4 Geburten: Krankenhaus – Geburtshaus – Hausgeburt – Alleingeburt

Hier berichtet eine Mutter von den Geburten ihrer vier Kinder. Das erste kam im Krankenhaus und und das letzte aufgrund von Mangel an Geburtshaus und Hausgeburtshebamme als Geburt in Eigenregie.

1. Kind, Geburt im Krankenhaus: Ein Engel unterwegs

Die Geburt meines ersten Kindes war im Krankenhaus. Meinen eigentlichen Wunsch, lieber ins Geburtshaus zu gehen, ließ ich mir leider von der Verwandtschaft ausreden, da ich noch jung war und dachte, dass es gut ist, auf den Rat der Älteren zu hören. Später bereute ich es jedoch zutiefst.

Eine natürliche Geburt ohne jegliches Eingreifen von außen war mir sehr wichtig, daher las ich viel und dachte dann, ich wäre gut vorbereitet. Ich hatte mir extra ein Krankenhaus mit gutem Ruf ausgesucht, welches natürliche Geburten bevorzugt und dachte, es wird bestimmt gut werden.

An einem gemütlichen, ruhigen Abend setzen die Wehen plötzlich ein und hatten recht schnell einen Abstand von wenigen Minuten erreicht. Im Krankenhaus angekommen, verlief in den ersten Stunden alles sehr gut, die junge Hebamme war sehr einfühlsam. Ich durfte mich wunderbar in der Wanne entspannen, und alle waren sehr zuversichtlich auf eine baldige, gute Geburt. Dann kam leider der Schichtwechsel – mit einer anderen, alten Hebamme von ganz anderer Art, und meine Wehen wurden schwach. Bis heute bereue ich, mich nicht gewehrt zu haben, als sie mich zum Wehentropf drängte. Mein Mann unterstützte mich zwar, wo er konnte, aber wir hatten beide keine Erfahrung.

Mit dem Wehentropf begannen die schlimmsten Stunden, die ich je erlebt habe. Hammerwehen ohne Pause, unbarmherzig, Schlag auf Schlag. Ich dachte immer, ich wäre nicht schmerzempfindlich – aber DAS hier war wie Folter, anders kann ich es nicht beschreiben. Es ist nicht meine Art, aber ich konnte nur schreien – wollte weinen, aber es kamen keine Tränen.

Irgendwann sollte ich mich auf den Rücken legen, Beine hoch in die Schienen. Der Gürtel für die Herztöne war unangenehm. Mittlerweile war es früher Morgen, und so lag ich da, mit offenen Beinen in Richtung Tür, die grellen Deckenlampen blendeten meine Augen. Ich sollte pressen. Obwohl ich sagte, es wäre unbequem, weil ich immer abrutschte, nahm man keine Rücksicht. Die Hebamme hörte auch nicht auf mein Betteln, mir doch die störende Kanüle aus dem Handrücken zu nehmen, die mich immer wieder stach, wenn ich mich zum Pressen abstemmte. Nach längerer Zeit wurden die Herztöne als schlecht bewertet und es sollte schnell gehen. Aber die Kleine wollte das letzte Stück nicht durchrutschen, egal wie ich mich bemühte. Ich hatte kaum noch Kraft durch die lange Zeit am Wehentropf, die Kanüle stach in der Hand, der CTG-Gurt hielt mich gefangen. Die Ärztin schimpfte mit mir und droht mit der Saugglocke. Plötzlich kam ein weiterer Arzt dazu und drückte ohne Vorwarnung mit voller Wucht mehrmals auf meinen Bauch, sodass mir der Atem stehen blieb. Es tat so unglaublich weh, dass man es gar nicht beschreiben kann. Ich dachte, ich sterbe gleich.

