Leben ohne Schule – Wie wir lernen

Heute mal ein Beitrag nicht zum Thema Geburt. Aber da es einige interessiert, erzähle ich euch mal, wie unsere Kinder ohne Schule leben und doch was lernen. 😉

Die meisten Dinge lernen sie eigentlich aus dem Alltag mit uns. Kochen, Einkaufen, Nähen, Wäsche waschen, im Garten arbeiten …

Daran knüpfen sich automatisch typische Schulfächer: Einkaufslisten müssen geschrieben werden, Zutaten abgewogen, Pflanztiefen gemessen und Wechselgeld nachgezählt werden.

Vormittags haben wir meist eine Zeit, wo außerdem das schulisch geübt wird, was sich nicht so ganz von allein ergibt. Momentan ist das zum Beispiel die Schreibschrift. Mir ist es persönlich wichtig, dass die Kinder eine Schreibschrift lernen. Das Lesenlernen bringen sich manche Kinder selbst bei, manche wollen dabei aber gern begleitet werden. Das ist also auch etwas, das ggf. vormittags geübt wird. Genauso wie Englisch.  Wobei sich das auch gut über Filme und Besucher aus dem Ausland lernt. Dank Besuchern über workaway.info kann unsere Große schon ziemlich gut Englisch. Mit dem Französischen ist es für uns nicht so einfach, obwohl wir in Frankreich sind, da hier eben fast überall auch elsässisch (ein deutscher Dialekt) gesprochen wird. Da haben wir jetzt aber eine Lehrerin gefunden, die ins Haus kommen wird. Eine ganz Klassische, aber ich bin offen und gespannt, wie die Kinder das aufnehmen.

Das, was wir Schulisches machen, ist in jedem Fall auf den Vormittag beschränkt und der Nachmittag ist frei und entspannt.

Die beiden Großen lernen außerdem ein Musikinstrument – hier vor Ort an der Musikschule.

Welche Materialien nutzen wir? Unser Schulschrank quillt über und unsere Bücherkisten auch.

Eigentlich macht die Arbeit mit diesen Büchern nur ein Bruchteil des Lebens ohne Schule aus. Aber weil die meisten durch die Schule so geprägt wurden, hält man diesen Teil für besonders wichtig und entsprechend gibt es dazu häufig Fragen. Deshalb  im Folgenden die klassischen Schulmaterialien, die wir gern nutzen:

Zum Lesenlernen die Fibel von Mildenberger: Das Buch verwendet das Prinzip Lesenlernen nach Silben, was mir gut gefällt und das Lernen leicht macht.

Zum Erlernen einer Schreibschrift nutzen wir einen Schreibschriftlehrgang ebenfalls von Mildenberger: Zum Schreibenüben der besten Lehrgang den ich finden konnte. Auch wenn wir die Silben nicht mit blau und rot im Wechsel schreiben. Das haben unsere Kinder – jedenfalls die, die damit schon schreiben gelernt haben – nicht gebraucht. Aber trotzdem gefallen mir das Gesamtkonzept und die Illustrationen besser als die von vielen anderen Hefte, die ich mir angeschaut habe.

Besonders beliebt sind außerdem die Hefte der Stars-Reihe: Hier darf sich das Kind für die Bearbeitung von (meist) zwei Seiten einen Stern einkleben.

Und Alfons Lernwelt, ein Computerlernprogramm, mit dem auch unsere Fünfjährige schon begeistert arbeitet: Alfons, der kleine Geist, kommentiert geistreich und witzig und begleitet durch die Übungen. Man verdient sich mit dem Durcharbeiten der Übungen Heller, die man einsetzen kann, um sich ein Zimmer einzurichten oder andere spaßige Dinge zu machen.

Die Welt mit ihren Themen darf bei uns zu Hause auch nicht fehlen.

Diese Karte von www.weltkarten.de durfte ich für euch testen. Sie ist auf Leinwand, aber es gibt sie auch auf Holz, Alu und natürlich Papier. Ich mag die unaufdringlichen Farben dieser Version. Die Aufhängelösung ist erfreulich einfach gestaltet. Ein bisschen schade ist, dass die Schrift bei kleinen Städtebezeichnungen nicht mehr lesbar ist und sich manchmal farblich auch kaum vom jeweiligen Hintergrund abhebt. Da muss man ziemlich nah herangehen. Schade ist auch, dass die größeren Versionen gleich so viel teurer sind. Unsere ist die 100×50 cm Variante. Aber auf jeden Fall sehr dekorativ und ein schönes Accessoire für das Lernen zu Hause.

Was ist nun das schönste am Lernen ohne Schule?

man darf ausschlafen

man kann sich seinen Tag frei einteilen

nachmittags warten keine Hausaufgaben

und es gibt kein Mobbing und kein Ärger mit Lehrern.

Was sind die Nachteile?

In unserem Fall, dass die Kinder nicht automatisch französisch lernen, wie das der Fall wäre, wenn sie hier in die Schule gingen.

Freunde findet man nicht auf dem klassischen Weg, aber dafür gibt es zum Glück Nachbarn, Vereine und Schulfreitreffen.

Interessiert am freien Lernen? Lust, etwas für die Bildungsfreiheit in Deutschland zu bewegen? Werde doch Mitglied der Schulfrei-Bewegung

Mein Weg zu Freiheit und Selbstbestimmung – Ein Erfahrungsbericht

Ihr Lieben, der folgende Bericht stammt aus einer Email, die diese Mutter an mich geschrieben hat. Ich fand ihre Geschichte so inspirierend und kraftvoll, dass ich sie gefragt habe, ob ich sie mit euch teilen darf. Sie schildert darin die Geburten ihrer drei Kinder und ihren Weg von der Fremdbestimmung zur Selbstbestimmung. 

