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BAUANLEITUNG WINDELFREI-BACKUP 2.0

Für alle, die ihre Babys abhalten: Hier kommt eine detaillierte Nähanleitung für die Minimalwindel, die ich für meine Babys verwende. Der Schnitt ist in jahrelanger Erprobung an meinen Babys entworfen und verbessert worden mit dem Ziel, eine für das Abhalten unkomplizierte aber trotzdem dichte Windelhose zu kreieren, die auch geeignet ist, bei Abhaltestreiks als normale Stoffwindelüberhose zu fungieren. Meine Bekannte Kiran, die mir die Windelhosen nach meinem Schnittmuster näht, hat sich aus dem Verkauf für die Allgemeinheit zurückgezogen, stellt euch aber diese Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Verfügung.

Wie ihr sehen werdet, haben sich zwei Varianten herauskristallisiert, wie die Einlage in der Windelhose gehalten wird. Einmal die Lasche vorn, die dem Vorteil hat, dass bei einem Baby, das in Bauchlage in die Windel pieselt, das Pipi nicht nach oben raus in die Kleidung drückt. Weiter unten findet ihr eine zweite Variante mit einer Schlaufe als Windelhalterung. Die hat den Vorteil, dass die Einlage beim Aufklappen ziemlich sicher gehalten wird und nicht herunterfällt. Ihr könnt euch aussuchen, was euch besser gefällt.

Das Backup ist ab Neugeborenenalter (da anfangs noch recht groß) bis ca. 2 Jahre verwendbar. Mit drei Stück komme ich gut hin. Der Stoff ist flüssigkeitsabweisend und muss nur bei Kackikontakt gewaschen werden. Die Wollwalk-Überhosen wasche ich direkt von Hand aus.

So sieht das fertige Backup Variante 1 aufgeklappt und von oben aus:

Das Schnittmuster: In diesen Maßen hat es für uns (durchschnittliche Babygröße) bis über 2 Jahre ausgereicht.

Material:

Schnittmuster (ohne Nahtzugabe zuschneiden)

dicker Wollwalk oder Fleecestoff

Bündchenstoff aus Wolle oder Wolle/Seide alternativ Polyester, wenn man für die Windelhose Fleecestoff verwendet

Gummiband oder Knopflochgummiband (+ Knopf ca. 1,5 cm Durchmesser) 2 cm breit für den Bauchbund Gummiband für Seitengummi 0,5 cm breit

Normale Haushaltsnähmaschine, Garn, Stecknadeln, Schere, (Rollschneider + Matte), Lineal, Nähkreide oder Stift, evtl. Nahttrenner, Sicherheitsnadel und eine Wendenadel

Zu den benötigten Stoffmengen:

Walk: Möchte man mehrere Windeln nähen, kann es hilfreich sein, sich zuerst das Schnittmuster zu basteln. Damit lässt sich testen, wie die Schnitteile (Außen, Innen und Bauchbund) am besten auf den Stoff passen. Walkstoffe bekommt man oft in 10cm Abschnitten. Die Stoffbreite variiert je nach Anbieter.

Bündchenstoff: Hier benötigt man pro Windel 2 Streifen à 8 x ca. 25cm.

In Kombination zu dem eher schweren Walkstoff eignet sich am besten ein dickeres Merino-Rippbündchen. Bei sehr elastischer Bündchenware kann es sein, dass eine geringere Länge ausreicht. Im Internet findet man auch Anleitungen, wie die Bündchenlänge berechnet wird. Da es seitlich als Auslaufschutz dient, sollte es möglichst eng anliegen.

Zuschneiden:

1 x inneres Windelteil (siehe Foto) ohne Nahtzugabe zuschneiden

1x äußeres Windelteil ohne Nahtzugabe zuschneiden

1 x Bauchband (54×6 cm) zuschneiden

2 x 19 cm Gummiband (0,5 cm breit) als Auslaufschutz rechts und links

ca. 45-50 cm Gummiband (2 cm breit) für das Bauchband / alternativ Knopflochgummi plus Knopf

2 x ca. 25 cm Bündchenstoff (8 cm breit) – es wird im Prinzip angenäht wie Schrägband

Nähanleitung:

1. Das äußere Windelteil vorne mit einem Zickzackstich versäubern

2. Beide Windelteile übereinanderlegen, mit Nadeln oder Clips aufeinander fixieren, und seitlich mit Geradstich einen möglichst schmalen Tunnel für die Seitengummis nähen. Die innere Naht bei max. 1cm setzen, die äußere ganz knapp am Stoffrand. Der Tunnel endet etwa 14cm vor der vorderen Kante des Innenteils.

3. Mit einer Wendenadel an beiden Seiten das schmale Gummiband durch den Tunnel ziehen, und an den Endpunkten festnähen.

4. Das innere Windelteil an der vorderen Kante auf dem äußeren Teil festnähen (z.B. mit Geradstich).

5. Außenteil vorne einschlagen, mit Nadeln fixieren, und die Seitennaht der Windel durch alle 3 Schichten bis zum Ende des Tunnels schließen.

6. Auch am hinteren Rand beide Windelschichten z.B. mit Zickzack verbinden

7. Jetzt werden die Bündchen angenäht. Zur Vorbereitung kann man auf den Bündchenteilen und der Windel Markierungen setzen (jeweils die Gesamtlänge in Vierteln). So lässt sich das Bündchen gleichmäßig auf die Länge der Windel verteilen. An den Markierungen wird das Bündchen dann wie auf dem Bild festgesteckt, und unter Dehnung mit 1cm Nahtzugabe angenäht. Diese Naht sitzt dann auf der inneren Naht des zuvor genähten Tunnels.

Die andere Kante des Bündchens wird dann ca. 1cm eingeschlagen und an der Außenseite der Windel festgesteckt. Als Orientierung dienen hier wieder die Markierungen. Mit einem Zickzackstich wird es dann durch alle Stoffschichten hindurch festgenäht, so dass das endgültige Beinbündchen ca. 3cm breit ist.

8. Am vorderen und hinteren Ende wird das Bündchen dann noch mit Zickzack versäubert. Vielleicht fällt jemandem hierfür auch noch eine elegantere Lösung ein 🙂

9. Das Bauchband an den kurzen Enden zu einem Ring schließen.

10.Mit etwa 1cm Nahtzugabe wird das Bauchband nur am hinteren Rand der Windel festgesteckt und mit einem relativ großen, engen Zickzackstich festgenäht. (ca. Stichbreite 6, Stichlänge 3)

11. Da im Bauchbereich eine Öffnung im Bund zum Verstellen des Knopflochgummis gelassen wird, kann man diesen kleinen Bereich jetzt an beiden Kanten mit Zickzack versäubern.

12. Anschließend wird das Bauchband der Länge nach in der Mitte geknickt, mit Clipsen fixiert, bzw. auf der Außenseite der Windel festgesteckt, und anschließend rundherum – bis auf eine kleine Öffnung vorne – geschlossen.

13. Mit einer Sicherheitsnadel wird dann zum Schluss das Gummiband oder Knopflochgummiband (mit festgenähtem Knopf) in den Bund eingezogen.

Variante 2 mit einer Schlaufe als Halterung für die Einlage:

Hierzu wird einfach das innere Windelteil 2 x zugeschnitten

1. Auf der inneren Lage wird im vorderen Bereich mit ca. 8cm Abstand zum vorderen Rand der Windel ein Streifen Walk mit den Maßen 2,5 x 11cm (rundherum mit Zickzack versäubert) an den kurzen Enden festgenäht.

2. Beide Windelteile übereinanderlegen, mit Nadeln oder Clips aufeinander fixieren, und seitlich mit Geradstich einen möglichst schmalen Tunnel für die Seitengummis nähen. Die innere Naht bei max. 1cm setzen, die äußere ganz knapp am Stoffrand. Der Tunnel endet etwa 14cm vor der vorderen Kante der Windel.

3. Mit einer Wendenadel an beiden Seiten das schmale Gummiband durch den Tunnel ziehen, und an den Endpunkten festnähen.

4. Am vorderen und hinteren Rand beide Windelschichten z.B. mit Zickzack verbinden und den Rest der noch offenen Seitennaht vom Ende des Tunnels bis zum vorderen Rand der Windel schließen. Danach der oberen Anleitung ab Schritt 7 folgen.

Alternative Anleitung

Hier findet ihr noch eine Nähanleitung von mir zur selben Windelhose, allerdings etwas weniger ausführlich, inklusive noch mehr Fotos. Enthalten ist auch eine Variante, die ohne Seitenbündchen auskommt. Die Maße sind etwas kleiner, das Prinzip ist aber dasselbe. Diese Überhose passt Neugeborenen besser, ist dafür maximal bis 1,5 Jahre verwendbar.

Alleingeburt beim zweiten Kind

Die Mutter im folgenden Bericht erzählt von der geplanten Alleingeburt bei ihrem zweiten Kind. Als Bonus am Ende findet ihr auch auch noch den Bericht ihrer ersten Geburt im Krankenhaus.

Vorwort: 

Die Schwangerschaft habe ich in Eigenregie verbracht, bis auf zwei Arzttermine. Dabei verfasste ich ein eigenes Gravidogramm, in das ich gewissenhaft und engmaschig meine Daten eintrug. 

Gravidogramm Vordruck 

An sich empfand ich die Eigenvorsorge als stressig, besonders, da ich oft nicht zu 100% wusste, wie das Kind liegt. Es befand sich bis zur Geburt in der 2. vo. HHL, was ich als problematisch empfand (https://www.spinningbabies.com/pregnancy-birth/baby-position/other-fetal-positions/right-occiput-anterior/), aus der er schließlich jedoch problemlos geboren wurde. Für Komplikationen oder Panik unter der Geburt erstellte ich einen 4-Stufen-Rescue-Plan und verfasste außerdem eine Patientenverfügung und Vollmacht für eine Geburt im Krankenhaus (http://www.fachpraxis-doris-lenhard.de/geburt-ohne-gewalt-bonn-patientenverfuegung/). 

Des Weiteren festigte ich mein Wissen, das ich durch 3 Jahre in Sarahs Community schon vor der Schwangerschaft gesammelt hatte, durch Bücher wie „Geburtsarbeit“, „Geburtshilfliche Notfälle“, „Gebären ohne Aberglauben“, „die Hebammensprechstunde“, „10 Moons“ und Lektüre von Michel Odent („Geburt und Stillen“, „Es ist nicht egal, wie wir geboren werden“). Als ich bei Sarah zu Besuch war, las ich außerdem diverse Bücher an („die selbstbestimmte Geburt“, „Luxus Privatgeburt“, „unassisted childbirth“) und „Praktisch bewährte Hebammenkniffe“ durch. Ich bereitete mich Wochen vor der Geburt mit Hypnobirthing vor, übte die Wellenatmung (einatmen – schnell bis 12 zählen, ausatmen – schnell bis 12 zählen), die Ruheatmung (bis 4 ein, bis 8 zählen – aus) und die J-Atmung (Austreiben nur mit Atmen) und erstellte eine Playlist für die Geburt.

Meine Geburtsaffirmation, die ich unbewusst schon in dem Zimmer aufgehangen hatte, in dem das Baby geboren wurde. https://www.youtube.com/watch?v=KTcrX17joIE 

Die Geburtsgeschichte: 

Am Morgen des 4.2.2021 begannen die ersten Wehen um 6 Uhr morgens, als ich noch am schlafen war. Die gesamte Nacht war ruhig gewesen. Da ich wusste, der Geburtsbeginn wäre sicher, wenn ich noch sexuelle Handlungen vollziehen würde, weckte ich meinen Freund, der später aber direkt wieder einschlief. Ich ging ins andere Schlafzimmer, schlief dort noch einige Stunden, bis unser großer Sohn nach mir rief „Mama, warum bist du hoch gegangen?“, um mich dann wieder zu den Beiden zu legen. Um 8 Uhr oder so standen wir beide auf und wir frühstückten Eier. Wir versuchten wieder, den Papa zu wecken, aber bis 10 Uhr war das vergebens. Da ich merkte, dass sich durch den Alltag mit dem Kleinkind die Wehenabstände auf 15 Minuten vergrößerten und ich das verhindern wollte, weckte ich meinen Freund mit den Worten „willst du heute noch einen zweiten Sohn haben oder nicht!“, woraufhin er auch aufstand und ich mich wieder ins Bett legen konnte. Ich hörte mir zum zweiten Mal die Hypnobirthing-Regenbogenentspannung auf Youtube an, die zuvor (in der Nacht) einfach mittendrin ausgegangen war, weil der Akku meines Laptops alle war (https://www.youtube.com/watch?v=YGIdjx7I174) . Danach öffnete ich das Schlafzimmerfenster, legte mich davor und schaute einfach so raus.

Die beiden anderen verließen so gegen 11 Uhr das Haus, um Feuerholz zu machen und ich konnte ein bisschen allein sein. In dieser frühen Eröffnungsphase handle ich immer sehr impulsiv und mir kommen Ideen, was ich alles machen könnte, auf die ich dann urplötzlich richtig Lust habe. Zum Einen habe ich ein Mandala ! gemalt mit sich öffnenden Blüten und dabei den 2-Stunden-Entspannungs-Remix gehört. Während des Malens hatte ich gehofft, die Musik würde niemals enden. 

Als ich das Mandala fertig hatte, hatte ich das Bedürfnis, an der frischen Luft spazieren zu gehen und ging auf dem Balkon auf und ab. Dabei machte ich erstmals meine Geburtsplaylist an, die ich über Laptop laufen ließ, weil ich mein Handy ja bei meiner Freundin vergessen hatte (was ein Glück). Ich fing an, im Wohnzimmer aufzuräumen. Die beiden kamen wieder und mein Freund kochte was. Ich verhielt mich wohl ziemlich normal, zog mich aber, nachdem ich Krabben und Tomaten gegessen hatte, wieder ins Schlafzimmer zurück und wollte endlich mal den Film („Jenseits der Stille“, https://www.youtube.com/watch?v=M4UDvFTvcuc) gucken. Ich schickte die beiden wieder weg und sie gingen weiterarbeiten. 

Letztes Bauchbild, schon unter der Geburt

Während des Films merkte ich, dass mein Neokortex durch die Handlung des Films aktiviert wurde und hörte ab dem Zeitpunkt, wo das Mädchen die Transformation zur jungen Frau vollzieht, auf, zu gucken. Stattdessen machte ich mir nochmal die Hypnobirthing-Regenbogenentspannung an, denn die chillte immer so und ließ das Gehirn anders arbeiten. Ich dachte mir zu diesem Zeitpunkt: „Oh Mann, das kann ja noch ewig dauern.“ Die Wehen waren ab 6 Uhr stets im 10-Minuten-Takt gewesen (man konnte die Uhr danach stellen), wurden nicht näher zusammenliegend und schienen zwar manchmal effektiv, aber manchmal auch echt schnöde. Als ich mal wieder auf dem Weg zum Klo hochging, platzte dann endlich meine Fruchtblase (Ich wusste vorher schon, dass die Blase gerissen war, weil ich ein wenig Fruchtwasser verlor. Ich hatte das auch meinem Freund mitgeteilt, der es einfach so zur Kenntnis nahm und wieder fuhr.) und ich sagte zum Kind: „Ach, willst du doch schon heute kommen“. Ich zog meine Hosen aus und schmiss sie direkt in die Waschmaschine. 

Danach lümmelte ich oben im Badezimmer rum und bereitete den Boden und das Fenster ein bisschen vor, hatte über Bluetooth-Box meine Itunes-Playlist laufen. Im anliegenden Schlafzimmer war es auch schön dunkel und ich wechselte die Räume, bereitete die Böden vor (deckte sie ein bisschen ab mit Folie und auch einen Teil vom Bett), solange ich noch konnte und lümmelte dann auf dem Bett rum. Ich merkte, wie wenig später meine Beine begannen zu zittern und ich war etwas aufgeregter als vorher. Es war ungewohnt, so zittrig zu sein und ich denke, die Wehen kamen jetzt in engeren, aber immer noch erträglichen Abständen. Irgendwann merkte ich, dass ich wohl in der Übergangsphase sei und verspürte das Bedürfnis, dass jemand bei mir ist. Ich rief vom Haustelefon meinen Freund auf dem Handy an und er ging siebenmal nicht ran. Ich wollte, solange ich noch konnte, abklären, dass er auf KEINEN FALL unseren Großen mit nach Hause bringen sollte, weil der die Situation nicht verstehen würde und eine einzige Frage von ihm mich schon komplett aus dem Konzept gebracht hätte. Ich wies meinen Freund an, ihn zu meinen Eltern zu bringen, was er nicht für so eine gute Idee hielt, weil er nicht wusste, was er „ihnen erzählen soll“. Aber ich überredete ihn und machte ihm klar, dass ich ihn bei mir haben wollte (und zwar allein). 

