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„Ich wollte ehrlich gesagt keine weitere Geburt“ – Heilsame Alleingeburt beim zweiten Kind

Die Mama im folgenden Bericht bekam ihr erstes Kind im Krankenhaus. Sie war mit dem Erlebnis nicht zufrieden und entschied sich beim zweiten Kind für eine Geburt in Eigenregie. 

Nachdem ich meinen ersten Sohn im Krankenhaus entbunden habe, wollte ich ehrlich gesagt keine weitere Geburt mehr erleben. Vor der Geburt meines Sohnes vor drei Jahren habe ich mich zwar mit Hypnobirthing und Alleingeburt befasst, aber die Alleingeburt habe ich etwas gescheut und das Hypnobirthing funktionierte während der Krankenhausgeburt nur bedingt. Ich kam bis zum Vorbereitungsraum und wurde dort dann von dem Krankenhauspersonal total bedrängt, weil ich nicht “nach ärztlichen Leitlinien“ entbinden wollte. Sprich, ich wollte nicht am CTG liegen oder einen Ultraschall machen, weshalb ich vom Personal massiv bedrängt und genötigt wurde, das doch zu tun. Ich war schon in der aktiven Geburtsphase und nach 2,5 Stunden kam mein Junge dann.
Das im Hinterkopf graute es mir vor einer erneuten Krankenhausgeburt. Einen Tag nach dem errechneten Entbindungstermin ging ich zur Kontrolle ins Krankenhaus. Festgestellt wurde, dass die Plazenta in Ordnung ist, ebenso das Fruchtwasser, Nabelschnur und Kindslage. Mit diesem Wissen ging ich ruhig nach Hause und machte keinen zusätzlichen Termin zum CTG. 7 Tage nach errechnetem Termin dachte ich, meine Kleine muss jetzt kommen und sie kam. Am Abend davor trank ich 1,5 l Himbeerblättertee. Ich ging schlafen, weil ich sehr müde war. Gegen Mitternacht wurde ich wach, weil ich aufs Klo musste. Mein Darm entleerte sich. Gegen 0.30 Uhr bekam ich leichte, periodenartige Schmerzen. Diese wurden immer stärker, ich lief herum, um sie zu verstärken. Als sie stärker wurden, veratmete ich sie über einem Pezziball und hörte dabei Hypnobirthing-Videos auf YouTube. Gegen 3 Uhr waren die Kontraktionen sehr stark. Ich hatte insgesamt drei Presswehen. Die erste schlug ich aus, in dem ich meinen Damm festhielt, weil ich Angst hatte der Kopf würde ihn mir sprengen. Bei der zweiten Presswehe ging ich in die Hocke ’squat‘ und der Kopf war da. Mit der dritten kam der Körper und ich fing die Kleine auf. Nach einem kurzen Verschnaufen ging ich zu meinem Mann und weckte ihn. Er kam zu mir ins Wohnzimmer und wir begrüßten die Kleine in Ruhe. Er wollte wissen, ob ich einen Notarzt brauche, aber das kam mir zu stressig vor.

 

Irgendwann nach circa einer Stunde kam die Plazenta in einem Schwung heraus und die Geburt war beendet. Wir nabelten die Kleine dann mit der Zeit ab, als wir wieder einen sauberen Zustand herstellen wollten. Die Schnur war längst auspulsiert und so schnitt mein Mann sie durch, nachdem er sie mit Zahnseide angebunden hatte.

Nachmittags, als alles dann entspannt war, ließ ich mich zur Kontrolle dann doch in die Klinik fahren, aber den Dammriss ersten Grades wollte der Arzt doch nicht nähen.

Insgesamt war diese Geburt eine schöne, heilsame Erfahrung. Meiner Kleinen geht’s super. Sie ist total ausgeglichen und das Stillen klappt diesmal auf Anhieb und ohne wunde Brustwarzen.

Vom Kaiserschnitt zur Hausgeburt

Eine Mama berichtete von den Geburten ihrer fünf Kinder. Fünf Geburten  die unterschiedlicher kaum sein könnten.
Ich bin 42 Jahre alt, mein Mann und ich haben bis jetzt 5 Kinder, wir leben im Südwesten Deutschland im ländlichen Raum. Ich finde an meiner Geschichte wird besonders deutlich wie schräg das Geburtshilfesystem in Deutschland mittlerweile ist und welche großartigen Auswirkungen das Vertrauen in die natürlichen Prozesse des Körpers, sowie Selbstbestimmung rund um Schwangerschaft und Geburt haben.

Im Mai 2018 stellte ich fest, dass meine Monatsblutung ausgefallen war und daraufhin per Test, dass ich schwanger bin! Schock, erst mal! Damit hatte ich nicht gerechnet. Wir haben vier Kinder und hatten eigentlich abgeschlossen. Meine Lebenspläne hatte ich für die nächsten Jahre schon in eine andere Richtung gemacht. Es hat ein paar Wochen gedauert, bis wir uns gedanklich gut darauf eingestellt hatten. In dieser Zeit reifte in mir gleichzeitig der Entschluss, die anstehenden Ereignisse als Chance zu sehen.

Meine erste Geburt 2006 war als Hausgeburt geplant gewesen. Irgendwie ahnte ich damals schon, dass es besser wäre, das Kind zu Hause zu bekommen. Allerdings war ich zu blauäugig an die Sache herangegangen. Ich hatte mich allein auf eine Hebamme verlassen und mir keinen Ersatz gesucht. Und ich verließ mich darauf, dass es schon irgendwie laufen wird. Die Informationen über Schwangerschaft und Geburt holte ich mir über zwei dicke Wälzer, deren Informationsgehalt dürftig war. Sobald es ans Eingemachte ging, erhielt man die Anweisung zum Arzt zu gehen. Keine Hintergrundinformation und alles sehr systemkonform (weiß ich jetzt). Wie problematisch dieses „Geburtshilfesystem“ ist und welche Informationen ich zusätzlich gebraucht hätte, um mich seinen negativen Kräften zu entziehen, war mir nicht klar. Es gab keine einzige aufklärende Stimme in meinem Umfeld. Für mich war klar: Kinder kriegen, das gab es schon immer und so viele Frauen haben das schon geschafft, also schaffe ich das auch. Mit dieser Haltung bin ich an alles in meinem Leben herangegangen und hatte damit Erfolg gehabt. Mit so vielen Fallen bei Schwangerschaft und Geburt hatte ich allerdings nicht gerechnet.

2006:

Die Hebamme war nicht verfügbar zu diesem Zeitpunkt (Blasensprung). Sie sagte mir, es täte ihr leid und ich solle in die Klinik gehen. Dort passierte folgendes: Kind stellte sich nicht ins Becken ein, Geburtsstillstand, Wehensturm, PDA, Kaiserschnitt. (dortige Hebamme war schon 24 h im Dienst, betreute 3 Frauen gleichzeitig) Und das bedeutete es für mich: Überfahren, extrem mies fremdbestimmt, Versagen, extreme Stillschwierigkeiten, keine Geburt

2008: Niemand erklärte sich bereit, nach einem Kaiserschnitt eine Hausgeburt zu begleiten. Also wieder Klinik. Kind stellte sich nicht ins Becken ein, ich übermäßig erschöpft, Geburtsstillstand, Wehensturm, PDA, Kiwi (kleiner Saugapparat) + Kristellern auf dem Rücken liegend um Kaiserschnitt zu vermeiden. Und das bedeutete es für mich: wieder keine Geburt, Dammriss, Scheidenrisse

2010: Wegen Hausgeburt gefragt, da sich bei Kind zwei gezeigt hatte, dass eine Vaginalgeburt möglich ist. (Augenrollen, „Was soll das, du immer mit deiner Hausgeburt!“), spät in Kreissaal gegangen, guter Geburtsfortschritt, plötzlich CTG schlecht, Panik, Aufruhr, dann mind. 10 Leute im Raum, 10 Sekunden vor Durchführung kurze Info, dass das Kind jetzt mit der Zange geholt wird. Schnell noch einen Pudendus-Block gesetzt, hat aber nicht gewirkt. Schmerz ohne Gleichen, Kind sofort weggenommen. Zustand des Kindes trotz dem „schlimmen“ CTG gut. Nach dem Nähen (natürlich alles gerissen) kurz das Kind gegeben, ich schnell angelegt. Dann wieder weggenommen, weil es angeblich die Temperatur nicht halten konnte (warum nicht auf meinem Bauch lassen?). Dann Ösophagusatresie festgestellt (unvollständige Speiseröhre). Ich bekam es nicht mehr zu Gesicht, bis in 3 Tagen auf der Intensiv in einer anderen Stadt, nach einer aufwendigen OP (danke, sonst wär sie nicht mehr da). 8 Tage sediert, mit Antibiotika vollgepumpt. Ich konnte nicht in der Klinik aufgenommen werden, nur als Begleitperson, wenn das Kind später dann auf Normalstation ist. Musste mich deshalb aus Entbindungsklinik selbst entlassen, trotz katastrophalem Zustand, um mein Kind überhaupt besuchen zu können. Konnte weder stehen noch gehen wegen hohen Blutverlusts. Keine Wochenbettbetreuung, weil ich ja mein Kind sehen wollte….  Milch abpumpen, 50 km fahren, mit dem Rollstuhl rein, bei ihr sein, wieder heim, Kopfschmerzen, abpumpen, schlafen usw.. Wenn ich mich um mich selbst gekümmert hätte, hätte sie keine Milch bekommen von mir (Magensonde) und ich hätte nicht bei ihr sein können. Später Kampf ums Stillen „Warum ich mir das antue, wäre doch viel einfacher mit der Flasche, und ob das jetzt überhaupt noch klappt“ lauteten die Entmutigungen.

Wieder keine Geburt, überfahren, simple organisatorische Mängel machen die Situation zur Hölle.

2013: Von der Hausgeburt will niemand etwas hören. 10 – 12 h Wehen, Erschöpfung macht sich breit, bekomme Flashback wegen der vorherigen Geburten und weine aus Verzweiflung. Hebamme reagiert sehr gut, fängt mich auf, gibt mir Raum und fragt was ich will. Ermutigt mich sehr, suchen fieberhaft einen Weg (Positionswechsel, Bewegung). Trotzdem Geburtsstillstand, PDA. In Seitenlage habe ich das Verlangen, mich mit den Füßen abzustützen und mit den Händen an etwas zu ziehen. In dem Moment geht es vorwärts. Leider dann doch in Rückenlage. Kristellern. Dammriss, Scheidenriss. Trotzdem ein Licht am Horizont. Sollte mein inneres Gefühl, meine Intuition doch in der Lage sein, den Geburtsverlauf richtig zu beeinflussen?

Ein bisschen Geburt

2019: Es ist noch Frühjahr 2018. Ich brüte über der Geburt. Meine Gedanken schweifen zu den Unterhaltungen, die wir mit Sarah und ihrem Mann hatten, Okt. 2013 und Sept 2017, als wir uns in einem anderen Zusammenhang kennengelernt und besucht hatten. Ich besorge mir das Buch Alleingeburt. Es setzt genau dort an, wo das Problem bei der heutigen Geburtshilfe liegt. Ich wage mich, alles zu hinterfragen worüber ich je Zweifel hatte. Ich gehe jeder Ungereimtheit auf den Grund und informiere mich weiter. Dann ergründe ich, was ich genau will für die bevorstehende Geburt, prüfe, wie realistisch es ist und komme zu dem Schluss, dass ich mich noch mal auf die Suche mache nach einer Hebamme, die eine Hausgeburt begleiten würde. Und wenn nicht, nehme ich mir vor, trotzdem zu Hause zu bleiben. Das größte Problem ist eigentlich nur noch, meinen Mann davon zu überzeugen! Er ist sehr ängstlich, und hält viel von ärztlicher Autorität.

Bei der Suche nach einer Hebamme im Internet finde ich ungewöhnlich schnell eine. Der Text auf Ihrer Webseite, der ihre Einstellung widerspiegelt, deckt sich ziemlich genau mit dem, was ich mir vorstelle. In unserem ersten Gespräch achte ich besonders darauf, dass ich nicht einfach nur alles laufen lasse, so wie Richtlinien es vorgeben, sondern reiße jedes Thema bewusst an und mache deutlich was ich will und was nicht. Das ist neu für mich und ungewohnt, ich muss mich regelrecht dazu zwingen, immer wieder scheinbar Selbstverständliches in Frage zu stellen (Theater um den ET, CTG, Muttermunduntersuchungen, Eingreifen nur nach vorherigem respektvollem Fragen, sich an Absprachen halten), jedoch reagiert sie entspannt und positiv darauf. Auch im weiteren Verlauf unserer Begegnungen tauchen immer wieder Fragen auf und wir klären Dinge ab, wie zum Beispiel, ob wir Vitamin K geben oder ob wir das Stoffwechselscreening machen wollen, wer das Kind zuerst in die Hand nimmt, nachdem es herausgekommen ist und so weiter. Ich bohre, bis ich alle ihre gesetzlichen und versicherungstechnischen Grenzen und Vorgaben ausgelotet habe.

Im gemeinsamen Gespräch mit meinem Mann wird diese Hebamme mir zu großen Hilfe, ihn für eine Hausgeburt zu überzeugen. Ihre Aussagen und ihre Zuversicht, dass eine Hausgeburt wirklich eine gute Sache und auch für uns geeignet ist, helfen ihm, sich auf meinen Plan einzulassen.

Unsere Kinder füttere ich schon während der ganzen Schwangerschaft mit Informationen über das Ungeborene und über die Geburt. Ich biete Ihnen nun auch an, bei der Geburt dabei zu sein. Das möchten sie auch alle sehr gern. Ich erkläre ihnen die Geburt mit einem Bild von einem Menschen der einen Berggipfel ersteigt. Anhand dieses Beispiels lassen sich gut Vorbereitung, Gefühle und Körperzustand während dieses Projekts erklären. Auch wie sich die Aussagen von anderen Menschen auf seine Seele und seine Leistungen auswirken. Da sie gerade im Sommer erst eine Bergwanderung gemacht haben, bei der sie auf fast 2000 m aufgestiegen sind, können Sie das alles gut nachvollziehen. Ich ziehe auch noch andere Vergleiche und beantworte alle Ihre Fragen. Immer stelle ich die Geburt als ein positives und ganz besonderes Ereignis dar.

