Einfach Kinderkriegen?

Wie wir unser genetisches Potential verspielen         von Sean Croxton  (aus dem Englischen von Sarah Schmid)

„Es wird nicht mehr so gemacht wie früher. Man hat den bewährten Bauplan verlassen. Wiederkehrende Produktionsfehler sind die Folge. Qualitätskontrollen finden kaum noch statt. Defekte Teile sind allgegenwärtig. Wie zu erwarten weist die Führungsetage sämtliche Verantwortung von sich und sieht die Schuld bei anderen. Weil es keine systematische Evaluierung aktueller Produktionsvorgänge gibt, erscheint die Krise unausweichlich.“

Die oben beschriebene Situation in einer Fabrik würde sicherlich einen öffentlichen Aufschrei provozieren. Arbeiter würden in Scharen die Arbeit niederlegen und streiken. Nur spreche ich hier nicht von der Aufsicht bei der Produktion von Waren, sondern davon, wie wir Babys machen.

Babys werden nicht mehr so gemacht wie früher.

Es ist noch nicht lange her, als Forscher und Missionare ihre Begegnungen mit den „übermenschlichen Kriegern“ niederschrieben, die durch ihren überragenden Mut und Intellekt beeindruckten und erstaunliche athletische Fähigkeiten und Widerstandskraft gegen Krankheit bewiesen. Diese Eingeborenen genossen ein langes Leben frei von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und den unzähligen Leiden des modernen Menschen. Sie verkörperten körperliche und geistige Perfektion mit ihren symmetrischen Gesichtern, weiten Nasenwegen für eine unbehinderte Atmung, breiten Kiefern, in denen alle ihre kariesfreien Zähne Platz hatten (die Weisheitszähne inbegriffen) und Augen die keine Brillen brauchten. Ihr Auftreten wurde als angenehm und umgänglich beschrieben. Ihre Dörfer brauchten keine Gefängnisse, psychiatrische Anstalten oder Krankenhäuser.

Die Älteren wurden in Würde alt und behielten ihre Leistungsfähigkeit und den klaren Verstand. Sie waren die Hüter des Wissens, das ihrer Sippe ermöglichte, sich körperlicher und geistiger Gesundheit zu erfreuen und kräftige Nachkommen zu zeugen, die die Traditionen fortsetzen würden. Ein Großteil dieses Wissens drehte sich um Ernährungsfragen. Dafür brauchten sie keine Bücher über Ernährung. Sie verließen sich auf die unzähligen Generationen vor ihnen, die die Zusammenhänge zwischen Nahrung und  menschlicher Entwicklung akribisch beobachtet hatten.

Das Kinderkriegen wurde nicht auf die leichte Schulter genommen. In vielen Kulturen war eine spezielle Ernährung vor Empfängnis und Schwangerschaft vorgeschrieben. Fischrogen (mit seinen Omega-3-Fettsäuren DHA und EPA für die Entwicklung des Gehirns), Innereien (reich an fettlöslichen Vitaminen) und sorgfältig zubereitetes Getreide (für eine hohe Mineralstoffverfügbarkeit) waren gängige Lebensmittel, die den jungen Frauen halfen, kräftige Nachkommen zur Welt zu bringen. Männer wurden von dieser Regel nicht ausgenommen. Auch sie wurden vor der Hochzeit und Empfängnis einer speziellen Ernährung unterzogen. Um das Jüngere-Geschwister-Syndrom (1)  zu vermeiden (worauf ich später noch eingehe), wurden die Geburten in einem Abstand von 3-4 Jahren geplant. So konnte die Mutter ihre Nährstoffvorräte auffüllen, die während der vorangegangenen Schwangerschaft geleert worden waren. Diese „primitiven“ Eingeborenen betrieben die Fortpflanzung als Wissenschaft.

