Selbstbestimmte Hausgeburt beim ersten Kind

Nach zwei Fehlgeburten bekommt diese Mama ihr erstes (lebendes) Kind selbstbestimmt zu Hause. Hier berichtete sie von ihrer Fehlgeburt in Eigenregie.

Sie wünscht sich, dass Frauen auch weiterhin individuell von Hebammen betreut werden. Deshalb möchte sie auf den Verein „Hebammen für Deutschland“ hinweisen, der sich für eine individuelle Geburtshilfe und den Austausch zur Geburtskuktur in Erzählcafés einsetzt. https://www.hebammenfuerdeutschland.de/

1.11.2019 – heute ist der errechnete Termin, auf den Tag genau ein Jahr nach meiner zweiten Fehlgeburt. Vor einem Jahr hätte ich mir niemals träumen lassen, heute unser Kind im Arm halten zu dürfen. Aber als ich so kurz nach der Fehlgeburt wieder schwanger war, und dann auch noch den errechneten Termin sah, wusste ich, dieses Mal wird alles gut.

Vorgeschichte – Schwangerschaft

Mein Gefühl sagte mir das ganz deutlich, und trotzdem war es in den ersten Wochen natürlich schwer, den Kopf auszuschalten, der einem immer wieder sagte: „Und was, wenn doch nicht…? “ Zum Ultraschall ging ich zum ersten Mal in der 10. Woche. Wenn, dann wollte ich auch schon etwas sehen können. An dem Morgen ging es mir furchtbar. Aber da war unser kleines, putzmunteres, drei Zentimeter großes Kind. Da ich meine rationalen Ängste nicht ganz aushalten konnte, ging ich in der 13. Woche noch einmal zum Ultraschall. Auch da war alles gut. Die (Vertretungs-) Ärztin meinte, eine zweite Fruchtblase zu sehen, in der sich nichts entwickelt hat, war sich aber nicht ganz sicher. Sie wollte das eigentlich mit der anderen Ärztin absprechen, als ich mich dann aber noch einmal meldete, hieß es, das sei doch nicht nötig und ich brauche mir keine Sorgen zu machen.

Etwa in der 15. Woche hatte ich den Eindruck, das erste Mal ganz zarte Stupser zu spüren. Ich habe mittlerweile ein ziemlich gutes Körpergefühl. Trotzdem war ich mir natürlich nicht sicher. Im Nachhinein waren das aber wohl schon Kindsbewegungen. In der 16. Woche waren wir in Frankreich im Urlaub, als plötzlich eine Blutung einsetzte. Nach dem ersten Schreck war ich aber recht ruhig und fühlte, dass mit dem Kind alles gut ist. Mein Mann wollte es trotzdem gerne abklären lassen und so fuhren wir ins Krankenhaus (es war Sonntag). Dort stellte die junge Ärztin eine Plazenta praevia fest, dem Kleinen ging es gut. Das beruhigte uns, wegen der Plazenta machte ich mir auch erstmal keine großen Gedanken, es war ja noch früh genug, dass sie noch hochwandern könnte. Wieder zu Hause ging ich trotzdem noch einmal zu meiner Ärztin, die feststellte, dass die Plazenta nicht ansatzweise über dem Muttermund lag – laut ihrer Diagnose hatte sich die Fruchtblase an einer Stelle über dem Muttermund von der Gebärmutterwand abgelöst. Ich sollte mich ein bisschen schonen und wir sollten beobachten, wie es sich entwickelt. Für mich war es ja am wahrscheinlichsten, dass es einfach diese vermutete zweite Fruchtblase war, die aufgegangen war und nun leer über dem Muttermund lag. Das alles bestätigte meine Zweifel an der Ultraschall-Diagnostik. So ging ich dann auch nur noch ein weiteres Mal hin, zum Organultraschall, wo ich nur das Wichtigste abklären ließ, da wir ja eine Hausgeburt geplant hatten. Auch wenn ich eigentlich instinktiv wusste, dass mit diesem Kind alles in Ordnung ist. Die Ärztin ließ sich zum Glück auf alles ein und vermittelte generell viel Ruhe und Gelassenheit (nicht umsonst hatte ich zuvor zweimal die Praxis gewechselt, da ich mit den vorherigen Ärzt*innen nicht klar kam).

