… Und noch zwei freie Geburten

In diesem Beitrag berichtet eine Mama über die Geburten ihres fünften und sechsten Kindes. Beide geplant in Eigenregie. Unkompliziert und undramatisch, so wie Geburt gedacht ist.

Über ihre früheren Geburten hat sie auf dieser Seite schon einmal in diesem Beitrag berichtet.

Eigentlich sollte Elana das letzte Kind bleiben. Eigentlich. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. So hielten wir plötzlich vollkommen unerwartet kurz vor Weihnachten 2017 einen positiven Test in der Hand. Meine erste Reaktion: „Scheiße!“ Papas erste Reaktion: freudiges Lachen. Nach dem ersten Schock war die Freude auch meinerseits sehr groß. Wenn eine kleine Seele zu uns will, dann wird sie mit offenen Armen und Herzen empfangen. Ich war frei von Vorsorge, Zwang, Kontrolle und Panikmacherei. Im Gegenzug stellt mir auch niemand einen Mutterpass aus. Kein Systemzwang – keine Dokumente? Nun gut, dann war ich offiziell eben nicht schwanger, auch wenn mein Bauch wuchs und darin Party herrschte. Wie das dann bei der Anmeldung beim Standesamt laufen sollte, würden wir noch sehen. Die Vorlage von Mutterpass und U-Heft hatte ja bei der letzten Alleingeburt genügt, aber wurde auch so eingefordert. Entweder ich fand noch jemanden, der mir ohne Schwangerschaftsvorsorge einen offiziellen Mutterpass mit voraussichtlichem Entbindungstermin ausstellte oder wir würden improvisieren müssen.