Auch wenn indigene Völker vermutlich nichts über Chromosomen und DNA wussten, wussten sie um den offensichtlichen Zusammenhang zwischen Ernährung und Genexpression. Laut Dr. Catherine Shanahan, der Autorin des Buches „Deep Nutrition: Why Your Genes Need Traditional Food“(2) waren die sorgfältig ausgearbeiteten Ernährungspläne dazu da, den genetischen Reichtum zu erhalten – das genetische Erbe weiterzugeben, das jede Generation von hunderten, wenn nicht tausenden Generationen vor ihr erhalten hatte.

Den genetischen Reichtum von Jahrtausenden zu bewahren war eine Verantwortung von höchster Priorität. Verpasste man es, den reproduktiven Bauplan einzuhalten, konnte das genetische Potential nicht ausgeschöpft werden, was schwache, kränkliche Nachkommen zur Folge hatte, die den ganzen Stamm schwächten. Diese Menschen waren sich der Tatsache sehr bewusst, dass die Ernährungssünden einer einzigen Generation nicht nur ihre Kinder beeinflussen konnten, sondern auch ihre Enkel und Urenkel. Gene haben ein langes Gedächtnis … und eine kurze Sicherung.

In den 1930ern dokumentierte der Ernährungspionier Weston A. Price fotografisch den körperlichen und moralischen Verfall isolierter indigener Völker, der auftrat, sobald sie mit den „Nahrungsmitteln des Kommerz“ wie er sie nannte, in Berührung kamen: weißer Zucker, Mehl, Kochsalz und pasteurisierte Milch. Das traditionell überlieferte Wissen bestätigte sich augenscheinlich: Die Kinder derer, die diese nährstoffarmen Lebensmittel nutzten, zeigten eine veränderte Genexpression. Dazu gehörten schmale Kiefer, Zahnengstände, schlechte Sehkraft, verengte Atemwege, eine weniger ausgeglichenes Gemüt und das plötzliche Auftreten von bisher nicht vorhandenen Zivilisationskrankheiten. In anderen Worten: In einer einzigen Generation verwandelten sich diese großartigen Menschen in … nun, unsereins.

Veränderungen des Gesichts, die im Vergleich zu traditioneller Kost (oben) mit moderner Ernährung auftreten (unten): schmalere Gesichter und enge Kiefer, enger stehende Augen, schmale Nasenwege, allgemein eine Unterentwicklung des mittleren und/oder unteren Gesichtsdrittels. Quelle: „Healing our Children“ von Ramiel Nagel. Photos stammen von Weston Price

1.) auf englisch „Second-Sibling-Syndrome“

2.) Das Buch wird laut Angaben der Autorin vermutlich 2018 auf deutsch erscheinen.

Ein Blick in den Spiegel

Wo kommen die kleinen Babys her?

Bereits als Kind, als mich diverse Bücher glauben ließen, ich wäre an einem Storchschnabel hängend in die Welt gekommen, war ich fasziniert von dieser entscheidenden Frage. Die Vorstellung, wie ich in einer kleinen Decke durch die Luft direkt in die ausgestreckten Arme meiner überglücklichen Eltern flog, hinterließ einen bleibenden Eindruck in meinem jungen Gedächtnis. Mit Liebe gemacht – Vom Storch gebracht.

Irgendwann übernahmen die Bienchen und die Blümchen die Rolle des Storchs. Es wundert mich immer noch, warum Sex und Fortpflanzung immer mit geflügelten Kreaturen verknüpft wird. Aber schließlich war die Zeit der Metaphern vorbei und das Wunder des Lebens nahm reale Züge an. Nichts mehr mit Herumfliegen, dafür jede Menge Schwimmen. Eine glückliche Samenzelle verschmolz mit einer Eizelle – eine Einheit, die neues Leben bedeutete.

Der Weg von der Befruchtung bis zur Geburt war eine komplizierte Geschichte. Zellen teilten und differenzierten sich, Mitose, Meiose … das Zeug, das ich in der 8. Klasse in Bio gelernt habe und immer noch nicht ganz verstehe. Kein Wunder, dass man sich die Sache mit dem Storch ausgedacht hat. Fortpflanzung ist echte Naturwissenschaft.

