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Selbstbestimmte Hausgeburt beim ersten Kind

Nach zwei Fehlgeburten bekommt diese Mama ihr erstes (lebendes) Kind selbstbestimmt zu Hause. Hier berichtete sie von ihrer Fehlgeburt in Eigenregie.

Sie wünscht sich, dass Frauen auch weiterhin individuell von Hebammen betreut werden. Deshalb möchte sie auf den Verein „Hebammen für Deutschland“ hinweisen, der sich für eine individuelle Geburtshilfe und den Austausch zur Geburtskuktur in Erzählcafés einsetzt. https://www.hebammenfuerdeutschland.de/

1.11.2019 – heute ist der errechnete Termin, auf den Tag genau ein Jahr nach meiner zweiten Fehlgeburt. Vor einem Jahr hätte ich mir niemals träumen lassen, heute unser Kind im Arm halten zu dürfen. Aber als ich so kurz nach der Fehlgeburt wieder schwanger war, und dann auch noch den errechneten Termin sah, wusste ich, dieses Mal wird alles gut.

Vorgeschichte – Schwangerschaft

Mein Gefühl sagte mir das ganz deutlich, und trotzdem war es in den ersten Wochen natürlich schwer, den Kopf auszuschalten, der einem immer wieder sagte: „Und was, wenn doch nicht…? “ Zum Ultraschall ging ich zum ersten Mal in der 10. Woche. Wenn, dann wollte ich auch schon etwas sehen können. An dem Morgen ging es mir furchtbar. Aber da war unser kleines, putzmunteres, drei Zentimeter großes Kind. Da ich meine rationalen Ängste nicht ganz aushalten konnte, ging ich in der 13. Woche noch einmal zum Ultraschall. Auch da war alles gut. Die (Vertretungs-) Ärztin meinte, eine zweite Fruchtblase zu sehen, in der sich nichts entwickelt hat, war sich aber nicht ganz sicher. Sie wollte das eigentlich mit der anderen Ärztin absprechen, als ich mich dann aber noch einmal meldete, hieß es, das sei doch nicht nötig und ich brauche mir keine Sorgen zu machen.

Etwa in der 15. Woche hatte ich den Eindruck, das erste Mal ganz zarte Stupser zu spüren. Ich habe mittlerweile ein ziemlich gutes Körpergefühl. Trotzdem war ich mir natürlich nicht sicher. Im Nachhinein waren das aber wohl schon Kindsbewegungen. In der 16. Woche waren wir in Frankreich im Urlaub, als plötzlich eine Blutung einsetzte. Nach dem ersten Schreck war ich aber recht ruhig und fühlte, dass mit dem Kind alles gut ist. Mein Mann wollte es trotzdem gerne abklären lassen und so fuhren wir ins Krankenhaus (es war Sonntag). Dort stellte die junge Ärztin eine Plazenta praevia fest, dem Kleinen ging es gut. Das beruhigte uns, wegen der Plazenta machte ich mir auch erstmal keine großen Gedanken, es war ja noch früh genug, dass sie noch hochwandern könnte. Wieder zu Hause ging ich trotzdem noch einmal zu meiner Ärztin, die feststellte, dass die Plazenta nicht ansatzweise über dem Muttermund lag – laut ihrer Diagnose hatte sich die Fruchtblase an einer Stelle über dem Muttermund von der Gebärmutterwand abgelöst. Ich sollte mich ein bisschen schonen und wir sollten beobachten, wie es sich entwickelt. Für mich war es ja am wahrscheinlichsten, dass es einfach diese vermutete zweite Fruchtblase war, die aufgegangen war und nun leer über dem Muttermund lag. Das alles bestätigte meine Zweifel an der Ultraschall-Diagnostik. So ging ich dann auch nur noch ein weiteres Mal hin, zum Organultraschall, wo ich nur das Wichtigste abklären ließ, da wir ja eine Hausgeburt geplant hatten. Auch wenn ich eigentlich instinktiv wusste, dass mit diesem Kind alles in Ordnung ist. Die Ärztin ließ sich zum Glück auf alles ein und vermittelte generell viel Ruhe und Gelassenheit (nicht umsonst hatte ich zuvor zweimal die Praxis gewechselt, da ich mit den vorherigen Ärzt*innen nicht klar kam).

Die restliche Vorsorge machte ich bei meinen beiden Hebammen (in unserer Stadt mit 320.000 Einwohnern gibt es übrigens nur noch drei Hausgeburtshebammen). Beide strahlen sehr viel Ruhe und Zuversicht aus. Trotzdem hatte ich auch hier ein Erlebnis mit der Vor“sorge“-Thematik: Den Test auf Schwangerschaftsdiabetes wollte ich eigentlich nicht machen. Mir ging es gut, ich habe keine Risikofaktoren, es erschien mir einfach unnötig. Die Hebamme „überredete“ mich dann aber, bzw. schien es für sie einfach selbstverständlich zu sein und ich fühlte meine Ablehnung nicht richtig gehört. Naja, schaden kann es ja nicht, dachte ich mir und machte den Test. Es kam natürlich wie es kommen musste und der Wert war leicht erhöht. So musste ich dann noch zum nächsten Test (bei 38 Grad nüchtern in die Praxis fahren – sehr gesund…). Hier war nur der zweite Wert leicht erhöht, und da die Ärztin beim Organultraschall feststellte, dass das Kind normal groß und schwer war, sah sie keinen Anhalt für Diabetes (ihr Kommentar: „In der Uniklinik hätten Sie jetzt auf jeden Fall einen Diabetes“). Das Ganze brachte mir insgesamt knapp vier Wochen mit dem Gedanken „Ich könnte Schwangerschaftsdiabetes haben“ ein (eine Woche vor dem ersten Test, eine Woche warten aufs Ergebnis, eine Woche warten bis zum nächsten Test, wieder ein paar Tage warten bis zum Ergebnis). Es hat mich gelehrt, beim nächsten Mal besser auf mein Gefühl zu hören und mich durchzusetzen.

Ansonsten hatte ich eine sehr schöne Schwangerschaft. Ich achtete auf eine gute Ernährung, ausreichend Bewegung und versuchte, so weit es ging auf meinen Körper zu hören. Leider stellten sich ab ca. der 25. Woche Schmerzen im Lendenwirbelbereich, in den Leisten und an der Symphyse ein, die bis zum Ende mal mehr und mal weniger stark waren. Die machten mir teilweise schon zu schaffen, ich war sogar beim Chiropraktiker, was aber nicht wirklich Besserung brachte. So musste ich eben damit klar kommen. Gleichzeitig genoss ich es sehr, mein Baby im Bauch zu spüren, es immer bei mir zu haben und mit ihm zu kommunizieren. Jetzt schon ging für mich ein Traum in Erfüllung. Das Kind war sehr aktiv, sodass auch mein Mann es oft spüren konnte.

Vorbereitung auf die Geburt

Ich lese eigentlich schon seit Jahren über die Themen Schwangerschaft und Geburt, sodass ich schon zu Beginn viel wusste. In der Schwangerschaft habe ich dann noch mehr gelesen, insbesondere Michel Odent, Sarah Schmid, Jobina Schenk und Hypnobirthing. Ab und zu stimmte ich mich mit Meditationen und Affirmationen auf eine positive Geburtserfahrung ein. Ich versuchte auch, die Hypnobirthing-Atmung zu üben, merkte aber, dass es mich mehr stresste, täglich an die Übungen zu denken, als dass es sich sinnvoll anfühlte, sodass ich das nur sporadisch machte. Je weiter die Schwangerschaft fortschritt, umso mehr erwartete ich die Geburt mit einer positiven Aufregung. Meine einzige Sorge war, wann ich die Hebamme rufen sollte. Ich wusste, dass ich bei der Wehenarbeit am liebsten alleine sein würde. Auch wusste ich, dass die Hebammen sicher sehr zurückhaltend sein würden, wenn ich sie darum bitte, ich wollte aber einfach keine Beobachter dabei haben. Mein Mann hatte vollstes Vertrauen in mich – ihm war es aber wichtig, dass die Hebamme dabei ist, was ich verstand und mir ja eigentlich auch wichtig war – ich merkte einfach, ich will das nicht ganz alleine machen, will aber trotzdem meine Ruhe haben. Ich konnte einfach nicht vorhersehen, ob und wie das möglich sein würde. So versuchte ich, ins Vertrauen zu gehen. Ich vertraute darauf, dass schon alles so werden würde, wie es für uns richtig ist. Und so kam es dann auch.

Die Geburt

Irgendwie hatte ich das Gefühl, den errechneten Termin am 1.11. nicht zu erreichen. Mir reichte es gegen Ende einfach mit der Schwangerschaft, ich konnte nicht mehr richtig schlafen, aufstehen, Schuhe anziehen … In der Nacht vom 17. auf den 18. Oktober wachte ich plötzlich mit starken Schmerzen im Beckenbereich auf. Ich war mir sehr sicher, dass das keine Wehen sind, konnte aber auch nicht nachvollziehen, woher diese Schmerzen kamen. Ich wusste nicht mehr, wie ich liegen, sitzen, stehen sollte – jede Position tat weh. Nur im Vierfüßler war es einigermaßen erträglich. Irgendwie überstand ich die Nacht und am nächsten Tag ging es dann wieder. Ich spürte in mich hinein und war mir ganz sicher, dass das Baby tief ins Becken gerutscht sein muss. Ich dachte nur: „Wenn das so weiter geht, halte ich es niemals bis zum 1.11. aus.“ Aber die nächsten Tage brachten Besserung. Am 21. machte ich noch einige Besorgungen für Geburt, Wochenbett und Baby, ging noch einmal zum Sportkurs und abends hatte ich sogar wieder Lust auf Sex. Wir überlegten noch kurz, ob das mit den Prostaglandinen wirklich eine gute Idee ist, aber mir war es in dem Moment egal – ich wusste, wenn mein Körper noch nicht geburtsbereit wäre, würde auch nichts passieren.