Ca. eine Woche vor dem errechneten Geburtstermin bemerke ich abends um 10.00 Uhr eine dünne, leicht rosa Flüssigkeit in der Slipeinlage. Ob das nun etwas zu bedeuten hat? 2 Stunden später ist noch mehr von dieser Flüssigkeit abgegangen, anscheinend ein Blasensprung, und ich spüre die erste Wehe. In einer Vorahnung habe ich diese zwei Stunden schon damit verbracht, unser großes Bad in eine Art Wohnzimmer zu verwandeln und meinem Mann einen Plan zu schreiben, was er in den nächsten Stunden noch tun sollte. Im Bett liegen kann ich nicht mehr, die Wehen kommen etwa alle 10-15 Minuten. Deshalb richte ich mir einen Sessel her, so dass ich meine Füße hochlegen kann und meinen Kopf anlehnen. So verbringe ich die Wehen-Pausen schlafend oder dösend. Die Notwendigkeit, mit meinen Kräften hauszuhalten war eine wichtige Erkenntnis, die ich bei der Auswertung meiner vorherigen Geburten gewonnen habe. Währenddessen versuche ich auch, so viel wie möglich noch zu trinken. Denn ich weiß, dass es mir unter der Geburt übel wird und ich erbrechen muss. Da ist nicht mehr an Trinken oder gar Essen zu denken. Um 6:30 Uhr rufe ich die Hebamme an. Ihre Kollegin ist auch schon bei ihr. Sie kommen so gegen 8:00 Uhr bei uns an. Die Wehen sind noch einigermaßen erträglich und kommen ca. alle 5 Minuten. So gegen 9:30 Uhr werden die Wehen heftiger. Die Hebammen hatte ich gebeten, mich noch eine Weile in Ruhe zu lassen, was sie auch getan haben. Wir schauen so alle 30 Minuten nach den Herztönen. Ich bin einfach zu Hause! Wie schön! Die Kerzen flimmern, ich stehe im Mittelpunkt und alles was ich sage ist sehr wichtig, für jeden! Niemand ist patzig, beleidigt oder fordernd. Jeder ist sich bewusst, dass mein Körper jetzt die Ansagen macht und ich das mit meinem Mund übersetzen kann. Ich gehe in dieser heftigen Phase auch einmal in die Wanne. Das dauert aber nur etwa eine halbe Stunde. Wirklich entspannen tut es mich wenig und ich kann einfach schlechter eine gute Position für mich finden oder mich bewegen. Also geh ich wieder raus, verbringe eine Zeit auf dem Klo. Die Wehen werden gewaltiger und schmerzhafter. Ich bin sehr laut, lasse alles über meine Stimme raus. Wir erinnern uns an diese Haltung, bei der ich mich mit den Füßen abgestoßen und mit den Händen gezogen habe. Dabei habe ich die Lendenwirbelsäule nach außen gekrümmt. Vermutlich ist es eine Bewegung, die das Kind einfach besser durchlässt. Ich setze mich in die Hocke mit dem Rücken gegen die Badewanne, dann halte ich mich an einen Turnring, den mein Mann schnell angeschraubt hat, um daran zu ziehen. Es beginnt zu spannen in der Scheide. Nach zwei weiteren Wehen ist der Kopf da. Und nach weiteren zwei Wehen ist das ganze Kind geboren. Es liegt vor mir auf dem Boden und ich nehme es auf. Die Nabelschnur ist noch ein bisschen drumrum gewickelt, wir entwirren es und ich nehme das Kind an meine Brust. Geschafft! Unglaublich, aber es ist geschafft! Wir lachen und lächeln, alle sind berührt und begeistert. Das Kind verzieht das Gesicht, öffnet den Mund und atmet – eine leise Stimme, ein leises Schreien beginnt. Die Kinder kommen heran und schauen sich das Kind an und berühren es. Wir sehen nach, ob es ein Mädchen oder ein Junge ist. Ein Mädchen!  Ich bitte um ein Handtuch, um es etwas zuzudecken auf meiner Brust. Mein Mann, die Kinder und ich befühlen die pulsierende Nabelschnur. Ich hocke immer noch vor der Badewanne – wir warten auf die Plazenta. Ungefähr 30 Minuten nach dem Kind kommt sie dann rausgeflutscht. Auch ein Haufen Blut noch. Nachdem wir die Plazenta untersucht haben und festgestellt dass sie vollständig ist, befördern wir sie in einen Eimer und wiegen noch die Vorlagen mit dem Blut, um festzustellen, wie viel Blut ich verloren habe. Danach nabeln wir gemütlich ab und irgend jemand holt mir meine Bettdecke. So wandern wir rüber auf die Couch. Dort verbringe ich mit unserer frisch geborenen Tochter den Rest des Tages. Die Hebammen bleiben noch ein bisschen, unsere Große hat Pfannkuchen gemacht. Dann fahren sie. Abends kommen Sie noch mal bei uns vorbei. Ich grinse für den Rest des Tages.

Es ging mir noch nie so gut nach der Geburt. Keine Geburtsverletzungen, keine Hormongaben, keine Drogen. Ich hatte im Vorfeld meinen Mann gebeten die ersten Tage Kinder und Haushalt zu übernehmen und keine Besuche zuzulassen. Auch den Kindern habe ich klar gemacht niemanden reinzulassen, weder Kinder noch Erwachsene. Sie waren selbst so begeistert und verzaubert, dass es gar nicht erst zu derartigen Herausforderungen kam. Mein Körper und meine Seele sind bei weitem nicht so durcheinander wie sie es sonst nach den Geburten waren.

Ob es sich lohnt, selbstverantwortlich an Schwangerschaft und Geburt heranzugehen, alles kritisch zu hinterfragen, der eigenen Intuition, dem eigenen Körper zu vertrauen? Ob es sich lohnt den (anstrengenderen) eigenen Weg zu suchen, anstatt die ausgetretenen Pfade der derzeitigen Schwangerenvorsorge und Geburtshilfe entlang zu gehen?

Die „großen“ Ereignisse des Lebens wie beispielsweise Einschulung, Schulabschluss, Eintritt in die Arbeitswelt, Studienabschluss, Partner finden/Ehe, Partnerwechsel, berufliche Selbständigkeit, Renteneintritt, Tod eines nahen Angehörigen, schwere Krankheit – ihnen wird in großen Teilen der Gesellschaft viel Gewicht beigemessen. Meiner persönlichen Einschätzung nach wesentlich mehr als einer Geburt. Insbesondere für das Erleben der Mutter gibt es so gut wie keine Beachtung. Der Fokus liegt auf dem Kind. Meistens hinsichtlich der Verantwortung der Eltern, der finanziellen Mehrbelastung, des Zeitaufwands oder der optimalen Förderung.

Die Geburt als eines der großen Ereignisse des Lebens einer Frau zu betrachten UND als den nicht wiederholbaren Start ins Leben für das Kind, wäre meines Erachtens die bessere Sichtweise.

„Mir ist nun bewusst, dass ich mein Leben in der Hand habe“ – Alleingeburt nach Kaiserschnitt

Die Mama im folgenden Bericht machte bei ihrer ersten Geburt alles standardmäßig an Vorsorge und Geburt mit. Das Ende wurde eine eingeleitete Geburt, die im Kaiserschnitt endete. Beim zweiten Kind war ihr klar, dass sie dieses Erlebnis nicht wiederholen wollte …

Als ich schwanger wurde mit meinem zweiten Kind, war bei mir klar, dass ich anders gebären muss als beim ersten Mal. Das erste Mal war schrecklich. Schon die Schwangerschaftskontrollen waren für mich immer mit Angst verbunden und ich habe mich als Person nie gesehen gefühlt. Mir kam es so vor, als würde mein Körper untersucht werden, aber ich selbst nie dazu gefragt. Aber ich habe das alles so mitgemacht, weil ich dachte, dass das so ist. Und vielleicht war ich auch zu bequem, mich weiter zu informieren oder dafür zu sorgen, dass mir wirklich wohl ist. Als der Geburtstermin verstrich, habe ich bis zuletzt vertraut, dass alles gut kommt. Nach 14 Tagen wurde mir gesagt, dass nun eingeleitet werden müsse. Ich habe zugestimmt. Nach einer „erfolgreichen“ Eröffnungsphase, trat dann ein sogenannter Geburtsstillstand ein, und nach ein paar Versuchen mit abwechselnd Wehenstoppern und Wehenmitteln wurde letztendlich ein Kaiserschnitt durchgeführt. Das Wochenbett im Krankenhaus war dann auch nicht gut.
Jedenfalls war mir klar, als ich das zweite Mal schwanger wurde, dass das anders gehen muss. Ich selbst wurde von meiner Mutter ohne Anwesenheit eines Arztes oder Hebamme in einem Warmwasserbassin unter freiem Himmel in Kalifornien geboren. Das schien mir unerreichbar, aber ich bin unendlich dankbar, da ich glaube, dass meine Mutter mir mit dieser Geburt das tiefe Vertrauen und Wissen in den weiblichen Körper mitgegeben hat.
In der Bibliothek habe ich verschiedene Bücher zu Geburt und Schwangerschaft mitgenommen. Zu Hause habe ich in den Büchern geblättert und ich weiss noch genau, wie ich auf dem Bett lag mit dem Buch „Alleingeburt“ von Sarah Schmid und beim Lesen der Geburtsberichte der Frauen weinen musste. Ich habe geweint, weil es mich so unendlich traurig gemacht hat, wie meine erste Geburt abgelaufen ist. Ich habe geweint, weil ich die Alleingeburten so wunderschön fand. Und ich habe geweint, weil ich so sehr auch so eine Geburt haben wollte. Ich wollte auch selbstbestimmt gebären. Ich wollte auch, dass es der schönste Moment, das wunderschönste wird in meinem Leben. Und gleichzeitig hatte ich so sehr Angst, dass es wieder so wird wie letztes Mal.
Mir ist wichtig zu sagen, dass ich in diesem Moment (noch sehr am Anfang der Schwangerschaft) NICHT beschlossen habe alleine zu gebären. Im Gegenteil. Ich habe mir das überhaupt nicht zugetraut. Ich habe mich eher als mega schwach gesehen. Deswegen bin ich zuerst zu verschieden Krankenhäusern, Geburtshäusern, Hebammen für Hausgeburten. Es war ein Marathon. Und nirgends habe ich mich wohl gefühlt. Alle waren immer nett, aber ich habe niemandem mehr vertraut und ich hatte immer das Gefühl, dass mir zu sehr reingeredet wird. Mich hat selbst bei den Hausgeburtshebammen gestört, dass sie mich nicht entscheiden haben lassen, welche Voruntersuchungen gemacht werden. Letztendlich habe ich erst Frieden und Ruhe gefunden (und das war dann erst am Ende der Schwangerschaft), als ich mir eingestanden habe, dass ich zu Hause gebären will und alleine. Dass ich mich nur so sicher fühle, dass ich gut auf meinen Körper hören kann und dass ich mich nicht aus dem Konzept bringen lasse von anderen Menschen.
Wir wohnen 10 Minuten entfernt von einem Krankenhaus und ich war angemeldet in einem mir sympathischeren Krankenhaus weiter weg. Kommuniziert habe ich gegenüber anderen, dass ich zu Hause bleibe solange wie ich mich wohl fühle und dass ich mir zutraue, rechtzeitig zu spüren, wenn etwas nicht stimmt.
Während der Schwangerschaft habe ich ausserdem ALLE Literaturempfehlungen von Sarah Schmid und noch weitere Bücher über das Gebären gelesen. Nicht nur gelesen sondern wirklich durchgearbeitet, mir Notizen gemacht, diese auf Karteikarten geschrieben, mit meinem Mann besprochen, auswendiggelernt. Das war hart aber wichtig für mich. Ich wollte mir wirklich sicher sein, dass mir nicht im letzten Augenblick etwas einfällt, irgendeine mögliche Komplikation, auf die ich keine Antwort weiss und die mir dann Angst macht.
Je mehr ich gelesen habe, desto sicherer wurde ich, dass für mich (für alle Frauen?) es absolut wichtig war, dass ich mir selbst vertraut habe, meinem Körper und meinem Baby, dass eigentlich mir niemand diese Geburt abnehmen konnte und dass es normalerweise auch gar kein Problem ist. Gegen Ende der Schwangerschaft, habe ich dann aufgehört über Komplikationen zu Lesen. Ich hatte die auch wirklich alle durch, da war ich mir total sicher. Und habe mich dann konzentriert auf positive Affirmationen, mit dem Baby reden, es mir gut gehen lassen.

Die Schwangerschaft verlief komplikationslos, alle Test waren super und ich 2 Wochen vor Geburtstermin inzwischen im Frieden mit dem Plan zu Hause zu bleiben, solange wie ich mich wohlfühle. Ich weiss gar nicht, ob ich wirklich geglaubt habe, dass ich dann wirklich alleine zu Hause gebäre. Ich glaube es war eher so, dass ich darauf gehofft habe, aber dass ich immer noch nicht gewagt habe, das wirklich zu wünschen.

Zwei Wochen vor Geburtstermin bin ich um Mitternacht aufgewacht mit ein bisschen Ziehen im Bauch. Ich habe mich gefragt, ob das jetzt Wehen sind, da ich ja durch das Einleiten der ersten Geburt nicht wusste, wie es sich anfühlt, wenn es losgeht. Ich bin ins Bad. Meine Große und mein Mann schliefen weiter. Es war eine heiße Sommernacht, die kürzeste im Jahr, ich habe die Fenster weit aufgemacht und auf der Strasse die lachenden jungen Leute beobachtet, die auf dem Weg in die Nacht oder vielleicht schon auf dem Heimweg waren. Es war eine tolle Stimmung. Und dann ging es ganz schnell. Die Wehen waren voll da. Ich habe mich mit beiden Händen am Waschbecken festgehalten und jede Wehe wie eine Welle über mich kommen lassen. Es war krass, aber gut. Wenn ich gut geatmet habe, richtig mitgemacht habe, mich nicht dagegen gewehrt habe, dann war es gut. Zwischen den Wehen habe ich aus dem Fenster geschaut in die wunderschöne Neumondnacht, meine Haare kühl abgeduscht.
Nach zwei Stunden war Pause. Ich habe meinen Mann geweckt. Eigentlich mehr aus Pflichtbewusstsein. Ich wollte nicht, dass er nachher sauer ist, wenn er alles verpasst!
Er war ganz aufgeregt, ich habe ihm gesagt, dass er das Auto und meine Tasche bereitmachen soll. Dann gingen bei mir die Wehen wieder los. Mein Mann kam immer wieder mal ins Bad und hat gefragt, ob ich etwas brauche. Das war gut, aber ich wollte einfach alleine sein.
Das waren dann auch schon die Presswehen. Nach insgesamt 4 Stunden kam das Köpfchen. Ich habe meinen Mann gerufen und er hat das Baby empfangen. Das Baby war sofort fit, hat geschnauft und war gar nicht blau. Davor hatte ich im Vorfeld Angst.
Wir sind mit unserem kleinen Baby ins Schlafzimmer. In dem Moment ist die Große (2 ½ Jahre alt) aufgewacht und wir haben ihr gesagt „Das Baby ist da!“ Sie hat Augen gemacht!!!
Dann haben wir das erste Mal uns Sorgen gemacht. Die Plazenta ist nämlich nicht grad sofort hinterhergekommen. Mein Mann hat im Krankenhaus angerufen und dort hieß es dann, wenn sie nicht innerhalb so und so lang kommt, dann muss ein Krankenwagen kommen … Also Stress gemacht, dabei war seit der Geburt gerade einmal eine halbe Stunde vergangen. Ursprünglich wollte ich, dass die Nabelschnur dranbleibt, bis das Baby richtig getrunken hat, aber ich hatte dann das Bedürfnis mich frei zu bewegen um nochmal alles zu geben, um die Plazenta zu gebären. Was dann auch geklappt hat. 40 Minuten nach der Geburt, also völlig im Rahmen.

Ich hatte vor der Geburt unseren Kinderarzt gefragt, ob er im Falle, dass alles sehr schnell gehen würde, und ich zu Hause gebären würde, ob er die Erstuntersuchung vom Baby machen könnte. Somit war das auch geregelt und wir konnten uns die anstrengende Reise ins Krankenhaus sparen. Die Kinderarztpraxis ist nämlich ein paar Straßen weiter von unserer Wohnung.

Das Wochenbett zu Hause war schön, aber auch mit allen Hoch und Tiefs. Ich muss zugeben, dass ich immer gedacht habe, dass die erste schlimme Geburt Schuld war an dem schwierigen Wochenbett. Aber jetzt nach dieser perfekten Geburt, war das Wochenbett auch krass. Ich glaube vielleicht sogar gerade weil ich alleine geboren habe und nun die enorme Anspannung gewichen ist und mir vielleicht auch erst im Nachhinein bewusst geworden ist, dass ich wirklich die ganze Verantwortung auf mich genommen habe.

Dieses Erlebnis, meine Ängste zu überwinden und diese innere Stärke in mir zu finden, hat mich zutiefst verändert. Ich bin zwar immer noch ich und habe immer noch Ängste und Selbstzweifel, aber immer wenn ich nicht mehr weiter weiß, erinnere ich mich an die Geburt und vor allem auch an die Zeit davor. Mir ist nun bewusst, dass ich mein Leben in der Hand habe und dass ich die Verantwortung dafür trage, während ich vorher mich einfach habe treiben lassen.

Heilsame Alleingeburt beim zweiten Kind

Die Mama im folgenden Bericht bekommt ihr zweites Kind. Bei der Geburt des ersten musste sie sich vom Krankenhaushauspersonal beschimpfen und bedrohen lassen, weil sie eigene Wünsche hatte. Das soll diesmal nicht passieren. 

