Alleingeburt mit Hubschrauberflug

Diese Mama bekommt ihr zweites Kind in Eigenregie. Eine schnelle, heftige Geburt. Nach der Geburt ist sie erstmal verunsichert, der Kreislauf macht nicht gleich so mit, so dass sie die Rettung rufen. Und die kommt mal eben mit dem Hubschrauber. Trotz allem Trubel sind Mutter und Kind aber zu jedem Zeitpunkt wohl auf.

Als ich im Frühjahr letzten Jahres schwanger wurde, war für mich ziemlich schnell klar, dass ich gerne zuhause gebären möchte – Corona sei Dank. Denn eigentlich hatte ich eine wunderschöne erste Geburt im Krankenhaus erlebt.

Also bereitete ich mich so gut wie möglich auf eine Alleingeburt vor und stellte mich sogar darauf ein, dass ich aus Beckenendlage gebären werde, denn meine Kleine drehte sich erst in der 38. SSW. Als ich mich dem ET näherte, lag sie aber in einer annähernd guten Geburtsposition und ich begann zu warten, wann denn die Geburt nun losgehen würde.

ET -1 bis ET +7

Einen Tag vor dem offiziellen Geburtstermin begann ich leichte Wehen wahrzunehmen. Sie unterschieden sich in der Intensität etwas von den vorherigen Senkwehen. Allerdings blieben sie nicht, auch wenn sie zwischendurch regelmäßig kamen. Mit diesen Wehen lebte ich die nächsten Tage, bis ich ET +7 erreichte. Vor allem nachts kamen die Wehen regelmäßiger und deutlich wahrnehmbar, ohne schmerzhaft zu sein. Tagsüber kamen und gingen sie, je nachdem wie entspannt oder gestresst ich war.
Zwischendurch versuchte ich den Muttermund zu ertasten, doch scheiterte ich dabei kläglich. Der Kopf hatte sich auch noch nicht fest ins Becken eingestellt und nichts deutete auf eine baldige Geburt hin.
Am Sonntag, ET +5, ging ich dann zur Vorsorge ins Krankenhaus und stellte zu meiner Überraschung fest, dass ich mich dort recht wohl fühlte. Es tat mir ganz gut, mal die Kontrolle abzugeben und mich umsorgt zu fühlen. Wenn nur die ganze Corona – Thematik nicht wäre … Dennoch zog in mir die Überlegung ein, ob ich nicht doch im Krankenhaus gebären möchte.

Der Tag der Geburt

Am ET +7 entschied ich mich für einen Entspannungstag auf dem sonnigen Balkon meiner Mutter. Sie war allerdings nicht zuhause. Dafür war aber meine Schwester aus Braunschweig gekommen, um mich nach der Geburt zu unterstützen und so entschied ich mich, auch über Nacht im Haus meiner Mutter zu bleiben. So konnten wir noch in Ruhe quatschen. Ich muss dazu sagen, dass meine Mutter in meiner Nachbarschaft wohnt und meine Schwester bei ihr untergekommen ist. Wir wohnen zu beengt.

Während ich mein großes Kind in den Schlaf begleitete, wehte ich vor mich hin, aber das kannte ich ja schon von der ganzen letzten Woche.
Um 21:46 schrieb ich doch an die Lieblingstante meiner Tochter, dass es evt. bald losgeht. Sie war zur Kinderbetreuung eingeplant. Allerdings war ich immer noch sehr unsicher. Die Wehen blieben und verschwanden nicht, allerdings waren sie so leicht, wie die ganze letzte Woche auch: Nicht schmerzhaft und nur etwas stärker als die Senkwehen vorher. Oder waren sie genauso stark? Für mich war es kaum zu unterscheiden. Um 22:23 Uhr entschied ich mich schlafen zu gehen, doch als ich mich hinlegte, kam die Sorge über mich, dass die Wehen wieder aufhören würden. Also stand ich wieder auf und bewegte mich und nach und nach wurden die Wehen etwas stärker. Um kurz vor 23 Uhr bat ich meine Schwester, zu kommen, damit sie für meine Große da ist, falls sie aufwacht. Eine halbe Stunde später war sie da und meine Wehen inzwischen so intensiv, dass ich mich nach warmem Wasser sehnte um etwas entspannen zu können. Also ging ich in die Badewanne. Immernoch war ich vorsichtig und hatte Sorge, dass die Wehen wieder aufhören würden. Noch um 23:29 schrieb ich der Doula, die mich unterstützen würde, falls etwas sein sollte, dass die Geburt evt. bald losgehen könnte. Gleichzeitig drückte ich aber meine Unsicherheit aus, ob ich mich tatsächlich schon unter der Geburt befinde. Die sieben Tage Wehen hatten mich vorsichtig gemacht.
Übrigens hatte ich keine Sekunde lang den Gedanken, nach Hause zu gehen. Mein Kind schlief und es war klar, dass sie mich braucht, wenn sie aufwacht. Ich musste in ihrer Nähe bleiben. Und sie zu wecken war irgendwie auch keine Option.