Die restliche Vorsorge machte ich bei meinen beiden Hebammen (in unserer Stadt mit 320.000 Einwohnern gibt es übrigens nur noch drei Hausgeburtshebammen). Beide strahlen sehr viel Ruhe und Zuversicht aus. Trotzdem hatte ich auch hier ein Erlebnis mit der Vor“sorge“-Thematik: Den Test auf Schwangerschaftsdiabetes wollte ich eigentlich nicht machen. Mir ging es gut, ich habe keine Risikofaktoren, es erschien mir einfach unnötig. Die Hebamme „überredete“ mich dann aber, bzw. schien es für sie einfach selbstverständlich zu sein und ich fühlte meine Ablehnung nicht richtig gehört. Naja, schaden kann es ja nicht, dachte ich mir und machte den Test. Es kam natürlich wie es kommen musste und der Wert war leicht erhöht. So musste ich dann noch zum nächsten Test (bei 38 Grad nüchtern in die Praxis fahren – sehr gesund…). Hier war nur der zweite Wert leicht erhöht, und da die Ärztin beim Organultraschall feststellte, dass das Kind normal groß und schwer war, sah sie keinen Anhalt für Diabetes (ihr Kommentar: „In der Uniklinik hätten Sie jetzt auf jeden Fall einen Diabetes“). Das Ganze brachte mir insgesamt knapp vier Wochen mit dem Gedanken „Ich könnte Schwangerschaftsdiabetes haben“ ein (eine Woche vor dem ersten Test, eine Woche warten aufs Ergebnis, eine Woche warten bis zum nächsten Test, wieder ein paar Tage warten bis zum Ergebnis). Es hat mich gelehrt, beim nächsten Mal besser auf mein Gefühl zu hören und mich durchzusetzen.

Ansonsten hatte ich eine sehr schöne Schwangerschaft. Ich achtete auf eine gute Ernährung, ausreichend Bewegung und versuchte, so weit es ging auf meinen Körper zu hören. Leider stellten sich ab ca. der 25. Woche Schmerzen im Lendenwirbelbereich, in den Leisten und an der Symphyse ein, die bis zum Ende mal mehr und mal weniger stark waren. Die machten mir teilweise schon zu schaffen, ich war sogar beim Chiropraktiker, was aber nicht wirklich Besserung brachte. So musste ich eben damit klar kommen. Gleichzeitig genoss ich es sehr, mein Baby im Bauch zu spüren, es immer bei mir zu haben und mit ihm zu kommunizieren. Jetzt schon ging für mich ein Traum in Erfüllung. Das Kind war sehr aktiv, sodass auch mein Mann es oft spüren konnte.

Vorbereitung auf die Geburt

Ich lese eigentlich schon seit Jahren über die Themen Schwangerschaft und Geburt, sodass ich schon zu Beginn viel wusste. In der Schwangerschaft habe ich dann noch mehr gelesen, insbesondere Michel Odent, Sarah Schmid, Jobina Schenk und Hypnobirthing. Ab und zu stimmte ich mich mit Meditationen und Affirmationen auf eine positive Geburtserfahrung ein. Ich versuchte auch, die Hypnobirthing-Atmung zu üben, merkte aber, dass es mich mehr stresste, täglich an die Übungen zu denken, als dass es sich sinnvoll anfühlte, sodass ich das nur sporadisch machte. Je weiter die Schwangerschaft fortschritt, umso mehr erwartete ich die Geburt mit einer positiven Aufregung. Meine einzige Sorge war, wann ich die Hebamme rufen sollte. Ich wusste, dass ich bei der Wehenarbeit am liebsten alleine sein würde. Auch wusste ich, dass die Hebammen sicher sehr zurückhaltend sein würden, wenn ich sie darum bitte, ich wollte aber einfach keine Beobachter dabei haben. Mein Mann hatte vollstes Vertrauen in mich – ihm war es aber wichtig, dass die Hebamme dabei ist, was ich verstand und mir ja eigentlich auch wichtig war – ich merkte einfach, ich will das nicht ganz alleine machen, will aber trotzdem meine Ruhe haben. Ich konnte einfach nicht vorhersehen, ob und wie das möglich sein würde. So versuchte ich, ins Vertrauen zu gehen. Ich vertraute darauf, dass schon alles so werden würde, wie es für uns richtig ist. Und so kam es dann auch.