Nur wenige Generationen zurück war es eine Kulturwissenschaft. Das Wissen darüber wurde wie ein Staffelstab von einer Generation an die nächste weitergegeben. Dieses Wissen beruhte nicht auf Forschung, sondern auf praktisch erlerntem Wissen und Erfahrung. Die Nahrungsmittel für die optimale Kinderaufzucht waren bekannt. Zukünftige Mütter und Väter bereiteten sich durch eine nährstoffdichte Ernährung auf eine Empfängnis vor – und begannen damit nicht erst danach. Die Babys wurden zwei Jahre gestillt – oder länger. Und um sicherzugehen, dass der Körper der Mutter stark genug für die nächste Schwangerschaft war, wartete man 3-4 Jahre bis zum nächsten Kind.

Kinderkriegen begann nicht im Mutterleib. Es begann im Boden. Aus der reichen Erde wuchsen nährstoffreiche Pflanzen. Die wurden von den Tieren gefressen. Die Menschen konsumierten beides: Pflanzen und Tiere. Die Verdichtung dieser für das Leben essentiellen Nährstoffe ermöglichte viele Generationen gesunder Babys – Babys, die eines Tages Männer und Frauen wurden, die große Stärke besaßen und immun gegen Zivilisationskrankheiten waren. Es war ihre Aufgabe, den Staffelstab weiterzugeben.

Der Staffelstab ist gefallen. Die Böden sind ausgelaugt. Die Pflanzen mit Chemikalien belastet. Die Tiere krank. Die Menschen kränker. In nur drei Generationen wurden Jahrtausende von genetischem Potential verspielt. Die ursprüngliche Dynamik ist verloren gegangen und nähert sich langsam und scheinbar unaufhaltsam dem Stillstand.

Zu sagen, dass wir in die Irre gegangen sind, ist noch eine Untertreibung. Die Ankunft industriell verarbeiteter Nahrungsmittel und giftiger Chemikalien hat eine neue Art von Menschen hervorgebracht. Eine, die auf Traditionen und gesunden Menschenverstand nicht viel gibt. Der Glaube, dass nicht gesunde Eltern gesunde Kinder bekommen können, ist längst Teil der kollektiven Überzeugung geworden. Traditionelle Wege gelten als rückständig und primitiv, seit eine bequemere Lebensweise mit Hilfe der Wissenschaften Einzug gehalten hat.

Heute haben Vitamintabletten die speziellen Nahrungsmittel ersetzt, die traditionell in Vorbereitung auf eine Schwangerschaft eingesetzt wurden. Als ob eine Tablette die vielzähligen Enzyme, Mineralstoffe, essentiellen Fettsäuren und Cofaktoren ersetzen könnte, die notwendig sind, um Nachkommen von gleicher Exzellenz zu schaffen, wie es vergangenen Generationen möglich war. Im Namen einer guten Vererbung Fischrogen, Innereien und fermentierte Lebensmittel zu verwenden – dieser Gedanke überzeugt nicht mehr. Stattdessen bauen wir unsere Körper (und die unserer Nachkommen) mit süßen Getreidepops, hormonbelasteten Tieren, ranzigen Pflanzenfetten, 90 kg Zucker im Jahr(1) und einer Diät-Cola obendrauf.

Bin ich der einzige, dem bewusst ist, dass kranke Kinder zu kranken Erwachsenen werden und dass kranke Erwachsene kranke Kinder bekommen? Das fällt nicht schwer, sich zusammenzureimen.

Moderne Krankheiten und Syndrome sind in der Tat modern. Die eingeborenen Völker, die Weston A. Price in den 1930ern und 40ern besuchte und studierte, hatten keine Ahnung von ADHS oder Autismus. Obwohl es weder Zahnseide noch Zahnbürsten gab, waren ihre Kinder (und auch die Alten) frei von Karies und brauchten keine Zahnspangen. Die meisten Kulturen hatten gar kein Wort für Krebs und trotz Rohmilch, fettem Fleisch, Eigelb und Butter waren sie frei von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Machen wir den Sprung ins Heute: einen seltsamen Ort, wo fettarm in ist und Stillen out. Irgendwie haben wir uns eingebildet, dass eine Dose mit pasteurisiertem Pulver den gleichen Nährwert und die gleichen immunologischen Vorteile bietet wie Muttermilch. Wir haben Angst vor einem geschwächten Immunsystem und legen es gleichzeitig darauf an, dass unsere Kinder ein geschwächtes Immunsystem bekommen.