Er brachte unseren Sohn also zu ihnen und kam dann zu mir, als ich mich schon entschlossen hatte zu duschen. Mittlerweile hatten meine „Presswehen“ auch schon angefangen und der bekannte Druck aufs Kreuzbein fing an. Ich ließ immer Wasser auf das Kreuzbein laufen, presste aber nicht mit. Das mit den Presswehen hatte ich gemerkt, als ich mal wieder aufs Klo ging und plötzlich wieder dachte, „ach, kackste mal“, aber nichts kam. Da wusste ich eigentlich schon, was Tango war. Ich wollte aber, wie immer, Kräfte sparen, und es ärgerte mich tierisch, dass ich mich nicht einfach hinlegen konnte, sondern mich selbst nötigte, in aufrechten Positionen zu bleiben. So stand ich dann in der Dusche, befand mich auf allen Vieren im Bad auf die Kissen gelehnt, oder stand am Geländer oberhalb der Wendeltreppe. Mein Freund war ja dann da und konnte mich am Kreuzbein streicheln. Wir standen ein bisschen zusammen rum und auch im Schlafzimmer (wo ich es komplett dunkel haben wollte bis auf drei Kerzen) stand er mir einfach nur zur Seite. Ich gab ihm Anweisungen, was ich wollte und was nicht und sagte manchmal zwischendurch, „das ist super“. Ich versuchte ihm zu erklären, wie sich die Presswehen anfühlten (sie waren auch in großen Abständen, 15 Minuten oder so) und bewirkten bloß ein starkes Hartwerden des Bauches und zwangen mich, eine Spannung im Körper zu halten. Dafür musste ich mich dann im Vierfüßler vorne abstützen und die Hände zu Fäusten ballen. Es wurde ihm irgendwann zu langweilig, er ging wieder runter, Küche aufräumen. 

Me, being boring. Wortlaut: „Passiert ja eh nichts.“

Ich lümmelte weiter im Bett, meist Vierfüßlerstand (wie gesagt, ich machte mir ständig Vorwürfe, wenn ich mich hinlegen wollte, um auszuruhen) und überlegte, dass es, wenn ich weiter meinen Presswehen aus dem Weg gehen würde, sich noch stundenlang weiterziehen würde. Ich ging also ins Bad, wollte aufs Klo gehen, kniete mich stattdessen aber in die Ecke und presste mal mit. Ich merkte, anders als zuvor, der Kopf kam tiefer (im Bett war er einmal wieder zurückgerutscht). Er kam richtig, richtig tief. Ich war verwundert, weil ich nicht damit gerechnet hatte, dass er schon so tief wäre! Ich stieß so einen komischen Stöhner aus und mein Freund kam hoch. Ich sagte ihm, „guck mal“ und er machte meinen Arsch sauber. Er versuchte, mir mit dem Spiegel das Köpfchen zu zeigen, weil ich es schon spürte, wie es von innen die Vulva dick rausdrückte und es gerne gesehen hätte. Als der Kopf kurz vorm Rauskommen war, bat ich meinen Freund, überall um das Köpfchen herum Wasser auf die Vulva und den Damm zu tröpfeln und sagte: „Oh ja, das ist super“. Dann trat das Kind einmal und ich wusste, jetzt drücke ich, da war der Kopf draußen, der Körper steckte noch in mir drin. Wieder wartete ich und irgendwann trat er mich wieder und ich drückte nochmal, sodass er rauskam. Mein Freund fing ihn auf und das Baby war hinter mir. Ich drehte mich um und natürlich hatten wir dann die erste Schrecksekunde: Wie kriegen wir das Baby zum Atmen? Wir rubbelten einfach mit einem Handtuch, das wir fanden und als er schrie, wussten wir, er atmet. Er war auch noch ganz schwabbelig, das waren wir nicht gewohnt (der Kopf hängt ja immer durch). Ich schaute auf den Laptop nach der Uhrzeit und mein Freund holte die APGAR-Karten und wir kreuzten direkt die ersten Werte an. 

APGAR-Karte zum Selbst-Ankreuzen. Auch noch Mal für 5 und 10 Minuten

Natürlich hatte ich es mit der Plazenta wieder sehr eilig. Nach fünf Minuten und zwei Lösungsblutungen platschte sie in die Wanne unter mir. Wir machten sie transportfertig, da wir sie erst am nächsten Tag abtrennen wollten. Dann sind wir vors Bett umgezogen und haben unser Erlebnis erstmal sacken lassen. Das Baby habe ich meinem Freund gegeben und bin unter die Dusche gegangen, um meine Beine sauber zu machen. Das Badezimmer war wie ein Schlachthof und mein Freund begann bald, auch das sauber zu machen und weiter aufzuräumen. Ich zog mich an und wir holten die Schwiegereltern, um ihnen den Neuankömmling zu zeigen. Sie waren über die Hausgeburt sehr positiv überrascht. Sie versorgten mich mit Essen, Trinken und einem Zopfgummi (ich wollte unbedingt Zartbitterschokolade essen), informierten alle ihre Freunde und Verwandte über die Geburt und bondeten auch schon Mal mit dem Baby. Später wurde unser großer Sohn von meinen Eltern wieder zurück nach Hause gebracht. Danach gingen wir alle gemeinsam ins Bett und schauten noch ein bisschen „der kleine Maulwurf“.

Erstes Anlegen nach einer Stunde

Fazit: 

Ich hätte nie gedacht, dass die äußeren Umstände so wenig ausmachen bei meinen Geburten. An sich ist diese Geburt zeitlich genauso abgelaufen wie die erste (siehe Bericht weiter unten). Mein großes Ziel, eine Alleingeburt zu Hause zu haben, habe ich erreicht und frage mich bis heute, ob es das – insbesondere den Stress in der Schwangerschaft und den Stress mit dem Erkennen der Kindslage –  wert war. Denn letztlich ist eine Geburt eine Geburt, ganz egal wo, und nie besonders schön (für mich zumindest). Besonders das Pressen (zumal ich ja fast nie mitpressen wollte) und den Austritt habe ich als sehr störendes Gefühl empfunden. Dieses Mal ist die Geburt natürlich abgelaufen, weshalb ich eine echte Übergangs- und Pressphase erlebt habe, die ich bei der ersten Geburt nicht hatte. Dieses Mal war ich komplett auf mich selbst gestellt, was einerseits für die Selbstbestimmung optimal war und es auch noch friedlicher und sanfter hat ablaufen lassen als die erste. Aber das Ende hätte deutlich verkürzt werden können, wenn mich jemand – wie ich es von der ersten Geburt her kannte – zum Pressen angestiftet hätte. An „sanftes Herunteratmen“ statt „Powerpressen“ glaube ich seitdem nicht mehr, obwohl auch diese Geburt wieder von vorne bis hinten eine Hypno-Geburt war. Durch meinen Glauben an ein „sanftes Herunteratmen“ zog sich die Pressphase bis zu 2 ½ Stunden, obwohl mir die ganze Zeit klar war, dass, wenn ich feste mitpressen würde, ich alles binnen weniger Minuten beenden konnte. 

Direkt im Anschluss an die Geburt war ich mir sicher, dass es keine Zufälle gibt. Dass das Kind tatsächlich an dem Ort, an dem ich das unbedingt wollte, zur Welt kam, war eine Entscheidung meines Unterbewusstseins in Abstimmung mit mir selbst. Ich wusste, zu welcher Tageszeit es besonders günstig für eine Geburt wäre und hatte diese Geburt, bevor sie stattfand, bereits so aufgeschrieben, wie sie dann passiert ist. Ich hatte während der gesamten Geburt stets das Gefühl, die Kontrolle zu haben und dachte nie: „Ich lasse meinen Körper machen“. Im Gegenteil, ich hatte sogar den Eindruck, den Wehenabstand sowie die Zeit, die es insgesamt dauert, beeinflussen zu können durch meine Tätigkeiten. Auch den Austritt habe ich bewusst entschieden und den Abschluss der Geburt gemeinsam mit dem Kind orchestriert. 

Meine erste Geburt: Eine Krankenhausgeburt mit Musik 


Am 12.5. gegen 12:48 beginnen die ersten Wehen. Zuvor hatte ich noch Kartoffelpuffer mit Lauchzwiebeln gemacht und gegessen. Im Bett wollte ich dann eine Hypnose-Session beginnen mit einem Youtube-Video. Das gelang mir aber nicht so gut. Beim „entspanne deine Beine“ oder „entspanne deine Arme“ kamen mir immer wieder die Schmerzen in meinem Bauch in die Quere. Ich dachte, „na, nu reiß dich doch mal zusammen, Hypnose soll doch gut sein“. Ich fasste mir nach 20 Minuten ein Herz und ließ es bleiben – auf dem Rücken liegend war es eh nicht so gemütlich. Ich ging ins Bad und tat erstmal gar nichts. Ich holte meine Musik und taperte ins Bad zurück, Mario war gerade von der Uni wiedergekommen und aß in der Küche. Er merkte nix, und ich wollte mir erstmal nichts anmerken lassen. Er fragte mich, ob ich baden wollte, also ließ ich Badewasser ein. 

Währenddessen entschied ich mich für Neon Bible – Arcade Fire (https://www.youtube.com/watch?v=pHnccD_ft68&list=PLEhPbIBKqZIrM8q6kVlA2swVbeFHT_Gc_), schaute in den Spiegel und sang. Ich wollte noch nicht so recht in die Wanne, legte Handtücher überall auf den Boden, taperte ins Schlafzimmer (wo Mario im Bett saß und Fight Club guckte), holte einen Bademantel und ging ins rote Schlafzimmer, wo ich ein paar Wehen im Hocken auf dem Bett verbrachte. Wann genau ich auf die Idee mit dem Singen unter den Wehen gekommen bin, weiß ich nicht mehr, aber es fiel mir wie Schuppen von den Augen. Natürlich! Singen! Ich hatte schon immer gesungen, wenn ich unter Stress stand (als kleines Kind im überfüllten Zug) & es ist irgendwie meine Art. Es passt zu mir. Erleichtert und gerührt verdrückte ich ein paar Tränen. 

Ich begab mich in die Badewanne und Mario machte U2 – The Joshua Tree (https://www.youtube.com/watch?v=3FsrPEUt2Dg&list=PLIHqGfTiPiMWRadWXFtaSLGUI953vOTrt) an. Ich weihte ihn so langsam mal ein, er sollte aber schön den Film weitergucken und ich würde ihn anrufen, wenn ich Hilfe bräuchte. Da ich ja vorher schon gekackt hatte (weiß nicht mehr wann, aber doch recht zu Anfang, und ab da wusste ich es geht los!), wollte ich eigentlich nix essen & im Internet hatte ja auch gestanden, wenn die Frau Hunger hat, ist es noch lange. 

Ich gab irgendwann dem Hunger nach, rief Mario an und er machte mir den Reis warm, den ich in der Badewanne aß. Ich blieb lange da sitzen und hörte Musik, sang unter den Wehen, ließ warmes Wasser nachlaufen und schaute den Dreck in den Badezimmerfugen an. Ich erinnere mich, dass ich auch das Fenster aufgemacht hatte um raus zu schauen. Ich dachte, na gut, wenn de nicht aus’m Wasser raus willst, willste eben nicht und musste ja auch nicht. Abtrocknen – hatte ich auch lange keinen Bock drauf. 

Irgendwann kam Mario wieder und ich verließ die Wanne. Ich zog mir wieder das Kleid an und wir gingen erstmal ins Wwohnzimmer. Ich lümmelte auf dem Fußboden rum und legte eine Decke auf den Boden. Ich betrachtete meine alten CDs und schaute mir die Booklets von Pink, Gwen Stefani & Juli an. Währenddessen lief der 2-Stunden-Remix alle farben – winterheart und ich versang die Wehen (https://www.youtube.com/watch?v=oo8kRQi-bTk&list=OLAK5uy_k1erGZ-qA8-ep0fo2iJJF1kSVR4FbWxz4) . Zwischendrin laberten Mario und ich. 


Später gingen wir ins Bett und ich zockte 2048 & schrieb Florian und Kirsten in den Wehenpausen. Irgendwann, so gegen 5 oder so, spekulierten wir, ob ich wohl schon Fruchtwasser verlöre, das Zeug roch anders als Pipi und kam aus der Vagina, aber tröpfchenweise.

Rückenlage, bevor die Fruchtblase geplatzt ist

Außerdem wollten wir mal die Wehenlänge und die Länge der Wehenpausen messen, was wir gewissenhaft in mein Tagebuch schrieben. Mario sollte sich noch was zu Essen machen, bevor wir in die Klinik fuhren und so ging er in die Küche. Ich hatte lange auf dem Rücken gelegen/halb gelehnt und stand mal auf. Just in dem Moment platze meine Fruchtblase. Batsch! Ins Bett! Ich schrie und hielt ein Handtuch drunter und ließ das Wasser in den blauen Eimer fließen. Da waren weiße Zellreste drin und das Wasser war so durchsichtig. Mario kam angerannt und ich sagte, ruf mal im Kreißsaal an und frag, wieviel los ist. 

Er das also getan und dann ging alles sehr schnell, er sehr gestresst und hibbelig. Ich ging nochmal aufs Klo und verlor weiter Wasser. Er wollte das Auto holen und dass ich dann sofort mit ihm runtergehe. Ich ging ins rote Schlafzimmer und versang weiter Wehen, mittlerweile unter Volker Friedel/Walter Kiewitt – Kinder kommen zur Ruhe. Er kam gestresst wieder hoch, ich zog mir die Schuhe an und wir gingen die Treppe runter mit der Musikbox hinten in der Kapuze. Unten trafen wir Fatima und sie fragte, was ist und wünschte viel Glück. Bevor wir losfahren konnten, wurde Mario nochmal angerufen und er musste die Route zur Klinik ins Handy eingeben, weil er meinte, er wüsste den Weg nicht mehr, ich sagte, bis zum Edeka und dann links hoch. Wir fuhren unsere Seitenstraße runter und ich schloss mal die Augen wegen der vielen Eindrücke, versang die Wehen und bei jedem Ruckeln und Geschwindigkeiten über 30 km/h wurde mir ganz anders, besonders unter Wehen. Ich sagte, fahr bitte langsamer, fahr bitte langsamer, fahr bitte langsamer. Oben beim Klinikum sagte ich halt an, weil es mir zu viel war und ein Arschloch hinter uns hupte. Mario wollte mich vorne an der Pforte rauslassen, aber ich wollte nicht allein sein und bestand darauf, mit ins Parkhaus rein zu fahren. Dort wollte Mario auf den Behindertenparkplätzen parken, aber wir fanden ein Stockwerk höher doch noch einen normalen Parkplatz. Ich wollte noch im Auto bleiben, aber wir stiegen recht schnell aus. 

Auf dem Weg zur Klinik hatte ich die Augen zu (und Mario führte mich) und sang unter Wehen. Eine Familie kam uns entgegen und die Mutter wünschte mir viel Spaß. Bei den Wehen sagte ich Mario er solle sich verteidigend vor mich stellen aber er wollte sich immer mir zuwenden und mich streicheln oder sonst was. Ich sagte das mehrmals und verkroch mich hinter seinem Rücken. Wir fuhren Rolltreppe und gingen zum Kreißsaal. Dort saß ein liebes Mädchen namens Kira hinterm Tresen und ich dachte, so, Mario regelt das mit der Anmeldung und ich setz mich jetzt hier in den Wartebereich. Ne, weit gefehlt. Ob ich wohl ein bisschen Urin da lassen könnte!? Okay, hm, also aufs Klo. Immer mit Musik. Ich geb den Urin draußen ab, will mich wieder in den Wartebereich chillen, ne, es geht gleich weiter in die Überwachung, das liebe Mädchen erklärt mir das weitere vorgehen: halbe stunde CTG, dann Blutabnahme und Ultraschall. Ich setz mich auf die Pritsche und sie tastet den Muttermund. 4 cm. Ich soll auch noch ne Wehe kriegen, damit sie gucken kann, was das Köpfchen macht bei ner Wehe. Sie sagt auch so Sachen wie „ich führe jetzt den Finger ein“ und ich sagte nur so „ja okay“ und just kam keine Wehe. Das liebe Mädchen sagt dann auch noch, dass ja jetzt keine Wehe käme, weil sie da sitzt und wartet und schließlich gibt sie auf. Ich wünsche mir eine Decke, weil es doch recht kalt und ungemütlich ist (und Kerzen darf man auch keine anmachen, weil dann „sofort der Feuermelder losgeht“) im Überwachungsraum. Brav lasse ich mir das CTG umschnallen und bin fortan an das seitliche Liegen gebunden, denn sonst verrutscht die Sonde und das Gerät kann die Herztöne nicht richtig aufzeichnen. 

Symbol für mein größtes Geburtshindernis, das CTG.

