Alleingeburt nach Kaiserschnitt

Hallo ihr Lieben, im folgenden Bericht erzählt eine Mama von ihrer Alleingeburt beim zweiten Kind. Ich habe sie gebeten, auch kurz von ihrer ersten Geburt zu berichten und wie es dabei zum Kaiserschnitt kam. 

Danke, liebe A. für’s Teilen und euch viel Spaß beim Lesen! 🙂

Die erste Geburt – das Baby stellt sich nicht richtig ein

Insgeheim hatte ich, glaube ich, schon immer den Traum, mein Kind alleine zur Welt zu bringen. Noch bevor ich dein Buch gelesen hatte, malte ich mir aus wie es sei, sein Kind im Wald zu bekommen.

Bei der ersten Geburt selbst war ich voller Zuversicht und hatte eigentlich nie daran gezweifelt, dass ich es schaffen werde, mein Kind alleine zur Welt zur bringen. So sind wir auch erst nach guten 24h Wehen ins Krankenhaus gefahren, wo der Muttermund bereits 8cm eröffnet war. Zwei Stunden später komplett. Aber es lief ab da einfach nicht mehr. Ich hatte die Verbindung zu mir und meinem Kind verloren. Das CTG schrieb nicht richtig, weshalb ich nur noch liegen durfte und mein Sohn eine Sonde in den Kopf bekam um die Herztöne zu messen. Uns wurde viel Freiraum gelassen, unsere Hebamme war super lieb und die Umgebung eigentlich wirklich schön. Trotzdem konnte ich mich in dieser Umgebung nicht fallen lassen und nicht das tun, was mir in dem Moment gut getan hätte. Unsere Geburt endete nach ca. 30 Stunden Wehen, vielen Schmerzen und unzähligen Lagerungsversuchen in einem Kaiserschnitt, da sich mein Sohn nicht richtig einstellen wollte.

Die zweite Geburt – unkompliziert und ganz bei mir

Unsere Geburtsreise begann überraschend und doch eher unerwartet am Morgen des 10. Januars. Ein Sonntagmorgen wie auch schon bei meinem ersten kleinen Wunder.
Am Abend zuvor hatte ich noch mit meiner Mama telefoniert, die wissen wollte, wie die Lage bei uns sei. Beruhigend gab ich ihr zur Antwort, dass bei uns – bis auf ein paar vereinzelte Wellen in den Abendstunden – alles ruhig sei und der Nachwuchs wohl noch auf sich warten ließe.
Ich hatte zwar im Gefühl, dass es hingegen aller Voraussagen bald losgehen würde – der plötzliche Beginn der Wellen am Sonntagmorgen überraschte allerdings auch mich.

Die Tage zuvor hatte ich in den Abendstunden immer wieder recht heftige Wellen, die aber meist nach kurzer Zeit wieder von alleine verschwanden. Hinzu kam, dass meine Laune wirklich seltsam war. Ich erinnere mich noch, wie ich mich drei Tage vor Geburt fühlte. Ich war extrem geräuschempfindlich und mein kleiner großer Mann konnte machen was er wollte, er ging mir mit allem unglaublich auf die Nerven. Selbst seine Liebesbekundungen in Form von tausend Küssen empfand ich an diesem Abend als überaus lästig, was ich so gar nicht von mir kenne. Ich wollte für mich sein und mich ganz auf das Baby und mich konzentrieren können. Alles andere außen herum empfand ich als störend und hinderlich, um mich auf die bevorstehende Geburt vorzubereiten.
Umso dankbarer war ich, als ich am nächsten Abend mit einer Freundin in die Therme flüchten konnte. Zeit um zu mir und dem kleinen Wesen in meinem Bauch zu finden, Zeit um abzuschalten und zur Ruhe zu kommen.