Stillen ist umständlich? Milchpulver mit fluoridiertem Wasser(2) in einer BPA-haltigen Flasche anzurühren ist es nicht. Wow …

Eltern legen keinen Wert mehr auf einen Abstand zwischen den Kindern, sondern kriegen eins nach dem anderen. Der mangelernährte Körper der Mutter mag es durch die erste Schwangerschaft geschafft haben, aber die zweite und dritte fordert ihren Tribut. Dass sich ihre Gesundheit nach dem zweiten Baby verschlechterte, war in Wirklichkeit kein Mysterium, nur Ignoranz grundlegender Prinzipien der Fortpflanzung. Und obwohl sie nur ein Jahr auseinander sind, ist die Tatsache, dass das erste Kind sich besserer Gesundheit erfreuen wird als das nächste nichts anderes als die Manifestation des Jüngere-Geschwister-Syndroms. Das erste Kind hat Mamas Nährstoffvorräte geplündert und nur noch die Krümel für die Geschwister übrig gelassen. Wenn Mama und Papa es nur nicht so eilig hätten … Aber so ist Mamas ausgelaugter Körper nicht in der Lage, noch einmal genauso gesunden Nachwuchs zu erzeugen.

„Das Jüngere-Geschwister-Syndrom“ lässt sich am anschaulichsten in der weniger optimalen Entwicklung des Gesichtsschädels beim jüngeren Geschwisterkind beobachten. Hier zwei Maori-Schwestern, deren Eltern die westliche Ernährung übernommen haben: Die ältere Schwester links hat ein breites Gesicht mit den typischen Maori-Zügen. Die jüngere Schwester rechts zeigt eine Unterentwicklung des mittleren Gesichts, das wie eingedrückt wirkt. Außerdem ist das Gesicht insgesamt schmaler. Quelle: „Healing our Children“ von Ramiel Nagel. Fotos stammen von Weston Price
Weitere Beispiele für das „Jüngere-Geschwister-Syndrom“: Links das jeweils ältere Geschwisterkind, rechts das jüngere. Quelle: „Healing our Children“ von Ramiel Nagel. Photos von Weston Price.

 

Da kommen also die kleinen Babys her.

Und wie wir es lieben, mit dem Finger zu zeigen! Unsere aktuelle Gebrechlichkeit ist nicht unsere Schuld! Die Pharmaindustrie hat uns krank gemacht. Sie verfolgt uns mit Medikamenten, die wir nicht brauchen würden, wäre da nicht unsere eigene Dummheit. Sie bietet Linderung für Symptome, bei denen die meisten von uns zu faul sind, sich selbst darum zu kümmern – mit Hilfe der Ernährung, Lebensstilveränderungen, genug Ruhezeiten und Stressreduzierung. Die grundlegenden Dinge können ganz schön anspruchsvoll sein.

Nein, die Impfungen sind schuld. Egal, dass wir die Kinder lieber per Kaiserschnitt zur Welt bringen, statt sie im Geburtskanal mit Millionen das Immunsystem stimulierenden Bakterien in Kontakt zu bringen. Das Immunsystem ist eigentlich dazu da, uns gegen die Krankheiten zu schützen, gegen die geimpft wird. Wenn wir unsere Kinder mit einem beeinträchtigten Immunsystem an den Start schicken, sind wir dann nicht teilweise selber schuld?

Wir als einzelne aber auch als Gesellschaft müssen weniger Zeit damit verbringen, den Schuldigen ausfindig zu machen und mehr Zeit darauf verwenden, in den Spiegel zu schauen. Kranke Menschen bekommen keine gesunden Kinder. Das ist kein Konzept, das schwer zu verstehen ist. Die Entscheidungen, die wir heute treffen, haben einen genetischen Einfluss nicht nur auf unsere Kinder, sondern auch auf unsere Urenkel. Man kann sich die drohende Gesundheitskatastrophe ausmalen, die nur drei Generation weiter auf unserem kollektiven Familienbaum lauert.

