Geplante Alleingeburt beim 6. Kind

Hallo ihr Lieben,

heute darf ich die Email einer Mutter mit euch teilen, die sich beim 6. Kind entschließt, es auf eine Geburt ohne Hebamme ankommen zu lassen. Im Folgenden erzählt sie von ihren Gedanken zum Thema Geburt und wie ihre jüngste Tochter schließlich auf die Welt kam. Viel Spaß beim Lesen. 🙂 

Liebe Sarah,

erst mal sage ich erfreut „Dankeschön“, für Deinen Mut und Deine Offenheit, die es braucht, mit dem Thema Gebären so frei durch die Welt in Wort und Bild zu ziehen. Nicht selten wird sich darüber echauffiert, dass Frau da tatsächlich im Video entbindet, man Brüste, Blut und einen durchtretenden Kindskopf sieht, man Ächzen und Stöhnen hört und auf diese Weise endlich die so dringend nötige Aufklärungsarbeit geleistet wird. Natürlich gibt es auch auf diesem Gebiet viel Anschauungsmaterial, mal in Zeitlupe von Wehe 1 bis zu den Presswehen – mit fehlendem Ergebnis; mal mit schlechter Bildqualität und in der Lautstärke gewaltig; ein wahrer Dschungel auf der Suche nach dem Wahrhaften, jedoch unterließ ich es tunlichst mir „total brutale Geburt“ oder „die schmerzhafteste Geburt ever“ zu Gemüte zu führen, suchte bewusst nach der positiven Sicht auf dem Weg ins Leben. Wie dem auch sei … das Leben außerhalb des Bauches beginnt nun mal mit der Geburt und wir wissen doch alle, die wir uns thematisch damit schon befasst haben, wie viele Ammenmärchen und Lügen darüber bestehen und wie entfernt wir in der westlichen Gesellschaft von der Natur und ihrem Lauf sind.

Es ist ein Ausnahmezustand in dem Frau sich während einer Geburt befindet und wenn sie das mit der Welt teilt, dann verneige ich mich, ihrer Offenheit wegen. Schließlich begann ich mich mit dem Thema Alleingeburt nach einem Deiner Videos zu interessieren. Ich war mir dieser Möglichkeit bislang gar nicht bewusst … und obwohl ich bis dahin schon 5 Kinder zu Hause geboren hatte, dachte ich, es bräuchte allein schon der Nabelschnur wegen eine Fachfrau. Die Nabelschnur, oh mein Gott, wie schneide ich die durch, muss ich was abbinden und was passiert wenn ich zu lange damit warte? Braucht man nicht heißes Wasser und sterile Tücher???

Ich kaufte also Dein Buch „Alleingeburt“ und weiß nun endlich, wie das mit der Nabelschnur tatsächlich ist und die Sache mit dem Wasser war aus den zahlreichen Geburtsberichten zumindest insofern Impuls gebend, als dass wir einen Geburtspool anschafften. Steril war zum Glück gar nichts.

Rückblickend weiß ich nun, was mir bei den vorangegangenen Geburten im Wege stand:

Ich hatte kein Vertrauen in mich, in meine Intuition, in meine Kraft. Ich war zwar vorausschauend aber nicht intuitiv weitsichtig, vernahm die Stimme, doch hörte nicht auf mein Gefühl, zu groß waren die Zweifel und meine mir zugedachte Position: Ich war das Opfer. Das Opfer meiner Gedanken. Eine Geburt war für mich eine traumatische und ausweglose Sache, zumindest bis das Kind nackt in meinem Schoß lag. So unbefangen ich mit dem ersten Kind begann (ist nun zwanzig Jahre her), so sehr brachte mich auch der erste Vorbereitungskurs von mir weg. Das Einzige was ich niemals in Frage stellte war die Örtlichkeit. Ja, mein Kind würde zu Hause das Licht der Welt erblicken.

