom Staunen nicht mehr raus. Er sah so perfekt und so entspannt aus. Welch ein Moment voller Liebe, Gefühle, die man nicht beschreiben kann. Der kleine Mann hat gleich problemlos an der Brust getrunken. Ich saß 20 Minuten auf dem Boden, bevor ich zum Telefon griff und die Hebamme anrief. Ich sagte ihr, dass sie es sicher nicht glauben kann, was mir jetzt passiert ist – ich halte unser Kind bereits im Arm. Sie hat mir gratuliert und gefragt, ob alles gut gegangen ist. Sie müsste mir jetzt die Rettung schicken. Ich habe dankend abgelehnt, da ich sowieso nicht einsteigen würde. Ich habe mit ihr vereinbart, dass ich mich erneut melde, wenn die Plazenta geboren ist. Die Nabelschnur wurde noch nicht durchtrennt, denn einer unserer Geburtswünsche war, die Nabelschnur erst nach der Plazentageburt zu durchtrennen. Die Hebamme meinte, wir können die Nabelschnur auch belassen, bis sie kommt oder bis sie von alleine abfällt (Lotusgeburt). Nach dem Telefonat mit der Hebamme sah ich, dass mein Ehemann mir geschrieben hat, dass das Konzert der Hammer ist. Ich habe ihm dann ein Bild gesendet und ihn gebeten nicht umzufallen, wenn er das jetzt liest. Er hat sich gleich auf den Heimweg gemacht – wir haben die ganze Autofahrt miteinander telefoniert. Eine Stunde nach der Geburt wurde die Plazenta problemlos geboren. Ich hab sie auf Vollständigkeit, soweit ich es beurteilen konnte, überprüft und die Hebamme erneut angerufen. Um ca. 0:00 kam mein Mann. Er machte das Bad sauber und wir legten die Plazenta in eine Schüssel. Wir wollten mit dem Durchtrennen der Nabelschnur auf die Hebamme warten, doch es war nicht einfach – Baby und Plazenta tragen – so haben wir beschlossen, die Nabelschnur zu durchtrennen. Sie war längst auspulsiert. Unser Baby hat alles erhalten, was ihm zusteht. Mein Ehemann durchschnitt die Nabelschnur mit der Schere aus der Küche. Er nahm den Kleinen auf den Arm, ich duschte und um 0:30 kam Quirin ins Bad und fragte ganz erstaunt, ob dies sein Vincent ist und wo denn der dicke Bauch von Mama jetzt ist. Mein Ehemann hat eine Jause vorbereitet und anschließend haben wir noch fest weiter gekuschelt und alles auf uns wirken lassen. Am Vormittag kam die Hebamme.

Es war eine unglaubliche Erfahrung. Unser Schatz kam entspannt in positiver Atmosphäre auf die Welt. Ich habe ihn mit meinen Händen empfangen. Ich hatte keine Geburtsverletzung. Der Wochenfluss ist minimal, denn der Körper konnte nach seinem Rhythmus und Tempo arbeiten. Es wurde nicht eingegriffen und interveniert. Ich fühlte mich nach der Geburt so voller Vertrauen. Es war unser Weg.

Liebe werdende Mamas, habt Vertrauen in euch und euren Körper und in die Fähigkeit ein Kind zu gebären. Übernehmt Eigenverantwortung und geht selbstbestimmt durch Schwangerschaft und Geburt. Es ist eure Schwangerschaft, eure Geburt. Ihr könnt es gestalten, so wie ihr es euch wünscht. Es wird euch verändern – auf vielen Ebenen.

Ein riesengroßes DANKE:

Ich bin so unendlich dankbar für meinen Ehemann, ohne ihn wäre vieles nicht möglich (gewesen) und unsere 2 Söhne, die mich/uns wachsen haben lassen. Sie sind das wunderbarste Geschenk.

Sarah Schmid für das Buch Alleingeburt, und Nina Winner von „Geburt und Mama sein“ für die schön gesprochene Regenbogenentspannung und die vielen Inspirationen.

Eine freie Geburt mit Hebamme

Die Mama im folgenden Bericht bekommt ihr zweites Kind. Aufgrund von Interventionen bei ihrer ersten Geburt im Krankenhaus entscheidet sie sich für eine Hausgeburt. Und dafür hat sie das Glück, eine tolle Hebamme gefunden zu haben. Die ist einfach nur da, lässt sie machen und ermöglicht ihr so ihre Traumgeburt.

Ich bin eine Frau und der Körper einer Frau ist perfekt dafür geschaffen, neues Leben entstehen zu lassen, ein Baby im Bauch heranreifen zu lassen und dieses Baby zum richtigen Zeitpunkt zu gebären. Schon als ich mit meiner nun bald schon vierjährigen Tochter schwanger war, wollte ich nichts anderes, als mein Baby selbstbestimmt und natürlich gebären. Denn dafür bin ich ja schließlich geschaffen! Da Krankenhäuser bekanntermaßen eine sehr hohe Interventionsrate haben, dachte ich, mit einer Beleghebamme und einer genauen Wunschliste, die wir im Vorfeld mit der Hebamme ausführlich besprochen haben, könnte ich all den Interventionen entgehen. Tja, Pustekuchen! Erste Aktion meiner damaligen Hebamme nach Ankunft im Krankenhaus war, mir einen Venflon-Zugang zu legen! Dann ein CTG in Rückenlage, Muttermundskontrollen, irgendwann wahrscheinlich eine für mich sehr unangenehme, schmerzhafte Eipollösung, Wehenhemmer, PDA, Wehenmittel, Vakuum. Die Wunschliste hätte ich mir auch sparen können! Natürlich wurde das alles mit mir „besprochen“ und begründet, aber unter der Geburt hat doch keine Frau die Kraft und vor allem Konzentration, zu diskutieren und sich gegen ausgebildetes Fachpersonal zu widersetzen. Und wie hätte ich mich denn mit einer Nadel im Handrücken, auf dem Rücken liegend, mit fremden Fingern in mir,… auf das Geburtsgeschehen einlassen können? Mich gehen lassen können? Für mich so keine Chance auf eine natürliche Geburt!