Meine heilsame, kraftvolle und wunderschöne Alleingeburt am 06.02.19

Heute bin ich bei ET + 10. Es ist eine Hausgeburt geplant. Ob wir die Hebamme anrufen wollen, ist noch nicht sicher. Je nachdem was mir mein Gefühl während der Geburt sagen wird. Aber es ist geplant, dass wir eine Alleingeburt wollen. Insgeheim wünsche ich mir sehnlichst eine Alleingeburt und bitte Gott immer wieder darum, mir es zu ermöglichen. Andererseits habe ich Angst, vielleicht durch die traumatische Krankenhausgeburt, wo mir mit Polizei und Jugendamt gedroht wurde. Diesmal soll es anders, heilsam und ohne psychische Gewalt sein.

Morgens um 07.00 Uhr stehe ich auf und bin noch sehr angeschlagen und müde. Die Strapazen der letzten Tage, weil ich über Termin bin, haben Spuren hinterlassen. Ich habe keine Lust mehr. Die Hebamme hat mir wegen der Terminüberschreitung sehr viel Energie geraubt und ich fühlte mich von ihr unter Druck gesetzt.

Um 07.20 Uhr verlasse ich das Haus. Ich bin sehr geladen und will nur noch weinen, aber da ich unterwegs bin, unterdrücke ich es. Ich bitte Allah darum, dass meine Tochter heute auf die Welt kommen soll – und diesmal soll ich erhört werden. In der Stadt bummel ich und versuche mich abzulenken. Ich kaufe mir Datteln vom Markt, sollen ja gut sein für die Entbindung.

Es ist 08.30 Uhr. Ich habe periodenartige Unterleibsschmerzen. Ich messe dem keine Bedeutung bei, da ich das schon letzte Woche hatte, aber dass sich das heute in die Länge ziehen wird oder ich sogar heute entbinden werde, ahne ich noch nicht. Mein Mann ruft mich an und bittet mich nach Hause zu kommen, da meine Kleine sich irgendwie nicht beruhigt. Komisch, denke ich mir, sonst ist sie auch mal den ganzen Tag ohne mich. Anscheinend spürte sie es, dass ihre Schwester heute kommt.

Bis 10.00 Uhr bleibe ich noch in der Stadt und erledige ein paar Dinge. Irgendwann habe ich dann keine Kraft und Lust mehr und fahre nach Hause. Um 10.30 Uhr bin ich da, lege mich hin und stille meine Tochter. Meinem Mann erzähle ich von den Unterleibschmerzen, die ich jetzt schon seit zwei Stunden habe. Die Unterleibschmerzen sind nicht mehr andauernd, sondern kommen und gehen. Es ist unangenehm. Mein Mann gibt die Abstände in der App ein. Sie kommen ca. alle 5 Minuten und halten 30 bis 45 Sekunden an. Sie sind aber noch relativ unregelmäßig.

Um 11.00 Uhr lässt mein Mann die Badewanne ein und ich steige rein. Im Wasser werden die Wellen erträglicher und schwächer. Ich bin mir unsicher, ob es jetzt bald losgeht. Wir entscheiden uns, die Hebamme nicht anzurufen. Mein Mann lässt auf meine Bitte den Pool ein, denn ich befürchte, dass, wenn es losgeht, ich es nicht mehr rechtzeitig in den Pool schaffe. In der Wanne werden die Wellen dann doch heftiger. Eine Welle reißt mich sogar auf den Badewannenboden. Man, wie kraftvoll das war und ich habe den Drang, auf Toilette zu gehen und mein Darm zu entleeren, obwohl ich überhaupt keine Lust habe.

Um 12.00 Uhr steige ich in den Pool und es wird immer heftiger. Mein Mann ist mit der Kleinen beschäftigt, putzt und räumt auf. Er ahnt in keinster Weise, dass es jetzt losgeht und schätzt es auf abends. Ich bin die ganze Zeit im Vierfüßlerstand und vertöne die Wellen mit: „Ya Allah, ya Rab“. Ich habe irgendwann keine Kraft mehr und bin nur noch müde und will schlafen. (Dabei ahne ich nicht, dass ich schon in der Übergangsphase bin.) Ich bitte Gott darum, dass ich bitte nur schlafen will oder dass meine Kleine kommen soll. Es kommt eine heftige Welle und ich bitte um eine kurze Pause, die ich dann auch bekomme. Ich spreche abwechselnd Bittgebete auf Arabisch und Deutsch. Ich spüre Druck. Mein Mann kommt in dem Moment rein und ich sage ihm das. Dann spüre ich Pressdrang und frage und wundere mich, dass die Fruchtblase immer noch nicht geplatzt ist.

Mein Mann fragt mich nochmal, ob wir die Hebamme rufen sollen und ich daraufhin: „Nein.“ „Ok Schatz, wir machen das so wie Du das möchtest und für richtig hälst.“ Er vertraut meiner Urkraft und zweifelt keine Sekunde an mir. Spricht mir Mut zu und sagt immer wieder, dass ich das schaffen werde. Es tut gut, diese Worte zu hören. Sie geben mir Kraft. An dieser Stelle danke ich ihm sehr für sein Dasein und Zuspruch.

Während dem Pressen brülle ich wie eine Löwin. Wow, ich hätte niemals gedacht, dass ich so brüllen kann. Ich springe kurz auf und halte seine Hand fest. Der Kopf ist geboren mit der Fruchtblase. Dann platzt sie auch. Ich gehe wieder in die Knie und mit der nächsten Welle ist der Körper geboren. Puh. Es ist 13.30 Uhr. Mein Mann ruft die Hebamme an und ich bin froh, dass sie kommt und sich um uns kümmert. Wir sind überwältigt. Meinem Mann wurde schwarz vor Augen, als der Kopf geboren war und er war kurz vorm Umkippen. Aber er reißt sich zusammen, erzählte er mir im Nachhinein. Ich nehme meine Kleine hoch. Ich habe Unterleibschmerzen und Rückenschmerzen – kannte ich von meiner ersten Geburt noch – und als ich damals auf Aufforderung der Hebamme drückte, kam dann nämlich die Plazenta raus. Ich drücke, weil ich denke, dass die Plazenta raus will aber vergebens. Nachdem meine Tochter endlich die Brust nimmt, klappt es nach ein paar mal Drücken, aber ein kleines Stück bleibt in der Scheide stecken und ich ziehe es vorsichtig raus. Die Plazenta ist um 14.00 Uhr geboren. Wow, was für eine heilsame, kraftvolle und wunderschöne Geburt! So geht Geburt, ohne Drohung, unnötige Interventionsversuche und gewaltfrei, denke ich mir.

Um 15.00 Uhr ist die Hebi da und macht mir Vorwürfe wegen der Alleingeburt. Ich unterbreche sie und bitte sie darum, ihre negativen Äußerungen sein zu lassen, da ich sie nicht um Ratschlag gefragt habe. Sie gibt nach und guckt, ob ich verletzt bin. Leichter, oberflächlicher Scheidenriss, mit einem Stich ist es getan. Sie erledigt noch Papierkram. Uns geht es soweit gut, außer die fiesen Nachwehen in den ersten paar Tage.

Glaubt an euch, vertraut eurer Intuition und eurer Urkraft! Seit Jahrtausenden gebären wir schon. Es ist in unserer DNA gespeichert, wie Gebären geht. Dein Körper hat neun Monate lang Dein Kind versorgt, wieso sollte er also nicht wissen, wie es den Weg ins Leben findet ? Danke fürs Lesen.

Nachts allein im dunklen Klo – Alleingeburt beim ersten Kind

Die Mutter im folgenden Bericht bekommt ihr erstes Kind – in Eigenregie. Und damit es klappt, zieht sie sich nachts ins dunkle Bad zurück und bekommt mucksmäuschenstill ihr Baby – um Oma und Opa nicht zu erschrecken, mit denen sie und ihr Mann unter einem Dach wohnen. 

Der offizielle Plan für die Geburt meines Sohnes war, ins Geburtshaus zu gehen – vor allem zur Beruhigung der Verwandtschaft. Der inoffizielle (nur für mich) war, ihn zu Hause zu bekommen. Da er mein erstes Kind ist und ich auf alle möglichen spontanen Entscheidungen vorbereitet sein wollte, war sowohl die Geburtshaustasche gepackt, als auch im Wohnzimmer alles nötige für eine Hausgeburt bereit gelegt.
Wir wohnen mit den Großeltern (die am meisten Angst von allen vor der Geburt hatten) in einem Haus. Deswegen war klar, falls ich es zu Hause mache, muss ich mucksmäuschenstill sein (und ich hatte keine Ahnung, ob ich das schaffe), sonst hetzen sie mir den Rettungswagen auf den Hals.
Am Ende ist es doch für mich perfekt aber anders als geplant gelaufen.

Die Geburt

Am 02.11.2018 (Freitag) bin ich bei 40+6, ich muss zum Kontroll-US und sehe auch kurz meine Hebamme. Davor gehe ich wie fast immer mit meinem Hund eine gute Stunde im Wald  spazieren. Und wie so oft bekomme ich dadurch häufig einen harten Bauch, sogar Senkwehen sind dabei. Und wie so oft die letzen Tage frage ich mich, ob das die Zeichen sind? Ob es bald losgeht, ob ich zuviel in mich hineinlausche und mir am Ende nur durch den Wunsch endlich mein Baby zu haben, Geburtsanzeichen einbilde? Was ich mir nicht einbilde ist, dass sich mein Muttermund und das Gewebe drum herum schon  sehr weich – fast flüssig anfühlen. Mein Körper ist bereit, aber das kann alles oder nichts bedeuten.

Auf dem Ultraschall ist nichts besonderes zu erkennen, der Kopf meines Babys liegt schon schön tief im Becken, die Füße befinden sich direkt unter den Rippen. Fruchtwassermenge ist gut, Plazenta sieht für ihr Alter normal aus. Die Frauenärztin denkt nicht, dass da heute und die nächsten Tage was passiert. Ich mache einen neuen Kontroll-Termin für Montag aus. Der Rest des Tages verläuft unspektakulär. Ich habe wieder keinen Hunger und mir ist leicht schlecht. Der Druck auf den Magen durch den Riesenbauch sorgt seit ungefähr einer guten Woche für Übelkeit. Heute muss ich auch mal wieder brechen, ich bin müde, obwohl ich letzte Nacht ausnahmsweise einigermaßen geschlafen habe (ich war oft schlaflos die letzen 2 Wochen). Deswegen gehe ich schon gegen 21 Uhr – aufgrund der Übelkeit ziemlich nüchtern – ins Bett. Eigentlich will ich noch lesen, bin aber so schläfrig, dass ich um 21:30 Uhr das Licht ausmache. Mein Mann ist im Wohnzimmer geblieben und zockt auf seiner Konsole. Ich fühle noch zu meinem Baby hin, das sich ruhig verhält, was ungewöhnlich für diese Zeit ist. Mir fällt noch ein, dass er (Baby) den ganzen Abend ruhig war, obwohl er normalerweise ab 19 Uhr ausgiebig in meinem Bauch turnt. Ist wohl auch müde heute, wir schlafen ein.

2 Stunden später, 23:30 Uhr, wache ich auf und muss aufs Klo. Ich schaue auch nach meinem Mann … der wie so oft, vor dem Fernseher pennt, Jurassic Park ist gerade zu Ende. Ich bin sauer, weil es mich nach wie vor stört, dass ich so oft alleine ins Bett gehen muss und mein Mann es nicht gebacken bekommt, einfach rechtzeitig ins Bett zu gehen. Es gibt mir das Gefühl, dass es ihm egal ist, wo er schläft (ich hätte ihn gern bei mir, er mich anscheinend nicht). Wütend lass ich ihn dort sitzen und stapfe wieder ins Bett.

Um 00:10 weckt mich mein Hündin, die aus irgendeinem Grund unruhig ist und rumjammert. Ich bin immer noch so gereizt, dass ich aus dem Bett hochfahre und mich zum Aus-dem-Bettsteigen nach links drehe. Dabei reißt meine Fruchtblase rechts unten. Jedenfalls fühlt es sich so an. Leicht perplex gehe ich auf Toilette, nachprüfen, ob ich Recht habe. Ich verliere wirklich ein paar Tropfen Fruchtwasser.

Ich bin nach wie vor in wenig begeisterter Laune und denke bloß: Das heißt ja noch lange nicht, dass deswegen irgendwas bald passiert. Trotzdem schnappe ich mir vorsichtshalber den Hund und geh mit ihm in Nachthemd und Gummilatschen raus auf die Straße. Die blöde Kuh (Hund) interessiert sich mehr für Katzen als fürs Pinkeln, also wieder rein. Hund ins Hundebett im Schlafzimmer gestopft und dann übellaunig beschlossen, meinen Mann doch ins Bett zu schaffen. Falls hier und heute doch noch irgendwas losgeht, nützt er mir ausgeschlafen im Bett mehr als müde auf dem Sofa. Ich bin sogar so zickig, dass ich mich über sein Abendessen – Linsensuppe mit Bockwurst – aufrege, weil die ganze Bude nach Wurst  riecht und ich das hasse. Hab den Kerl wenig freundlich geweckt, den Fernseher ausgemacht, das Fenster gekippt und wir sind beide ins Bett gegangen (ca. 00:30). Vorsichtshalber ziehe ich noch ein Netzhöschen mit Surfbrett (Inkontinenz-Einlage) an, ich will die Matratze nicht mit Fruchtwasser einsauen. Ich döse wieder ein.

00:50 Uhr wache ich wieder auf – von einer Wehe. Ich bin irgendwie erstaunt und irritiert, denke kurz drüber nach, dass – falls heute die Geburt losgehen sollte – ich darauf überhaupt keinen Bock habe, weil ich viel zu schlecht gelaunt bin. Gleichzeitig bekomme ich einen kurzen Anfall von starker Aufregung, schon fast Angst, der aber gleich wieder geht. Innerlich zucke ich mit den Schultern und beschließe weiter zu schlafen. 10 Minuten später wache ich wieder auf – Wehe. Und 10 Minuten später wieder – Wehe. Beim nächsten Mal sind es nur noch 5 Minuten, dann 4, dann wieder 5.

Rückblickend hab ich keine Ahnung, warum ich mir nichts dabei gedacht habe, ich kann nur sagen, ich hab nicht wirklich gedacht und gleichzeitig war ich trotzdem voll da.

Irgendwie geht hier ja jetzt doch was los, deswegen will ich aufs Klo: Pinkeln, vielleicht kacken und eventuell kann ich irgendwie Fruchtwasser ablassen. An der Schlafzimmertür drehe ich nochmal um. Lieber gleich noch das Intim-Piercing rausfummeln. Vielleicht wird es später zu mühsam. Dann gehe ich gegen 1:30 Uhr aufs Klo und werde, was ich da noch nicht weiß, nicht zurück kommen.

Auf der Toilette geht´s richtig los, nur dass ich außer pinkeln ziemlich viele Wehen in ziemlich kurzen Abständen habe. Ich muss mich arg konzentrieren, um mit diesen sehr fiesen, periodenartigen Schmerzen umzugehen. Ich finde es wirklich absurd und sehr sinnlos, dass das so weh tun muss. Ich denke kurz darüber nach, dass ich bald ins Geburtshaus fahren müsste und es kommt mir unmöglich vor. Der Weg ins Schlafzimmer, meinen Mann wecken, den Hund zu Oma und Opa schaffen, die Treppen zum Haus raus, ins Auto steigen, Auto fahren, im Geburtshaus die Treppen rauf laufen … Ich bleib da.

Kaum ist der Entschluss gefallen, hole ich mir einen leeren Putzeimer zum Kotzen aus der Kammer nebenan, kippe das Fenster über dem Klo einen Spalt, damit ich frische Luft bekomme und mache das Licht aus, weil ich weiß, dass der Körper Geburtshormone im Dunkeln besser produzieren kann. Es ist fast stockfinster, weil außer zum kleinen Fenster über der Toilette und der Glastür zwischen Hausflur und Klo-Vorraum kein Licht rein kommt.