So wurde dann meine Tochter nach ca. 9 Stunden Wehen aus mir herausgepresst, weinend kam sie auf die Welt. Ich war sehr froh, dass es vorbei war und durfte unser süßes kleines Engelchen endlich im Arm halten. Die nächsten Tage im KH waren anstrengend. Ich hatte zwar eine sehr nette Bettnachbarin, aber unsere Babys weckten sich nachts immer im Wechsel – und wenn dann morgens um 7 die Babys endlich schliefen, durfte ich den Schlaf nicht nachholen, denn es begann die Krankenhausroutine. Ständig spazierte jemand ins Zimmer, mal eine Untersuchung hier, mal eine Frage da. Zum Duschen kam ich in den ersten 3-4 Tagen auch nicht, obwohl ich es mir so sehr wünschte. Ständig war Besuch da – nicht nur meiner, sondern auch der von der Bettnachbarin. Es war also ein einziges Kommen und Gehen, von Privatsphäre keine Spur. Wenn kein Besuch da war, stillte ich oder wollte einfach nur ausruhen. Gerade als der Milcheinschuss kam, war das Zimmer voller Leute, meine Brust spannte so sehr, dass mein Töchterchen nicht gut trinken konnte. Leider konnte ich mich da nur bedingt lange ins Stillzimmer zurückziehen – der Besuch wartete ja und wollte das Baby sehen. Zuhause war es dann am aller besten, erst dann begann für uns eine entspannende und schöne Babyzeit. Trotz all dieser schmerzhaften Erlebnisse bin ich Gott sehr dankbar, dass er uns als Ergebnis ein kleines Engelchen hinterließ, denn ihr Name trägt die Bedeutung eines Engels in sich.

Durch diese Erfahrung bin ich zwar mit Tränen gegangen, aber die positive Seite ist, dass ich im Nachhinein viel dazu gelernt habe. Mir ist noch stärker bewusst geworden, dass ich allein die Verantwortung für die Geburt trage, und dass es am besten ist, diese Verantwortung an keinen anderen Menschen abzugeben. Die Geburt ist ein genialer Vorgang in der Natur. Es wird niemals eine gute Idee sein, in diesen chemisch einzugreifen oder ihn maschinell zu unterstützen, denn der Geburtsablauf wurde ganz perfekt geplant von unserem Schöpfer.

2. Kind, Geburt im Geburtshaus: Gott ist da

Während der zweiten Schwangerschaft stieß ich auf Sarahs Buch „Alleingeburt“ und viele andere gute Bücher… und verschlang alle voller Begeisterung. Mir gefiel Sarahs natürliche Einstellung zur Geburt sehr. Beim Lesen der Bücher stellte ich fest, dass die Infos über Schwangerschaft und Geburt im Internet und in den üblichen Ratgebern sehr einseitig, ja geradezu lückenhaft sind. Nur durch gezieltes Suchen gelangt man an ganz wertvolle Bücher, die eigentlich Pflichtlektüre jeder Schwangeren sein müssten.

Diesmal hörten mein Mann und ich auf keine Meinungen von außen mehr, sondern konzentrierten uns ganz auf unsere Wünsche. Ich meldete mich zur Geburt ins Geburtshaus an. Die Vorsorge-Untersuchungen ließ ich von der Hebamme machen, um die Arztbesuche zu reduzieren.

An einem ruhigen Abend, als ich gemütlich im Schaukelstuhl vor dem Kamin saß, setzen langsam die Wehen ein. Sie steigerten sich in den nächsten Stunden bis in die Nacht. Als meine Mama da war, um auf die Älteste aufzupassen, fuhren wir ins Geburtshaus. Nach unserer Ankunft wurden auch diesmal die Wehen schwächer. Ich erwähnte im Gespräch meine erste Geburt, erzählte wie es war – und dass ich jetzt einfach nur riesig große Angst hatte. Diese Angst konnte ich die ganze Zeit nicht loswerden. Die Hebammen waren sehr verständnisvoll. Sie blieben trotz schwacher Wehen gelassen und schlugen vor, dass mein Mann und ich uns noch hinlegten, da es ja noch mitten in der Nacht war. Die Wehen wurden zwar nicht stärker, aber schlafen konnte ich auch nicht, da ich regelmäßig veratmen musste. Am frühen Morgen schien es so, dass sich nicht viel getan hatte, und für einen Moment waren wir uns alle unsicher, ob es ein Fehlalarm war.Ich bin den Hebammen bis heute so dankbar für ihre ruhige, überlegte Vorgehensweise. Sie schlugen uns vor, draußen eine kleine Runde spazieren zu gehen. Mein Mann und ich waren gerade mal 20-30 Meter gegangen, da wurde ich plötzlich von so starken Wehen überwältigt, dass ich kaum noch laufen konnte. Wir gingen weiter, aber es wurde immer stärker. Mein Mann war mir eine große Hilfe, er hielt mich bei jeder Wehe ganz fest im Arm. Nach ca. einer halben Stunde wurden sie so stark, dass ich nur zurück ins Geburtshaus wollte. Die beiden Hebammen waren positiv überrascht und bereiteten die Badewanne vor. Das warme Wasser tat sehr gut, und die Wehen wurden kraftvoller. Die Atmosphäre war wunderschön, trotz Schmerzen. Alles war ruhig, mein Mann und die beiden Hebammen saßen neben der Wanne. Ich bewundere ihre Geduld, wie sie die Zeit einfach so verstreichen ließen, mit mir atmeten, dasaßen und mitfühlten. Wenn eine Wehe kam, waren jedes Mal mehrere ausgestreckte Hände da, an denen ich mich festhalten durfte. Nur ab und zu hielten sie mir ein Holzrohr zum Prüfen der Herztöne an den Bauch. Als es heftiger wurde, hatte ich innerlich schon große Angst, dachte, es würde wieder genauso heftig wie am Wehentropf werden. Aber o Wunder – das wurde es nicht. Obwohl ich schon in der Übergangsphase war, stieß ich völlig verwundert aus: „Die künstlichen und die natürlichen Wehen sind ja ein Unterschied wie Tag und Nacht!“ Die Hebammen schmunzelten.