Also war schon vor der nächsten Schwangerschaft klar: Da geh ich nicht mehr hin! Das nächste Mal bleibe ich daheim. Mein Schatz fand den Gedanken anfangs befremdlich und vielleicht auch beängstigend (für ihn war Töchterleins Geburt auch alles andere als ein Spaziergang, es ging sehr lange, er hat mir so gar nicht helfen können und ich glaube, er hat es gar nicht ertragen, mich so leiden zu sehen). Aber nach ausführlichen Gesprächen, in denen ich ihm meine Beweggründe dargestellt habe und ihm vor allem erklärt habe, dass Hausgeburten statistisch genauso sicher sind wie Krankenhausgeburten, aber deutlich geringere Interventionsraten aufweisen, hat er mich verstanden und wollte diesen Weg mit mir gemeinsam gehen.

Also habe ich mir ziemlich schnell nach dem positiven Schwangerschaftstest eine Hausgeburtshebamme gesucht. Das war gar nicht so einfach, denn obwohl ich schon so früh dran war, haben mir einige absagen müssen, weil sie schon ausgelastet waren. Zum Glück sind wir dann bei unserer wundervollen Hebamme gelandet. Das erste Kennenlernen war sehr schön und hat Schatz‘ letzte Zweifel ausgeräumt. Ab da war auch klar, dass unsere Hebamme die Vorsorge übernehmen wird. Ich war nur zweimal bei der Frauenärztin. In der Frühschwangerschaft und zum Organscreening.

Die gesamte Schwangerschaft über ging es mir sehr gut und ich stimmte mich mit Büchern von Gaskin (Die selbstbestimmte Geburt), Mongan (Hypnobirthing), Leboyer (Atmen, Singen, Gebären) und Schmid (Alleingeburt) positiv auf die bevorstehende Geburt ein. Leider fingen wir uns fünf Wochen vor dem erratenen Termin alle drei eine fiese Grippe ein. Schatz und Töchterchen waren recht bald wieder fit, bei mir blieb ein hartnäckiger Husten und eine verstopfte Nase. Die Hustenkrämpfe waren teilweise so stark, dass ich richtig Schmerzen im Unterbauch hatte. Und eigentlich wollte ich zu dem Zeitpunkt intensiver meine persönliche Entspannungsübung, angelehnt an die Mongansche Regenbogenentspannung mit der tiefen Bauchatmung, üben, was aber mit verstopfter Nase unmöglich war. Mein Gemütszustand war verständlicher Weise nicht mehr ganz so berauschend, aber ich sagte mir, dass ich ja noch genügend Zeit zur Genesung habe.

Um mich wieder auf positivere Gedankenbahnen zu lenken, las ich so viel schöne Geburtsberichte wie möglich. Sämtliche Alleingeburtsberichte auf Sarah’s Blog verschlang ich geradezu. Gleichzeitig begann ich damit, mir meine eigene Geburt zu visualisieren, was mir aber nicht gelang, weil ich ja nicht wissen konnte, ob ich zum Beispiel im Pool sein würde, ob es mit Blasensprung beginnen würde,… Was aber super gut klappte, war mir zu visualisieren, wie ich an Sarah schreiben würde, um ihr von meiner wundervollen Geburt zu berichten. „Liebe Sarah, ich freue mich, dir heute von meiner perfekten, selbstbestimmten Traumgeburt zu schreiben …“ Das hat mein Unterbewusstsein ganz stark umprogrammiert!

Trotzdem gab es 10 Tage vor dem errechneten Termin noch einmal so einen richtigen Tiefpunkt. Durch das dauernde Husten hatte ich schon länger starke Schmerzen im linken Rippenbogen und eines Abends, nach einer ungünstigen Bewegung, ist es mir so richtig in die Rippe gefahren. Ich vermute, dass sie angeknackst ist. Konnte mich kaum bewegen und hatte Schmerzen beim Atmen! Wie sollte ich so gebären? Leider war Schatz an dem Abend nicht zuhause und so fiel ich in ein tiefes Loch und sah mich schon auf dem OP-Tisch für einen Kaiserschnitt. Ein Telefonat mit Schatz hat mich wieder ein bisschen beruhigt, so dass ich wenigstens einigermaßen zur Ruhe kommen konnte und die nächste Kontrolle bei unserer Hebamme am nächsten Tag abwarten konnte. Diese gab mir diverse Tipps und Hausmittelchen um endlich den Husten in den Griff zu bekommen, fühlte ein bisschen mit mir mit, hegte aber keinerlei Zweifel an der bevorstehenden Geburt. Dieses Vertrauen in mich hat mich wieder auf Kurs gebracht und ich habe ab da dankbar jeden weiteren Tag mit Baby im Bauch angenommen und zur weiteren Genesung genutzt und war gar nicht ungeduldig was den Geburtsbeginn anging.

Tatsächlich angefangen hat es dann in der Nacht von Ostersonntag auf Ostermontag, als wir ins Bett gegangen sind. Mit meiner, schon bei der ersten Geburt verwendeten und selbst aufgenommenen Entspannungsübung und der tiefen Bauchatmung konnte ich die Wehen sehr gut bearbeiten. Schlafen war jedoch, wie auch schon die Nacht vorher, nicht mehr drin. Die Wellen kommen unregelmäßig und in unregelmäßigen Abständen, aber es ist ein großer Unterschied zu den Übungswehen der vorherigen Nacht zu erkennen und langsam dämmert es mir, dass es nun ernst werden könnte. Durch den sanften und langsamen Beginn habe ich genug Zeit zu lernen, dass es für mich am besten funktioniert, wenn ich beim Einatmen zum Bauchaufblasen visualisiere, dass ich meiner Gebärmutter den nötigen Platz für ihre Arbeit gebe und beim langsamen nach unten Ausatmen den Luftstrom direkt durch den Muttermund lenke und ihn so bei der Öffnung unterstütze. Körper und Geist arbeiten Hand in Hand. Ganz erstaunlich ist auch, dass ich zwischen den Wehen durch den Mund atmen muss (wegen der verschnupften Nase), sich aber bei der Wehe wenigstens ein Nasenloch soweit „entstopft“, dass ich spätestens zum Ausatmen schön durch die Nase atmen kann. Wow!