Als die Hebamme weg ist, fange ich an verzweifelt zu werden und flehe Mario an: „Halt die mir vom Hals!“ Er meint nur, es sei doch ganz schön hier und die Kira sei nett. Er will auch neben mir am Kopfende sitzen und mich streicheln. Ich verbanne ihn auf den Sessel, sage ihm, dass es mich beruhigt, wenn er einfach da sitzt und Flugsimulator spielt. Wir hören derweil Kings of Convenience und dies ist mitunter der schlimmste Teil der Geburt (https://www.youtube.com/watch?v=lZqUeNbg8SQ&list=RDlZqUeNbg8SQ&start_radio=1). Immer, wenn die Sonde abgeht, kommt diese Kira wieder rein und ich kriege Schmerzen, heftige Wehen oder soetwas. Auf dem Papier, das aus dem CTG rauskommt, markiert sie jedes Mal die Stelle, die nicht richtig aufgezeichnet wurde und geht wieder. Ich darf erst von dem Gerät ab, wenn die Herztöne wirklich 30 Minuten am Stück aufgezeichnet worden sind und das heißt, ich darf mich nicht bewegen. Ich schaffe es aber nicht, lager mich immer wieder um und die Sonde zeichnet nicht richtig auf. So geht das 1 Stunde, 10 Minuten (statt der versprochenen 30 Minuten!). Ich leide. Am Ende darf ich dann sitzen und mehr schlecht als recht putschelt mir diese Kira ein Tüchlein zwischen Sonde und Kabel, das dann aber letztendlich doch abfällt. 

Irgendwann darf ich dann zum Ultraschall, die Ärztin ist sehr gestresst und ich habe sehr schmerzhafte Wehen, die ich nicht wirklich voneinander abgrenzen kann. Mein Körperbewusstsein ist mir – bis auf die kleinen Pausen, die ich auf der Toilette sitze – abhanden gekommen. Beim Ultraschall pladdert mir die Ärztin Gel auf meine Armbanduhr, durchleuchtet nochmal alles von allen Seiten und befragt mich dann nochmal zu Vorerkrankungen und Schwangerschaft. Als sie mir die Kanüle legt, soll ich eine Faust machen, damit sie die Vene gut findet und endlich habe ich das Gefühl, in guten Händen zu sein und etwas Nützliches zu tun (also eine Faust machen). Danach geht es wieder in die Überwachung, den ich schon als meinen Raum akzeptiert habe und wo auch die Decke wartet. Das liebe Mädchen sagt, wenn ich nochmal aufs Klo gehe, kann sie aufschreiben, dass ich erst 10 Minuten später wieder ans CTG konnte. Auf dem Klo gewinne ich wieder Sicherheit und spüre die Wehen kommen und gehen. Ich singe natürlich weiterhin. Nach einiger Zeit weiteres CTG-Schreiben kommt das kleine Mädchen wieder rein und ich kriege eine heftige Wehe oder irgendwelche Schmerzen. Sie bleibt mit den Worten „ich warte noch eben die Wehe ab“ in der Tür stehen und verkündet, dass wir in den Kreißsaal umzögen. Mario schon ganz enthusiastisch, packt die Taschen und will losstiefeln. Ich sage, dass es mir noch ein bisschen zu schnell geht und die beiden gehen schon mal vor. Mario holt mich ab und zeigt mir, in welchen Kreißsaal wir gehen. Dort angekommen, gehe ich erstmal nochmal aufs Klo und singe Herr der Ringe. (Ich dachte auf dem Klo, irgendwann, weiß nicht mehr genau wann: Anno, sei kein Feigling, du kannst dich nicht auf dem Klo einschließen!) Ich wurde von einer Hebammenschülerin ans CTG angeschlossen, die irgendwas davon erzählte, dass sie gerne Ludovico Einaudi hört, selbst kein Instrument spielt, aber sich wünscht, dass ihr Sohn Klavier lernt. Ihre Frage war, welche Instrumente ich könne, weil ich so schön gesungen hätte. Ich bemerkte auch dann, dass der Schmerz besser wird, je höher ich singe. Auf Wunsch wird das Gewupper wieder leise gestellt und ich sitze in dem Gebärbett und singe. Das Zimmer ist recht dunkel und Mario sitzt mir gegenüber auf so nem Sessel und zockt und döst (?). 

Ich bin ziemlich erleichtert, dass diese Kira nicht mehr da ist und just um 9 oder halb 9 kommt eine neue Hebamme namens Sibel und verkündet, dass Schichtwechsel sei. Ich noch erleichterter, frage ob ich in die Wanne könne (Antwort weiß ich nicht mehr, war aber wohl nein – wegen dem CTG) und ob wir uns duzen sollen (hatte diese Kira ja auch sofort gefragt). Nein, hier werde gesiezt. Auch gut. Mario gibt mir ein Heft mit „natürlichen Geburtspositionen“, das da rumliegt und ich pfeffere es ihm um die Ohren. Sehr witzig, mit CTG ja alles nicht möglich. Dann vergeht einige Zeit, an die ich mich nicht mehr so gut erinnern kann. Jedenfalls verließ Sibel den Raum und Mario, ich und die Herr der Ringe Musik waren für uns (https://www.youtube.com/watch?v=cHjt9Q00sp4). Ich drehte mich auch ab und zu mal in den Vierfüßler-Stand (und legte meinen Kopf in die Kissen), und wenn mein Kreuzbein zu sehr weh tat, setze ich mich halt mit dem Rücken angelehnt aufs Bett. Mario musste auch erstmal rausfinden, wie sich diese Rückenlehne verstellen ließ, bei der ich ständig verlangte, dass sie verstellt wird. Einmal zwischendrin ging ich auch nochmal aufs Klo, weil ich den Eindruck hatte, kacken zu müssen. Ich kam wieder und setzte mich auf den Ball, haha, mit nackter Vagina und wenn’s keiner gemerkt hat, hatten die dann das ganze Fruchtwasser von mir da drauf. Ich hatte schon wieder das Gefühl kacken zu müssen und dachte, was soll’s, scheiße ich halt in den Eimer, den wir mitgebracht hatten. Ich stand, auf den Badewannenrand gelehnt, und Mario durfte mir den Topf unter den Arsch halten. Trotzdem hatte ich irgendwie Hemmungen, richtig zu pressen und krabbelte zurück aufs Bett. Ich dachte mir, naja, das kann ja noch ewig dauern (geht man ja immer von aus), und chillte erstmal, Wehen waren auch nicht mehr richtig schmerzhaft. Ich dümpelte nur so rum und es war ganz entspannt. Mario hatte Hunger und plünderte alle Müsliriegel-Vorräte (ich hatte ja doch recht gehabt, er hätte sich eine Pizza holen sollen). Ich hatte nur Durst (ich kam nicht selbst an die Flasche ran, weil es keinen Beistelltisch gab), Mario musste mir immer das Wasser reichen. 

Irgendwann kam Sibel wieder rein und tastete nach dem Muttermund. Vollständig eröffnet, sie können jetzt pressen. Ach, so weit also doch schon? Krass. In Rückenlage. Und zwar, tief einatmen, Luft anhalten, mit aller Kraft schieben. Aha. Bei der nächsten Wehe. Okay. Dumm nur, dass ich keine Wehen spürte. Wirklich, nix Schmerzhaftes und auch keinen Pressdrang. Jetzt war diese Hebamme aber schon da und hatte das mit dem Muttermund herausgefunden. Also rechnete sie jeden Moment mit dem Kind und war auch recht ungeduldig. Ich sagte, dass ich keinen Pressdrang verspüre, aber das CTG zeigte wohl Wehen an. Also presste ich einfach so ein bisschen rum, wenn ich gerade Lust hatte. Aber ich war ein bisschen faul und dachte, ach, kannst dir ja Zeit lassen. Ich spürte die Ungeduld von der Sibel und sie sagte ja auch immer wieder „und jetzt pressen pressen pressen“. Was ich aber nicht immer tat, weil es mir zu anstrengend war. Ich fragte, ob wir es eilig hätten oder ob wir Zeit haben, aber was soll ich sagen, wir wurden sie ja nicht wieder los, sie wanderte vom Tisch zum Bett und ich schloss mal die Augen. Ich sang auch nicht mehr, waren ja keine Wehen mehr da. Ich wusste, ich muss da jetzt durch, diese Sibel lässt uns erst in Frieden, wenn ich das Kind „rausgepresst“ hatte. Aber Tobias chillte und ich chillte auch. Also fuhr ich so ein bisschen ein Zwischending, ich presste willentlich und wechselte auch mal die Positionen, ich sollte mich vor allem an dem Seil festhalten. An Aufstehen war wegen des CTGs nicht zu denken, also blieb mir Vierfüßler im Bett (was aber unangenehm war wegen den Rückenschmerzen), Rückenlage und Hocke im Bett. In Rückenlage sollte ich auch meine Beine ranziehen und kurzerhand fuhr Sibel so Fußstützen raus, auf die ich meine Füße legte. Das war ganz angenehm. Ich sollte also immer weiter und wieder pressen und ehrlich gesagt wartete ich immer noch auf den körpereigenen Pressdrang. Aber der kam nicht wieder und also presste ich manuell mit Anfeuerung von Sibel und Mario (der mit ins Anspornen gekommen war, als er das Köpfchen gesehen hatte). Ich wollte von ihm wissen, wie das aussähe und er war ganz aufgebracht und sagte weiße Schmiere und schwarze Haare. Ich presste noch ein bisschen fester als vorher und schrie auch dabei, weil man wohl immer ein bisschen über die eigentliche Kraft hinaus gehen muss. Das Köpfchen kam wohl auch immer tiefer und letztendlich spürte ich es im Geburtskanal sitzen, wegen dem Brennen. Ich beeilte mich nicht und dachte, den 13.5. warten wir jetzt noch ab (es war kurz vor Mitternacht). Ich drückte noch ein paar mal – wohl ziemlich stark – und Sibel sagte immer wieder „pressen pressen pressen, sehr gut machen Sie das“ und Mario feuerte mit an und sagte „jetzt ist nicht mehr viel“ oder „gleich ist’s geschafft“. Als das Köpfchen rauskam, stabilisierten die Hebamme und die Ärztin den Damm mit einem trockenen Tuch (was hätte ich für ein feuchtes Tuch getan!!! Aber dafür war keine Zeit). Wenig später kam der Körper hinterher und Tobias lag unten auf dem Bett und war geboren. Die Nabelschnur spürte ich zwischen meinen Beinen. Ich konnte ja gar nix sehen und sie packten ihn in Handtücher und ich musste mich schnell daran machen, mein Oberteil loszuwerden, weil man ja sagt: nackte Haut auf nackte Haut. Die Ärztin und Hebamme gaben mir Tobias auf den Arm und wir sangen ein Herr der Ringe Lied. Mario sagte auch sofort, dass er aussähe wie er. Die beiden Frauen rubbelten Tobias überall ganz kräftig und von allen Seiten (mit vier Händen). Ich fragte, was sie da machten und sie sagten „wir stimulieren ihn nur ein bisschen“, bis er schrie und sie zufrieden waren, dass er schrie. Dann setze sich Mario neben mich aufs Bett und wir versuchten, den kleinen durch Singen wieder zu beruhigen. 

Sie klemmten die Nabelschnur ab und Mario durfte sie durchschneiden und die Schere behalten (eins der vielen Relikte, die wir aus dem Krankenhaus haben mitgehen lassen). Die Ärztin ging wieder weg und Sibel holte den Tropf mit dem künstlichen Oxytocin, gegen den wir uns höflich, aber bestimmt wehrten. Da ich glaubte, die Nachgeburt müsse nun schnell raus, da sie sonst doch noch den Tropf anschließen würden, versuchte ich, Tobias an die Brust anzulegen. Sibel bemerkte das und wollte helfen, ihn anzulegen, indem sie mit ihren Plastikhandschuhfingern meine Brustwarze griff und ihm in den Mund schob. Tobias wollte nicht, oder wusste nicht wie’s geht, aber die Plazenta kam trotzdem. Weich und blaatsch. Ich durfte sie glaube ich nur kurz sehen, dann haben sie sie weggeschmissen. Nach diesen Geschehnissen wurde es wieder ruhiger und das Personal ließ uns in Ruhe kuscheln. Tobias war immer noch nackt und lag auf meiner Brust. Wir unterhielten uns leise und es war einfach nur schön. Wir haben auch ein Foto gemacht. 

Später ging es dann an die Untersuchungen, die alle Sibel machte und Mario musste zugucken. Die Ärztin kam auch rein und mit so einer Gyn-Lampe stellten sie sich unten vors Bett und beschlossen, meine inneren Schamlippen zu nähen. Die eine Seite schaffte sie auch, dann gab es anderswo eine Geburt und die Ärztin musste dorthin stürmen. Sie kam später wieder und nähte weiter, die Betäubung hielt auch noch an. Während wir noch chillten auf dem Bett und glücklich waren, schrie eine Frau im Nebenkreißsaal wie am Spieß, als wenn sie geschlachtet würde, und wir waren ehrlich erschrocken. Ich erkundigte mich später, parallel waren wohl noch sechs, sieben andere Geburten gelaufen und die Frauen hatten im Laufe der Nacht wohl auch irgendwann ihre Kinder geboren.
Gegen 4 Uhr oder so sollte ich mal aufstehen, ich hatte unterdessen schon so ein Netzhöschen und zwei Vorlagen angezogen bekommen, gucken wies kreislaufmäßig so läuft und ging aufs Klo. Ich blutete da was voll (was mir voll peinlich war) und wischte den Fußboden mit Klopapier sauber. Dann zogen wir um auf Station, ich willigte ein, die Nacht zu bleiben und wollte, dass Mario sich bei der Nachgeburtshebamme meldet, damit sie zu hause Fersenblutabnahme machen kann (was wir vorher hätten absprechen müssen). Ich wurde in einem Ohrensessel nach oben geschoben und erzählte noch im Aufzug was vom Altenheim. Auf dem Zimmer angekommen, war da eine andere Frau und Sibel verabschiedete sich mit den Worten, ich sei tiefenentspannt gewesen und mein Mann hätte mich ja so super unterstützt (woraufhin ich erwiderte, ich weiß ja nicht, was sie sonst noch so für Geburten erleben), von mir und ich lernte noch kurz die Nachtschwester kennen, Mario saß kurz bei uns rum und dann war Nacht.

Alles in allem habe ich unter der Geburt gedacht, dass es doch unspektakulärer ist, als es viele Leute immer darstellen. Man sollte nicht so ein großes Ding daraus machen und sich einbilden, die Geburt sei eine Möglichkeit, ins Sein zu kommen (entweder man ist schon vorher im SEIN, oder eben nicht, aber eine Geburt als Mittel zum Zweck nehmen, ist Blödsinn).
Die Krankenhausinterventionen sind KEIN Mythos und ich habe am eigenen Leib erfahren, was die Aufgabe der Selbstbestimmung unter der Geburt bedeutet. Zwar in abgemilderter Form, aber die Eingriffe des KH-Personals haben mich schon aus der Bahn geworfen und am liebsten wäre ich wirklich wirklich allein gewesen. Beim nächsten Mal brauche ich auf jeden Fall Geburtsbegleiter, die Zurückhaltung praktizieren und auch mal auf gesundheitliche Vorkehrungen verzichten können zum Wohle der Frau und dem Geburtsverlauf. Ich finde es im Nachhinein schade, dass mich das CTG-Gerät so behindert hat und ich mich in einer Zwickmühle befand (Gerät verweigern würde bedeuten, Probleme beim Kind nicht feststellen zu können, Gerät bedeutet längere und fremdbestimmte Geburt). Ich hätte nach eigenem Ermessen handeln können, aber dann nur in meinem sicheren Raum, der Toilette.
Zu Hause hätte ich die Geburt nicht gepackt, weil es wirklich eine HEIDEN Sauerei war und wir übelst viel hätten putzen müssen – und so haben die das alles für uns gemacht und wir mussten auch die Untersuchungen nicht nachmachen lassen oder uns mit der blöden Bürokratie rumschlagen.
Das nächste Mal wünsche ich mir auf jeden Fall eine Geburt, bei der es möglich ist, frei zu entscheiden und wo man nicht von der Gunst eines elektronischen Geräts abhängig ist. Gerne eine Hausgeburt.

Gib Stoffwindeln eine Chance

Was für unsere Großeltern noch selbstverständlich war, hat heute oft den Hauch des Exotischen. Dabei sind Stoffwindeln gar nicht kompliziert, und wenn man sie mit windelfrei/abhalten kombiniert, hat man noch nicht mal viel Wäsche.
Ein Gastbeitrag von Katharina von deine-Stoffwindel.com.

Immer mehr Eltern entscheiden sich für das nachhaltige Wickeln mit Stoffwindeln. Als Alternative zur Wegwerfwindel haben moderne Stoffwindeln viele Vorteile: sie sind gut für die zarte Babyhaut und schonen nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel. Durch einen Stoffwindelzuschuss, den einige Städte und Landkreise in Deutschland bewilligen, kann der Geldbeutel weiter geschont werden. So kannst du bis zu 225€ zusätzlich sparen. 