Wir sollen das Leben achten, sagt man uns. Gleichzeitig führt unsere Selbstzentriertheit zu einer Missachtung der niedrigeren Lebensformen, die unser Leben überhaupt möglich machen und eine Nichtbeachtung des Lebens, das aus uns hervorgeht. Leider finden wir die existierenden Lösungen zu primitiv für so anspruchsvolle Wesen wie uns. Ein Bewusstwerden unserer Herkunft und unserer Vorfahren war noch nie so dringlich wie heute.

Wacht auf, Leute! Der Storch kommt nicht.

Sean Croxton

1.) Die Zahlen stammen aus den USA. Der Zuckerverbrauch in Deutschland liegt bei „nur“ 35 kg pro Kopf im Jahr.

2.) In den USA ist die Anreicherung des Trinkwassers mit Flouriden üblich. In Deutschland ist das zum Glück nicht der Fall.

Der Artikel wurde erstmalig veröffentlicht im Januar 2013 und erschien auf englisch unter der Überschrift „Mindless procreation“ auf www.undergroundwellness.com in zwei Teilen: Teil 1 und Teil 2

Abschließend meine persönliche Gedanken zum Artikel: Bis zum vierten Kind kannte ich das Konzept nicht, den Abstand zwischen den Geschwistern bewusst etwas größer zu wählen. Und auch nicht, mich mit speziellen Lebensmitteln vorzubereiten. Folglich kamen die ersten vier Kinder mit Abständen von unter zwei Jahren und das „Jüngere-Geschwister-Syndrom“ ist auch an ihnen nicht spurlos vorbeigegangen. Es war eine schöne, anstrengende Zeit, die mich körperlich an meine Grenzen brachte und auch ihren gesundheitlichen Tribut forderte. Ich will meine Kinder nicht missen, keins von ihnen. Aber ich habe einiges gelernt dabei. Auch wie wertvoll es sein kann, einen Abstand von drei statt nur zwei Jahren zu haben, den wir dann zwischen dem vierten und fünften Kind einhielten. Und für diesen Abstand möchte ich gern ein Bewusstsein erwecken. Denn so eine kleine Pause tut allen Beteiligten gut: der Mutter, der Paarbeziehung, dem größeren Geschwisterkind und dem jüngeren, das noch kommen soll. Wird dann die Zeit, in der wir Kinder haben, nicht unnötig lang? Sie würde sicherlich etwas länger. Aber vielleicht würde diese Zeit dann auch viel schöner und entspannter, so dass wir unsere fruchtbaren Jahre mit Kindern und unserem restlichen Leben zusammen noch mehr genießen können und das Ende gar nicht unbedingt herbeisehnen.

Eure Sarah Schmid

P.S.: Der übersetzte Artikel kann in seiner Kürze nur einen groben Überblick über das geben, was ich in den letzten 6 Jahren recherchiert und gelernt habe. Wer mehr lesen will, kann das hier tun:

„Das Vermächtnis unserer Nahrung“ von Sally Fallon

„Karies heilen: Natürlich starke Zähne mit der richtigen Ernährung“ von Ramiel Nagel

„Deep nutrition: Why your genes need traditional food“ von Dr. Catherine Shanahan

„Nutrition and physical degeneration“ von Weston Price (kostenlose Online-Version)