5:30 Ich bin nun so richtig wach und habe keine Lust mehr im Bett zu liegen. Duschen tut gut. Die Wehen scheinen deutlich häufiger zu kommen, aber viel weniger stark zu sein. Bei jeder Wehe hänge ich mich an die Duschwand, lasse mir das angenehm warme Wasser über den unteren Rücken laufen und lerne, dass die tiefe Bauchatmung im Stehen nicht funktioniert. Stattdessen schaue ich den Bauch von oben an und gebe ihm beim Ausatmen einen Impuls nach unten. Ich lege mich wieder zum schlafenden Schatz ins Bett und habe kaum mehr Wehen bis Töchterchen mit ihrem üblichen „Hallo, ich bin da!“ zu uns ins Bett kommt und uns ihre Kuscheltiere zuteilt. Dann gehe ich aufs WC. Juhu, ein weiteres Anzeichen, dass es doch los geht: Ich habe richtig schön weichen Stuhlgang. Töchterchen kommt ins Badezimmer und ich erzähle ihr, dass sich das Baby auf den Weg gemacht hat. Sie ist begeistert und erzählt es gleich freudestrahlend dem Papa. Der freut sich und bleibt erstmal die Ruhe in Person.

Wir tauschen: Töchterchen aufs WC, ich wieder zu Schatz ins Bett.

8:45 Einmal bitte Prostaglandine zum Anstupsen: „Schatz, das war jetzt vielleicht das letzte Mal für ein paar Wochen. Und danach sind wieder Kondome angesagt.“

9:23 SMS an unsere Hebamme, dass sie sich heute vielleicht nicht allzu viel vornehmen soll.

9:30 Wir frühstücken gemeinsam. Als ich auf’s WC muss, freue ich mich über das nächste deutliche Geburtsanzeichen: der Anstupser von vorhin hat tatsächlich Wirkung gezeigt, denn ich habe den Schleimpfropf auf dem Klopapier. Irgendwie voll schön den zu sehen! Die Wehen kommen immer noch sehr unregelmäßig, aber manche möchte ich schon besingen. Und ich lerne, dass es ganz wunderbar ist, die Wellen stehend, mit den Händen auf der Wickelkommode abgestützt zu tönen und dabei den Bauch im gestreiften T-Shirt ganz bewusst anzusehen und ihm (bzw. der Gebärmutter und dem Baby) meine volle Aufmerksamkeit zu schenken. Töchterchen kann das Singen nicht so recht einordnen und ich befinde, dass es nun Zeit wird, die Großeltern zu bitten, sie abzuholen. Mein lieber, aufmerksamer Schatz fragt nach, ob er ihnen Töchterchen auf der Treppe übergeben soll oder ob sie noch rein kommen dürfen. Ich kann zwischen den Wellen noch sehr gut kommunizieren und freue mich, beide Schwiegereltern noch kurz zu sehen und nehme dankbar ihre guten Wünsche an.

Ruhe kehrt ein. Schatz macht alles geburtsbereit. Fixiert das Bettsofa im Wohnzimmer, legt die Matratze darauf, bezieht diese, hängt mir das Tragetuch auf, … Nur den Pool lässt er in der Abstellkammer. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich ihn brauchen werde. Ich räume Spielsachen auf, veratme diverse Wehen an unterschiedlichen Orten in unterschiedlichen Positionen und lerne, dass mir am wohlsten an der Wickelkommode oder am Waschbecken ist. Reden geht noch wunderbar. Ich fühle mich fit und wohl, von der angeknacksten Rippe merke ich nicht mehr viel (bin auch nicht, wie noch vor zwei Tagen, in meinen Bewegungen eingeschränkt). Nur die Schnupfennase nervt!

11:39 Ich liege (in Seitenlage) auf dem geburtsbereiten Bettsofa im Wohnzimmer und versetze mich mit meiner eigenen Entspannungsübung als mp3 noch einmal in eine Tiefenentspannung. Jedoch merke ich am Ende des Tracks, dass Liegen nun unangenehm wird. Also tigere ich wieder meine Runden zwischen Esszimmertisch, Wickelkommode und WC mit meiner Geburtsplaylist auf Dauerschleife im Hintergrund. Allerdings in einem komplett anderen mentalen Zustand wie noch davor. War ganz fest bei mir, meinem Körper und dem Baby, war aber überhaupt nicht so weggebeamt, wie während den Entspannungsübungen. Aber das wäre auch nicht gut gewesen, denn wie hätte ich denn sonst auf meine Intuition hören können … Augen während des Tigerns fast geschlossen, Schatz und alles andere ausgeblendet, während der Wehen auf die Wickelkommode abgestützt, die Welle willkommen geheißen und ganz bewusst den gestreiften Bauch angeschaut. Schatz‘ gelegentliche Nachfragen konnte ich ganz bewusst erfassen, habe aber bewusst knappe Antworten gegeben. Er hat sich mit Buch und Notebook im Wohnzimmer in eine Ecke außerhalb meines Sichtfeldes verzogen. Warmes Kirschkernkissen auf dem unteren Rücken ist eine Wohltat. Irgendwann zerre ich Töchterchens super weichen Spielteppich hinter mir her und Schatz hilft mir, ihn doppelt gefaltet vor die Wickelkommode in den Gang zu legen. Da hab ich wohl schon geahnt, dass das mein Platz zum gebären sein wird. Hin und wieder schmeiße ich mich zwischen zwei Wehen auf einen Kissenberg oder hänge mich ins Tragetuch um Kräfte zu sparen, aber spätestens zur Welle will ich mich stehend irgendwo abstützen können.

15:37 Mein Tönen wird kräftiger und mit meinem OK ruft Schatz unsere Hebamme an. Während der 30 minütigen Anfahrtszeit habe ich kurz gehofft, vorher noch so schwupp di wupp eine Alleingeburt hinlegen zu können (hahaha, ich denke ich war gerade mal gegen Ende der Eröffnungsphase). Dann habe ich mich aber darauf konzentriert, dass nur ich es bin, die das Baby gebären kann und wird und ich die Geburt nicht abgeben werde, nur weil eine Fachperson da sein wird. Ich glaube nämlich, dass mir das damals im Krankenhaus passiert ist. Irgendwann nach den ersten Diskussionen habe ich wohl unbewusst die Verantwortung abgegeben. So nach dem Motto: „Ihr wisst es besser als ich, ihr habt die Erfahrung. Also sagt mir, was ich machen soll.“ Und das kann meiner Meinung nach nicht funktionieren.