Und tatsächlich wachte ich am nächsten Morgen nach einer zum Glück sehr ruhigen Nacht gegen 8 Uhr von einer Wehe auf. Mein Mann war schon auf der Arbeit. Ich beschloss, erstmal abzuwarten. Die Wehen kamen alle 7 bis 8 Minuten in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen und waren noch gut auszuhalten. Ich war mir nicht ganz sicher, ob das wirklich die Geburt ist, trotzdem begann ich schon einmal mit meinen Vorbereitungen. Mir fielen 1000 Dinge ein, die noch erledigt werden mussten, Staubsaugen, Bett neu beziehen, Gemüsekiste bestellen … Ich arbeitete nach und nach meine Liste ab, während ich immer wieder die mittlerweile doch sehr regelmäßigen und kräftigeren Wehen bearbeitete. Am besten ging das nach vorne übers Bett gebeugt. Ich hörte mir nebenbei noch eine Podcast-Folge zum Thema „Was, wenn die Eröffnungswehen schon schmerzhaft sind“ an – setzte die meisten Tipps aber sowieso schon um: Ich versuchte, nicht gegen die Wehen zu arbeiten, sondern mit ihnen zu gehen, sagte „Jaaa“, „Kooomm mein Baby“, „Lass looos“. Die Wehen waren durchaus schmerzhaft, aber sobald sie vorbei waren, konnte ich meinen Tätigkeiten wieder nachgehen.
Vormittags sprach ich der Hebamme aufs Band, die um 14 Uhr zur Akupunktur kommen wollte, dass das wohl nicht mehr nötig sei. Sie rief mich um kurz vor zwei zurück um zu fragen, ob sie trotzdem kommen solle. Ich verneinte und sie meinte, dass ich mich auch so anhöre, als würde es noch dauern. Ich solle mich einfach melden, wenn ich sie brauche und könne ja mal in die Badewanne gehen. Damit wollte ich aber gerne noch warten, bis mein Mann von der Arbeit kam, weil ich ein bisschen Bedenken wegen meines Kreislaufs hatte. Um 12 Uhr hatte ich meinem Mann geschrieben, dass er heute wohl das Fleisch für die Hühnersuppe und die Bolognese kaufen könne, die er für das Wochenbett kochen wollte und um 13 Uhr rief ich ihn an, um ihm zu sagen, dass er ruhig noch zu Ende arbeiten könne (er wollte um 15 Uhr zu Hause sein). Ich ging dann doch schon mal in die Badewanne, aber nur bis zum Bauch, wechselte immer wieder zwischen sitzen und Kniestand und arbeitete mit den Wehen.
Gegen 15 Uhr kam mein Mann und fing an zu kochen. Zwischendurch brachte er mir immer wieder ein Glas Wasser, ansonsten blieb ich lieber alleine im Badezimmer. Irgendwann spürte ich dann, dass sich etwas änderte, ich hatte das Gefühl, mal aufs Klo zu müssen. In so einem Moment kam mein Mann rein, den ich sofort wieder rausschickte. Also raus aus der Badewanne und aufs Klo, was aber auch nicht das Richtige war. Wieder rein in die Wanne, das Gefühl blieb. Auf einmal kam der Gedanke: „Moment mal, dieses Gefühl aufs Klo zu müssen, das kennst du doch von der Fehlgeburt. Außerdem schreiben das doch immer alle, dass sich so Presswehen anfühlen … aber das kann doch gar nicht sein…“ Ich drückte ein bisschen, immer noch in der Annahme, dass das noch keine Presswehen sind. Ich wollte dann doch aus der Wanne raus und stellte mich zwischen Waschbecken und Heizung, wo ich mich an beiden Seiten gut festhalten konnte, und legte mir zur Sicherheit das Handtuch unter. Ich glaube kurz darauf (wann genau weiß ich nicht mehr) platzte die Fruchtblase. Auf einmal merkte ich, wie mein Bauch nach unten drückte und ich hörte mich selbst ziemlich laut werden. Ich dachte noch daran, dass wir jetzt vielleicht doch mal die Hebamme anrufen müssten, war aber so mit mir selbst beschäftigt, dass ich aus diesem Gedanken keine Entscheidung treffen konnte. Mein Mann hatte mich gehört und fragte, ob wir denn nicht langsam die Hebamme anrufen sollten. Ich sagte nur: „Weiß ich nicht …ja.“ Und ziemlich genau in diesem Moment klingelte das Telefon und sie war selbst dran. Mein Mann sagte ihr, dass sie jetzt kommen „dürfe“, und sie hörte mich wohl im Hintergrund und wurde ziemlich schnell … Bis sie etwa eine viertel Stunde später da war, hatte ich noch einige weitere Presswehen – so langsam wurde selbst mir klar, dass das jetzt wohl doch der Endspurt ist. Plötzlich fiel mir auf, dass ich mein Baby schon lange nicht mehr gespürt hatte und einen Moment lang machte ich mir Sorgen. Ich redete mir in Gedanken selbst gut zu und wusste ja, dass die Hebamme bald da sein würde. Als sie ankam, hörte sie auch als erstes die Herztöne, worüber ich sehr froh war – und mich noch wunderte, wie weit unten sie dafür das Dopton ansetzen musste … Mein Mann wollte uns im Bad alleine lassen, die Hebamme meinte nur: „Nee, du musst jetzt hier bleiben, das Kind kommt jetzt!“ Ich hielt mich immer noch an Heizung und Waschbecken fest und brüllte mich durch vielleicht zwei weitere Wehen. Dann spürte ich auf einmal die Schmerzen am „Ausgang“ und ging in den Vierfüßlerstand. Mein Mann kniete vor mir, die Hebamme hinter mir. Sie hielt mir einen warmen Waschlappen an den Damm, was sehr gut tat. Zwischendurch massierte sie offenbar auch – das störte mich allerdings, was ich auch energisch äußerte. Dann sollte ich ausatmen wie durch einen Strohhalm, das half tatsächlich etwas. Ich sagte noch, dass das doch gar nicht da durch passt und wollte doch gleichzeitig, dass es endlich rauskommt. Die Hebamme sagte, es sei gut, dass sich alles langsam dehnt, was mir aber in dem Moment ziemlich egal war – ich wollte nur, dass dieser Schmerz aufhört. Zwischendurch fühlte ich auch mal hin und konnte tatsächlich schon den Kopf fühlen. In der nächsten Wehe kam dann endlich der Kopf, danach fühlte es sich schon wesentlich besser an. Mein Mann fing schon an zu weinen und schaute von oben – ich war immer noch im Vierfüßlerstand. Zum Glück hatten wir im Geburtsvorbereitungskurs gelernt, dass das Köpfchen meist ganz blau ist, sonst hätte er sich wahrscheinlich erschreckt. Ihn so gerührt zu sehen motivierte mich für die letzte Wehe. Ich schaute von vorne auch einmal auf das Köpfchen und dann kam auch schon der Rest rausgeflutscht. Die Hebamme führte ihn so geschickt, dass er sofort unter mir lag. Ein dampfendes, rosiges, ganz sauberes Baby! Er schrie kurz und ich nahm ihn hoch, worauf er sich sofort beruhigte. „Ein Junge!“ – Mein Mann hatte es als erstes gesehen, ich hatte gar nicht darauf geachtet. Ganz wach schaute er mich mit seinen großen Augen an. Er war so schön warm und dampfig, wie frisch gebadet und praktisch ohne Käseschmiere, obwohl er 10 Tage vorm Termin kam. Ich konnte immer nur sagen „Du bist so süß!“ – einfach unglaublich, endlich, endlich konnte ich mein Kind im Arm halten. Ich war noch viel zu überwältigt von dem ganzen Erlebnis, um das alles zu realisieren. Irgendwann fragte ich noch nach Datum und Uhrzeit – es war kurz vor fünf, die Geburt dauerte also insgesamt knapp 9 Stunden. Die Hebamme machte die U1 und nach einer Weile zogen wir dann ins Schlafzimmer um – eine lustige Parade: Mein Mann vorneweg mit dem Kleinen auf dem Arm, ich mit der Hebamme und einer Unterlage zwischen den Beinen hinterher – ein Glück hat das keiner gesehen …! Auf dem Bett kam dann irgendwann die Plazenta. Die Hebamme zog ein wenig an der Nabelschnur und drückte auf den Bauch, was mir aber unangenehm war, sodass wir noch ein bisschen warteten, bis sie dann kam. Ich fand sie ziemlich klein, hatte aber gar nicht die Kraft, mich aufzurichten um sie genauer anzuschauen. Die Hebamme war sich nicht ganz sicher, ob sie vollständig war, sie sah wohl an einer Stelle etwas ungewöhnlich aus (zur Sicherheit ging ich in der Woche drauf zum Ultraschall, da war aber alles in Ordnung, wie ich es auch schon vermutet hatte). Nachdem die Plazenta geboren war, beglückwünschte uns die Hebamme und mein Mann durfte mit der Nagelschere die Nabelschnur durchschneiden (in der Eile hatte die Hebamme keine Schere eingepackt). Sein Kommentar dazu: „Jetzt ist er WLAN!“ Er machte dann auch irgendwann sein erstes Kindspech und bekam eine Windel an – ansonsten blieb er die ersten Tage ohne Kleidung und durfte ganz viel mit Hautkontakt kuscheln. Das Trinken klappte auch sofort ganz gut – ein kleines Naturtalent.
Die Hebamme füllte noch den Papierkram aus, ging irgendwann mit mir zur Toilette und ich schaffte es sogar, mich im Sitzen abzuduschen. Zwischendurch sackte mein Kreislauf mal ein bisschen ab, ich spürte auch, dass da noch etwas vor meinem Muttermund ist, was rauswill. Es kam dann mit etwas drücken auch noch ein größerer Koagel, danach ging es mir wieder besser. Einen starken Druck auf den Beckenboden spürte ich aber noch die nächsten Tage. Bis auf eine kleine Schürfung, die etwas nervig war, aber nach ein paar Tagen verheilte, war aber alles heil geblieben.
Irgendwann war dann ganz passend auch die Bolognese fertig. Wir aßen sie zu dritt auf dem Bett. Die Hebamme freute sich über ein so köstliches Abendessen und ich hatte zwar eigentlich keinen Hunger, war dann aber doch ganz froh über die Stärkung. Gegen 20 Uhr machte sich die Hebamme auf den Weg und plötzlich waren wir zu dritt mit unserem Kleinen. In dem Moment konnte ich endlich weinen – komplett überwältigt von diesem Ereignis. Wir waren sofort verliebt in unseren süßen, kleinen Sohn.
Für mich war es am Ende alles genau richtig so. Ich konnte mich ganz ungestört auf die Geburt einlassen und hatte genau im richtigen Moment die Unterstützung durch meinen Mann und die Hebamme. Ich war sehr froh, dass sie da war. Ich denke, mit meinem schwachen Kreislauf und ohne Erfahrung wäre die Zeit nach der Geburt für uns ohne sie sehr stressig geworden. So konnten wir ganz in Ruhe zusammen ankommen. Ich finde es unheimlich wichtig, dass Hebammen weiter ihre Arbeit machen können (und davon auch leben können) – und zwar auch Hausgeburten! Es ist unser Recht, zu entscheiden, wo wir unsere Kinder gebären möchten und auch wenn eine Alleingeburt für einige Frauen eine Möglichkeit oder ein Wunsch ist – es darf nicht sein, dass es irgendwann (teilweise ist es ja schon Realität) nur noch die Möglichkeit Krankenhaus oder Alleingeburt gibt. Der Start ins Leben ist so wichtig!

Geplante Alleingeburt bei Zwillingen wird traumatischer Kaiserschnitt

Die Mama in diesem Bericht ist zum zweiten Mal schwanger: diesmal mit Zwillingen. Sie wünscht sich eine Hausgeburt wie bei ihrem ersten Kind. Da Hebammen in Deutschland seit wenigen Jahren keine Zwillingsgeburten mehr zu Hause begleiten dürfen, plant sie eine Alleingeburt. Leider geht die Geburt ab einem gewissen Punkt nicht mehr voran. Die Mama erhofft sich geburtshilfliche Unterstützung bei einer natürlichen Geburt im Krankenhaus. Leider ist dazu kein Arzt bereit und die Babys werden per Sectio entbunden.

****Triggerwarnung (grobe Behandlung/Gewalt durch medizinisches Personal)

Aus einer geplanten Alleingeburt wurde ein Kaiserschnitt 😢. Zwillingsschwangerschaft. 36 +5

Am 29.9 um zwei Uhr nachts wurde ich durch ein lautes Knacken wach. Sofort floss ziemlich viel Wasser im Schwall. Juhu, die Geburt beginnt! Wie bei meiner Erstgeborenen habe ich mich sehr gut vorbereitet und ging komplett ohne Angst an die Sache heran. Hatte ne tolle Frauenärztin während dieser Zeit der Schwangerschaft. Gleichzeitig machte ich Babystunden, eine Art Hypnose, und Verbinden mit den Kindern. Ich hatte glaube ich bis zu 7 Sitzungen. War mega und hat mir sehr geholfen.