Dann geht es richtig los. Ich verliere völlig das Zeitgefühl, weil ich mich komplett auf die Wehen konzentrieren muss. Anfangs sitze ich noch einige Zeit wehend auf dem Klo, aber nachdem mein Schleimpfropf dort abgeht (ich dachte eigentlich, ich hätte ihn schon vor 2 Wochen verloren – war nicht so, nachdem ich ihn in echt gesehen hab), halte ich es nicht mehr auf der Schüssel aus und knie mich auf den Fußabstreifer davor. An der Schüssel kann man sich prima festhalten, dazwischen muss ich kotzen bis nur noch Galle kommt. Dabei platzt mir dann auch richtig meine Fruchtblase. Die Inkontinenz-Einlage fängt das meiste zum Glück auf, so dass ich nicht in einer schleimigen Pfütze sitze. Dann ziehe ich sie aber samt Netzhöschen aus und schmeiße sie in meinen Kotz-Putzeimer. Die Abstände zwischen den Wehen sind so kurz, dass ich nur noch zwischen alter und neuer Wehe unterscheiden kann, keine Zeit sich wirklich Auszuruhen, keine Zeit über irgendetwas nachzudenken.

Ich merke, dass mit den ganzen Wehen Stuhlgang mit runter kommt! Es ist meine persönliche Horrorvorstellung, mir unkontrolliert auf und zwischen die Beine zu kacken und am Ende mein Baby in einen Scheißhaufen zu gebären. Also lege ich mir im Halbbewusstsein Klopapier in die Hand und kacke in meiner Not tatsächlich dort hinein. Lässt sich prima ins Klo werfen und runter spülen und mehr kommt zum Glück auch nicht.

Ich bin so randvoll mit Adrenalin, dass es meinen gesamten Körper immer wieder
durchschüttelt. Ich nehme es zur Kenntnis, kümmert mich aber nicht weiter – ich hab sowas wie ein kleines, analytisches Männchen in meinem Kopf sitzen, das die ganze Zeit kommentiert, was gerade passiert. Es ist, als würde ich den Geburtsvorgang mit einer Checkliste abarbeiten und kontrollieren, ob alles in der richtigen Reihenfolge abläuft. Und weil es das tut, weiß ich von Wehe zu Wehe, ich kann weiter machen, es geht den richtigen Gang. Ab und zu fühle ich kurz zu meinem Kind hin. Es ist ganz ruhig aber wach.

Wâhrend der ganzen Wehen-Arbeit bin ich nur zu drei Gelegenheiten bei wirklich klarem
Verstand. Einmal trinke ich ein paar Schluck Wasser, einmal sperre ich die Milchglastür zu,
damit mich nicht doch jemand uneingeladen überrascht und einmal hole ich mir eine Packung Küchenrolle aus der Putzkammer, um die Geburtssoße gleich größtmöglich auffangen zu können. Dazwischen hab ich immer wieder mal kurz ein paar vernünftige Gedanken, die aber gleich wieder verschwinden: Ob der Hund ruhig bleibt oder ob sie in ihrem Hundebett liegt und
jammert … warum ich mein Kind auf der Toilette bekomme … dass Geburt sich ähnlich anfühlt, wie wenn man viel zu viel gesoffen hat und nun kotzend mit Kreislaufproblemen über dem Klo hängt und weiß, dass man da jetzt einfach durch muss, bis es wieder besser wird … ich wüsste gern, wie spät es ist …
Die Wehen werden immer intensiver (späte Eröffnungsphase) und es fällt mir immer schwerer, damit vernünftig umzugehen. Ich bewege meinen Oberkörper vor und zurück, strecke und krümme mich, halte mich abwechselnd am Klo und am Türrahmen fest … mein Kind ist zu meinem Verdruss immer noch oben im Bauch und ich frage mich langsam, ob ich das noch lange aushalte.
Ich werde kurz unterbrochen: Ich höre ein paar Schritte und jemand murmelt etwas. Ich
verharre ganz still und lausche. Nach ein paar Momenten höre ich nichts mehr, da gehen die
Wehen auch schon weiter (später stellte sich heraus, dass der Opa die Katze rausgelassen hat – der Abstand zwischen Milchglas- und Haustür beträgt höchstens zwei Meter, er hat mich nicht bemerkt).

Ich hab jetzt keine Lust mehr, ich bin müde wie nie und will mich nur noch ausruhen und
schlafen. Kurz wünsche ich, mir würde jemand den Rücken streicheln und mir sagen, dass ich das gut mache. Sofort kommt die barsche Antwort aus mir: Quatsch, ich weiß ja wohl selber, dass ich das hier gut mache! Dann stelle ich mir vor, wie jemand vor mir sitzt, meine Hände hält und mich mitfühlend-sorgend ansieht. In dem Moment weiß ich ganz klar, dass ich niemanden hätte dabei haben wollen und dass mir niemand auch nur irgendwie hätte helfen oder was abnehmen können. Also bin ich froh, allein zu sein, weiter geht´s.

Dann wird es so wild, dass ich hier und jetzt Schluss machen will … erst morgen den 2. Teil
der Geburt fertig machen … Moment! 2. Teil? Das heißt, ich müsste mich jetzt in der
Übergangsphase befinden! Ich taste nach dem Muttermund und finde tatsächlich einen
glibberigen, ringförmigen Bereich mit einer Öffnung und da ist was Hartes zu tasten. Der Kopf vom Kind! Oh FUCK!!! Ist der noch weit oben!
Habe ich zu Beginn der Geburt noch freundlich mit meinem Muttermund geredet, dass es okay ist, aufzumachen, dass keine Gefahr droht und er Tür und Tor öffnen kann … Jetzt brülle ich ihn innerlich an: Mach endlich auf, du dummes A……..!!!
Dann gerate ich endgültig in eine Art Trance und bin nicht mehr so wirklich bei mir selbst –
eher drum herum. Einmal versuche ich mich tatsächlich hinzulegen, weil ich mich so gerne
ausruhen möchte – mit Wehen unmöglich, also liege ich zwischenzeitlich mit dem Oberkörper auf dem Klo. Einmal mache ich sogar ein Geräusch, „Aaaah“ oder so, was ich höre und sofort wieder leise bin (das war das einzige Geräusch während der gesamten Geburt, sonst hab ich nur geschnauft, geschwitz und geatmet, damit mich bloß keiner hört und mich findet).
Weil die Wehen so übermächtig sind, versuche ich sie irgendwie mit dem Oberkörper wegzuzappeln. Beim Festhalten stört mich mein Fingerring, also ziehe ich ihn ab und lege ihn ordentlich zu Seite. Meine Knie tun unangenehm weh, weil ich die ganze Zeit auf dem Fußabstreifer sitze. Deswegen schnappe ich mir das einzige Handtuch, was wir für Hände und Morgentoilette im Klo-Bad haben und lege es unter mich. Viel besser.

Eine kurze Pause, ich taste nach. Oh FUCK, der Kopf ist immer noch so weit oben, aber die Öffnung wird größer. Müssten jetzt nicht eigentlich bald die Presswehen kommen? Und dann beginnen zu meiner großen Erleichterung die Presswehen! Ich bin heilfroh, weil ich weiß, dass ein Ende langsam in Sicht kommt. Gleichzeitig bin ich
schockiert, was für eine Urgewalt eine Presswehe ist! Dabei sind die ersten Presswehen noch nicht einmal so stark. Ich vermute, dass der Muttermund noch nicht vollständig eröffnet ist. Das gibt mir genug Zeit, ein paar Presswehen lang herauszufinden, ob es besser ist, mit zu schieben oder sie einfach von selbst passieren zu lassen. Mitschieben ist besser, wenn auch beängstigend, weil ich nicht einschätzen kann, wie schnell und heftig der Geburtskanal gedehnt wird (ich will keine Geburtsverletzungen haben). Dann denk ich mir: Scheiß drauf. Ich will mein Kind haben, ich will nicht länger als nötig hier rum tun. Schluss mit der Korinthenkackerei, jetzt wird geklotzt und nicht gekleckert.
Ich schiebe mit. Gefühlvoll aber mit aller Kraft, jede Presswehe, und es fühlt sich sooo richtig an! Innendrin spüre ich zu meiner Erleichterung nur ein leichtes Brennen und – wow – wie sich der Kindskopf nach unten bewegt! Als ich nachtaste, ist er schon in der Hälfte des Vaginalganges, es geht also richtig vorwärts und motiviert mich ungemein!
Dann erreicht der Kindskopf den Ausgang und beult meinen gesamten Beckenboden aus. Ich habe keine Gelegenheit drüber nachzudenken, ob jetzt gleich alles kaputt gehen wird, weil in diesem Moment in der Küche die auf 5 Uhr programmierte Kaffeemaschine anfängt, lautstark Kaffee zu mahlen. Ein paar kurze Gedanken schießen mir durch den Kopf: Waaaas? Schon so
spät? Ich hätte die Uhrzeit auf 3 bis halb 4 Uhr geschätzt; oh nein, nur noch eine Stunde Zeit, bis die Großeltern munter werden; Hoffentlich wacht und steht mein Mann jetzt bald auf und findet mich, dann könnte er sogar noch was von der Geburt mitkriegen …

Die nächste Presswehe kommt, ich entscheide mich für alles und lasse „nichts“ hinter mir, ist mir egal, ob alles kaputt geht, ich gebäre jetzt mein Kind! Und so schiebe ich bei dieser sowieso schon mehr als gewaltigen Presswehe so stark ich kann mit und der Kopf meines Kindes ist geboren. Ich bin überwältigt und fasse hin. Das Gesicht zeigt nach rechts, alles ein bisschen schleimig, aber Augen und Nase/Mund sind soweit frei. Mein Kind fängt noch in mir an zu atmen. Es macht Glucksgeräusche und deutlich regelmäßige Schniefer, was mich ungemein
erleichtert und freut! Ich lasse die Hand am Kopf und rede leise mit meinem Baby. Wir warten kurz, ich fühle wie das Kind in meinem Körper zappelt und sich dreht … dann kommt die nächste Presswehe und in einem feuchten Schwall gebäre ich den Körper in meine Arme.
Für einen Moment muss ich das Baby ablegen, umgreifen, hochnehmen und presse es dann mit beiden Armen an meinen Bauch. Ich bin unendlich froh, dass mein Baby da ist, dass diese Wahnsinnsgeburt jetzt geschafft ist. Ich rede weiter beruhigend auf mein quäkendes Kind ein, streichel seinen Kopf und kontrolliere nochmal seine sehr regelmäßige Atmung. Ich will sein Gesicht sehen und da erst stelle ich fest, dass ich ja immer noch im Dunkeln sitze und fast gar nichts sehen kann. Also Licht an und ja, es ist ein richtiges Baby! Genauer gesagt ist es mein Baby und es macht für mich komischerweise gefühlt keinen Unterschied, dass er jetzt „draußen“ ist. Es ist dasselbe Kind, davor war es in mir drin und jetzt ist es an mir dran und es ist meins.
Ich will aufstehen und zu meinem Mann ins Schlafzimmer, ihm sein Kind zeigen! Und dann schüttelt es mich dermaßen, dass ich nur noch mein Kind an mich drücken kann und ich wieder in die Knie gehe. Ich weiß nicht, wie viele Minuten lang ich so zitterte, aber ich bekomme Angst um mein Baby, weil es im kalten Bad schnell an Hauttemperatur verliert. Das erste Mal wünsche ich mir, es wäre jemand da um mir zu helfen.
Dann beruhigt sich mein Körper gut genug vom Schüttelfrost, so dass ich hochkomme und die 7 Meter ins Schlafzimmer laufen kann. Tür auf, Licht an: „Kannst du mir bitte mal helfen? Ich habe gerade unser Kind geboren.“ Mein Bester glotzt mich ungläubig und fassungslos an und denkt wahrscheinlich einen Moment lang, ich will ihn verarschen. Dann steht er senkrecht im Bett, springt raus, wickelt mich und Baby in alle zur Verfügung stehenden Decken und wir gehen rüber ins Wohnzimmer auf die Couch. (Später wird er erzählen, es war sowas wie sein persönlicher, nachträglicher Halloween-Moment: Aus dem Dunkeln plötzlich zu voller Zimmerbeleuchtung wird er geweckt und da steht seine Frau blutverschmiert, kreidebleich und zitternd mit einem Neugeborenen im Arm.)

Im Wohnzimmer bitte ich ihn, eine große Schüssel zu holen, weil ich die Nachwehen spüre und die Plazenta wohl gleich kommen wird. Er holt sie, ich drücke ihm das an der Nabelschnur hängende Baby in die Hände, stelle ein Bein aufs Sofa, halte die Schüssel zwischen meine Beine, drücke kurz mit und platsch, flutscht die gesamte Nachgeburt raus.

Ich will das Kind von dem glibberigen See getrennt haben, der jetzt auf dem Wohnzimmertisch steht. Also kontrolliere ich die Nabelschnur mit den Fingern: kalt, weiß, kein Puls – kann ab. Ich wackel in die Küche und dort muss ich mich erstmal kurz zwischen die Küchenschränke auf den Boden legen, weil mein Kreislauf schlapp macht. Dabei kucke ich auf die Herduhr: 05:26 Uhr (lustig, wie solche Zahlen im Kopf hängen bleiben). Meinem Mann rufe ich zu, dass alles in Ordnung ist, ich steh gleich wieder auf. Geht tatsächlich auch gleich wieder, ich nehme meine superscharfe Küchenschere mit und schnippschnapp Nabelschnur plazentanah ab. Anschließend nehme ich mein Baby wieder zu mir und lege mich in Decken gewickelt mit ihm aufs Sofa. Ab da bin ich nur noch entspannt und glücklich, ich fühle mich wie eine Siegerin!
Mein wunderbarer Mann ruft die Hebamme an und erklärt ihr die Situation, dass wir nicht mehr ins Geburtshaus fahren und dass das Baby bereits geboren ist. Und so macht sich die Hebamme zusammen mit ihrer Zweithebamme auf dem Weg zu uns, um wenigstens eine Nachsorge zu machen. Ich bin heilfroh, als sie 45 Minuten später bei uns eintreffen und sich alle um alles und um mich kümmern.
Meine Plazenta war sehr groß, deswegen war der Blutverlust durch die Lösungsblutung bei der Geburt mit geschätzten 500ml recht hoch. Bis auf Kreislaufprobleme beim Aufstehen und Rumlaufen an diesem Tag hatte ich aber keine weiteren Probleme. Die Gebärmutter hatte sich anschließend gut zusammengezogen und die Blutung auch sofort gestoppt.

Ich habe mir minimale Geburtsverletzungen zugezogen, die mit jeweils einem Stich an 4
unterschiedlichen Stellen repariert wurden. Einmal im Vaginalgang ein kleiner Riss zur
Dammseite hin (hätte man nicht unbedingt machen müssen, aber ein Gefäß hat an der Stelle noch geblutet) und die anderen drei kleinen Risse im Vaginalgang zu den Schamlippen hin wurden mit jeweils einem Stich wieder zugenäht. Der Damm sowie der Rest sind heil geblieben.

Baby-Sohn, geboren am 03.11.2018
Vermutlicher Geburtszeitpunkt: 05:05 Uhr
Geburtsdauer: 4 1/2 h (1. Wehe bis zur Plazenta), ohne Plazenta: 4h 10 Min
Baby-Sohn: 54cm lang, 36,5cm Kopfumfang, 4100g schwer
Nur eine leichte Blaufärbung des Schädels durch Venenstauung während der Geburt, ansonsten knitter- und faltenfrei, minimale Reste Käseschmiere am Rücken und in den Körperfalten
U1 wurde nicht gemacht

Aviels Geburt – Eine Alleingeburt beim dritten Kind

Die Mama im folgenden Bericht bekommt ihr drittes Kind. Sie ist alleinerziehend, aber mit der virtuellen und realen Unterstützung anderer Frauen bekommt sie ihr Baby wie gewünscht selbstbestimmt und in Eigenregie.