Stoffwindeln sind gut für das Baby und die Umwelt

Stoffwindeln sind gut für die Gesundheit deines Babys, denn Du entscheidest beim Wickeln welche Materialien Du an die zarte Babyhaut lässt. Die saugenden Bestandteile von Stoffwindeln, die in direktem Kontakt zum Babypo sind, können entweder aus natürlichen Fasern wie Baumwolle oder Hanf oder aus synthetischen Fasern wie Bambusviskose oder Mikrofaser hergestellt sein. Hier können sich die Eltern individuell und bei jedem Wickelintervall neu entscheiden. Aber nicht nur das Baby freut sich über Stoffwindeln, sondern auch die Umwelt dankt dir, wenn du nicht zu Wegwerfwindeln greifst. Denn über die gesamte Wickelzeit betrachtet benötigt ein Kind zwischen 5.000 bis 6.000 Wegewerfwindeln, was einer Müllmenge von etwa 1.000 kg entspricht. Am Beispiel von Berlin ergibt sich für das Jahr 2019 damit folgende Rechnung: bei 39.503 vom statistischen Bundesamt gemeldeten Geburten und der Annahme, dass 95% der Kinder mit Wegwerfwindeln gewickelt werden (Bundesdurchschnitt laut BMU, exakte Zahlen für Berlin gibt es leider nicht), bedeutet, dass über den Zeitraum von 3 Jahren 197.515.000 Windeln weggeworfen werden. Der Windelmüllberg summiert sich auf 39.503.000 Kilogramm. Wegwerfwindeln können nicht recycelt werden und so muss diese große Menge an Windelmüll in einem aufwändigen Verfahren in derMüllverbrennungsanlage verbrannt werden. So muss, um den in der Wegwerfwindel enthaltenenSuperabsorber verbrennen zu können, sogar Energie hinzugeführt werden. Und was schlussendlich bei dem Brennvorgang übrig bleibt gilt als Sondermüll. Die Stoffwindel hingegen hat eine lange Lebensdauer und kann sogar von mehreren Kindern getragen werden. Und sollte sie doch einmal für den Wickelprozess nicht mehr einsetzbar sein, so können ihre Bestandteile anderweitig verwendet werden z.B. als Schwimmwindel oder als Putzlappen. Am Ende ihrer Lebensdauer werden alle nicht recycelbaren Bestandteile wie z.B. die Überhose aus PUL dann ebenfalls dem Restmüll zugeführt. Die Menge ist aber verschwindend gering im Vergleich zur Müllmenge, die Wegwerfwindeln produzieren.

Stoffwindeln schonen den Geldbeutel

Nicht nur wenn du einen Stoffwindelzuschuss erhältst, lohnt sich das Wickeln mit Stoff für deinen Geldbeutel. Grundsätzlich lässt sich mit Stoffwindeln Geld sparen. Die Ersparnis ist stark davon abhängig für welchesStoffwindelsystem man sich entscheidet. Die Kosten belaufen sich, je nach System, für die gesamte Wickelzeit auf 360€ bis 800 € für die komplette Stoffwindelausstattung. Weiter sparen kann man wen man die Windeln nach dem Ende der Wickelzeit entweder an Geschwisterkinder weitervererbt oder aber verkauft. 

So ergibt sich die folgende einfache Rechnung: Wickelst du z.B. drei Kinder mit den angeschafften Stoffwindeln, liegst du bei 120€ bis 233€ plus 150 Euro pro Kind für das Waschen und Trocknen der Stoffwindeln für den Wickelzeitraum von 3 Jahren. Demgegenüber geben Eltern in Abhängigkeit der Windelmarke, der Anzahl benötigter Windeln pro Tag und dem Zeitpunkt des Trockenwerdens zwischen 700€ bis 1500€ für Wegwerfwindeln pro Kind aus. Das ist eine Ersparnis von mindestens 317€ pro Kind, wenn du dich für Stoffwindeln entscheidest. Und bei diesem Betrag ist noch nicht miteingerechnet, dass deine Stadt oder Landkreis das Stoffwindelwicken eventuell bezuschusst.

Moderne Stoffwindeln einfach in der Handhabung

Moderne Stoffwindeln sind, je nach System, so einfach in der Handhabung wie Wegwerfwindeln: Windel öffnen, Kind auf die Windel legen, Windel schließen, fertig. Das Bild, welches viele von Stoffwindeln noch in ihrem Kopf haben – kompliziert zu faltende Mullwindeln, Einweichen und Auskochen der schmutzigen Windeln – stammt aus den Erzählungen der Großeltern und hat sich doch ziemlich gewandelt. Heute werden die verschmutzen Stoffwindeln bis zum Waschen in einem geschlossenen Eimer oder geruchssicheren Wetbag (https://deine-stoffwindel.com/nasstasche/) gelagert und dann ganz einfach bei 60°C in der Waschmaschine gewaschen und können sogar teilweise im Trockner getrocknet werden.

Weitere Infos zum Thema „wie funktionieren Stoffwindeln“ findest du hier: https://deine-stoffwindel.com/wie-funktionieren-stoffwindeln/

Projekt Windelzuschuss

Du möchtest prüfen, ob deine Stadt oder dein Landkreis das Wickeln mit Stoffwindeln schon finanziell unterstützt? Dann informiere dich dazu auf unserer Webseite www.deine-stoffwindel.com. Dort findest du unter dem Projekt Windelzuschuss eine Übersicht aller bisher über 60 Städte und Landkreise, die den Kauf von Stoffwindeln fördern. Mit dem 2018 gegründeten Projekt wollen wir dazu beitragen, moderne Stoffwindeln durch den Windelzuschuss attraktiver zu machen und weiter zu verbreiten. Ebenso findest du auf der Webseite eine Vielzahl weiterer Artikel zum Thema Stoffwindeln.

Über die Gastautorin: Katharina ist Mutter eines Sohnes und hat zusammen mit ihrem Mann Oliver im Jahr 2018 ein Online-Stoffwindelprojekt namens www.deine-stoffwindel.com ins Leben gerufen, um den Windelzuschuss zu fördern und Eltern eine Orientierungshilfe im Stoffwindelbereich zu geben. Hauptberuflich arbeitet Katharina in der Wissenschaft und erforscht dort Themen rund um neue Arbeitsformen.

Alleingeburt nach zwei Kaiserschnitten

Die Mutter im folgenden Bericht erzählt von ihrer Geburt in Eigenregie nach zwei Kaiserschnitten.

Hier der Bericht von der Geburt meines dritten Kindes am 17.10.20, bei ET+14

Ich bin mittlerweile Mama dreier Kinder und habe mir lange nichts sehnlicher gewünscht, als eine natürliche Geburt zu erleben. Im Jahr 2020 war es dann soweit. Unser drittes Wunder kündigte sich an und mit ihm eine lange Liste an Sorgen und Ängsten, denn ich bin Kaiserschnitt-Mama.

Im Frühjahr 2014 und im Winter 2015 kamen meine ersten zwei Kinder per Kaiserschnitt auf die Welt. Lange war der Wunsch nach einem dritten Kind nicht da oder besser gesagt: Mein Verstand war beschäftigt damit es mir auszureden, denn mir war klar, dass ich das gleiche Prozedere nicht noch einmal durchstehen möchte.

Glück, Zufall oder gar Bestimmung sorgte dafür, dass ich eine wunderbare Frau und Mama kennenlernte, die selbst schon zwei Geburten alleine bewältigt hat, ohne Hebamme, nur in Begleitung ihres Mannes. Das hat mich sehr beeindruckt und doch dachte ich weiterhin: „Das schaffst du NIE! Schon gar nicht nach zwei Kaiserschnitten!“

Und dann kam Corona. Fluch und Segen zugleich. Meine ganze Ablehnung und Angst stemmte ich in den Wunsch, auf keinen Fall unter diesen abstrusen Bedingungen maskiert mein Kind im Krankenhaus zu bekommen. Unabhängig davon habe ich weder Idealgewicht in den Augen der Schulmedizin, noch war ich mit meinen 35 Jahren „jung“. So stand in meinem Mutterpass, den ich an meinem ersten von nur zwei Ultraschallterminen bekommen habe, „risikoschwanger“.

Na, Herzlichen Glückwunsch.

So habe ich in den ersten Wochen der Schwangerschaft im ersten Lock Down oft geweint und war regelmäßig verzweifelt. Doch ich gab nicht auf und las dann das Buch von der Sarah Schmid „Alleingeburt“. Das und das Buch von A. Rockenschaub „Gebären ohne Aberglauben“, haben mir geholfen, mich mit den medizinischen Aspekten einer physiologischen Geburt auseinanderzusetzen und vor allem auch die pathologischen Besonderheiten zu erfahren und entsprechende Vorbereitungen zu treffen. Es folgten die Bücher „Wunschgeburt nach Kaiserschnitt“, „Instinctive Birth“ und „Die selbstbestimmte Geburt“. Aber mit Abstand DAS Buch, das mir so sehr geholfen und mich in meine Kraft und in mein Vertrauen gebracht hat, war „Meisterin der Geburt“ von Jobina Schenk. Das habe ich im Verlauf der Schwangerschaft ganz oft gelesen.

Was ich persönlich auch ganz wichtig finde ist, dass ich mir die Krankenhausberichte meiner ersten zwei Kinder habe schicken lassen und genau angeguckt habe, was das „Problem“ war. Leider hauptsächlich mein Unwissen und Hebammen und Ärzte, die an einem Freitagabend einfach keine Lust hatten und mit ihren Interventionen und Beschämungen für massive Hilflosigkeit und Angst bei mir gesorgt haben. Als Indikation der Kaiserschnitte stand zum Beispiel immer „Wunsch der Mutter“, was absolut nicht stimmte. Oder auch „Zustand nach Kaiserschnitt“ bei meinem zweiten Kind dann. Oder auch „Geburtsstillstand nach Blasensprung“ – meine Blase war intakt und es gab auch noch keinen Fortschritt, da damals der Muttermund nicht mal erreichbar war. Mein Körper hatte sich komplett „verdichtet“ vor Angst.

Verzichtet habe ich diesmal auf sämtliche Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt und bei der, ohnehin schon skeptischen, Hebamme. Das fühlte sich für mich absolut richtig so an. In der 20. SSW hab ich einen Ultraschall machen lassen, um mir Gewissheit zu verschaffen, dass die Kaiserschnittnarben gut aussehen. Meine Vorbereitung für die Hausgeburt hielt sich in Grenzen.

Am 15.10.20 bekam ich am Abend leichte Kontraktionen – ich kannte das aus den anderen Schwangerschaften nicht, war aber sicher, dass die Geburtsreise nun beginnt. Gegen 2:00 Uhr in der Früh musste ich die Kontraktionen schon veratmen. Dieser Tag war schwer für mich, denn es kam die Info ins Haus geflattert, dass von nun an alle Kindergärtner Masken tragen müssen und wir unseren Sohn nunmehr an der Tür abgeben müssen. Auch unsere maskenpflichtbefreite Tochter sollte in der Schule nun ein Faceshield tragen. Ich war am Boden zerstört, hab den halben Vormittag wehend und weinend in der Wanne verbracht. Ich erwähne diese Thematik, da der „Zustand“ dieser Welt mich sehr beschäftigt und ich mich den Maßnahmen gegenüber oft hilflos fühlte. Gegen Mittag schrieb ich meiner Freundin noch mal, die ziemlich schnell verstanden hat, dass ich emotionale Unterstützung brauchte. Die Wehen wurden sehr intensiv und gegen 18:00 Uhr riefen wir die Doula dazu. (Sie ist eine Freundin, deshalb kam sie dazu.) Mein Kopf konnte sich lange nicht abschalten lassen und ich hatte wirklich Probleme loszulassen. Meine Freundin und die Doula haben ganze Arbeit geleistet und mich immer wieder motiviert und bestärkt, als ich schon anfing zu zweifeln, dass ich es tatsächlich schaffe. Um 3.18 Uhr, in einem Kraftakt der Liebe und des Vertrauens im Kreise meiner Freundin, meiner Doula und meines Mannes, der mir in der Endphase seine Hände zur Unterstützung reichte, gebar ich ALLEINE meinen Sohn in meine Hände.

Ich konnte ihn direkt anlegen und gebar die Plazenta vollständig ca. eine dreiviertel Stunde nach der Geburt des Babys. Ich habe mich noch nie stärker gefühlt in meinem Leben und werde das Gefühl der Heilung, die sich mit dieser wundervollen Geburt eingestellt hat, nie vergessen. Die Hebamme, mit der ich vorher darüber gesprochen habe, kam am nächsten Tag und brachte mir das U-Heft mit. Die Anmeldung beim Standesamt erfolgte problemlos durch meinen Mann und die erste U-Untersuchung hat unsere Ärztin dann erst im darauffolgenden Monat gemacht.

Ich würde alles exakt so wiedermachen!

Abgebrochene Hausgeburt wird zu traumatischer Krankenhausgeburt

Im folgenden Bericht erzählt eine Mutter von der Geburt ihres ersten Kindes. Es ist eine Hausgeburt geplant. Weil die Geburt gefühlt nicht vorangeht, entscheidet man sich zur Verlegung ins Krankenhaus.

Ich teile diese Geschichte nicht, um euch Angst zu machen oder Krankenhäuser per se zu verdammen. Aber ich denke, dass sie in vielerlei Hinsicht lehrreich ist. Ebenfalls finde ich es wichtig, über Gewalt unter der Geburt zu sprechen, die gerade in Corona-Zeiten so leicht möglich ist, wenn niemand die Frau begleiten darf.

Geburtsbericht Romy Valéria, geboren am 21.09.2020 um 20.55 in Coimbra, Portugal

Triggerwarnung: Interventionen im Krankenhaus

Bevor die Details noch mehr verblassen, hab ich mich endlich zum Aufschreiben meiner Geburtsreise durchgerungen. Ich hatte eine traumhafte Schwangerschaft, habe jeden Tag genossen. Die Besuche beim Frauenarzt fühlten sich allerdings nicht gut an. Also habe ich mich für den selbstbestimmten Weg entschieden. Ich las u.a. Sarah Schmid, M. Mongan, Ina M. Gaskin.

In der 36. Woche war ich bei einer Hebamme, das hat mir noch mal Sicherheit gegeben – vor allem zur Bestimmung der Kindsposition. Eine Bekannte, welche seit langem Hausgeburtsbegleitung im Umfeld macht (übrigens auch bei der Geburt meiner jüngeren Schwester und auch bei der Geburt meines Partners zugegen war) und meine Schwiegermutter (Mutter von sieben Kindern, davon vier Alleingeburten) sollten mich mit ihren kostbaren Erfahrungsschatz bei der Geburt unterstützen. Es war alles perfekt. Ich fühlte mich rundum wohl und war voller Vertrauen zu meinem Kind und meinem Körper.

Am 20.9. 2020 (6 Tage nach errechneten Termin) gegen 8.30 morgens verlor ich erstmals Fruchtwasser. Auf Toilette hab ich die Farbe kontrolliert, klar und leicht gelblich also nicht besorgniserregend. Wir waren etwas aufgeregt und voller freudiger Erwartung. Mein Partner kümmert sich um die Temperatur und das Wasser vom Pool. Ich schrieb im Geburtschat von Sarah Schmid, um kleine Unsicherheiten aufzulösen.

Wir haben Besuch und frühstücken alle zusammen. Ab ca. 12 Uhr verspüre ich leichte Wellen. Später, als die Schwiegereltern kommen, werden die Abstände kürzer, und die Intensität nimmt zu. Ich kann sie jedoch sehr gut veratmen.