Nach einiger Zeit beschlossen wir, auf den Geburtshocker zu wechseln, da ich in der Badewanne schon alle Positionen durch hatte und Abwechslung brauchte. Der Geburtshocker war super bequem, mein Mann saß hinter mir auf der Bettkante und hielt mich fest, sodass ich mich an ihn lehnen konnte. Die Geburtsarbeit war sehr anstrengend, da auch diesmal das letzte Stückchen zum Durchrutschen fehlte. Die Hebamme war super. „Probiere noch einmal, durch den Schmerz hindurch zu pressen“, schlug sie einfühlsam vor, einen kühlen Kopf behalten. Ich befolgte ihren Tipp, und plötzlich ging es vorwärts. Es dauerte nicht lange, dann wurde unser kleiner Sohn geboren. Kaum war sein Köpfchen da, war schon sein empörtes Stimmchen zu hören – er schien sich über das Verlassen aus meinem warmen Bauch zu beschweren. Mein Mann und ich lachten, und danach wurde er ganz geboren. Unsere Freude war unbeschreiblich.

Nach paar Stunden konnten wir nach Hause und genossen eine ruhige Zeit. Es tat so gut, in den ersten Tagen mit Mann, Tochter und kleinem Söhnchen zu Hause zu sein. Alle schliefen nachts super gut durch, auch das Baby in unserer Mitte. Besuch gab es nur, wenn es passte. Diese Geburt war der beste Ausgleich für die erste, den man sich nur denken kann. Im Namen unseres Sohnes steckt die Bedeutung „Gott ist da“ – und genauso hatten wir diese Geburt auch erleben dürfen. Gott war da und hatte alles wunderbar geführt! Ich denke sehr gerne daran zurück.

3. Kind, Hausgeburt mit Hebamme: Eine kleine Sternguckerin

Das Geburtshaus, in dem mein Sohn Jahre zuvor so wunderbar auf die Welt kam, musste leider wegen der hohen Versicherung das Geburtszimmer abschaffen. In meinen Gedanken schwankte ich nun zwischen Haus- und Alleingeburt. Schon längst war das Wort „Alleingeburt“ kein Fremdwort mehr für mich. Vor der 1. Geburt war es das, aber durch Sarahs Buch hatte es an Bedeutung gewonnen. Mein Mann war zwar nicht gegen eine Alleingeburt, aber es würde für ihn bedeuten, dass er quasi die fehlende Hebamme ein wenig ersetzen müsste. Auch ich war nicht so ganz sicher, es alleine zu wagen. So beschlossen wir eine Hausgeburt mit Hebamme. Es gab nur eine Hebamme in weiter Umgebung, die noch Hausgeburten durchführte, sie war schon älter und auch nett, aber sehr zurückhaltend und reserviert. Schon beim ersten Gespräch wusste ich, sie ist nicht auf meiner Wellenlänge! Während ich meinen Mutterpass holte, ging sie durchs Wohnzimmer, beäugte die angrenzenden Räume. Als ich zurückkam, stand sie in der Küche und huschte dann schnell ins Wohnzimmer zurück. Ihr ganzes Verhalten war sehr seltsam, aber ich dachte mir: Lieber eine gewöhnungsbedürftige Hebamme, als dass ich meinen Fuß nochmal ins Krankenhaus setze! Zum Arzt ging ich erst im letzten Schwangerschaftsdrittel – und das auch nur wegen der Blutwerte, die die Hebamme benötigte. Die Ärztin war nicht einverstanden, dass ich alle anderen Untersuchungen wegließ, und „schmiss“ mich aus der Praxis. Es machte mir jedoch nichts aus, ich bedankte mich höflich und ging.