2010 habe ich meine erste Tochter bekommen. Im Krankenhaus ging es der Hebamme, die bis zum Schluss bei mir bleiben musste, nicht schnell genug, also wurde begonnen, zu intervenieren. Ich lag 12 Stunden in den Wehen und fühlte mich im Krankenhaus hilflos und ausgeliefert. Das Ende vom Lied war, dass ich einen ungewollten Kaiserschnitt in Vollnarkose erleben musste. Obwohl es Mutter und Kind gut ging. Das war einfach furchtbar für mich, ich hatte körperlich und psychisch sehr lange damit zu kämpfen. Das Kind war schon eine Stunde alt, als ich wach wurde. Und ich wusste, dass dieser große Eingriff in die Geburt unnötig gewesen war. Das hat mir aber niemand geglaubt bzw. war keiner meiner Meinung.

2014 erwartete ich mein zweites Kind, meinen ersten Sohn. Ich wollte es diesmal natürlich anders haben. Ich wünschte mir eine Hausgeburt. Es fand sich aber keine Hebamme, die mich darin begleiten wollte, wegen „Zustand nach Kaiserschnitt“. Ich fand niemanden, der in mich und meinen Körper vertraute – außer ich selbst. Ich hab das gar nicht verstanden. Schließlich fand ich eine Hebamme, die auch keine Hausgeburt mit mir planen wollte, aber mit der ich mich verabredete, dass wenn ich sie sehr spät rufen würde und quasi nicht mehr in der Lage wäre, in die Klinik zu kommen, müsse sie ja dann zu mir heim kommen. So machte ich es. Ich eröffnete zuhause alleine, hatte schon leichten Druck nach unten und rief sie dann an. Gegen unsere Absprache sagte sie, sie würde nicht kommen, ich sollte zu ihr in die Klinik kommen. Da musste ich mich spontan entscheiden, ob ich eine unvorbereitete Alleingeburt mache oder zu ihr in die Klinik fahre. Sobald ich aus dem Haus ging, fühlte ich wieder deutlich, dass das nicht richtig ist und in der Klinik hatte ich wieder einen so genannten Geburtsstillstand. Und war schlussendlich 12 Stunden eröffnet im Kreissaal und es ging nicht weiter. Zuhause hatte ich mich mit Rizinusöl selbst eingeleitet in Absprache mit der Hebamme, weil ich die Einleitung im Krankenhaus so umgehen wollte. Ich vertraute meinem Urteil noch nicht richtig und ließ mich bequatschen, 10 Tage über Termin, ohne sonstige Komplikationen, was ich im Nachhinein sehr bereute. Ich gebar meinen Sohn spontan, aber es war eine sehr anstrengende Geburt. Ich lag 18 Stunden in den Wehen. Im Krankenhaus die ganze Zeit am Wehentropf. Die Verfügung, die ich fürs Krankenhaus aufstellte, die mir auch gegengezeichnet worden war, wurde schließlich unter der Geburt nicht berücksichtigt. Ich konnte mich gerade so gegen einen Dammschnitt wehren, durfte mich nicht aufrichten, ständiges CTG, ständiges Gefummel an mir, wodurch mir ein tiefer Scheidenriss zugefügt wurde, der sehr lange sehr schmerzhaft war, es wurde direkt abgenabelt. Und es war offensichtlich, dass mein Sohn noch nicht reif war, oder gar übertragen. Auch nach dieser Geburt wusste ich, dass es hätte anders sein können, dass die entstandenen Probleme hausgemacht waren. Und ich fühlte mich nochmal um eine schöne Geburt betrogen, ganz übergriffig behandelt und tot traurig.

Zum dritten Mal schwanger 

Nach zwei traumatischen Krankenhausgeburten möchte ich dieses Mal meiner Intuition vertrauen und danach handeln. Das bedeutet für mich, mich zurückzuziehen und mein Ding zu machen, wenn die Geburt losgeht. Außerdem möchte ich auch im Vorfeld keine VorSORGEN. Dieses Baby darf selbst entscheiden, wann es geboren werden will.  Also entscheide ich mich nur für den 2. großen Ultraschall. (In der  Frühschwangerschaft hatte ich eine  Blutung und einen kurzen Ultraschall um zu sehen, ob das Kind lebt.)

Ich finde glücklicherweise zu meiner Doula und zu Sarah Schmid und den tollen Frauen, die durch sie eine Plattform bekommen und werde eine von ihnen. Ich lese viel über freie Geburten, über mögliche Komplikationen und Lösungen. Ich bin täglich im Kontakt und kann alle Fragen stellen, die mich beschäftigen. Ich werde also in den neun Monaten dieser Schwangerschaft meine eigene Expertin und bereite mich auch mental auf eine Alleingeburt vor.

Dazu lese ich folgende Bücher: „Alleingeburt“ von Sarah Schmid, „Meisterin der Geburt“ von Jobina Schenk, „Die selbstbestimmte Geburt“ von Ina May Gaskin, „Die geplante Alleingeburt“ von Anita Evensen und „Vom Glück der natürlichen Geburt“ von Nadine Wenger. Außerdem schaue ich mehrfach den Film „Die sicherer Geburt“. Vor allem mit den beiden erstgenannten Büchern und dem Film arbeite ich intensiv. Ich füttere meine unterschiedlichen Intelligenzen, wie Jobina Schenk das vielleicht ausdrücken würde. Ich visualisiere und manifestiere geistig meine Wunschgeburt. Es gibt keinen Plan B! In einem Büchlein trage ich die wichtigen Informationen zusammen. Ich schaue mir online unzählige Geburten an und nehme wahr, wie unterschiedlich es sich für mich anfühlt, ob ich eine selbstbestimmte Geburt sehe oder eine, die nicht frei geschieht.

Auf diesem Weg möchte ich vor allem  Sarah Schmid und diesen wunderbaren  Frauen danken, die ich immer mit meinen Fragen bombardieren kann und Antworten bekomme, die Gold wert sind.  Dankeschön!!! Ohne diesen Kontakt wäre es für mich nicht möglich gewesen, eine schöne, selbstbestimmte Geburt zu erleben.  Und meiner Doula Eileen Schmitt möchte ich gerne danken, die genau so für mich da war, wie ich es brauchte.  Und danke an alle, die selbst denken und Vertrauen haben in den natürlichen Prozess einer Geburt. Ihr habt mich mit euren Geschichten gestärkt.

Die Geburt

Am 3.1.19 abends habe ich leichte Wellen und weiß eigentlich intuitiv, dass es folgende Nacht richtig losgehen wird. Es könnten aber auch einfach Übungswehen sein. Die Geburt habe ich ja schon eine Weile „abgesagt“, weil das Warten mir so unglaublich lange vorkam. Anstatt früh ins Bett zu gehen und mich auszuruhen, muss ich aufbleiben und eine meiner Lieblingsserien anschauen. „Mord mit  Aussicht“, die Folge, in der Bärbel in der  Hütte im Wald unvorbereitet, während eines Einsatzes, ihr Baby bekommt. Naja. Und dann bin ich um 3 Uhr im Bett.

Um 5:30 Uhr werde ich von einer ordentlichen Wehe geweckt. Ich stehe gemütlich auf und lass wirken. Es bleibt ordentlich. Ich lasse mir offen, mich noch mal hinzulegen. Aber jetzt bereite ich lieber alles vor und mach mir einen Geburtstee. Vielleicht kann ich ja dann noch etwas schlafen, denke ich mir. Ich mache mir also einen schönen Geburtstee, heißes Wasser in eine Thermoskanne, Schüsseln bereit und lege Bett und den Teppich davor mit wasserdichten Einlagen aus. Ich lege viele Handtücher bereit und wärme zwei Handtücher auf der Heizung vor. Ich mache mir Musik an. Und suche eine Uhr mit Sekundenangabe, um grob einzuschätzen, wie oft und wie lange die Wehen kommen. Sie sind dann schon ca. eine Minute lang. Irgendwie bin ich aber trotzdem nicht richtig sicher, ob das wirklich schon die Geburt ist, deswegen verschiebe ich noch das Hinstellen der Kamera nach hinten. Was mir im Nachhinein leid tut, weil ich die Geburt doch nicht filme. Ich veratme die Wehen  und sie bleiben ordentlich. Als ich eine Tasse vom wohltuenden Geburtstee im Schneidersitz vor meinem Bett zu mir genommen habe, möchte ich am liebsten noch eine Tasse trinken und ein bisschen meditieren. Ich schließe die Augen und merke, dass ich mir jetzt nicht noch einen Tee machen kann und Meditieren klappt auch nicht mehr. Die Wehen brauchen schon meine ganze Aufmerksamkeit.

Ich beginne, mit der Wehe zu tönen. Vor dem Bett sitzend stütze ich mich intuitiv nach hinten mit den Händen auf dem Bett ab und hebe mein Gesäß. Wenn ich Druck in die Handflächen nach unten gebe und meine Arme anspanne mit der Wehe, nimmt mir das einiges an Wehenschmerz. Ich bin davon überrascht und froh, dass ich etwas gefunden habe, dass mir Erleichterung verschaffen kann. Ich lehne mich nach vorne auf meinen großen Gymnastikball und bewege mein Becken hin und her. Dabei bemerke ich, dass mir die Musik nicht passt, ich bin aber nicht mehr in der Lage, etwas anderes zu finden. Also mache ich sie ganz aus.

Ab da bin ich voll und ganz damit beschäftigt, mir Erleichterung zu verschaffen am Höhepunkt einer Wehe. Ich erinnere mich an ein wunderschönes Bild, auf dem eine wehende Frau im Türrahmen steht. Also versuche ich das auch. Der Druck im Kreuzbein hilft, aber ich stehe nicht gut. Also räume ich kurzerhand den Raum zwischen Schrankecke und Fensterbrett frei, drücke mich von hinten in den Schrank und halte mich am Fensterbrett fest. Schon besser. Hier beginne ich, glaube ich, schon etwas mit zu schieben. Mein elektrisches Massagekissen probiere ich auch aus im Kreuzbein. Aber es hilft nicht, ich brauche deutlich mehr Gegendruck.

Ich möchte aufs Klo. Es tut gut, dort ganz loszulassen. Meine Füße stehen auf einem Höckerchen und hier kann ich auch wunderbar mein Kreuzbein in die Klobrille drücken. Also schiebe ich mit der Wehe von innen nach unten und mit den Füßen nach hinten. Das tut gut und hier bleibe ich eine ganze Weile. Ich habe das Gefühl, ich arbeite mit der Wehe und mache sie mir dadurch leichter. Aber ich bin auch ganz überrascht von der Heftigkeit des Schmerzes. Obwohl ich ja schon zwei Kinder habe. Jedenfalls erfordert diese Arbeit meine ganze Konzentration. Ich starre in mein Bad und ärgere mich darüber, dass ich nicht mehr geschlafen habe, denn ich fühle mich schon sehr erschöpft. Ich will gar nicht daran denken, wie lange das noch so gehen kann. Nein, denken geht jetzt auch gar nicht.

Irgendwann macht es pfff und etwas Flüssigkeit spritzt in die Toilette. Ich weiß, dass das die Fruchtblase ist, obwohl sie bei den anderen Geburten nie platzte. Es ist nicht viel Flüssigkeit. Ich stehe auf. Ich bemerke Blutkoagel, die auf dem Boden liegen. Damit kann ich nichts anfangen. Also frage ich in der Gruppe nach und rufe meine Doula an. Ich möchte wissen, ob das in Ordnung ist oder besorgniserregend. Ich empfinde keine Angst, es ist der Aufpasser in mir, der beruhigt werden will, bzw. wenn nötig, das Notfallprogramm starten kann. Die Damen aus der Gruppe beruhigen mich, meine Doula bitte ich, zu kommen und lege schnell wieder auf, weil ich nicht reden kann.

Ich begebe mich zu meinem Geburtsort vor mein Bett, knie mich hin und lege den Oberkörper auf mein Bett. Jetzt schreie ich, die Wehen sind so heftig. Ich drücke stark mit nach unten, weil es immer noch Erleichterung verschafft. Auf einmal macht es zack, und ich spüre wie das Köpfchen von links in das Becken hinein tritt. Ein Wahnsinnsgefühl. Ich schreie sehr laut und kralle mich am Bett fest, dabei presse ich wirklich stark mit der Wehe und spüre das Köpfchen immer tiefer. Ich weiß einerseits, dass es nun nicht mehr lange dauert, bis mein Baby da ist, aber ich bin immer noch nur damit beschäftigt, mir die Wehen zu erleichtern und presse stark mit. In der Schwangerschaft hatte ich mir vorgestellt, dass ich die Hand am Köpfchen haben werde, die Drehung der Schultern bewusst wahrnehmen werde und eigentlich wollte ich doch in der Hocke gebären. Doch ich kann jetzt nicht schauen, wie das Baby rauskommt, ich kann nur pressen, mich am Bett fest krallen, fluchen und schreien und es von innen spüren. Auf einmal fällt das ganze Baby aus mir raus mit einer Wehe. Da gab es keine Schulterdrehung. Oh was für ein Wunder. Es ist 9:14 Uhr.

Nun liegt es da auf der Seite und meckert sofort dolle los. Ich streichle seinen Rücken, der voller Käseschmiere ist, und mache mit der anderen Hand ein Foto, als ein Teil in mir wahrnimmt, dass ja da ein Schwänzchen am Baby ist. Ich war nämlich sicher, dass ich ein Mädchen bekommen würde. Ich rufe die Doula an und sage, dass Sie, ähm, dass Er da ist. Zwischen dem ersten Telefonat und jetzt sind 10 Minuten vergangen. Von der ersten Wehe, von der ich wach wurde, bis zur Geburt meines Sohnes sind 3 Stunden und 45 Minuten vergangen. Aber von meinem Empfinden her hat es sich kürzer angefühlt.

Ich nehme, immer noch kniend, mein Baby in den Arm und herze und küsse ihn, er hört auf zu weinen und schaut mich an. Ich lege mich mit ihm ins Bett und er dockt gleich an. Dieses Bild schicke ich der Gruppe.

Meine Doula ruft an. Ich kann gar nicht rangehen, weil ich große Schmerzen habe. Bis die Plazenta ca. 40 Minuten später kommt, habe ich gefühlt eine andauernde Wehe. Irgendwann richte ich mich auf und schiebe die Plazenta raus. Dann wird es leichter. Ich blute noch immer und sehe auf dem Geburtsplatz ist ziemlich viel Blut. Ich bemerke, dass meine großen Kinder wach geworden sind. Ich möchte die Unterlagen vom Geburtsplatz wegräumen, damit sie sich nicht erschrecken. Leider vergesse ich, davon vorher ein Bild zu machen.

Ich ziehe meinen Bademantel über und gehe ins Kinderzimmer. Ich sage zu meinen Großen: „Es ist ein Junge! “ Meine Tochter fragt: „ Was ist ein Junge?“ Mein Sohn fragt:  „Warum hast du Blut an der Hand?“ Ich: „Weil ich gerade ein Kind gekriegt habe.“ Die Großen: „Was? Wo ist es?“ „In meinem Bett.“ Also gehen sie es begrüßen. Sie sind direkt total verliebt. Ich lasse meine drei Wunder in meinem Bett alleine und gehe duschen. Meine Doula ruft ganz oft an, um zu hören ob es mir gut geht.

Zwischenzeitlich habe ich meinen Bauch mit tiefgefrorener Erbsenpackung gekühlt und kann nach dem Duschen feststellen, dass in der Binde nicht zu viel Blut ist. Das beruhigt die Doula und mich.

Ich fühle mich sehr erschöpft, Kreislauf im Eimer, wohl auch deswegen, weil ich nicht viel geschlafen habe. Und ich vermisse bis heute das Gefühl der Euphorie, welches ich bei der zweiten Geburt deutlich wahr nahm. Vielleicht aber auch durch die Medikamente verursacht. Natürlich freue ich mich über mein Kind, aber ich bin einfach nur kaputt und möchte schlafen. Im Nachhinein habe ich mich öfter gefragt, wo dieses Glücksgefühl bleibt. Es fühlte sich in den Tagen danach auch mehr so an, als sei einfach etwas ganz Natürliches passiert und vielleicht braucht es diese Achterbahn der Gefühle dann gar nicht. Ich weiß es nicht.

