Alleingeburt beim ersten und zweiten Kind

Diese Mutter berichtete von den Geburten ihrer beiden Kinder. Beides geplante Alleingeburten. Die erste wurde in die Klinik verlegt, weil die Plazenta nicht kommen wollte – mit unnötigem Stress von Seiten der Klinik und Jugendamt. Bei der zweiten Geburt kam dann auch die Plazenta ohne Probleme.

1. Geburtsbericht vom Oktober 2018

SCHWANGERSCHAFT

Eine Vorsorgeuntersuchung in der 12. Woche, um eine schriftliche Bestätigung meiner Schwangerschaft zu bekommen. Einen guten Monat Übelkeit, manchmal Schwindel (habe generell einen niedrigen Blutdruck), sonst keine Beschwerden. Bauch war bis zum Schluss relativ klein (aber nicht besorgniserregend klein). Habe mich spätestens in der zweiten Schwangerschaftshälfte kohlehydratarm ernährt, insgesamt oft rohes Fleisch, rohen Fisch, Leber, rohe Eier, Rohmilch von der eigenen Ziege gegessen. Meine Einstellung vor der Geburt war: „Die Schafe und andere Tiere – ich hatte nämlich Kontakt zu Schafen während dieser Schwangerschaft – schaffen das auch einfach selbst und lassen es geschehen, und außerdem vertraue ich auf Gott.“

BEGINN

Wehen haben an einem Samstag Vormittag an ET+10 begonnen, einfach nur als kurzes Anspannen alle 15 min, hab alles normal weitergemacht. Das ist bis 22 Uhr so gegangen. Da war der Abstand dann schon etwas kürzer, so 8 min vielleicht. Seit 19 Uhr hatte der Schleimpfropf begonnen abzugehen. Mit jeder folgenden Wehe, wo ich das Bedürfnis hatte mich aufs Klo zu setzen, ist das dann so weitergegangen. Ich hab unsere kleine Wohnung aufgeräumt und mein Mann hat Sauerkraut eingestampft. Sehr friedlich alles. Um 23 Uhr haben wir uns wie üblich zum Schlafen hingelegt, da waren die Wehen dann schon stärker, ich hab mir immer eine Meereswelle vorgestellt, die heranrauscht.

ERÖFFNUNG

Um 24 Uhr waren mir die Meereswellen dann herzlich egal. Ich hab aufstehen müssen, weil es zu unangenehm war im Liegen. Und müde war ich schon … hatte gehofft, dass das Baby nicht ausgerechnet die Nacht für die Geburt beansprucht. (Mittlerweile weiß ich, dass das wohl am häufigsten der Fall ist.) Bin also hin und her gewandert die 10 Schritte zwischen Klo und Lesesessel, bei jeder Wehe auf dem Klo und dazwischen müde auf dem Sessel … Herumgehen oder auf allen Vieren während einer Wehe mich zu bewegen versuchen, war gar nicht irgendwie lindernd oder angenehm. Also bin ich bei meinem Hin und Her geblieben und die Wehen sind auch gleich stark und regelmäßig geblieben. Während der Wehe hab ich immer mit einem tiefen Ton ausgeatmet-gestöhnt (hatte mir da vorher keine Anleitung zurechtgelegt, so war es intuitiv). Ab 2 in der Früh ist mir die Zeit endgültig zu langsam vergangen. Ich hab mich in Wollpullover und – socken gepackt, weil mir wegen Schlafenwollen schon kalt war. Trinken habe ich glaube ich vergessen (ein Fehler :(). Es wurde trotzdem 3, 4, 5 …