Nach dem Blasensprung ging ich zurück ins Bett. In völliger Vorfreude. Von Wellen noch nix zu spüren. Es war alles ruhig. Den Samstag über hatte ich immer leichtes Ziehen, Wellen kamen so im 15 bis 10 Minuten Abstand. Mein Mann und meine Tochter begleiteten mich den Tag über. Ich saß gut 2 Stunden gegen Samstag Abend im Pool. Nochmal gestärkt, ging es etwas knackiger zur Sache. Ich konnte gut veratmen. Unsere Tochter schlief im Familienbett. Mein Mann massierte mich. Ich machte kreisende Übungen, um die Kids im Bauch bissle anzuschubsen. Aus einer Beckenendlage von Zwilling eins war wieder eine Kopflage laut Besuch beim Frauenarzt eine Woche vorher. Irgendwie kamen wir nicht vorwärts zuhause. Tasten traute ich mich nicht, zwecks Infektionsgefahr. Samstag Nacht gegen 22 Uhr beschloss ich, ins Krankenhaus zu gehen. Die Uroma wurde für unsere kleine Tochter organisiert. Mein Mann fuhr mit mir. Krankenhausweg war ca. 15 Minuten. Eingentlich sollte es einen guten Ruf haben. Alle anderen waren mehr als ne gute Stunde entfernt. Das hätte ich nicht mehr fahren können. Der Druck wurde immer schlimmer. Unterwegs musste ich im Auto noch gut vier starke Wellen unter lautem Tönen veratmen. Angekommen am Krankenhaus und der Horror begann. Eine Hebamme nahm uns freundlich auf. Ich denke sie war in unserem Alter. Knapp Mitte 30. Sie untersuchte mich. Muttermund 5 cm… Sie muss wie immer den Arzt hinzuziehen. Dieser kam. Ans Ctg und Ultraschall kam ich. Laut ihm war das Ctg schlecht. Herztöne fallend… ( ich bin im übrigen Pflegefachkraft). Ich sagte, dass es nicht stimmt, ich es selbst auswerten kann und ich lediglich Hilfe benötige zur normalen Geburt. Mein Mann wäre ihm fast an die Gurgel gegangen. Der Hebamme waren die Hände gebunden. Kein Wehenmittel, nix um es anzustoßen. So kamen noch zwei Ärzte … Jeder redete auf mich ein. Plötzlich lagen die Kinder laut Ultraschall in Beckenendlage usw… Ich war dermaßen fertig. Verlegung kam für sie nicht in Frage. So schnell kam es dann zum Kaiserschnitt. 4 Uhr Montag morgen. Ich wurde nicht ernst genommen, keinerlei Schutz der Intimsphäre. Ich war nackt allen und jedem ausgeliefert. Kein Abdecken, nix. Bei mir wirkt keine Teilnarkose. Das hat man mal festgestellt als ich 16 Jahre alt war beim Zahnarzt. Ich brauche eine Vollnarkose bei größeren Eingriffen. Nix hat man mir geglaubt. Die haben mich hingestellt, als wäre ich eine Spinnerin. Ans Bett gefesselt, ab in OP. Ich habe nur gebetet, dass ich es überleben werde. Mein Mann saß neben mir, weinte, schrie und beruhigte mich. Plötzlich zack, stach es im Unterleib und der Arzt legte mir einen Blasenkatheter, ohne mir Bescheid zu geben. Der Bauchschnitt kam und mir war ganz schwarz vor Augen … Ich schrie und zappelte auf dem OP Tisch. Keiner hat geholfen … Es hieß immer nur: Stellen sie sich nicht so an! Atmen sie tief ein und aus. Es war noch ne junge Ärztin beim Chirurg … Er sagte: „So, jetzt machen wir uns auf die Suche nach den Kindern!“ Er wurstelte im Bauch rum, nicht normal. Ich hatte einen starken Brechreiz. Das Mädel wurde zuerst geholt. Sie schrie ununterbrochen 20 Minuten. Mir hat es das Herz zerrissen. Dann kam der Junge. Völlig ruhig. Ich schickte meinen Mann sofort zu den Kinder. Ich hab im Vorfeld gesagt: kein Vitamin k, Plazentas nehmen wir mit. Der ganze Prozess im OP war in 40 Minuten vorbei. Ich hatte dermaßen Schmerzen. Um die Plazentas zu lösen, stieg der Arzt auf mich mit seinen Ellenbogen. Wie ein Stück Schlachtvieh wurde ich behandelt. Den Arzt bekamen wir nicht mehr zu Gesicht. Die Hebamme, die uns aufgenommen hat, verabschiedete sich sehr innig von uns, entschuldigte sich für die Situation und bat uns Hilfe für ein Gespräch an. Das lehnten wir ab, denn ich wollte nix Sehnlicheres als jetzt meine Kinder im Arm zu halten. Ich und mein Mann wurden auf Station geschoben. Völlig kalte Gänge, überall Zugluft. Die Babys nur im Handtuch. Als die Babys geholt wurden, waren sie voll mit Käseschmiere. Bekommen haben wir sie mehr als abgerubbelt mit blauen Flecken. Auf Station angekommen, haben wir beide massiv geweint und uns erstmal in den Arm genommen. Ich war dankbar, dass ich diese Prozedur überhaupt überlebt habe. Den ganzen Tag kamen ständig Schwestern ins Zimmer. Es klopfte niemand an. Ständig ging die Türe auf. Sämtliche Untersuchungen wollten sie machen, ständig die Kinder mitnehmen. Ich lehnte dankend ab. Nachts legte mir die Nachtschwester die Kinder trocken und hat doch tatsächlich an den Fersen beider Kinder Zucker gemessen … das Mädchen wog 2800 g, der Junge 2600 g. Beide putzmunter. Ich hab mich am Tag drauf selbst entlassen. Alle im Umfeld, meine Hebamme, sind einfach schockiert. Ich selbst komme mir dermaßen als Versagerin vor. Es ist alles eingetreten, was wir nie wollten. Trotz immer positiv zu fokussieren. Mir kommen täglich die Tränen. Ich bin dankbar, dass ich meine gewünschten Kinder sofort annehmen konnte und vor allem stille ich sie beide voll. Der Milcheinschuss kam Zuhause während wir in die Garage fuhren. Die erste Geburt war eine traumhafte Hausgeburt, die zweite eine Horrorgeburt. Mir wurde ganz tief im Inneren soviel Leid und Schmerz zugeführt. Daran werde ich noch sehr lange zu knabbern haben … Ich bin dankbar, einen so tollen Mann an meiner Seite zu haben, der mich in allem und jedem so unterstützt und mir beisteht. Auch er hat noch ziemlich zu knabbern. Ich weiß nicht, wie abgestumpft Menschen werden bzw. sein können. Im Lebtag würde ich nie so mit meinen Patienten umgehen. Im OP waren an die 14 Leute. Jeder hatte ein Herz aus Stahl.

The role of the homebirth midwife / Die Rolle der Hausgeburtsebamme

Judy Slome Cohain ist eine Hausgeburtshebamme aus Israel, die in 35 Jahren 1011 Hausgeburten begleitet hat. Dabei hat sie schon vieles erlebt und sich viele Lebensträume erfüllt. Ein Traum bleibt noch: Sie möchte gern Drillinge zu Hause zu begleiten und ein Video davon auf Youtube stellen. Davon erzählt sie am Ende des Textes. Zuerst beschreibt sie, was sie als ihre Aufgaben bei einer Hausgeburt ansieht und was Mütter im Blick haben sollten, wenn sie in Eigenregie gebären. (Deutsche Übersetzung unter dem englischen Text.)

Judy Slome Cohain is a homebirth midwife from Israel, who has attended 1011 births in 35 years of practice. She has experienced a lot and fulfilled most of her dreams. One dream remains: Attending a triplet homebirth and posting a video of it on YouTube. In the end of her text she explains more about this. Also she describes what she sees as her tasks at a homebirth and what one should be aware of when birthing unattended.

Tips for unattended birth from a midwife with 35 years of experience and 1011 private births

My job at births is 3 fold: Resuscitation; Preventing hemorrhage; Reassuring the mother.

Resuscitation: 99% of babies breathe spontaneously upon being born. Often I see the nose flare when only the head is out. That is the baby taking its first breath. Once the baby breathes once, it will probably continue to do so. 1% of babies do not breathe at birth. Perhaps the cord is pressed on the way out which depresses the baby. These 1% have a heart rate but do not breathe. They are born floppy without muscle tone, the body is either purple or white color. Purple means the baby is better oxygenated than white color and will require less effort to start them breathing. I hold them face up, one hand behind the head and one holding the body. I let my hands fall down quickly, so they feel like they are falling. Many will take a breath. If not, I begin to softly breathe into their mouths – mouth to mouth. I breathe gently 5 times, gently to avoid rupturing a lung. This brings oxygen to them and they usually start to breathe. If not, i repeat until they do. In one case, after a shoulder dystocia that took 6 minutes to get the shoulders out, the baby was born without a heart beat. If you put your finger on the chest, you easily feel a newborns heart beating. This baby had none. Of course the color was white. Still, i knew this baby had not been dead for long. I blew as hard as I could into the mouth, 30 times, not worrying about puncturing the lungs, without looking at the baby. When i stopped, the baby was pink, oxygenated, but not breathing. I think my strong breaths had physically started the heart. Then I pinched both of the babies lips as hard as I could, which is very painful and 10 seconds later, it took a breath and even made a very weak wimper.

In 2 cases per 1000, the baby will come out breathing and the mother holds it and talks to it. Between 5 and 10 minutes after the birth, the baby who breathed will stop breathing. Usually the mother does not notice the baby has stopped breathing and is turning purple between 5 and 10 minutes after the birth. Someone should have the job to make sure the baby continues breathing in the first half hour. In both cases, the mother was completely unaware the baby had stopped breathing and was turning dark purple. It is easy to resuscitate these cases by stimulating the baby by massaging its back. But if no one notices it, the baby will die. This happened to a midwife friend in hospital, who felt it was not her job to watch for this, because the mother was paying a private doctor for the birth, but the doctor left 5 minutes after the birth. That baby died 10 minutes after the birth.

My other medical job at birth is preventing postpartum hemorrhage. This is quite easy. In 95% of cases, it makes no difference what you do, the mother will not have a hemorrhage. But in 5% of cases, the mother will hemorrhage unless you get into squatting between 3 and 4 minutes postpartum and push out the placenta without a contraction by 5 minutes postpartum. 5% means 1 in 20 women will lose over a liter of blood after birth, in the first hour. There is no way to predict who these women are. The average woman has only 3,200 cc of blood at birth, so over a liter is about a third of her blood and losing this will leave her quite tired and vulnerable. It is clear to me after 1,011 births that this is the way all animals avoid hemorrhage and this is what humans should do also. No animal hemorrhages after birth. Doing this, no women has hemorrhaged over 450 cc in the first hour, including very high risk women with platelet levels below 35, twins, retained placenta, breech, and vbacs. The women who think squatting out the placenta by 5 minutes is interfering in the birth process, need to be more honest with themselves and stop pretending they are not interfering with the birth process. They all use one of the following to interfere with the birth: cars, phones, electric lights, indoor plumbing, food from stores, vitamins, supplements, homeopathic remedies, essential oils, internet, birthing pools, birthing chairs, birthing balls, yoga mats, yoga, music players, blood tests, ANTI-D, dopplers to hear the fetal heart, stitches, disposable everything, courses to prepare for childbirth, hypnobirthing tapes, vaginal exams, latex gloves, cutting the cord and exposing their newborn at birth to a range of strangers.

My third role is reassuring the woman. Women having unattended births have decided they dont need this and I agree, they dont. But I will admit, I have had a few clients return to me for subsequent births after unattended births, because they felt my presence reassured them greatly because they did not feel the feeling that they were dying in the last moments before the birth.

