Alleingeburt im Bungalow

Der folgende Bericht stammt von Anne Zietmann, die hier von der Geburt ihres zweiten Kindes berichtet. Vielleicht kennt sie der eine oder andere. Sie ist Bloggerin und Youtuberin und in Sachen Fruchtbarkeit aktiv. Am 23.3.2018 startet sie zusammen mit ihrem Mann den Online-Kinderwunschkongress 2018, wo es unter anderem auch Interviews mit Lara Horlacher, Kiria Vandekamp und mir zu sehen geben wird. Aber jetzt zum Geburtsbericht:

Anne Zietmann

Mein jüngstes Baby ist aktuell acht Monate und immer noch denke ich sehr häufig an diese wunderschöne Geburt zurück. Ich danke vor allem auch meinem Mann und dir, Sarah! Durch die Unterstützung von meinem Mann und sein Vertrauen in mich und durch das Buch „Alleingeburt“ ist es überhaupt erst zu dieser schönen Geburt gekommen.
So fing es nämlich an – noch bevor ich das zweite mal schwanger wurde, wollte ich die Geburt meines ersten Kindes aufarbeiten und las dazu das Buch „Alleingeburt“. Schon während des Lesens entschied ich, bei der nächsten Geburt werde ich so ungestört wie möglich sein und alles selbstbestimmt entscheiden. Das Buch hat mir nicht nur die Augen geöffnet, was alles bei der ersten Geburt schief ging, sondern mir gleichzeitig so viel Vertrauen und Mut geschenkt, es auch alleine zu schaffen.
Kurz vor der Geburt – etwa 5 Wochen vorher – haben wir allerdings eine Hebamme angagiert, die wir im Zweifelsfall hätten anrufen können. Mein Mann bekam es zum Ende hin doch ganz schön mit der Angst zu tun und somit sah ich keine andere Lösung, als wenigstens eine Hausgeburts-Hebamme zu haben, die wir anrufen können, wenn wir sie denn brauchen sollten.
Wir hatten uns für den Geburtszeitraum einen Bungalow mit Garten gemietet und es uns schön kuschelig eingerichtet. Als es dann los ging, war ich sechs Tage nach dem errechneten Termin. Es war ein relativ wechselhafter Junitag, weshalb ich die meiste Zeit drinnen im Bungalow verbrachte und nicht draußen im Garten. Die leichten Wellen waren von 0:00 bis etwa 15 Uhr. Dann wurde es spürbar intensiver. Am Nachmittag wollte ich ganz für mich alleine sein – während der Eröffnungsphase des Muttermundes. Leider konnte ich beim Abtasten nicht direkt zum Muttermund gelangen. Mich hatte das sehr interessiert, wie es sich anfühlt, da ich in meinem normalen Zyklus auch meinen Muttermund beobachte. Die Geburtswellen wurden immer intensiver, je später es wurde und als mein Mann mit unserem großen Sohn (damals fast 5 Jahre) zurück kam, wurde es fast unerträglich für mich. Wahrscheinlich weil ich nicht mehr diese totale Ruhe hatte. Ich war dadurch nicht mehr gut fokussiert.
Ich versuchte mich mehr zu konzentrieren und zu entspannen. Nichts schien mehr zu helfen, ich konnte einfach nicht mehr und wurde sehr ungeduldig. Dann fing ich an, mich zu massieren und merkte, dass alles dadurch viel angenehmer wurde. Ich bat meinen Mann und meinen Sohn, mir beim Massieren zu helfen. So fingen beide an, mich während der Wellen zu massieren – an den Beinen und am Rücken. Ohhh, das tat so gut. Es war wohl die Übergangsphase, denn ich wusste das noch von der ersten Geburt, dass ich in dieser Phase am liebsten alles abbrechen wollte. Mein Sohn spiegelte mir das nur zu gut. Denn nach etwa fünf Minuten sagte er zu mir: „Boa, ist das anstrengend – ich kann nicht mehr!“ Dann machte mein Mann alleine weiter.
Als die Fruchtblase platze – so gegen halb neun – war ich gerade auf unserem Bett. Ich freute mich so riesig darüber, dass sie endlich platzte, denn ich war mir sehr sicher, dass es nun nicht mehr lange dauert, bis unser Baby da ist. Und genau dies setzte ich meinem panischen Wegrenn-Instinkt entgegen: pure Vorfreude aufs Baby! „Juhuuu – Baby ist schon fast da! Baby kommt – jetzt! Wirklich!“ Das machte alles so viel angenehmer und einfacher. Alles ging ab diesem Zeitpunkt so wahnsinnig schnell. Ich war schon echt am Ende meiner Kräfte, aber dennoch schaffte ich es noch, mich in eine aufrechte Position zu begeben. Vielleicht auch deswegen, weil Marcus mich noch mit den Worten motivierte: „Los – du schaffst das! Denk dran, Sarah Schmid hat gesagt, eine aufrechte Position ist soooo wichtig. Dann geht es einfacher!“ Ja das hat er wirklich gesagt.