ÜBERGANG

Irgendwann hat es angefangen draußen zu dämmern. Ich bin im Bad geblieben – der heimeligste und wärmste Raum in unserer Wohnung – und irgendwann dann kam auf einmal eine wilde Wehe. Mir ist es kurz kalt und heiß geworden und ganz kurz sehr übel und es machte „Platsch“ ins Klo: klares Fruchtwasser, recht kleine Menge, und kurz darauf Blut, ein Ring aus Tropfen im Klo. Ich war mir recht sicher, dass jetzt etwas gerissen war, hat mich aber nicht sonderlich geschreckt in dem Moment. Dann auch schon die nächste wilde Wehe. Da hab ich in meinen inzwischen ausgezogenen Wollpullover gebrüllt-gekreischt, damit der Nachbar möglichst nichts mitkriegt. Dann hab ich meinen Mann zurückgerufen mit: „Warte, bleib bitte doch da, es kommt grad Blut!“ Der war da grade damit beschäftigt, noch ein Bettgestell aus der Wohnung zu tragen, und davor hatte ich allein sein wollen. Ich hab zum ersten Mal zwischen die Beine gegriffen und das Köpflein gespürt – und etwas Weiches darüber, wie eine dicke Ader. Die Nabelschnur, waren wir uns sicher. Dann hab ich meinen Mann auch noch kurz tasten lassen. Panik hat es gar nicht ausgelöst, in dem Moment war außerdem eh nichts zu machen außer weiterzumachen. Sofort war die nächste Wehe da. Ich bin noch gestanden und habe das als zu großen Druck empfunden in der Position. Da ist das Köpflein noch einmal ein kleines Stück zurückgerutscht.

GEBURT

Ich bin in den Vierfüßlerstand gegangen und die nächste und letzte Wehe ist auch schon gekommen und ich habe das Baby vor mir in den Händen gehabt. Rückblickend hab ich keine Ahnung, wie ich es aufgefangen habe.

„DAS BABY IST DA!“

hab ich zu meinem Mann zum Lesesessel rüber gerufen. So ungefähr 7 Uhr 30 war es da. Die Augen waren noch geschlossen und das Baby war komplett rosig, mit dem allerliebsten Gesichtchen (natürlich :)), kein Blut und kaum Käseschmiere drauf. Es hat die Augen aufgemacht und gleich losgeweint (Licht war noch an, wenn auch nicht allzu grell) und ich hab es an die Brust genommen und gleichzeitig gespürt, dass es kein Junge ist, wie ich gedacht hatte. Sie hat geatmet und unsere Notfall-Beatmungsvorbereitung war nicht notwendig, Gott sei Dank. Ein paar Minuten hab ich sie so gehalten – waren es 10 Minuten? Dann wollte ich meinem inneren Drehbuch nach mich ins Bett legen und das kleine Mädchen in bequemerer Position an die Brust legen.

PLAZENTA KOMMT NICHT

Ich bin also aufgestanden und ein paar Schritte los … „mir wird schwindlig“, hab ich zu meinem Mann gesagt. Und weil er das aus der Schwangerschaft kannte, war er gleich in „Auffangbereitschaft“, hat aber, als ich in die Knie gesunken bin, das glitschige Baby nicht mit erwischt. Sie ist auf den Holzboden geglitten und die Nabelschnur war ab. Bin am Boden sitzend ans Bett gelehnt aufgewacht, das Baby lag friedlich schlafend mit Handtuch zugedeckt auf dem Bett. Wir haben sie auf mich draufgelegt und versucht, ob sie trinken mag. Ich hab Nachwehen gespürt, dass immer wieder ein bisschen Blut kommt, und einen tiefen Widerwillen, nocheinmal was aus mir rausdrücken zu müssen, nachdem ich ja das Wichtigste geschafft hatte. Meine Vorstellung war, dass die Plazente eh von selber rauskommt. Bei allen Geburtsberichten (hätte ich noch andere gelesen …!) war das so komplett nebensächlich-selbstverständlich beschrieben, und die Hauptsache für mich war ja, dass das Baby wohlauf war … Der Uterus hat jedenfalls fleißig kontrahiert. Ich war noch benommen und hab bei alledem nicht so viel mitbekommen. Mein Mann hatte den Blutverlust im Auge und wir haben beschlossen, dass wir trotzdem erst einmal schlafen, waren alle so müde. Die Plazenta kam jedenfalls nicht „einfach so“ raus. Jetzt weiß ich, dass ich in der falschen Position war. Ich hätte im Bad noch die Plazenta abwarten sollen, im Hocken.

