Die Hebamme kam zu spät – Blitzgeburt beim zweiten Kind

Manchmal geht eine Geburt schneller als gedacht. Die Mutter in diesem Bericht hat das bei der Geburt ihres zweiten Kindes erlebt. Mehr von ihr findet ihr auf Instagram @christine.springer.

Eine Geburt ist immer eine Reise zu sich Selbst und in einen neuen Teil von Ich. Das fängt in der Schwangerschaft an und oft auch schon davor.

Bei meinem zweiten Sohn hatte ich, entgegen meiner ersten Schwangerschaft, erstaunlicherweise nie ein Gefühl für Zeit. Das übernahm mein Großer, denn er sagte ein Datum voraus – ganz klar und definitiv. Was ich aber schon hatte, war ein Gefühl für den Ort: Ich wollte eine Hausgeburt. Die Vorstellung, direkt zu Hause gemeinsam anzukommen, in sicheren vier Wänden Loslassen zu können und von keiner Fremdbestimmung abgelenkt zu sein, waren nur ein paar Gründe dafür. Ich wollte wissen, was alle Frauen wissen sollten, von Generation zu Generation, und habe mich in einem wundervollen Kurs, nicht nur mir als Gebärende gestellt und Wissen über Geburt angehäuft, sondern Sicherheit, Selbstbestimmtheit und meinen Leitsatz: „Ich bin der Geburtsort.“ gewonnen.

Zunehmend wusste ich aus meiner Intuition heraus, dass es eine Alleingeburt werden würde – ohnehin auch sehr gewünscht von mir – und habe gemeinsam mit meinem Mann und der Hebamme auch diesen Fall genauestens durchgesprochen im Vorfeld.

Und dann war er da, der von meinem Sohn „vorhergesagte“ Tag (ein paar Tage vor ET). Und er verging und verging und verging. Ich habe sogar noch mit dem Vermieter wegen kalten Wassers geschimpft und die Aschelade beim Ofen mit bloßen Händen ausgeleert.

Am Abend wollte ich es mir mit einer Musik-Unterhaltungssendung gemütlich machen. Mein Sohn und mein Mann schliefen bereits nebenan, ich saß im Schneidersitz, sprach zu meinem Baby. Und dann machte es unerwartet zweimal Rums/Knack nach unten. Ich wusste noch von meiner ersten Geburt, dass das der Startschuss war, die Fruchtblase war „geplatzt“ um ca. 23 Uhr. Ich rief meinen Mann, sagte ihm, dass es losgeht und schon befand ich mich in den heftigsten Wehen (wieder von 0 auf 1000 ohne Ankündigung – das ist bei meinem Körper scheinbar einfach so). Er half mir aufs Klo und ja, da hat der Urinstinkt meines Körpers das Ruder übernommen mit Kommando: „Einmal komplett entleeren.“

Dazwischen Wehen, bei denen mir sehr klar war, dass das hier sehr schnell gehen würde und schreien eben doch auch eine Urkraft ist, die beim Loslassen helfen kann. Mein Mann hatte keinen Hauch einer Chance den Pool aufzupusten und musste der Hebamme am Telefon, die wollte, dass ich mich nochmal entspannt hinlegen solle, von mir ausrichten: „Dass ich auf die Couch mache, wenn ich mich hinlege und das definitiv nicht möglich ist, nochmal zu entspannen.“ (Der 0-Ton war etwas weniger damenhaft.) Der Wehenabstand war da schon bei 1-2 Minuten und ich wusste kaum noch, ob ich sitzen, hocken, stehen oder das Regal eintreten soll. Ich habe offensichtlich so ziemlich jede Phase übersprungen und war relativ schnell bei dem Standardsatz „Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr, ich schaffe das nicht“. An Veratmen der Wehen war nicht zu denken, es war einfach sofort viel zu heftig. Trotzdem war ich im tiefen Vertrauen und voller Vorfreude und Aufregung. Schließlich brachte mich jede Sekunde näher zu meinem Baby.

Da ich das Kind nicht auf dem Klo bekommen wollte, habe ich mich noch schnell in die Dusche geschleppt. Dort wollte ich – wie von meiner Hebamme empfohlen – mich hinlegen, aber schon im Versuch mich hinzulegen habe ich gemerkt: Das geht gar nicht. Ich habe mich hingekniet, nach unten gefasst, war direkt in der letzten Wehe und mein tönendes Schreien ging über in „es kommt“. Und schon war der Kopf in meiner Hand, mein Mann griff in dem Moment auch mit nach unten und es rutschte in einem Rutsch komplett durch und war da. Unser Sohn hat es bis heute einfach immer eilig.

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