Impressionen von der Midwifery Today Konferenz, Strasbourg

Die internationale Midwifery Today Konferenz fand diesmal vom 19. – 24. 10. 2016 in unserer Nähe, in Strasbourg, statt. Dort treffen sich Hebammen, Doulas und andere, denen Geburt und eine Verbesserung der Geburtshilfe am Herzen liegt. Schon letztes Jahr, wo die Konferenz in Deutschland stattfand, konnte ich einen Tag lang teilnehmen. Da war es nur etwas weiter als diesmal. Wie im letzten Jahr packte ich also für einen Samstag meine Älteste und meinen aktuell Jüngsten ins Auto und machte mich auf den Weg. Ich hatte mich für die Kurse von Gail Tully angemeldet. Ihr gehört die Seite www.spinningbabies.com. Das Wissen, das sie über die Kindslage und wie man sie beeinflussen kann, vermittelt, ist hierzulande noch rar. Immer noch führt eine nicht optimale Kindslage allzu oft zu einen Kaiserschnitt, der mit dem erforderlichen Wissen und etwas Hilfe nicht nötig gewesen wäre. Auch bei geplanten Alleingeburten kommt das vor.

Warum legen sich Babys überhaupt ungünstig für die Geburt? Schuld ist wohl ganz allgemein gesprochen unser vom Sitzen dominiertes Leben und/oder ein nicht ganz optimal geformtes Becken. Aber man kann mehr tun als nur Kaiserschnitte machen. Schon in der Schwangerschaft aber auch unter der Geburt. Da wollte ich also so viel wie möglich dazu lernen.

„Babys legen sich in die beste Position, die ihnen möglich ist – in dem Platz, der ihnen zur Verfügung steht.“

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Gails lustiges Strickmodell einer Gebärmutter – mit Eileitern, Bändern und allem. Ist das Becken in sich verspannt (durch eine schlechte Körperhaltung, viel Sitzen etc.), beeinflusst das auch die Bänder, über die die Gebärmutter im Becken befestigt ist. Dadurch kann die Gebärmutter schief gezogen werden, was unter Umständen verhindert, dass das Baby sich in eine bessere Position legt.

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Gails Arbeitsutensilien.

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Drei verschiedene Varianten, wie sich der Babykopf aus der hinteren Hinterhauptslage (Sternengucker) im Becken dreht, damit das Baby geboren werden kann.

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Side-Lying-Release demonstriert.  Ein verspannter Beckenboden kann machen, dass das Baby sich mit dem Kopf schief ins Becken einstellt und dann nicht weiterkommt. Übermäßig viel Sport wie beim Leistungssport lässt den Beckenboden gelegentlich sehr straff sein, was ebenfalls zu Problemen führen kann. Diese Übung wird auf der rechten und linken Seite für 4-10 Minuten durchgeführt und entspannt den Beckenboden.

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Eines von Gails Wandbilder: Links zum Thema Schulterdystokie. Rechts kurz zusammengefasst was man tun kann, wenn das Baby an den verschiedenen Stationen im Becken (Eingang – Mitte – Ausgang) nicht weiterkommt.

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Ein berühmter Geburtshelfer hat ebenfalls Vorträge gehalten und  war sich nicht zu schade für ein Foto. 🙂

Michel Odent

Voll mit neuem Wissen und Eindrücken fuhr ich abends wieder heim, wo mein Mann mit Bravour unsere anderen vier Kinder gemanaged hat. Ein Knöllchen habe ich mitgehen lassen. Dafür hatte ich einen Parkplatz ganz nah dran. 😛

Ich mache noch einen gesonderten Beitrag darüber, wie genau man vorgehen kann, wenn das Baby bei der Geburt nicht ins oder durch’s Becken kommt. Ich fand es hilfreich, das direkt von Gail zu hören und vorgeführt zu bekommen und nicht nur zu lesen.

2 Gedanken zu „Impressionen von der Midwifery Today Konferenz, Strasbourg“

  1. Oh, ja, ja, ja. Bin extremst auf den nächsten Beitrag zu diesem Thema gespannt. Ich habe ein Frau kennengelernt, die zweimal einen KS verpasst bekommen hat mit unterschiedlichen Ausreden…beim ersten Mal war laut Ärztemeinung sie „schuld“ und beim zweiten Mal laut Ärztemeinung ihr Baby. So ein Quatsch! Resultat des Ganzen, sie glaubt nun, dass sie keine richtige Frau ist, weil sie nicht gebären kann und ihre Kinder sich zu dusslig anstellen. Na. klasse, da hat die Geburtsmedizin mal wieder einen großen Beitrag zum Weltfrieden geleistet (ironisch gemeint)!

  2. Oh das würde mich auch sehr interessieren. Hab mich leider zwei mal aufschneiden lassen müssen, da beide male das Baby mit den Kopf ins Becken gedrückt hat und nicht auf den Muttermund (demzufolge sich auch nach vielen, vielen Stunden aufrechten Wehens sich der Muttermund garnicht öffnete-sowohl im Geburtshaus beim 1. Kind als auch leider bei meiner geplanten Alleingeburt beim 2. Kind nicht) . Und ich kann mir eben nicht vorstellen, das ich per se keine Kinder vaginal gebären kann. Vielleicht finde ich hier dann noch einen Anhaltspunkt.
    Liebe Grüße
    Lena
    P.S. Ein tolles Bild mit Herrn Odent! 🙂

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