WIE LANGE NOCH ABWARTEN?

Nun gut, der Tag ist fortgeschritten, mein Mann hat das Alleingeburtsbuch nach Plazenta und Komplikationen diesbezüglich durchkämmt und das Internet. Nach dem Schlafen ist es mir besser gegangen und irgendwann am Nachmittag haben mein Mann und ich beschlossen, dass ich meine Kräfte zusammennehme und mich in Hockposition begeben muss. Es hat überhaupt nicht funktioniert, weil mir beim ganz Aufrichten sofort schwarz vor den Augen wurde und ich fast wieder zusammengesunken wäre. Wir haben gebetet, dass die Plazenta rauskommt. Mein Mann hat regelmäßig meinen Puls kontrolliert. So lange ich in Liegeposition war, ist es mir bestens gegangen. Dem Baby weiterhin auch. Mein Mann hat Hebammennummern rausgesucht und angerufen. Eine hat er erreicht. Die hat ihm gleich ordentlich Angst gemacht und gesagt, er muss jetzt sofort den Notarzt rufen. Ich hab noch den Versuch gestartet, mich halb hingelehnt hinzulegen, mit einer Schüssel drunter und sanft an der Nabelschnur zu ziehen und anzudrücken … hat nichts mehr gebracht.

KRANKENHAUS

Am späten Nachmittag haben wir entschieden, dass wir die Rettung rufen und ich ins Krankenhaus fahre. Ich war komplett friedlich und kooperativ gestimmt. Im Krankenhaus angekommen haben sie mir Oxytocin in den Arm geleitet, ich habe pressen sollen und husten, die Ärztin hat kurz so fest in den Bauch gedrückt, wie ich es mich selbst nie getraut hätte, und sofort war die Plazenta da und komplett. Ich hab es unprofessionell gefunden, dass die Ärztin sie mit einem wie ich finde leicht angewiderten Gesichtsausdruck betrachtet hat. Ich hab die Plazenta schlussendlich in einer Plastikdose mit heim genommen. Erledigt, jetzt also wieder nach Hause, hab ich mich schon gefreut und war zutiefst dankbar. Aber dann haben sie uns gezwungen, die Nacht im Krankenhaus zu bleiben. Sie hatten das Jugendamt informiert und die Drohung war, wenn wir heimfahren nimmt uns die Polizei das Kind weg. Die Krankenschwestern und Ärztinnen haben mich mit zwei Ausnahmen permanent mit Vorwürfen bombardiert. Ich war in der friedlichsten und interessanterweise energievollsten Stimmung, die man sich vorstellen kann, und habe freundlich erklärt und argumentiert, während unser Baby immer auf mir gelegen ist. Auch die ganze Nacht durch (wobei wir zumindest da schön unsere Ruhe hatten). Ich wollte weder mich waschen noch das Baby (sie haben sie aber vor meinen Augen etwas abgewischt, das war grade noch ok), sondern einfach nur nach Hause und die Geburtsstimmung friedlich fortsetzen dürfen. Der nächste Tag ging weiter mit Rechtfertigungen und zwei Besuchen von verschiedenen Jugendamtsleuten. Ich war mit nacktem Oberkörper im Bett, das Baby auf mir drauf und wir beide zugedeckt. Ich war ein richtiger Heizkörper. Wir sollten noch zwei Tage im Krankenhaus bleiben, hieß es am frühen Nachmittag. Da hab ich gemerkt, dass mir die Kraft langsam ausgeht, noch weiter zu „kämpfen“. Ich wollte endlich heim und meinen Frieden haben. Mein Mann und ich haben geweint und gebetet … Beim nächsten Jugendamtsgespräch danach haben sie sich, das war ein Wunder, überreden lassen und wir durften heim. Die Ärztin, die mich entlassen hat, war eiskalt. War mir aber egal. Wir sind heim geflüchtet (mein Mann musste mich im Rollstuhl schieben bzw. tragen, weil mir aufrecht noch immer sofort schwarz vor den Augen wurde) und haben uns erholt. Eine Woche später haben wir die Plazenta an einem für uns wichtigen Ort vergraben, erst dann war für mich alles gut. Die Tage davor hatte ich immer zu weinen angefangen, wenn wir von der Plazenta geredet haben. Das mit dem Krankenhaus war schon ein Trauma. Zwei Personen sind mir wie vorher angedeutet in positiver Erinnerung geblieben: Eine Krankenschwester hat mich nicht als verantwortungslos hingestellt und wie von selbst verstanden, dass ich unser Baby maximal in eine Stoffwindel wickeln will. Sie war diejenige, die es abgewischt hat, deshalb war das für mich auch zumindest ansatzweise in Ordnung. Und eine zweite (ältere, resolut wirkende) Krankenschwester hat meinen Blutdruck gemessen – alles in Ordnung, ich habe generell einen sehr niedrigen Blutdruck – und mir „unter uns“ gesagt, dass ich das mit der Geburt sehr gut gemacht habe und die meisten Frauen diesbezüglich gar kein Vertrauen und Gespür mehr hätten, und sie hat dem Baby über den Kopf gestreichelt und mir ein Kreuz auf die Stirn gezeichnet. Bis heute fange ich bei der Erinnerung zu weinen an, weil es der schönste Moment in der unguten Krankenhausepisode war.