In meiner dritten Schwangerschaft habe ich erstmalig von Alleingeburt, einer schönen Geburt, Geburt ohne Ärzte, Hypnobirthing und ähnlichem gehört. Nachdem ich zwei Schwangerschaften und Geburten erlebt habe, die ich so überhaupt gar nicht wollte, habe ich alles verschlungen was mit dem Thema zu tun hatte. Schon in meiner ersten Schwangerschaft war ich sehr unglücklich. Diese vielen Untersuchungen, dieser Druck, jedesmal wurde etwas Neues festgestellt. Ich musste jede Woche zum Ultraschall kommen. Weil ich natürlich risikoschwanger war. Mein Kind war viel zu klein. Mein Kind hatte dies. Mein Kind hatte das. In der 29. Schwangerschaftswoche habe ich dann Wehen bekommen und habe das Krankenhaus erst nach der Geburt bei 34+0 wieder verlassen. Für mich eine fast traumatische Erfahrung. Ich wurde angeschrien, gezwungen mich auf den Rücken zu legen obwohl ich mehrfach sagte, dass ich mich auf der Seite viel wohler fühle und meine Schmerzen viel erträglicher wären. Dies wurde aber ignoriert. Ich wurde festgehalten, wenn ich mich bewegen wollte. Mir wurde ein Katheter gelegt, damit mein Baby mehr Platz hat und schneller raus kommt, obwohl ich dies verneinte. Meiner Tochter musste noch in meinem Unterleib Blut aus dem Kopf abgenommen werden. Ich wurde angeschrien, dass mein Baby jetzt stirbt, und schon pressten zwei Ärzte mit vollem Körpergewicht auf meinen Bauch um mein Baby zu gebären. Mein Muttermund riss sogar dabei ein. Über die weiteren Geburtsverletzungen an Damm, Schamlippen und von innen in der Scheide muss ich vermutlich nichts erzählen. Meine Tochter wurde mir sofort weggenommen und lag zwei Wochen lang auf der Intensivstation.
Damals dachte ich, das war alles so richtig.
Dann wurde ich zum zweiten Mal schwanger. Ich ging (natürlich wie jeder) zum Frauenarzt. Musste ganz schnell alle 2 Wochen kommen, da meine erste Schwangerschaft ja so risikobehaftet war und dies auf jeden Fall wieder so sein würde. Mein Baby würde auf jeden Fall wieder ein Frühchen. Ich würde wieder monatelang im Krankenhaus liegen. Für mich völlig unverständlich. Wieso sollte alles genau so werden? Aber ich glaubte den Ärzten und ging brav zu jeder Untersuchung. Eines Tages sagte meine Frauenärztin, dass mein Sohn vermutlich das Down Syndrom hat. Ich sollte dorthin und dies untersuchen und und und. Aber ich weigerte mich. Für mich hätte es keinen Unterschied gemacht. Ich hätte mein Kind niemals abgetrieben. So ging ich zu einem anderen Arzt und vereinbarte einen 3D Ultraschall. Ich dachte, so könnten wir uns unseren Sohn noch mal genau anschauen, schauen ob die Finger wirklich so kurz sind, wie die Ärztin sagte und die vielen anderen Dinge, die auf ein Down Syndrom hinweisen. Der Arzt machte den Ultraschall und sagte, dass unser Sohn in seinen Augen völlig gesund aussieht. Da war ich zum ersten mal so sauer, wie ich noch nie war. All die Sorgen waren völlig unbegründet. Vorher war es für mich immer völlig normal, dass Ärzte recht haben. Dass alles so sein muss. Schließlich sagt einem jeder, wie gefährlich alles ist. Die Untersuchungen, die dann bis zur Geburt folgten, waren für mich nur noch eine Pflichtveranstaltung. Alles was sie sagte und maß war für mich nur noch Schwachsinn. Ich fand es nur noch schön, meine kleine Maus live zu sehen, wie er an seinen Fingern nuckelt und gähnt.
Ich schrieb einen Brief. Einen Brief an meine Hebamme im Krankenhaus. (Ja, da war es für mich leider immer noch normal, wieder ins Krankenhaus zu gehen.) In dem Brief stand alles, was während der ersten Geburt passiert war. Alles wovor ich panische Angst hatte. Und alles was ich mir wünschte. (z.B. keine Medikamente. Keine äußeren Einwirkungen. Keine Dauerüberwachung. Freie Wahl der Geburtsposition.) Alles was völlig normal sein sollte, schrieb ich auf und gab es der Hebamme die mich bei der Geburt betreute. Wir gingen spät abends los, als ich anfing zu bluten. (Heute weiß ich, dass ich noch nicht hätte hin gehen müssen.) Im Krankenhaus angekommen fand die Hebamme meinen Brief ganz toll und wollte versuchen, sich an alles zu halten (wenn denn alles normal verläuft). Vermutlich war es nur dieser eine Satz und ich hatte keine einzige Wehe mehr. Wäre mein Muttermund nicht schon 4 cm offen gewesen, hätte ich nach Hause gehen können. Aber so durfte ich nicht. So lag ich dort die ganze Nacht. Immer wieder wurde ich gefragt, ob sie nicht was machen sollten. Einleiten. Medikamente. Einen Einlauf. Ich war aber schon immer gegen Medikamente und wollte einfach nur meine Ruhe haben. Am nächsten Tag wurde mittags (mal wieder) untersucht. Bei der Untersuchung platzte Gott sei Dank einfach so ohne Wehen meine Fruchtblase und mein Sohn schnappte sich seinen Schlitten und rodelte innerhalb von 50 Minuten in die Freiheit. 🙂 Ich hatte eine Wehe nach der anderen und war soooo glücklich. Ich durfte mich nämlich hinlegen wie ich das wollte und hatte dadurch kaum Schmerzen. (Achso, übrigens keine vorzeitigen Wehen. Geburt bei 37+2 SSW.)
Nun kommen wir zum dritten Kind. Da ja beim zweiten alles so viel schöner verlief, ging ich wie gewohnt zum Frauenarzt. Genervt ging ich zum Frauenarzt. Lustlos. Ich erfuhr im Laufe der Schwangerschaft von dir und kaufte mir sofort dein Buch. Das war das beste was ich hätte machen können. Ich wünschte, ich hätte es schon 2008 lesen können. Nachdem meine Frauenärztin meinte, meine Tochter würde nicht mehr wachsen und sie würde mir raten, sofort ins Krankenhaus zu fahren um einleiten zu lassen (noch weit entfernt vom Geburtstermin), dachte ich, ich falle vom Glauben ab. Mein Bauch wuchs und wuchs. Mein Gewicht stieg und stieg, ohne das ich dicker wurde (außer der Bauch) und die Tritte meiner Tochter wurden von Woche zu Woche immer stärker und heftiger. Ich suchte mir auf der Stelle eine Hebamme und bat sie mich zu betreuen. Aber ohne Untersuchungen. Ich wollte, dass sie sich mit mir trifft, sich mit mir unterhält. Wir zwischendurch mal nach meinem Urin schauen und ich ansonsten einfach nur meine Ruhe habe. Gesagt, getan. Leider durfte sie mich nicht bei einer Hausgeburt betreuen. (Du kennst das ja. Ein Frühchen. Der Frauenarzt schreibt dramatische Dinge und schwupps darf man gar nichts mehr.)
Ich kann dir gar nicht sagen, wie glücklich ich war. Ich war so frei. Mir ging es so gut. Ich hatte keinen Druck mehr nach unten (in den anderen Schwangerschaften immer mit offenem Muttermund). Ich ging spazieren, zupfte Unkraut, räumte den Garten auf, putze jeden Tag das ganze Haus. (All das wurde mir in den anderen Schwangerschaften verboten. Ich durfte nur liegen. Weil die Gefahr einer Frühgeburt viiiel zu gross war.)
Ich sagte meiner Hebamme, dass ich bis 40+0 schwanger sein werde. Und sie lachte herzlich und meinte, ich solle von meinem Körper nicht zu viel verlangen. Ich wüsste ja, was alles passieren kann. Gegen Ende der Schwangerschaft drängte sie mich ein wenig dazu, noch ein einziges Mal zum Frauenarzt zu gehen. Sie sagte, sie müsse sich absichern. Versicherungen und und und würden ihr sonst Probleme machen. Da ich nicht wollte, dass sie Ärger bekommen kann, ging ich widerwillig zum Arzt. Ich wollte es allen beweisen. Meiner Ärztin, meiner Hebamme. Allen wollte ich beweisen, dass mir meine eigenen Gefühle genau den richtigen Weg zeigen. Im Ultraschall wurde dann festgestellt, dass mein Baby perfekt entwickelt ist und alles gesund und munter ist. Ich war richtig zufrieden mit mir selbst. Ich war richtig zufrieden, dass ich innerlich einen kleinen Stinkefinger zeigen konnte, da ich recht hatte und die Ärzte nicht.
Bei 40+0 platzte Zuhause die Fruchtblase. Ich ging in die Badewanne und blieb dort so lange, bis ich wusste, jetzt kommt sie gleich. (Mein Mann ist weiterhin ein Schisser und wir hatten das Abkommen, dass ich mit ihm ins Krankenhaus fahre, wenn ich denke, dass es Zeit wird.) Auf dem Weg ins Krankenhaus hörten die Wehen fast auf. Im Krankenhaus angekommen, zog ich mich auf der Stelle aus und stieg aufs Bett und begab mich sofort in Geburtsposition. Zig Hebammen und Ärzte (ich glaube fünf oder sechs Leute standen da rum als wäre ich eine Schwerverletzte in Lebensgefahr) kamen angerannt mit Geräten und Nadeln und irgendwelchen Schlüpfern und und und. Ich wurde ziemlich schroff und ich glaube auch sehr zickig und fauchte, dass mich niemand anfassen soll und das Baby jetzt kommt. Die Ärztin beharrte darauf, dass sie unbedingt fühlen muss, ob ich vollständig eröffnet bin. Ich glaube, ich habe noch nie so wütend geguckt und meinte zu ihr, dass man die Haare ja wohl schon sehen kann. Sie untersuchte trotzdem und stellte völlig erstaunt fest, dass da ja ein Kopf raus kommt. Ich verdrehte die Augen und fing an zu pressen. Zwei Minuten später war meine Tochter geboren. Völlig gesund und munter. Nach der Geburt fing ich an zu erzählen, dass hier nichts gemacht wird. Dass die Nabelschnur so lange dran bleibt bis sie nicht mehr pulsiert, das keine Medikamente gegeben werden oder unnötige Untersuchungen. Die Ärztin war total genervt von mir. *hahahaha* Aber das war mir scheißegal. Als die Plazenta geboren war, bin ich mit meinem Mann direkt nach Hause gefahren. Völliger Schwachsinn für sowas ins Krankenhaus gefahren zu sein. Aber mein Mann war beruhigt.
Jetzt bin ich mit meinem vierten Kind schwanger. Derzeit in der 11. SSW. Ich war einmal beim Arzt um zu schauen, ob das Herz schlägt und dass es am richtigen Platz sitzt, da ich so starke Unterleibschmerzen hatte (Eileiterschwangerschaft). Mein Mann fragte schon, wann ich denn den nächsten Termin habe. Daraufhin antwortete ich: „Wenn ich glaube, medizinische Hilfe zu benötigen.“ Derzeit wüsste ich nicht, wozu mich jemand untersuchen sollte. Die Übelkeit nimmt langsam etwas ab. Ich habe keine Schmerzen, keine Blutungen oder sonst was. Mein Bauch wächst bereits. Ich bin einfach nur glücklich. Ich werde dein Buch wieder lesen. Auch wenn ich es auswendig kann *hahahaha* Und diesmal möchte ich Zuhause bleiben und mir von niemandem mehr reinreden lassen. Auch von meinem ängstlichen Mann nicht. Meine beiden Grossen haben gefragt, warum sie bei der Kleinen nicht dabei sein konnten. Warum wir weggefahren sind. Diesmal möchten sie unbedingt helfen. 🙂

Aus Paraguay: Alleingeburt beim ersten Kind

Ihr Lieben, wir Frauen sind zum Gebären gemacht. Aber in unserer heutigen Zeit verlangt es Mut, eine Geburt in die eigenen Hände zu nehmen. Trotzdem wagen es immer mehr – auch beim ersten Kind. Der folgende Bericht stammt von einem Paar, das nach Paraguay ausgewandert ist. 

Der 05.12.2016 begann wie ein ganz normaler Tag für mich hier in Paraguay. Um unsere Vorräte an Lebensmitteln auszufüllen, fuhren wir in die Stadt. Dafür mussten wir 20 km Sandweg fahren. Da mich am Ende der Schwangerschaft die Stöße dieser Strecke immer ein leichten Druck nach unten verspüren ließen, nahm ich mein großes, gepolstertes Kissen mit. So verging der Vormittag und der Mittag mit einem Großeinkauf und zurück am Haus angekommen wollte ich mich einfach nur noch hinlegen, weil ich sehr müde war. Mein Mann fuhr zur Baustelle und ich schlief bis ca. 16 Uhr, bis mich leichte Wehen weckten. Ich habe diese nicht weiter ernst genommen, da ich nun bei 39+5 war, kannte ich es schon, dass ich hin und wieder Wehen hatte. Ich versuchte wieder einzuschlafen, was mir nicht wirklich gelang. So schrieb ich meinem Ehemann eine SMS, das ich doch jetzt schon regelmäßige Wehen hätte, er sich aber keine Sorge machen solle, da das nicht heißen müsse, dass es jetzt los gehe. Anscheinend hat er allerdings gespürt, dass es jetzt wohl ernst wird, so stand er 15 Minuten später bei mir im Zimmer. Ich erklärte ihm, das die Wehen immer noch da sind und das ich jetzt eine heiße Dusche nehme um zu testen, ob die Wehen dann verschwinden oder gar stärker werden. Bei dem Gang auf die Toilette zuvor merkte ich, dass mein Schleimpfropf sich gelöst hatte. Ich war mir allerdings noch immer nicht sicher, ob es jetzt richtig losgeht. In der Dusche wollte ich nach meinem Muttermund tasten. Dies gelang mir allerdings nicht wirklich, ich stellte nur fest, dass der Muttermundhals verkürzt war.

Da meine Wehen langsam stärker zu werden schienen, bat ich meinem Partner, er möge doch bitte den Geburtspool aufpusten. Derweilen hängte ich mich auf den Knien hockend über mehrere Kissen, die ich mir drapiert hatte. Ich fing langsam an zu tönen und meine Hüfte kreisen zu lassen. So hockend platzte gegen 20:15 Uhr meine Fruchtblase und ich stellte fest, dass ich grünes Fruchtwasser hatte. Nun war mir klar, dass es schnell gehen sollte, da der Neuankömmling unter Stress stand. Ich muss dabei sagen, ich fühlte mich nie panisch oder ängstlich.

Mein Gatte war bereits fleißig am Eimer tragen um den Pool zu füllen. Ich stieg hinein und empfand das Wasser gleich als sehr angenehm. So fand ich mich in der gleichen Position über den Poolrand gebeugt wieder. Die Schmerzen wurden immer doller und zwischendurch ging mir ein Gedanke durch den Kopf wie: Könnte die Geburt nicht morgen weiter gehen? Diesen Gedanken schüttelte ich allerdings gleich wieder ab und sagte mir: Jetzt hast du es bald geschafft, mach weiter! Die Wehen kamen an ihren Höhepunkt und ich schrie wirklich laut, weil ich mir nicht anders zu helfen wusste. Im Nachhinein weiß ich, dass das der Moment der Übergangsphase war, die ich als so schmerzhaft empfand.

Plötzlich verspürte ich ein starkes Druckgefühl, dem ich nicht widerstehen konnte. Jetzt war es mir zu 100% klar, dass ich gerade mitten in der Geburtsphase stecke. Ich fühlte sogleich zwischen meinen Beinen, ob ich was fühlen konnte. Ich war glücklich, dass ich bereits die Haare fühlen konnte. Der Schmerz der Übergangsphase war weg, jetzt war es eher dumpf und ich wurde plötzlich ganz still und konzentrierte mich auf den Druck und auf mein Kind. Als ich merkte, dass das Köpfchen immer tiefer kommt, sagte ich zu meinem Mann, dass ich den Kopf fühlen kann und dass es wehtut, es brennt so, sagte ich ihm in einer normalen Lautstärke. Er stellte das Wasserholen ein und blieb im Raum. Kurz darauf gebar ich den Kopf unseres Kindes. In der nächsten Wehe die Schultern und ein ausgestrecktes Ärmchen. Mit der nächsten Wehe zog ich unseren Schatz Mia Lorena um 21:23 Uhr aus dem Wasser und sie begrüßte uns gleich mit einem lieblichen Schrei.