Nach Ankunft unserer Hebamme Unruhe. Beide queren meinen Weg, es wird geredet, telefoniert (mit der zweiten Hebamme, die informiert wird, dass sie in ca. 2 Stunden da sein sollte, um gegen Ende der Geburt da zu sein) und im Blickfeld gesessen. Natürlich alles sehr dezent, leise und zurückhaltend, aber ich konnte es nicht ertragen. Nur, dass die Hebamme nur noch mit zwei verbleibenden Stunden rechnet, hat mich dann doch irgendwie motiviert (kleine Anmerkung am Rande, die zweite Hebamme kam dann erst nach der Geburt dazu und von ihr habe ich gar nichts gemerkt!). Es hat mich enorm Überwindung gekostet, aber ich habe es geschafft ihnen mit einem kurz zugeworfenen „Bitte psst!“ klar zu machen, dass ich nichts von ihnen hören und sehen möchte, so dass wieder Ruhe einkehren konnte. Zum Glück habe ich mit beiden im Vorfeld besprochen, dass das so sein könnte und dass sie mir diese „Unfreundlichkeit“ bitte nicht übel nehmen sollen, sonst hätte ich es nicht geschafft, meine Bedürfnisse zu kommunizieren.

Während einer Wehe läuft mir Flüssigkeit zwischen den Beinen auf den Spielteppich. Ich vermute Fruchtwasser und ziehe mir die Hose auf dem WC ab. Wie gut, dass ich schon vor einiger Zeit Kniestrümpfe und Stulpen unter die Hose gezogen habe. Nur der kalte Popo stört mich. Darum bitte ich meinen Schatz nun um ein Feuer im Kamin. Der Fruchtwasserabgang ist der Aufmerksamkeit der Hebamme nicht entgangen und sie fragt, ob sie kurz die Herztöne hören darf. Sie darf, obwohl ich das Baby spüre und weiß, dass alles gut ist. Das war die einzige Interaktion von ihr. Kein Muttermund getastet, keine Positionen vorgeschlagen, kein Anfeuern … Perfekt für mich!

Danach „next level shit“: Die Wehen sind deutlich stärker und wollen lauter besungen werden. Zum Glück wissen unsere unter uns wohnenden Vermieter über die Hausgeburt Bescheid. Langsam zwingen mich die Wehen immer mehr in die Knie. Aber das ist nicht negativ gemeint. Ich spüre, wie es mich dehnt und der Kopf durchs Becken geht. Das tief und breitbeinig in die Hockegehen scheint den Vorgang zu unterstützen und fühlt sich wie das einzig Richtige an. Es ist unglaublich anstrengend! Ich bin laut! Ich sage Dinge wie: „ich mag nicht mehr“, „Baby du darfst jetzt kommen, es ist alles bereit.“ „Wir freuen uns auf dich“, „Ich kann nicht mehr!“ und rufe sogar nach meiner Mama!?? Und gleichzeitig fühle ich mich wie eine starke, wilde Löwin. Eindeutig die Übergangsphase!

Dann endlich Presswehen. In der tiefen Hocke! Unglaublich diese Kraft!!! Unbeschreiblich! Es geschieht einfach. Ich gehe mit, lasse meinen Körper machen. Schatz und die Hebamme sind nun näher bei mir. Hin und wieder bestätigen sie mich. Jedoch kein Anfeuern, keine Berührung! Ich blende sie aus und bleibe bei mir, meinem Körper und dem Baby. Immer wieder spüre ich nach dem weichen Köpfchen. Ein unglaubliches Gefühl! Nun ist es bald soweit. Trotzdem fühlt es sich wie eine Ewigkeit an. Ich schwitze unglaublich. Das Brennen wird stärker. Nach jeder Wehe rutscht das Köpfchen wieder etwas zurück und ich rufe dem Baby „Bleib bei mir!“ zu und weiß doch eigentlich genau, dass es genauso sein muss und gut ist. Noch ein paar mal presst mein Körper mit dieser Urgewalt, ich bekomme einen fiesen Krampf in den Fuß und das Bein, schiebe ein letztes Mal mit, gehe über das Brennen hinaus und halte plötzlich das unglaublich weiche, seidige, runde Köpfchen in meiner Hand. Und schon flutscht der Rest des Babys hinterher und ich nehme es in meine Arme. So warm, so weich, so wunderbar. Ich würde diesen Moment gerne schriftlich festhalten, aber es ist nicht möglich dafür Worte zu finden. Das kann man nur spüren …

Da sind wir nun beide, ich kniend und verschwitzt mit Krampf im Bein, er glitschig und blau in meinen Armen, lautstark über diese Ungeheuerlichkeit des In-die-Welt-geboren-werdens protestierend und dürfen uns nun voll und ganz auf die Unterstützung von Schatz und Hebamme verlassen. Vier starke Arme stützen uns und führen uns auf das Wochenbett. Fast unsichtbar agierende Hände legen alles mit Unterlagen aus, setzen uns auf’s Sofa, decken uns drei mit kuschelig vorgewärmten Handtüchern zu, räumen die „Sauerei“ weg … Schatz, Baby und ich sind happy und kuscheln erst einmal ausgiebig. Die Tränen in Schatz‘ Augen werde ich nie mehr vergessen.

Irgendwann hilft die Hebamme mir noch mit der Plazenta, schaut ob ich gerissen bin (nein, nur eine leichte Schürfung), hilft mir beim Duschen, durchtrennt die Nabelschnur und so weiter. Diese Unterstützung war perfekt für mich! Unter der Geburt fast unsichtbar, das Baby wurde in meine eigenen Hände geboren, und danach durfte ich die Königin sein und mich voll und ganz auf das Baby konzentrieren.

Einfach perfekt!

Ich bin meinem Schatz und der Hebamme so dankbar für alles was sie nicht gemacht und gemacht haben. Ich wünsche jeder schwangeren Mama, dass sie erspürt, was sie braucht und dies unter der Geburt auch bekommt und sie die für sie und ihr Baby perfekte Geburt hat, egal wo, wie und mit welchen Geburtshelfern.