Die gesamte Schwangerschaft verlief traumhaft und beschwerdefrei – somit blieb ich bis zum Ende vorSORGEfrei. Der Termin war zwar durch die vorangegangene Zyste unklar, aber stellte sich am Ende als ziemlich richtig berechnet heraus. Am 30.07. hatte ich ihn mir in etwa ausgerechnet. Die letzten Wochen der Schwangerschaft verdichtete sich das Gefühl immer mehr, dass es dieses mal kein Mädchen ist, aber woher soll ich denn wissen, wie sich ein Junge anfühlt? So warteten wir heiter auf unser Baby. Mir ging es blendend, bis auf die kleinen kräftigen Füße in den Rippen. Der Bauch wuchs von ursprünglichen 58/59 cm auf über 130 cm Umfang. So groß war er noch nie.
Am 28.07. gewitterte es und es kühlte endlich ein paar Grad ab. Zuvor war es so heiß, dass mein Körper sogar Übungswehen einstellte, um Kraft und Energie zu sparen.
An diesem Abend sind alle vier Kinder ungewöhnlich früh in den Schlaf gefallen und auch ich konnte seit langem mal wieder früher schlafen. Etwa 1:04 wachte ich schlagartig auf und war hellwach – Blasensprung. Ich weckte meinen Mann und wollte vorsichtig aus dem Bett steigen, um nicht zu viel nass zu machen. Dies gelang mir auch sehr gut. Meinen Plan, das Fruchtwasser in die Toilette abzulassen, funktionierte allerdings nicht. Es lief alles nach ein paar Metern in den Flur. Wir witzelten einwenig darüber, auch dass der Bauch plötzlich so viel kleiner war – es war wie immer sehr sehr viel Fruchtwasser. Also ging ich weiter von einem zarten Kind aus (wie alle meine Kinder), denn der Bauch war ja durch das Fruchtwasser so groß. Ich stieg in die Badewanne mit ein wenig Kerzenschein und wartete auf Wehen. Später lief ich etwas umher und kuschelte mich immer mal wieder zu meinen schlafenden Kindern. Nach ein paar Stunden, als es schon hell war, kamen langsam sanfte Wehen. Ich ging davon aus, dass es noch lange dauern würde und das Kind frühestens am Abend kommt. Als die anderen frühstückten, stieg ich nochmal in die Wanne. Die Wehen waren unregelmäßig und so angenehm, wie bei allen vier Kindern in der frühen Eröffnungsphase. An den Muttermund kam ich gar nicht mehr heran, aber das war auch unwichtig. Ich atmete und stöhnte ein wenig in meinem Wasser und wollte bald wieder heraus, um mich zu bewegen. Soweit kam es aber nicht. Urplötzlich kam der Drang zum Pressen, dem ich nachging. Ich schob also leicht und der Kopf war da. Die Presswehe war noch nicht vorbei, also schob ich ein weiteres mal mit und schon war das ganze Kind da. Ich hob es aus dem Wasser und nahm die Nabelschnur vom Hals, die ganz leicht halb um Hals und Schulter lag und sagte zu meinem Mann: „Es ist ein Junge!“ Wir alle sechs konnten es kaum fassen, dass wir nun einen Sohn haben und er in nicht einmal einer Minute aus mir herausgeschwommen kam. 9:42 kam er zur Welt. Ich bin ja eigentlich absolut gar keine Wassergebärende, aber das war in dem Moment vollkommen egal. Dem kleinen Mann ging das Ganze sichtbar auch zu schnell und er setzte etwas Mekonium ab. Kurz darauf dockte er das erste mal an der Brust an. Zum ersten mal wehrte ich mich (Dank einem tollen Bericht) nicht gegen meinen Drang, mein Neugeborenes abzulecken und leckte ihm kurz sanft über die Stirn. Ich tastete kurz nach und stellte fest, dass ich nur ganz minimal geschürft war – eigentlich nicht einmal erwähnenswert – und stieg dann mit ihm aus der Wanne. Wir kuschelten uns dann alle ins Bett. Es wurde gestillt, geschnuppert und alle waren hin und weg vom kleinen Bruder. Nach etwa zwei Stunden nabelten wir dann ab, denn die Nabelschnur war wieder sehr kurz und die Nachwehen schrecklich.
Wir holten Maßband und Waage, um die Daten aufzuschreiben. Er brachte stattliche 3790 g auf die Waage und war 58 cm lang (zum Vergleich: ich bin 1,54!). Sein Kopfumfang war bei 35,5 cm.
Ich war gespannt, wann die Plazenta dieses mal kommen wollte. Blutungen hatte ich keine, also war ich entspannt. Die letzte ließ uns 30 Stunden warten, aber dieses mal kam sie bereits nach etwa 3 1/2 Stunden. Auch diese Plazenta war wunderschön und vollständig. Dieses mal schnitt ich nicht nur ein kleines Stück, sondern 10 kleine Stücken ab, welche für später eingefroren wurden und schluckte eins direkt. Den Shake konnte ich nicht machen, denn wir erwarteten das Kind erst später und hatten zum Sonntag nicht die nötigen Zutaten Zuhause. Die Plazenta kam ebenfalls in den Gefrierschrank und kommt später in den Garten, um einen Apfelbaum darauf zu pflanzen.
Dann kuschelten wir zufrieden weiter.
Unser Vidar-Lian Norvid bekam seinen Namen wieder aus der nordischen Mythologie. Vidar war der Sohn vom Gott Odin und der Riesin Grid. Er ist ein Krieger des Waldes. Er ist das größte und schwerste Kind, das ich geboren habe, also ein kleiner hübscher Riese. Norvid ist der Nordwald. Jeder der uns kennt weiß, wie sehr wir den Wald lieben. Statt Lian sollte er ursprünglich Liam heißen, aber Lian passte einfach besser, also wurde das spontan geändert. Lian kommt aus dem Mandarin. Li steht für Kraft und An steht für Ruhe. So wie seine Geburt – sie begann und verlief ganz ruhig und endete wahnsinnig kraftvoll und energiereich.