Ca. 10 Stunden nach Geburt schneide ich im Beisein meiner großen Kinder die Nabelschnur durch. Dabei muss ich dann ein bisschen weinen. Ich hatte mir offen gelassen, eine Lotusgeburt zu machen, aber die Plazenta nervt mich.

Am Abend kommt meine Freundin Andrea vorbei. Wir messen und wiegen meinen Sohn. Ich habe vorher gar nicht bemerkt, dass er ziemlich groß ist. Er wiegt 4160 Gramm, und hat einen Kopfumfang von 37 cm.

Es ist alles, was wichtig ist, so gekommen, wie ich es bestellt habe. Ich war ganz alleine, und darüber war ich vor allem froh, als ich so lange auf Toilette saß. Und meine großen Kinder haben alles verschlafen. Es war eine unkomplizierte Geburt. Mein Sohn ist deutlich größer und schwerer als die beiden anderen es waren. (Beide waren um die 3,5 Kilo und hatten einen kleineren Kopf). Und ich bin froh, dass ich das nicht vorher wusste. Es ist auch toll, vom Geschlecht dermaßen überrascht zu werden. Ich hatte mir gar keinen Namen für einen Jungen überlegt. Aber auch dieser kam zu uns. Ich hatte noch nie so ein fittes Kind und mir geht es auch sehr gut. Ich habe nur ein paar Schürfwunden. Ich würde alles wieder genauso machen. Alleine konnte ich mich ganz auf meinen Körper einlassen, mich der Geburt hingeben und zur gleichen Zeit aktiv die Wellen reiten. Und so gebar ich meinen 2. Sohn in nicht mal 4 Stunden völlig selbstbestimmt. Ich bin so dankbar und in der Seele heil.

 

 

 

Eine Alleingeburt beim zweiten Kind

Die Mama im folgenden Bericht bekommt ihr zweites Kind – in Eigenregie. Die Hebamme rufen sie so, dass sie gerade rechtzeitig zur Plazentageburt kommt. 

Vorgeschichte und Gedanken zur Geburt in Eigenregie 

Ich habe meinen Sohn im Geburtshaus geboren. Die Geburt war auch interventionsarm und selbstbestimmt. Die Hebammen haben hauptsächlich unterstützt und begleitet. Allerdings war die Pressphase mit 2 Stunden sehr lange und anstrengend für mich. Letztendlich wurde er mit einem leichten Kristellergriff der Hebamme, in tiefer Hocke geboren. Ich war wirklich froh, dass es endlich geschafft war. Aber irgendwie hatte ich immer das Gefühl, es nicht ganz alleine gepackt zu haben. Somit habe ich mich auf die Suche nach einer “Ursache” gemacht. Ich kam dann zum Ergebnis, dass ich während der Pressphase die mentale Verantwortung abgeben habe. Ich hab zwar gepresst wie eine Blöde. War aber nicht bei mir selbst. Ich dachte immer, die Hebamme sollen den jetzt endlich holen. Und das war glaub das Problem, dass ich die Verbindung zu mir und meinem Baby verloren hatte.

Ich bin dann über Urbia und Netmoms auf Alleingeburtsberichte gestoßen, dann auf diese Seite hier (www.geburt-in-Eigenregie.de) und schließlich aufs Hausgeburtsforum. Ich hab viele, viele Berichte gelesen und mir das Buch „Alleingeburt – Schwangerschaft und Geburt in Eigenregie“ gekauft. Ich hab mich seit meiner ersten Geburt auf meine zweite Schwangerschaft und Geburt vorbereitet. Und noch bevor ich schwanger wurde, stand der Plan einer Alleingeburt fest. Eine Hebamme wollte ich als Backup allerdings haben und hab mit ihr auch entspannte Vorsorge und Nachsorge genossen. Ich hatte einen Ultraschall in der Schwangerschaft mitte, um grobe körperliche Schäden auszuschließen.

Da ich während meiner zweiten Schwangerschaft beruflich sehr eingespannt war, hatte ich gar nicht so viel Zeit, mich intensiv auf die Geburt vorzubereiten, aber da diese mentale Vorbereitung schon seit meiner ersten Geburt statt gefunden hatte, fühlte ich mich wirklich sicher und wohl zu Hause.

Ich hab natürlich auch meinen Mann Schritt für Schritt an die Alleingeburt herangeführt. Er „musste“ dann zum Ende hin auch das Buch „Alleingeburt“ lesen und hat sich sogar eine kleine Übersicht erstellt. Was in welchem Falle zu tun wäre. Er war wirklich die Ruhe selbst und hat mir völlig vertraut. Seine Ausstrahlung hat mir sehr gut getan und in kurzen Momenten der Unsicherheit (Übergangsphase), hat er mir wieder Sicherheit gegeben.

Ganz alleine hätte ich glaub während der Übergangsphase schon ein bisschen Angst bekommen, ob denn wirklich alles passt, weil es so schnell gegangen ist. Aber ein kleines „Es ist doch alles gut!“ hat mir als Bestärkung schon gereicht.

Das Wichtigste ist, dass man sich als Gebärende wohlfühlt und Vertrauen!!! in sich und seinen Körper hat. Das wäre auch bei so vielen Krankenhausgeburten der Schlüssel zur Lösung.

Die Geburt

Montag, 20.08.2018: Ein Termin bei der Hebamme zum CTG, da ich 4 Tage über Termin bin. Das erste CTG in meiner Schwangerschaft ist schnell geschrieben und alle Werte passen. Die Hebamme tastet auf meinen Wunsch hin noch nach dem Muttermund. Er ist bei 4 cm, Gebärmutterhals noch etwas wulstig, Gewebe schön weich und dehnbar.

Ich fahre nach Hause und habe den ganzen Tag über vermehrtes Ziehen am Muttermund und im Kreuz, ähnlich wie bei der letzten Untersuchung am Muttermund. Wie jeden Abend gehe ich ins Bett und hoffe, dass es endlich los geht.

Um ca. 2.00 Uhr weckt mich die erste Wehe. Ich versuche einfach weiter zu schlafen, denke noch nicht gleich an Geburtsbeginn. Die zweite Wehe ist im Liegen aber einfach unangenehm und ich stehe auf. Denke mir, ja das könnte heute was werden. Da ich mir vorab schon überlegt habe die Badewanne auszuprobieren, lasse ich mir ein Bad ein und zünde schöne Kerzen an, um ein angenehmes Licht zu haben. Aber irgendwie ist die Wanne nichts für mich, da ich nur auf dem Rücken liegen kann. Während den Wehen bin ich einfach gerne nach vorne gebeugt. Also steige ich nach drei Wehen wieder raus und trockne mich ab.

Es ist ca. 3.00 Uhr und ich wecke meinen Mann. Die Wehen kommen nun schon sehr zackig (ca. alle 3 Minuten) und kraftvoll.

Da ich gerne meine Schwester noch als Unterstützung dabei habe, ruft mein Mann sie um ca. 3.15 Uhr. Sie ist um 3.23 Uhr etwa bei uns angekommen und ich bin nicht mehr am rummaschieren, sondern knieend vor unserem Bett. Meine Schwester drückt in den Wehen auf mein Kreuz, was das Ganze etwas erträglicher macht. Ich will auch nicht mehr alleine sein und um 3.29 Uhr platzt die Fruchtblase.

Die nächste Wehe war die unangenehmste von allen und dann setzten auch schon die Presswehen ein. Da wir mit dem Anruf bei der Hebamme möglichst lange warten wollten, rief mein Mann erst jetzt bei ihr an (ca. 3.35 Uhr).

Ich spürte, wie der Kopf sich mit jeder Wehe durchs Becken schob und das es nicht mehr lange dauern kann, bis das Baby geboren ist. Nach ca. vier Wehen war der Kopf bereits am Scheidenausgang. Mit der nächsten Wehe wurde er bis zur Nase geboren, es folgte eine kurze Pause und der ganze Kopf wurde geboren. Mein Mann kniete hinter mir und unterstützte mich wundervoll. Mit der letzten Wehe wurde unsere Tochter in seine Hände geboren. Er reicht sie mir unter dem Oberschenkel hindurch, ich setze mich hin und bewunderte mein Kind.

Meine Tochter kam um 3.51 Uhr auf die Welt. Ca. 2 Minuten später kam auch die Hebamme ins Schlafzimmer. Sie war sehr gestresst, da sie am Telefon schon hörte, wie weit ich war, aber froh, dass es uns beiden gut ging.

Ca. 10 Minuten später wurde die Plazenta geboren. Wir nabelten in aller Ruhe ab, bevor ich auf Geburtsverletzungen untersucht wurde. Ich hatte einen Scheidenriss, der genäht wurde, aber auch der macht mir keinerlei Probleme.

Die Geburt verlief genau so, wie wir es uns im Vorfeld gewünscht hatten. Obwohl ich wieder überwältig war von dieser Kraft, die Geburt mit einem „macht“. Man hat keine Wahl und kommt einfach nicht raus, auch wenn man gerne eine Pause hätte. Im Nachhinein wurde mir bewusst, dass man es einfach geschehen lassen muss und sich demütig diesem Prozess der Natur ergeben. Sich Fallen lassen und Geburt geschehen lassen und mit jeder Wehe mitgehen.

Unser 3-Jähriger Sohn schlief die ganze Zeit im Zimmer nebenan und durfte seine Schwester gleich am Morgen betrachten und bewundern.

Für mich war die ganze Zeit klar, dass ich nachts entbinden werde und wir dadurch auch keine Betreuung für unseren Sohn brauchten.

 

 

Eine kleine Geburt in Eigenregie

Der Körper einer Frau ist gut zum Gebären gemacht. Und selbst wenn sich die Schwangerschaft aus irgendeinem Grund nicht weiterentwickelt, ist der Körper normalerweise gut in der Lage, mit dieser Situation umzugehen. Diese Mama erzählt die Geschichte ihrer selbstbestimmten Fehlgeburt.

Vorgeschichte 

Letztes Jahr hatte ich bereits eine frühe Fehlgeburt in der 7. Woche. „Zu meinem Glück“ begann die Blutung an einem Samstag und die Fehlgeburt war dann am Montag darauf, was ein Feiertag war, weshalb ich gar nicht erst zum Arzt ging und somit das Thema Ausschabung gar nicht erst aufkam.

Über ein Jahr später war ich dann etwas überraschend wieder schwanger.  Wir hatten es schon länger probiert und es ausgerechnet in diesem Zyklus eigentlich nicht darauf angelegt. Ich freute mich, konnte mich allerdings nicht so richtig auf die Schwangerschaft einlassen. Wahrscheinlich versuchte ich unbewusst, mich vor einer erneuten Enttäuschung zu schützen. Ich überlegte hin und her, ob ich zum Arzt gehen sollte – ein Herzschlag könnte mir vielleicht helfen, mich besser auf die Schwangerschaft einzulassen. Andererseits war mir klar, dass das immer nur eine Momentaufnahme ist. Trotzdem ging ich in der 8. Woche zum Arzt und vergoss Freudentränen, als tatsächlich ein Herzschlag zu sehen war. Die Freude hielt aber nur kurz an, schon bald überwog wieder die Angst, dass das Herz aufhören könnte zu schlagen. So überlegte ich wieder, ob ich überhaupt zum Vorsorgetermin in der 11. Woche gehen sollte. Am Tag danach wollten wir in den Urlaub fahren … Ich hatte zwar Angst vor dem Termin, gleichzeitig war die Unsicherheit aber auch schwer zu ertragen und so entschied ich mich, hinzugehen.

Ich wartete 45 Minuten mit Herklopfen und schwitzigen Händen. Der Arzt schallte und sagte erstmal nichts, dann nur „Querlage“ und dann wieder nichts. Da war mir schon alles klar. Er sagte dann auch „Das sieht nicht gut aus, ich kann keinen Herzschlag finden“. Und wieder brach ich noch auf dem Untersuchungsstuhl in Tränen aus. Er gab mir sofort eine Überweisung ins Krankenhaus, meinte, ich solle da nochmal nachschauen lassen, die hätten bessere Geräte, ich solle aber jetzt nichts mehr essen und trinken und nicht rauchen. Ich verstand das alles erstmal nicht. Meinte er, dass heute noch eine Ausschabung gemacht werden soll? Er hatte mir nicht einmal gesagt, wie groß der Embryo war und mich auch nicht gefragt, ob ich ein Bild haben will. Die Arzthelferin war nett, redete mir aber noch zu, dass ich dann nach der Schwangerschaft unbedingt die Röteln-Impfung machen lassen solle. Genau, was man in so einer Situation hören will …

Unter Tränen ging ich raus und rief erst einmal meine Mutter an. Sie riet mir, nach Hause zu fahren und die Hebammen zu kontaktieren. Das machte ich dann auch, rief noch meinen Mann auf der Arbeit an, der sofort zu mir kam und völlig schockiert und verzweifelt reagierte. Er war im Gegensatz zu mir optimistisch gewesen.

Die Hebamme beruhigte mich und sagte, dass ich auch erstmal abwarten und ruhig in den Urlaub fahren kann, was auch genau meinem Gefühl entsprach. So machte ich es, und es passierte erstmal lange nichts. Nach drei Wochen ließ ich im Krankenhaus nochmal einen Ultraschall machen. Ich wollte gerne wissen, wie weit die Schwangerschaft sich überhaupt entwickelt hatte und ob sich vielleicht schon etwas getan hat. Die Fruchtblase war sehr groß, der Embryo allerdings nur ca. 2 cm, was Ende der 9. Woche entspricht. Es hatte sich noch nichts getan.

Drei Tage danach, bei 12+6, also ziemlich genau 4 Wochen, nachdem das Herz stehen geblieben sein musste, begann eine leichte Blutung. Um meinen Körper zu unterstützen trank ich ab da Himbeerblätter- und Hirtentäscheltee. Die Blutung wurde aber nicht wirklich stärker, ab und an ging mal ein kleines bisschen Schleimhaut ab. Schmerzen hatte ich auch nicht wirklich, nur ein bisschen im unteren Rücken.

Die kleine Geburt

Bei 13+2 wurde ich morgens um 6.30 Uhr von Bauchschmerzen wach. Mit Wärme waren sie aber noch eine Weile gut auszuhalten. Die Blutung war immer noch sehr schwach.

Die Schmerzen steigerten sich dann aber, und es waren tatsächlich Wehen. Sie kamen, hielten vielleicht eine Minute an und danach kam eine Pause ohne Schmerzen. Die Pausen wurden dann immer kürzer und die Schmerzen immer heftiger. Damit hatte ich nicht gerechnet. Es war absolut nicht zu vergleichen mit der kleinen Geburt in der 7. Woche, bei der die Schmerzen nicht stärker als bei der Menstruation waren. Ich nahm dann 2 Paracetamol, die aber nach meinem Empfinden keine Wirkung zeigten. Diese starken Schmerzen hatte ich von etwa 10.30 Uhr bis zur kleinen Geburt um ca. 12.45 Uhr. Ich musste während der „Wehen“ heftig atmen, um es aushalten zu können. Mein Kreislauf machte das nicht gut mit, daher lag ich die meiste Zeit im Bett, weil ich sonst das Gefühl hatte, gleich umzukippen. Wenn ich merkte, dass was kommen würde, setzte ich mich auf die Toilette, meistens mit einer Schüssel drin. Meine Mutter war die ganze Zeit dabei, sie ist Krankenschwester auf der Neugeborenenstation. Es war beruhigend für mich, sie dabei zu haben, auch wegen meines schwachen Kreislaufs.