Ein zweiter Vorbereitungskurs (weil ein anderer Papa an meiner Seite) gepaart mit meiner schon vorhandenen Erfahrung, vermischt mit den Horrorgeschichten der Generation vor mir, verstärkten mich nur dahin gehend zu glauben, dass das Gebären ein schwieriger Akt des Schmerzes sei. Wann immer ich im Kreise von Frauen dem Thema Geburt lauschte, wurde deutlich, wie sehr doch die Pein im Vordergrund stand. Man leitete ein, stellte Fehldiagnosen, da gab es Frauen, die 24 Stunden in den Wehen lagen und Ärzte, die auf Bäuche drückten, dem Kinde die Richtung zu weisen.

So ließ ich es über mich ergehen, die vielen Arzttermine, das quälende CTG-Schreiben, wie ein dicker Käfer auf dem Rücken, nach Luft japsend, ertrug das ein oder andere Dehnen des Muttermundes, um das Ganze mal auf den Weg zu bringen und meine Angst verschwand auch nach dem 4. Kind nicht, sie wurde stetig größer.

All das hatte seine Berechtigung zu sein, wie sonst wäre ich an diesen Punkt gekommen, wach zu werden, zu hinterfragen und vor allem mir selbst zu vertrauen!?

Ich wischte auch den Gang zur Hypnose aus meinem Gedächtnis, denn ich selbst bin es, die meine Gedanken lenken und verändern kann … dazu wollte ich keinen „Guru“ aufsuchen und da ich kein Freund der Atemtechniken bin, schloss ich Hypnobirthing für mich ebenfalls aus. Allerdings fiel mir die Meditation „Entspannte Schwangerschaft -Angstauflösung“ von Kendra Gettel vor die Füße, die für mich passte und die ich vielleicht drei Wochen machte, ehe ich entschied, dass ich sie nun nicht mehr brauchte. Was Frau Gettel mir da ins Unterbewusstsein suggeriert hatte, weiß ich nicht, denn ich war beinahe immer an der gleichen Stelle „weggebeamt“ und „wachte“ stets zum Ende wieder auf. Mir war jedenfalls klar, dass ich meine Festplatte würde umprogrammieren müssen, um die Synapsen davon abzuhalten, wieder auf ihr altbekanntes Schmerzmuster zu springen, mit dem fatalen Ergebnis, dass ich mich zum Opfer machte.

Stück für Stück wurde mir immer klarer, dass ich es auf eine Alleingeburt würde ankommen lassen. Ich verzichtete im letzten Drittel auf die Arztbesuche und ließ stattdessen die Hebamme kommen. (Sie war bereits bei 4 Geburten dabei.) Gelegentlich sprach ich darüber, dass ich am liebsten alleine sein wollte bei der Geburt, was entweder für Erstaunen und Kopfschütteln sorgte, oder aber für ein leichtfertiges Abwinken, nach dem Motto: Du hast ja schon Routine und machst das im Schlaf oder während der Hausarbeit.

Ts.

5 Geburten und jede anders, von schnell war nie die Rede, keine Blitzgeburt und meine Fruchtblase war stets ausgezeichneter Qualität extra lange zu halten.

Jede Geburt ist einzigartig und jede einzelne birgt die intuitive Weisheit einer Mutter in sich, hier nun mein Geburtsbericht von Baby Yuna.

Eine wahrlich heilige Nacht, geschenkt vom Universum.

Am 09. Juli 2015 habe ich C. (6 Jahre) auf den Geburtstag ihres Freundes M. gebracht als es schon hier und da zog und zwickte, während ich über den Berg nach Hause schnaufte. Ich überlegte kurz, ob ich mir das Kind am Abend von jemandem mitbringen lassen sollte, entschied aber selbst zu gehen.

Schließlich waren das nur kleine (Senk-?) Wehen, ansonsten gab es keinerlei Anzeichen für eine bevorstehende Geburt. Da ich noch 4 Tage vor dem errechneten Termin war und meine Kinder eher später kamen, wähnte ich mich noch auf der „sicheren“ Seite.