Sie wog 2850g war 51 cm groß mit einem Kopfumfang von 34,5 cm. Schnell bekam sie Farbe und ich stieg mir ihr aus dem Pool. Ich fühlte mich zwar leicht erschöpft aber nicht schlapp. Die Geburt hat ca. fünfeinhalb Stunden gedauert und ich strahlte über das ganze Gesicht.

Ich legte die kleine Maus gleich an, was mir noch etwas Probleme bereitete, denn Mia ist mein erstes Kind. Es war meine erste Geburt, eine bewusste Alleingeburt. Für mich war es eine Traumgeburt. Wir mussten zwar fast vier Stunden auf die Nachgeburt warten, aber das scheint auch seinen Vorteil gehabt zu haben, mein Wochenfluss war nicht von langer Dauer.

Ich möchte noch erwähnen, dass ich das Wochenbett sehr positiv empfunden habe. Ich bin gleich am nächsten Morgen alleine duschen gegangen und hatte keine Probleme mit meinem Kreislauf. Ich hatte einen kleinen, innen liegenden Scheidenriss, der sehr gut von selbst abgeheilt ist und mir keine Probleme bereitet hat.

Bei meiner nächsten Geburt werde ich mich wieder für eine Alleingeburt entscheiden, weil es für mich der beste Weg ist zu entspannen und mich voll und ganz auf die Geburt und mein Kind zu konzentrieren.

Auf youtube erzählen sie ihre Geschichte ebenfalls:

Alleingeburt mit vorzeitigem Blasensprung

Ihr Lieben, die Mama im folgenden Bericht bekommt ihr drittes Kind. Die ersten beiden waren Krankenhausgeburten mit den üblichen Interventionen. Bei dieser Geburt wollte sie endlich so gebären, wie sie es sich wünschte. Und das hat sie getan. 🙂

Ich heiße Franzi und werde bald 26 Jahre alt. Ich habe drei Töchter. Meine erste ist 7 Jahre, meine zweite 3 Jahre und meine Dritte kam am 26. November zur Welt.
Meine zwei ersten Kinder kamen im Krankenhaus zur Welt. Bei meiner ersten Tochter war ich zwei Wochen über den Termin als mir die Wehen einsetzten und nach 25 Stunden platzte mir die Fruchtblase, ab ins Krankenhaus. Dann wurde alles ganz dramatisch und ich musste sofort an CTG, weil das Kind gestresst war, also war meine gewünschte Wassergeburt nicht mehr möglich. Nach weiteren 11 Stunden Wehen und einer PDA hieß es dann Kaiserschnitt und dann setzten die Presswehen ein und ich entband doch normal.
Bei meiner zweiten Tochter war ich ebenfalls zwei Wochen über den Termin. Am Samstag sollte ich im Krankenhaus anrufen wegen Einleitung, doch niemand nahm ab, also gingen wir nochmal spazieren. Die Wehen setzten ein und nach einer Stunde platzte mir die Fruchtblase. Ab ins Krankenhaus, sofort sagte ich, dass ich gerne in der Wanne gebären würde. Die Hebamme meinte, das sei kein Problem, ich freute mich wahnsinnig. Über Nacht dann ein Wehenstopp und am Morgen wurden mit einer Tablette die Wehen wieder angeschubst. Am Sonntag um 5 Uhr fingen die Wehen also wieder an und sofort waren sie wahnsinnig schmerzhaft. Um 7 Uhr kam dann die Hebamme zu mir und meinte: Es täte ihr leid aber der Kreißsaal mit der Wanne wurde jetzt einer Dame gegeben, die im Bett entbinden möchte und daher müsste ich jetzt in den anderen Kreißsaal. Man war ich sauer. Kurz danach war meine Tochter geboren.
Kind Nummer 3 sollte also nun so auf die Welt kommen wie ich es möchte. Eine Alleingeburt sollte her. Ich sprach mit meinem Mann drüber und er war sofort einverstanden. Ein Tag vor Geburtstermin saß ich gerade am PC, stand auf und die Fruchtblase platzte. Es war ein Freitagmorgen und ich rief meinen Mann an. Er fragte, ob er kommen sollte. Ich verneinte. Ich kümmerte mich also um meine 2 Großen und verbrachte den Tag nun mit Wehen und offener Fruchtblase. Leider hörten die Wehen immer mal wieder auf und fingen dann auch wieder an. Am Abend kam mein Mann heim und die Wehen waren weg. Die Nacht also sehr ruhig. Am Samstagmorgen wieder leichte Wehen. Also gingen wir einkaufen und danach noch etwas wandern. Immer mal wieder Wehen doch nichts Dauerhaftes. So ging es nun den ganzen Tag. Am Samstagabend um 18 Uhr war ich dann nun sehr erschöpft und legte mich ins Bett, während mein Mann sich um die Großen kümmerte. Kaum dass ich lag, fingen wieder Wehen an und diesmal blieben sie auch. Um 19 Uhr brachte mein Mann die Großen ins Bett und ging nochmal Gassi. Um 20 Uhr richtete er alles für die Geburt. Ich veratmete meine Wehen, mal im Stehen, mal im Sitzen und mal im Liegen, gerade so wie es mir passte. Um 21 Uhr ließ mein Mann Badewasser ein und meinte, ich soll mich in die Wanne legen, da ich inzwischen im Zwei-Minuten-Takt Wehen hatte. Ich ging nochmal auf die Toilette und legte mich dann in Wasser. Dann meinte mein Mann, das Baby müsste jetzt gleich kommen, die Wehen kommen nun im 30-Sekunden-Abstand. Ich bekam Presswehen und nach dreimal drücken war meine Tochter geboren. Dieser Augenblick war sehr emotional und unbeschreiblich. Das möchte ich bei meinem 4. Kind wieder haben. 🙂

Alleingeburt mit vorliegender Hand – 17 Tage nach Termin

Ihr Lieben, mit der Geburt im folgende Bericht habe ich vor nicht langer Zeit life über fb selbst mitgefiebert. Eine spannende Geschichte über Geduld und Vertrauen. Es ist das sechstes Kind dieser Mama und ihre erste Alleingeburt. Viel Spaß beim Lesen! 🙂

Ich muss etwas ausholen, meine anderen Geburten waren recht interventionsreich. Man sagte mir im Krankenhaus, ich hätte eine Wehenschwäche. Selbst bei meiner vierten Geburt, die nur drei Stunden ging und ich schon mit 5 cm offenem Muttermund im Krankenhaus ankam, hieß es „Wehenschwäche und der Wehentropf muss sein“.
Bei jeder Geburt war es so, dass die Wehen sofort nachließen, wenn ich auch nur an das Krankenhaus dachte, was natürlich die Diagnose „Wehenschäche“ auch noch bestätigte. Was tatsächlich eine Wehenschwäche ist, lernte ich erst später. Was alles während der fünf Geburten vorgefallen ist, soll nun aber Nebensache sein. Die Hauptsache ist, was ich über mich lernte in der letzten Schwangerschaft.

Die gesamte Schwangerschaft über wusste ich, dass ich eine Alleingeburt will. Niemand fasst mich an, keiner sagt was ich tun soll, ich kann gebären wie ich will. Darauf habe ich mich auch vorbereitet.
Natürlich habe ich nichts meiner Frauenärztin erzählt. Ich wusste, dass sie selbst Hausgeburten nicht sehr positiv gesonnen ist.
Kurz vor dem Entbindungstermin war ich also bei meiner Frauenärztin. Nach der Untersuchung, wo keinerlei Probleme ersichtlich waren, sagte sie mir mit einem Lächeln im Gesicht: „So, Frau C., wenn das Baby dieses Wochenende nicht kommt, bekommen sie am ET+1 eine Überweisung zur Einleitung. Das ist doch auch in ihrem Interesse, oder?“
Ich antwortete mit einem selbstbewussten: „Nein.“
Das Lächeln in ihrem Gesicht war ganz schnell weg und eine ernste Miene zeichnete sich ab. Die Diskussion, die nun folgte, war fast schon lächerlich, da die gute Dame ihre eigenen Ergebnisse und Untersuchungen anzweifelte, nur um mir Angst zu machen. Hat aber nicht funktioniert.
Ich sagte zu meinem Mann: „Die Frau sieht mich nie wieder.“ Und so war es dann auch.

Der Entbindungstermin verstrich also, es hält sich ja auch kaum ein Baby dran, alles noch normal. Ich hatte dann auch mal einige Tage nach dem ET einen Fehlalarm. Immer mal wieder Wehen. Meinem Mädchen schien es gut zu gehen, sie strampelte und bewegte sich sehr gut. Ich kam an die magische Grenze, ET+14 und ab da muss ich zugeben, geriet ich doch etwas in Panik. Das war meine Grenze, und ich entschied mich, ich gehe über diese Grenze. Das ist nur ein Datum, nur ein Datum … mein Baby braucht eben noch etwas. Sämtliche Versuche die Geburt anzuregen, haben nicht funktioniert. Von Rizinusöl halte ich nichts, davon hab ich die Finger gelassen.

An ET+16 angekommen, hatte ich abends gute und recht eindrucksvolle Wehen. Aber sie waren nicht ganz so regelmäßig. Ich hatte dennoch meine Freundinnen informiert, die sollten ja dabei sein. Geburtsort war vorbereitet. Mein Mann war in Panik, also alles normal. Am Abend ging und ging aber nichts vorwärts, ich konnte nicht so recht abschalten und loslassen denke ich. Es kam mir auch so vor, als ob der Kopf einfach noch nicht so richtig im Becken war. Also was macht man dann in so einem Fall? Ich habe zumindest dann Sarah Schmid gefragt und die hat mir dann auch gut geholfen, nebenbei hat es mich auch etwas abgelenkt. Ich habe ein paar Übungen (sind auf der Seite von Sarah Schmid) gemacht, damit mein Baby den Weg ins Becken findet. Wenn das dann so passiert ist, hören die Wehen erst mal auf und das taten sie dann auch. Ich habe diese Pause dann auch genutzt um noch etwas zu schlafen.

ET+17, ich wache um ca. 2 Uhr auf mit heftigen Wehen, sie waren regelmäßig alle 3 Minuten und ohne Veratmen nicht mehr auszuhalten. Nach einer halben Stunde weckte ich erst mal meinen Mann und offenbarte ihm, dass nun das Baby kommt. Ich konnte so nicht mehr liegen, die Schmerzen waren im Liegen nicht sonderlich angenehm. Also bin ich aufgestanden und hab meiner Freundin über Whatsapp mitgeteilt, sie und meine andere Freundin sollen sich doch bitte auf den Weg machen. Was ich nicht mitbekommen habe, die beiden scherzten wohl, dass es vermutlich doch wieder nur ein Fehlalarm ist und das Baby vermutlich in meinem Bauch die Volljährigkeit feiert.