Was mich auch überraschte war, dass die ganze Zeit immer noch sehr wenig Blut und Gewebe kam. Das hatte ich von der letzten kleinen Geburt ganz anders in Erinnerung. Ich versuchte auch mal aktiv zu schieben, aber das brachte gar nichts. Irgendwann, vielleicht so eine dreiviertel Stunde bevor es vorbei war, äußerte ich die Vermutung, dass sich wahrscheinlich die Fruchtblase gelöst hat und vor dem Muttermund liegt und diesen blockiert. Irgendwie fühlte es sich so an und es war für mich eine logische Erklärung dafür, dass so wenig Blut kam. Ich wollte dann eigentlich mal nachfühlen, dazu kam ich aber nicht, weil ich zu sehr mit den Schmerzen beschäftigt war.

Irgendwann bekam ich dann einen leichten Anflug von Verzweiflung, wollte, dass endlich was rauskommt, fragte, wie lange das jetzt noch so weiter gehen soll. Kurz hatte ich den Gedanken, dass es dann eben doch in Ordnung wäre, ins Krankenhaus zu fahren und eine Ausschabung machen zu lassen, fragte mich nur, wie ich die Fahrt ins Krankenhaus schaffen sollte. Während ich diese Gedanken hatte war ich sehr zittrig, kniete auf dem Boden und zitterte. Ich merkte, dass mir so langsam unwohl wird bei der Sache und es jetzt bald mal vorbei sein müsste.

Es fühlte sich aber sehr danach an, dass dort etwas ist, was nicht rauskommt. Ich sagte noch zu meiner Mutter, dass es sich anfühlt wie Verstopfung. Ich bat meine Mutter dann kurz rauszugehen, um mich alleine besser entspannen zu können. Ich hatte noch eine letzte Hoffnung, dass es dann vielleicht doch noch klappen könnte, wenn ich mal diesen Druck wegbekommen würde. Sie war gerade raus, ich setzte mich auf die Toilette und nach ein paar Sekunden fiel etwas Großes aus mir heraus ins Wasser (da war leider gerade keine Schüssel drin). Danach ging es mir plötzlich schlagartig besser, das Zittern und die Schmerzen waren sofort weg.

Ich sagte meiner Mutter Bescheid und sie zog sich Handschuhe an, fischte es raus und legte es in eine Schüssel. Sie war ganz euphorisch und meinte: Du hast es geschafft! Ich konnte es irgendwie noch nicht ganz glauben, aber eigentlich wusste ich es auch. Was da rausgekommen war, war die Fruchtblase, komplett intakt und noch gefüllt mit Fruchtwasser. Es sah im Prinzip aus wie ein mit Wasser gefüllter Ballon, ca. 10 cm lang und 5 cm breit. Ich fand das unglaublich, dass sie intakt geblieben ist. Meine Mutter meinte auch, am Rand die Plazenta zu erkennen, bzw. da wo sie angewachsen war. Tatsächlich sah es da etwas anders aus. Ich denke, ich lag richtig mit meiner Vermutung, dass die Fruchtblase sich gelöst und den Muttermund praktisch verschlossen hatte. Vielleicht hatte ich auch deswegen so starke Schmerzen. Es muss ja doch ein gewisser Druck dagewesen sein und der Muttermund sich ziemlich weit geöffnet haben, damit sie so völlig unbeschädigt rauskommen konnte. Irgendwie war ich sehr glücklich darüber, dass sie komplett war. Dadurch war ich mir sehr sicher, dass es jetzt vorbei ist und ich hatte danach auch tatsächlich gar keine Schmerzen mehr.

Ich wollte dann gerne noch nachschauen, ob man den Embryo sehen kann. Dafür mussten wir die Fruchtblase aufschneiden. Und tatsächlich, man konnte ganz eindeutig einen kleinen, ca. 2 cm großen Embryo erkennen. Mit Augen an den Seiten, kleinen Paddeln und ich meine auch noch einen kleinen Schwanz erkannt zu haben. Auch der Embryo war noch völlig intakt, obwohl das Herz ja schon vor 4 Wochen aufgehört hatte zu schlagen, aber er lag ja auch die ganze Zeit im Fruchtwasser. Auch die Nabelschnur konnte man erkennen. Ich fand das absolut faszinierend und bin sehr glücklich, dass ich das sehen konnte. Wir haben dann noch Fotos gemacht und meine Mutter fragte, ob ich es ins Labor schicken will. Ich war mir nicht sicher und habe dann meinen Mann angerufen. Er war aber eher dagegen. So haben wir es dann nachmittags im Garten begraben.

Nachdem es überstanden war, ging es mir sofort viel besser und ich war sehr erleichtert. Danach kamen noch ein paar Schwälle Blut, aber alles in allem nicht besonders viel, wie ich fand. Am dritten Tag nach der kleinen Geburt kam nochmal viel Blut, ansonsten war die Blutung nicht mehr als meine normale Menstruation. Gut zwei Wochen nach der kleinen Geburt hatte ich wieder einen Eisprung.

Ich ließ danach noch meinen Eisenwert und hcG-Wert überprüfen, der Eisenwert war sehr gut, ich hatte auch zur Vorbereitung Kräuterblutsaft getrunken und viel Eisenhaltiges gegessen. Das hcG war 4 Tage nach der kleinen Geburt schon auf 120 gesunken und eine Woche später auf 25. Aufgrund von Unstimmigkeiten mit meinem Frauenarzt ließ ich keinen Ultraschall mehr machen.

Ein selbstbestimmter Weg

Obwohl die kleine Geburt ziemlich schmerzhaft war und ich auch an einen Punkt gekommen bin, an dem ich kurz vorm Verzweifeln war (vielleicht so eine Art Übergangsphase…?) bin ich sehr, sehr froh, diesen Weg gegangen zu sein. Ich habe nach der Diagnose fast drei Wochen auf die kleine Geburt gewartet und habe das Gefühl, dass ich dadurch Zeit hatte, mich körperlich und mental darauf vorzubereiten und loszulassen. Dass ich es gesehen habe, hilft mir glaube ich auch, es zu realisieren und zu verarbeiten. Zwischendurch hatte ich sehr große Angst vor dem, was danach kommt, wieder aufs schwanger werden warten, wieder die ersten Wochen zittern…aber da müssen wir wohl durch und auch das werden wir schaffen. Dass mein Körper es selbst geschafft hat gibt mir trotz allem ein Stück weit Vertrauen zurück.

Allen, die unsicher sind, ob sie die kleine Geburt machen wollen, möchte ich Mut zusprechen. Lasst euch nicht von Ärzten und anderen Menschen verunsichern, sondern hört auf eure Bedürfnisse und achtet gut auf euch und euren Körper. Wenn ich Anzeichen einer Infektion gehabt hätte, wäre ich sofort zum Arzt gegangen, aber so lange es mir gut ging sah ich keinen Grund zur Eile. Die Begleitung meiner Mutter und meiner Hebammen war Gold wert (im Gegensatz zur Verunsicherung durch den Arzt).

Ich hoffe sehr, dass Frauen wie wir, die diesen Weg gehen, irgendwann ein Umdenken bei den Ärzten anregen werden. Auch ich bin natürlich sehr dankbar für die medizinischen Möglichkeiten, wenn ich sie brauche, wünsche mir aber sehr, dass endlich mal mit alten Ammenmärchen aufgeräumt wird und den Frauen und ihren meist sehr gut funktionierenden Körpern wieder mehr Vertrauen entgegen gebracht wird.

 

 

 

Zwillingsgeburt in Eigenregie – „Da schaut ein Füßchen unten raus.“

Die Mama im folgenden Bericht wünscht sich auch bei ihrem vierten Kind eine Hausgeburt. Aber dann stellt sich heraus, dass sie mit Zwillingen schwanger ist. Ihre Hebamme will/kann sie so nicht bei einer Hausgeburt begleiten. Ist der Traum also geplatzt? In diesem Bericht erzählt sie von der Geburt ihrer beiden Jungs.

Geburtsbericht Twins  21.6.18

Vorgeschichte: Nachdem ich schon dreimal absolut unkompliziert und rasch geboren habe (1x im Spital, 2x zu Hause mit Hebamme), hätte ich mir auch diesmal wieder eine Hausgeburt gewünscht. In der 24. SSW ging ich zum (geplant einzigen) Ultraschall, wo uns die Ärztin eröffnete, dass da zwei Kinder im Bauch sind! Ein Riesenschock, war doch die Schwangerschaft sowieso nicht geplant und von meinem Mann auch nicht gewollt … also mussten wir uns nun damit anfreunden, gleich zwei Kinder zu bekommen. Puh. Da Zwillings-Geburten per Definition Ärztesache sind, wollte/konnte uns die Hausgeburtshebamme nicht für die Geburt begleiten und trotz intensiver Suche fanden wir auch keine andere, die das übernommen hätte. Allenfalls, wenn es zu schnell ginge, um noch ins Spital zu fahren, würden sie uns natürlich schon zur Hilfe kommen. Aber nicht als geplante Hausgeburt. Für mich war das eine riesige Enttäuschung. Ich soll in die Klinik? Obwohl ich selbst Hebamme bin, konnte ich mir das nicht vorstellen. Alles in mir sträubte sich dagegen. Zum Gebären brauche ich Ruhe und sicher niemanden, der mir irgendwie dreinredet oder Stress macht … schon nur die ganzen Routinehandlungen wie Venenkatheter und CTG, um die ich nicht herumkommen würde, machten mir sehr Mühe. Ich begann zu überlegen, Alternativen zu suchen, fand aber keine – ausser der unassistierten Hausgeburt. Dazu fehlte mir aber die innere Ruhe und vor allem das Vertrauen meines Mannes. Seine grösste Angst war es, dass ein behindertes Kind zur Welt kommen könnte und keine Fachperson da war, die die Verantwortung dafür hätte übernehmen können. Ich suchte also eine Beleghebamme für die Klinik und diskutierte mit meiner Ärztin meine Geburtsvorstellungen – sicher kein Kaiserschnitt, nur im absoluten Notfall, und eigentlich wollte ich ja überhaupt nichts und niemanden dabei haben! Ich merkte glücklicherweise, dass beide – Hebamme und Gynäkologin – sehr an einer interventionsarmen Geburt interessiert waren und ich von ihnen wirklich unterstützt wurde. Dies gab mir die nötige Ruhe, mich auf jedes mögliche Szenario einzulassen, und nahm mir meinen Stress bezüglich Klinikgeburt ziemlich. Blieb noch die Tatsache, dass ich mit Wehen Auto fahren müsste und meine älteren Kinder nicht dabei sein könnten. Besonders das machte mich sehr traurig, hatte doch meine 4jährige Tochter von Anfang an geäussert, sie wolle dann die Nabelschnüre durchtrennen … und das wollte ich ihr irgendwie gerne ermöglichen. Überhaupt empfinde ich es als normal, dass ältere Kinder bei der Geburt ihres Geschwisters dabei sind, und ich hatte deshalb sehr Mühe damit, sie auszuklammern. Ich entschied mich ca. in der Mitte der Schwangerschaft bewusst dazu, mich möglichst gesund und ausgewogen zu ernähren, mich genug zu bewegen und aktiv zu entspannen, damit die Zwerge möglichst normal gedeihen konnten. Ich las nochmal die Bücher ˋAlleingeburtˋ, ˋMeisterin der Geburtˋ und ˋflow birthingˋ und begann zu recherchieren. Kontaktierte Alleingebärerinnen und insbesondere eine andere Zwillingsmama, die ihre Kinder allein geboren hatte. Diese Begegnungen waren allesamt so schön, bestärkend, mutmachend – einfach toll. Wie Puzzleteile, die sich eins ums andere zu einem ganzen Bild zusammensetzten. Bezüglich Beckenendlage und Zwillingen half mir der Rockenschaub sehr, meine Bedenken wegen möglicher Komplikationen einzugrenzen. Die einzige Sorge, die ich hatte, war die einer vorzeitigen Plazentaablösung vor Geburt des 2. Kindes, was aber meine Frauenärztin als sehr unwahrscheinlich darstellte. Gut, ein Problem weniger! Eine befreundete Hypnosetherapeutin machte eine individuelle Geburtshypnose für mich. Diese CD hörte ich oft vor dem Einschlafen. Ich übte auch, mich bewusst zu entspannen und wahrzunehmen, ging schwimmen und übte dabei positive Affirmationen ein …