Zwar ahnte ich, das Baby käme in einer Nacht von Donnerstag auf Freitag, doch hatte mein Verstand die Woche drauf im Fokus. C. duschte noch und ich veratmete schon hier und da … konnte ihr noch gut eine Gutenachtgeschichte vorlesen, ehe ich mir die Hose auszog, mich in eine Decke hüllte und vor dem Sofa kniend meine Wehen besang.

Ich hatte kurze Anflüge von „Neiiin, heute noch nicht … ich möchte noch mal schlafen … ich fühle mich dem nicht gewachsen, usw. …“ Bachblüten Rescue brachten mich dann auf den Boden, sodass ich loslassen und mich den Wellen hingeben konnte.

Um 22:15 Uhr kam der Liebste nach Hause. Sein aktuelles Arbeitsprojekt hatte ihn sehr eingenommen und er war mit Pausen von 6-23 Uhr am arbeiten.

Er schaute auf mich, fragte was los sei und als ich sagte es gehe los, da war er erst mal total aufgeregt, ging hektisch auf und ab und wollte tun … am liebsten alles auf einmal.

Ich beruhigte ihn, sagte es dauere noch, er könne ganz langsam alles vorbereiten … So füllte er den Pool, zuerst mit Luft (wir hatten ihn schon zum größten Teil aufgeblasen, nur etwas Luft musste noch hinzugefügt werden), danach mit Wasser.

Der Geburtspool stand unter dem Oberlicht im Wohnzimmer und als ich mich gegen 23 Uhr hinein setzte war das eine große Wohltat.

Dann trug er die schlafende 6jährige zur Oma nebenan, die noch mal kurz nach mir schaute und so die Frage nach der Hebamme mitbekam. Ich lehnte ab sie anzurufen, meinte es sei noch viel zu früh, die Wehenabstände noch zu groß … außerdem ging mir nicht, wie sonst, der Schleimpfropf ab, abgesehen von den Wehen, alle 5 Minuten, keine Anzeichen … Und dann war ja noch dieser Wunsch allein zu bleiben 😉

Die Rescue-Bachblüten hatten mich ruhig werden lassen und unterstützten mich dabei, nicht in die Abwehr des Schmerzes zu gehen. So habe ich jede Wehe mit „Ja“ begrüßt und durchlaufen und bat meinen Mann darum, mich stets an dieses JA zu erinnern, was er auch tat, wenn ich ins Jammern kippte. Ich wusste, das Baby würde nicht am 9. geboren und auch wenn ich mit Blick auf die Uhr saß, so hatte die Zeit dennoch keine Bedeutung. Wir waren einfach – und mit uns die Götter und Helferwesen aller Art.

Niemand der an meinem Muttermund Maß nahm und Prognosen erstellte, keiner der die Wehen beschleunigte mit Globuli oder Ölen, der auf ruhige Art drängte, und doch drängte.

Wir genossen die fünfminütigen Pausen, ich im Wasser, der Mann am Rand davor kniend.

Eine Stunde bevor das Baby geboren wurde, fühlte ich die pralle Fruchtblase mit dem Finger und als sie dann aufging, da war kein Schmerz, es war eher, als habe man einen Beutel Fische in den Ozean gelassen. Ein so freudiger Moment, denn bei den anderen Geburten hatte mir jeweils die Hebamme die Fruchtblase geöffnet, was ich als enorm schmerzhaften Eingriff empfand.

Nun war der Druck vom Kopf sehr deutlich zu spüren, sodass ich immer um Gegendruck im unteren Rückenbereich bat. Das Zappeln der Babybeine im Bauch löste immer wieder eine Wehe aus und ich wusste zugleich: Dem Kind geht es gut …es arbeitet mit uns zusammen. Wir waren so verbunden miteinander, dass ich immer genau spürte, wann ich mitpressen konnte und wann ich das Baby machen ließ. Auch die Atmung stellte sich wie automatisch ein. Dieses Zusammensein, der gemeinsame Akt, tat mir sehr gut und es fühlte sich richtig an, zu dritt allein zu sein.