Die darauf folgende Schwangerschaft war so absolut gar nicht geplant, aber da wollte dringend noch ein Seelchen zu uns. Das Kondom meinte es gut mit dem kleinen Wesen, das Sperma hielt sich gute 5 Tage bereit und mein Eisprung kam einfach mal anderthalb Wochen früher als er sollte. So kam es also wie es kommen sollte und ein kleines Menschlein machte es sich in mir gemütlich. Gut eine Woche vor Fälligkeit der Menstruation wusste ich es. Ich machte am 31. März 2019 einen Test, der auch schon leicht positiv war. Die folgenden Tage immer stärkere Linien. Ich habe wortwörtlich Rotz und Wasser geheult. Im Sommer wollte ich mir doch die Goldspirale setzen lassen und überhaupt wollte ich kein weiteres Kind. Ich war fix und fertig. Das Gefühl verging auch nie ganz. Zum ersten mal war ich nicht gern schwanger. Zum ersten mal fühlte ich mich beeinträchtigt. Zum ersten mal war ich unzufrieden. Aber dennoch freute ich mich natürlich auf das kleine Würmchen und dieses Gefühl wurde auch immer stärker, wenn auch die Schwangerschaft nicht toll war. Wie immer war ich fit. Ich konnte mich bewegen, meine Kinder tragen, alles tun, wie sonst auch. Dennoch konnte ich nicht genießen. Aber es war ok. Ich habe das Gefühl stets angenommen und mich nicht dafür schlecht gefühlt. Man muss nicht gern schwanger sein, um sich auf Geburt und Baby zu freuen. Ich wusste von Anfang an, dass wir einen weiteren Jungen bekommen. Warum? Ich weiß es nicht. Aber ich war mir so sicher wie noch nie. Dennoch hatten wir wie immer für beide Geschlechter einen Namen.

Je näher ich zum Termin (4. Dezember 2019) kam, desto mehr wünschte ich mir, dieses mal nicht so lange zu tragen wie sonst. Ich wünschte mir, warum auch immer, einen kleinen Skorpion. Aber bitte nicht an meinem Geburtstag. Das Kind soll seinen eigenen Ehrentag haben. Beim Tasten merkte ich immer, es hat laaaaaaaange Beinchen und in meiner Vorstellung war es lang und schlank. In allen Träumen und Vorstellungen war ich zur Geburt allein und deutete es so, dass mein Mann es nicht rechtzeitig von der Arbeit nach Hause schafft. Das wollte ich nicht. Ich bin gern allein beim Gebären, das weiß er und lässt mir den Freiraum. Aber ich weiß ihn ebenso gern in meiner Nähe, die er mir intuitiv gibt. Am 18. November 2019 nachmittags , zwei Tage vor meinem Geburtstag, ging es dann los. Ich bekam immer mal sanfte Wehen. Sanft aber kraftvoll. Der Schleimpfropf ging vollständig mit leichter Blutung ab. Also rief er in der Firma an und blieb Zuhause. Mit dem Trubel der Kinder waren die Wehen dann bis abends erstmal sehr sehr ruhig, kamen dann als sie schliefen wieder stärker zurück und ließen mich dann in der Nacht wieder schön ruhen und dösen. Wie gewünscht blieben die Schulkinder dann Zuhause. Bis Mittag wurden die Wehen dann wieder schön kraftvoll und weiter sanft ohne mich auszupowern. Mitten im Mittagsschlaf dann der Blasensprung. Das Köpfchen war zum Glück fest genug im Becken, so dass Bett und Einjähriger trocken blieben. Ab diesem Zeitpunkt konnte ich dann gar nicht mehr liegen. Mein Mann nahm die Kinder und ich lief und lief und lief, wie üblich. So ging es auch weiter bis abends. Mann und Kinder machten Abendessen am Tisch und ich unterwegs. Als die Kinder dann müde waren, brachte er sie ins Bett und ich wehte weiter sanft herum. Dann wurden mir gegen 21 Uhr die Beine schwer. Ich kniete auf dem Sofa und urplötzlich sprang die Blase ein zweites mal direkt am vollstandig geöffneten Muttermund und mich überkam sofort eine Presswehe. Mit einmal schieben flog er mit sämtlichem Fruchtwasser regelrecht aus mir heraus in meine Hände. Hätte ich gestanden, dann hätte ich ihn sicher nicht mehr gefangen. Ich wickelte die Nabelschnur vom Bauch und nahm ihn in meine Arme. Dann kam mein Mann dazu. Wie vorher immer erahnt, war er also zu spät. Aber es war perfekt so wie es war. Nur ich und meine Geburt. Es hätte in diesem Moment nicht schöner sein können.

