Urschrei

ein Schrei in der Nacht
nicht wie das angstvolle Pfeifen eines Hasen
oder das Klagen eines verwundeten Rehs
ein Ruf so alt wie die Zeit
das wilde Grollen einer Bärin in ihrer Höhle
wie lauter Donner zwischen den Bergen
ungehemmt wie die stürmische See
ein Blitz, als berührte der Himmel die Erde
dann Stille
und in der Stille
das leise Weinen eines Neugeborenen

12 Gedanken zu „Urschrei“

  1. Wunderschönes Gedicht mit Gänsehautgarantie!
    Ich war schon öfter auf Eurer schönen Seite, weil mich die Geburtsvideos immer aufs Neue faszinieren, heute blieb ich bei diesem Gedicht hängen!
    Und mußte lächeln, meine Geräusche während der Preßwehen habe ich auch als Bärengeknurr in Erinnerung….eine schöne Erinnerung an zwei wunderbare Geburtshausgeburten, zwar nicht allein, sondern mit einer Superhebamme und ohne ärzliche Eingriffe. Ich weiß nicht, ob ich die Traute zur Alleingeburt hätte, wunderschön find ichs allemal….

  2. Danke für’s Kompliment. 🙂
    Ach, ich hab gar nix gegen Superhebammen. Wir brauchen mehr davon denn je. Allein ist schön, aber eben nicht für jeden optimal. So wie jeder es am besten kann. Einfach schön, wenn man ungetrübt gute Erinnerungen an die Geburt(en) haben kann.

  3. Ja, DIE hab ich…..obwohl beide Geburten nicht nach Bilderbuch verliefen…..die erste mit 2 Nächten (erträglicher) Wehen, was mich aber leider sooooo geschafft hatte, dass die Austreibung sich 2 1/2 h hinzog (er hatte sich wohl auch anomal eingestellt laut der Hebi) und manuell nachgeholfen werden mußte, weil meine Kraft echt am Ende war. Die beiden Nächte/Tage davor war ich noch zu Hause, also völlig ungestört, erst bei mehreren Zentimetern MuMu.Öffnung bin ich ins Geburtshaus umgezogen.
    Also die Komplikation „Einstellungsanomalie“ ist schon zu Hause entstanden, d.h. bei einer wirklichen Alleingeburt hätte ich wohl wirklich Probleme bekommen, ob ich noch 2 h Pressen geschafft hätte, k.A…….von daher gut, dass Hilfe da war…
    Meine Tochter hätte ich statt in der Geburtswanne auch daheim in der heimische Wanne gebären können, ohne Hilfe, sie war eine unnatürlich schnelle, fast Sturzgeburt….(von 2 cm MuMu bis Kind da in 22 Minuten), aber außer MEGA-AUAAAA durch den Wehensturm völlig problemlos, die Hebi hätte ich da nicht gebraucht, außer, mich unter den Hammerwehen ans Atmen zu erinnern…..lach….
    Bei DIESER Geburt hab ich auch meine ureigenen Kräfte zum ersten Mal richtig gespürt, nach eigenem Gefühl gepresst, ganz ohne Einmischung der Hebi, die mich nur ermutigte, zu pressen, „wenn dir danach ist“. Die Preßwehen waren diesmal nicht schmerzhaft, einfach nur ein unglaublich kraftvoller Drang, ich konnte genau spüren, wann ich wie stark schieben mußte…..Nach dieser Erfahrung begann ich mich erstmals mit dem Thema Alleingeburt zu befassen und bin auf eure Seite gestossen….Davor konnte ich es mir keineswegs vorstellen, dass man mit einer Geburt allein zurechtkommen könnte, jetzt schon….
    Eigentlich ist das auch normal, dass eine Geburt intuitiv und instinktiv „gekonnt“ wird von einer Frau, wir sind biologisch noch immer Tiere und wie diese eigentlich imstande, allein und selber unseren Nachwuchs zu gebären, ohne diese Fähigkeit wäre die Spezies Mensch schon lange Geschichte….
    Nur ist in der heutigen modernen Welt mit der ganzen High-Tech-Medizin den meisten Frauen das Erspüren des eigenen Körpers abhanden gekommen, von der Panikschürerei der KH-Mediziner und den daraus folgenden Ängsten der Schwangeren mal ganz abgesehen.
    Die meisten Frauen heute haben schlicht verlernt, in ihren Körper hineinzuspüren und sich der Geburt hinzugeben…..deshalb vermutlich die hohe Komplikationsrate. In meinem Geburtshaus…wie in anderen außerklinischen Geburtseinrichtungen….entbinden selbstbewußte selbstbestimmende Frauen, die Rate ist verschwindend gering. Ich glaube zwar nicht, dass JEDE Geburt gesunder Frauen als Alleingeburt funktioniert, bei meiner ersten brauchte ich auch (Hebammen)-Hilfe, aber wäre ich allein zu Hause gewesen, hätte ich immer noch Hilfe holen können, ich war fast die ganze Zeit über völlig Herrin der Dinge.
    Dennoch würde ich niemandem eine Alleingeburt EMPFEHLEN, diese weitreichende Entscheidung muß jede Frau für sich treffen! Dein Video (und auch die Meeresgeburt z.B.) finde ich einfach wunderschön und beneidenswert…..Ich neide sie Euch jedoch nicht, da ich selbst meine Erinnerung an zwei für mich sehr schöne begleitete Geburten habe….und übrigens von der Blitzgeburt auch ein tolles Video, dass ich immer gern wieder anschaue……..
    Ohne Alleingeburten propagieren zu wollen, sollten sich die Frauen heute doch wieder mehr in Erinnerung rufen, dass SS keine Krankheit ist und eine Frau von Natur aus perfekt gebären kann, wenn sie sich von ihrem Körper leiten läßt ….ob im KH, Geburtshaus, zuhause…oder gar im Wald………