WOCHENBETT

Ich habe tagelang gewartet, bis ich das Blut zwischen und auf den Beinen wegwaschen wollte. Gerissen war ich übrigens überhaupt nicht. Der Wochenfluss war nicht stark. Mein Mann hat mir bestes Essen zubereitet (vor allem ganz viele rohe Eidotter mit rohem Sauerrahm, Honig und Blütenpollen, sowie Hühnerbrühe, und Leber). Erst nach ca. 5 Tagen haben ich ohne „Trampeln ums Lagerfeuer“-Pochen im Kopf aufstehen können, nach 1 Woche langsam drinnen herumgehen und nach 2 Wochen draußen langsam spazierengehen. Nach 1 Woche haben wir die Plazenta an einem für uns schönen Ort begraben. Seitdem war der gröbste Teil vom Plazenta-Trauma geheilt (davor habe ich immer geweint, wenn die Rede darauf gekommen ist).

Spätestens jetzt nach der 2. Geburt ist es ganz geheilt und vor allem hab ich aus der Erfahrung gelernt. Das Jugendamt hat uns nach einem Hausbesuch und der Dokumentation der ersten paar U-Untersuchungen endgültig in Ruhe gelassen.

2. Geburtsbericht vom Januar 2021:

SCHWANGERSCHAFT

Diesmal gar keine Vorsorgeuntersuchung, dieselbe Übelkeit wie in Schwangerschaft 1, viel weniger entspannte Monate (mehrmals umgezogen und Wohnungssuche fast bis zum Ende der Schwangerschaft). Ansonsten keine Beschwerden, aber größerer Bauch als in der 1. Schwangerschaft und in der 2. Hälfte starker Ausfluss, wie ich es aus der ersten überhaupt nicht gekannt hab. Ernährung etwas weniger konsequent. Es war schon ziemlich klar, dass ich wieder eine Alleingeburt haben würde. Diesmal war es wegen der C-Situation noch mehr Notwendigkeit als bei der ersten Geburt. Ich wollte nämlich, so es auch Gott wollte, diesmal nur keinen Krankenhauskontakt. Den neuen Nachbarn hab ich von den Plänen nichts erzählt, für besorgte Verwandte habe ich eine Vorsorge- und Hausgeburtshebamme erfunden und insgesamt habe ich gut auf meine friedliche „Blase“ in Bezug auf Baby und Geburt acht gegeben. Dabei hat mich auch mein Mann wieder sehr unterstützt. Ach ja, und ich habe mehr als in der ersten Schwangerschaft gelesen. Meine Einstellung diesmal war „alle sagen das 2. Kind kommt ganz leicht, außerdem bin ich gewappnet mit Gebärwissen und vor allem vertraue ich auf Gott“.