Der Liebste fragte noch mal nach der Hebamme. Ich antwortete, dass ich ihn jetzt bei mir bräuchte und nicht am Telefon, er hatte schon genug zu tun in den Wehenpausen den Wasserkocher zu befüllen. Zudem waren wir unmittelbar vor dem Finale, da wollte ich keine unnötige Unruhe hinein haben.

Als der Kopf zu fühlen war, hatte ich mehrmals Positionen gewechselt und kniete nun über den Rand des Pools gelehnt.

Das Gefühl zu bersten war enorm und als das Köpfchen durchtrat, war der Papa sehr aufgeregt. „Was soll ich tun!?“ Mir fiel nur ein: „Auf keinen Fall ziehen. Du nimmst es dann einfach entgegen!“… worauf auch sofort der kleine Körper folgte und von starken Händen gehalten wurde. (03:42 Uhr) Es schrie nicht, es gab Laut von sich und lag ganz entspannt da. Wir mussten noch die Nabelschnur entwirren, die um mein Bein gewickelt war und dem Baby vorne um den Hals lag.

Ein Mädchen! Ich hatte sie schon auf der Brust liegen, aber erst nachdem wir entwirrt hatten, konnten wir bequem sein und dabei habe ich ihr Geschlecht gesehen.

Durch die Zeitlosigkeit lag ich dann mit Baby im Arm und dem Mann an der Seite tatsächlich noch bis um 5 Uhr in dem Pool ehe er die Hebamme anrief.

Sie kam um kurz nach halb 6, durchtrennte die Nabelschnur und half mir bei der Nachgeburt. Das habe ich im Pool sitzend nicht hinbekommen … dazu hätte ich unser Mädchen weglegen müssen. Oh, was tat das gut, nach den vielen Stunden aus dem Wasser zu steigen. Sie wog das Kind, nahm Maß, zog ihm eine Windel an, schlug es nackt in eine Decke und verabschiedete sich bis zum späten Nachmittag, sodass wir uns gemeinsam ins Bett legen konnten.

Vorab sagte der nun aufgefrischte Papa noch der Oma Bescheid, die kein Auge zugetan hatte, weil sie immer auf das Auto der Hebamme gelauscht hatte … Die große Schwester kam mit der Oma zum schauen. Sie war natürlich mehr als überrascht, in Omas Bett aufgewacht zu sein.

In dieser Nacht waren alle Mächte bei uns und der Raum gefüllt mit Liebesenergie, die unsere Blumen neben der Geburts-Kerze 3 Wochen lang erblüht konservierte. Für mich ist diese Geburt die Krönung und sie hat mich mit dem vorangegangenen Schmerz und Leid versöhnt. Wenn alles in seinem Lauf zum richtigen Zeitpunkt geschehen darf, folgt dem ein ausgeglichener Ablauf. Das Baby war wunderbar entspannt. Es gab keinerlei Zeichen von Gelbsucht, der Nabel ging sanft und zügig ab.

Damit verbunden kann ich nur sagen: Ich hatte keine Wunde, konnte mich gleich normal hinsetzen. Die Nachwehen waren auszuhalten und nicht wie die Hebamme sagte „6 Kinder, 6 Tage!“… auch der Milcheinschuss kam nicht so brachial wie sonst … Und dann sagte die Hebamme am nächsten Tag zu mir: „Weißt Du was, ich bin Dir gar nicht böse, dass Du mich nicht gerufen hast, ich war so müde und k.o. von der Geburt in der Nacht zuvor!“

Wir können Berge versetzen wenn wir die Angst ablegen und im göttlichen Vertrauen in unsere Kraft kommen … dann liegen die Wunder ganz nahe und manchmal in unseren Armen.

6. Geburt - 1. AG

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