Um ca. 3 Uhr sind sie dann auch bei mir aufgetaucht, ich habe ihnen die Türe geöffnet und musste auch prompt in der Türe eine Wehe veratmen. Es tat mir gut, wenn ich bei jeder Wehe leicht mitgeschoben habe und das tat ich auch die ganze Zeit über. Wir standen im Wohnzimmer, es war abgedunkelt, ein Stuhl stand recht mittig und ich stand an der Rückenlehne. Meine zwei Freundinnen und mein Mann waren mit mir im Raum. Eine Freundin machte sich einen Kaffee und ich wollte auch einen. Es war ja früh und ich mag halt Kaffee, anscheinend auch in der Eröffnungsphase. Also stand ich da und zwischen den Wehen habe ich einen Schluck Kaffee genommen. Um 4:30 Uhr merkte ich dann, dass es wohl knapp wird mit dem Kaffee und hab ihn recht zügig getrunken. Ich habe meine Freundinnen gesagt, dass es nun recht gut wäre, die Plane und die Decken auf den Boden zu legen. Meine Beine fühlten sich an wie Wackelpudding und ich wusste, dass ich nicht mehr lange stehen konnte. Um 4:40 Uhr lag ich also mit dem Oberkörper auf dem Stuhl so, dass meine Position kniend war und unten rum nackt. Mein Gefühl sagte mir pressen und ich konnte auch nicht mehr anders als diesem Gefühl nachzugeben. Um 5:10 Uhr begann ich also zu pressen. Mein Mann hat gebetet und meine Freundinnen hielt den Rest meiner Freunde auf dem Laufenden. Während der ganzen Zeit wollte ich nicht angefasst werden und gab das auch lautstark zu verstehen, als mir mein Mann die Hand halten wollte. Ich presste und spürte wie sich mein Baby bewegte und teilte auch den anderen mit, dass alles ok ist. Ich fühlte, wie der Kopf tiefer trat und dachte der Kopf kommt nun gleich. Nach einigen Malen Pressen wunderte ich mich, wo der Kopf bleibt. Aber dann kurz drauf spürte ich, wie der Kopf seinen Weg fand, regelrecht wie ich mich dehnte, das nahm ich ganz bewusst war. Eine Flüssigkeit tropfte aus meiner Scheide, es roch nach Baby, da musste dann die Fruchtblase nachgegeben haben. Ich presste weiter. Dann meinte meine Freundin: „Ich seh den Kopf, da ist die Hand davor, macht das was!?“. Ich sagte energisch: „Nein!“ (Was soll das auch machen, wenn beides schon fast draußen war, so mein Gedanke). Meine Freundin: „S., der Kopf ist ……….“

Noch bevor meine Freundin den Satz beenden konnte, musste  sie meine Tochter auffangen. Sie ist felsenfest davon überzeugt, meine Tochter wäre sonst wie eine Rakete durch die Wand in die Wohnung unseres Nachbarn geschossen. Um 5:45 Uhr wurde meine Tochter mit der Hand am Kopf geboren, 53cm und 3960 gr., wie später festgestellt wurde.

Sie hatte keine Probleme, hat sofort geatmet und geweint. Nach einiger Zeit auch an der Brust getrunken. Eine absolut entspannte Geburt, in der ich lernte mir zu vertrauen und loszulassen. Wir haben dann erst mal unser neues Familienmitglied ausgiebig begrüßt und auch meine zwei großen Kinder kamen dazu. Eine halbe Stunde später kam dann auch die Plazenta ohne Probleme. Die Blutungen blieben gering. Laut Kinderarzt hatte sie kaum Übertragungszeichen. Die Zeugung war definitiv so wie angegeben, zufällig war ich kurz nach dem Eisprung beim Ultraschall und man sah noch den Gelbkörper und genau in diesem Zyklus wurde ich schwanger.

So viel zur Wehenschwäche und ja, es gibt diese Geburtsblase tatsächlich. So bewusst hatte ich keine andere Geburt zuvor erlebt.

 

Alleingeburt beim ersten Kind: „Ich mach einfach mal.“

Ihr Lieben, dieser Geburtsbericht stammt von Linda Stegmann, die uns von ihrer Alleingeburt bei ihrem ersten Kind berichtet. Sehr ehrlich, sehr kraftvoll. Von ihr gibt es auch zwei E-Books. Aber dazu lasse ich sie selbst erzählen. Viel Spaß beim Lesen! 🙂

Wie fange ich an? In den letzten Wochen haben Oscar und ich so viele inspirierende und bewegende Geburtsberichte gelesen, als wir das E-Book „Von uns für dich“ zusammengestellt haben, sodass ich mich nun frage: Wie möchte ich meinen Geburtsbericht eigentlich schreiben? Witzig? Bewegend? Sehr detailliert oder eher nur das Gefühl?

Was mir unter anderem erst nach der Geburt bewusst geworden ist und woran ich immer mal wieder denken muss, ist der Tag VOR der Geburt.

Es ist der 2. April 2016 und ich weiß noch, dass Oscar und ich spazieren waren. Mir ging es, wie die meiste Zeit meiner Schwangerschaft sehr gut und ich genoss den Gang – wir gingen sooo viel spazieren, das war so schön!
Was mir in Erinnerung geblieben ist, ist, dass ich sehr bewusst und im Hier und Jetzt war. Alles war leicht und „klar“. Ich war dort, wo ich gerade war: Bei den Bäumen, der Frühlingssonne und meinem Körper. Ich hatte keine Vorahnung, dass es morgen soweit sein könnte, aber wenn ich eben jetzt zurückdenke, war es wirklich ein sehr schöner Tag, an dem ich mich sehr wohlfühlte, was sicher mit dem kleinen Wesen in mir zu tun hatte, dass beschlossen hatte, am nächsten Tag zu kommen.

Diese „Klarheit“ konnte ich natürlich gut gebrauchen und es wäre schön gewesen, wenn sie den ganzen nächsten Tag geblieben wäre, doch am Tag danach war auch mein Verstand wieder wacher, aber ich erzähle nun mal. 🙂

Am Morgen des 3. Aprils 2016 wachte ich, wie so oft in der Schwangerschaft, gegen 4 Uhr auf. Ich kochte mir einen Kamillentee, da ich so ein Drücken im Bauch spürte und dachte es sei eine Verstopfung (der ET war übrigens der 8. April). Komisch oder? Ich dachte immer, ich sei bewusst genug, um zu merken, wenn es losgeht, aber ich wollte es mir wohl irgendwie nicht eingestehen, denn selbst als es immer doller wurde und ich eine Ahnung bekam, sagte ich zu Oscar, als dieser so gegen 9 Uhr fragte, ob ich Wehen habe: „Vielleicht …“ mit eine zerknirschten Gesicht.

Ich hatte alles einfach auf mich zukommen lassen. Kein Frauenarztbesuch und auch kein Vorbereitungskurs, einfach nur meine persönlichen Vorbereitungen, die mir so kamen.
Es war eine wunderschöne Zeit! (In meinem E-Book „Haus- / Alleingeburt – Verstanden werden und mit Ängsten umgehen“ beschreibe ich genauer, was mir in der Schwangerschaft guttat.) Und nun kam einfach DER TAG. Es war soweit. 🙂

Langsam war klar, dass es losging. Vor allem, als ich mich etwas später, so gegen 10 Uhr wohl, bei jeder Wehe anlehnen musste. Alles klar! Dann mal an den Plan! Oscar machte sich also an die Vorbereitungen und baute alles so auf, wie ich es mir vorher aus- und wirklich aufgemalt hatte. Er baute den Pool auf und ging auch noch einmal etwas zu Essen einkaufen.

Ich erinnere mich nicht so genau an den Vormittag, nur dass ich plötzlich etwas gestresst wurde, da ich ein Skype-Gespräch und ein Interview für den Tag geplant hatte und ich dachte an diese Verabredungen, die ich jetzt nicht einhalten konnte. Ich saß da also auf dem Sofa und war wirklich in den Wehen! 😀 Unglaublich!

Ja, nach was war uns? Das Wasser lief in den Geburtspool und wir kuschelten uns mit Eckhart Tolles „JETZT! Die Kraft der Gegenwart“ aufs Sofa. Noch war liegen wohl okay und Oscar las laut vor, während ich die Wehen veratmete. „Lies du nur weiter, ich muss einfach zwischendurch tief atmen, damit es nicht wehtut.“ Waren glaube ich meine Worte. Ich machte echt einfach so drauf los! 😀
Ich weiß den Abstand nicht und ich dachte auch nicht daran, dass es wichtig sein könnte, das zu kontrollieren. Es kam mir aber schon ziemlich schnell hintereinander vor.

Irgendwann wechselte ich in den Pool und blieb dort eine ganze Weile alleine für mich. Ich döste vor mich hin. Die Wehen hatten sich wohl wieder etwas beruhigt oder ich war einfach tiefenentspannt. Ich kann nicht sagen, wie lange ich dort lag. Irgendwann sagte Oscar, der die ganze Zeit auf dem Sofa saß: „Das dauert aber lange.“ Ich bekam tatsächlich ein schlechtes Gewissen ihm gegenüber, da er da nur saß und „nichts geschah“. Das brachte mich irgendwie raus. Schade, denn jetzt kann ich sagen, dass das einer der schönsten Momente in den Wehen war.

Nach einer Zeit, ich weiß nicht mehr wie lange oder was genau geschah, kam Oscar dann zu mir in den Pool. Die Wellen wurden nun stärker und ich erinnerte mich an das Tönen. Ich lag in Oscars Armen und ließ mich wirklich gehen. Ich tönte das O, das I, das E, das U… (Jede Welle hatte ihren eigenen Ton, mit welchem sie transzendiert wurde, das E ist mir als besonders helfend in Erinnerung geblieben). Diese Phase erinnere ich als sehr kraftvoll, loslassend und vertrauend.

Zwischendurch wurde ich sehr emotional. Es dauerte schon eine Weile und die Wehen wurden immer stärker. Ich hatte in der Schwangerschaft so viele schöne, kraftvolle, schmerzfreie, geduldige, inspirierende Alleingeburtsgeschichten gelesen, dass ich es mir irgendwie nicht erlaubte „schwach“ zu sein. Ich wollte, wie diese Frauen, einfach in Präsenz, in Hingabe und schmerzfrei gebären, doch nun ließ ich los. Ich erzählte auch Oscar, der noch mit mir im Pool war, davon und auch er ermutigte mich, meine Emotionen zuzulassen, sodass ich losweinte. Es tat gut, dass er da war und zuhörte.
Er fühlte dann irgendwann meinen Muttermund. „Doch, du öffnest dich!“ Auch ich fühlte mit meinen Fingern und tatsächlich: Ich war dort sehr offen. Ich versuchte mit meinen Fingern zu messen, ca. 7 Zentimeter, glaubte ich… Beim Fühlen, dass sich mein Muttermund sich öffnete, fasste ich neuen Mut.

Als es irgendwann ziemlich in meinem unteren Rücken zog, bat ich Oscar, mich dort mit einem warmen Lappen zu massieren. Er war mir wirklich ein treuer Helfer und tat es genau dort, wo ich es wollte und in der Art und Weise wie es sehr gut tat und mich entspannte. (Ich nahm außerdem die Bachblüte Oak, wie in “The Birthkeepers” empfohlen).