BEGINN

Es ist am ET+4 abends losgegangen, einen Tag früher als gewünscht, wobei ich schon seit Tagen das Gefühl hatte, dass das Baby komplett „ausgebacken“ ist und nur noch abwartet, bis ich alles ganz fertig vorbereitet hatte. Wir hatten niemand zum Babysitten für unsere Ältere, also war ich mir recht sicher, dass das Baby eh wieder in der Nacht kommt, wenn sie schläft, denn ohne Ruhe keine Wehen. Die Verdauung war in diesen Tagen ausnahmsweise etwas träge und das hat glaube ich den Geburtsbeginn rausgezögert. Als es also „losging“ an dem Abend um 21.30 Uhr, dachte ich noch, das sind vielleicht zum ersten Mal so eine Art Senkwehen. Es hat etwas nach unten gezogen, wenn ich aufgestanden bin, sonst nichts.

ERÖFFNUNG

Erst um 23 Uhr waren es erkennbar Kontraktionen wie bei der ersten Geburt und erst da hab ich es meinem Mann gesagt und bin dann bald ins Bad verschwunden, um einen Einlauf zu machen – damit was weitergeht. Ich war nämlich müde mit leichtem Kopfweh und die Vorstellung einer durchwehten Nacht war … unvorstellbar. Hat bestens funktioniert: Darm leer, also Bahn frei fürs Baby. Während der nächsten Wehen hab ich den Geburtsort fertig hergerichtet (Einweg-Wickelunterlagen ausgebreitet und Kerzenlicht) und mich ganz kurzfristig fürs Wohnzimmer umentschieden, weil ich mich nur entspannen kann, wenn ich mich möglichst ungehört und damit ungestört fühle. Mit meinem Mann habe ich wieder ausgemacht, dass ich ihn rufe, wenn ich was brauche. Ein Mischung aus Wasser mit Zitronensaft, Prise Salz und Honig hab ich in kleinen Schlucken zwischendurch getrunken. Dann ist es bis vermutlich 2 Uhr mit regelmäßigen und leider nicht schmerzfreien Wehen, an die ich eigentlich ganz fest hatte glauben wollte, weitergegangen. Uhrzeit und Abstand haben mich nicht interessiert. Gar kein Schleimpfropfabgang diesmal, interessant. Heizkörper aufgedreht bis zum Anschlag, ein bisschen zu kühl wars immer noch. Nachdem der Glaube an „schmerzfrei“ also nicht funktioniert hatte (stattdessen der bekannte symmetrische Schmerz aus „sich Weiten/nach unten Ziehen/Drücken“), bin ich zu natürlichen Beschleunigungsmethoden übergegangen und hab die Klitoris stimuliert, damit sich der Muttermund schneller öffnet. Während der Kontraktionen mit vibrierenden Lippen ausgeatmet, Mund weit aufgemacht … alles was mir als Hilfsmittel eingefallen ist. Dann hab ich mich doch kurz (seitlich) hingelegt, weil ich einfach nur müde war.

ÜBERGANG

Und bei der nächsten Wehe hab ich auf einmal das Köpflein schon ganz weit unten im Geburtskanal anschieben gespürt, juhu. Das hat mich sofort motiviert, wieder aufzustehen, weil ich gewusst habe, jetzt geht es dann schnell. Hab mich also hingekniet und den Oberkörper auf dem Stuhl abgestützt – angenehm.