Die Geburt

Irgendwie hatte ich das Gefühl, den errechneten Termin am 1.11. nicht zu erreichen. Mir reichte es gegen Ende einfach mit der Schwangerschaft, ich konnte nicht mehr richtig schlafen, aufstehen, Schuhe anziehen … In der Nacht vom 17. auf den 18. Oktober wachte ich plötzlich mit starken Schmerzen im Beckenbereich auf. Ich war mir sehr sicher, dass das keine Wehen sind, konnte aber auch nicht nachvollziehen, woher diese Schmerzen kamen. Ich wusste nicht mehr, wie ich liegen, sitzen, stehen sollte – jede Position tat weh. Nur im Vierfüßler war es einigermaßen erträglich. Irgendwie überstand ich die Nacht und am nächsten Tag ging es dann wieder. Ich spürte in mich hinein und war mir ganz sicher, dass das Baby tief ins Becken gerutscht sein muss. Ich dachte nur: „Wenn das so weiter geht, halte ich es niemals bis zum 1.11. aus.“ Aber die nächsten Tage brachten Besserung. Am 21. machte ich noch einige Besorgungen für Geburt, Wochenbett und Baby, ging noch einmal zum Sportkurs und abends hatte ich sogar wieder Lust auf Sex. Wir überlegten noch kurz, ob das mit den Prostaglandinen wirklich eine gute Idee ist, aber mir war es in dem Moment egal – ich wusste, wenn mein Körper noch nicht geburtsbereit wäre, würde auch nichts passieren.