Alleingeburt einer Beckenendlage

Wenn das Baby in Beckenendlage liegt, wird gern Panik geschoben und das Kind per Kaiserschnitt geholt. Diese Mama sah keinen Grund zur Panik. Als geburtserfahrene Mutter meisterte sie die Geburt ihres sechsten Kindes ganz souverän. Ein Bericht vom Geburtstag:

Um 0.59 Uhr wachte ich heute Nacht mit einer OK-das-sind-meine-gleich-voll-durchstartenden-Geburtswehen-es-geht los-Wehe auf. Die ersten drei lagen noch wenige Minuten auseinander, bis es gewohnt direkt im 1-2 Minuten-Rhythmus weiterging. Dann wurde der Jüngste wach, wo ich mich zulegen musste und 2-3 Wehen auf der Seite liegend ertragen musste – obwohl ich laut veratmen musste, schlief er wieder ein. Mein Mann ist wach geworden und hat schnell den Ofen im Wohnzimmer angemacht, damit es für die Beckenendlage besonders kuschelig ist. Die Matratze hatte ich schon geholt und vor die Couch gelegt und alle Kerzen angemacht. Nachdem ich dann wieder ins Wohnzimmer kam, brauchte ich auch prompt meinen Mann, der mir bei jeder Wehe die Faust ins Kreuz drücken muss, um mir den Schmerz etwas zu nehmen. Und schon kam am Ende der Wehe der leichte Pressdrang. 1x, 2x, okay, dann ging es los. Mein Mann sagte unserer Hebamme um 1.59 Uhr Bescheid, so dass sie rechtzeitig hinterher bei uns ist. Nun ging es richtig rund, die Fruchtblase käme, rief mein Mann. Da kam aber dann eine riesige Kugel gefüllt mit grünem Fruchtwasser, wo man dann sehe konnte, wie von oben noch Mekonium nachdrückte. Diese baumelte dann wiederum nur noch an den Eihäuten. Irgendwie sah das ganze aus wie ein elefantöser grüner Schlepphoden. Dann riss die Eihaut oben. Und ich war erstmal irritiert, weil es sich dann im Geburtskanal so leer anfühlte. Dann rollte eine gewaltige Presswehe nach der anderen an, ich spürte, wie sie sich durcharbeitete, der Po erschien, mein Mann filmte auf meinen Wunsch alles und war völlig fasziniert und hielt mich komplett “auf dem Laufenden”. Dann kam sie Stück für Stück mit jeder Wehe, ich spürte ihre Drehung, ihre Arme. Sie entwickelte ihre Beine und war bis zum Brustkorb draußen. Dann kamen keine Wehen mehr. Ich wusste ja, dass das Zeitfenster ab nun begrenzt ist und habe sie dann ohne Wehen in fünf Minuten Stück für Stück rausgepresst, was eine Anstrengung! Dann entwickelte sie ihre Arme und war damit in 10 Sekunden in einem Flutsch komplett geboren. Man hörte nur ihren Atem, kein Schreien, völlig entspannt. Wie glatt und hübsch doch ihr Gesicht ist! Drei Minuten später traf unsere Hebamme ein – perfektes Timing! Sie durfte ja nur rechtzeitig hinterher eintreffen, aber für die Nachgeburt wollte ich sie als Backup haben, da ich letztes Jahr schwere Plazentalösungsblutungen hatte. Wie immer ließ die Plazenta sich Zeit, ich will dann auch nicht angefasst werden, usw. irgendwann fühlte die Hebamme dann doch und tastete und nahm die Nabelschnur, ich sagte sofort “Bloß nicht ziehen!!!”, aber genau da zog sie, nur ganz leicht – wirklich kaum merklich – und zack, hatte sie die Nabelschnur ohne Plazenta in der Hand … da dachte ich wirklich, nu müssen wir doch ins Krankenhaus … mein Kreislauf ging mir schon weg, mehr als Liegen ging nicht mehr. Ihr Arm verschwand bis fast zum Ellenbogen in mir (sowas würde ich mir als puren Horror ausmalen, aber es war kaum spürbar, allerdings ist sie zum Glück auch recht zierlich), aber die Nabelschnur bekam sie nicht zu fassen (hinterher sahen wir, das ca. 1cm an der Plazenta gerissen ist). Zweimal bekam ich insgesamt Oxytocin gespritzt, irgendwann kam statt riesen Koageln dann endlich die Plazenta, die ich selber rausdrückte. Die Blutungen hörten dann umgehend auf. Sie kontrollierte sofort die Plazenta und war total aus dem Häuschen. Sowas hatte sie in der Form auch noch nie gehabt. Eine zweigeteilte Plazenta (placenta bipartita), komplett durchgehend in der Mitte nur von Eihaut von einigen Zentimetern Breite verbunden und die Gefäße liefen durch diese Eihaut hin und her. Wäre hier interveniert, die Blase geöffnet und ein Gefäß angeritzt worden … Auf meinen Mann bin ich irre stolz – manch ein Geburtshelfer hätte sicher nicht die Finger davon lassen können, vor allem, als die letzte nötige Wehe nicht kam. Er hat auch so aufgepasst beim Wechsel der Unterlagen, usw., dass er bloß nicht an die Kleine kommt und dadurch den Moro-Reflex auslösen könnte. Einfach perfekt.

Geboren am 25.4.2018 bei ET+10: Luise Josefine – 4490g – 53cm – KU 38cm

So kam Jasha auf die Welt – Alleingeburt beim ersten Kind

Diese Mama hat sich bei ihrem ersten Kind für eine Alleingeburt entschieden. Wie sie diese Geburt erlebt hat, schildert sie im folgenden Bericht.

Geh ins Krankenhaus, haben sie gesagt. Es ist gefährlich, haben sie gesagt. Du kannst dabei sterben, haben sie gesagt. Aber was ist wenn, haben sie gesagt. Denk doch mal an dein Kind, haben sie gesagt. Dein Baby ist deinem Vorhaben ausgeliefert, haben sie gesagt, es könnte behindert werden, drohten sie mir an. Hebammen wollten die Nachsorge nicht machen, weil sie Angst vor dem Zustand meines Babys hatten, in dem sie es vorfinden würden. Ärzte erzählten mir Horrorgeschichten, um mir Angst zu machen. Die Familie glaubte nicht an mich, Freunde, Bekannte projizierten ihre Ängste auf mich. NIEMAND hat mir vertraut. NIEMAND wollte hinter mir stehen.
Nur zwei Menschen haben verstanden, was es mir bedeutet zu Hause und ohne Hebamme mein Baby zu bekommen. Nur zwei Menschen haben mir soweit vertraut, dass sie hinter mir stehen konnten. Ich danke diesen Menschen, sie waren ein Teil der Geburt.