GEBURT

Die nächsten ~3 Wehen waren wild, aber ich habe diesmal keine Angst gehabt. Nicht dieses hilflos-ausgelieferte Gefühl wie bei der ersten Geburt, sondern ganz aktiv und klar war alles und in einem ruhigen Gottvertrauen. Erste Presswehe: Plitsch, Fruchtblase geplatzt, viel Wasser wars nicht. Kurz getastet, ob nicht doch der Hintern als erstes kommt (obwohl ich oft genug in der Spätschwangerschaft die Lage kontrolliert und als beruhigend richtig befunden hab und ja auch das Gefühl hatte, dass der Kopf anschiebt), da hat irgendwas sich zurückgezogen so als hätte sichs geschreckt. Fast sofort der nächste Schub: aaaaauh, Mund weit auf, jetzt nicht zu schnell durchlassen (und mir gedanklich gesagt, es reißt noch lange nichts, alles dehnt sich gut, auch wenn es weh tut). Kopf ist da, passt, alles stimmt. Soll ich meinen Mann rufen? Aber lieber keine Unterbrechung. Außerdem war eh fast keine Zeit, da flutscht der kleine Körper auch schon raus. Aufgefangen, nein, eher einfach aufgenommen. Mann rufen. Nabelschnur ist nicht um den Hals. Baby halten und gleichzeitig wissen, dass es ein Mädchen ist. Es atmet und schaut im Schummerlicht rosig, schon eher rothäutig aus. Es ist ca. 2.15 Uhr. Das Baby hat Schleim in den Atemwegen und protestiert lautstark, so laut es kann zumindest, die dünnen Ärmchen und Beinchen von sich Strecken. Es war gar nicht leicht zu beruhigen, bevor es dann eingeschlafen ist. Keine Käseschmiere mehr drauf und etwas schrumpelig – mehr als ausgebacken also. Die Nabelschnur hat erstaunlich lange pulsiert. Alles ist gut gegangen, Gott sei Dank.

NACHGEBURT

Jetzt also noch die Plazenta und Blutverlust beobachten. Ein paar erträgliche Nachwehen. Nach 1,5 Stunden ist sie dann gekommen. Dazu habe ich mich auf eine Plastikschüssel gehockt und die nächste Nachwehe abgewartet und etwas mitgedrückt aaaaah – da ist sie. Wir waren durch und durch dankbar und haben gebetet. Alles geschafft. Ein Schwall klares Fruchtwasser ist auch noch mitgekommen, was wir im Halbdunkel erst für Blut gehalten hatten. Abgenabelt haben wir ca. 3 Stunden nach der Geburt, als die Nabelschnur schon längst kalt und schlaff war. (Von der Plazenta habe ich erst ein kleines Stück gegessen und schließlich den kompletten Rest in den nächsten Tagen als Fruchtsmoothie, wirklich wohlschmeckend. Mit dieser sinnvollen Verwendung war ich glücklich. Für mich war es nichts Ungewohntes, da ich auch sonst gelegentlich rohes Fleisch esse.)

WOCHENBETT

Mein Mann hat erst das Baby, dann mich vorsichtshalber ins Schlafzimmer getragen, damit ich nicht womöglich wieder zusammenklappe wie nach der 1. Geburt. Aber diesmal ist es mir richtig gut gegangen, ich hab ganz normal herumgehen können und war ganz fröhlich (die ganze Wochenbettzeit durch). Unsere ältere Tochter hat das Baby gleich freudig-fürsorglich begrüßt, dann waren wir alle im Bett und das Baby hat begeistert an der Brust genuckelt.


Eine Ergänzung hätt ich noch; und zwar einen Rat für andere, aus Erfahrung: Besorgt euch für die Anmeldung beim Standesamt einen „offiziellen Wisch“, am besten einen mit Hebammenstempel. Beim ersten Kind hat der Pampers-Zettel aus dem KH unerwartete Wunder gewirkt, beim zweiten haben wir über dreI Ecken eine Hebamme gefunden, die uns nachträglich eine Geburtsbestätigung verfasst hat; nachdem die Standesbeamten so unangenehm wurden, dass wir schon befürchtet haben, sie schicken uns wieder das Jugendamt.

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