Da war er nun aber, der Morgen des 10. Januars. Ich hatte die Nacht hervorragend und ohne Unterbrechung geschlafen. Umso überraschter war ich, als ich gegen 6.30 Uhr aufwachte. Ob nun durch eine Welle oder weil ich zur Toilette musste, kann ich im Nachhinein nicht mehr sagen. Ich war doch aber sehr überrascht, mit welcher Intensität mich die nächste Welle im Bad überkam. Das war so ganz anders als das, was ich von meiner ersten Geburt kannte. Damals begannen die Wellen ganz leicht und sanft und zogen sich über 24h hin.
Diese hier aber waren anders, unglaublich kräftig und kamen zu Beginn bereits in einem Abstand von gerade mal drei/vier Minuten.
Nach ein paar weiteren Wehen, die ich bereits veratmen musste, war klar, dass ich nicht mehr hätte weiter schlafen können. So machte ich es mir so gut es ging auf der Couch bequem und schaltete den Fernseher ein. Nebenbei schrieb ich freudig zwei Freundinnen, dass es wohl losgegangen sei und sich Myrta bitte in Bereitschaft halten solle, falls ich mich zuhause doch nicht mehr wohlfühlen sollte. Ich genoss die Ruhe der frühen Morgenstunden und war froh für mich zu sein.
Von einer Seite auf die andere drehend verbrachte ich noch gute anderthalb Stunden auf der Couch und veratmete die Wellen, die bereits in sehr kurzen Abständen kamen. Wie lange die Pausen dazwischen waren kann ich nicht sagen. Zeit war für mich nicht relevant. Mein kleines Wunder hatte sich auf den Weg gemacht und hatte es wohl etwas eiliger. Das konnte ich auch ohne Uhr spüren.

Punkt 8.00 Uhr hörte ich meine Männer oben im Schlafzimmer aufwachen, die sich sogleich zu mir ins Wohnzimmer gesellten. Mario – doch etwas überrascht – registrierte wohl, dass ich schon recht kräftige Wellen hatte, wollte aber erst unseren zweijährigen Sohn fertig machen und ihm das Frühstück richten.
Weit kam er allerdings nicht, da gerade einmal eine Viertelstunde später die Intensität der Wellen schlagartig zunahm und ich plötzlich das Bedürfnis hatte, im warmen Wasser etwas zu entspannen.
Da wir nicht mit dem plötzlichen Geburtsbeginn gerechnet hatten, war der Pool noch nicht aufgebaut und ich verfluchte uns innerlich, dass wir ihn nicht wie eigentlich geplant am Abend zuvor aufgestellt hatten.
Also bat ich Mario, bitte erst den Pool aufzubauen und sich dann um unseren Sohn zu kümmern. Leider dauerte alleine das Aufblasen des Pools mit der elektrischen Luftpumpe eine gefühlte Ewigkeit und Mario musste zweimal pausieren, da sonst die Pumpe heiß gelaufen wäre. Ich weiß noch, wie ich schon leicht verzweifelt zu ihm sagte: „Wie, Pause? Ich will ins Wasser!“ Aber leider beschleunigte dies das Ganze natürlich auch nicht.
Also verbrachte ich die nächste Zeit damit, zwischen Küche und Toilette hin und herzulaufen, denn an Sitzen oder Liegen war inzwischen nicht mehr zu denken. Die Wellen hatten eine unglaubliche Intensität angenommen, die ich von meiner ersten Geburt nicht kannte.
Gegen 9.00 Uhr (der Pool stand bereits und Mario hatte begonnen Wasser einzulassen) war ich nicht mehr in der Lage zu laufen und fand mich am Esstisch wieder. Auf der Bank kniend, die Unterarme auf den Tisch gestützt, bewegte ich mich vor und zurück wippend zu meiner Atmung. Diese Wellen forderten mich, kamen sie doch egal wie ich mich bewegte unglaublich kraftvoll und inzwischen doch auch sehr schmerzhaft. Die kurzen Pausen dienten allemal noch zum Verschnaufen, boten aber auch keine wirkliche Erholung mehr.
Just in dem Moment, als ich dachte, das nicht mehr lange so durchzuhalten, platzte die Fruchtblase. Gleichzeitig zu der kurzen Entlastung die ich wahrnahm, spürte ich wie das Köpfchen meines Kindes dabei schlagartig nach unten rutschte.
Zu meiner eigenen Überraschung verspürte ich gleich darauf den Drang mit zu schieben. Etwas überfordert mit der raschen Entwicklung der Geburt fühlte ich mich in Gesellschaft meines Sohnes nicht mehr wohl und bat Mario, ihn zu unseren Nachbarn rüber zu bringen. Ich riss mir in der Zwischenzeit meine Kleidung buchstäblich vom Leib und stieg in den Pool. Dass dieser zu diesem Zeitpunkt erst halb gefüllt war, interessierte mich in diesem Moment wenig. Ich wollte ins Wasser. Jetzt, sofort …