Als er da war, stand ich wieder auf und die Plazenta kam dieses mal 10 Minuten nach dem Kind aus mir herausgeflutscht. Unser Sohn schrie kurz auf, als sie sich löste. Sie war riesig und passte kaum in beide Hände. Etwa eine Stunde nach der Plazentageburt nabelten wir dann ab. Später wurde er dann vermessen und gewogen. Wie erwartet war er etwas kleiner als der letzte mit 56 cm Länge und 35 cm Kopfumfang. Laut Waage (die sicher nicht richtig funktioniert) war er zarte 2800 g. Lang und schlank ist er. Aber nicht dürr. Ich schätze ihn eigentlich etwas schwer. Aber das spielt keine Rolle. Er ist fit, gesund, rosig und wahnsinnig kräftig. Die Plazenta habe ich mir dieses Mal mit Saft pürieren lassen. Ich hatte einfach keine Lust sie so zu schlucken. Ein paar Stunden später wurde dann der große Bruder wach. Der war erstmal schockiert – Bauch weg, Baby da. Dann kam die Begeisterung über dieses kleine Wesen. Wir kuschelten uns dann alle zusammen zum Rest ins Bett. Am Morgen waren dann die vier Schwestern alle samt begeistert. Die älteste war traurig, dass sie die Geburt verschlafen hat, aber die Verliebtheit überwog. So und nun zum Namen, auf den alle immer gespannt sind: Unser jüngstes Familienmitglieder trägt den Namen Frey-Arvid Kurt. Frey der Fruchtbarkeitsgott und Bruder der Göttin Freya. Auch unser Frey hat seine Schwester Mirena-Freya. Arvid aus dem Nordischen für Adler und Baum. Der kleine Mann hatte die stärksten und kräftigsten Tritte aller meiner Kinder im Bauch. Ein starke, freier Adler und standfest wie ein Baum mit liebevollen Wurzeln. Kurt hieß mein wundervoller Opa, von dem ich so so so viel Wissen habe über Natur, Wald und Heilkräuter. Ein wahnsinnig toller Mann, den viele als griesgrämig wahrnahmen, weil sie ihn nicht wirklich kannten. Kurt bedeutet „Der kühne Ratgeber“ und genau das war mein Opa auch. Leider hat er nur sein erstes Urenkelchen kennenlernen dürfen. Er hat damals gekämpft, bis meine erste Tochter geboren war und hat sich erst dann vom Leben verabschiedet. Altes geht und Neues kommt. Für mich ist er immer präsent und nun lebt er in meinem letzten Kind ein Stückchen weiter.

Ich wünschte, jede Frau dürfte solche tollen Geburtserfahrungen machen, wie ich bei meinen letzten beiden Geburten. Die Alleingeburten waren zu 100% die absolut richtige Entscheidung für uns. Nur so kann ich mich voll und ganz auf mich und den Prozess einlassen und kann die Geburt genießen.
Fremde Menschen würden mich daran nur hindern und wenn ich an Kreißsaal und Ärzte denke, dann bekomme ich richtige Panikattacken. Ich bin unendlich dankbar für die letzten beiden Geburten und meinen Mann, der mit der gleichen Intuition und Vorbereitung an diese Ereignisse gegangen ist. Er ist für mich die perfekte Geburtsbegleitung, meine Traummann und engster Freund. Mit keinem anderen Menschen würde ich diese Erfahrungen teilen wollen.

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