„The nourishing traditions book of baby and child care“ von Sally Fallon

5 Gedanken zu „Einfach Kinderkriegen?“

  1. Liebe Sarah,
    ich war bisher immer stille Mitleserin deines Blogs und möchte dir erst einmal Dank für deine Arbeit aussprechen! Ich finde es sehr mutig, dass du mit deinem Namen und deinem Gesicht ein so polarisierendes Thema wie das der Alleingeburt besprichst und dein Wissen und deine Erfahrungen frei zur Verfügung stellst! Ich selbst habe bereits 2 Kinder und bin auf deinen Blog und das Thema „Alleingeburt“ erst nach der Geburt beider Kinder gestoßen. Beim ersten Lesen war ich völlig perplex, dass es auch möglich ist, ein Kind ohne irgend eine Begleitung durch fremde Personen zur Welt zu bringen! Das allein sagt schon, wie wichtig deine Arbeit ist: Wir, oder zumindest die meisten von uns, haben ohne eigenes Hintergrundwissen so klare Vorstellungen davon, wie Schwangerschaft und Geburt abzulaufen haben! Es tut gut, dass es Personen wie dich gibt, die an diesen sehr einfachen, aber nahezu unerschütterlichen Grundfesten rütteln! Dabei schätze ich an deinem Blog vor allem auch, dass er mit Wissen und Informationen gut unterfüttert ist. Ich habe im Abgleich mit meinen eigenen Geburten viele Aha-Effekte gehabt.

    Bei dem obigen Beitrag bekomme ich allerdings ein bisschen Bauchschmerzen. Für meinen Geschmack fällt er aus deiner bisherigen Arbeit heraus. Zwar ist der erste Teil „nur“ eine Übersetzung eines englischsprachigen Artikels, aber dieser strotzt von unangebrachten Verallgemeinerungen und Halbwissen.
    Das fängt damit an, dass völlig unklar ist, um welche „Eingeborenen“ es sich bei den obigen Beschreibungen handelt und für welchen Anteil ihrer Gesellschaft sie stehen. Fakt ist, dass das Durchschnitts-(!) Alter unserer modernen Gesellschaft bei knapp 80 Jahren liegt. Die Kindersterblichkeit liegt im Promillebereich. Und wenn du mit einer bestimmten Brille auf unsere Gesellschaft schaust, wäre es hier genau so möglich, von einer Vielzahl Hochbetagter zu schwärmen, die sich bester körperlicher und geistiger Gesundheit erfreuen. Auch in unserer Gesellschaft wirst du einen großen Anteil an extrem leistungsfähigen Individuen finden, die Erstaunliches zu leisten imstande sind.
    Ich stoße mich vor allem an dem durchgängig verwendeten „Wir“ im obigen Artikel. Natürlich gibt es eine große Anzahl an Menschen, die ihre Ernährung unbedarft gestalten und daher fraglos industriell hergestellte Lebensmittel konsumieren, die sich durch eine Menge sinnloser Zusatzstoffe und durch eine unausgewogene Zusammensetzung der Makronährstoffe auszeichnen. Du findest bei uns aber auch eine große Anzahl an Menschen, die hoch informiert sind und sich sehr, sehr viele Gedanken um ihre Ernährung machen. Manche sogar zu viele.
    Gleichzeitig halte ich die These, die Menschen hätten früher viel besser über ihre Ernährung bescheid gewusst, und zwar ohne die bösen Bücher, für sehr fragwürdig. Eine meiner Vorfahren brachte mehr als 10 Kinder zur Welt, von denen aber im Laufe der Kindheit fast die Hälfte starben. Auf dem Land. Wo die gute Ernährung und das Wissen dazu (laut obigem Artikel) doch so nahe waren. Ähnliche Fälle würde man massenweise finden, wenn man sich erst einmal auf die Suche begeben würde.