Mein Körper bot mir keine Gelegenheit mich zu erholen und machte unweigerlich weiter. Welle für Welle brachte er mir mein Kind näher. Bereits als ich in den Pool stieg, konnte ich das Köpfchen meines Kindes spüren. Wie beruhigend, wollte sich doch mein erster Sohn nicht richtig einstellen.
Es fühlte sich so richtig an.
Vertrauen, loslassen, wir beide schaffen das …
Im Pool kniend, den Kopf gegen den Beckenrand gestützt und eine Hand als Kopfbremse eingesetzt, ließ ich Welle für Welle auf mich zukommen. Mit einer ungeheuren Kraft und Energie spürte ich meinen Körper arbeiten. Der Druck gegen meinen Damm war gewaltig und ich bat mein Kind, doch bitte etwas langsamer zu machen.

Dieser Zustand in dem ich mich befand war einzigartig. Trotz der gewaltigen Wellen befand ich mich ganz im Hier und Jetzt und nahm alles um mich herum deutlich wahr. Hatte ich doch gedacht, während der Geburt einen Trance ähnlichen Zustand zu erlangen, saß ich nun im Pool, kontrollierte die Wassertemperatur und orderte nebenbei ein Glas Wasser zu Trinken.

Vertrauen, loslassen, wir beiden schaffen das …
Nach etwa einer halben Stunde, die ich kniend im Pool verbrachte, kam mein Kind innerhalb einer sehr heftigen und kraftvollen Welle komplett zur Welt. Selbst überrascht über den raschen Austritt brachte ich nur ein „Mario!“ heraus und nahm mein kleines Wunder entgegen, welches mich direkt mit wachen großen Augen durch die Wasseroberfläche anschaute.

Was für ein unbeschreiblich ergreifendes Gefühl sein Kind in seine eigenen Hände zu empfangen, es entgegen zu nehmen und in die Arme zu schließen.
9.48 Uhr. Wir haben es geschafft!!!
Unsere Nachsorghebamme kam zwei Stunden später dazu, versorgte einen kleinen Labienriss und eine Schürfwunde und führte die U1 durch.
Die Alleingeburt war die beste Entscheidung meines Lebens.

 

3 Gedanken zu „Alleingeburt nach Kaiserschnitt“

  1. herzlichen Glückwunsch zum kleinen Wunder. Was mich interessieren würde, woher du deine Hebamme im Fall der Fälle bekommst. In F ist das ja nicht so einfach…
    Und auch wie die großen Geschwister einbezogen werden fände ich interessant.
    Viele Grüße

  2. Hi,

    Deine Geschichte ist wirklich toll zu lesen. Ich hatte nach zwei Kaiserschnitten eine natürliche Hausgeburt und habe mich mit dem Buch „Meine Wunschgeburt“ darauf vorbereitet, daß im selben Verlag, wie Sarah´s wundervolles Buch „Alleingeburt“ erschienen ist. Beim nächsten Kind würde ich mir auch sehr eine Alleingeburt wünschen. Die ganzen Berichte im Blog sind ja sehr ermutigend.
    Wie hast Du A., Dich auf die Geburt vorbereitet?

    liebe Grüße

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