Alleingeburt – zum dritten Mal

Liebe Leser, 

heute darf ich den Geburtsbericht samt Video einer Mama teilen, die ihr fünftes Kind bekommt und dabei ihre dritte Alleingeburt erlebt. Ihr werdet merken, sie ist schon ein Gebär-Profi – und trotzdem ist jede Geburt neu und hält Überraschungen bereit …

Videolink und Webseite der Familie findet ihr ganz unten. 

Ich möchte euch teilhaben lassen an meiner dritten Geburt in Eigenregie, welche wieder unspektakulär und schnell war.

Meine großen Kinder kamen alle ca. 2 Wochen vor dem errechneten Geburtstermin zur Welt, so dass ich auch dieses mal mit dieser Zeit rechnete. Tja, unser Baby kam natürlich auch mit einer Aufgabe zu uns, es sollte uns Gelassenheit und Geduld lehren. So verging die Zeit und ich war bereits in der 40. Schwangerschaftswoche. Da es mir aber sehr gut ging, sowohl körperlich als auch seelisch, war es ok so lang schwanger zu sein und ich genoss meinen Bauch im Sommer. Ich hatte nur 8 kg zugenommen und war bis zum Schluss kaum eingeschränkt mit meinem Bauch. Spaziergänge im Wald brachten nicht den gewünschten Erfolg eines Geburtsbeginns, ganz zu schweigen von anderen Mittelchen und Empfehlungen. Ich hatte einige Tag vor der Geburt jeden Abend ab und zu einen harten Bauch, aber nichts Regelmäßiges, so dass ich meist genervt ins Bett bin und früh ausgeschlafen mit Baby im Bauch aufwachte. Dennoch rechnete ich mit einer Geburt in der Nacht, wie die letzte Geburt war. In meinen Vorstellungen war es unmöglich, mit drei bis vier Kindern im Haus tagsüber eine Geburt über die Bühne zu bringen, viel zu wuselig ist es bei uns zu Hause. Aber dieses Abkommen hatte ich ohne meinen Körper gemacht.

