Neuntes Kind, siebte Alleingeburt

Ich habe es endlich geschafft, den Geburtsbericht von der Geburt unseres neunten Kindes einzutippen.

Unser neuntes Kind wurde Mitte Januar, 14 Tage nach dem errechneten Geburtstermin, geboren. Die Schwangerschaft verlief schön und unkompliziert wie die anderen. Nur dass ich diesmal eine Vorderwandplazenta hatte und ein Kind, das über weite Strecken der Schwangerschaft als Sternengucker lag, was mich lange annehmen ließ, dass es – oh Schreck – schon wieder Zwillinge sein könnten. Es tastete sich fast identisch. Ein Ultraschall in der 25. SSW brachte dann die ersehnte Klarheit. Dies war auch der einzige Ultraschall, den ich wahrnahm. Im Übrigen betrieb ich wieder meine eigene, unabhängige Vorsorge, was wegen Corona doppelt so gut war wie sonst schon.

Im Gegensatz zu den anderen Kindern stellte sich dieses Kind erst am Abend vor der Geburt ins Becken ein. Gegen 20 Uhr war es plötzlich drin, was ich am typischen Druck auf bestimmte Nerven merkte und allgemein dem tiefergelegten Gefühl beim Laufen, wenn das Kind den Kopf im Becken hat. Und dann gingen auch zart die Wehen los. Zuerst in 10-Minuten-Abständen. Sie verschwanden, als ich mich hinlegte, um einen der Zwillinge ins Bett zu bringen. Da rutschte es vorübergehend wieder höher. Aber sobald ich wieder aufrecht war, ging es weiter. Ich erledigte derweil noch, so viel ich konnte.  Ich habe aufgeräumt, gesaugt, Brotteig geknetet, das Geburtszimmer vorbereitet … Als es gegen 23 Uhr knackiger wurde, war ich immer noch zugange. Trotzdem waren die Wehen eigentlich sanft. Ich musste gelegentlich kurz veratmen oder innehalten, aber die vielen Minuten dazwischen erlaubten noch effektives Arbeiten. Irgendwann war ich fertig und die Geburt verlangte ihre Aufmerksamkeit. Unser drittes Kind, inzwischen elf Jahre alt, half mir ganz toll, das Wohnzimmer weiter für die Geburt vorzubereiten: Kerzen aufstellen, den Geburtsplatz mit Matte, Ball und Unterlagen richten, Wasser zum Trinken bereitstellen, Feuer im Kamin machen … Er fragte mich, wie ich dies und jenes haben will, aber ich war schon im Geburts-lala-Land und mir war alles ziemlich egal. Kerzen hierhin oder dahin? Ich wollte und konnte keine Entscheidungen dieser Art mehr treffen. Er hat es nichtsdestotrotz schön hinbekommen.

Kurz vor eins in der Nacht gab ich meinem Kamerateam Bescheid. Beide Frauen hatten eine Stunde Anfahrt. Zwischendurch war ich nicht sicher, ob sie es rechtzeitig schaffen würden.

Die Wehen ließen sich, wie beim sechsten Kind auch, am besten sitzend auf dem Gymnastikball veratmen. Der Gegendruck auf den Beckenboden war sehr angenehm. Langsam und sachte ein und aus atmen, festhalten, aufstützen – so ging es am besten.

Foto: Camena Krämer

Mein Kamerateam traf noch rechtzeitig ein. Bei der ersten Presswehe platzte die Fruchtblase – in meine Kleider, die ich noch anhatte, weil es trotz Heizung nicht so warm war. Also schnell Kleider aus. Da wurde mir dann auch warm. Nächste Presswehe, Kopf da. Ich hatte es eilig, weil es unangenehm war, und hab sie ziemlich schnell heruntergepresst. Das war wahrscheinlich keine so gute Idee. Die Schultern drehten sich nicht gleich – wahrscheinlich auch, weil sie vier Kilo schwer war. Nach drei Presswehen, wo nichts so richtig weiterging, wechselte ich vom Stehen in den Vierfüßler und das klappte. Mit der vierten Presswehe kamen die Schultern frei und sie wurde geboren.

Foto: Camena Krämer

Sie war etwas blau und atmete nicht regelmäßig, aber schaute mich direkt an. Ich wusste dadurch: Sie ist „da“. Mit etwas Stimulation war sie schnell rosig und atmete gleichmäßig. Die Nabelschnur war sehr kurz, so dass ich sie nicht hochnehmen konnte. Die Plazenta wollte so auch nicht kommen. Nach einigem Versuchen haben wir abgenabelt. Unser Dritter, der als einziges unserer Kinder bei der Geburt dabei war, schnitt die Nabelschnur durch.

Foto: Camena Krämer

Die Plazenta habe ich dann mit ein paar spürbaren Wehen im Stehen geboren.

Foto: Camena Krämer

Danach bin ich duschen gegangen. Unsere Jüngste hat anschließend gleich die Brust gefunden und war selig.

Foto: Camena Krämer

Im Ultraschall während der Schwangerschaft war übrigens zu sehen gewesen, dass die Plazenta mit einem schmalen Anteil sehr tief lag. Das machte mir in der Schwangerschaft vorübergehend etwas Sorgen. Am Ende lief aber alles problemlos. Zwei Wochen nach der Geburt kam noch ein ungefähr walnussgroßes Stück Plazenta heraus. Das war offenbar der Zipfel, der im Ultraschall so weit unten zu sehen gewesen war. Und der Grund, warum es nach der Geburt so aussah, als wäre an der Seite der Plazenta etwas rausgebissen. Der Wochenfluss war bis dahin ein bisschen blutiger, aber nicht stärker, als ich es von den anderen gewöhnt war.

Ein Gedanke zu „Neuntes Kind, siebte Alleingeburt“

  1. Liebe Sarah mit Familie,
    Ich möchte euch von Herzen die besten Segenswünsche senden. Die Bilder, deine Geschichten, das anteilnehmen berühren mich sehr.
    Ich bin Mutter von 5 Erdenkindern, etlichen Zwillingsseelen und 6 Sternenkindern, wobei ich leider 5 von ihnen innerhalb der letzten zwei Jahre viel zu früh gebären musste. Ich wünsche mir sehnlichst, einer weiteren Seele das Leben schenken zu dürfen. Da wir Anfang des Jahres D verlassen haben, denke ich, dass dieses Kind, so ich es gebären darf, ebenfalls allein bekommen werde…
    Die allerherzlichsten Grüße,
    Nicole 🐚

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