  4. Danke für das Teilen deiner Erfahrungen und Gedanken. Bei meiner ersten Geburt hatte ich auch eine Einstellungsanomalie (hoher Geradstand). Anfangs dachte ich auch: Gut, dass ich Hilfe hatte. Im Nachhinein bin ich eher zu der Überzeugung gelangt, dass die Anwesenheit der Hebamme mich so gehemmt hat, dass ich mich nicht mehr intuitiv bewegt habe und dadurch die Einstellungsanomalie erst entstanden ist. Das wäre alleine anders gewesen. Aber das ist nur meine Erfahrung. Beim ersten Kind ist man ja noch unsicher, vor allem wenn es keine Vorbilder gibt und alle Leute die man kennt im KH geboren wurden. Unsere Gesellschaft ist in diesen, wie in so ziemlich allen Lebensbereichen, sehr weit weg von sich selbst. Dadurch werden die einfachsten Dinge im Leben zu etwas Hochkomplizierten und mitunter Gefährlichen. Da braucht man viele Bücher und Experten, um die Angst irgendwie in Schach zu halten. Ein Grund für die hohen Komplikationraten ist sicher aber auch, dass nicht nur die Frauen Angst haben, sondern auch die Geburtshelfer. In so einer von Angst und negativen Erwartungen aufgeladenen Atmospäre, bei der die Geburtshelfer ihre eigene Angst durch Interventionen zu dämpfen versuchen, muss es ja viele Komplikationen geben.

    1. Ja, das denke ich auch! Bei meiner ersten Geburt WAR ich zuhause ungestört, trotzdem ist er komisch reingerutscht, k.A. warum…….Vielleicht wäre er auch ohne Hebammehilfe ducrh weitere Preßwehen noch gekommen…..man schafft ja noch sooo viel, wenn man glaubt, die Kraft ist alle…..also ohne Hilfe hätte es wohl NOCH länger gedauert, hätte aber wohl noch funktioniert wahrscheinlich….
      Was mich in dem Zusammenhang interessiert, Du bist ja Ärztin….hab mal gelesen, hoher Geradstand wäre eine ziemlich geburtsunmögliche Lage, da starben wohl früher viele Frauen daran, weil unter den meist nutzlosen starken Wehen der Uterus riss….ist da was dran???? Bin KEIN Mediziner, hab lediglich Fachliteratur gelesen zu dem Thema, genau DEINE Einstellungsanomalie ist in meinem Gedächtnis haften geblieben…..ging das alles dann einfach doch noch von selber, oder wurde da seitens der Hebi nachgeholfen? War ja wohl ne Hausgeburt, wie ich mich entsinne, oder?
      Zu den unnützen Eingriffen bin ich ganz Deiner Meinung: Ich hatte voriges Jahr das große Glück, bei einer Freundin die Geburt begleiten zu dürfen, es war eine Einleitung im KH, auf Wunsch der Schwangeren…(habe sie versucht, zum Warten zu bewegen, sie WOLLTE nicht mehr). Erst ging es schleppend los, sie wehrte sich gegen die Wehen, dann gewann der Tropf die Oberhand…..Sie bekam einen ähnlichen Wehensturm wie ich bei der 2. Geburt, meiner war allerdings natürlich, ihren hätte man abmildern können….ich bat die Hebamme, doch den Tropf bei meiner Freundin abzuhängen oder wenigstens runterzudosieren, da sie sich vor Schmerzen nach Luft schnappen nur noch tränenüberströmt an meinen Arm krallen konnte….Antwort der Hebi: „Rein mit dem guten Zeug, da hat sie es schnell hinter sich!“…..kopfschüttel……KLar, schnell gings, 1 h nur, aber ich hab gespürt, was sie für mörderische Schmerzen hatte, sie hatte nicht mal mehr genug Luft, um zu schreien…..Und ich saß hilflos daneben und mußte mir das Elend mit ansehen und meinen Arm hinhalten zum Festklammern….hab ich gern gemacht…
      ABER: Hätte man diesen doofen Tropf abgehängt, wäre die Geburt meiner Freundin wahrscheinlich etwas länger, doch viiieeeelllll erträglicher gewesenn.
      Anderes Beispiel….andere Freundin……normale 6h-Geburt, in der Preßphase hängen die trotz starker eigener Wehen nen Tropf dran, meine Freundin wurde regelrecht durch die Austreibung gehetzt….Ende vom Lied…Plazenta kam nicht….starke Blutung….Not-Ausschabung unter Vollnarkose kurz nach der Geburt….na klasse!
      Ich weiß schon, warum mich keine 10 Pferde in eine Klinik bringen zum Gebären, wenn nicht grade ne Querlage vorliegt etc……Hauptsache Kohle verdienen, 50 % PDA….30 % KS….Hilfe, wo sind wir nur hingeraten????????? Jedenfalls WEIT WEG von der Natur und dem Wunder Geburt………….