Visualisierte ich meine Wunschgeburt, war es immer Tag. Mein Mann war außer Haus, nur die Kinder hier. Ich gebäre meine Babys alleine. Dennoch ließ ich mir bis zum Schluss alle Optionen offen und übte mich darin, jedes Setting und jeden möglichen Geburtsverlauf anzunehmen und doch bei mir zu bleiben. Die Spitalgeburt blieb – auch in meinen Gedanken – offizielles Hauptszenario. Das war wahnsinnig wichtig für mich – ich wollte mich nicht zu sehr auf etwas fixieren und deshalb eine Komplikation verpassen. Lange waren beide Kinder in Beckenendlage, später drehte sich B (das obere) in Schädellage. So ab Woche 35 begann mich dies zu beschäftigen und ich versuchte, es mittels Übungen, Moxen und Visualisieren zum Drehen zu bewegen. Erfolglos. Meine Ärztin hatte diese Lagekombination ursprünglich als zwingende Indikation für einen Kaiserschnitt dargestellt, aufgrund des Verkeilungsrisikos. Ich konnte mir jedoch nicht vorstellen, dass dieses 100% beträgt, schon gar nicht bei zweieiigen Zwillingen. Sie forschte nach und fand irgend ein Schema einer deutschen Klinik, das bei Mehrgebärenden Spontangeburtsversuche zulässt, worauf sie sich bereit erklärte, mich in meinem Wunsch zu unterstützen. Ich hätte mich auf jeden Fall geweigert, eine Plansectio durchführen zu lassen, und war deshalb sehr froh, hier nicht weiter diskutieren zu müssen! Wann würden sie wohl geboren werden? Hoffentlich vor dem errechneten Termin. Ich hatte Angst um meinen Bauch, der immer grösser wurde … hatte keinen Bedarf an noch mehr Schwangerschaftsstreifen. Dazu kam die angespannte Beziehung zu meinem Mann. Irgendwie spitzte sich alles so sehr zu, dass ich ihn eines Abends, ca 3 Wochen vor dem errechneten Termin, fast aus dem Haus geworfen hätte. Wir kamen jedoch überein, am nächsten Abend nochmals zusammen zu reden. In dieser Nacht schlief ich nicht gut. Am nächsten Morgen kam ich fast nicht aus dem Bett. Wie sollte ich diesen schwierigen Tag überstehen? Ich nahm mir vor, einfach zu schauen, dass die Kinder gut versorgt sind, und möglichst bald wieder schlafen zu gehen … doch dazu sollte es nicht mehr kommen! 9:00 Uhr: Wir stehen auf. Der Älteste ist schon zur Schule gegangen. Ich entscheide mich, nicht wie geplant ins Freibad zu gehen, da die Kleinen zwei noch stark husten. Ich mache also das Frühstück bereit und überlege, was wir sonst tun könnten. Lustigerweise sehe ich, als ich aus dem Küchenfenster schaue, wie schon die letzten paar Tage einen Storch auf dem abgemähten Maisfeld gegenüber herumspazieren. Ich freue mich, denke mir aber gar nichts dabei … 10:30 Uhr: essen abräumen. Plötzlich strampelt es im Bauch. Ein Fuss stösst kräftig in Richtung Ausgang. Es knackt. Hoppla! Ist das jetzt ein Blasensprung? Tatsächlich, mir läuft ein Schwall Fruchtwasser die Beine herunter. Und ich fühle irgendetwas im Scheidenausgang … also erstmal alles aufputzen, dann ins Bad zum Kontrollieren. Da schaut ein Füsschen unten raus …. ok. Ich berühre es vorsichtig. Das Baby reagiert sofort mit Bewegung, es geht ihm also gut. Aber der Fuss bleibt draussen. Ich überlege, was zu tun ist, und entscheide mich erstmal abzuwarten, ob sich Kontraktionen entwickeln. Die Kinder haben mitbekommen, was passiert ist. Ich erkläre der 4jährigen, dass die Babys heute zur Welt kommen werden. Natürlich reagiert sie total aufgedreht, rennt im ganzen Haus herum … 11:00 Uhr: Ich suche mal alles zusammen, was ich für eine Hausgeburt brauchen könnte. Nabelklemmen, sterile Schere, ein paar Tücher, Gazen … was noch? Mehr braucht’s doch eigentlich gar nicht. Das alles auch nur für den Fall, dass ich Nr. 1 abnabeln müsste, bevor Nr. 2 kommt. Dann packe ich die Kliniktasche, das hatte ich bisher immer aufgeschoben, da ich bis heute das Gefühl hatte, noch ewig schwanger zu sein … Die Kids wuseln zwischen meinen Beinen herum, meine Tochter stellt tausend Fragen. Oh Mann, wie soll man so gebären können? Ich spüre ganz leichte, kurze Kontraktionen, nichts Ernsthaftes. Es kommt immer wieder Fruchtwasser, ich wechsle regelmässig die Binden, es läuft klar. Dazwischen kreise ich mit dem Becken, rede den Zwergen gut zu, kontrolliere immer wieder, ob sie sich normal bewegen … ja, alles gut. Ich erzähle den Kids ein Bilderbuch und hänge die nasse Wäsche auf. Hoffentlich fällt den Nachbarn nichts auf. 11:30 Uhr: Ich bin trotzdem minimal unsicher wegen der Fusslage, nehme meine Fachbücher hervor. Schneider: Fusslage ist sehr komplikationsträchtig, sofort Sectio, bei Mehrgebärenden allenfalls Spontangeburtsversuch, 15% Erfolgschancen. Ok. Rockenschaub: Es ist völlig egal, wie genau die Steisslage aussieht, solange es der Mutter gut geht und sie nicht in Angst gerät, passt das Kind durch. Schon besser. Ich werd mich lieber an dem orientieren 🙂 Ich mache Mittagessen für die Kids. Kontraktionen eher zunehmend, aber immer noch nicht kräftig genug. Kindsbewegungen weiterhin völlig normal, was mich beruhigt. Ich gebe uns Zeit bis nach dem Mittagessen, ich will den 2jährigen ins Bett bringen und schauen, ob dann die Geburt losgeht. Ich habe den Eindruck, dass es nur an der nötigen Ruhe fehlt. Ansonsten würde ich meinen Mann und die Hebamme informieren und in die Klinik fahren. Wobei man dort ja auch nicht mehr machen kann als hier zu Hause. 12:45 Uhr: Der Kleine ist im Bett. Zum Glück schläft er mittags zuverlässig. Endlich Ruhe. Ich schlage meiner Tochter vor, eine Zeichnung zu machen für die Zwerge. Erstaunlicherweise ist sie einverstanden. Die Kontraktionen werden stärker und häufiger, sind aber nicht schmerzhaft. 12:55 Uhr: Ich stelle mich unter die Dusche. Das warme Wasser tut gut, ich entspanne mich völlig. Komm, Baby! Ich bin so gespannt auf die Zwerge. Muttermund-Kontrolle: ist noch gleich, aber der Fuss kommt tiefer. Baby bewegt sich normal, Fruchtwasser läuft klar. Unter der Dusche werden die Wellen plötzlich kräftiger, ich wechsle von der Hocke ins Stehen, kreise das Becken, singe irgendwas. Freue mich, bald meine Kinder zu sehen! 13:10 Uhr: Muttermund-Kontrolle. Ein Saum steht noch. Ich spüre das zweite Beinchen oberhalb. Es will sich herausdrücken, steht noch quer im Beckeneingang. Gut so, es geht vorwärts. Urplötzlich überwältigen mich die Wellen. Ich muss mitschieben, atmen reicht nicht mehr. Das zweite Bein entwickelt sich. Mit der nächsten Welle rutscht der Körper nach unten, ich stehe auf, fasse ihn. Presse nach der Kontraktion einfach noch etwas weiter, es brennt, dann kommt auch der Kopf. 13:20 Uhr: Baby Nr. 1 ist da. Welch ein Wunder! Er ist blau, voller Käseschmiere. Ein paar kleine Schreie, er beginnt zu atmen. So ein kleines Baby … Ich nehme ihn hoch. Rufe meine Tochter. Mache ein Beweisfoto. Die grosse Schwester kommt ins Bad, sieht sich den Kleinen an, staunt. 13:30 Uhr: Ich rufe meinen Mann an, der wundersamerweise ganz in der Nähe am Ausliefern ist – Er wird in 10 Minuten da sein. Gut. Ich stille den Zwerg. 13:40 Uhr: Mein Mann ist da. Er hat eine Freundin informiert, die Pflegefachfrau ist, sie wird auch bald eintreffen – einfach damit noch zwei Hände mehr da sind. Ob er die Hebamme informieren soll? Nein, ich denke nicht. Uns geht es gut, ich brauche niemanden. Ich möchte keine gestresste Hebamme hier haben. Nach dem Stillen versuche ich, Nr. 1 irgendwie zu verstauen, damit ich die Hände frei habe für Nr. 2. Es geht nicht, die Nabelschnur ist zu kurz. Also doch abnabeln. Zum Glück ist die Nabelschnur schon auspulsiert. Meine Tochter schneidet sie durch, voller Stolz. 13:50 Uhr: Mein Mann nimmt den Kleinen zu sich. Ich möchte allein sein, schicke ihn mit den Kindern raus. 14:00 Uhr: Die Wellen beginnen erneut. Werden rasch intensiver. Ich untersuche mich – der Muttermund ist noch fast ganz geöffnet, dahinter eine pralle Fruchtblase. Das Baby bewegt sich, bisher blute ich nicht, also muss die Plazenta von Nr. 1 noch fest sein. Gut. Ich versuche irgendwie, den Bauch zu schienen, um Nr. 2 in Längslage zu halten. Keine Chance, die Gebärmutter hat einen zu hohen Tonus. Es ist auch gar nicht notwendig, der Zwerg wird seinen Weg selber finden, das weiss ich. Meine Freundin kommt rein, ich schicke sie sofort weg. Ich kann hier niemanden brauchen, ich mache das allein. 14:15 Uhr:  Ich wechsle bei jeder Welle die Position. Nirgends ist mir wohl, ich habe keine Lust mehr, die Wellen schmerzen wahnsinnig. Wenn nur diese verd… Fruchtblase springen würde! Ich versuche sie zu öffnen, das geht nicht. Vielleicht besser so. Ich spüre Pressdrang. Will nicht, will trotzdem, drücke fluchend mit. 14:25 Uhr: Die Fruchtblase springt während einer Presswehe. Ein Riesenschwall Fruchtwasser ergiesst sich, das Baby rutscht hinterher. Es brennt, der Kopf wird geboren, der Rest des Körpers rutscht einfach hinterher … 14:32 Uhr: Baby Nr. 2 ist geboren! Auch er beginnt sofort zu atmen, alles gut. Ich wechsle aufs Sofa, damit ich ihn in Ruhe stillen kann. Nach 10 Minuten kommen beide Plazenten gleichzeitig, keine vermehrte Blutung, die Gebärmutter kontrahiert sofort gut. Nachdem beide Zwerge gestillt sind und die Nabelschnur von Nr. 2 auspulsiert ist, darf meine Tochter auch diese durchschneiden. Kurze Zeit später kommt der 2jährige von seinem Mittagsschlaf nach unten in die Stube und bestaunt, noch etwas zurückhaltend, seine zwei Brüder. Auch die Nachsorgehebamme trifft bald ein, hilft uns aufzuräumen und die Zwerge zu vermessen. Geburtsverletzungen habe ich keine. So gut! Dann liegen wir lange zusammen auf dem Sofa und bestaunen die zwei kleinen Wunder. Als der Älteste von der Schule kommt, schaut er ziemlich ungläubig, freut sich dann aber mit uns über seine Brüder. Ich bin total erfreut darüber, wie einfach diese Geburt war! Hätte ich mich wie jede andere Frau gutgläubig auf das Kliniksystem eingelassen, wären meine Kinder garantiert per Plan-Kaiserschnitt geboren worden. Was hätte ich da verpasst … erstaunlich ist auch, wie sehr die reale Geburt der hundertmal visualisierten Wunschgeburt glich. Auch jetzt noch, Monate später, wo ich diesen Bericht zum x-ten mal durchlese und überarbeite, bin ich sehr berührt und dankbar für dieses Erlebnis. Es hat für mich nichts mit ‚Mut’, ‚Lebensmüdigkeit’ oder ‚Glück’ zu tun, dass meine Kinder zu Hause, ohne professionelle Hilfe, geboren wurden und gesund sind. Im Gegenteil – es war eine sehr überlegte Wahl. Nachdem ich mich mit sämtlichen bekannten Risiken eingehend befasst habe, konnte ich sie für mich soweit eingrenzen, dass ich die Hausgeburt als mindestens so sicher wie die Spitalgeburt (und für mich viel angenehmer) einordnen konnte. Ich bin dankbar, dass ich dank des tollen Klinik-Teams, das mir zur Verfügung gestanden wäre, eine echte Wahl hatte und nicht aus Verzweiflung oder Angst heraus handeln musste. Es war gut, dass ich die volle Verantwortung für mich – für uns – übernommen habe.

Blitz-Alleingeburt: Wenn das Baby schneller ist als alle

Mein Schwester hat ihr zweites Baby bekommen – und ich bin zum zweiten Mal Tante geworden! Vielleicht erinnern sich manche an ihre erste Geburt, die ich damals geschildert habe. Diesmal lief alles gaaanz anders als damals und diesmal meldet sie sich auch selbst zu Wort. 🙂

Jack Leonard ist mein zweites Kind. Und wie bei seinem Bruder vor ihm musste die Geburt mal wieder in irgendein Extrem ausarten …

Diesmal bin ich vorbereitet … hab ich gedacht. Diesmal hab ich so viel Bauchtanz gemacht … und ja, das Hüftewackeln ist nicht nur für die Ausrichtung des Kindes gut, sondern lindert auch die Hüft- und Bauchschmerzen gegen Ende der Schwangerschaft. Diesmal bekomme ich mein Kind zuhause und mein Mann ist dabei und alles in Ruhe bei Kerzenschein und Tee. Mal sehen, ob mein großer Sohn dann schläft. Mit Papa ist das aber auch egal, weil er ihn beruhigen kann, egal was ist … oder der Kleine geht zu den Nachbarn oder zu ner Freundin. Haben ja ne Auswahl am Start.

Hauptsache nicht wie beim letzten Mal … Geburt ziemlich genau 4 Tage nach Blasensprung … mit vielen, vielen, vielen Wehen … aber wenigstens natürlich. Da hat sich das Aushalten gelohnt. (Diese Geschichte findet ihr hier.)

Samstag kurz vor 24 Uhr Blasensprung. Ok, dann kommt es morgen … alles tutti … erstmal schlafen. Das ging auch erstaunlich gut.

Sonntag so hier und da ’n fester Bauch, mal regelmäßig und dann wieder nix. Gegen Abend noch kein Kind da. Na gut. Vielleicht wartet es, bis es ruhig ist und der Große schläft. Im Bett kommen wieder Wehen … aber nix, was ich ernsthaft als Start ausmachen würde.

Montag. Ich konnte wieder gut schlafen. Ein paar mehr Wehen waren es schon … aber das Kind ist immer noch nicht da. Ich schick mein Mann auf Arbeit. Schlimm genug, wenn einer wartet … aber wenn zwei sinnlos rumhocken, kann ich mich noch weniger entspannen. Treppenlaufen? Mich stressen mit Übungen? Öhm, neeee. Ich bin fit und gut vorbereitet.

Der Große spielt und ich male das Babybild, das ich schon die ganze Schwangerschaft über malen wollte. Hab während dessen regelmäßig Wehen. Bissel doller, aber noch kein Zeichen für mich, dass es los geht.

Mittag rückt ran. Der Große braucht Mittagsschlaf und ich muss nochmal auf den Topf. Na, schau an … wenn das nicht der legendäre Schleimpfropf ist! Dann geht es jetzt vielleicht mal richtig los.

Ich lege mich mit dem Großen hin und versuche ihn wie jedes Mal einzustillen. Da kommen sie … die Wehen, die veratmet werden wollen. Nur noch ein bisschen aushalten, bis der Große schläft … Pustekuchen. Das wird nix mehr. Erstmal dem Papa Bescheid geben, dass es jetzt auch wirklich los geht. Dann Geburtsplatz vorbereiten, solang das noch geht.

Ich versuche, die Wehen möglichst lustig zu veratmen … was nicht immer so funktioniert. Außerdem versuche ich zwanghaft, einen Notfallkontakt für Jim zu aktivieren … der steht nämlich noch immer nölend neben mir in Wohnzimmer, ist müde und will ne Brust. Und zwei die jammern … keine so gute Kombi.

Vergeblich warte ich auf Ablöse und mein Mann braucht mindestens ne Stunde, bis er hier auftaucht. Eine Wehe folgt der nächsten und zwischendurch versuche ich den Großen zu beruhigen. Ich bin wütend, dass ich niemanden für Jim finde … entweder nicht da oder nicht zu erreichen. Doch dann muss ich innerlich lachen über die skurrile Situation. So hatte ich mir das Ganze nicht vorgestellt. Aber ja … wann ist schon eine Geburt, wie man sie sich vorstellt?

Und dann, eine halbe Stunde nachdem der Papa informiert war … da kam sie. Die erste Presswehe. Ich glaub, so schnell hatte ich meine Hose noch nie aus. Da kam nicht nur ne Presswehe… da kam der Kopf und das ganze Kind wurde innerhalb dieser Presswehe geboren. Ich stand vor der Couch und fing was mir da in die Finger glitt. Fruchtwasser platschte auf die Auslage. Der Große fing an zu weinen. Da stand ich nun vor der Couch. Unter mir ne Sauerei, in meinen Händen der frischgeschlüpfte Erdenbürger und neben mir mein Sohn, der mit der Gesamtsituation überfordert war.

Was tun? Beruhigende Worte an meinen Großen. Mich selbst erstmal setzen, Klamotten aus und Baby auf die Brust. Das ist der Moment, in dem einem einfällt, was man alles vergessen hat. Küchentücher, warmes Wasser, Nabelklammer, ein großes Handtuch für mich und die Heizung aufdrehen. An meinen Händen war Schmiere und Blut, aber zum Glück war mein Handy in Reichweite. Als nächstes hab ich dem Papa und der Hebamme Bescheid gegeben … doch beide kamen gefühlt erst nach ner Stunde.

Was nun? Ich musste mir was zum Anziehen besorgen und irgendwie mein Chaos ordnen. Den Großen konnte ich ablenken, indem ich ihm mein Handy gab und er damit beschäftigt war, im Messenger Tiere und Autos einzugeben.

Nach einer Weile Sitzen entschied ich mich (nach meinem Gefühl und weil ich aufstehen und mir was anziehen wollte) nochmal zu pressen und die Plazenta los zu werden. Das tat ich … nur war ich irgendwie überrascht, als sie auf die Auslage platschte und darüber hinaus Blutspritzer auf Gardine und Teppich hinterließ. Oha … mein armer Mann … ein Glück hat er mit Backpulver alles raus bekommen. Ich war frei und kroch wie Rumpelstilzchen durch die Wohnung, zog mir was an, knuddelte den Großen und versuchte wieder, den Kleinen an die Brust zu legen … was der Große da grade gar nicht lustig fand. Dann kam die Hebamme im Doppelpack.

Sie haben ne Bestandsaufnahme gemacht und gecheckt, ob alles i.O. ist. Und dann kam mein Mann auch. Jeaaa … da war ich sehr erleichtert und der Große war versorgt.

Das war es soweit … bis auf einen Riss in der Schamlippe war alles intakt bei mir.

Mein letzter Tipp: Gottvertrauen und: Lasst euch nicht stressen vor und während der Geburt. Warum Gottvertrauen? Ich hab es maximal drauf angelegt, habe mich auf ihn verlassen und wurde nicht enttäuscht … die Ausführung würde hier aber den Rahmen sprengen.

Viel Erfolg euch da draußen mit euren eigenen Entscheidungen und selbst erlangten Erfahrungen. :*

 

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