Ich versuchte es darauf hin tatsächlich im Stehen. Das war mir allerdings viel zu anstrengend und ich hielt es nur ganz kurz aus. Im Stehen fühlte es sich für mich auch alles viel verkrampfter an. Wobei ich sagen muss, dass es auch am Platzmangel im Bungalow gelegen haben kann. Es war einfach kaum Platz, um sich auch vernünftig hinzustellen. Dann ging ich auf das dritte Bett, das wir in unserem Schlafzimmer zu stehen hatten und ich ging direkt in den Vierfüßlerstand. Bei der nächsten Welle fasste ich mit meiner Hand an meine Vulvina und dann geschah etwas Unglaubliches: Babys Kopf ploppte förmlich mit einem mal in den Geburtskanal und gegen meine Handinnenfläche. Ich erinnere mich an diese Szene noch so gut, als wenn es gerade erst passiert ist, dabei ist es schon acht Monate her. Der Kopf war noch hinter der Dammhaut und ich konnte es zwar nicht sehen (ich probierte es mit einem Handspiegel, doch es war leider zu dunkel), aber es fühlte sich so wahnsinnig krass an. Die Haut war so stark gespannt, dass ich kurzzeitig wirklich Panik bekam und dachte, ich würde komplett einreißen, sobald ich bei der nächsten Welle mitpresse. Ich versuchte deshalb noch so lange wie möglich in dieser Position zu verharren. Es gelang mir bis zur übernächsten Welle ungefähr – dann konnte ich nicht mehr anders als dem Pressdrang nachgehen. Und dann geschah es: Baby kam komplett heraus und landete wie auf Wolke sieben in meinen Händen. Nichts war gerissen – gar nichts, nicht die kleinste Geburtsverletzung. „Wahnsinn“, dachte ich mir, wie gut das mein Körper gemacht hat 😀 . Ich legte Baby vorsichtig auf dem Bett ab, um zunächst die Nabelschnur vom Hals abzuwickeln. Dann legte ich Baby sofort auf meinen nackten Oberkörper und ich versuchte mich hin zu legen, da ich total k.o. war. Ich freute mich so riesig, dass unser Baby nun da war :D. Marcus brachte uns schnell saubere Handtücher, die wir uns drunter und drüber legen konnten, denn nun wurde mir auch schon etwas kalt. Unser großer Sohn kuschelte sich nun auch gleich mit dazu. Er war dann zum Ende hin während der Wellen immer ins Badezimmer verschwunden, weil ich ihm zu laut war. In den Pausen kam er aber immer wieder zu uns gucken, ob sein Geschwisterbaby schon da ist .
Erst beim Kuscheln zu dritt – Mein Mann konnte leider noch nicht mit kuscheln, weil er alles schon zum Schlafengehen vorbereitete und außerdem das Bett viel zu klein war – fiel mir auf, dass ich noch gar nicht wusste, welches Geschlecht es hat! Und, dass wir vergessen haben, auf die Uhr zu sehen. Mist, dachte ich mir. Wir haben es dann geschätzt auf 21:12 Uhr und das andere brauchten wir nicht schätzen – es ist ein Junge geworden .
Die Plazenta ließ sich dann auch noch etwas Zeit. Unser großer Sohn war mittlerweile schon eingeschlafen. Ich wollte unbedingt mal mich abduschen, aber das war alles nicht so einfach. Geplant war eine Lotusgeburt und deshalb war ich noch direkt verbunden mit meinem Baby. Mein Mann war schon so nervös, dass er nun die Hebamme anrief und fragte, wie wir die Plazenta heraus bekommen? Sie gab uns ein paar Tipps, die zunächst nicht halfen, dann kam letztendlich die Plazenta in der Hockposition unter der Dusche und Baby in der Wippe davor liegend. Es war genau 0:00 Uhr also fast drei Stunden nach der Geburt. Die Hebamme schaute später noch mal, ob alles in Ordnung war und um uns die Formulare auszuhändigen.
Die ersten gemeinsamen Nächte waren traumhaft schön – unbeschreiblich. Vor allem auch wegen der Lotusgeburt, bei der ja die Plazenta mit Nabelschnur so lange dran bleibt, bis es selbst abfällt.

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