      1. Ja, viele KH-Geburtsgeschichten gleichen sich erschreckend. Der gleiche Missbrauch immer wieder, aber kaum einer spricht darüber. Nein, die Leute, die sowas tun, werden auch noch als Lebensretter in den Himmel gehoben – und zwar nicht selten von ihren eigenen Opfern.
        Schön, dass du deine Freundin bei der Geburt begleiten konntest.

        Also Uterusrupturen sind was sehr seltenes aber sicherlich ist es dazu auch bei einem nicht behobenen hohen Geradestand schon kommen. Wenn sich der Kopf nicht richtig ins Becken dreht und die Gebärmutter stundenlang mit aller Kraft und ohne Erfolg arbeitet… Irgendwann ist die Muskulatur erschöpft und kann reißen. Heutzutage macht man ja da meist einen Kaierschnitt. Meine Hebamme(n) ließen mir zum Glück die Zeit, die ich brauchte, um zur Besinnung zu kommen. Ich hatte unbemerkt die Geburt in ihre Hände gegeben und nahm sie mir erst wieder, als ich merkte, dass ihre Bemühungen nicht fruchteten und der Kaiserschnitt drohend im Raum stand. Ich habe wieder in mich hineingehört so gut es eben ging und tat, was mein Körper mir „sagte“ – und das war etwas ganz anderes, als die sich so falsch anfühlende Schaukellagerung der Hebammen. Ich musste von der passiven Gebärenden wieder Herr über meine Geburt werden, um aus der misslichen Lage herauszukommen. Der Kopf drehte sich schließlich noch ins Becken und alles ging glücklich zu Hause zu Ende. Im Nachhinein habe ich daraus den Schluss gezogen, dass ich besser gebäre, wenn niemand da ist, von dem ich Anleitung erwarte. Zu schnell tendiere ich dann zur Passivität und zum Nach-außen- statt Nach-innen-hören.