Und tatsächlich wachte ich am nächsten Morgen nach einer zum Glück sehr ruhigen Nacht gegen 8 Uhr von einer Wehe auf. Mein Mann war schon auf der Arbeit. Ich beschloss, erstmal abzuwarten. Die Wehen kamen alle 7 bis 8 Minuten in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen und waren noch gut auszuhalten. Ich war mir nicht ganz sicher, ob das wirklich die Geburt ist, trotzdem begann ich schon einmal mit meinen Vorbereitungen. Mir fielen 1000 Dinge ein, die noch erledigt werden mussten, Staubsaugen, Bett neu beziehen, Gemüsekiste bestellen … Ich arbeitete nach und nach meine Liste ab, während ich immer wieder die mittlerweile doch sehr regelmäßigen und kräftigeren Wehen bearbeitete. Am besten ging das nach vorne übers Bett gebeugt. Ich hörte mir nebenbei noch eine Podcast-Folge zum Thema „Was, wenn die Eröffnungswehen schon schmerzhaft sind“ an – setzte die meisten Tipps aber sowieso schon um: Ich versuchte, nicht gegen die Wehen zu arbeiten, sondern mit ihnen zu gehen, sagte „Jaaa“, „Kooomm mein Baby“, „Lass looos“. Die Wehen waren durchaus schmerzhaft, aber sobald sie vorbei waren, konnte ich meinen Tätigkeiten wieder nachgehen.
Vormittags sprach ich der Hebamme aufs Band, die um 14 Uhr zur Akupunktur kommen wollte, dass das wohl nicht mehr nötig sei. Sie rief mich um kurz vor zwei zurück um zu fragen, ob sie trotzdem kommen solle. Ich verneinte und sie meinte, dass ich mich auch so anhöre, als würde es noch dauern. Ich solle mich einfach melden, wenn ich sie brauche und könne ja mal in die Badewanne gehen. Damit wollte ich aber gerne noch warten, bis mein Mann von der Arbeit kam, weil ich ein bisschen Bedenken wegen meines Kreislaufs hatte. Um 12 Uhr hatte ich meinem Mann geschrieben, dass er heute wohl das Fleisch für die Hühnersuppe und die Bolognese kaufen könne, die er für das Wochenbett kochen wollte und um 13 Uhr rief ich ihn an, um ihm zu sagen, dass er ruhig noch zu Ende arbeiten könne (er wollte um 15 Uhr zu Hause sein). Ich ging dann doch schon mal in die Badewanne, aber nur bis zum Bauch, wechselte immer wieder zwischen sitzen und Kniestand und arbeitete mit den Wehen.
Gegen 15 Uhr kam mein Mann und fing an zu kochen. Zwischendurch brachte er mir immer wieder ein Glas Wasser, ansonsten blieb ich lieber alleine im Badezimmer. Irgendwann spürte ich dann, dass sich etwas änderte, ich hatte das Gefühl, mal aufs Klo zu müssen. In so einem Moment kam mein Mann rein, den ich sofort wieder rausschickte. Also raus aus der Badewanne und aufs Klo, was aber auch nicht das Richtige war. Wieder rein in die Wanne, das Gefühl blieb. Auf einmal kam der Gedanke: „Moment mal, dieses Gefühl aufs Klo zu müssen, das kennst du doch von der Fehlgeburt. Außerdem schreiben das doch immer alle, dass sich so Presswehen anfühlen … aber das kann doch gar nicht sein…“ Ich drückte ein bisschen, immer noch in der Annahme, dass das noch keine Presswehen sind. Ich wollte dann doch aus der Wanne raus und stellte mich zwischen Waschbecken und Heizung, wo ich mich an beiden Seiten gut festhalten konnte, und legte mir zur Sicherheit das Handtuch unter. Ich glaube kurz darauf (wann genau weiß ich nicht mehr) platzte die Fruchtblase. Auf einmal merkte ich, wie mein Bauch nach unten drückte und ich hörte mich selbst ziemlich laut werden. Ich dachte noch daran, dass wir jetzt vielleicht doch mal die Hebamme anrufen müssten, war aber so mit mir selbst beschäftigt, dass ich aus diesem Gedanken keine Entscheidung treffen konnte. Mein Mann hatte mich gehört und fragte, ob wir denn nicht langsam die Hebamme anrufen sollten. Ich sagte nur: „Weiß ich nicht …ja.“ Und ziemlich genau in diesem Moment klingelte das Telefon und sie war selbst dran. Mein Mann sagte ihr, dass sie jetzt kommen „dürfe“, und sie hörte mich wohl im Hintergrund und wurde ziemlich schnell … Bis sie etwa eine viertel Stunde später da war, hatte ich noch einige weitere Presswehen – so langsam wurde selbst mir klar, dass das jetzt wohl doch der Endspurt ist. Plötzlich fiel mir auf, dass ich mein Baby schon lange nicht mehr gespürt hatte und einen Moment lang machte ich mir Sorgen. Ich redete mir in Gedanken selbst gut zu und wusste ja, dass die Hebamme bald da sein würde. Als sie ankam, hörte sie auch als erstes die Herztöne, worüber ich sehr froh war – und mich noch wunderte, wie weit unten sie dafür das Dopton ansetzen musste … Mein Mann wollte uns im Bad alleine lassen, die Hebamme meinte nur: „Nee, du musst jetzt hier bleiben, das Kind kommt jetzt!“ Ich hielt mich immer noch an Heizung und Waschbecken fest und brüllte mich durch vielleicht zwei weitere Wehen. Dann spürte ich auf einmal die Schmerzen am „Ausgang“ und ging in den Vierfüßlerstand. Mein Mann kniete vor mir, die Hebamme hinter mir. Sie hielt mir einen warmen Waschlappen an den Damm, was sehr gut tat. Zwischendurch massierte sie offenbar auch – das störte mich allerdings, was ich auch energisch äußerte. Dann sollte ich ausatmen wie durch einen Strohhalm, das half tatsächlich etwas. Ich sagte noch, dass das doch gar nicht da durch passt und wollte doch gleichzeitig, dass es endlich rauskommt. Die Hebamme sagte, es sei gut, dass sich alles langsam dehnt, was mir aber in dem Moment ziemlich egal war – ich wollte nur, dass dieser Schmerz aufhört. Zwischendurch fühlte ich auch mal hin und konnte tatsächlich schon den Kopf fühlen. In der nächsten Wehe kam dann endlich der Kopf, danach fühlte es sich schon wesentlich besser an. Mein Mann fing schon an zu weinen und schaute von oben – ich war immer noch im Vierfüßlerstand. Zum Glück hatten wir im Geburtsvorbereitungskurs gelernt, dass das Köpfchen meist ganz blau ist, sonst hätte er sich wahrscheinlich erschreckt. Ihn so gerührt zu sehen motivierte mich für die letzte Wehe. Ich schaute von vorne auch einmal auf das Köpfchen und dann kam auch schon der Rest rausgeflutscht. Die Hebamme führte ihn so geschickt, dass er sofort unter mir lag. Ein dampfendes, rosiges, ganz sauberes Baby! Er schrie kurz und ich nahm ihn hoch, worauf er sich sofort beruhigte. „Ein Junge!