My dream: I will go anywhere to deliver triplets at home if the mother agrees to video it. In order to get to 37 weeks, the mother will have to eat 150 gm of complete protein per day.  1 per 1000 births are triplets! There is no triplet homebirth on YouTube and I think it would move the birth world closer to understanding that birth is not as scary as hospitals want you to think. If you want to contact me, email to judyslome@gmail.com.

Alleingeburtstipps einer Hebamme mit 35 Jahren Erfahrung und 1011 begleiteten Geburten

Bei einer Geburt habe ich drei Kernaufgaben: Wiederbelebung des Neugeborenen, Vorbeugen von Blutungen und Beruhigung der Mutter.

Reanimation: 99% aller Babys atmen bei der Geburt spontan. Oft sehe ich schon eine Bewegung der Nasenflügel, wenn nur der Kopf draußen ist. Da macht das Baby seinen ersten Atemzug. Sobald das Baby einmal atmet, wird es dies wahrscheinlich auch weiterhin tun. 1% der Babys atmen bei der Geburt nicht. Vielleicht wurde die Nabelschnur auf dem Weg nach draußen abgedrückt, was das Baby beeinträchtigt hat. Diese 1% haben einen Herzschlag, atmen aber nicht. Sie werden schlaff ohne Muskeltonus geboren, der Körper ist entweder lila oder weiß. Lila bedeutet, dass das Baby besser mit Sauerstoff versorgt ist als weiß und es weniger Anstrengung benötigt, um mit dem Atmen zu beginnen. Ich halte sie mit dem Gesicht nach oben, eine Hand hinter dem Kopf und eine, die den Körper hält. Ich lasse meine Hände schnell runterfallen, so dass sie das Gefühl haben zu fallen. Viele werden Luft holen. Wenn nicht, fange ich an, vorsichtig Mund zu Mund-Beatmung zu machen. Ich atme fünfmal sanft, um eine Lungenruptur zu vermeiden. Dies bringt ihnen Sauerstoff und sie fangen normalerweise an zu atmen. Wenn nicht, wiederhole ich es, bis sie es tun. In einem Fall wurde das Baby nach einer Schulterdystokie, die 6 Minuten dauerte, um die Schultern herauszuholen, ohne einen Herzschlag geboren. Wenn man den Finger auf die Brust legen, kann man leicht das Herz eines Neugeborenen schlagen fühlen. Dieses Baby hatte keinen Herzschlag. Natürlich war die Farbe weiß. Trotzdem wusste ich, dass dieses Baby nicht lange tot war. Ich bließ 30 Mal so fest ich konnte in den Mund. In dem Fall machte ich mir keine Gedanken darum, die Lunge zu verletzen. Als ich aufhörte, war das Baby rosig, mit Sauerstoff angereichert, atmete aber nicht. Ich glaube, mein kräftige Beatmung hatte das Herz in Schwung gebracht. Dann drückte ich beide Lippen des Babys sehr fest, was schmerzhaft ist und 10 Sekunden später holte es Luft und gab sogar einen schwachen Laut von sich.

In 2 Fällen pro 1000 wird das Baby geboren, atmet, die Mutter hält es und spricht mit ihm. Aber dann, 5 bis 10 Minuten nach der Geburt, hört das Baby, das bereits geatmet hat, plötzlich auf zu atmen. Oft merkt die Mutter gar nicht gleich, dass das Baby aufgehört hat zu atmen und 5 bis 10 Minuten nach der Geburt violett wird. Jemand sollte also die Aufgabe haben, sicherzustellen, dass das Baby in der ersten halben Stunde weiter atmet. In beiden von mir begleiteten Fällen hatte die Mutter überhaupt nicht bemerkt, was da passierte. Es ist einfach, diese Fälle wiederzubeleben, indem das Baby durch Massieren des Rückens stimuliert wird. Aber wenn es niemand merkt, stirbt das Baby. Dies passierte einer Hebammenfreundin im Krankenhaus, die meinte, dass es nicht ihre Aufgabe sei, darauf zu achten, da die Mutter einen privaten Arzt für die Geburt bezahlte. Der Arzt war jedoch 5 Minuten nach der Geburt schon wieder gegangen. Das Baby starb 10 Minuten nach der Geburt.

Mein anderer medizinischer Job bei der Geburt ist die Verhinderung einer Blutung nach der Geburt. Das ist ganz einfach. In 95% der Fälle spielt es keine Rolle, was man tun, die Mutter wird keine Blutung haben. In 5% der Fälle blutet die Mutter jedoch, es sei denn, sie hockt sich 3 bis 4 Minuten nach der Geburt hin und schiebt die Plazenta 5 Minuten nach der Geburt ohne Wehe heraus. 5% bedeutet, dass jede zwanzigste Frau in der ersten Stunde nach der Geburt mehr als einen Liter Blut verliert. Es gibt keine Möglichkeit vorherzusagen, wer diese Frauen sind. Die durchschnittliche Frau hat bei der Geburt 3.200 ml Blut, sodass über ein Liter etwa ein Drittel ihres Blutes ausmacht. Wenn sie so viel verliert, wird sie danach ziemlich müde und kraftlos sein. Mir ist nach 1.011 Geburten klar, dass alle Tiere auf diese Weise Blutungen vermeiden, und dies sollte auch der Mensch tun. Kein Tier verliert nach der Geburt viel Blut. Die Frauen, die bei mir dieses Prinzip berücksichtigten, verloren in der ersten Stunde nie über 450 ml, auch Frauen mit hohem Risiko wie Thrombozytenwerten unter 35, Zwillingen zurückgebliebene Plazenta, Beckenendlage und vaginaler Geburt nach Kaiserschnitt. Wer denkt, dass 5 Minuten nach der Geburt die Plazenta im Hocken herauszupressen den natürlichen Ablauf der Geburt stört, sollte sich bewusst machen, dass der moderne Mensch auch mit vielen anderen Dingen Einfluss auf die Geburt nimmt: Autofahren, Telefonieren, elektrisches Licht, Vitamintabletten, Nahrungsergänzungsmittel, homöopathische Mittel, ätherische Öle, Internet, Geburtsbecken, Geburtsstühle, Yoga, Musik-Player, Blutuntersuchungen, ANTI-D-Spritze, Doppler, um das fetale Herz zu hören, Naht von Dammrissen, Verwendung aller möglichen Einmalutensilien, Kurse zur Vorbereitung auf die Geburt, hypnobirthing, vaginale Untersuchungen, Latexhandschuhe, Durchschneiden der Nabelschnur und der Brauch, das Neugeborene zur Geburt einer Reihe von Fremden auszusetzen.

Meine dritte Rolle ist es, die Frau zu beruhigen. Frauen, die ohne Hebamme gebären, haben entschieden, dass sie das nicht brauchen, und ich stimme zu, dass sie es nicht brauchen. Aber es ist auch so, dass einige Klienten nach einer Alleingeburt für spätere Geburten zu mir zurückgekommen sind, weil sie sich durch meine Anwesenheit sehr beruhigt fühlten und weil sie dann nicht das Gefühl hatten, in den letzten Augenblicken vor der Geburt zu sterben.

Mein Traum: Ich komme überall hin, um Drillinge zu Hause zu begleiten, wenn die Mutter zustimmt, dass die Geburt gefilmt werden darf. Damit sie es bis 37 Wochen schafft, soll sie täglich 150 g Eiweiß über die Nahrung aufnehmen. 1 von 1000 Geburten sind Drillinge! Es gibt bislang kein Video einer Drillingshausgeburt auf Youtube. Ich glaube, so ein Video würde der Geburtswelt die Tatsache näher bringen, dass Geburt nicht so furchteinflößend ist, wie die Krankenhäuser einen gerne glauben lassen. Um mit mir Kontakt aufzunehmen, schreib an judyslome@gmail.com.

Kommentar: Da ich bisher davon ausgegangen war, dass die Plazenta unterschiedlich lange braucht, um sich zu lösen und mir einige Frauen bekannt sind, bei denen das voreilige Herausziehen der Plazenta zu starken Blutungen geführt hat, habe ich bei Judy nachgefragt. Laut ihr ist entscheidend, dass die Frau die Plazenta in aufrechter Haltung selbst gebärt. Also was anderes als wenn jemand Fremdes Hand anlegt.

Ich denke nicht, dass man sich Stress machen sollte, wenn die Plazenta nicht innerhalb von 5 Minuten geboren ist. Aber vor allem Frauen, die schon einmal stark nach der Geburt geblutet haben, haben hier eine Möglichkeit, dem bei einer weiteren Geburt vorzubeugen und allgemein ist es sicherlich gut, diese Option im Hinterkopf zu haben.

Selbstbestimmte Geburt in der Natur

Die Mama in diesem Geburtsbericht bekommt ihr erstes Kind. Die Umstände sind ein bisschen anders als bei den meisten. Sie lebt nämlich mit ihrem Mann in einem Bauwagen. Taugt das für eine Hausgeburt? Aber als es dann losgeht, passt alles und das Wetter macht mit für eine romantische Draußengeburt im Pool.

Geburtsbericht 16.07.2019❤

Achtung, lange Gedankensammlung, manchmal seicht geschrieben, manchmal kitschig.

Kurzinfo zu den Rahmenbedingungen, die doch minimal anders waren als normal.
Ich, 30, wohne mit meinem Mann im Bauwagen auf einem großen Grundstück im Grünen nur 7 Minuten vom Krankenhaus weg. Ich hatte mir schon relativ zeitig zwei Hebammen für eine Hausgeburt gesucht. Ich war mir zwar selbst noch nicht sicher, ob ich das wirklich will – meine Bedenken waren eher, dass es mir räumlich zu eng wird und ich vielleicht kurzfristig doch lieber ins Krankenhaus gehe. Musste mir beide Optionen im Kopf immer offen halten, da meine Hebammen zusätzlich auch noch fest angestellt sind und es so vorkommen hätte können, dass sie einfach gerade keine Zeit haben. Heißt, bis zuletzt war ich für die Geburt relativ offen, beide Optionen hatten ihre Berechtigung für mich.
Ich hatte nie großartig das Bedürfnis einer Wassergeburt, platztechnisch eh nur draußen bei mir möglich und dafür muss auch noch das Wetter passen, und Heißwasser in der Menge ist bei uns auch ein Problem im Bauwagen. Eine andere Hebamme meinte auf meine Frage, ich werde eh lieber drin bleiben in der sicheren Höhle und ihr wäre es im ganzen Berufsleben nie passiert, dass eine Frau, auch noch erstgebährend, ins Freie für die Geburt will. Kurzfristig hab ich mir relativ nebenbei trotzdem ein Planschbecken im Internet besorgt.