Am 12. 7. hatte ich vormittags immer mal einen harten Bauch, gefühlt aber nicht regelmäßig und auch nicht heftig genug, um dass es auf eine Geburt hindeutete. Ich verabredete mich sogar mit einer Freundin auf dem Spielplatz. Als ich ihr von meinen leichten Wehen schrieb, empfahl sie mir doch lieber zu Hause zu bleiben und in Ruhe mein Baby zu bekommen. Die hat gut reden, dachte ich, und räumte aber sicherheitshalber mal das Haus auf, kochte Mittag und aß gemeinsam mit meiner Familie. Um zu schauen, ob die Wehen wirklich regelmäßig kommen und mich endlich körperlich und moralisch auf die Geburt einstimmen zu können, schickte ich meinen Mann mit den zwei großen Jungs (die Tochter war mit der Oma unterwegs) um 13 Uhr zum Einkaufen und auf den Spielplatz. Meinen 22 Monate alten Sohn begleitete ich in den Mittagsschlaf und hatte dann endlich Ruhe im Haus. Sitzend und wartend auf dem Sofa ging gefühlt nichts vorwärts, so dass ich mich weiter dem Haushalt widmete. Ich räumte den Geschirrspüler aus, die Küche wurde gewienert und das Wohnzimmer aufgeräumt. Während ich so vor mich hinarbeitete, kamen die Wehen aller 8-10 Minuten. Also doch recht regelmäßig, dachte ich. Und teilweise auch schon so, dass ich sie bewusst veratmen musste und in den Bauch atmete. Ok, vielleicht wird das ja doch was heute mit dem Baby. Ich bat meinen Mann per Nachricht, noch länger auf dem Spielplatz zu bleiben. Doch die Jungs wollten nach Hause und versprachen, leise oben zu spielen. So waren sie gegen 14.30 Uhr wieder zu Hause und auch der Jüngste wurde von seinem Mittagsschlaf wach. Toll, nun sind die Wehen bestimmt bald weg. Unserer Geburtsfotografin hatte ich Bescheid gegeben. Sie fragte auch, ob sie schon kommen soll (14.45Uhr), aber nein, das dauert sicher noch und ich war auch nicht so weit. Die Wehen blieben trotz Kindern um mich, der Kleinste schlängelte sich während der Wehen sogar um und durch meine Beine. Seit ca. 15 Uhr musste ich dann doch mittönen und wurde lauter, selbst das störte den Kleinen nicht. Meine Bedenken, dass er vielleicht Angst bekommt, waren völlig unbegründet. Zum Vertönen der ersten Wehen verzog ich mich dann erstmal aufs Klo, ich brauchte meine Ruhe und wollte noch nicht beobachtet werden. Mein Mann begann in der Zwischenzeit, den Pool einzulassen, welcher schon seit 3 Wochen aufgepustet dastand. Gegen 15.15 Uhr sagte ich dann der Fotografin Bescheid, dass sie so langsam doch vorbeikommen kann. Sie soll aber bitte nicht böse sein, wenn ich sie wieder rausschicke. Als sie 15.30 Uhr da war, nahm ich wieder mit dem Badezimmer vorlieb und vertönte meine Wehen für mich. Sie kamen seit um drei Uhr ca. alle 5 Minuten, waren aber gut aushaltbar. So ging ich dann 15.40 Uhr nach unten und konnte 15.50 Uhr endlich in den Pool. Das tat gut, ich hatte auch nach der ersten Wehe im Pool gefühlt eine lange Pause bis zur nächsten Wehe und konnte meine Kräfte noch einmal richtig sammeln. Denn dann begann die Übergangsphase und es wurde heftiger. 16.06 Uhr platze die Fruchtblase und ich fühlte nach dem Babykopf, welcher noch weit hinten war und so rechnete ich nicht so schnell mit der Geburt, obwohl ich wusste, dass bei den anderen die Geburt nach dem Blasensprung fünf Minuten später beendet war. Tja auch hier täuschte mich das Gefühl, denn das Baby wollte prompt geboren werden. So kam in der nächsten Wehe der Kopf und in der folgenden Wehe der Körper hinterher. Tamo Jarik wurde 16.13 Uhr in meine Hände geboren. Ich nahm ihn aus dem Wasser und war total perplex, dass es doch wieder so schnell ging. Mein Mann sollte gleich die zwei „kleinen“ Jungs holen, so dass auch sie ihren Bruder begrüßen konnten. Der große Sohn war auf dem Spielplatz und kam ca. 15 Minuten später dazu. Sie waren total glücklich, genauso wie wir Eltern und bestaunten unser Baby. Selbst der bisher Kleinste zeigte keinerlei Eifersucht, er lachte und freute sich über dieses kleine Wesen auf Mamas Brust.

Die Plazenta wollte im Pool nicht kommen, so dass ich noch ca. 20 Minuten den Pool verließ und aufs Sofa umsiedelte. Mir war total kalt und ich zitterte, gefühlt waren es tausend Nadelstiche die auf mich einpieksten. Zum Glück wurde mir zugedeckt schnell warm. Eine Stunde später hockte ich mich vors Sofa und gebar die Plazenta. Auch das völlig problemlos. Danach sagten wir dann der Hebamme Bescheid, dass sie sich in den nächsten Stunden gern auf den Weg machen darf, um unser Baby kennenzulernen. Sie war zwischen 18 bis 20 Uhr da, untersuchte unser Baby für die U1 und schrieb den ganzen Papierkram. Tamo war 3700g schwer und 53 cm groß, der Kopfumfang betrug 36 cm. Die zwei Wochen mehr im Bauch haben sich also bemerkbar gemacht. Er war mein schwerstes Baby, aber außer kleinen Schürfungen blieb ich unverletzt.

Mein Körper hat auch diese Geburt toll gemeistert, ich konnte die Wehen gut ertragen und hatte keine Sekunde Angst. Ich fühlte mich sicher und geborgen und hatte ein wunderbares Urvertrauen in mich. Selbst die Übergangsphase nahm ich nicht als solche war und konnte sie erst danach wirklich realisieren. Ich bin froh und sehr dankbar, die Geburt so erlebt zu haben und kann nur alle Frauen ermutigen, ihrem Körper und in ihre eigenen Gebärfähigkeiten zu vertrauen. Ich wünsche jeder Frau so eine selbstbestimmte Geburt.

Video und Webseite:

www.gemeinsamfreileben.de

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