    Ich möchte auch noch mal zu dem „Jüngere-Geschwister-Syndrom“ etwas sagen. Es wäre mal interessant, ob sich dieses „Syndrom“ statistisch nachweisen ließe oder ob es sich dabei nicht um Einzelerfahrungen handelt. Mir persönlich fallen spontan genau so viele Familien ein, bei denen das erste Kind kleiner ist als das zweite, wie Familien, bei denen es anders herum ist, selbst bei sehr dichter Geburtenfolge. Falls es da tatsächlich einen Effekt geben sollte, ist meine persönliche These aber eher, dass es in unserer Gesellschaft nicht an der Ernährung und an eventueller Unterversorgung liegt: Wir sitzen vor vollen Kühlschränken! Unsere Körper teilen uns oft mit, was wir brauchen, indem wir entsprechenden Appetit entwickeln. Was uns viel eher fehlt, ist ausreichend Ruhe und Erholung. Das gängige Modell ist, dass höchstens zwei Erwachsene (Mutter und Vater) für das Großwerden von Kindern zuständig sind. Jeder, der Kinder hat, wird wissen, mit wie unglaublich wenig Schlaf diese beiden (zumindest in den ersten Jahren) auskommen müssen und wie knapp die Gelegenheiten für echte Pausen sind. Das laugt einen Körper natürlich (!) aus.
    Aber so wie es Nachteile haben könnte, wenn die Geschwister zu dicht beieinander liegen, so hat es genau so etliche Vorteile. Ein Beispiel ist, dass sich Geschwister je kleiner ihr Altersabstand ist, desto besser als Gefährten empfinden und wirklich gemeinsam, und nicht „nebeneinander“, groß werden. Von daher sollte es eine ganz persönliche Entscheidung bleiben, wie dicht die Geschwister folgen. Eine (meiner Meinung nach kaum) mögliche Mangelernährung sollte eher der letzte Grund sein, eine gewünschte Schwangerschaft auszuschieben.

    Liebe Grüße,

    Meilin

    1. Hallo Meilin,
      ich finde es auffällig wie viele Mütter in ihren Schwangerschaften oder danach plötzlich Karies entwickeln, trotz subjektiv empfundener gesunder Ernährung! Es scheinen doch kleine aber wichtige Unterschiede zu sein, die die Gesundheit stark beeinflussen können. Zwei Beispiele: pasteurisierte/homogenisierte also totgekochte Milch ist ungesund, Rohmilch ist es nicht. In der Produktion erhitztes, also transformiertes Rapsöl ist ungesund, kaltgepresstes ungefiltertes Olivenöl ist es nicht. Vielen Menschen ist das gar nicht bewußt.
      Ich habe die Bücher „Karies heilen“ und „Das Vermächtnis unserer Nahrung“ gelesen und muss sagen, dass sie unser familiäres Leben sehr positiv verändert haben. Durch die Nahrungsanpassung ist meine Karies zum Stillstand gekommen, ich bin seltener und wenn dann nur kurz krank und bin viel positiver gestimmt. Ich hoffe, dass die Kinder auch über meine veränderte Muttermilchzusammensetzung von der Umstellung profitieren.
      Leider habe ich erst nach der zweiten Schwangerschaft von Weston Prices Studien erfahren. Unsere Kinder sind nur zwei Jahre auseinander und man sieht beim 1,5-jährigen Sohn schon jetzt das Jüngere-Geschwister-Syndrom in Form eines sehr schmalen spitz zulaufenden Kiefers. Bei mir und meinen Geschwistern ergibt die unterschiedliche Kiefergröße nun auch Sinn (bei mir mussten aufgrund Platzmangels in der frühen Jugend 4 Zähne gezogen werden, später dann auch noch 4 Weisheitszähne. Wie ich heute glaube aufgrund einer anderen Ernährung meine Mutter während der Schwangerschaft, damals noch in der DDR lebend).
      Ich finde, es lohnt sich also absolut mehr zum Thema zu lesen und sich die eigenen Körper mal aus diesem Blickwinkel anzuschauen. Und ich stimme dir zu: Stress ist ein ganz fieser Gesundheitsfresser!
      Liebe Grüße, Denise

  2. Hallo Sarah
    Darf ich fragen, wie genau sich das „Jüngere-Geschwister-Syndrom“ bei euch bemerkbar gemacht hat und wie sich die kurzen Schwangerschaftsfolgen bei dir ausgewirkt haben, da du von einem „gesundheitlichen Tribut“ schreibst? Das interessiert mich sehr. Darf ich auch fragen, wieso ihr so knappe Abstände hattet und habt? Auch eure jüngsten Kinder sind ja wieder ganz knapp.
    LG Sm

    1. Bei den ersten vier Kindern wusste ich noch nicht, dass eine so dichte Schwangerschaftsfolge einen ungünstigen Einfluss haben kann. Man sagte ja immer: ungefähr zwei Jahre Abstand ist super, dann können die Geschwister miteinander spielen. Ich glaubte auch: Wenn der Körper wieder schwanger wird, dann erst dann, wenn er wieder dazu bereit ist. Als ich mich dann eingehender mit mit dem Thema beschäftigte, gefiel mir erst gar nicht, was ich da fand – widerlegte es doch, was ich bisher geglaubt und praktiziert hatte. Aber ich sah es ein und zwischen Kind 4 und 5 haben wir knapp drei Jahre. Kind Nummer 6 kam ungeplant so dicht hinterher.