Nach 10 Minuten in der Badewanne rief ich meinen Partner an um ihm Bescheid zu sagen. Mittlerweile entwickelten sich die Wehen als so schmerzhaft, dass ich nicht mehr wollte. Ich habe den Abstand der Wehen nicht gemessen, doch hatte ich gefühlt kaum eine Verschnaufpause dazwischen. Dann erinnerte ich mich an die Presswehen aus der ersten Geburt und die fühlten sich auch so unfassbar schmerzhaft an, bis ich mit Pressen begann. Ich versuchte noch mal nach dem Muttermund zu tasten und scheiterte wieder. Allerdings hatte ich immernoch den Eindruck, dass der Kopf nach wie vor sehr hoch und noch nicht ins Becken getreten war. Dennoch folgte ich meinem Instinkt und versuchte leicht mitzupressen. Daraus entwickelten sich so unfassbar heftige Presswehen, die für mich kaum zu kontrollieren waren. Nach ein paar Wehen spürte ich den Kopf am Damm und versuchte ihn etwas zurückzuhalten, da die Kraft der Presswehen so heftig war. Meine liebe Tochter ließ sich jedoch nicht aufhalten und war dann in zwei oder drei Wehen geboren. Als ich auf die Uhr sah, war es 00:04.

Kurz nach der Geburt war mein Partner da. Ich bat ihn zu gucken, ob ich verletzt bin und wie stark. Das fiehl ihm jedoch schwer. Er wusste auch nicht so recht einzuschätzen, wie stark ich blute. Auch mir war es in dem Moment nicht möglich, da ich etwas neben mir stand. Als ich versuchte aufzustehen, sackte mein Kreislauf zusammen und mir wurde schwarz vor Augen. Außerdem begann ich unheimlich zu frieren und die Plazenta kam nicht. Da ich mich nicht dazu in der Lage sah, die Situation einzuschätzen und nicht ganz klar denken konnte, entschied ich mich, den Rettungsdienst zu rufen. Im Nachhinein wäre es besser gewesen, mit dem eigenen Auto zu fahren, aber so klar war ich in dem Moment nicht. Auch hatte ich vollkommen vergessen, dass ich bei solchen Unsicherheiten die Doula anrufen kann. Jedenfalls kam der Rettungsdienst mit Blaulicht und Helikopter. Meine Schwester hatte angerufen und vermutlich hatte der Rettungsdienst Panik bekommen oder einen richtigen Notfall erwartet. Wahrscheinlich muss man bei solch einem Anruf erst mal ein paar beruhigende Worte finden. Jedenfalls wurde ich mit dem Helikopter ins Krankenhaus geflogen. Dabei riss die Nabelschnur, als mein Baby kurz zu meinem Partner auf den Arm ging. Ich hatte vergessen, dass wir ja noch verbunden waren. Die Plazenta war immer noch nicht geboren. Während der ganzen Zeit versuchte ich für mein Baby dazusein, so dass sie den nachgeburtlichen Stress gut verkraftet. Mein großes Kind war irgendwann aufgewacht und hatte eine Krise mit viel Weinen. Für sie konnte ich leider nicht da sein. Nachdem ich nun mit zwei verschiedenen Krankenwägen und einem Hellikopter im Krankenhaus angekommen war, wurde ich dort recht ruhig und undramatisch versorgt. Die Plazenta kam dort mit etwas Hilfe und mein Dammriss wurde genäht. Ich musste mich zwar gegen ärztlichen Rat selbst entlassen um endlich auch für mein großes Kind da zu sein, doch insgesamt war es im Krankenhaus ruhig und mein Baby war die ganze Zeit bei mir. Der Rettungsdienst problematisierte ein paar Dinge aus Unwissenheit. So diagnostizierten sie bei meinem Baby ein großes Hämatom statt eines Storchenbiss, sie kannten keine Lotusgeburt und machten sich Sorgen, dass Blut wieder vom Baby weg, in die Plazenta fließt und sie hatten Probleme damit, dass die Nabelschnur gerissen war. Zu guter Letzt problematisierten sie, dass wir erst 1,5 Stunden nach der Geburt angerufen haben. Das Ergebnis: Sie schickten das Jugendamt zu uns. Nach dem ersten Besuch und einem Anruf zwei Wochen später, scheinen die aber beruhigt und ziehen sich zurück.

Meine Kleine entwickelt sich prächtig und ich hoffe nun, dass sie den Stress ganz gut verarbeiten konnte. Im Nachhinein gäbe es ein paar Dinge nach der Geburt, die ich anders gemacht hätte. Das Eindrücklichste aber bleibt die unfassbare Kraft und die Schnelligkeit der Geburt. Vielleicht war es auch nur für mein Erleben so schnell? Ich weiß noch nicht mal, ab wann ich realisierte, dass die Geburt nun wirklich begonnen hat. Ich schätze, 1 Stunde oder 1,5 Stunden bevor meine Tochter dann da war. Ob ich noch mal eine Alleingeburt möchte? Ich sag mal so: Ich würde mir jemanden wünschen, der mich absolut umsorgt und mir für Fragen zur Seite steht. Ich habe gerne alles unter Kontrolle und stehe mir dadurch immer wieder selbst im Weg. Manchmal tut es mir doch gut, an jemanden abzugeben, dem ich vertraue. Wenn ich vertraue, kann ich mich fallen lassen.

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