In diesem Bericht erzählt eine Mutter von ihrer vierten Alleingeburt. Diese war im Ablauf unerwartet und ganz anders als die anderen, aber nicht weniger schön.
Meinen eigentlichen Geburtsbericht möchte ich mit ein paar Gedanken zum Thema Nestbau und Geduld einleiten, die mich in dieser Zeit begleitet haben.
Nestbau und schlaflose Nächte
In den letzten Wochen vor der Geburt machte sich der Nestbau bei mir deutlich bemerkbar. Jeden Tag, an dem ich genug Kraft und guten Schlaf geschenkt bekam, verbrachte ich unermüdlich mit kleinen und größeren Projekten, die ich gerne noch abschließen wollte, bevor das Baby kam. Ich hatte das bereits bei meinen letzten Schwangerschaften so gehandhabt, dass ich mich auf die Rückmeldung meines Körpers verließ und bewusst wahrnahm, wieviel Belastung z.B. an Gartenarbeit oder an handwerklichen Tätigkeiten ich vertrug. Nur selten ignorierte ich diese Signale aus Sturheit („Das möcht ich heut aber noch fertighaben…“), bekam dann aber stets die Rückmeldung, dass es etwas zu viel war. Dann legte ich eine Unterbrechung ein, auch wenn es manchmal wirklich schwerfiel und frustrierte. Vorsorgliche Schonung während der Schwangerschaft fühlte sich für mich nie richtig an. Ich glaube, dass wir das individuelle Maß an Schonung und Belastung sehr gut spüren lernen können. Eine Geburt ist ja auch oft wie ein Marathon-Lauf für den Körper und dieser ist mit dem für einen persönlich richtigen Training besser zu bewältigen. Jedes Vorhaben hat seine Zeit und ich bemühte mich in dieser Schwangerschaft, für die jeweils anfallende Aufgabe und das richtige Vorhaben für diesen Tag zu beten. Der darauf folgende Segen war deutlich spürbar. Die Dinge gelangen, weil auch alle äußeren Umstände passten, die man nicht in der Hand hat, aber die Gott kennt, der alles in der Hand hat. Ich bekam tolle Ideen und Lösungen für die kleinen Probleme in meinem Alltag, wenn ich Gottes Führung zuließ und nicht meinen eigenen Stiefel durchzog. Besonders schwer fiel mir das allerdings an Tagen, an denen ich sehr schlecht schlafen konnte (was in den letzten Wochen vor einer Geburt bekannterweise bei mir ab und zu vorkommt) und ich mich völlig übermüdet durch den Tag kämpfen musste. Besonders dann waren die Kinder auch schlecht drauf, stritten und mich störten unerledigte Hausarbeiten mehr als an normalen Tagen. Irgendwie vergaß ich dann, dass wenn ich nur eine Nacht wieder normal geschlafen hatte, der ganze Berg an Arbeiten halb so wild aussah und mit der notwendigen Kraft auch schnell erledigt war. Da musste ich mich besonders daran erinnern spirituell – also im Gebet – zu kämpfen. Wenn ich das bedachte, breitete sich ein innerer Frieden aus, ich bekam neuen Mut und trotz Müdigkeit (nicht immer ist es ja möglich, sich mittags auszuruhen) war der Rest des Tages schaffbar. Oft reichte allein die Akzeptanz der Tatsache, dass ich heute eben nichts vorwärts bringen würde. Am nächsten Tag mit genug Schlaf ließ ich locker und nebenbei drei Geschirrspüler nacheinander durchlaufen, aber jetzt stellte ich einfach alles nur in die Küche (und es war OK!).
Zum Thema (Un-)Geduld noch ein paar Zeilen.