Später wollte ich dann wieder alleine im Pool sein. Es wurde nun alles ziemlich intensiv und ich brauchte komplette Ruhe.

Es wurde immer schwerer, präsent und entspannt zu bleiben und als die letzen Öffnungswehen kamen, war ich dann doch total mit meinen Gedanken identifiziert.
Großer Widerstand baute sich in mir auf: “Ich will nicht mehr!”, “Wie lange noch!”, “Es tut so weh!”, “Oh nein, gleich kommt wieder eine Wehe …!”

Ich stand im Pool, meine Hände am Rand festgekrallt und schrie meinen ganzen Schmerz aus mir heraus.

Ich konnte wirklich sehen wie die Gedanken und mein Widerstand die Schmerzen noch stärker oder überhaupt erst zu Schmerzen werden ließen und konnte lange Zeit nicht loslassen.

Auch dachte ich an die Nachbarn und an alle möglichen Sachen. Ich war wirklich in meinem Kopf und der wollte einfach nicht, was dort passierte. Die Ungewissheit und dieses scheinbare „Gefangen sein“ in dieser Situation machte es mir eine Zeit lang sehr schwer, mich auf mich, meinen Körper und vor allem auf mein Baby zu konzentrieren. Ich hatte auch Angst vor dem, was da passierte.

Ich habe keine Ahnung, wie lange diese Phase dauerte, vielleicht 1-2 Stunden? Oscar hatte ich weggerufen. Ich musste einfach für mich sein. Er setzte sich also auf das Sofa und machte nichts mehr.

Es schüttelte mich am ganzen Körper. Doch ich atmete weiter, mit den Worten “Ich bin offen.” in meinem Kopf wiederholend, runter zu meinem Muttermund. Das half mir wirklich sehr.

„Ich bin offen.“ „Ich bin offen.“ „Ich bin offen.“ Ich ließ es weiter einfach geschehen. Was hatte ich für eine andere Wahl? Ich konnte niemanden rufen. Das würde alles nur verschlimmern. Hier musste ich alleine durch. Nur so würde es gehen. Irgendwann ging ich auf die Knie (ich kann mich nicht mehr daran erinnern, es kam einfach über mich). Ich stütze mich mit den Ellenbogen ab und nun ENDLICH, ging ich den Schritt und fühlte meine Hände. Ich tat es einfach. Egal, was da alles in meinem Kopf los war. Bei jedem Angstgedanken, der kam, ging ich mit meiner Aufmerksamkeit wieder in meine Hände und fühlte ihr Energiefeld. Die Alternative wollte ich nicht mehr.

Während ich dort im Wasser kniete, hatte ich immer noch Angst. Ich hatte Angst davor, dass der Kopf rauskommt, dass er nicht durchpasst und ich reiße. Hier half es mir auch, immer wieder in meinem Kopf zu wiederholen: Mein Körper ist dazu gemacht, ein Kind zu gebären.

Auch kam das Resignationsgefühl, ein Anflug von Depression auf, die mich in meinem Leben oft und zeitweise sehr stark begleitet hatten. Ich hatte Angst vor der bevorstehenden Veränderung in meinem Leben. Ich musste mich für das Hier und Jetzt entscheiden, um nicht weiter zu leiden und das tat ich. Ich sagte also JA zum Leben. Bei jeder Wehe hauchte ich nun also: “Ja! Ja! Ja!”

Das brachte mich aus meinen Gedanken raus und die Affirmation ließ mich ebenfalls lebensbejahend fühlen. Ich wollte einfach raus aus meinem Kopf, ich musste! Bald darauf (ich weiß nicht, wie lange es dauerte, das Gefühl von Zeit hatte ich nicht mehr), flutschte dann der Kopf raus! Dies holte mich schlagartig aus meinen Entspannungszustand oder Trance heraus und ich stand auf. „Oscar hilf mir!“ kam aus meinem Mund, ohne, dass ich an sich Hilfe benötigt hätte. Ich war einfach sehr erschrocken und wollte ihn nun rufen, da ja der Kopf nun tatsächlich draußen war! 🙂

Oscar hatte die ganze Zeit in eine Decke gewickelt auf dem Sofa gesessen und war eingenickt. Nun schreckte er hoch und dachte natürlich, dass ich Hilfe brauchte und versuchte den Kleinen dann irgendwann leicht herauszuziehen, was sich gar nicht richtig anfühlte, worauf er es ließ. Ich wollte ja im Wasser gebären, also hockte ich mich wieder in das Wasser. „Nein!“ sagte Oscar „Der Kopf ist doch schon draußen.“ Er dachte, der Kleine würde ertrinken. Tief in mir wusste ich eigentlich, dass das nicht sein kann, aber auch ich fühlte mich in der Hocke und mit dem Kindskopf dort unter Wasser unwohl und stellte mich wieder hin.
Nun stand ich da und irgendwie presste ich dann etwas. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern. Auf jeden Fall, fiel unser Kleiner kurze Zeit später „platsch“ in den Pool. Ich hatte nicht ein Mal daran gedacht, meine Hände davor zu halten, um ihn zu fangen. Im Nachhinein habe ich mir dafür manchmal Vorwürfe gemacht, aber so war es nun mal in dem Moment.

Ich holte ihn aus dem Wasser heraus und schaute ihn an. Er hatte die Augen zu, sah aber etwas  „gepresst“ aus. Oscar sagte: “Er hat die Nabelschnur um den Hals“. Oh ja! Sie war ziemlich fest und zweimal herumgewickelt. Ich wickelte sie schnell ab, woraufhin der Kleine sofort ganz tief Luft holte und losschrie. Ich nahm ihn an meine Brust und hielt in nah an mich. Es dauerte nicht lange bis er sich beruhigte, seine Augen öffnete und mich ansah …

Ich liebe diesen Gedanken daran! 🙂 Wow, was für ein Blick! Unbeschreiblich… Er röchelte etwas, also saugte ich – wie ich es in einer der Geburtsgeschichten in „The Birthkeepers“ gelesen hatte, ein bisschen an seinem Mund, falls dort etwas Schleim drin war, doch es war alles ok. Es war mittlerweile dunkel geworden. Ich weiß nicht, wie spät es war, doch Oscar meinte später, es muss so zwischen 21 und 22 Uhr sein.

Ich wollte schnell aus dem Pool. Das Wasser war schon kalt und voller Blut. Der Versuch, mich mit dem Kleinen aufs Sofa zu setzen scheiterte kläglich, da ich mit der Plazenta noch in mir, nicht sitzen konnte. Also wieder hinstellen, den Kleinen auf dem Arm und die Plazenta rauskommen lassen. Oscar schien dies notwendiger als mir, ich wusste, dass sie schon irgendwann kommen würde, aber er machte sich da in dem Moment mehr Sorgen, wie sie nun herauskommt. Ein kleines bisschen Pressen und sie flutschte heraus (in die Schale, in der wie sie dann auch die nächsten vier Tage aufbewarten).

Nun endlich konnten wir aufs Sofa und der Kleine uns ganz genau anschauen. Er war in meinem Arm, zwischen uns und schaute von einem zum anderen. „Ja, hallo, wir beide begleiten dich nun eine ganze Weile.“ 🙂

Kurze Zeit später stillte ich ihn das erste Mal. Unser Sohn war geboren und wir konnten ihn bei Kerzenlicht, in Ruhe, geborgen bei uns zu Hause begrüßen, sowie er uns.

Lotusgeburt und Babymoon

Wir schnitten die Nabelschnur nicht ab, weder nach der Geburt, noch als sie aufhörte zu pulsieren. Sie blieb dran, bis sie am vierten Tag nach der Geburt von alleine abfiel. Es war wirklich wundervoll, als ich aufwachte und sah, dass sie abgefallen und unser Sohn uns nun endlich vollkommen “gegeben” war. Wir begruben sie ein enTag später hinten im Garten und pflanzten einen Baum darauf.
Es war alles sehr emotional, wie viele der ersten Schritte mit unserem Kleinen zusammen in unserem ein Monat andauernden „Babymoon“ zu dritt, für den ich von Herzen dankbar bin. So viel Nähe, Kennenlernen, unbeschreibliche Gefühle der Liebe und des Seins, die dort ihren Raum und Zeit bekamen.

Die Alleingeburt war genau das Richtige für mich, da bei dieser Geburt unter keinen Umständen, Störungen von außen hilfreich gewesen wären. Ich habe in einem Moment während der Geburt als ich so mit mir gekämpft habe, gedacht, dass es angenehm wäre, eine weibliche Energie dabeizuhaben, aber Menschen, die in irgendeiner Weise etwas kontrollieren müssen oder wollen und ihre Sorgen und „Verantwortung“ mitbringen, hätten die Situation eher „verkompliziert“.

In keinem Fall sage ich, dass die Alleingeburt für jede Frau das Richtige ist, jedoch möchte ich zeigen, wie „normal“ Geburt an sich und wie einzigatig sie jedes Mal ist. Ich möchte die Frauen dazu ermutigen, hinzufühlen, wo, wie und mit wem an ihrer Seite sie gebären möchten.
Ich bin sehr froh, dass nur wir da waren, als Finn rauskam und keiner, der anschließend irgendwelche Tests machen musste oder ähnliches. So konnten wir mit der Situation umgehen und ihn so willkommen heißen, wie wir sind und genau das machen, was wir fühlten.

Etwas mehr als ein halbes Jahr nach der Geburt fing ich an, mein E-Book über meine Schwangerschaft zu schreiben, das Schwangeren, die sich eine Haus- oder Alleingeburt wünschen nun ermutigen soll, in der Schwangerschaft „bei sich“ zu bleiben, zu wissen, wie sie sich vorbereiten und mit Ängsten umgehen können.

Mir hat es in der Schwangerschaft sehr geholfen, Geburtsgeschichten von anderen zu lesen, um mich einzustimmen, in das Vertrauen zu gehen, dass ich in der Lage bin, es zu tun und einfach, um zu fühlen, dass ich nicht alleine bin.
Deswegen gibt es nun ein E-Book dazu, in welchem 10 Frauen wunderbar, tief berührend, lustig und mitreißend von ihren Haus- und Alleingeburten berichten.

Hier kannst du dir beide Bücher anschauen.

Alles Liebe, Linda

Geburt verstehen (Video)

Habe ein neues Video zum Thema Geburt online.