Wie auch bei den anderen Schwangerschaften, begann ich 2-3 Tage vor der Entbindung vor mich hin zu wehen. Trotzdem war ich diesmal von der Schnelligkeit überrascht. Eines Abends beim Vorbereiten der letzten Sachen überfielen mich plötzlich die Wehen in kurzen Abständen. Mein Mann war leider noch auf der Arbeit, und so lief ich hektisch hin und her, räumte auf, bereitete alles vor. Als er sehr spät heimkam, fiel er sofort müde ins Bett, während ich schon fast schlief. Doch nachdem er eingeschlafen war, wachte ich auf. Die Wehen kamen wieder und mussten veratmet werden. Froh, dass alle schliefen, wanderte ich leise im ganzen Haus umher, veratmete Wehen, testete alle möglichen Positionen aus. Sofa, Treppe, Türrahmen… ich war die ganze Zeit in Bewegung. Am frühen Morgen um 8 Uhr weckte ich meinen Mann, damit er die Kinder zu den Großeltern fuhr, dann rief ich die Hebamme an. Sie zweifelte, dass ich soweit war, da ich anscheinend noch „ganz normal“ telefonieren konnte. Aber sie versprach, sich auf den Weg zu machen. Als sie mich dann untersuchte, war sie geschockt: „In einer halben Stunde kommt das Kind!“ Trotzdem forderte sie mich auf, noch dies und das für die Geburt zu holen und bezeichnete mich etwas herabblassend als junges grünes Mädel, weil ich nicht geschafft hatte, die Folie aufs Bett zu legen. Dazu war ich leider nicht gekommen, hatte es inmitten der Wehen vergessen. Ich freute mich über den Fortschritt, aber leider war mein Mann noch nicht da. Obwohl die Hebamme was dagegen hatte, ließ ich mir Wasser in die Wanne, da ich eine Wassergeburt wünschte. Kurz danach setzte schon der Pressdrang ein. Ich musste der Hebamme erst ein Handtuch besorgen, bevor sie mir erlaubte, mich während der Wehen an ihrem Arm abzustützen. Ihre umständliche Art und das Fehlen meines Mannes verzögerten alles. Als mein Mann da war, ging es wieder vorwärts und die Hebamme drängte, dass ich das Wasser verließ. Doch im kälteren Zimmer ging es doch nicht so schnell wie erwartet. Viel Positionswechsel und Anstrengung war nötig, damit das Köpfchen das letzte Stück durchrutschen konnte. Irgendwann war auch das geschafft, und unser kleines Töchterchen kam als Sternguckerin auf die Welt. Sie war so winzig, viel kleiner als meine anderen Kinder. Das passt perfekt zu ihrem Namen, der „die Zarte, Sanfte und Leuchtende“ bedeutet.

Was ich im Nachhinein sehr schade fand, war, dass die Hebamme die Kleine ohne mein Wissen badete. Während mein Mann aufräumte und ich mich ein wenig zurechtmachte, nahm sie das Kind. Ich dachte, es wäre nur zur Untersuchung. Aber als ich nach kurzer Zeit das Baby bekam, war der Geruch weg – dieser besondere, frische Babygeruch, den es nur ein einziges Mal nach der Geburt gibt.