        1. Schön zu hören, dass es dann doch noch ein gutes Ende nahm bei Dir.
          Ich weiß nicht, welche Art von Einstellungsanomalie bei mir vorlag, kenne mich damit ja nur wenig aus…..
          Meine Intuition war die Gebärwanne gewesen, in der ich vornüber kniete, was mir gut tat, voran ging es trotzdem nicht….auch als ich auf den Hocker wechselte….Womöglich hätte ich mit Beckenkreisen eine bessere Einstellung hinbekommen, die hatte ich schon in der Übergangsphase gemacht, aber mittlerweile fehlte mir zum Stehen die Kraft nach 2 Nächten mit Wehen und kaum Schlaf…Ein Liegetyp bin ich nun aber so gar nicht…bei der Kleinen hätte ich ob der Geschwindigkeit beinahe ähnlich wie Du im Stehen geboren…..da es aber beim Großen nach über 1 h Pressen noch immer nicht weiterging und nun auch langsam die Verlegung in die Klinik und Glocke oder gar KS drohten, bat ich meine Hebi, irgendwas zu machen, egal was, nur nicht verlegen! Sie holte dann die Kollegin und kündigte mir an, dass sie mitschieben würden von oben, WENN ich das MÖCHTE (Betonung liegt auf MÖCHTE, es war MEINE Entscheidung!), ansonsten würden sie mich in Anbetracht meiner völligen Erschöpfung verlegen müssen. Ich möchte lieber nicht wissen, was dann aus meiner Geburt geworden wäre…. Kann mit Schöneres als Kristellerhilfe vorstellen, zumal ich da in die verhaßte Rücken-Maikäfer-Position mußte, die Aktion ersparte mir aber wohl die Sectio. Die letzten 2 Wehen, also die vollständige Geburt des Köpfchens und dann die des Körpers, durfte ich gann doch GANZ alleine bewältigen, da ich angesichts des baldigen Endes nochmal alle Kräfte mbilisieren konnte und schließlich doch mein Kind SELBST gebar. Dafür bin ich meinen Hebammen sehr dankbar, dass sie sich am Schluß wieder ganz zurücknahmen, um mir die doch noch schöne Geburt zu ermöglichen, im KH wäre das sicher ganz anders gewesen.
          Das Gefühl aber, wie es ist, sein Kind GANZ nach eigener Intuition und mit dem eigenen Tempo zur Welt zu bringen ohne Einmischung, erlebte ich erst bei meiner zweiten Geburt, obwohl ich da ziemlich überfahren von dem rasanten Tempo war….
          Ich brauchte Tage, um für mich zu entscheiden, welche Geburt die schönere war….die erste war lang, erschöpfend und schwierig, die zweite extrem schmerzhaft (bis auf das Pressen) und zu schnell, um alles richtig zu realisieren…..da fehlt mir ein ganzes Stück Film, zum Glück habe ich von der Sturzgeburt ein Video machen lassen, weil ich so neugierig war, mich beim Gebären zu sehen…
          Letztlich finde ich von beiden Geburten dann doch die schnelle, intuitiv selbst gesteuerte die bessere, obwohl ich die Momente mit Kind im Arm hinterher wegen der Schnelligleit der Geburt nicht so eindrücklich in Erinnerung habe wie bei der ersten…das ist ds einzige wahre Manko daran gewesen. Wenn ich irgendwo erwähne, an meiner zweiten Geburt hätte mich die zu kurze Dauer gestört, ernte ich nur Kopfschütteln, da für die meisten Leute etws so „schreckliches“ wie eine Geburt möglichst schnell vorbei seo sein sollte….
          Schade, dass den meisten Frauen heute nicht vergönnt wird, die Geburt und die ersten Minuten mit Baby zu „genießen“……….

          1. Ist doch klasse, wenn dir die Hebi helfen konnte! Dafür sind Hebammen ja da. Ein Glück, warst du zuhause! Falls du magst guck ich mir natürlich geern den Film von eurer Sturgeburt an, den ihr gemacht habt. Aber nur wenn du magst…

          2. ICH selbst hätte nichts dagegen, dass Du den Film sehen darfst, leider sind darauf weitere Personen zu erkennen (Hebamme), deren Einverständnis ich mangels Kontakt nicht mehr einholen kann…..Von daher ist es leider nicht möglich.
            Danke für den schönen Erfahrungsaustausch. Es gibt leider zu wenige Frauen, die sich beim Kinderkriegen auf ihre eigene Intuition verlassen und ihre Erfahrungen auch noch öffentlich machen, wofür sie dann auch noch Anfeindungen ausgesetzt sind! Daran erkennt man deutlich, dass in den Köpfen unserer Generation Geburt nichts Natürliches, Normales mehr ist, sondern eines KH und Ärzten bedarf, damit Frau und Kind unbeschadet überleben. Durch diese Einstellung verbaut man den meisten Frauen den Weg zu einer schönen, selbstbestimmten Geburt, wie Du und ich sie erleben durften….weitab des Krankenhauses…..

          3. Versteh ich doch.
            Wenn man sieht, wie die Mehrheit der Geburten läuft, scheint es um so wichtiger, dass unsere Stimmen gehört werden. Sonst wird die ganz normale, ungestörte Geburt bald ins Museum verbannt. Hoffen wir, dass es nicht so kommt.

  5. Hallo, liebe Sarah !

    Sooo ein schönes Gedicht! Ich krieg jedesmal eine Gänsehaut bei der Zeile „ein Ruf so alt wie die Zeit“ 🙂 .Sag, stammt es aus deiner Feder? Ich würde es gerne in Geburts-Glückwunschkarten schreiben, wenn im Freundeskreis ein Baby geboren ist und dann deinen Namen hinzufügen.
    Liebe Grüße, Cerstin

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