(Un-)Geduld
Mein errechneter Termin rückte näher. Meinem Kopf war bewusst, dass zwischen zwei Wochen vor bis zwei Wochen nach Termin ein ganzer Monat liegt! Körperlich war es aber schon mühselig und die Sehnsucht, dass das Baby endlich kommt, war riesig. Ich betete täglich für Geduld, weil ich fest daran glaube, dass Gott allein den richtigen Zeitpunkt kennt, wann das Baby geboren werden soll. Ich musste immer wieder an den Vergleich denken, dass wir auch nicht den Tag und die Stunde kennen, wenn Jesus wiederkommt. Wir merken nur die Zeichen der Zeit. Ja, ich spürte die Zeichen der bevorstehenden Geburt in voller Stärke. Ich hatte in den zwei Wochen vor der eigentlichen Geburt öfter das Gefühl: „Jetzt muss es aber losgehen“, weil die Zeichen schon so eindeutig waren: das bekannte Programm mit starken Übungswehen und ständigem Toilettengang. Ich meinte auch, ein Zeichnen zu erkennen, zumindest war da eine leichte Verfärbung zu sehen. Der Propf hatte sich aber sicher noch nicht voll gelöst. Das hatte ich schon anders als Einleitung in die richtige Geburt erlebt. Mein Wäschekorb mit den Sachen für die Geburt stand bereit auf dem Wickeltisch. Ich hatte sogar einen „Fehlalarm“, der mir nach drei bereits erlebten Geburten fast etwas peinlich war. Da hatte ich bei starken Übungswehen schon mal meine Matte zurechtgelegt und das Sitzkissen für die Wartezeit auf die Plazenta mit Wickelunterlagen abgedeckt und musste dann alles wieder wegräumen. Wenn wieder ein Tag vergangen war, ohne dass das Baby gekommen war, half es, erneut für die Aufgaben des neuen Tages zu beten und alles an Jesus abzugeben und in seine Hände zu legen.
Die eigentliche Geburt fing drei Tage nach meinem errechneten Termin abends an. Ich konnte schon nicht mehr richtig glauben, dass es wirklich heute losgeht. Nach dem Fehlalarm deklarierte ich die beginnenden Wehen zunächst als die bekannten Übungswehen. Ich sagte daher meinem Mann lieber mal gar nichts, bevor ich ihn unnötig nervös machte. Ich merkte aber, dass ich Ruhe und Rückzug brauchte und brachte als erstes unser jüngstes Kind ins Bett. Die zwei Großen durften noch länger im Garten spielen – es waren ja Ferien. (Das war übrigens auch ein richtiges Geschenk). Um 20:30 hab ich sie hereingerufen, abgeduscht, Zähne geputzt und ins Kinderzimmer geschickt. Sie durften noch ruhig spielen. Ich sagte: „Ich brauch jetzt meine Ruhe und kann heute nichts vorlesen.“ Die Kinder waren glücklich, noch länger aufbleiben zu dürfen, haben brav gehört und friedlich gespielt. Um ca. 21:15 kam eine erste intensivere Wehe – könnte es doch heute losgehen? Aber weder Propf noch Fruchtblase hatten sich gelöst. Ich musste auch nicht wie sonst immer plötzlich auf dieToilette springen. Also vielleicht doch nur eine intensive Übung? Ich räumte zwischen diesen ersten Wehen den Geschirrspüler aus und wieder ein. Sie waren gut zu veratmen. Um 21:30 bin ich doch lieber nochmal ins Kinderzimmer hoch geflitzt und hab die Kinder ins Bett geschickt. Dann ging es richtig los. Ich zog mich ins Badezimmer zurück und betete, dass mich Jesus durch diese Geburt führt und er mir alle Kraft schenkt, die ich brauche. Mir kam das Lied „Jesus, in deinem Namen liegt die Kraft“ in den Kopf und ich habe etwas gesungen. In den Wehenpausen richtete ich alles her (Licht, Matte, Kissen Handtuch, Unterlagen) und wartete noch auf den bekannten Toilettengang-Drang (bisher waren Propf und Fruchtwasser immer in die Toilette gegangen). Jetzt waren die Wehen schon zunehmend intensiver und ich hatte plötzlich das starke Bedürfnis mich abzustützen (bei meinen bisherigen Geburten fand ich es auf der Toilette am angenehmsten).
Noch ein kurzer Einwurf