38. SSW

Langsam wird’s ernst. Und irgendwie wünsch ich mir gerade, daß es noch lange dauert. Mir geht’s gerade so gut, selbst das Sodbrennen hat sich beim reinen Anblick der Rennie-Verpackung verzogen. Habe gestern noch lange und sinnlos mit Tim diskutiert. Er hatte hier gelesen, daß ich mich von ihm unverstanden fühle. Das war Anlaß zu einer riesen Litanei, die nur unsere Verschiedenheiten zementiert hat. Ich glaub manchmal, es liegen Lichtjahre zwischen uns. Er sagt zwar, er unterstützt mich was meine Geburtspläne betrifft, aber verstehen tut er nicht, warum ich es will, wie ich es will, ohne Hebamme und am liebsten auch ohne sonst jemanden. Er hat keine Panik deswegen und läßt es auf sich zukommen, sagt er. Wirklich gestützt fühle ich mich bei solchen Aussagen nicht gerade. Ich fühl mich als Einzelkämpfer an der Front und muß selber sehen, wie ich den Mut und Glauben an die Sache aufrecht erhalte. Zum Glück gibt es das Internet mit seinen vielen englischen Seiten und Erfahrungsberichten über Alleingeburten. Dahin verkrümel ich mich, wenn die Zweifel meiner Umgebung auch meine werden wollen.
Es ist schon unglaublich, wieviel Psychologie da reinspielt! In einem Forum in dem ich bin, so ein ganz normales Schwangerenforum wo ich meine Alleingebärpläne erst kundtue, wenn sie Fakt geworden sind, haben einige solche Angst vor der Geburt und so gar kein Vertrauen in ihren Körper, daß sie obwohl es medizinisch keinen Grund gibt, am liebsten einen KS hätten. In jeden Fall ist eine normale Geburt für sie etwas Schreckliches, was man nur schnell genug hinter sich bringen muß. Die Folge: kaum am Entbindungstermin fordern sie die Einleitung, die dann in einem mehrtätigen Marathon mündet, am Schluß mit Hebamme und Arzt auf dem Bauch, die das Kind herauskristellern. Womit ihnen bestätigt wird: Jawohl, Geburt ist schrecklich. Von ärztlicher wie mütterlicher Seite herrscht so viel Angst und Ungeduld, wenn es dem Ende einer Schwangerschaft entgegen geht. Frauen, die der Natur ihren Lauf lassen wollen, haben es enorm schwer, der Panik zu widerstehen, die aufkommt, sobald der ET um einen Tag überschritten ist. Bei Johanna hatte ich zu der Zeit „nur“ Hebammenvorsorge und ich mußte trotzdem debatieren, daß ich nicht jeden 2. Tag ans CTG will, sondern nur jeden 4.-5.. Dabei gilt nicht 40+x Wochen als übertragen sondern 42 Wochen. Und die erreichen die wenigsten. Die tatsächlichen Gefahren liegen statistisch weit hinter denen zurück die man annehmen muß, wenn man die Geschäftigkeit und Besorgtheit beobachtet, die bei überschrittenem ET plötzlich aufkommt.
Eine total verrückte Welt, die ihr Heil in überstürzter medizinischer Aktion sucht und die Dinge damit erst recht verkompliziert. Da hilft alles gute Zureden nichts mehr. Wenn Frau in der Panikschiene eingerastet ist, dann gilt nur noch Flucht nach vorn. In meinem Forum hab ich schon so viele solcher Fälle verfolgt, versucht zu ermutigen, doch dem eigenen Körper zu vertrauen, Fakten und Informationen gegeben…. Aber geändert hat das nichts. Das Vertrauen in die eigene Kraft war schon lange fort, irgendwo verloren gegangen auf dem Weg zwischen Fein-US, Glucosetoleranztest und Wehenbelastungstest. Es macht mich traurig, daß sich Frauen so bereitwillig ihre Fähigkeit Gebären zu können absprechen lassen, um sich dann ihr Leben lang gebärunfähig zu fühlen.

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Ein Kommentar

  1. ich wünschte, ich hätte dein vertrauen gehabt, in mich und meinen körper, mir wurde eine pda aufgezwängt, das ganze endete in einer sectio. wieviel schöner und stärker hats du es dir und deinem sohn gemacht.

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