Abends wird gekocht und gemeinsam gegessen. Wobei ich schon mehr und mehr aussteige aus dem Geschehen und mich nach innen fokussiere. Es ist ein schönes Wechselspiel aus auf- und abtauchen. Irgendwann fange ich an zu vertönen. Sehr tiefe Töne, die ich selbst noch nie bei mir gehört hab. Ich fühle mich gut und lasse mich von meinem Körper leiten, tanze, entspanne, ziehe mich zurück oder suche Gesellschaft, je nachdem was ich gerade brauche. Der Verlauf ist langsam aber es geht voran. Unsere Geburtsbegleiterin kommt gegen 2 Uhr morgens hinzu, sieht ,dass es noch ein gutes Stück dauern kann und legt sich schlafen – was ich sehr begrüße. Desto mehr Zeit verstreicht, umso mehr hab ich das Gefühl den Geburtsbegleitern eine Last zu sein. (Ich weiß, das ist absurd, aber das Gefühl war da.) Ich sage mehrmals: „Legt euch bitte schlafen. Ich melde mich, wenn ich was brauche.“ Doch (verständlicherweise) konnte das niemand so richtig. So verbringe ich die Nacht mit Wellen veratmen, vertönen, im Pool, im Hof, im Flur, im Wohnzimmer oder im Schlafzimmer. Am nächsten Tag spüre ich die Erschöpfung sehr stark. Schlafmangel, zittern vor Kälte, essen und Trinken geht kaum. Trotzdem weiß ich die ganze Zeit, alles ist richtig so. Es braucht die Zeit die es braucht und alles ist wie es sein soll. Dem Baby geht es gut. Ich bin erschöpft aber sonst ist alles gut. Meine Geburtsbegleiter sind auch müde und erschöpft und nach und nach auch entmutigt. Der Tag verstreicht, die Wellen bleiben gefühlt gleich intensiv, werden sogar noch stärker, doch ich spüre keinen Druck nach unten. Und auch kein Bedürfnis zu pressen. Ab Mittag bin ich fast nur noch im Schlafzimmer und hocke vorm Bett, erschöpft, schlafe zwischen den Wellen ein. Dadurch sind sie schmerzhafter. Irgendwann werden die Wellenabstände länger, zwar intensiv jedoch kürzer. Das entmutigt alle noch mehr. Herztöne hörbar, Kindsbewegungen spürbar, ich weiß alles ist gut. Nur ich bin nicht mehr in der Lage klar zu denken vor Erschöpfung. Irgendwann am Nachmittag fängt mein Partner an die Tasche fürs Krankenhaus zu packen. Ich hatte den Wunsch zwar geäußert, doch andererseits wusste ich, dass ich im jetzigen Stadion nirgends mehr hin kann bzw. will. Der Gedanke an die Autofahrt machte mir Angst. Eigentlich wollte ich nirgends mehr hin konnte mir nix anderes mehr vorstellen außer das Schlafzimmer und ich blieb. Gegen 16.45 Uhr kam meine Schwiegermutter und sagte: „Vielleicht ist es doch besser, wenn ihr ins Krankenhaus fahrt.“ Also sind wir aufgebrochen. Ich dachte die ganze Zeit nur: ‚Sie werden mir nicht helfen können.‘ Der Schritt fühlt sich nach Verzweiflung, Resignation und Schwäche an.

Bei der ca. 30 minütigen Fahrt ins Krankenhaus gönnte mir mein Körper etwas Ruhe. Ich hatte große Wellenabstände von ca. 10 Minuten und auch nicht mehr so starke Wellen. Schon auf dem Parkplatz des Krankenhauses kam uns ein Sicherheitsbeamter entgegen und erklärte, dass nur ich rein dürfe. (Corona Maßnahmen) Es gab laute Diskussionen. Mein Partner wollte mich auf keinen Fall alleine lassen. Die Wellen kamen stärker und im Abstand von 2 bis 3 min.

Bin kurz im Kopf die Möglichkeiten durchgegangen und hab dann entschieden alleine rein zu gehen. Ab da ging gefühlt ein Kampf los. Lange Aufnahmeprozedur trotz starker Wellen, Corona Test, viele Fragen. Leider machte ich den Fehler ehrlich zu sein, vor allem in Bezug auf dem Zeitpunkt des Fruchtwasserabgangs. Das war wohl Grund genug um alle weiteren Vorgehensweisen zu rechtfertigen. Dann Kreissaal. Ärzte und Krankenschwestern um mich herum (insgesamt etwa 8 Menschen in dem winzigen Raum (und auch vor der Tür). Einer versuchte, mir immer wieder (und auch während der Wehen) Blut abzunehmen, schaffte es aber nicht und gab nach 5 Stichen pro Arm auf. Von allen Seiten wird auf mich eingeredet: Sie müssen einen Kaiserschnitt machen. Sie wollen Antibiotika geben. Ich soll mich auf das Gebärbett legen. Sie wollen den Muttermund untersuchen. Dann werde ich zwischendurch angeschrien, weil mir die Maske in den Wehen unter die Nase rutscht. Das alles wiederholt sich immer wieder. Ich lehne immer wieder alles ab.

Die Herztöne waren super, nichts deutet auf Gefahr fürs Baby hin, aber sie wollten unbedingt einen Kaiserschnitt machen. Ich werde ohne Vorankündigung während einer Wehe am Muttermund untersucht. Ich trete die Ärztin weg, weil es so schmerzhaft ist. Ich weine und will mein Handy um mein Partner anzurufen, der mir Kraft gibt, um mich weiter gegen alle Interventionen zu wehren. Ich gehe wieder im Kopf meine Möglichkeiten durch, weiß das es unmöglich ist in diesem Umfeld mit Druck von allen Seiten und voller Angst sanft zu gebären. Ich denke immer: ‚nur nicht auf das Gebärbett! Denn dann haben Sie freie Bahn‘ Aber ich weiß, ich muss schnell gebären, sonst schneiden sie mich auf. Also stimme ich dem Wehentropf zu. Es folgen heftigste Wellen im 10-Sekunden-Takt. Mir wird wieder der Kaiserschnitt angeraten und auf mich eingeredet wegen Antibiotika. Es kommt mir vor wie Methode (ich lehne etwas ab, der Wehentropf wird aufgedreht und es wird nochmal gefragt).

Ich willige zur Muttermunduntersuchung ein. Vorausgesetzt Sie warten auf eine Wehenpause. Dann heißt es: „Sie müssen sich auf das Gebärbett legen, damit wir besser nach dem Muttermund schauen können.“ Ich willige ein. Die Wehen sind so heftig und die ganze Situation scheint so ausweglos, dass ich mittlerweile einfach nur will, dass es bald geschafft ist. Ich lass mich am Muttermund untersuchen: Muttermund bei 10 cm. Eine Ärztin sagt zur anderen: “Lass sie doch vaginal gebären. Muttermund ist voll geöffnet.“

Dann geht alles ganz schnell. Die Beine werden mir auseinandergedrückt. Es heißt pressen pressen pressen. Mit oder ohne Presswehe, ich soll pressen. Der stärkste im Raum drückt mir mit voller Wucht auf den Bauch. Ich schreie, dass ich das nicht will. Ich presse und presse, dann ein Schnitt und die Zange. iIch spüre nur noch, wie an meinem Baby gezogen wird. Dann ist sie da. Ärzte gehen weg mit ihr. Ich höre Weinen, dann Stille dann wieder Weinen. Niemand sagt mir etwas. Sie hat wohl Fruchtwasser geschluckt und muss abgesaugt werden. Ich weine. Man soll sie mir geben. Aber nichts. Mir wird die Plazenta herausgezogen. Eine Ärztin spritzt etwas kommentarlos in meinen Zugang. Ich sage: „Ich will das nicht. Sie müssen mich doch fragen, bevor sie mir etwas spritzen.“ Sie sagt, es ist künstliches Oxytocin. Ich sage: “Ich will das nicht. Ich brauche das nicht!” Zu spät. Dann werde ich genäht. Dann darf mein Partner dazu kommen. Er hat draußen vorm Krankenhaus am Fenster gestanden und alles gehört. Hält meine Hand. Dann will er unsere Tochter halten. Darf er nicht. Nach Diskussion mit einem etwas zugänglicheren Arzt dann doch. Erst darf er ihr die Hand auflegen. Sie hört sofort auf zu weinen. Dann darf er sie nehmen. Kurz. Er legt sie mir auf dem Bauch. Ich schwebe vor Glück. Ganz kurz. Dann wird sie mir wieder genommen. Sie kommt in den Inkubator, braucht Sauerstoff, heißt es. In vier Stunden dürfe ich zu ihr.

Ich weiß, ihr geht es gut. Ich spüre, sie ist kräftig und gesund. Sie ist wunderschön, ihre Haut ganz glatt und rosig. Sie ist perfekt, vollkommen. Sie wird mir weggenommen. Sie kommt auf die Frühchenstation in einen Brutkasten. Ich werde auf Station gebracht, verabschiede meinen Mann. Die Trennung zu meiner Tochter, es schmerzt nur noch. Mir laufen die Tränen, mir ist kalt. Ich will zu ihr, fühle mich machtlos, hilflos, ausgeliefert. Ich weine und meine Zimmer Kollegin versucht mich zu trösten.

Ich schlafe ein und werde zitternd wach (Nachwirkungen der Medikamente). Ich wanke zur Frühchenstation. Sie ist verschlossen. Ich darf nicht zu meiner Tochter. Werde ins Bett geschickt. So geht es weiter bis nächsten Tag gegen Mittag. Da darf ich sie sehen. Ich darf sie nicht stillen bis Blutergebnisse da sind (obwohl meine Ergebnisse in meinem mitgebrachten Mutterpass stehen). Und das dauert wieder. Abends stille ich sie einfach.

Um jede Intervention hier aufzuführen, würde es den Rahmen Sprengen. Ich war drei Tage und drei Nächte im Krankenhaus. In der Zeit musste ich ununterbrochen aufpassen, damit nicht irgendwelche Tests oder Impfungen oder sonstige prophylaktischen Maßnahmen durchgeführt wurden. Mit unserer Tochter wurde umgegangen, als wäre sie nicht unsere Tochter. Als hätte man als Eltern gar keine Rechte. Erschreckend finde ich auch, dass der Ablauf bei und nach Valérias Geburt kein Einzelfall ist. Im großen und ganzen ist das dort das normale Procedere. Doch es wird wohl meist nicht als gewaltsam erlebt. Was ich mir nur damit erklären kann, dass das Vertrauen in Ärzte und Gesundheitssystem sehr stark ausgeprägt ist.

In der Klinik war ich mitlerweile bekannt als die „schwierige Mutter“. Negativ aufgefallen durch den selbstbestimmten Ansatz und das Misstrauen gegenüber dem Gesundheitssystem. Immer wieder stellte sich mir irgendein Arzt in den Weg und wollte mit mir eine Grundsatz Diskussion führen. Es fielen Sätze wie: „Schuster bleib bei deinen Leisten“ oder: „Lassen Sie uns unsere Arbeit machen und Sie machen Ihre.“ Viele waren mir gegenüber recht aggressiv. Ich erinnere einen Arzt, welcher sich vor mir aufbaute, obwohl ich ihm noch nie zuvor gesehen hatte und auf mich einredete: „Ich bin Arzt und meine Aufgabe ist gegen die Natur zu kämpfen.“ usw. Dieser Satz sagt doch alles aus. Es ist unglaublich. Hätte ich es nicht erlebt ich würde es nicht glauben.

Ich wollte nicht diskutieren. Nicht mit solchen Menschen! Ich wollte mir das alles nicht mehr anhören. Ich war erschöpft, übernächtigt und überfordert von dieser herzlosen Umgebung. Ich wollte einfach nur mit meiner Tochter nach Hause zu meinem Mann zu meiner Familie. Ich fühlte mich wie in einer fremden Welt. Wie auf einen anderen Planeten, wo vollkommen andere, mir unbekannte Gesetze herrschten. Es war irgendwie alles verdreht. Der Wehentropf, der die heftigen, unnatürlichen Wehen auslöste und dasrRumgeziehe an meiner Tochter, dazu das auf den Bauch Gedrücke. Der Stress und der Druck, der aufgebaut wurde,die Angst vor einem Kaiserschnitt und überhaupt vor den unberechenbaren, willkürlichen Maßnahme dort – das alles verursacht von Ärzten und Personal. Ist natürlich der absolute Stress für das Kind. Und es ist offensichtlich der Grund dafür das Valéria Fruchtwasser geschluckt hat, falls es denn so war. Wie absurd, dass wir als Eltern dann dafür verantwortlich gemacht werden. Eine Frau vom Jugendamt hat man zu mir geschickt zur Prüfung, ob eine Kindeswohlgefährdung vorliegt. ( Bei uns zuhause wurden wir eine Woche später auch noch einmal vom Jugendamt aufgesucht.)

Am zweiten Tag durfte meine Tochter zu mir aufs Zimmer. Bis dahin dachte ich, ich kann jederzeit (gegen ärztlichen Rat) gehen. Jedoch ist die Gesetzeslage hier anders: Bei Minderjährigen entscheidet der Arzt bzw. der Staat. Ich hätte gehen dürfen, jedoch meine Tochter nicht. Ich redete also wann immer möglich mit den Ärzten, die mir am vernünftigsten schienen und erkämpfte mir die „Freigabe“ unserer Tochter. Am dritten Tag durften wir gehen.

Ich habe Schuldgefühle, weil ich denke: Ich hätte nur länger durchhalten müssen, dann hätte ich die Klinik vermeiden können und alles, was uns dort widerfahren ist. Ich gehe im Kopf immer und immer wieder den Ablauf der Geburt durch und überlege, was dazu führte aufzugeben wie es dazu kam. Was hätte anders sein müssen? Warum hab ich nicht noch ein bisschen ausgehalten. Ich fühle mich beraubt! Es fehlt mir ein Stück. Es fehlt uns ein Stück! Die Geburt meiner Tochter habe ich nicht mehr bewusst miterlebt ab den Moment wo ich auf dem Gebärbett lag und die Regie dann vollkommen abgegeben hab. Ich war entmachtet und wie hinter einem Schleier. (Der Schleier war bis vor kurzem noch deutlich spürbar und ich weiß nicht, ob er tatsächlich weg ist, oder ich mich nur an diesem Zustand gewöhnt habe.) Ich habe nicht gespürt, wie Valéria durch den Geburtskanal, durch mich, auf die Welt kommt. Ich habe nichts gespürt, kein Schmerz, kein Brennen, nichts! Nur wie an ihr gezogen wurde. Wenn ich an den Moment der Geburt denke, das Gefühl dazu ist dieses Ziehen. Und ich habe keine bewussten Erinnerungen an die ersten Minuten nach der Geburt. Uns fehlen die ersten Momente des Glücks, des Staunens. Uns als Familie wurde das schönste genommen: der Moment, wo wir zur Familie werden! Es wurde in keinster Weise respektvoll mit diesem heiligen Geschenk des Lebens, der Natur umgegangen. Und der ganze weitere Verlauf seit Geburt bis zur Entlassung: ein Ablauf von standartisierten Interventionen, die nicht geprüft oder gerechtfertigt wurden, die im Klinik Alltag so fest integriert sind, dass sie nicht mehr hinterfragt werden. Verzeiht den ausführlichen Klinik Teil, aber dieses Erlebnis hat so viel mit mir gemacht, deshalb empfinde ich es als wichtig das zu teilen. Auch die Emotionalität und das Abdriften vom Sachlichen sei mir verziehen. Es kommen einfach sehr starke Gefühle hoch beim Teilen meiner Geburtserfahrung. Ich will auch betonen, dass ich die Verantwortung für den Geburtsverlauf nicht abgeben will. Ich weiß, dass Ich! diesen Weg gewählt habe, auch wenn ich noch nicht genau verstehe wieso. Vielleicht werde ich irgendwann verstehen. Vielleicht kann nur eine weitere Geburt das Erlebte heilen. Ich wünsche mir und allen anderen Frauen, dass die Kompetenz, die Intuition und die Urkraft der Frau sowie die heilige Verbindung zwischen Mutter und Kind im Mittelpunkt ein jeder Geburt steht.

Fünftes Kind, dritte geplante Alleingeburt

Die Mutter im folgenden Bericht bekommt ihr fünftes Kind, das dritte in Eigenregie. Die unspektakuläre Geburt eines 4,5 Kilo-Babys.

Hintergrund: Unsere Kinder haben einen Altersabstand von 2,5 Jahren. Diesmal sind es fast 4 Jahre, da wir durch Hausbau und andere Dinge erst einmal eine kleine Pause gebraucht hatten.

Schwangerschaft: Ich wurde im zweiten Übungszyklus schwanger. Die Schwangerschaft war bis auf einige schöne Wochen von Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Kreislaufkollapsen und bleierner Müdigkeit geprägt. Da die Beschwerden besonders stark waren, vermutete ich schon, dass ich ein Mädchen bekomme, denn bei den Mädchen war es schlimmer als bei den Jungs. Außerdem hatte ich die gleiche Bauchform wie bei den Mädchen: Eher nach vorne; bei den Jungs ging ich mehr in die Breite. Aber eigentlich sollte man nicht jammern, schließlich ist es doch das größte Geschenk, ein Kind zu erwarten!

Ängste: Die Angst vor einer Fehlgeburt war diesmal besonders groß, da ich noch nie eine hatte und dachte: Irgendwann „muss“ es auch mal mir passieren. An dieser Angst habe ich viel gearbeitet, ich habe gebetet und als ich ab der 12. Woche die Kindsbewegungen spürte, ging es mir besser.

Geburtsvorbereitung: Von Anfang an bereitete ich mich auf die Geburt vor. Ich stellte sie mir in allen Details fast täglich vor. Außerdem las ich wieder verschiedenste Bücher, z.B. „Alleingeburt“ von Sarah Schmid, „Geburtshilfliche Notfälle“ von Hildebrandt, „Selbstbestimmte Geburt“ von Ina May Gaskin (das tat mir besonders gut!) oder die Bücher von Nadine Wenger. In den letzten Wochen fokussierte ich mich besonders stark auf den Aspekt, dass Geburt als ein Prozess vorgesehen ist, der schnell und komplikationslos vonstatten geht (wenn die Rahmenbedingungen stimmen). Ich las in der Bibel und betete.