Die Schwangerschaft war unkompliziert, habe aber erst die letzten 5-6 Wochen angefangen die Schwangerschaft, die ich mir immer gewünscht habe, richtig zu genießen. Obwohl es natürlich anstrengend wurde, hat mit der letzte Teil am besten gefallen.
Bei 39+5 meint der Frauenarzt die Klassiker – zu wenig Fruchtwasser und Plazenta verkalkt, Überweisung Krankenhaus mit evtl Einleitung. Es war grade Wochenende und wir hatten das riesen Problem, dass uns komplett das Wasser abgestellt wurde und wir wussten nicht wieso und konnten niemanden mehr offiziell erreichen. Damit erschien mir die Option Krankenhaus viel angenehmer als Zuhause ohne fließendes Wasser …
Letzter Termin zur Untersuchung war dann Sonntag bei 40 +1 im Krankenhaus. Ich habe die Überweisung extra nicht abgegeben, damit nochmal komplett neutral untersucht wird und nicht sofort Richtung Einleitung weitergeschaut wird. Gleiches Ergebnis, keine Verschlechterung, sollte Dienstag wieder zur Kontrolle.
Montag, Wasser geht wieder! Juhuu! Es war ein Wasserrohrbruch – und das Wetter ist auch endlich wieder angenehm warm. Der Babyjunge darf jetzt kommen!
Montag Abend 7 Uhr leichte Wehen in Abständen zwischen 15 und 10 Minuten. Hab meinen Hebammen nur mal proforma Bescheid gesagt, hatte das eine Woche vorher auch schon und war nix. In der Nacht dann kürzere Abstände aber sehr gediegen und nicht schmerzhaft. Um 12 nachts ca. alle 6 Minuten. Morgens um 7 hat die Intensität dann zugenommen und teilweise alle 2 Minuten. Nochmal Hebammen Bescheid gegeben, aber ich hab dann selbst weiter gemacht bis 10 Uhr. Mir war klar, dass das jetzt höchstwahrscheinlich richtige Wehen sind weils wirklich schon anstrengend wurde. Aber man möchte ja nicht zimperlich sein und Fehlalarm auslösen. Außerdem war ich zufrieden damit, die Wehen selbst zu managen im Bett. Hab mich bemüht, immer wieder auszuruhen und sogar einzuschlafen zwischendrin. Um 10 Uhr wars dann im Liegen nicht mehr machbar und ich wollte von der Hebamme einen Zwischenstand haben. Sie kam -3 cm offen – war sehr zufrieden mit dem Startergebnis.
Hab sie wieder weggeschickt – sie wohnte eh nur ca. 10 Minuten weg, deswegen hatte ich lieber meine Ruhe und wollte so weitermachen wie bisher.
Mein Mann hat währenddessen draußen rumgewerkelt und immer mal wieder nach mir gesehen, aber ich konnte auch ihn nicht brauchen. Zwischendurch hat er mir eine Schale mit klein geschnittenem Obst oder was Süßem hingestellt, verschiedene Sachen zum Trinken gebracht und sich weiter im Hintergrund gehalten. Ein bisschen geredet und Scherze gemacht – wenn er kurz da war, wars super angenehm.
War absolut im Flow mit den Wehen, konnte bis zum Schluss die Schlafpausen durchziehen. Es war natürlich eher wegtreten als echter Schlaf, aber es fühlte sich absolut erholsam an, sich direkt nach jeder Wehe wieder hinzulegen. Wenn ich nicht eh liegen geblieben bin, war der Vierfüßler meine einzige Stellung, die ich verkraftete.
Die Hebamme kam nochmal nach 3 Stunden: 5 cm. Ich war zufrieden als sie mir sagte, dass es zwar aussieht, als würde es lange dauern, aber das sei nicht schlecht und oft besser, als wenn es so schnell geht und die Frauen hängen dann bei den Presswehen fest. Also stellte ich mich irgendwie auf das ein, was ich vorher immer in der Theorie über Wehen gelesen hatte – jede Stunde ein cm – heißt bis zur vollen Eröffnung 10 Stunden ungefähr. Das konnte ich mir gut vorstellen. Irgendwie ein greifbarer Plan, der mir Halt gab und mich nicht ungeduldig werden ließ.
Zwischenzeitlich hatte mein Mann den Pool aufgestellt – das war seine Aufgabe. Ich hatte fast schon ein schlechtes Gewissen, dass ich ihn sonst nicht involvieren konnte zum Unterstützen und er fast nichts vom Vorbereitungskurs anwenden konnte. Aber da unsere Wohnsituation doch anders ist, war die Poolaufgabe zeitlich für den ganzen Nachmittag vorgesehen, denn Heißwasser mussten wir aufkochen und das dauert in solchen Mengen …
Im Wagen hatten wir extra einen Haken an der Decke angebracht, für ein Tragetuch zum dran festhalten, genau am Bettrand. So konnte ich es im Bett nutzen und auch vor dem Bett, während ich auf dem Ball gesessen bin. Unser Bett ist ein gutes Stück erhöht, sitzend am Ball konnte ich dann auch da super den Kopf zum Schlafen aufs Bett legen.
Ab 15 Uhr blieb die Hebamme dann und es wurde schon sehr schmerzhaft. Sie bot mir etwas Leichtes gegen die Schnerzen an, aber ich empfand es noch lange nicht als nötig. So ging es kontinuierlich weiter bis 16 Uhr, 9 cm. Sie meinte, ich könnte jetzt in den Pool. Es wäre der perfekte Zeitpunkt und evtl. entspannender. Entspannender – überzeugt! Ich sprang sofort auf und ging raus in den Pool, obwohl ich bis zu dem Zeitpunkt überzeugt war, das Kind im Wagen zu bekommen und es eher als Beschäftigungsmaßnahme für meinen Mann gesehen habe den Pool aufzufüllen.
Wirklich angenehm im warmen Wasser, aber pressen durfte ich noch nicht.
Das hat mir gar nicht so gepasst, also weiter aushalten und kurz realisieren, wie schön es hier draussen ist. Kitschig fast, im Grünen unter der tief hängenden Weide, die Abendsonne scheint mir auf den Rücken, das warme Wasser ist unheimlich angenehm. Bisher war alles so super entspannt, dass ich es gar nicht glauben konnte.


Aber die Wehen werden krasser und der kurze Moment, in dem ich die Umgebung realisiere, ist schnell vorbei.
Noch schnell Wassertemperatur besser anpassen – wieder ein guter Job für meinen Mann, der immer wieder literweise heißes Wasser nachkippt bis ich abnicke, dass es passt.
Am Ende musste ich mich während der Wehen schon extrem konzentrieren. Dafür brauchte ich die Hand meines Mannes zum Festhalten – jede Bewegung von ihm und von aussen, also wenn er sich oder den Pool bewegt hat, war zu viel und hat mich vom Wesentlichen abgebracht, aber das hat er Gott sei dank gut von selbst verstanden. Während der Wehe hat er mir seine Hand gegeben und absolut still gehalten und dazwischen wieder warmes Wasser in den Pool geschüttet.
Hab nur ganz leicht mitbekommen, dass es Gespräche der Hebammen über die fallenden Herztöne gab während der Wehe, vorher waren sie immer top, aber ich konnte mich erinnern oft gelesen zu haben, dass das anscheind normal sei.
Ich wollte eeeendlich pressen … und genau zu der Welle, in der ich es eh nicht mehr verhindern hätte können, bekam ich die Zusage der Hebamme, die in dem Moment nochmal tastete, dass es jetzt ok wäre. Und hab gepresst – die erste Presswehe … soooo anstrengend, sie hat mich vollkommen überrannt. Hatte Problem mit dem Atmen, weil mir wirklich die Luft weg blieb – durch den Pressdrang hätte ich vorher besser einatmen müssen – mir ging direkt die Luft aus. Dachte mir nur: Das ist so verdammt anstrengend. Da hab ich so Null Lust drauf und mach jetzt alles und noch viel mehr, damit das schnell geht. Zweite Presswehe – alles gegeben was ich konnte damit der Kopf richtig kommt. Die Hebamme war verblüfft, dass er so schnell in der richtigen Lage war. Also Kräfte sammeln – dritte Presswehe – pressen halten pressen halten pressen – Kopf draussen- Druck halten – und langsam, damit alles schön langsam gedehnt wird, wieder pressen mit aller aller Kraft und Ausdauer … und da ploooop – ist er das schon? So schnell ? Schwimmt er mir zwischen meine Beine nach oben entgegen! Er ist es ! Ich kanns nicht fassen! Ist es schon vorbei? So schnell ? Er ist da, oh mein Gott. Hab ihn selbst aus dem Wasser auf meine Brust gehoben und konnte einfach nicht fassen, dass er wirklich da ist. Gerade war er doch noch in meinem Bauch. Und er hatte Haare! Viele blonde Haare. Und so sauber! Ich musste weinen!
17:07 sagt mein Mann und wir weinen zusammen.
Die extrem dicke Nabelschnur kann er ziemlich zügig durchtrennen. Sie ist so schnell auspulsiert. Der kleine Babymann ist mit einem Handtuch auf meiner Brust zugedeckt. Da wir ja draussen sind, ist der leichte Wind trotzdem zu viel und eine Hebamme und mein Mann bringen ihn nach drinnen.
Die Plazenta kommt auch sofort mit ein bisschen Pressen hinterher und ich leg mich sofort zu meinem Mann und unserem kleinen Wunder ins kuschelige Bett. Ich lege ihn an meine Brust, wo er sofort richtig anfängt zu trinken. Ich kann es immer noch nicht fassen, dass er jetzt da ist. Und an meiner Brust trinkt -ich hab mich so sehr aufs Stillen gefreut und es klappt auf Anhieb. Währenddessen untersucht mich die Hebamme – nichts gerissen, anscheinend eine leichte Abschürfung, von der ich aber im Nachhinein gar nichts merke.
Nachdem er eingeschlafen ist, wird er vermessen. 53 cm, 3470g.

Eine wunderbare Geburt. Sicherlich anstrengend, aber alles war gut machbar, und durchgehend konnte ich nicht glauben, dass es einfach so dahin laufen kann … ohne Probleme oder Höhen und Tiefen, einfach kontinuierlich und zielstrebig ans Ziel.
Ich bin unendlich dankbar. Man kann sich das nicht aussuchen. Ich bin froh, dass ich das Glück hatte, so eine wunderbares Erlebnis zu haben. Und auch den Mut, beim ersten Kind Zuhause zu bleiben, obwohl viele Stimmen gerade wegen der Bauwagensituation abgeraten haben. Hier spielte vor allem meinen Mann die größte Rolle, der vom ersten Gedanken an eine Hausgeburt absolut hinter mir stand, so dass ich im Laufe der Schwangerschaft das nötigen Selbstvertrauen dafür fand. Das gleiche gilt für die zwei Hebammen, die sich mit ihrer wunderbar offenen Art um mich kümmerten. Sie ließen mir jede Freiheit und ich fühlte mich von Anfang bis Ende bestens aufgehoben und unterstützt, auch in den Phasen, in denen ich alleine sein wollte. Zur Krönung gibt es auch noch Fotos und ein Video genau von der letzten Wehe und der Geburt. Hatte vorher überlegt ob ich extra wen zum fotografieren haben möchte, aber mich wegen der hohen Preise und auch dem Platzmangel im Wagen dagegen entschieden und ganz vergessen, dass die Hebammen meinten, wenn alles passt und es gewollt ist machen sie zwischendurch gern Fotos und Videos.

Meine absolute Traumgeburt, in der Abendsonne draußen in der Natur im Wasser.

Ich freu mich auf nächstes Jahr, wenn ich mit dem kleinen Babymann im Geburtsbecken planschen darf. ❤

Wenige Tage nach der Geburt

Gut zu wissen: Eigentlich braucht frau niemanden, der den Muttermund überprüft und die Erlaubnis zum Pressen gibt oder das Pressen anleitet. Wenn es soweit ist, signalisiert der Körper mit dem Pressdrang von selbst, dass es so weit ist und man muss dem Körper nur folgen.

Wenn das Baby nicht optimal liegt, sondern sich zum Beispiel in Sternenguckerlage (hinterer Hinterhauptslage) befindet, kann es aber mal zu vorzeitigem Pressdrang kommen. In dem Fall gibt es dann trotz Pressdrang und Pressen keinen Fortschritt und das Baby kommt nicht tiefer. Dann ist es besser, dem Pressdrang nicht nachzugeben, sondern zu veratmen und eventuell mit Übungen dem Baby beim Dreh in einen bessere Lage zu helfen. Mehr dazu unter Optimierung der Kindslage.

… Und noch zwei freie Geburten

In diesem Beitrag berichtet eine Mama über die Geburten ihres fünften und sechsten Kindes. Beide geplant in Eigenregie. Unkompliziert und undramatisch, so wie Geburt gedacht ist.