Durch die Anstrengung der Geburt war ich sehr zittrig und meine Arme waren so schwach, dass ich länger brauchte, um das Baby zum Stillen zu positionieren. Sogar Sprechen fiel mir schwer. Sofort wirbelte sie herbei und meinte, mir das richtige Anlegen beibringen zu müssen und mir zu erklären, wie man ein Baby hält. Dabei war es schon mein drittes Kind, Stillen war jahrelang mein Alltag, war mir schon in Fleisch und Blut übergegangen.

Bei der Nachgeburt war es mein Wunsch, aufrecht zu sein. Die Hebamme hatte was dagegen und drängte mich zum Liegen, aber ich willigte nicht ein. „Dann mach halt“, sagte sie schroff, und ließ mich machen. In den nächsten 10 Tagen kam sie jeden Tag, obwohl es offensichtlich war, dass wir super zurechtkamen. Meistens war sie nur 3-5 Minuten da, weil ich keine Fragen hatte. Einige ihrer Tipps nahm ich dankbar an, aber das Herumschleichen in den Räumen und ihre Art, mich wie eine unerfahrene, dumme Mutter zu behandeln, war unangenehm. Nach 10 Tagen schlug ihr höflich vor, dass ich mich melde, wenn ich Hilfe brauche. Sie tat sehr verwundert und meinte, sie wäre ja so selten dagewesen.

Einerseits bin ich froh, eine helfende Hebamme gehabt zu haben – schade nur, dass die Chemie zwischen uns nicht stimmte. Für unsere Verwandten war die Nachricht über die Hausgeburt ein Schock. So etwas hatte noch keiner aus der Familie gekannt, geschweige denn gewagt. Auch wenn insgesamt nicht immer alles perfekt ist, wie man es sich wünscht, sind wir Gott trotzdem sehr dankbar, dass alles ohne ernste Zwischenfälle verlaufen war. Er hat unser Gebet erhört und uns ein süßes kleines Mädchen geschenkt.

4. Kind, Alleingeburt zuhause: Gott schenkt Hilfe

Als ich mit dem 4. Kind schwanger wurde, hatte ich nur eine Wahl: Alleingeburt. Krankenhaus kam nicht in Frage, und das Geburtshaus gab es schon lange nicht mehr. Auch die letzte Hausgeburtshebamme war aus meinem Umkreis verschwunden. Der allerletzte Versuch nach einer Hausgeburtshebamme scheiterte an der Entfernung. Somit gab es nur noch einen, der uns helfen konnte: Gott, der Erfinder und Schöpfer der Geburt. Bei der Suche nach einer Hebamme, die nach der Alleingeburt die U1 durchführt, wiesen mich alle Hebammen ab – wahrscheinlich war es ihnen zu riskant, warum auch immer. Nur eine Hebamme war anders als alle anderen. Sie behandelte meinen Fall als „offiziell geplante Krankenhausgeburt“ mit der Nebenbemerkung, es könne jeder Frau passieren, dass sie es nicht rechtzeitig bis zum Krankenhaus schafft. Sie war so super! Es war übrigens dieselbe Hebamme, die mich so toll bei der 2. Geburt im Geburtshaus unterstützt hatte. Es würde ein Wagnis werden, für mich, und auch für meinen Mann. Was unsere Familien darüber denken würden, daran wollten wir erst gar nicht denken. Nur meine Schwestern weihte ich ein, sie versprachen für einen guten Ausgang zu beten. Während der Schwangerschaft ging es mir sehr gut, es war die angenehmste Schwangerschaft von allen. In allen anderen hatte ich mit jedem Kind stärker werdende Übelkeit gehabt, aber diesmal blieb sie weg. Der Grund dafür war für mich offensichtlich: In dieser Schwangerschaft nahm ich viel Calcium ein. Das muss das Geheimnis gewesen sein, anders kann ich es mir nicht erklären. Denn die Übelkeit taucht meist zu dem Zeitpunkt auf, an dem sich die Knochen des Kindes bilden. Nimmt man da zu wenig Calcium zu sich, wird es aus dem eigenen Körper gezogen – das könnte die Übelkeit verursachen. Bei mir ging diese Rechnung zumindest auf. Auch diesmal ging ich erst im letzten Drittel der Schwangerschaft zur Ärztin, es war ein sehr verständnisvolle, die meine Wünsche akzeptierte. Wichtig war mir eigentlich nur die Lage des Babys kurz vor der Geburt. Um den Rest kümmerte sich meine Hebamme, sie versprach, nach der Geburt für mich da zu sein.