Vorsorge: Ich hatte eine Hebamme für einige Blutentnahmen und das Ertasten der Kindslage über den Bauch. In der 13. SSW nahm ich einen Ultraschall in Anspruch, da ich unangenehme Empfindungen an den Hüftknochen verspürte, die ich nicht einordnen konnte, aber dort war alles in Ordnung.

Diabetes: Auf Grund dessen, dass ich trotz guter Ernährung (Getreide und Zucker habe ich fast gar nicht gegessen) mal wieder viel zugenommen hatte und unser viertes Kind bei seiner Geburt 5050g wog, besorgte ich mir ungefähr in der 30. SSW ein Blutzuckermessgerät und tatsächlich war mein Nüchternwert zu hoch. Der Langzeitwert, der in der 34. SSW durch die Hebamme gemessen wurde, war normal. Ich habe einfach noch mehr auf die Ernährung geachtet und hatte am Ende der Schwangerschaft auch „nur“ meine üblichen 20kg zugenommen.

Wehen: Ab der 34. SSW hatte ich immer wieder teils heftige Wehen mit klarem Schleimpfropfabgang, ich schwitzte nachts, war wieder müder als die letzten Wochen, die Rippen schmerzten. Kurz und knapp: Der Körper breitete sich ordentlich auf die Geburt vor. Meine Bänder waren bald so locker, dass ich keine längeren Strecken mehr gehen konnte.

Blessingway: Ich erfüllte mir einen Traum und feierte in der 35. SSW ein Blessingway mit meinen Freundinnen, meiner Mutter, Schwiegermutter und Cousine. Wir hatten schönes Wetter und konnten gemütlich im Garten sitzen, leckere Speisen essen, Spiele machen und lachen. Ich habe so viele gute Wünsche mit auf den Weg bekommen – das hat mich sehr für die Geburt gestärkt.

Geburt: Die letzten Schwangerschaftswochen zogen sich hin wie Kaugummi. Als ich vier Tage über dem errechneten Termin war, rechnete ich keineswegs mit der Geburt. Ich ging für meine Verhältnisse früh, um 22 Uhr, ins Bett, und schlief gut bis ca. 6:00 Uhr morgens (Et + 5). Es weckten mich Bauchschmerzen. Ich versuchte noch ein paar Minuten, die Krämpfe im Bett liegend zu ignorieren und weiterzuschlafen, aber es war zu unangenehm. So stand ich also auf und ging zur Toilette. Durchfall. „Mist, ich bekomme wohl die Magen-Darm-Grippe. Dabei neige ich doch gar nicht dazu. Die armen Leute, die regelmäßig „Magen-Darm“ haben! Wer könnte mir denn nachher etwas Krampflösendes aus der Apotheke besorgen?“ So tigerte ich nichtsahnend im Wohnzimmer herum, legte mich wieder hin, in der Hoffnung, doch noch schlafen zu können, stand wieder auf und hatte die Idee, mich in die warme Wanne zu legen, weil das ja entspannt bei Krämpfen. Und das tat es auch. In der Wanne blieben die Bauchkrämpfe weitestgehend weg. Ich war erleichtert und dachte, nun kann ich den Tag ja doch gesund starten, war wohl einfach nur normales Bauchweh und keine Magen-Darm-Grippe. An die Geburt dachte ich immer noch nicht. Total verrückt eigentlich, beim 5. Kind nicht zu kapieren, dass man unter Geburt ist … Mein Mann kam ins Bad, mittlerweile hatte ich wieder Bauchkrämpfe im Darmbereich, die ich veratmete. Er wusste, dass es die Geburt ist, ich versuchte aber noch, ihm etwas Anderes zu erzählen. Meine Wehen hatten sich doch nie so angefühlt als ein Krampf im Darmbereich. Ich spürte auch kaum ein Hartwerden der Gebärmutter. Mein Mann hatte aber verstanden, ging nach oben und weckte die Kinder. Die zogen sich an, machten sich richtig schick. Auf einmal hatte ich den Einfall, mal nach meinem Muttermund zu tasten. Bietet sich ja an in der Badewanne. Große Hoffnungen hatte ich nicht, ihn zu erreichen, zumindest erreichte ich ihn bei den letzten Versuchen nicht. Doch schnell war klar: Der Muttermund ist fast verstrichen. Mindestens 7-8 cm! Die Geburt! Die Kinder setzten sich ins Wohnzimmer und die Älteste (11 J.) las Bücher vor. Ich zog ins Schlafzimmer um, zog die Kindermatratze unter meinem Bett hervor, legte eine Wickelunterlage darauf, mein Mann zündete die Geburtskerze an und später auch die Salzkristalllampe, es war also recht dunkel in meinem Zimmer und ich konnte mich wie geplant ganz entspannen und gehenlassen. Gerade erst in der Wanne registriert, dass ich mitten in der Geburt bin, die ganzen Eröffnungswehen verschlafen, war ich nun schon fast in der Pressphase. Ich schrieb meiner Freundin um 6:35 Uhr: „Kannst kommen, geht los.“ Sie um 6.35 Uhr: „Ich bin vor 5 Minuten wach geworden und wusste es.“ Und um 7:12 Uhr: „Bin auf dem Weg“. Um 7:22 Uhr war sie da und positionierte sich mit dem Fotohandy im Türrahmen, nachdem wir uns dezent begrüßt hatten. Ich blieb voll fokussiert. Ich kniete aufrecht neben meinem Bett auf der Kindermatratze, einen Arm auf dem Bett, eine Hand am Kind, mein Mann hinter mir. Ich spürte die ganze Zeit, dass es wahnsinnig schnell und effektiv vorangeht. Die Kinder stellten sich alle vor meinem Bett auf, denn sie hatten mich schreien gehört und gewusst, jetzt kommt ihr Geschwisterchen. Als sie ins Schlafzimmer kamen, wurde gerade der Kopf geboren. Mit ein paar kräftigen Schreien, die mir Kraft gaben. Wie einem Holzfäller. Nicht in erster Linie wegen Schmerzen! Schmerzen hatte ich tatsächlich kaum. Es war mehr eine sehr, sehr anstrengende Arbeit. Unser Baby wurde von den Händen seinen Vaters empfangen und mir durch die Beine nach vorne gereicht. Es war 7:32 Uhr. Vor eineinhalb Stunden war ich wach geworden, vor einer Stunde hatte ich verstanden, dass die Geburt begonnen hatte. Dort lag unser Baby nun zwischen meinen Beinen, die Nabelschnur wie eine Perlenkette um den Hals gewickelt, lange, dichte, dunkle Haare. Wir haben alle nur geflüstert und bewundert. Meine Freundin stellte die Geburtskerze näher zu uns, damit wir mehr Licht hatten. Die Kinder kamen ganz nah ran und staunten ehrfürchtig. Nachdem ich die Nabelschnur zur Seite geschoben hatte, sahen wir, dass wir ein Mädchen bekommen hatten. Ich nahm sie und krabbelte mit ihr aufs Bett. Wir wickelten sie wie alle unsere Babys in ein rotes Handtuch.

Die Plazenta kam 40 Minuten nach der Geburt aufrecht kniend auf meinem Bett und während dieser Zeit hatte ich, wie schon bei den beiden Brüdern vorher, heftige krampfende Wehen. Meine Freundin half mir, die Plazenta in eine Schüssel zu legen. Ich schnitt die Nabelschnur erst später ab. Unser Baby nuckelte an meiner Brust. 1 Stunde und 20 Minuten nach der Geburt trank sie dann zum ersten Mal sehr effektiv. Sie wog 4500 g (immerhin 550 g weniger als ihr großer Bruder bei seiner Geburt) und war ca. 56 cm lang, Kopfumfang 36 cm. Der Blutzuckerwert unserer Tochter war übrigens sehr gut.

Unser geliebtes Kind. Was für ein Geschenk! Dank dafür dem HERRN! Gelobt sei der HERR für die Gnade einer schmerzarmen, schnellen, wunderschönen und komplikationslosen Geburt! Wir erlebten wieder ein gemütliches und geborgenes Wochenbett. Mein Mann hatte einige Wochen Urlaub und kümmerte sich aufopfernd um die Kinder und mich und sorgte für einen gepflegten Haushalt – ein kräftezehrender Job! Sechs Wochen hielt ich mich fast nur im Haus auf und wir hatten kaum Besuch außer Familie und engste Freunde. Wie immer wurden wir von unseren Eltern und meiner Schwester mit Kochen und Einkaufen unterstützt.

Als mein Mann wieder arbeiten ging, brachten Frauen aus unserer Kirchengemeinde hin und wieder ein Essen vorbei und wir wurden durch viele Gebete unterstützt. Dafür sind wir sehr dankbar. Jesus gebührt all unser Dank dafür, mit einem weiteren wunderbaren Kind gesegnet zu sein.

Psalm 139, 14: Ich danke dir dafür, daß ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke, und das erkennt meine Seele wohl.

Wenn sich trotz Turbulenzen alles fügt – Kraftvolle Alleingeburt

Die Mutter in diesem Bericht bekommt ihr viertes Kind. Dank dem Familienleben, was man mit ein paar Kindern so hat, und der Coronazeit sind die Tage vor der Geburt reichlich turbulent. Aber dann fügt sich doch alles ganz wunderbar.

„Ich glaub, ich bin in der Übergangsphase!“
„Was? Schon?!“

Vorab:

Lina ist unser 4. Kind. Unser erstes Kind kam an ET + 11 mit Einleitung im Krankenhaus (Gott sei Dank „nur“ PDA und Oxytocin-Tropf und am Ende angeleitetem Powerpressen wegen angeblich schlechter Herztöne) innerhalb 16 Stunden. Die kleinen Brüder dann an ET + 2 und an ET – 4 innerhalb von etwa vier Stunden zuhause, mit relativ zurückhaltenden Hebammen. Schon beim dritten Kind hatte ich mir eigentlich gewünscht, es nur mit Baby und Papa zusammen zu meistern, bat M. (meinen Mann) dann aber 45 Minuten vor dem ersten Schrei doch die Hebamme anzurufen: Ich brauche sie jetzt! Seit unserer Alleingeburt weiß ich, dass ich sie in der Übergangsphase da haben wollte in der irrationalen Hoffnung, dass ihre Anwesenheit irgendetwas an der Situation ändert …

Als ich dann knapp vier Jahre nach unserem dritten Kind wieder schwanger war, reflektierte ich viel über die letzten Geburten und habe bemerkt, dass ich mich durch die pure Anwesenheit von „fremden“ Personen gestört gefühlt hatte und dass selbst Sätze wie „hock dich mal so hin“ und „noch nicht pressen!“, „Ich untersuch dich noch“ und der Koffer mit der Aufschrift „Beatmung“ mich verunsichert und aus meiner Mitte gebracht hatten. Außerdem ging die volle Konzentration auf das Baby, mich und meinen Körper schon beim Warten auf die Hebamme(n) und erst recht beim deren Eintritt ins Geburtszimmer mehr oder weniger verloren.

Bitte auf keinen Fall falsch verstehen! Hebammen sind natürlich Gold wert und ihre unermüdliche Arbeit darf um nichts in der Welt verloren gehen. Dennoch würde ich mir mehr abwartendes und zurückhaltendes (Nicht-)Handeln wünschen, ganz im niederländischen Sinne des „Hands off“. Doch ich erahne auch erst nach und nach, in welcher Zwickmühle sich die Hebammen befinden, zwischen Vertrauen auf die Intuition der Mutter und ihrer eigenen, um nicht in zum Teil furchtbare Situationen zu rutschen. Unsere liebe, aktuelle Hebamme C. hat angedeutet, dass sie letztes Jahr in so eine unschöne Situation geraten ist, die bis heute ein Verfahren gegen sie nach sich zieht, so dass sie erst einmal nicht arbeiten konnte und im Moment schauen muss, ob sie die Arbeit weiter machen kann.

Ich hatte eine wundervolle, vierte Schwangerschaft und sehr viel Kontakt zu meinem Kind, viele wunderschöne Träume und unheimlich viele philosophisch-spirituelle und soziale Erkenntnisse. Schon sehr früh hatte ich vorzeitige Wehen und einen verkürzten Gebärmutterhals, so dass ich für einige Wochen eine Haushaltshilfe bekam, was unglaublich toll war! Ich habe in der kompletten Schwangerschaft zu etwa 90 % auf Zucker, gegen Ende auch auf so gut wie alle kurzkettigen Kohlenhydrate verzichtet, so dass ich dieses Mal kaum jemals Sodbrennen und andere Schmerzen oder Wassereinlagerungen hatte. Mir ging es (vielleicht deshalb?) körperlich viel besser als bei den ersten drei Schwangerschaften. Auf die Geburt bereitete ich mich mit Sarah Schmids grandiosem Buch „Alleingeburt“ vor und redete viel mit M. über meinen Wunsch einer Alleingeburt, der sich mehr und mehr dafür öffnete. Außerdem las ich alle Geburtsberichte auf Sarah Schmids und Jobina Schenks Blogs (danke euch dafür!!!) und sah mir Berichte und Videos bei YouTube an. Unsere Hausgeburtshebamme, welche die meisten Vorsorgeuntersuchungen machte, weihten wir nicht in unsere Pläne ein aus Angst, sie könnte abspringen … (Heute denke ich, wir hätten sie mutig einweihen sollen.) Unserem Baby erzählte ich oft über meinen Wunsch einer sehr entspannten Geburt über etwa 12 Stunden. (Die letzten beiden waren für meine Psyche eigentlich zu schnell gewesen.)

Der errechnete Termin unserer kleinen Lina fiel mitten in die turbulente „Corona-Zeit“ und der Schul- und Kitaschließung, so dass klar war, dass wir sehr wahrscheinlich in Anwesenheit unserer sehr lebendigen Buben unser Baby bekommen werden. Meine Schwester war letztlich in der Zeit der Ausgangssperre die einzige Person, die (auch nur relativ) zuverlässig für unsere Kinder da gewesen wäre. Sie hat aber keinen Führerschein, so dass wir nur planen konnten, dass sie bei gutem Wetter ein, zwei Stündchen mit den Großen einen langen Spaziergang machen würde. Unsere direkten Nachbarn (wir wohnen in einer Häusergemeinschaft mit gemeinsamem Hof und Garten) boten auch ihre Hilfe an, waren aber viel unterwegs und es ließ sich partout nie voraus sagen, wie es am jeweiligen Tag sein würde. Anfangs musste ich über diese verrückte Situation schmunzeln und hab mir immer wieder gesagt: Bleib fröhlich!“, was mir Gott sei Dank auch meistens gelang. M. machte Home Office, die Kinder spielten viel draußen mit den anderen Kindern unserer kleinen Gemeinschaft (7 Erwachsene, 10 Kinder), ich versuchte mit meiner dicken Kugel den Haushalt einigermaßen auf Vordermann zu halten und kam dank Mann zuhause auch meist zu meinem dringend benötigten Mittagschlaf.

Es schien seit etwa zwei Wochen vor Termin, als würde Klein-Lina immer wieder ernsthafte Anläufe machen zu kommen: Regelmäßige, stärker werdende Wehen, zum Teil im Fünf-Minuten-Abstand. Abgang eines großen Teils des Schleimpfropfes, Durchfall … Und was passierte bei mir? Es ratterte sofort los im Kopf: O nein, heute wäre es sehr ungeschickt! Es regnet, die Jungs wären hier im Haus, vielleicht höchstens ein bisschen drüben bei den Nachbarn … usw. Manchmal hatte ich auch stärkere Wehen und „befürchtete“ im größten Trubel, dass es jetzt los geht. Die Kinder stritten, waren laut, brauchten uns … Nein! Ich war mental absolut nicht bereit! (Ich bewundere alle Frauen sehr, die inmitten ihrer Kinder entspannt entbinden können. Ich glaube, ich komme gut mit den Wehen klar, solange ich möglichst in Ruhe gelassen werde und mich voll und ganz konzentrieren kann auf das, was da geschieht. Da scheint auch jede Frau anders zu sein. Ich selbst betitele mich schon länger gerne als „Höhlen-Gebärende“.)