Wir schreiben den 03.04.2018, als ich am Morgen erwachte. Meine Gedanken sind noch sehr leise und ich war noch nicht richtig in der Wirklichkeit angekommen, als mir ein Gedanke in den Kopf schoss, der mich sofort hell wach machte. Heute geht es los. Ich wusste es mit einer inneren Bestimmtheit, die mir nur meine Intuition hätte vermitteln können, denn besondere Anzeichen gab es keine.
Ich bin 40+1 und hatte die letzten Nächte schon ein schönes leichtes Ziehen im Unterleib. Es war mit Regelschmerzen zu vergleichen, nur das ich sie zu dieser Zeit wirklich genoss. Denn sie bedeuteten den baldigen Beginn der Geburt und somit die Ankunft meines Sohnes. Einige Nächte besuchte mich dieses Ziehen im Unterleib, um dann am Tage wieder zu verschwinden. An diesem Morgen war etwas anders, irgendwas. Ich wusste nicht was, doch dies zu spüren verlieh mir das Wissen, dass ich und Baby soweit sind und es heute los gehen wird. Ich blieb noch ziemlich lange im Bett liegen, um das Ziehen im Unterleib nicht im Alltag zu verlieren, wollte es auskosten und hatte sowieso nichts Großartiges zu tun. Irgendwann stand ich dann jedoch auf und lebte den Tag. Nichts besonderes. Essen, aufräumen, putzen und dann war es schon Mittag. Auf der Toilette geschah es dann. Der Schleimpropf. Da war er, in dem gefalteten Klopapier, mit dem ich mich sauber machte. Ich starrte ihn einige Sekunden an, um zu fassen was dies zu bedeuten hatte. Lange hatte ich auf ihn gewartet, immer wieder hatte ich mich gefragt, wie es wohl sein würde oder ob erst die Fruchtblase platzen würde. Also war mein Gespür der Wahrheit treu geblieben, die Geburt würde bald beginnen.
Ich wurde sehr euphorisch, sprang aus dem Bad und berichtete meinem Schatz von den neusten Ereignissen. Er stellte dieselbe Frage wie schon seit 3 Wochen: „Soll ich den Pool aufbauen?“ Doch das wollte ich wie in den letzten 3 Wochen auch, immer noch nicht, denn, in dem dafür vorgesehenen Raum, das Wohnzimmer, lagen immer noch die Hundebetten und Hunde hatten ihren Zugang dazu. Und ich machte mir Sorgen, dass der Pool kaputt gehen würde. Nun aber begann die Endphase der Vorbereitung für die Ankunft unseres Babys, alles sollte bereit sein und ich hatte schon einen intuitiven Plan für alles, der nun in die Tat umgesetzt werden sollte. Mein Freund holte dann das große Hundebett aus dem Wohnzimmer und suchte einen anderen Platz dafür. Das kleine blieb wo es ist, denn ich wollte meine älteste Hündin Shelby bei der Geburt dabei haben, so wie ich auch die Geburt ihrer Babys vor einem Jahr miterleben durfte.
Überall hatte ich Kerzengläser hingestellt. Ich überprüfte, ob Teelichter darin waren, staubsaugte und feudelte den Raum bis alles perfekt war. Dann schloss ich vorzeitig die Tür zum Geburtsraum und legte mich wieder ins Bett um zu schlafen. Gegen frühen Abend wachte ich auf. Im Liegen hatte ich immer wieder dieses Ziehen im Unterleib. Es war wunderbar. Ich erinnere mich nicht mehr, wie ich die Stunden verbracht habe, jedenfalls war es irgendwann gegen 21 Uhr, wo ich nun auch ohne zu liegen kleine Wellen verspürte. Ich machte mir eine warme Milch mit Honig und Zimt und ging dann Treppen steigen. Einfach weil ich das Gefühl hatte es tun zu wollen. Nach dem fünften Mal hörte ich wieder auf, denn die Wellen wurden schon sehr unangenehm beim Hochgehen. Also wieder zurück in die Wohnung um dort dann auf die Toilette zu gehen. Während ich dort so saß, kam die Schwiegermutter zu uns rüber, um sich nach mir zu erkundigen. Sie machte sich Sorgen wegen der bevorstehenden Hausgeburt, so wie alle anderen Menschen die davon wussten auch. Mein Freund hatte von dem Schleimpfropf erzählt und das es wohl soweit war. Also wollte sie schauen, wie es mir ginge. Als sie wieder gegangen war, tigerte ich durch die Wohnung, entzündete alle Kerzen in jedem Raum, da ich mir sicher war, dass ich alle Räume benutzen würde und es gern überall gemütlich und geborgen haben wollte. Mein Freund durfte nun endlich den Pool aufbauen, ich spürte dass er es gar nicht richtig fassen oder wahrhaben konnte, weil man solange auf diesen Moment gewartet hatte. Eine freudige, kindliche Aufregung durchströmte ihn. Ich selbst war ganz ganz bei mir. Zutiefst intuitiv. Ich bekam kurzfristig noch einen Gymnastikball der schnell aufgeblasen wurde. Darüber habe ich mich sehr gefreut.