“ – Mein Mann hatte es als erstes gesehen, ich hatte gar nicht darauf geachtet. Ganz wach schaute er mich mit seinen großen Augen an. Er war so schön warm und dampfig, wie frisch gebadet und praktisch ohne Käseschmiere, obwohl er 10 Tage vorm Termin kam. Ich konnte immer nur sagen „Du bist so süß!“ – einfach unglaublich, endlich, endlich konnte ich mein Kind im Arm halten. Ich war noch viel zu überwältigt von dem ganzen Erlebnis, um das alles zu realisieren. Irgendwann fragte ich noch nach Datum und Uhrzeit – es war kurz vor fünf, die Geburt dauerte also insgesamt knapp 9 Stunden. Die Hebamme machte die U1 und nach einer Weile zogen wir dann ins Schlafzimmer um – eine lustige Parade: Mein Mann vorneweg mit dem Kleinen auf dem Arm, ich mit der Hebamme und einer Unterlage zwischen den Beinen hinterher – ein Glück hat das keiner gesehen …! Auf dem Bett kam dann irgendwann die Plazenta. Die Hebamme zog ein wenig an der Nabelschnur und drückte auf den Bauch, was mir aber unangenehm war, sodass wir noch ein bisschen warteten, bis sie dann kam. Ich fand sie ziemlich klein, hatte aber gar nicht die Kraft, mich aufzurichten um sie genauer anzuschauen. Die Hebamme war sich nicht ganz sicher, ob sie vollständig war, sie sah wohl an einer Stelle etwas ungewöhnlich aus (zur Sicherheit ging ich in der Woche drauf zum Ultraschall, da war aber alles in Ordnung, wie ich es auch schon vermutet hatte). Nachdem die Plazenta geboren war, beglückwünschte uns die Hebamme und mein Mann durfte mit der Nagelschere die Nabelschnur durchschneiden (in der Eile hatte die Hebamme keine Schere eingepackt). Sein Kommentar dazu: „Jetzt ist er WLAN!“ Er machte dann auch irgendwann sein erstes Kindspech und bekam eine Windel an – ansonsten blieb er die ersten Tage ohne Kleidung und durfte ganz viel mit Hautkontakt kuscheln. Das Trinken klappte auch sofort ganz gut – ein kleines Naturtalent.
Die Hebamme füllte noch den Papierkram aus, ging irgendwann mit mir zur Toilette und ich schaffte es sogar, mich im Sitzen abzuduschen. Zwischendurch sackte mein Kreislauf mal ein bisschen ab, ich spürte auch, dass da noch etwas vor meinem Muttermund ist, was rauswill. Es kam dann mit etwas drücken auch noch ein größerer Koagel, danach ging es mir wieder besser. Einen starken Druck auf den Beckenboden spürte ich aber noch die nächsten Tage. Bis auf eine kleine Schürfung, die etwas nervig war, aber nach ein paar Tagen verheilte, war aber alles heil geblieben.
Irgendwann war dann ganz passend auch die Bolognese fertig. Wir aßen sie zu dritt auf dem Bett. Die Hebamme freute sich über ein so köstliches Abendessen und ich hatte zwar eigentlich keinen Hunger, war dann aber doch ganz froh über die Stärkung. Gegen 20 Uhr machte sich die Hebamme auf den Weg und plötzlich waren wir zu dritt mit unserem Kleinen. In dem Moment konnte ich endlich weinen – komplett überwältigt von diesem Ereignis. Wir waren sofort verliebt in unseren süßen, kleinen Sohn.
Für mich war es am Ende alles genau richtig so. Ich konnte mich ganz ungestört auf die Geburt einlassen und hatte genau im richtigen Moment die Unterstützung durch meinen Mann und die Hebamme. Ich war sehr froh, dass sie da war. Ich denke, mit meinem schwachen Kreislauf und ohne Erfahrung wäre die Zeit nach der Geburt für uns ohne sie sehr stressig geworden. So konnten wir ganz in Ruhe zusammen ankommen. Ich finde es unheimlich wichtig, dass Hebammen weiter ihre Arbeit machen können (und davon auch leben können) – und zwar auch Hausgeburten! Es ist unser Recht, zu entscheiden, wo wir unsere Kinder gebären möchten und auch wenn eine Alleingeburt für einige Frauen eine Möglichkeit oder ein Wunsch ist – es darf nicht sein, dass es irgendwann (teilweise ist es ja schon Realität) nur noch die Möglichkeit Krankenhaus oder Alleingeburt gibt. Der Start ins Leben ist so wichtig!

Ein Gedanke zu „Selbstbestimmte Hausgeburt beim ersten Kind“

  1. Vielen Dank für den Bericht!
    Als ich anfing, ihn zu lesen, hatte ich ein echtes Déjà-vu: In meiner letzten SWS hatte ich ebenfalls in der 16.SSW eine einmalige aber doch erschreckende Blutung mit zunächst einem „Wasserverlust“. Ich konnte mir das nur erklären, dass das Fruchtwasser war. In Anbetracht der frühen Woche haben wir gemeinsam mit der Hebamme entschieden, nicht ins KH zu gehen. Dem Baby ging es immer gut und ist heute eine fröhliche kleine Maus (geboren per AG bei geplanter HG – und ich hatte auch eine FG-AG vor einigen Jahren)! Ich dachte immer, vielleicht kommt noch raus, was das war. An eine Zwillings-SWS hatte ich auch mal gedacht, aber ich war 2mal ganz früh beim US gewesen, wo man anscheinend nichts dergleichen gesehen hat… Auf jeden Fall zeigt deine Geschichte, dass auch schallende Ärzte unterschiedliche Dinge sehen können…

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