Zwei Tage vor dem errechneten Termin wurden M. und unser Großer sehr krank. Beide heftige Grippe, unser Sohn mit Mittelohrentzündung und schließlich Trommelfelldurchbruch. Meine Schwester hatte frei, wollte aber ungern kommen, um sich und damit ihren sehr ängstlichen Freund nicht (eventuell sogar mit Corona) anzustecken. Verzweifelt versorgte ich mit dicker Kugel und ständig hartem Bauch die zwei Gesunden und die zwei Kranken, telefonierte mit verschiedenen Ärzten, und machte mir dann einen Tag später sehr große Sorgen, als unser kranker Sohn über sehr kurze Zeit immer höheres Fieber, starke Kopfschmerzen und schließlich Nackenschmerzen bekam. Ich zögerte nicht lange und rief, mit den Tränen kämpfend, die Rettung: Jetzt sollte keiner ins Krankenhaus müssen, dachte ich mir, die sollen ruhig kommen und mal einen Blick auf unseren Sohn werfen und hoffentlich eine Hirnhautentzündung ausschließen. Maskiert und von Scheitel bis zur Sohle in Schutzkleidung kamen sie zu viert im Wohnzimmer am Krankenlager an und verkündeten nach etwa einer Minute, dass sie ihn mitnehmen würden. Meine Schwester hatte sich dann doch erweichen lassen zu kommen und war im Taxi auf dem Weg zu uns, so dass ich direkt hinter dem Krankenwagen ins Krankenhaus fahren konnte. Zum Glück war alles in Ordnung, so dass unser Sohn nach ein paar Stunden wieder entlassen wurde und das zweite große Glück: Er war auf Corona getestet worden!

Zwei Tage später war klar: Er hat kein Corona, ergo auch wir anderen nicht. (Soweit die Informationslage Ende März.) Am Montag, den 30.3. hatte ich abends einen vermeintlichen Blasensprung, so dass ich meinen Vater bat, unsere Großen am Tag darauf abzuholen, was dank des negativen Corona-Tests kein Problem war. Wehen hatte ich keine stärkeren als auch die letzten Wochen, als mein Vater unsere Buben gegen Mittag des 31.3. abholte, die sich sehr auf ein paar Tage bei den Großeltern freuten! Puh! Was für eine Erleichterung! Endlich durchatmen, nach den vielen sehr, sehr anstrengenden Wochen … Ich ermahnte mich immer wieder: Jetzt nur nicht ungeduldig werden, die Wehen werden schon kommen … Obwohl M. noch nicht ganz gesund war, hatten wir einen sehr ruhigen und schönen Tag zusammen, gingen dann allerdings wegen der ausbleibenden Wehen gegen Abend zum Frauenarzt, der einen Blasensprung ausschloss: Also hatte ich mich dermaßen heftig eingepinkelt!? Wahnsinn! Aber auch nur deshalb waren die Kinder bei den Großeltern … also war es immerhin für etwas gut. Um etwa 00:00 Uhr gingen wir nach einem gemütlichen Film-Abend ins Bett.

Die Geburt:

Am nächsten Morgen, wir schrieben den 1. April (ET + 5), bin ich gegen 4:00 Uhr von der ersten Wehe aufgewacht, die anders war als die Wehen, die ich in den letzten Wochen (eigentlich Monaten) schon hatte: Ich musste mich auf meinen Atem konzentrieren um nicht zu tönen und M. zu wecken, der seit ein paar Wochen im angrenzenden Gästezimmer schlief, wegen meiner ständigen nächtlichen Pipi-Gänge. Die Wehen kamen ca. alle 20 bis 30 Minuten. Ich nickte zwischendurch wieder ein, sah nach einem Gang zum Klo den Sonnenaufgang über den nahen Bergen und dachte: Das wäre ein wunderbarer Start in Linas Geburtstag! Gegen 9:00 Uhr hatte ich schon bei zwei Wehen leise tönen müssen, als ich meine Eltern anrief um zu erfahren, wie es unseren Großen geht und wie die erste Nacht war. Von den Wehen hab ich nix gesagt, ich bin nämlich jemand, der das gerne ganz im Stillen vollzieht 😉 … Hab dann schnell aufgelegt, bevor die nächste Wehe kam, mit der Ausrede, ich müsse jetzt etwas essen, damit mir nicht übel wird.

Ich hab dann gemütlich gefrühstückt, immer mal wieder eine Wehe vertönt, die noch völlig unregelmäßig kamen: mal war auch gefühlt 50 oder 60 Minuten nichts, mal waren sie nur 10 Sekunden lang. Tönen musste ich allerdings jedes Mal. M. kam irgendwann dazu, dem es leider immer noch nicht sehr gut ging. Ich hab dann zu Musik singend die Küche aufgeräumt und auch mal tief singend eine Wehe vertönt … Ich war gut gelaunt und zuversichtlich, dass es vielleicht heute endlich soweit ist, nach so vielen Fehlalarmen …

Ich bin dann von halb zwölf bis halb eins eine Runde wandern gegangen in den Weinbergen wie auch die letzten Tage schon. Diesmal bei makellosem, azurblauem Corona-Himmel. (M. blieb zuhause um noch einen Einlauf zu machen: unsere Methode um schnell wieder auf die Beine zu kommen. Er wollte für die Geburt fitter und einigermaßen ausgeruht sein …) Die Bussarde kreisten über mir, Vogelschwärme flogen auf, es war unglaublich schön! Wenn ich Spaziergängern begegnet bin, musste ich stehen bleiben oder ein Stück in eine andere Richtung laufen, um in Ruhe die Wehen möglichst leise zu vertönen, die inzwischen etwa alle 10 Minuten kamen. Danach lächelte ich die Menschen an und dachte mir vergnügt: Wenn ihr wüsstet! Ich redete mit der Kleinen und sagte mir bei den Wehen mein spontanes Mantra vor: „Ich gebäre ruhig und entspannt“. Ich hab beim Einatmen bis fünf gezählt und beim Ausatmen bis sieben. Um 12.00 Uhr saß ich auf einer Bank oberhalb unseres Nachbardorfes, gegenüber der Kirche, und hörte die Glocken und beobachtete die Vögel und bestaunte die Schönheit der nahen Berge. Es war einfach wunderschön! Eigentlich hatte ich zu einer kleinen Kapelle wandern wollen, verspürte aber dann den Drang langsam nachhause zu gehen.

Zuhause angekommen bin ich in die Badewanne um zu testen, ob die Wehen bleiben. Denn aus irgendeinem Grund hielt ich es noch für genau so wahrscheinlich, dass es ein Fehlalarm ist. Ich hatte vor was zu essen und dann einen Mittagsschlaf zu machen, denn inzwischen war ich ziemlich müde. M. kochte unten und ich las im warmen Wasser mit mäßiger Konzentration und hundemüde in meinem Buch: Wehen weg. Na gut, dann eben vielleicht morgen oder übermorgen. Wäre ja auch ok. Nach etwa einer halben Stunde hatte ich dann die nächste, schon kräftigere Wehe. Nach drei Stück dieser Art, etwa 15 Minuten später, wollte ich raus aus der Wanne, zumal das Essen fertig war und ich ja eigentlich noch ein Schläfchen machen wollte. Wir haben dann gemeinsam gegessen, ich im Schneidersitz im Bademantel auf dem Bett, M. auf einem Stuhl mir gegenüber. Während des Essens musste ich ein paar kräftige Wehen laut vertönen, zwei davon mit vollem Mund, denn Zeit zum Schlucken war nicht mehr. 😉 M. hab ich dann beim zweiten Mal noch schnell raus geschickt, denn dass er mir beim Tönen in den Gemüse-Spiegelei-Kartoffel-Mund schaut war mir dann doch ein bisschen … äh … unangenehm.

Ich hab mich dann hingelegt um zu schlafen, doch schon nach der nächsten Wehe wollte ich partout nicht mehr liegen, ich wollte mal den Geburtspool „testen“ – dachte, ich könnte dort in den Wehenpausen ein bisschen an den Rand gelehnt dösen und bei den Wehen schneller eine gute, erträgliche Position finden. Ich hielt es also immer noch für möglich, dass die Geburt noch ein paar Tage auf sich warten lassen könnte… Wir haben dann gemeinsam den Pool, der schon aufgepumpt und vorbereitet im gemütlich vorbereiteten Wohnzimmer stand, befüllt, Salz rein geschüttet, die Geburtskerze angezündet, ich habe noch Fotos und Selfies gemacht … Es war 15:00 Uhr.

Im Wasser kamen die Wehen etwa alle 5-7 Minuten, waren immer noch mit meinem Mantra gut auszuhalten, aber ich wurde schon lauter. M. hab ich Aufgaben aufgetragen wie Trinken holen, einen Eimer (denn mir war etwas übel), Wasser über meinen Rücken fließen lassen während der Wehen usw. Zwischen den Wehen hab ich gedöst oder wir haben geredet, unten am Poolboden stand: „Stricktly no diving!“ – darüber haben wir noch herzlich gelacht.

Irgendwann dachte ich, ich müsse aufs Klo (dabei war ich heute schon zweimal Groß!). Bin dann langsam und zittrig mit Hilfe von M. in den Bademantel geschlüpft und in den ersten Stock hoch (denn in der unteren Toilette hätten mich die Nachbarn, die im Garten waren, wahrscheinlich gehört), wobei mir schlagartig klar wurde, dass ich mich in der Übergangsphase befinde. „Was!? Schon???“, war der Kommentar von M. Eine Hammer-Wehe jagte die nächste, ich dachte, ich schaffe es nicht nach oben. Auf dem Klo waren die Wehen unerträglich … Gibt es wirklich Frauen, die die Toilette während der Geburt lieben? Dachte ich noch … M. ließ heißes Wasser in den Pool nachlaufen, weil es inzwischen etwas abgekühlt war. Als ich nach unten kam sagte ich ihm, dass ich nicht mehr aus dem Wasser gehe, das halte ich nicht aus, komme, was da wolle!

Wieder im Wasser, was mir jetzt etwas zu warm vorkam, wurden die Wehen sehr, sehr heftig. Mein Mantra half nicht mehr, aber die unendliche Bewunderung für meinen Körper und mein Baby, wie sie das so toll gemeinsam meisterten und ganz genau wussten, was sie zu tun hatten, half mir … M. schickte ich einmal mit den Worten: „Such dir was zu tun!“ weg, denn ich konnte es schwer ertragen, dass er da sitzt und mir zuschaut … Er nahm es mit Humor und ging sich was zu Essen holen. Mir wurde wieder übel, ich bat M. um Traubenzucker, um Wasser zu trinken, um einen nass-kalten Waschlappen, um ein nass-kaltes Handtuch, das ich mir um die Schultern legte. Bei drei Wehen drückte er mir gegen das Kreuzbein, dann bemerkte ich, dass das den nötigen Platz einschränkt, den mein Becken jetzt braucht. Irgendwann bemerkte ich, dass ich falsch atme und ein Kribbeln in den Händen spürte. Ich bat M., mich immer bei den Wehen daran zu erinnern, durch die Nase einzuatmen. Ich dachte jetzt, ich halt das nicht mehr aus! Können wir bitte die Rollen tauschen!!!??? „Wieso? Mir geht’s gut! Ich kann noch ewig so weitermachen“, war das Kommentar von M. „Finde bitte den Pauseknopf, ich will später weiter machen!!!“, „Meinst du, C (die Hebamme) könnte mir jetzt helfen?“ „Äh, ich glaube nicht …“
Ich fühlte dann mal nach und siehe da, mir ragte die prall gefüllte Fruchtblase entgegen und dahinter das Köpfchen, noch weit oben aber deutlich fühlbar. Wie herrlich!
Gut, dann tapfer weiter machen!!!
Kurz darauf – ca. 16.45 Uhr – kam die erste Presswehe, ich kniete im Pool und war laut wie ein Stier, und mit der Wehe kam nicht wenig Stuhl, der dann im Pool schwamm. M. musste also immer im Wechsel fischen – ich half ihm zum Teil beim Finden der Elementarteilchen – den Eimer leeren gehen und wieder kommen, um mir beim richtigen Atmen zu helfen. Zwischendrin schob er mir einen Traubenzucker in den Mund. Beim nächsten Mal Nachfühlen war schon ein Fortschritt erkennbar. Ich versuchte, die störende Fruchtblase mit den Nägeln zum Platzen zu bringen, was mir nicht gelang und mich kurz zum Verzweifeln brachte.
Ich hatte das Gefühl, dass sie extrem viel Platz braucht und die Hoffnung, dass dadurch mehr Platz entsteht und die Wehen erträglich werden. Tatsächlich war dann erstmal eine kleine Wehenpause erkennbar, als sie endlich geplatzt war. Ich kniete im Pool, fühlte wieder nach: Oben in der Scheide deutlich ihr zusammengequetschtes Köpfchen! „Sie hat Haare!“ rief ich M. zu. Mit der nächsten Presswehe – was für eine überwältigende Naturgewalt!!! – dann kam sie kooooooooooomplett nach unten „laaangsam!!!“ bis ihr Köpfchen geboren war. Es brannte!!! (Ich spürte sogar das Flop-Gefühl, als ihr kleines Näschen den Damm passierte ;)) Ich streichelte überglücklich ihren Kopf während der gefühlten zehn Sekunden Wehenpause, den sie schon tapfer hin und her drehte, um ihre Schultern frei zu bekommen … Bei der nächsten Wehe kam dann der restliche Körper nach vorne aus mir raus geschossen, sie verzog ich Gesichtchen zu ihrem ersten Schrei, den sie dann gleich von sich gab, als ich sie schnell aus dem Wasser zu mir nahm. Sie quäkte kurz und atmete dann tapfer mit so unglaublich süßen Geräuschen, dass mir gleich das Herz schmolz … 17:16 Uhr. M. legte ein Handtuch über sie, sie atmete ruhig und war wach, ich sang ihr ein Geburtstagslied, wir waren einfach nur überwältigt.

Nach etwa zehn Minuten hat M. dann die Hebamme angerufen, die uns lachend gratulierte und überglücklich und stolz war, dass wir die Geburt ohne sie gemeistert hatten. Sie machte sich direkt auf den Weg. Wir zogen nach etwa 20 Minuten um auf das Sofa, wo ich sie dann sehr schnell anlegte, da sie schon anfing zu suchen. Sie trank gleich wie eine kleine Weltmeisterin.

Die Hebamme versorgte uns, wir machten die U1, zogen sie an, M. räumte in Ruhe auf, meine zwei Schürfungen wurden begutachtet und für nicht nähenswert gehalten. Alles perfekt!

Lina, 3.720g, 51cm, 35 KU. Ein kleines, perfektes Zwerglein.

Die Brüder kamen drei Tage später nachhause (was für herrliche drei Tage zu dritt!!!) und sind total verliebt in ihre Schwester … Es lief erstaunlich gut, trotz Corona usw. Zum Glück haben wir einen großen Garten und wohnen mit anderen Familien in einer Häsergemeinschaft, so dass es immer Spielgefährten und Abwechslung gab. Das warme Wetter, das Vogelgezwitscher, trug das Seine dazu bei. Einfach herrlich!
(Unsere Mit-Bewohner haben mit ihren Kindern gegen 17:00 Uhr vor unserer Terrassentüre aufgeräumt und NICHTS von der Geburt mitbekommen… ;))

Seid herzlich gegrüßt, ob Wöchnerin oder noch Kugelnde. Ich wünsche euch wundervolle Erlebnisse – ob vor, während oder nach der Geburt!

Beim 3. Kind: Geplante Hausgeburt wird zur Alleingeburt

Diese Mama berichtete von ihrer dritten Geburt, wo das Baby ein bisschen schneller als die Hebamme kam. Aber da sie gut vorbereitet war, war das gar kein Problem.

Mein drittes Kind wollte ich zuhause zur Welt bringen. Die Vorstellung, mit Mundschutz zu Corona-Zeiten in der Klinik zu gebären, passte mir gar nicht. Mein Mann war sofort davon begeistert.

Wir lernten eine nette Hausgeburtshebamme kennen und es passte alles. Unser Sohn sollte am 5.11.20 zur Welt kommen. Laut Ärztin, die ich sehr schätze, da ich meine Schwangerschaft gestalten durfte und sie alles mitmachte, würde er aber sicherlich bisschen früher kommen, da er immer zwei Wochen voraus war mit Größe, Gewicht usw. Mir selber kam es auch so vor. Mein Gefühl täuscht mich eigentlich nicht und so hatte ich auch alles früher schon fertig und die letzten Tage vor der Geburt wollte ich nur noch „nicht mehr schwanger“ sein. Am 19.10.20 hatte ich tagsüber immer mal leichte Wehen, die meinen Einkauf sogar beendeten und ich lieber mit meinem 6 jährigen Sohn nach Hause fuhr. Zuhause war alles weg und auch abends kam nichts mehr. Dabei hatte ich mittags sogar für den nächsten Tag vorgekocht, was ich sonst nie mache. Unsere Pudelhündin lag abends eng an mir und folgte mir auf Schritt und Tritt. Die beiden anderen Kinder kamen nachts, daher rechneten wir abends mit Wehen. Mein Mann und ich gingen um 22 Uhr ins Bett.