Über ihre früheren Geburten hat sie auf dieser Seite schon einmal in diesem Beitrag berichtet.

Eigentlich sollte Elana das letzte Kind bleiben. Eigentlich. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. So hielten wir plötzlich vollkommen unerwartet kurz vor Weihnachten 2017 einen positiven Test in der Hand. Meine erste Reaktion: „Scheiße!“ Papas erste Reaktion: freudiges Lachen. Nach dem ersten Schock war die Freude auch meinerseits sehr groß. Wenn eine kleine Seele zu uns will, dann wird sie mit offenen Armen und Herzen empfangen. Ich war frei von Vorsorge, Zwang, Kontrolle und Panikmacherei. Im Gegenzug stellt mir auch niemand einen Mutterpass aus. Kein Systemzwang – keine Dokumente? Nun gut, dann war ich offiziell eben nicht schwanger, auch wenn mein Bauch wuchs und darin Party herrschte. Wie das dann bei der Anmeldung beim Standesamt laufen sollte, würden wir noch sehen. Die Vorlage von Mutterpass und U-Heft hatte ja bei der letzten Alleingeburt genügt, aber wurde auch so eingefordert. Entweder ich fand noch jemanden, der mir ohne Schwangerschaftsvorsorge einen offiziellen Mutterpass mit voraussichtlichem Entbindungstermin ausstellte oder wir würden improvisieren müssen.

Die gesamte Schwangerschaft verlief traumhaft und beschwerdefrei – somit blieb ich bis zum Ende vorSORGEfrei. Der Termin war zwar durch die vorangegangene Zyste unklar, aber stellte sich am Ende als ziemlich richtig berechnet heraus. Am 30.07. hatte ich ihn mir in etwa ausgerechnet. Die letzten Wochen der Schwangerschaft verdichtete sich das Gefühl immer mehr, dass es dieses mal kein Mädchen ist, aber woher soll ich denn wissen, wie sich ein Junge anfühlt? So warteten wir heiter auf unser Baby. Mir ging es blendend, bis auf die kleinen kräftigen Füße in den Rippen. Der Bauch wuchs von ursprünglichen 58/59 cm auf über 130 cm Umfang. So groß war er noch nie.
Am 28.07. gewitterte es und es kühlte endlich ein paar Grad ab. Zuvor war es so heiß, dass mein Körper sogar Übungswehen einstellte, um Kraft und Energie zu sparen.
An diesem Abend sind alle vier Kinder ungewöhnlich früh in den Schlaf gefallen und auch ich konnte seit langem mal wieder früher schlafen. Etwa 1:04 wachte ich schlagartig auf und war hellwach – Blasensprung. Ich weckte meinen Mann und wollte vorsichtig aus dem Bett steigen, um nicht zu viel nass zu machen. Dies gelang mir auch sehr gut. Meinen Plan, das Fruchtwasser in die Toilette abzulassen, funktionierte allerdings nicht. Es lief alles nach ein paar Metern in den Flur. Wir witzelten einwenig darüber, auch dass der Bauch plötzlich so viel kleiner war – es war wie immer sehr sehr viel Fruchtwasser. Also ging ich weiter von einem zarten Kind aus (wie alle meine Kinder), denn der Bauch war ja durch das Fruchtwasser so groß. Ich stieg in die Badewanne mit ein wenig Kerzenschein und wartete auf Wehen. Später lief ich etwas umher und kuschelte mich immer mal wieder zu meinen schlafenden Kindern. Nach ein paar Stunden, als es schon hell war, kamen langsam sanfte Wehen. Ich ging davon aus, dass es noch lange dauern würde und das Kind frühestens am Abend kommt. Als die anderen frühstückten, stieg ich nochmal in die Wanne. Die Wehen waren unregelmäßig und so angenehm, wie bei allen vier Kindern in der frühen Eröffnungsphase. An den Muttermund kam ich gar nicht mehr heran, aber das war auch unwichtig. Ich atmete und stöhnte ein wenig in meinem Wasser und wollte bald wieder heraus, um mich zu bewegen. Soweit kam es aber nicht. Urplötzlich kam der Drang zum Pressen, dem ich nachging. Ich schob also leicht und der Kopf war da. Die Presswehe war noch nicht vorbei, also schob ich ein weiteres mal mit und schon war das ganze Kind da. Ich hob es aus dem Wasser und nahm die Nabelschnur vom Hals, die ganz leicht halb um Hals und Schulter lag und sagte zu meinem Mann: „Es ist ein Junge!“ Wir alle sechs konnten es kaum fassen, dass wir nun einen Sohn haben und er in nicht einmal einer Minute aus mir herausgeschwommen kam. 9:42 kam er zur Welt. Ich bin ja eigentlich absolut gar keine Wassergebärende, aber das war in dem Moment vollkommen egal. Dem kleinen Mann ging das Ganze sichtbar auch zu schnell und er setzte etwas Mekonium ab. Kurz darauf dockte er das erste mal an der Brust an. Zum ersten mal wehrte ich mich (Dank einem tollen Bericht) nicht gegen meinen Drang, mein Neugeborenes abzulecken und leckte ihm kurz sanft über die Stirn. Ich tastete kurz nach und stellte fest, dass ich nur ganz minimal geschürft war – eigentlich nicht einmal erwähnenswert – und stieg dann mit ihm aus der Wanne. Wir kuschelten uns dann alle ins Bett. Es wurde gestillt, geschnuppert und alle waren hin und weg vom kleinen Bruder. Nach etwa zwei Stunden nabelten wir dann ab, denn die Nabelschnur war wieder sehr kurz und die Nachwehen schrecklich.
Wir holten Maßband und Waage, um die Daten aufzuschreiben. Er brachte stattliche 3790 g auf die Waage und war 58 cm lang (zum Vergleich: ich bin 1,54!). Sein Kopfumfang war bei 35,5 cm.
Ich war gespannt, wann die Plazenta dieses mal kommen wollte. Blutungen hatte ich keine, also war ich entspannt. Die letzte ließ uns 30 Stunden warten, aber dieses mal kam sie bereits nach etwa 3 1/2 Stunden. Auch diese Plazenta war wunderschön und vollständig. Dieses mal schnitt ich nicht nur ein kleines Stück, sondern 10 kleine Stücken ab, welche für später eingefroren wurden und schluckte eins direkt. Den Shake konnte ich nicht machen, denn wir erwarteten das Kind erst später und hatten zum Sonntag nicht die nötigen Zutaten Zuhause. Die Plazenta kam ebenfalls in den Gefrierschrank und kommt später in den Garten, um einen Apfelbaum darauf zu pflanzen.
Dann kuschelten wir zufrieden weiter.
Unser Vidar-Lian Norvid bekam seinen Namen wieder aus der nordischen Mythologie. Vidar war der Sohn vom Gott Odin und der Riesin Grid. Er ist ein Krieger des Waldes. Er ist das größte und schwerste Kind, das ich geboren habe, also ein kleiner hübscher Riese. Norvid ist der Nordwald. Jeder der uns kennt weiß, wie sehr wir den Wald lieben. Statt Lian sollte er ursprünglich Liam heißen, aber Lian passte einfach besser, also wurde das spontan geändert. Lian kommt aus dem Mandarin. Li steht für Kraft und An steht für Ruhe. So wie seine Geburt – sie begann und verlief ganz ruhig und endete wahnsinnig kraftvoll und energiereich.

Die darauf folgende Schwangerschaft war so absolut gar nicht geplant, aber da wollte dringend noch ein Seelchen zu uns. Das Kondom meinte es gut mit dem kleinen Wesen, das Sperma hielt sich gute 5 Tage bereit und mein Eisprung kam einfach mal anderthalb Wochen früher als er sollte. So kam es also wie es kommen sollte und ein kleines Menschlein machte es sich in mir gemütlich. Gut eine Woche vor Fälligkeit der Menstruation wusste ich es. Ich machte am 31. März 2019 einen Test, der auch schon leicht positiv war. Die folgenden Tage immer stärkere Linien. Ich habe wortwörtlich Rotz und Wasser geheult. Im Sommer wollte ich mir doch die Goldspirale setzen lassen und überhaupt wollte ich kein weiteres Kind. Ich war fix und fertig. Das Gefühl verging auch nie ganz. Zum ersten mal war ich nicht gern schwanger. Zum ersten mal fühlte ich mich beeinträchtigt. Zum ersten mal war ich unzufrieden. Aber dennoch freute ich mich natürlich auf das kleine Würmchen und dieses Gefühl wurde auch immer stärker, wenn auch die Schwangerschaft nicht toll war. Wie immer war ich fit. Ich konnte mich bewegen, meine Kinder tragen, alles tun, wie sonst auch. Dennoch konnte ich nicht genießen. Aber es war ok. Ich habe das Gefühl stets angenommen und mich nicht dafür schlecht gefühlt. Man muss nicht gern schwanger sein, um sich auf Geburt und Baby zu freuen. Ich wusste von Anfang an, dass wir einen weiteren Jungen bekommen. Warum? Ich weiß es nicht. Aber ich war mir so sicher wie noch nie. Dennoch hatten wir wie immer für beide Geschlechter einen Namen.

Je näher ich zum Termin (4. Dezember 2019) kam, desto mehr wünschte ich mir, dieses mal nicht so lange zu tragen wie sonst. Ich wünschte mir, warum auch immer, einen kleinen Skorpion. Aber bitte nicht an meinem Geburtstag. Das Kind soll seinen eigenen Ehrentag haben. Beim Tasten merkte ich immer, es hat laaaaaaaange Beinchen und in meiner Vorstellung war es lang und schlank. In allen Träumen und Vorstellungen war ich zur Geburt allein und deutete es so, dass mein Mann es nicht rechtzeitig von der Arbeit nach Hause schafft. Das wollte ich nicht. Ich bin gern allein beim Gebären, das weiß er und lässt mir den Freiraum. Aber ich weiß ihn ebenso gern in meiner Nähe, die er mir intuitiv gibt. Am 18. November 2019 nachmittags , zwei Tage vor meinem Geburtstag, ging es dann los. Ich bekam immer mal sanfte Wehen. Sanft aber kraftvoll. Der Schleimpfropf ging vollständig mit leichter Blutung ab. Also rief er in der Firma an und blieb Zuhause. Mit dem Trubel der Kinder waren die Wehen dann bis abends erstmal sehr sehr ruhig, kamen dann als sie schliefen wieder stärker zurück und ließen mich dann in der Nacht wieder schön ruhen und dösen. Wie gewünscht blieben die Schulkinder dann Zuhause. Bis Mittag wurden die Wehen dann wieder schön kraftvoll und weiter sanft ohne mich auszupowern. Mitten im Mittagsschlaf dann der Blasensprung. Das Köpfchen war zum Glück fest genug im Becken, so dass Bett und Einjähriger trocken blieben. Ab diesem Zeitpunkt konnte ich dann gar nicht mehr liegen. Mein Mann nahm die Kinder und ich lief und lief und lief, wie üblich. So ging es auch weiter bis abends. Mann und Kinder machten Abendessen am Tisch und ich unterwegs. Als die Kinder dann müde waren, brachte er sie ins Bett und ich wehte weiter sanft herum. Dann wurden mir gegen 21 Uhr die Beine schwer. Ich kniete auf dem Sofa und urplötzlich sprang die Blase ein zweites mal direkt am vollstandig geöffneten Muttermund und mich überkam sofort eine Presswehe. Mit einmal schieben flog er mit sämtlichem Fruchtwasser regelrecht aus mir heraus in meine Hände. Hätte ich gestanden, dann hätte ich ihn sicher nicht mehr gefangen. Ich wickelte die Nabelschnur vom Bauch und nahm ihn in meine Arme. Dann kam mein Mann dazu. Wie vorher immer erahnt, war er also zu spät. Aber es war perfekt so wie es war. Nur ich und meine Geburt. Es hätte in diesem Moment nicht schöner sein können.