      Bei den Kindern merke ich es bei Kind 3 am deutlichsten. Er hat eine behinderte Nasenatmung durch zu enge Nasenwege und eine Unterentwicklung des mittleren Gesichtsdrittels. Er ist sprachlich und lerntechnisch schon ein Stück hinterher. Da war die große Schwester am schnellsten, der Zweitgeborene auch noch schneller. Nach seiner Geburt entdeckte ich Weston Price und wir begannen, uns nach traditionellen Prinzipien zu ernähren. Die folgenden Kinder haben wenn dann nur geringe Auffälligkeiten, die man einem Nährstoffdefizit zuschreiben kann. Aber man muss auch sagen, dass man Kind Nr. 5 anmerkt, dass er die besten Startbedingungen hatte (Da habe ich auf die Ernährung geachtet habe UND einen Abstand von 3 Jahren eingehalten). Er hat bisher sich motorisch, sprachlich und intellektuell am schnellsten von allen entwickelt.

      Bei mir ist es so, dass ich in der Schwangerschaft und Stillzeit vermehrt an CMD (Craniomandibulärer Dysfunktion) leide. Ich presse im Schlaf bestimmte Zähne, die dadurch Schaden leiden. Mein Biss haut nicht hin, aber das ist ein anderes, komplexes Thema. Chronische Verspannungen im ganzen Körper, Kieferknacken, entzündetes Zahnfleisch und empfindliche Zähne sind die Folge. Da die 6. Schwangerschaft so dicht auf die 5. folgte (mein kürzester Abstand überhaupt) konnten sich meine Zähne nicht ausreichend erholen und ich hatte schon Angst, ich verliere die zwei Zähne, auf die ich am meisten presse bzw. befürchtete, sie würden absterben. Die beiden waren heiß- kalt- und aufbissempfindlich. Bis zum dritten Kind war Karies auch ein Problem, dass ich dank der verbesserten Ernährung aber seitdem los bin. Aber diese CMD-Geschichte ist verzwickter. Und wenn ich da keine Abstände zwischen den Kindern einhalte, lasse ich Zähne. 🙁

      Das „Jüngere-Geschwister-Syndrom“ hat verschiedene Auswirkungen. Am bekanntesten ist wohl, dass Erstgeborene statistisch einen höheren IQ haben. Am offensichtlichsten sind weniger gut ausgebildete Strukturen des Gesichtsschädels. Das Gesicht – sowie der ganze Körperbau – wird tendenziell länger und schmaler (mit schmaleren Kiefern und enger stehenden Zähnen), das mittlere und/oder untere Gesichtsdrittel ist weniger gut entwickelt. Merkmale sind z.B. ein fliehendes Kinn durch eine unterentwickelten Unterkiefer oder ein wie eingedrückt wirkendes Mittelgesicht, oft mit behinderter Nasenatmung, weil die Nasenwege ebenfalls unterentwickelt sind, das Nasenseptum ist häufig verkrümmt. Babys, bei denen das mittlere Gesicht wie eingesunken ist, sehen aus, als würden sie ständig böse dreinblicken. Diese Tendenzen gibt es immer, sobald gewisse Nährstoffe fehlen, aber sie werden mit jedem Geschwister ausgeprägter, wenn eine ungünstige Ernährung beibehalten wird und erst recht, wenn die Abstände zwischen den Geschwistern klein sind. Weston Price dokumentierte das schon fotografisch. Ich habe oben im Artikel mal ein paar Fotos von Weston Price eingefügt, die das veranschaulichen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.