Die Wehen wurden stärker. Immer wieder musste ich auf die Toilette. Ich war dankbar, dass mein Darm sich entleerte. Ich wollte nicht, dass im Pool noch etwas anderes aus mir herauskam als ein Baby. Ich schrieb mit meiner Schwester und sagte ihr, dass kein Zweifel mehr bestehen würde, es gehe wirklich los, die Wehen hauten nun schon echt rein. Es war ca. 22-22:30 Uhr. Meinem Freund gab ich Bescheid den Pool zu füllen. Ich wollte mit einer Wehen-App die Wehenabstände messen, verlor das aber immer wieder aus den Augen und es war auch irgendwann nicht mehr nötig dies zu kontrollieren. Einfach weil ich jede Kontrolle aufgab, denn die Geburt war so oder so in vollem Gange. Allerdings, nur in meinem Inneren. Wenn man sich so die Berichte von anderen Geburten durchgelesen hat, entstand irgendwie der Eindruck, als wäre total viel los. Jetzt wo ich selbst einen schreibe, muss ich dazu sagen, dass in der äußeren Welt gar nichts passierte. Nichts, es war quasi schon langweilig. Mein Freund machte immer mal wieder Witze, ich schätze um mit der Situation besser umgehen zu können, da es einfach nichts zu tun gab außer der Pool der in seinem Aufgabenbereich lag. Die Wehen waren zwar schon doll, aber immer noch irgendwie auf die leichte Schulter zu nehmen.
Als der Pool voll war, saßen mein Freund und ich noch eine Weile auf dem Sofa. Die Wehen hatten sich in Rückenwehen verwandelt, was ich als sehr schmerzhaft empfand und auch nicht sehr gut damit umgehen konnte. Wahrscheinlich weil ich genau das nicht haben wollte und ich innerlich mit Widerstand und Anspannung reagierte. Ich wusste in den Momenten der Rückenwehen nicht wohin mit mir. Ich fand innerlich keinen Halt der mir hätte helfen können. Ich bat meinen Freund mein Becken zusammen zu drücken und das verschaffte mir etwas Linderung. Wir sind dann beide zusammen in den Pool geschlüpft und auch dort musste er noch zweimal mein Becken zusammen drücken. Kurz darauf hat eine Mission ihn wieder aus dem Wasser gefischt, ich weiß aber nicht mehr welche es gewesen ist, nur das ich dann auch wieder raus bin, weil ich erneut auf Toilette musste. Darm entleerte sich. Danach saß ich auf dem Sofa. Ganz aufrecht und wartete bewusst auf die nächste Wehe, und als sie angerollt kam, spürte ich den Punkt, wo sie in den Rücken wandern wollte. Ich rutschte mit meinem Bewusstsein sehr tief in mich hinein und hielt den Punkt aufrecht an dem die Wehe abrutschen wollte, dabei entspannte ich mich zutiefst. Die Wehe blieb wo sie war. Ich freute mich sehr darüber und wartete auf die nächste, und auch dieses Mal schaffte ich es, sie im Unterleib zu behalten. Und von da an war jede Wehe dort anzutreffen. Nun war ich sehr tief mit meinem Körper verbunden und wirklich sehr entspannt. In mir gab es nichts mehr außer Wehen und Wehenpausen. Mein Freund brachte wieder einen Spruch wie, die Geburt sei ja gar nicht so schwer. Ich guckte ihn einfach nur schief an, denn wir wussten beide, dass diese Worte nur auf ihn bezogen waren. Langsam aber sicher wurden die Wehen wirklich krass, muss ich sagen. Ich dachte zwischendurch, dass ich dann lieber doch noch nicht so weit wäre und gern schlafen gehen würde, denn nach den Wehen war ich unglaublich müde. Ich legte mich dann ins Bett. Mein Freund folgte mir überall hin um einfach da zu sein für den Fall, dass ich ihn brauche und um diese Erfahrung hautnah mitzuerleben. Im Bett hielt ich ungefähr zwei Wehen im Liegen aus, (keine Ahnung wie die Frauen das im Krankenhaus aushalten, Hut ab) die nächsten Wehen stand ich schnell auf und hockte mich auf den Boden, um mich danach wieder hinzulegen. Mein Wunsch zu schlafen stieg ins Unermessliche. Ich hatte es nicht bemerkt, doch war ich inzwischen in einer Art Trance. So stark waren die Wehen schon. Ich würde es so beschreiben, dass der Geist nicht mehr richtig in der Lage ist, am Geschehen in der äußeren Welt teilzunehmen, weil die Kraft der Wehen das Bewusstsein so tief in den Körper zieht, das man mit seiner gesamten gesammelten Aufmerksamkeit dort ist. Während der Wehen spürt man diese gewaltige Natur die den Körper beherrscht und danach ist dieser in einem Zustand, den ich schon als Schlaf bezeichnen würde. Um jede noch so winzige Kraft zu sparen, die für die nächste Welle benötigt wird.

Ich wusste, dass ich in der Eröffnungsphase bin und das diese Phase am Ende am heftigsten sein soll. Allerdings war das alles einfach nur heftig und jetzt im Nachhinein empfinde ich gewaltige Liebe für mich, meinen Körper, die Wehen und alles was so passiert in solch einem Augenblick. Ich musste das Bett verlassen. Es gehörte nun nicht weiter zur Geburt dazu, und ich zog mich im Badezimmer aufs Klo zurück, denn dort hatte ich das Gefühl, die Wehen am besten aushalten zu können. Gott sei es gedankt, dass die Wehen immer ca. nur 1 Minute angehalten haben. Ich hab jegliches Zeitgefühl verloren. Ich kann nur sagen, dass plötzlich meine Freundin, der ich gegen 23 Uhr geschrieben hatte, dass es losginge, vor der Türe stand und fragte, ob sie reinkommen darf. Oh wow, ja bitte, rief ich vom Klo. Mein Gott, war ich dankbar, diese Seele an meiner Seite zu wissen. Es war inzwischen 01:30. Das war die Zeit, in der sie bei uns angekommen ist cirka. Als sie im Türrahmen stand und ich versuchte mit ihr zu sprechen, war mir ganz schwummrig. Es war zu viel für meinen Geist, mich so auf die äußere Welt zu konzentrieren. Ich sagte ihr kurz, wie heftig das ganze war, dann war ich wieder in meinem Inneren, zog mich vom äußeren Geschehen zurück. Sie fragte, ob sie mir Kerzen im Bad anmachen sollte, ich saß nämlich immer noch auf Klo. Ich konnte gar nicht darüber nachdenken, mir waren die Kerzen auf einmal völlig wurscht. Musst du nicht, nuschelte ich. Sie meinte, dass die Heiligkeit der Geburt von Kerzen begleitet werden sollte und machte mir ganz viele an. Die beiden drehten die Musik im Wohnzimmer lauter, damit ich sie auch von hier hören konnte und ich bat einfach nur die Tür zu schließen, da sich nochmal der Darm entleerte. Danach saß ich noch einen Moment und dann spürte ich es. Es war ohne Schmerz oder dergleichen. Etwas flutschte in den Geburtskanal. Ich spürte es so deutlich, dass ich dachte, ich bekomme mein Baby nun auf dem Klo…
Nein, das wollte ich nicht. Ich wusste nun, dass die Übergangsphase begonnen hatte und das gab mir nochmal Kraft, Kraft die ich nahm, um ins Wohnzimmer zu gehen, denn es war Zeit, in den Pool zu steigen. Freund und Freundin kamen hinterher. Ich zog meinen Bademantel aus und setzte mich in den Pool. Um genauer zu sein legte ich mich hinein, auf den Armen gestützt, auf den Rücken. Mein Körper schlief während der Wehenpausen, und doch war ich da, wach, mit vollem Bewusstsein dabei. Der Druck nach unten, bzw. es fühlte sich so an, als wäre er hinten, war nun so immens stark, dass ich dachte ich würde es nicht schaffen. Niemand sagte mir, wie lange ich noch durchhalten musste.