Um 1. 46 Uhr wachte ich von einer recht anständigen Wehe auf. Ich blieb im Bett, versuchte zu schlafen. Ging aufs Klo, leichte minimale Schmierblutung … Ich war mir nicht sicher. Ich versuchte zu schlafen, die Wehen kamen alle 15 Minuten. So gegen halb vier hatten sich die Abstände auf sieben Minuten verringert und es zog schon bisschen in den Rücken. Um vier stand ich auf und ging ins Wohnzimmer, ich stellte alles parat, zündete den Kamin und die Kerzen an und wollte mich noch ablenken mit einer Brötchenbackmischung, die es sonst nicht bei uns gibt. Mein Mann kam um 4.15 Uhr runter und übernahm das Backen, da ich schon ordentlich zu tun hatte. Bei jeder Wehe musste ich mich am Stuhl abstützen. Die Hebamme wollten wir noch nicht anrufen. Um Viertel vor fünf fragte mein Mann, ob er nun die Hebamme anrufen solle, denn sie brauchte ca. 35 Minuten zu uns. Ich verneinte. Ich konnte gut auf meinem Gymnastikball sitzen und zwischen den Wehen noch reden und es kam mir nicht dringend vor. Schließlich habe ich schon zwei Kinder und wusste, wann es zeitlich drängen würde. Eine Stunde später rief mein Mann dann die Hebamme an und um ca. 6 Uhr kamen unsere Kinder runter, da sie zur Schule mussten. Ich war schon heftig am Tönen und musste zum Klo, dort platzte dann die Fruchtblase. Nun ging es los, es kam leicht Blut und Schleim. Bei den anderen beiden Kindern fand danach die Geburt zügig statt. Ich wusste zu dem Zeitpunkt, dass die Hebamme nicht reichzeitig kommt, aber es war mir egal. Ich hatte keine Angst. Ich wusste, was zu tun ist. Mein Mann stützte mich auf dem Weg zum Sofa, ich kniete davor und die erste Presswehe kam, die ich nur veratmete, da ich nicht sicher war, ob es eine war. Mein Mann rannte zum Ofen und nahm die Brötchen raus. Die nächste Wehe kam, ich fühlte den Kopf kommen … nach der nächsten Wehe war der Kopf geboren und mit der vierten und letzten Presswehe kam der Körper hinterher. Ich rief noch zu meinem Mann, dass er unseren Jungen gleich auffangen muss. Leif Erik fiel um 6.33 Uhr am 20.10.20 in die Hände seines Vaters. Die Kinder kamen zu uns (sie hielten sich im Hintergrund auf), unsere Hündin kam aus ihrer Box heraus und da saßen wir alle zusammen und bestaunten unser Baby und die ganze Situation. Fünf Minuten später klingelte es an der Tür, die Hebamme war da. Meine große Tochter (11) sagte, das Baby sei schon da. Sie kam herein, rief die zweite Hebamme per Telefon hinzu und alles war gut. Es war die leichteste und schönste Geburt, die ich hatte. Mein Mann war ein prima Geburtshelfer und wir sind uns sicher, dass wir es immer wieder so machen würden!

Die Hebamme kam zu spät – Blitzgeburt beim zweiten Kind

Manchmal geht eine Geburt schneller als gedacht. Die Mutter in diesem Bericht hat das bei der Geburt ihres zweiten Kindes erlebt. Mehr von ihr findet ihr auf Instagram @christine.springer.

Eine Geburt ist immer eine Reise zu sich Selbst und in einen neuen Teil von Ich. Das fängt in der Schwangerschaft an und oft auch schon davor.

Bei meinem zweiten Sohn hatte ich, entgegen meiner ersten Schwangerschaft, erstaunlicherweise nie ein Gefühl für Zeit. Das übernahm mein Großer, denn er sagte ein Datum voraus – ganz klar und definitiv. Was ich aber schon hatte, war ein Gefühl für den Ort: Ich wollte eine Hausgeburt. Die Vorstellung, direkt zu Hause gemeinsam anzukommen, in sicheren vier Wänden Loslassen zu können und von keiner Fremdbestimmung abgelenkt zu sein, waren nur ein paar Gründe dafür. Ich wollte wissen, was alle Frauen wissen sollten, von Generation zu Generation, und habe mich in einem wundervollen Kurs, nicht nur mir als Gebärende gestellt und Wissen über Geburt angehäuft, sondern Sicherheit, Selbstbestimmtheit und meinen Leitsatz: „Ich bin der Geburtsort.“ gewonnen.

Zunehmend wusste ich aus meiner Intuition heraus, dass es eine Alleingeburt werden würde – ohnehin auch sehr gewünscht von mir – und habe gemeinsam mit meinem Mann und der Hebamme auch diesen Fall genauestens durchgesprochen im Vorfeld.

Und dann war er da, der von meinem Sohn „vorhergesagte“ Tag (ein paar Tage vor ET). Und er verging und verging und verging. Ich habe sogar noch mit dem Vermieter wegen kalten Wassers geschimpft und die Aschelade beim Ofen mit bloßen Händen ausgeleert.

Am Abend wollte ich es mir mit einer Musik-Unterhaltungssendung gemütlich machen. Mein Sohn und mein Mann schliefen bereits nebenan, ich saß im Schneidersitz, sprach zu meinem Baby. Und dann machte es unerwartet zweimal Rums/Knack nach unten. Ich wusste noch von meiner ersten Geburt, dass das der Startschuss war, die Fruchtblase war „geplatzt“ um ca. 23 Uhr. Ich rief meinen Mann, sagte ihm, dass es losgeht und schon befand ich mich in den heftigsten Wehen (wieder von 0 auf 1000 ohne Ankündigung – das ist bei meinem Körper scheinbar einfach so). Er half mir aufs Klo und ja, da hat der Urinstinkt meines Körpers das Ruder übernommen mit Kommando: „Einmal komplett entleeren.“

Dazwischen Wehen, bei denen mir sehr klar war, dass das hier sehr schnell gehen würde und schreien eben doch auch eine Urkraft ist, die beim Loslassen helfen kann. Mein Mann hatte keinen Hauch einer Chance den Pool aufzupusten und musste der Hebamme am Telefon, die wollte, dass ich mich nochmal entspannt hinlegen solle, von mir ausrichten: „Dass ich auf die Couch mache, wenn ich mich hinlege und das definitiv nicht möglich ist, nochmal zu entspannen.“ (Der 0-Ton war etwas weniger damenhaft.) Der Wehenabstand war da schon bei 1-2 Minuten und ich wusste kaum noch, ob ich sitzen, hocken, stehen oder das Regal eintreten soll. Ich habe offensichtlich so ziemlich jede Phase übersprungen und war relativ schnell bei dem Standardsatz „Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr, ich schaffe das nicht“. An Veratmen der Wehen war nicht zu denken, es war einfach sofort viel zu heftig. Trotzdem war ich im tiefen Vertrauen und voller Vorfreude und Aufregung. Schließlich brachte mich jede Sekunde näher zu meinem Baby.

Da ich das Kind nicht auf dem Klo bekommen wollte, habe ich mich noch schnell in die Dusche geschleppt. Dort wollte ich – wie von meiner Hebamme empfohlen – mich hinlegen, aber schon im Versuch mich hinzulegen habe ich gemerkt: Das geht gar nicht. Ich habe mich hingekniet, nach unten gefasst, war direkt in der letzten Wehe und mein tönendes Schreien ging über in „es kommt“. Und schon war der Kopf in meiner Hand, mein Mann griff in dem Moment auch mit nach unten und es rutschte in einem Rutsch komplett durch und war da. Unser Sohn hat es bis heute einfach immer eilig.

Selbstbestimmte Geburt nach 3 KAISERSCHNITTEN (VBA3C)

Eine natürliche Geburt nach drei Kaiserschnitten? Die Mutter im folgenden Bericht hat diesen Traum für sich wahr machen können – mit einer geduldigen Begleitung im ausgewählten Krankenhaus und vor allem mit ganz viel Gottvertrauen.

Gott ist mit mir/uns einen sehr interessanten Weg gegangen mit den Geburten. Die erste Geburt war als Hausgeburt geplant gewesen und wurde zu einem Notkaiserschnitt wegen Präeklampsie. Vorher konnte ich nicht glauben, dass Gott auch in einer Geburt im Krankenhaus wirken kann, aber Er hat mich eines Besseren belehrt! Bei der nächsten Geburt suchten wir nach einer Möglichkeit, normal zu entbinden, aber es schien keinen Weg zu geben und wir erlebten trotz allem Gottes Führung. Bei der dritten fiel es mir schon sehr schwer, zu glauben, dass Gott eine normale Geburt schenken könnte, ich hatte mich schon fast an die Kaiserschnitte gewöhnt. (Ich liebe es, wenn sich Dinge wiederholen und fühle mich dann gut aufgehoben und sicher). Aber Gott hat weiter an meinem Herzen gearbeitet. Bei der Fehlgeburt 2019 in der 17. SSW erlebte ich Gottes Nähe auf besondere Art und durfte sozusagen eine ‚Hausgeburt‘ erleben und zum ersten Mal leichte Wehen erfahren. Irgendwie war das ein Wendepunkt, und dann war die Art der Geburt plötzlich nicht mehr wichtig für mich, sondern es wurde vorrangig, Gottes Wege zu gehen, auf seine Stimme zu hören und Ihm zu vertrauen, dass Er alles am besten weiß.
Und so konnte ich mit ganz viel Offenheit der Geburt von Benaya entgegensehen und wissen, dass alles möglich ist, sowohl eine normale Geburt, als auch ein Kaiserschnitt, und dass Gott der sein wird, der alles gut lenkt.

Am Dienstag, 16.6.2020 bin ich vier Tage über dem Termin. Die letzten zwei Ultraschallmessungen haben etwas wenig Fruchtwasser ergeben, ansonsten alles bestens (5,9 am 13.6. und 8 am 15.6. bei verschiedenen Ärzten). Tagsüber habe ich leichte Wehen und kurz vor Mitternacht einen Blasensprung mit klarem Fruchtwasser (wahrscheinlich die Blase vor dem Kopf). Danach setzen sofort stärkere Wehen ein, alle 3-4 min, Muttermund ist weich und auf 1,5 cm. Bei den Wehen kommt immer wieder mal ein Schwall Fruchtwasser mit, diesmal leicht grünlich (wahrscheinlich hat das Baby zu einem früheren Zeitpunkt Mekonium abgesetzt und nun wird das bei den Wehen sichtbar). Wegen dem grünlichen Fruchtwasser und den regelmäßigen Wehen, beschließen wir, in die Klinik zu fahren, bevor der Berufsverkehr richtig startet. In der Klinik ist das CTG gut, die Entzündungswerte leicht erhöht. Der Arzt klärt uns über die Risiken auf und empfiehlt eine Einleitung mit Ballonkatheter und evtl. Oxytocin. Wir lehnen ab und einigen uns auf CTG Kontrollen zweimal täglich und Blutkontrolle täglich. Wir dürfen ein Familienzimmer beziehen (wie ein Hotelzimmer, mit normalem Doppelbett, Vollpension und wegen Corona sogar Zimmerservice) und den sonnigen Tag im Park genießen. Die Wehen sind nur noch schwach, Fruchtwasser wird immer klarer, Entzündungswerte sinken.

Am nächsten Tag (Donnerstag) beginnen erst am Nachmittag wieder Wehen, die abends und nachts relativ stark werden. Abends setzt das Baby nochmals frisch Mekonium ab, bei den Wehen geht es ganz schwarz ab. CTG und Blutwerte sind gut, daher kein Antibiotika und keine Intervention notwenig (obwohl es der Arzt jeden Tag anbietet/empfiehlt). In der Nacht packt mich einmal die Angst ganz stark und ich bilde mir ein, dass das Baby nicht mehr lebt. Mein Mann ermutigt mich und es stellt sich heraus, dass das Baby einfach trotz Wehen selig geschlafen hat. Gegen Morgen ist mein Muttermund bei 3-4cm, die Wehen schwächen wieder ab und kommen erst nach 24 Stunden wieder zurück. In der Zeit ohne Wehen trinke ich viel und das Fruchtwasser wird wieder klarer.

Wir haben einen schönen Freitag und eine sehr erholsame Nacht. Nach dieser Angst-Attacke brauche ich dringend Ermutigung von Gott und Er schenkt sie mir in Form von zwei Geschichten: Petrus, der auf dem Wasser läuft und ins Zweifeln gerät, als er auf die Wellen schaut, obwohl er unter seinen Füßen gerade ein Wunder erlebt. In dem Moment war es ihm keine Hilfe, auf seine Erfahrung zu schauen! Und die Geschichte von Joschafat (2. Chr. 20), der in seiner Angst Gott suchte. Und Gott sprach zu ihm (durch einen Propheten aus einer Benayah-Linie 😁): Fürchte dich nicht, verzage nicht! Nicht ihr werdet kämpfen sondern Ich. Ihr müsst nur hintreten, stehen und zusehen, wie Ich helfe. Diese Ermutigung hält bei mir bis heute an!

Am Samstag beginnen die Wehen am Nachmittag wieder. Meine Schwiegermama und die Kinder besuchen uns, ich muss öfters mal die Augen schließen und innehalten, um die Wehen zu verarbeiten. Gegen 20:00 werden die Wehen intensiver und ab 22:30 brauche ich Hilfe von meinem Mann, weil ich bei den Wehen starke Schmerzen im Kreuzbein habe. Ich muss erbrechen (war auch in den Tagen vorher bei stärkeren Wehen der Fall) und um Mitternacht gehen wir zum Kreißsaal. Dort wird 1,5 Stunden ein CTG geschrieben, danach fragt die Hebamme, ob wir ins Zimmer zurück wollen oder im Kreißsaal bleiben wollen. Ich empfinde die Wehen als sehr intensiv und überwältigend, so habe ich es mir bei 8-9 cm vorgestellt. Deshalb will ich im Kreißsaal bleiben. Es ist 01:30, wir müssen in einen anderen Kreißsaal wechseln, der vorbereitet ist, mein Mann holt ein paar Sachen aus dem Zimmer. In der Zeit habe ich zwei Wehen, die ohne seine Unterstützung schwer auszuhalten sind. Die Hebamme schlägt mir eine andere Position vor, damit sich meine Beine entspannen können, aber als ich es versuche, sind die Wehen noch schlechter auszuhalten, weil der Druck auf dem Kreuzbein so stark ist. Dann soll ich mich aufs Bett legen, damit sie sehen kann, wie weit der Muttermund ist. Gerade, als sie mir das schöne Ergebnis mitteilen will, rollt wieder eine Wehe an, die im Liegen fast nicht zu ertragen ist. Mein Mann ist wieder zurück und als ich wieder aufnahmefähig bin, teilt sie uns voller Freude mit, dass ich auf 5-6 cm bin. Ich bin total enttäuscht! Sie will noch erklären, dass der Muttermund sehr verkrampft ist und ich bei der nächsten Wehe versuchen soll, auf alle Vier zu gehen, um den Druck vom Kopf etwas wegzukriegen. Bevor sie ausgeredet hat, rollt die nächste Wehe an, in der ich ziemlich Panik schiebe. Ich versuche, mitten in der Wehe der Anweisung der Hebamme zu folgen und mich umzudrehen, gleichzeitig muss ich ein paarmal total pressen und habe eine Riesenangst, dass der Muttermund reißt, weil er doch noch nicht offen ist. Ich sage der Hebamme, dass ich pressen muss und geistesgegenwärtig kontrolliert sie den Muttermund gleich nochmal – er ist ganz verstrichen! Da kommt auch schon die nächste Wehe und ich darf das Baby rauspressen, was für eine Erleichterung! Ich finde eine super Position auf den Knien oder in der Hocke (weiß ich gar nicht mehr) und kann das Baby ganz sanft mit meiner Hand nach draußen begleiten. Die Hebamme bitte ich, keinen Dammschutz zu machen, weil ich das als unangenehm empfinde und es mich nur ablenkt. Diese zwei Minuten, wo ich das Baby rauslotsen kann, sind wunderschön! Das ganze Baby kommt problemlos nach draußen und ich sehe sofort – es ist ein kleiner Benny! Hallelujah!

Was für ein Wunder – vom 5-6cm offenen Muttermund bis das Baby da war geschah in fünf Minuten! Wenn da nicht die Gebete der letzten fünf Tage gebündelt erhört wurden!
Die Plazenta ist auch neun Tage nach dem Termin ohne Verkalkungen, ich habe zwei unkomplizierte Risse bei den Schamlippen, die ohne Nähen problemlos verheilen. Benny ist von Anfang an quitschfidel, ohne Atemprobleme (das könnte eine Komplikation sein, wenn Babys im Bauch Mekonium absetzen), APGAR 10/10/10. Er ist auch ganz sauber, ohne Käsesschmiere, keine Spur von Mekonium, einfach schön durchgewaschen von den fünf Tagen im Fruchtwasser-Fluss.
Den ganzen Sonntag ruhen wir als Familie aus und am Montag um 10:00 dürfen wir nach Hause gehen!

Am Tag der Entlassung habe ich den Arzt am Gang getroffen und mich für seine Geduld mit uns bedankt. Er meinte, von den fünf Geburten in dieser Nacht war unsere Geburt die ‚normale‘, alle anderen waren kompliziert!