Wie auch bei den anderen Schwangerschaften bekam ich 2-3 Tage vor der Geburt stärkere Wehen, die sich über den Tag verteilten. Am Tag vor der Geburt erreichten meine Gefühle einen plötzlichen Tiefpunkt, den ich nur schwer beschreiben kann. Ich war völlig in Tränen aufgelöst, hatte Panik, und konnte mich kaum beruhigen. Ich weiß bis heute nicht, was los war, vielleicht wurde ich unbewusst an meine 1. traumatische Geburt erinnert. Die Wehen gingen weiter, mal regelmäßig, mal unregelmäßig. Nach Mitternacht schienen sie so unregelmäßig zu sein, dass ich einen Fehlalarm vermutete und zu schlafen versuchte. Doch um 3 Uhr nachts ging es plötzlich los – jetzt wusste ich, es ist soweit. Mein Mann wurde wach und half mir, ein Bad vorzubereiten. Es war alles still, die Kinder schliefen. Im Wasser war es angenehmer, ich veratmete und die Zeit schien endlos zu verstreichen. Nach ca. 2 Stunden brauchte ich Abwechslung und probierte im Schlafzimmer verschiedene Positionen am Hängetuch aus, welches wir extra dafür aufgehängt hatten.Die Zeit verging gefühlt wie in Zeitlupe. Nach ca. zwei weiteren Stunden Herumturnen und Pressversuchen war ich fix und fertig, wollte am liebsten einfach nur auf dem Boden liegen, hatte keine Kraft. Schon die Nächte zuvor hatte ich nicht gut schlafen können, nun war ich sooo müde. Auch mein Mann wurde langsam unsicher, weil es scheinbar keinen Fortschritt gab. In unserer Ratlosigkeit beschlossen wir, Gott den Allmächtigen um Hilfe zu bitten. Nachdem wir gebetet hatten, kam plötzlich die Idee auf, die Hebamme anzurufen. Gott sei Dank, sie ging dran. Als ich ihr sagte, dass ich völlig am Ende bin, gab sie mir den Tipp, es nochmal mit der Badewanne zu versuchen. „Und dann?“, fragte ich, total verwirrt. „Dann entspannst du dich und bekommst dein Baby“, antwortete sie in selbstverständlichem Ton. Das klang mir viel zu leicht. „Das glaube ich nicht, ich kann nicht mehr.“

Nach dem Anruf kam ich mir genauso schlau wie vorher vor, aber mein Mann ermutigte mich, den Tipp der Hebamme zu befolgen. Also ließen wir nochmal Wasser ein und befestigten das lange Tuch im Bad zum Festhalten. Nach einigem Hin und her fand ich eine bequeme Position und versuchte zu pressen, da der Druck nach unten unerträglich war. Es war sehr, sehr anstrengend, aber irgendwann schien es vorwärts zu gehen, ich spürte schon das Köpfchen. Mein Mann stützte und ermutigte mich. Mittlerweile stand ich im Wasser, ein Bein auf dem Badewannenrand. Dann kam der schönste Moment, das Köpfchen war da. Ich wunderte mich, dass der Kleine so ruhig war. Dann wurde er ganz geboren und mein Mann fing ihn auf. Es war 7:07 Uhr. Nun wurden auch die Kinder wach, weil wir unsere Freude nicht unterdrücken konnten. Es ist unbeschreiblich, schön, wenn das Baby da ist! Der Kleine war sehr entspannt und wurde ausgiebig von seinen Geschwistern bewundert.

Den restlichen Tag konnten wir zuhause in Ruhe genießen und in den Wochen danach besuchte uns die Hebamme wie eine liebe Freundin – es war eine ganz tolle Zeit! Nur unsere Eltern mussten einen Schock überwinden. „Macht das bitte nie wieder, das ist so leichtsinnig…was hätte nur alles passieren können…“ Wie gut, dass sie es vorher nicht gewusst hatten!

Der Name, den wir zuvor für unser 2. Söhnchen ausgesucht hatten, hätte passender nicht sein können, er bedeutet: „Gott schenkt Hilfe“. Ja, wir hatte Gottes Hilfe ganz nah verspüren dürfen, dafür sind wir sehr dankbar.

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