Nicht lange und die Wehen verwandelten sich ins Pressen. Ich beschreibe es so, das die Wehen beginnen, und ehe sie enden münden sie darin, dass der Körper einfach presst. Das fühlt sich unglaublich gut an. Denn es ist kein Schmerz. Es ist auch nicht so, dass man etwas dafür oder dagegen machen kann. Es passiert einfach. Der Körper macht das. Jetzt im Nachhinein wüsste ich, dass man noch zusätzlich mit drücken könnte, aber das ist unnötig und hat wieder etwas mit Kontrolle, Ungeduld zu tun und kommt vom Verstand. Außerdem traut man sich gar nicht, denn schon kurz nach den ersten Presswehen, womit auch die Austreibungsphase beginnt, wird das Baby nach draußen gedrückt. Und dieser Dehnungsmoment, ist… nicht zu beschreiben, wie sich das anfühlt. Als ich es das erste Mal spürte, sagte ich meinen beiden Begleitern, dass das Baby jetzt kommt. Das war einfach glasklar für mich. Die beiden sprangen kurz auf, wurden ganz aufgeregt und setzten sich dann wieder, denn etwas Geduld mussten sie noch haben, wie sie bemerkten.

Ich hatte mir sehr fest vorgenommen, leise bei der Geburt zu sein. Ich war auch nicht laut, Nachbarn haben nichts mitbekommen, aber in den Momenten wo das Baby immer noch ein Stückchen mehr Dehnung gefordert hat, immer wenn die Presswehen Erfolg hatten und das Baby ein Stückchen weiter geschoben wurde, habe ich geschrien. Vor Schreck. Es war wirklich zu krass für mich, um dabei still zu sein. Zumindest beim ersten Mal.
Ich weiß nicht genau, wie viele Presswehen es waren, nur das ich mir bei jeder immer etwas Sorgen machte, denn es fühlte sich wirklich so an, als würde das Baby hinten rauskommen, denn dort war der gesamte Druck. Ganz komisch. Die Sorge war darauf bezogen, dass sich der Darm nun aus Versehen im Pool entleerte, doch ich muss mit Begeisterung sagen, dass der Körper das alles wirklich wunderbar regelt. Er ist wirklich unglaublich intelligent.
Jedenfalls wechselte ich nun meine Position. Ich kniete mich nun hin und stützte mich auf meinen Armen. Nach der nächsten unglaublichen Presswehe und Dehnungsübungen meiner Vagina, hatte ich den Impuls, einmal mit meinen Fingern zu tasten, wie sich das alles anfühlte was dort geschah und was soll ich sagen, es war sagenhaft. Ich konnte mein Baby berühren. Ich konnte schon seinen Kopf ganz vorn am Ein- oder Ausgang, ganz wie man es sehen mag, berühren. Das war so unbeschreiblich wundervoll, dass ich nun wieder ganz viel Mut und Kraft hatte. Ich wusste, ich habe ihn gleich geboren. Bei jeder weiteren Presswehe spürte ich, wie er nach vorn geschoben, spürte, wie ich unsagbar gedehnt wurde, und wie das Baby wieder zurück flutschte, wenn die Wehe vorbei war. Immer wieder berührte ich seinen Kopf, dessen oberster Teil nun schon beim zurück flutschen nicht mehr in der Vagina verschwand.
Ich wusste jetzt, dass ich nur noch eine Wehe durchhalten musste. Noch eine Wehe. Bei dieser Wehe drückte ich mit und plötzlich … war er da, der Kopf. Er war einfach geboren. Sofort sagte ich es den beiden: Der Kopf, ich habe den Kopf geboren! Wir waren alle aus dem Häuschen. Ich hatte den Kopf meines Babys geboren. Ganz alleine. Ich habe es ganz allein geschafft. Das war so unwahrscheinlich schön zu wissen, es bis hierher geschafft zu haben. Mein Baby war noch in der Fruchtblase eingepackt. Sie umschloss ihn noch im Ganzen, war also intakt. Ich spürte, wie er sich bewegte, bzw. wie sein kleiner Körper sich drehte, teilte es sofort meinen Begleitern mit, und wir alle wussten, dass er lebte. Bei der nächsten Wehe kam dann sein wunderschöner kleiner Körper heraus. Ich fing ihn auf und damit platzte dann die Fruchtblase. Ich holte ihn langsam aus dem Wasser und er schrie sofort. So wurde er geboren am 04.04.2018 um 03:00 Uhr.
Oh man war das heftig … und am Ende hält man sein ganz eigenes Baby im Arm.

Ich habe mit 26 Jahren mein erstes Baby bei mir zu Hause im Wohnzimmer bekommen, allein ohne Hebamme ohne Ärzte, ohne Medizin, entgegen aller Erwartungen, dass uns etwas passieren würde. 100 Menschen haben 9 Monate auf mich eingeredet, gesagt ich poker mit dem Leben von mir und meinem Kind, ich würde dabei sterben und mein Baby behindert werden und trotzdem habe ich immer nur mir selber vertraut. Nur mir selbst, ich wusste, dass es für mich keinen anderen Weg gibt. Auch wenn alle wollten, dass ich ihren gehe, bin ich meinem Pfad, den der Natur, gefolgt und ich liebe es und würde es immer und immer wieder so tun. Das ist eines der schönsten Empfindungen überhaupt und das Allerbeste, was ich meinem Baby geben konnte. Er ist so harmonisch und friedvoll geboren. Ich war zu jeder Zeit entspannt, ich hatte nicht eine Sekunde das Gefühl, dass etwas nicht stimmen würde oder nicht in Ordnung gewesen wäre (eine Krankenhaustasche war schon seit Tagen gepackt, falls medizinische Hilfe notwendig gewesen wäre, weil unser Leben davon abhinge).

So war es. So kam mein kleiner Jasha auf die Welt. Ohne Eingriffe, ohne Kontrolle, ohne Fremdbestimmung.
Sondern mit Liebe, Vertrauen und Urwissen.