In der letzten Zeit sind weitere Video dazugekommen, die ich hier nicht jedesmal verlinkt habe. Aber schaut euch bei Interesse einfach auf meinem Youtube-Kanal um. 🙂

Geplante Beleggeburt wird ungeplante Alleingeburt

Ihr Lieben, die Mutter im folgenden Bericht hatte für ihr drittes Kind eine Beleggeburt im Krankenhaus geplant. Dann ging aber alles ganz schnell – zu schnell für die gemachten Pläne. Wie die Mutter das erlebt hat, könnt ihr im Folgenden lesen. 🙂

Geburtsbericht von klein Leonard

Am 05.12.2016 um 5.25 Uhr bei genau 40+0 wurde ich wach und verspürte ein Ziehen. Da die Mittlere stillen wollte, bin ich wach geblieben und habe mal die Uhr beobachtet: 5.35 Uhr, 5.45 Uhr erneut. Aber dann … 5.50 Uhr, 5.53 Uhr, 5.56 Uhr, 5.59 Uhr … Ich rief meine Hebamme an und sagte ihr, dass ich seit 5.25 Uhr Wehen habe, die plötzlich immer schneller kommen und auch intensiver werden. Sie sagte, wir sollen uns fertig machen und in die Klinik kommen. Ich sagte ihr, dass wir noch die Kinder wecken und anziehen müssen und schätzungsweise gegen 6.45 Uhr im Kreißsaal sind. Dann hab ich meinem Mann geholfen, die Kinder zu wecken und anzuziehen. Musste mittlerweile jede Wehe ordentlich veratmen (war etwa gegen 6.25 Uhr). Er zog sich an und fuhr ein paar Straßen weiter zu meinen Eltern um die Kinder abzuliefern. Meine Schwiegermutter kam in der Zwischenzeit und machte mich nervös. Ich hab mich dann ins Bad verkrochen und hab sie ins Wohnzimmer geschickt mit der Bitte, mich in Frieden zu lassen. Ich verspürte plötzlich einen wahnsinnigen Druck. Ich fühlte und tastete und konnte es kaum glauben: Eine pralle Fruchtblase ragte aus mir heraus – fühlte sich an wie eine Luftballon voll Wasser. 😀  Ich habe nochmals getastet, ob evtl. die Nabelschnur zu ertasten ist, war sie aber nicht. Also hab ich die Fruchtblase mit zwei Fingern zum Platzen gebracht (6.48 Uhr). Ich schaute unter mich und sah klares Fruchtwasser. Ich legte mir schnell zwei dicke Badetücher gefaltet vor die Wanne, denn jetzt wurde mir erst bewusst: Dieses Baby kommt hier zur Welt, jetzt in dem Moment. Ich bin auf alle Viere und habe geatmet. Es spannte, ich fühlte nach. Der Kopf war bereits da. Dann hörte ich, wie mein Mann die Wohnungstür aufschloss. Ich rief nur noch: „Komm schnell, der Kopf ist schon da!“ Er kam und stand panisch schauend in der Tür. (Diesen Blick werde ich im Übrigen nie vergessen. 😂) Ich habe eine weitere Presswehe veratmet und klein Leonard wurde geboren. Um 6.53 Uhr lag er da,  so niedlich, so vollkommen, so perfekt. Er schrie sofort und wurde rosig. Ich packte ihn in ein Handtuch und hielt ihn an meine Brust damit er nicht auskühlt. Völlig mit der Situation überfordert rannten mein Mann und meine Schwiegermutter wie nervöse Hinkel durch die Wohnung. Ich sagte, sie sollen sich beruhigen. Ich war die Ruhe selbst, es war meiner Einschätzung nach alles in Ordnung, also kein Grund panisch zu werden. Ich bat meinen Mann meine Hebamme anzurufen und ihr Bescheid zu geben, da sie ja bereits auf uns wartete. 🙈 Sie schickte uns dann einen RTW und zwei Notärzte, um uns dann in die Klinik zu bringen (ein riesen Fehler wie sich hinterher herausstellte, aber das ist wieder ein anderes Thema). Die Sanitäter kamen, nabelten ab und haben uns in den RTW gebracht. Im Kreißsaal angekommen wurde Leonard gewogen und vermessen. 4070g, 56cm und einen KU von 35cm. 😊 Die Plazenta wurde geboren und ich wurde genäht.

Ich bin unendlich dankbar diese Erfahrung gemacht haben zu dürfen. Ich hatte drei wundervolle Geburten, aber diese dritte Geburt war was ganz besonderes . ❤

Ich habe diese Mama dann noch neugierig gefragt, warum sie den Transfer in die Klinik als so unangenehm erlebt hat. Hier ihre Schilderung: 

Es ging hauptsächlich ums Stillen. Ich habe mir die Freiheit genommen, dass ich mich nach 16 Monaten Stillerfahrung als Profi bezeichnet habe. Leonard hat in den ersten beiden Tagen mehr als die besagten 10% abgenommen (und zwar genau 20g zu viel 😑). Am dritten Tag hatte er bereits 10g zugenommen, sodass er bei der U2 noch genau 10g unter der Grenze lag. Nachdem der Kinderarzt dann sagte, dass er uns so auf gar keinen Fall entlassen kann, da Leonard „quasi am Verhungern ist“, bin ich dezent ausgeflippt und es wurde laut auf Station. Die Diskussion zwischen Arzt, Kinderkrankenschwester und mir muss wohl äußerst interessant gewesen sein, später standen nämlich überall die Türen auf und neugierige Köpfe schauten heraus 😂.
Der gute Herr Doktor hat verlangt, das ich meinem drei Tage alten Sohn 80ml Pre Nahrung per Flasche fütter. Habe ich selbstverständlich abgelehnt. Ich argumentierte damit, dass ich seit dem morgen meinen Milcheinschuss habe und es deswegen unnötig sei auf Kunstnahrung zurückzugreifen. Damit war er dann auch vorerst einverstanden, allerdings verlangte er dann, dass ich 120ml abpumpe und ihm per Flasche fütter (warum konnte er allerdings nicht begründen). Ich bombadierte ihn dann mit den verschiedensten Bildern (Zufütterungsfalle, Größe des Magens eines drei Tage alten Babys usw.).
Ja, was soll ich sagen, er war ja schließlich der Arzt und nicht ich. Ich hätte von alldem keine Ahnung weil ich nicht studiert habe. Ich habe ihm dann gar nicht weiter zugehört. Bin wieder auf meiner Zimmer und hab erst mal vor lauter Wut geweint. Die Schwestern kamen dann noch ein oder zweimal. Ich soll Stillproben machen um zu schauen, wie viel er trinkt pro Mahlzeit usw. (absoluter Schwachsinn 😒)
Meine Hebamme kam dann am späten Nachmittag noch zu mir und sagte, sie vertraue mir da voll und ganz. (Sie hat Kind Nr.2 entbunden und kennt mich dementsprechend lange und weiß, dass ich genügend Stillerfahrung habe.)
Ich habe die Schwestern und auch die Ärzte gebeten, mir meine Ruhe zu lassen und habe mein Kind nach Bedarf gestillt. Am nächsten Tag dann die Stunde der Wahrheit: +90g. Der Kinderarzt hat sich im Übrigen nicht mehr blicken lassen. Hätte so gerne sein Gesicht gesehen. 😂

Es ärgert mich soooo sehr, dass die Kliniken so wenig Ahnung vom Stillen haben. Wenn ich eine unerfahrene Mutti gewesen wäre, hätte ich vermutlich auf Schwestern und Ärzte gehört und hätte damit vermutlich auch schon abgestillt aufgrund einer Saugverwirrung o.ä.

Wir stillen jetzt seit drei Monaten Tandem und beide Kinder werden satt. Aber ich hab ja von alldem keine Ahnung weil ich nicht studiert habe wie er.

(*Achtung, einige Sätze könnten Ironie enthalten* 😉 )

Eine mutige Frau und ihre Geburten

Hallo ihr Lieben, der folgende Bericht stammt von einer Mutter, die vier Kinder und drei Sternenkinder hat. Hier berichtet sie von ihren ganz unterschiedlichen Geburtserlebnissen. Ein Kind kam in  Beckenendlage und das letzte Kind wurde geplant in Eigenregie geboren – mit einer Plazenta, die sich 30 Stunden Zeit ließ. Viel Spaß beim Lesen und vielen Dank an die Mama für’s Teilen dieser wertvollen Momente voll Mut und Selbstbestimmung!

Irgendwann war es soweit – Mein Abitur war bestanden und wir setzten die Pille ab.
Die Freude war riesig, als der Test uns sagte, dass wir ein Baby bekommen werden. Auch der Test bei meiner damaligen (ziemlich groben) Frauenärztin zeigte positiv. Anfang März 2011 sollte der Termin sein.
Aber es gab eine Person, die sich darüber gar nicht freuen konnte – mein Vater! Der Mann, der mir meine Kindheit und Jugend zur Hölle machte, wusste nun, dass ich ausziehen werde und er keine Gelder mehr für mich kassieren konnte. So nahm das ganze seinen Lauf und er mir mein erstes Kind. Am 8. Juli 2010 verlor ich mein Sternchen nachdem sich ein großer Bluterguss an der Gebärmutter bildete. Meine Frauenärztin hatte zu dem Zeitpunkt Urlaub, also ging ich zu einer anderen, bei der ich dann auch blieb. Sie hat uns toll aufgefangen. Nachdem feststand, dass alles vom Körper selbst „herausgespült“ wurde, sollte es keine Probleme geben, rasch erneut schwanger zu werden.
So kam es dann auch und kurz darauf erwarteten wir unser Folgewunder. Wir freuten uns auf einen süßen kleinen Jungen, der am 19. April 2011 das Licht der Welt erblicken sollte. Als der Termin verstrichen war, musste ich natürlich jeden zweiten Tag zur Untersuchung. Mir war das alles schon immer sehr unangenehm und schrie so sehr nach Kontrolle. Eigentlich wollte ich immer Zuhause entbinden, aber eine Hebamme dafür gab es im Umkreis nicht. KRANKENhaus war für mich immer nur für Kranke und deren Genesung gedacht – Aber zum Gebären?! Mir wurde dann immer eindringlicher zu einer Einleitung „geraten“. Genau genommen fühlte ich mich fast genötigt. Aber ich blieb standhaft. Ich wollte keine Einleitung! Die Unterlagen im Kreißsaal hatte ich schon längst ausgefüllt: „Keinen Dammschnitt und kein frühes Abnabeln“ hatte ich extra groß dazu geschrieben.
Am 1. Mai (Feiertag – Sonntag) war ich also wieder im Kreißsaal zur Untersuchung. Wieder wurde ich gebeten einleiten zu lassen. Meinem Sohn ging es prächtig und mir auch. Ich verneinte und ging aus dem Untersuchungsraum. Ich war zu dem Zeitpunkt ET+12. Auf dem Gang passierte es dann. Ein Blasensprung wie im Hollywoodfilm! Alles nass! Ich ging zurück und sagte „Mein Kind kommt!“ – und genau so war es auch! Sofort bekam ich heftigste Presswehen. Ich wusste gar nicht, was genau geschah, aber ich habe instinktiv mit gepresst und geschrien. In den Kreißsaal habe ich es nicht geschafft. Mein Kind kam noch im Untersuchungszimmer. So kam es, dass die Ärztin gegen meinen Willen den Damm schnitt, während die Hebamme meinte, dass es nicht nötig sei. Mein Kind war nach 12 Minuten da, wurde abgenabelt und mir an die Brust gelegt. „Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Tochter Frau Kiel!“ Halt! Tochter? Ich hatte doch einen Sohn im Bauch!? Nun gut – Meine Gynäkologin, die Feindiagnose und die Gynäkologin im Krankenhaus haben sich also geirrt. Adrian-Pascal ist noch heute eine Zoe-Summer! Zoe ist altgriechisch und bedeutet „das Leben“. Ihre Namensrune ist zeitgleich die Lebensrune. Das bezieht sich auf die vorangegangene Fehlgeburt. Summer war eine Eingebung des Vaters und sie ist tatsächlich ein sehr sommerlicher Typ. Sie war 45 cm kurz und brachte zarte 2530 g auf die Waage. Ihr Köpfchen hatte einen Durchmesser von 32 cm. Ich bin am Muttermund gerissen und in der Scheide, aber mein Damm wäre locker genug gewesen und nicht nennenswert gerissen. Dafür hat man ihn eben schön weit aufgeschnitten – man gönnt sich ja sonst nichts. Nachdem ich genäht wurde und eine Bluttransfusion bekam (Aufgrund der Verletzungen und einem gestörten Gerinnungswert hatte ich viel Blut verloren) durfte ich dann mit meiner Tochter auf Station. Dort war es nicht viel besser – ich wurde ständig gestört, weil die Schwestern ganz selbstverständlich einfach hineinplatzen. Ich musste mein Kind vor und nach dem Stillen wiegen und sollte zufüttern. Nicht mit mir! Mein Kind wird gestillt! So kam dann auch recht zügig (am 2. Tag) der Milcheinschuss und der hatte es in sich! Die Brüste waren so prall, dass Zoe gar nicht richtig trinken konnte. Ich müsse unbedingt abpumpen – Also habe ich gepumpt! Es lief und lief und lief! Es lief so toll, dass ich einen Tag später heftige Schmerzen, harte gerötete Stellen und allgemeines Krankheitsgefühl hatte. Mir ging es schlechter als einem Mann mit Grippe! Ich hatte einen saftigen Milchstau! Danke, ihr top ausgebildeten Krankenschwestern! Dank der Hebammen bekam ich das zum Glück innerhalb von 2 Tagen wieder einigermaßen in den Griff und konnte mit meinem Kind nach Hause, wo es seitdem Gott sei Dank NIE WIEDER zu einem Milchstau kam. Dafür hatte ich seitdem an meiner Naht vom Dammschnitt bis zur nächsten Geburt immer nur Probleme und Schmerzen, da diese schief und krumm und viel zu eng genäht wurde!