Als er da war, stand ich wieder auf und die Plazenta kam dieses mal 10 Minuten nach dem Kind aus mir herausgeflutscht. Unser Sohn schrie kurz auf, als sie sich löste. Sie war riesig und passte kaum in beide Hände. Etwa eine Stunde nach der Plazentageburt nabelten wir dann ab. Später wurde er dann vermessen und gewogen. Wie erwartet war er etwas kleiner als der letzte mit 56 cm Länge und 35 cm Kopfumfang. Laut Waage (die sicher nicht richtig funktioniert) war er zarte 2800 g. Lang und schlank ist er. Aber nicht dürr. Ich schätze ihn eigentlich etwas schwer. Aber das spielt keine Rolle. Er ist fit, gesund, rosig und wahnsinnig kräftig. Die Plazenta habe ich mir dieses Mal mit Saft pürieren lassen. Ich hatte einfach keine Lust sie so zu schlucken. Ein paar Stunden später wurde dann der große Bruder wach. Der war erstmal schockiert – Bauch weg, Baby da. Dann kam die Begeisterung über dieses kleine Wesen. Wir kuschelten uns dann alle zusammen zum Rest ins Bett. Am Morgen waren dann die vier Schwestern alle samt begeistert. Die älteste war traurig, dass sie die Geburt verschlafen hat, aber die Verliebtheit überwog. So und nun zum Namen, auf den alle immer gespannt sind: Unser jüngstes Familienmitglieder trägt den Namen Frey-Arvid Kurt. Frey der Fruchtbarkeitsgott und Bruder der Göttin Freya. Auch unser Frey hat seine Schwester Mirena-Freya. Arvid aus dem Nordischen für Adler und Baum. Der kleine Mann hatte die stärksten und kräftigsten Tritte aller meiner Kinder im Bauch. Ein starke, freier Adler und standfest wie ein Baum mit liebevollen Wurzeln. Kurt hieß mein wundervoller Opa, von dem ich so so so viel Wissen habe über Natur, Wald und Heilkräuter. Ein wahnsinnig toller Mann, den viele als griesgrämig wahrnahmen, weil sie ihn nicht wirklich kannten. Kurt bedeutet „Der kühne Ratgeber“ und genau das war mein Opa auch. Leider hat er nur sein erstes Urenkelchen kennenlernen dürfen. Er hat damals gekämpft, bis meine erste Tochter geboren war und hat sich erst dann vom Leben verabschiedet. Altes geht und Neues kommt. Für mich ist er immer präsent und nun lebt er in meinem letzten Kind ein Stückchen weiter.

Ich wünschte, jede Frau dürfte solche tollen Geburtserfahrungen machen, wie ich bei meinen letzten beiden Geburten. Die Alleingeburten waren zu 100% die absolut richtige Entscheidung für uns. Nur so kann ich mich voll und ganz auf mich und den Prozess einlassen und kann die Geburt genießen.
Fremde Menschen würden mich daran nur hindern und wenn ich an Kreißsaal und Ärzte denke, dann bekomme ich richtige Panikattacken. Ich bin unendlich dankbar für die letzten beiden Geburten und meinen Mann, der mit der gleichen Intuition und Vorbereitung an diese Ereignisse gegangen ist. Er ist für mich die perfekte Geburtsbegleitung, meine Traummann und engster Freund. Mit keinem anderen Menschen würde ich diese Erfahrungen teilen wollen.

Wenn die Schwangerschaft nur kurz wärt – die Geschichte einer Fehlgeburt

Fehlgeburten sind häufig in den ersten Schwangerschaftswochen. Obwohl Ärzte schnell die Überweisung zur Ausschabung in der Hand haben, ist dieser Eingriff doch selten wirklich nötig. Meistens kann der Körper eine kleine Geburt ohne medizinische Hilfe bewältigen. Die Mama im folgenden Bericht schildert ihre Erlebnisse mit einer frühen Fehlgeburt.

„Die Nacht wäre es doch wert, wenn daraus ein Kind enstehen würde“, sagte ich Mitte Januar noch zu meinem Mann. Vom Zeitpunkt her kam es ungefähr hin. Und dann, während ich einfach im Büro saß und arbeitete, spürte ich wenige Tage später ein charakteristisches Ziehen im Unterleib. Nein, nicht die Ankündigung der Regelblutung. Die Einnistung der Eizelle. Es hatte also geklappt. Danach spürte ich nichts mehr. Auch okay, war bisher schließlich auch nicht anders. Die Regel blieb aus. Ein Pinkeltest folgte. Die zweite Linie färbte sich — allerdings deutlich schwächer als die Kontrolllinie. Hm. Was bedeutet das nun? Ein bisschen schwanger? Das können doch eigentlich nur Rehe, oder? Zwei Tage später der nächste Test. Wieder positiv. Wieder schwächer als die Kontrolllinie. Ach, scheiß drauf. Ich freu mich jetzt — ich bin schwanger. Juhu! Hebamme angefunkt — hast du im Oktober noch Kapazitäten für eine Hausgeburt? Ja? Super. Jau, Ich melde mich. Hab bald sowieso den normalen Kontrolltermin bei der Gynäkologin, danach rufe ich durch und berichte.

Der Kontrolltermin war am 1. März, am späten Nachmittag. Der Abend vorher war hektisch. Ich war wütend, übellaunig, die Stimmung zu Hause auf dem Tiefpunkt. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich das nicht einordnen; ich merkte bloß, dass die Emotionen überschlugen. Am ersten Märztag dann ging ich morgens, kurz bevor ich aus dem Haus musste, nochmal ins Bad. Oha. Blut im Urin. Okay, das kann alles und nichts sein. Beruhige dich. Nur, weil du das bei deinen vergangenen Schwangerschaften nicht hattest, muss das nicht heißen, dass jetzt irgendwas anders ist. Doch, etwas war anders. Irgendwie spürte ich das. Ich kontaktierte die Hebamme. Ihr Fazit: Wenn es nur eine Schmierblutung ist, leg die Beine hoch, mach mit Ruhe. Wenn es ein Abgang ist, kannst du nichts tun.

Also fahre ich zur Arbeit, lege dort die Beine hoch (Info an die Kollegen: Knie verdreht), so gut es geht. Immer wieder der Gang zur Toilette. Immer wieder Blut. Ich habe kein gutes Gefühl. Nachmittags dann fahre ich mit beklommenem Herzen zur Gynäkologin. Die Sprechstundenhilfe lässt mich nochmal einen Schwangerschaftstest machen. Das Ergebnis sagt mir dann die Ärztin: Laut Test bin ich immer noch schwanger. Ein Ultraschall folgt. Ergebnis: „Da war etwas, ja, aber es ist lange nicht so weit entwickelt, wie es sein sollte. Ich befürchte, es konnte sich nicht richtig einnisten.“ Der Schwangerschaftstest sei deshalb noch positiv, weil die Hormonwerte erst nach und nach wieder sinken würden. Die rational denkende Wissenschaftlerin in mir kommt durch: Wie geht es weiter? Muss ich in irgendeine Art Behandlung? Was bedeutet das für zukünftige Schwangerschaften? Wem muss ich alles Bescheid geben? Welche Rechte und Pflichten habe ich jetzt? Wenn es sich nicht richtig einnisten konnte, ist es vermutlich besser, dass der Abbruch jetzt so früh kam, statt erst später. Die Gynäkologin ist sehr mitfühlend. Sie erklärt mir, dass Abbrüche in diesem Stadium sehr häufig vorkommen (vielfach sogar unbemerkt von den Frauen, einfach als „verspätete Regelblutung“ eingestuft). Sie macht mich darauf aufmerksam, dass wir die Möglichkeit einer Eileiterschwangerschaft ausschließen sollten. Ich solle mich deshalb sofort melden, falls ich einseitige Schmerzen haben sollte. Sie sagt mir, um sicherzugehen, dass die Fehlgeburt ohne Nachwirkungen bleibt, würde sie jetzt Blut testen wollen und dann in ein paar Tagen nochmal, um festzustellen, wie die Hormonwerte sich entwickeln. Und natürlich könne sie mich krankschreiben. Ich entscheide mich spontan gegen die Krankschreibung. Nach der Blutabnahme fahre ich nach Hause. Am nächsten Tag arbeite ich von zu Hause aus. Mich trifft an diesem Tag die Fehlgeburt mit voller Härte. Ich bin allein zu Hause; brauche für niemanden stark sein. Immer wieder fließen die Tränen. Es ist komisch. Die Arbeit geht eigentlich gut von der Hand, und dann — von einer Sekunde auf die andere — drückt sich die Fehlgeburt in den Vordergrund. Ich kann nicht anders, als die Arbeit zu unterbrechen und mich der Trauer hinzugeben. Auch körperlich ist dieser Tag der Härteste. Ich hatte nie so schmerzhafte Regelblutungen wie andere Frauen sie beschreiben. Die Regel gehörte einfach dazu. Lediglich die erste Blutung nach der Geburt meiner zwei Kinder war etwas heftiger und schmerzhafter. Diese Fehlgeburt allerdings verlangt mir viel ab. Ich habe keine Ahnung, ob es wirklich so ist, aber mir erscheint die Menge an Blut wesentlich mehr. Dazu kommt der Unterleibsschmerz. Manchmal ein leichtes Ziehen, oft aber auch richtige Krämpfe. Mini-Wehen. Nur hilft mir dieses Mal der Hormoncocktail nicht, diese als Geburtswellen anzunehmen. Stattdessen erinnern sie mich einfach nur permanent an meinen Verlust. Ich schwanke an diesem Tag zwischen der rationalen Informationssammlung zu Fehlgeburten einerseits und der Gefühlslage andererseits. Rational weiß ich, was mir auch die Ärztin und die Hebamme mehrfach gesagt haben: Solche frühen „Abgänge“ sind normal. Die Mutter kann da nichts dafür. Meist verlaufen sie ohne medizinisch nötige Eingriffe und meist gibt es keine langfristigen Folgen. Emotional stellen sich trotzdem die drängenden Fragen: Hätte ich es irgendwie verhindern können? Bin ich Schuld? Was passiert jetzt mit der kleinen Seele? Ich konnte sie doch gar nicht so lieben, wie ich es gerne gewollt hätte.

Ja, und nun, einige Monate später, schreibe ich diesen Beitrag und mir kommen bei diesem Absatz immer noch die Tränen. Es fällt schwer, zuzugeben, dass ich auf dem Klo saß und versuchte, in all dem Blut eine befruchtete Eizelle zu finden. Es gelang mir nicht. Zu viele Blut, das bereits zu dickeren, geleartigen Klumpen zusammengeklebt war. Ich habe für mich die Emotionen mit der Rationalität in Versöhnung gebracht — wir haben ein Bäumchen für das kleine Wesen gepflanzt, außerdem habe ich eine Urkunde des Standesamtes darüber, dass dieses kleine Wesen bei uns war. Es handelt sich dabei offiziell nicht um eine Geburtsurkunde; aber es war mir wichtig, dass auch dieses Kind einen Platz nicht nur im Herzen, sondern auch im Familienstammbuch hat.