Noch vor der Geburt war klar, dass der Abstand des Geschwisterchens möglichst gering sein sollte. Unser Plan ging auf – meine Periode kam seit dem Wochenfluss immer pünktlich und mein Zyklus war regelmäßig. Ich wurde rasch erneut schwanger! Das war aber nicht alles: es sollten Zwillinge werden! Der Schock war groß, aber die Freude noch größer. Am 16. Oktober 2012 war ihr Entbindungstermin, doch keines der beiden sollte es bis dahin schaffen. Etwa 2 Wochen nach der freudigen Nachricht auf Zwillinge bekam ich eine starke Blutung und auf dem Ultraschall war am 13. März nur noch eines der Babys zu sehen. Diesem kleinen Würmchen ging es zum Glück prächtig, sodass sich zu der Trauer auch Freude und Erleichterung gesellten. Das kleine Würmchen da drin wuchs und wuchs und wuchs. Es wuchs so schnell, dass sich meine Gynäkologin schon Gedanken machte. Am 23. August vormittags fing es dann plötzlich an: Ich hatte Wehen! Keine Übungs- oder Senkwehen! Ich wusste „Jetzt geht es los!“ Aber es ist doch viel zu früh! Also ging ich erstmal baden – die Wehen wurden stärker. Ohhh! Meine Große muss ja noch komplett versorgt sein – wer weiß wie lange das Baby in der Klinik bleiben muss! „Ich muss nochmal einkaufen!“ Gesagt, getan. Ich machte mir noch etwas zu Essen, dann kam die Große zum Opa und wir in den Kreißsaal. Dort LAG (Oh, wie ich es hasste! Ich wollte mich bewegen!) ich bis zum nächsten Morgen in den Wehen. In der Nacht bekam ich noch eine PDA gelegt, damit ich etwas schlafen könne und „für den Fall der Fälle“. Immer wieder wollte mich die Ärztin aufgrund BEL (unter der Geburt hatte sie sich nochmal gedreht) und Frühgeburt zum Kaiserschnitt drängen. NICHT MIT MIR! Dann wollte mir die Hebamme ohne mein Einverständnis die Blase öffnen. Die beugte sich hinunter – In dem Moment sprang sie von allein und die gute Frau bekam so einiges an Fruchtwasser ab. So setzten nun auch endlich die Presswehen ein. Eine Stunde lang mühte ich mich liegend auf diesem Bett ab. Ich wollte einfach nur aufstehen! Ich wollte nicht liegen, aber ich musste. Statt das machen zu dürfen, was ich instinktiv als richtig und notwendig erachtete, wurde ich beschimpft und beleidigt, dass ich doch nun endlich anständig pressen solle, ich hätte es mir ja so ausgesucht und müsste beim zweiten Kind wissen, wie das funktioniert. Die werte Dame von Hebamme, die wohl besser als Ausbilderin zur Bundeswehr gegangen wäre, durfte dann auf meinen lautstark geäußerten Wunsch den Raum verlassen. Die anwesende Ärztin machte die Situation nicht besser. Ihr dauerte es schlicht zu lange. Also warf sie sich ohne Erklärung auf meinen Bauch, dass ich mich vor Schmerzen erbrach! Dass dieser verdammte Kristeller-Griff überhaupt heute noch angewendet wird ist eine Schande! Mein Baby kam dann zum Glück ohne Schaden heraus – Die Füße voran und das Gesicht gen Himmel (OK, eigentlich war es die Kreißsaaldecke, aber Sternengucker ist Sternengucker.). Mich wundert es ja, dass sie nicht noch auf die „tolle“ Idee kam, an dem Kind zu ziehen. Wieder wurde gegen meinen Willen direkt abgenabelt. Die letzte Geburt lag 16 Monate zurück und die Narbe vom Dammschnitt ist aufgerissen. Dieses Mal durfte mich niemand nähen! Diese Pfuscher mit ihren Nadeln sollten da schön die Finger davon lassen. Ja, die Heilung dauerte etwas länger, aber dafür verheilte es BESSER! Seitdem hatte ich nicht mehr durchgehend Probleme mit der Narbe – nur noch hin und wieder. Meine zweite Tochter – geboren 32+3 – hatte stattliche 3000 g und 51 cm mit einem Kopfumfang von 32,5! Nachdem eine Verrechnung des Termins ausgeschlossen wurde, konnten sich die Ärzte das ganze nur so erklären, dass die verlorene Zwillingsschwester nicht durch die gemeinsame Plazenta versorgt wurde und mein Körper dann weiterhin das eine Kind als Zwillingsschwangerschaft versorgt hat. Zum ET hätte sie laut Ärzten um die 60 cm und 5 kg gehabt. Ursprünglich sollten die beiden Aalissa-Helma und Naya-Rosa heißen. Nun wurde ihr der Name Aalissa-Naya Helma gegeben. Aalissa ist altgermanisch und steht für „das Glück“, welches sie tatsächlich hatte, als ihre Schwester von uns ging und sie bleiben durfte. Naya ist ebenfalls altgermanisch und bedeutet „kleine Schwester“ (Eigentlich war zu dem Zeitpunkt kein weiteres Kind geplant und nach den beiden unschönen Geburten hatte ich sowieso richtige Panik vor Klinikentbindungen.). Helma heißt ihre Ururgroßmutter (die Urgroßmutter des Papas), die übrigens immer noch sehr fit ist. Es ist ein Kriegerinnenname und passt perfekt zu ihr. Rosa hieß meine Urgroßmutter, die mich sehr geprägt hat und in meiner frühen Jugend gestorben ist.

Nach Aalissas Geburt ließ ich mir die Hormonspirale Mirena einsetzen (Das würde ich NIE WIEDER tun, aber das ist ein anderes Thema mit vielen Nebenwirkungen und Hintergrundinformationen, die den Rahmen sprengen würden.) Die Beziehung und Ehe zum Vater der beiden hielt seit der Geburt noch etwa 9 Monate. Nach Gewalt, Drama und Frauenhaus lernte ich dann meinen neuen Partner kennen und lieben. Ich 23, in Scheidung lebend und Mutter zweier Kleinkinder – Er zarte 17! Aber es passte einfach – für ihn, für mich, für die Kinder. Früher schon war er unser Nachbar, als ich frisch verheiratet mein erstes Kind erwartete – nun zog ich um und er war wieder mein Nachbar. Seitdem machten wir einfach alles zusammen, als wäre es schon immer so gewesen und nach kurzer Zeit waren wir ein Paar. Wir redeten darüber, dass wir irgendwann gemeinsame Kinder bekommen wollen, aber wussten noch nicht wann. Die Entscheidung wurde uns abgenommen! Anfang Februar 2015 bekam ich von meiner Gynäkologin gesagt, dass wir am 9. September 2015 unser erstes gemeinsames und ich mein drittes Kind bekommen sollte. Der Schock saß! Die Zeugung musste in etwa um Weihnachten gewesen sein – Mitte November bei der Kontrolle war die Spirale noch an Ort und Stelle – Nun war sie unauffindbar. Ein Herausfallen hätte ich wohl merken und sehen müssen, Verwachsen mit Plazenta, Kind oder den Bauchraum ließ sich nicht feststellen. Also war ich risikoschwanger! (Wer auch immer sich diesen Begriff ausgedacht hat.) Die Schwangerschaft war zum Kotzen! Es tut mir ja Leid für die Wortwahl (Nein, eigentlich nicht.), aber wie kann man dieses tägliche Erbrechen und Übelkeit rund um die Uhr bis zum Ende der Schwangerschaft sonst bezeichnen? Ab der Hälfte der Schwangerschaft kamen vorzeitige Wehen hinzu. Bettruhe. Toll!!! Je näher der Termin kam, desto panischer wurde ich. Ich MUSSTE ja in das verhasste Krankenhaus wegen dieser dummen Spirale, falls sie mit dem Kind verwachsen wäre und eine OP nötig sein sollte. Ich ging dann auch nicht mehr zu meiner Gynäkologin (soooooo häufig war ich ehrlich gesagt sowieso nicht dort), weil ich mich lieber mit meinem Inneren beschäftigte und mir die Termine zu viel Stress bereiteten (2 Stunden Fahrt ist ja auch nicht so angenehm im Sommer hochschwanger). Am 4. September (ein Freitag) sagte ich dann „Am Montag kommt sie!“ So sollte es sein. Am 7. September in der Nacht merkte ich, dass sie sich langsam auf den Weg machen will. Ich hatte unregelmäßig Wehen, die ich gut verstecken konnte. Ob ich sie nur vor meinem Mann oder doch auch vor mir selbst nicht eingestehen wollte, das weiß ich nicht genau. Ich bekam einfach nur Angst! Nicht vor der Geburt, sondern vor der Klinik! Bis etwa Mittag ging das gut, dann bekam ich richtige Wehen und ich konnte nichts mehr verstecken, so dass ich mit ihm dann gezwungenermaßen in den Kreißsaal ging. Dort ging dann natürlich erstmal gar nichts mehr. Also gingen wir raus, etwas essen. Plötzlich wurden die Wehen so stark, dass ich immer wieder aufstehen musste. Wir gingen also zurück. Auf dem Weg zum Kreißsaal konnte ich so ziemlich jede Tapenstruktur der Klinik abtasten. Als wir angekommen waren, wurde schon wieder direkt in mich hineingefasst. Ich hasse diese ständigen Untersuchungen! Es ist unangenehm, es tut weh – und es tut verdammt nochmal nichts zur Sache! Nun ja, es wurde dennoch gemacht und siehe da: vorher komplett geschlossen, war der Muttermund nun vollständig geöffnet. Und wieder musste ich liegen bleiben! Habe ich schon erwähnt, dass ich das gar nicht leiden kann? Ein paar Minuten später platzte die Fruchtblase und die Presswehen setzten ein. Ich lag auf der Seite. Die Hebamme, die generell nur schlecht gelaunt und nervig war, schrie herum, ich solle nicht pressen und muss unbedingt auf den Rücken! Ich sagte nur, dass das nicht geht und ich nicht will, also wurde mein Mann genötigt, mich auf den Rücken zu drehen. Ich hätte der guten Frau den Hals umdrehen können! Nicht pressen? Wenn mein Körper mir das Signal gibt, dann führe ich den Befehl auch aus! Ich presste also unter Operngesängen schön mit. Mit einer zweiten Presswehe hatte ich dann den Kopf geboren. Die Hebamme schimpfte regelrecht, dass ich jetzt bloß nicht weiter pressen soll. Die nächste Presswehe kam, ich presste und das Kind war komplett geboren. Wie die beiden Male vorher schon, wurde das Kind gegen meinen Willen sofort abgenabelt. Kein Riss, kein Schnitt, keine Schürfung! Alles blieb ganz am Mutter und Kind! Und das obwohl ich genau das Gegenteil getan habe, was die Hebamme verlangte (Ja, sie VERLANGTE es! Sie bat nicht um etwas, sie gab keinen Rat, nein, sie VERLANGTE, dass ich so gebäre, wie sie es WOLLTE!). Meine dritte Tochter war wieder 51 cm groß, wog 2880 g und hatte einen Kopfumfang von 33 cm. Mirena-Freya wurde nach der Hormonspirale benannt, die sie ausgetrickst hatte. Mirena ist aber auch ein italienischer Name. Freya ist die Fruchtbarkeitsgöttin. Die Zusammensetzung dieser beiden Namen beschreibt ganz gut, wie es zu diesem kleinen Geschöpf kam. Mirena war eine ambulante Geburt und dank meiner Hartnäckigkeit schonmal deutlich angenehmer, als die beiden Horrorgeburten zuvor. Dennoch war die Geburt übergriffig und alles andere als selbstbestimmt. Und obwohl nur eine einzige Hebamme dabei war, fühlte ich mich damit nicht wohl. Ich mag einfach keine Zuschauer dabei haben. Die möchte ich nicht bei der Zeugung und eben sowenig bei der Geburt. Ich kann ja nicht einmal kacken, wenn Besuch bei uns ist, also wie sollen mir dann fremde Menschen während dem Gebären hilfreich sein?

Nach dieser Geburt wurde ich trotz Kondomen in der Vollstillzeit erneut schwanger. Das haben wir allerdings erst durch die (sehr frühe) Fehlgeburt gemerkt. Ab da an war uns klar, dass da noch eine kleine Seele zu uns wollte und wir waren bereit dazu. Nach ein paar Monaten war ich dann wieder schwanger. Dieses Mal ging ich zu einer anderen Gynäkologin (ich wollte nicht 2 Stunden fahren), die die Schwangerschaft feststellte. Diese Frau empfand ich als absolut nicht hilfreich, negativ und teilweise untragbar, sodass ich mich schnell dazu entschloss, auch auf die Schwangerschaftsvorsorge zu verzichten. Zuvor hatten wir ein Gespräch mit einer Hausgeburtshebamme, zwischen der die Chemie auch nicht so recht passte und wir ohnehin merkten, dass wir die Geburt generell am Liebsten ohne störende Drittperson erleben wollen. Somit war die Hebamme frei für eine Frau, die mit ihr gemeinsam gebären möchte und wir waren frei von sämtlichen Leuten, die uns irgendetwas aufzwingen und einreden wollen. Es war die schönste und entspannteste Schwangerschaft von allen! Ich habe es GELIEBT schwanger zu sein. Ich fand es so wundervoll, ohne blöde Termine und Druck in 100%igen Kontakt zu meinem Kind zu stehen. Ich wusste immer ganz genau, was mein Baby macht, wo und wie es liegt. Auch der Papa konnte tasten, wie es liegt und mit seinem Kind kommunizieren. Wir bereiteten uns auf die Geburt nach und nach und ohne viel Hektik vor. Mein Mann wollte dann gern Sarah Schmids „Alleingeburt“ lesen und stellte fest, dass da eigentlich nur das drin steht, was er selbst auch über natürliche Geburten denkt. Alles in allem lieben wir dieses Buch. Es bestärkte uns darin, dass wir das richtige tun. Ich würde es jeder ängstlichen Frau empfehlen, nicht nur denen, die eine Alleingeburt (Irgendwie fand ich den Begriff gar nicht passend für uns, weil ich ja gar nicht ALLEIN, sondern nur ohne Störfaktoren gebären wollte. Freie Geburt trifft es eigentlich besser – die Schwangerschaft war von Freiheit geprägt und so sollte die Geburt ebenfalls sein – FREI!) planen. Das Baby drehte sich noch 2 mal in Querlage, die wir gemeinsam durch reden und mit den Händen anleiten beide Male schnell wieder in eine SL brachten. Dann war es soweit. Etwas früher als erwartet wollte sie zu uns kommen. Erst ging am 9. Februar der Schleimpfropf ab (das hatte ich bei den 3 Geburten zuvor nie), dann am nächsten Tag hatte ich leichte und recht unregelmäßige Wehen über den ganzen Tag. Am 11. Februar um 2:44 Uhr wurde ich dann endgültig wach, indem mir die Fruchtblase sprang. Mehr als ein paar Tropfen kamen nicht. Ich stieg dann in die Badewanne und mein Mann zündete die Geburtskerze und weitere Kerzen an. Ich fühlte mich einige Zeit lang wohl im warmen Wasser und die Wehen wurden kräftiger und regelmäßiger. In der Übergangsphase bin ich dann aus der Wanne gestiegen. Die Geburt fand dann im Bett statt. Die Presswehen dauerten etwa eine Stunde an. Ich versuchte es je nach dem wie ich mich wohl fühlte in verschiedenen Positionen. Das Köpfchen fand den Weg nicht allein und brauchte meine Unterstützung. Als ich dann im Vierfüßlerstand war, ging alles sehr schnell und mit nur einer Presswehe konnte ich das Kind im Ganzen gebären. Ich ging mit dem Unterkörper nach unten und sie glitt als Sternenguckerin sanft auf meiner Hand auf das vorher mit Unterlagen ausgelegte Bett, bevor ich das Becken wieder hob. Da war sie nun. Ich konnte mein Kind eigenständig nehmen, statt zu warten, dass es mir von einem fremden Menschen gereicht wird. Die Nabelschnur war relativ kurz, sodass ich sie gerade so anlegen konnte. Sie nuckelte dann etwa eine Stunde an meiner Brust, danach kuschelten wir einfach weiter. Es war einfach wundervoll. Nach etwa 3 Stunden haben wir dann gemessen und gewogen. Sie war 53 cm lang, wog (nachdem sie mich schon ordentlich angepinkelt hatte) 2990 g und hatte einen Kopfumfang von 35 cm. Aus unserer geplanten Lotusgeburt wurde leider nichts. Da die Nabelschnur recht kurz und die Plazenta noch nicht geboren war und ich immer unruhiger wurde durch meinen Bewegungs- und Harndrang, entschlossen wir uns dann 19:14 Uhr die Nabelschnur zu durchtrennen. Als mein Mann sie durchschnitt, weinte das schlafende zufriedene Baby sofort kurz auf und mir zog ein ungutes Gefühl durch den ganzen Körper. Die Plazenta wurde dann am nächsten Tag etwa 30 Stunden nach dem Kind geboren. Mein Körper konnte nicht so schnell von der wundervollen Schwangerschaft loslassen und brauchte diese Zeit. Ich vertraute meinem Körper und gab ihm diese Zeit. Diese Erfahrung ist unbeschreiblich, nachdem ich nach jeder Geburt sofort eine Spritze bekam, dass die Plazenta direkt geboren wird. Ich hatte selbst im Gefühl, dass das alles so richtig ist, war aber dennoch währenddessen in Kontakt mit ein paar wundervollen und erfahrenen Alleingeburtlerinnen, die mich in meinem Körpergefühl weiter bestärken konnten. Den beiden großen Töchtern, die unbedingt bei der Geburt dabei sein wollten, war die Geburt am Ende zu laut und sie haben im Zimmer gespielt, aber bei der Plazenta-Geburt hatte ich ausschließlich die beiden bei mir. Sie haben mir, während ich sie in meine Hand gleiten ließ, Schüssel und Sieb gereicht, die eigentlich für die Lotusgeburt bestimmt waren. Nun liegt das gute Stück im Gefrierfach und wartet darauf, dass unsere Jüngste alt genug ist und wir einen Apfelbaum darauf pflanzen können. Jetzt ist unsere Familie komplett und unser letztes Kind heißt Elana-Sorina Fenia. Elana ist wieder ein italinischer Name und bedeutet „Sonnenstrahl“. Sorina ist germanisch und steht ebenfalls für „die Sonne/Morgenröte“ und ist die Tochter des Thor. Sie soll ihr Licht für unsere 3 Sternenkinder erleuchten lassen. Fenia kommt aus der keltischen Mythologie. Fenia und Menia waren zwei Riesinnen unter dem dänischen König Frodi. Fenia bedeutet „die Moorbewohnerin“. Sie soll also selbst im dunkelsten Moor hell strahlen. Dass die kleine Riesin mein größtes Kind zur Geburt sein soll, wussten wir in der Schwangerschaft zwar nicht, aber das Gefühl hatte mal wieder gepasst.

Ein weiteres ganz wichtiges Gefühl ist meine Überzeugung, dass manchmal die Seelen unserer Sternchen zu uns zurück finden. Aalissa hat schon immer ihre Zwillingsschwester gefehlt. Das hat man ihr seit der Geburt angemerkt. Nicht nur dass Elana ihr unglaublich ähnlich sieht – auch andere Dinge passen zusammen. Beide Geburten hatten mit den Wehen etwa einen Tag gedauert und bei beiden hatte ich etwa eine Stunde lang Austreibungsphase. Beide Kinder waren Sternenguckerchen. Beide waren lang und dünn. Ebenso hatten beide eine leichte Neugeborenengelbsucht. Sogar ein paar ihrer Verhaltensweisen sind sehr ähnlich. Ich weiß, dass es nicht ein und dasselbe Kind sein kann, aber ich bin mir irgendwie sicher, dass ein Teil von ihr jetzt bei uns lebt.