Die meiste Zeit fällt es mir leicht, darüber zu sprechen, dass ich eine Fehlgeburt hatte. Klar, ich hab schließlich zwei gesunde Kinder und weiß, dass mein Körper es kann. Und doch überkommt mich manchmal urplötzlich eine Trauer, der ich mich nicht entziehen kann. Meistens sind es nur einige kurze Momente, dann ist alles wieder „normal“. „Normal“, im Sinne von „es gehört einfach dazu“, ist für mich jetzt eben auch die Tatsache, dass ich eine Fehlgeburt hatte. Drei Tage später war ich mit Familienmitgliedern in einem Spa. Salzwasser, Sauna … Es ging wieder. Meine körperlichen Beschwerden hatten schnell wieder nachgelassen und mit diesen auch mein seelischer Schmerz. Trotzdem habe ich an diesem Wochenende noch niemandem von der Fehlgeburt erzählt. Sie wussten nicht, dass ich schwanger gewesen war, ergo fragte mich auch niemand mit Bezug auf meinen Unterleib, wie es mir ginge. Mir war es recht. Ich war noch nicht bereit, darüber viel zu reden. Ich wollte erstmal selber damit klar kommen. Ein paar Tage später ging es mir da schon anders: Ich habe das Thema vielen Menschen in meinem Umfeld gegenüber angebracht. Manche waren mitfühlend, andere eher entsetzt, dass ich es ihnen überhaupt erzählen wollte. Fehlgeburten betreffen so viele Frauen, aber vielfach ist es trotzdem ein Tabuthema. Ich kann verstehen, wenn Menschen diese sehr persönliche Erfahrung für sich behalten wollen. Ich finde es mittlerweile wichtig, darüber zu sprechen. Oft erzählen Menschen dann sogar von sich selber oder von engen Familienmitgliedern, die ebenfalls eine Fehlgeburt hatten. Nur muss erst das Tor zum Thema geöffnet werden. Nach der Fehlgeburt wurde ich erstaunlich schnell wieder schwanger. Dieses Mal fühlte sich die Schwangerschaft „echt“ an — mit allen Begleiterscheinungen, die eine frühe Schwangerschaft so haben kann. Besonders andere Nahrungsgewohnheiten fielen mir auf. Ich merkte jetzt auch, dass ich mich während der Schwangerschaft mit unserem Sternenkind nicht richtig schwanger gefühlt hatte. Die Frage von Ursache und Wirkung („ich habe mich nicht richtig schwanger gefühlt, deshalb hat der Körper die Schwangerschaft nicht angenommen“ gegen „der Körper konnte die Schwangerschaft nicht umsetzen, deshalb habe ich mich nicht richtig schwanger gefühlt“) kann ich nicht beurteilen. Beide Meinungen sind mir schon untergekommen. Während ich diesen Beitrag schreibe, bin ich also schwanger. Ich freue mich auf unser Regenbogenkind. Anderen gegenüber trägt es den Projektnamen „Nummer 3“. In meinem Herzen aber ist es „Nummer 4“, denn eine Nummer 3 hatte ich schon. Wenn auch nur kurz; es war da, und in meinem Herzen hat es genau so einen Platz wie Nummer 1, 2 und 4.

Die Mama, die diesen Bericht geschrieben hat, betreibt die Seite www.ichgebaere.com. Sie sammelt Geburtsberichte und wenn du dich alleine beim Schreiben schwer tust, hilft sie dir deine eigene Geburtsgeschichte zu Papier zu bringen.

Ungeplante Alleingeburt bei Zwillingen

Triggerwarnung wegen Reanimation

Die Mutter im folgenden Bericht bekommt Zwillinge. Ihre erste Geburt war ein Kaiserschnitt, die Zwillinge sollen möglichst auf natürlichem Weg im Krankenhaus geboren werden. Eine äußere Wendung in der 38. Schwangerschaftswoche brachte den führenden Zwilling in Schädellage und somit stand einer natürlichen Geburt nichts mehr im Weg. Die allerdings passierte schließlich so schnell, dass die Babys zu Hause geboren wurden. Der zweite Zwilling kam in Beckenendlage und steckte fest, es folgten Reanimation und Krankenhaustransfer. Es ist die besondere Geschichte dieser Familie, es lief nicht alles perfekt aber doch mit Happy End. Ich poste diese – wie alle – Geburtsberichte nicht, damit das jemand nachmacht oder pauschal verurteilt. Jeder Weg ist individuell, das Leben lässt sich nicht ins letzte Detail steuern. Aber aus jeder Geschichte kann man etwas für sich mitnehmen. Vielen Dank an die Berichtschreiberin, dass ich deine aufregende Geschichte hier teilen darf.

Zum besseren Verständnis kurz ein paar Infos zur Vorgeschichte. Diese Schwangerschaft war meine sechste. Ich habe bereits einen vierjährigen Sohn und fünf Sternenkinder (darunter der Zwilling meines großen Sohnes). Mein Sohn sollte 2015 zuhause zur Welt kommen. Nach 24 Stunden kräftiger Wehen alle 3-5 Minuten sind wir ins Krankenhaus umgezogen, da seit vielen Stunden der Muttermund nicht weiter aufging (7-8cm) und die Fruchtblase bereits über 24 Stunden offen war. Im Krankenhaus dann wegen des Muttermundes und meiner Erschöpfung PDA, Muttermund vollständig, aber Wehen unregelmäßig, Wehentropf, Kopf senkt sich nicht ins Becken, nach weiteren 12 Stunden im Krankenhaus Entscheidung zur Sectio wegen des hohen Gradstand plus grünem Fruchtwasser. Nach 36 Stunden Kampf für eine natürliche Geburt war das natürlich ganz und gar nicht schön und hat meine Gedanken um die kommende Geburt beeinflusst.

Jetzt war ich also mit Zwillingen schwanger. Eine Hausgeburt/Alleingeburt konnte ich mir da nicht vorstellen. Nach mehreren Gebärmutter-OPs, nach Sectio, mit Blutgerinnungsstörung und demnach Heparin und zu guter Letzt mit führendem Zwilling in Beckenendlage (eine äußere Wendung keine 48 Stunden vor der tatsächlichen Geburt war dann allerdings erfolgreich) fühlte ich mich im Krankenhaus besser aufgehoben. Zudem das Krankenhaus, das ich ausgewählt hatte, auf Zwillinge und Beckenendlage spezialisiert ist und eine spontane Geburt ermöglicht hätte. Dennoch hatte ich Sorge, dass es wieder eine Sectio wird. Weil ich vielleicht gar nicht gebären kann. Weil ein ängstlicher Arzt einen Grund erfindet. Weil die 1,5 Stunden Fahrt zum Krankenhaus die Geburt stört. Weil ich einfach Pech habe. Weil, weil, weil…

Jetzt zum eigentlichen Geburtsbericht. Es war Freitag der 13., 37+4 SSW. An diesem Tag hatte die Kita meines Großen geschlossen und zufälligerweise hat mein Mann am Abend vorher spontan einen Tag Urlaub nehmen können, sodass er bei uns zuhause war (welch eine glückliche Fügung!). Über den Morgen verteilt und beim gemeinsamen Frühstück hatte ich drei, vier Wehen. Vorwehen hatte ich zwar schon seit vielen Wochen extrem häufig und diese Wehen jetzt waren nicht stärker, aber irgendwie tiefer in mir. Sodass ich meinen Mann bat, mal provisorisch einen Wasserhahn an der Badewanne anzubauen (wir sanieren gerade das Bad und ich hatte erst am Vorabend die Fliesen an der Badewanne verlegt). Gegen 10:30 Uhr bin ich in die Badewanne gestiegen um zu sehen, ob die Wehen nun einen Geburtsbeginn bedeuten oder nicht. Innerhalb von wenigen Minuten haben sich dann regelmäßige Wehen alle 3 Minuten eingestellt, auf die ich mich schon konzentrieren und ein bisschen veratmen musste. Also habe ich meine Mutter informiert und meinen Mann gebeten, unseren Sohn zu ihr auf die Arbeit zu bringen (5 Minuten Fahrt von uns). Mein Sohn kam noch ins Bad sich verabschieden mit „Alles gut, Mama. Wird bestimmt nicht anstrengend.“ Dabei fand ich es zu dem Zeitpunkt schon verhältnismäßig anstrengend, dafür, dass es erst vor ein paar Minuten losgegangen ist.

Kurz vor 11 Uhr vormittags sind mein Mann und mein Sohn dann los. Kaum war die Tür ins Schloss gefallen, kam plötzlich eine Wehe von unglaublicher Kraft. Ich konnte überhaupt nicht mehr atmen sondern habe gebrüllt, ein tiefer Urschrei, der einfach aus mir heraus kam. In diesem Moment habe ich Angst bekommen. Diese Wehe war so heftig wie keine bei der Geburt meines Großen und die Vorstellung, das noch stundenlang zu ertragen, hat mich umgehauen. In diesem Moment habe ich es ernsthaft bereut, keine Sectio geplant zu haben und wollte sofort ins Krankenhaus und eine PDA. Ich ging schließlich davon aus, dass eine natürliche Geburt (insbesondere, da es ja die erste für meinen Geburtskanal war) mindestens bis zum Abend dauern müsste. Mein Plan war nun also mich schleunigst fertig zu machen und im Krankenhaus anzurufen, um mein Kommen anzukündigen. Ich habe es allerdings nur aus der Wanne raus bis zur Toilette geschafft. Die Wehen kamen weiterhin alle 3 Minuten und mit dieser wahnsinnigen Wucht, dass ich nicht wusste, wie ich zum Handy oder gar bis zum Krankenhaus gelangen sollte. Die Vorstellung von 1,5 Stunden Autofahrt war beängstigend und gleichzeitig so absurd, dass ich es komisch fand. Kurz nach 11 Uhr war mein Mann zurück und etwas irritiert, wie ich mich benahm. Als er eine Viertelstunde vorher gefahren war, war schließlich noch alles entspannt gewesen und jetzt brüllte ich bei jeder Wehe wie ein Tier. Er war allerdings klug genug nichts zu sagen und einfach meinen Anweisungen zu folgen. Mein Kopf wollte ja immer noch in die Klinik fahren (auch wenn mein Bauch längst wusste, dass daraus nichts mehr wird). Also kündigte mein Mann uns im Krankenhaus an und trug Handtücher zum Auto. Während dessen konnte ich lediglich zwischen auf der Toilette sitzen und stehen wechseln, an Anziehen und fertig machen war gar nicht zu denken. Wenige Minuten später kam mein Mann zurück und informierte mich, dass das Auto jetzt startklar wäre.

In diesem Moment kam die nächste Wehe und ich hatte großen Druck ganz weit unten und nach hinten. Ich war total irritiert, denn diese Beschreibung kannte ich aus Geburtsberichten für den Punkt, wenn das Baby gleich geboren wird. Aber das konnte ja nicht sein, fand mein Kopf, ich musste doch ganz am Anfang der Eröffnungsphase sein, hatte schließlich noch keine Stunde Wehen. Aber mein Instinkt hat vehement widersprochen. Also habe ich das erste Mal getastet (hatte ich vorher nie, da ich in der Schwangerschaft sowieso nicht an meinen Muttermund kam) und bin in meiner Scheide prompt auf das Köpfchen meines Sohnes gestoßen. Ganz schön weit unten schon, ich konnte meinen Finger nicht mal mehr ganz einführen. Einerseits war ich ein bisschen schockiert, anderseits fühlte mein Instinkt sich bestätigt und ich war unglaublich erleichtert. Jetzt war klar, wir fahren nirgends mehr hin. Die Kinder kommen hier und jetzt in unserem Badezimmer zur Welt. Ab diesem Zeitpunkt war die Geburt schön und ich habe mich unglaublich gut gefühlt. Kopf und Bauch waren sich jetzt einig. Es durfte so heftig sein, denn es war der Endspurt. Ich würde meine Kinder spontan gebären ohne Intervention. Ich war einfach ganz bei mir, ruhig, konzentriert und voller Vorfreude. Ich sagte meinem Mann was Sache ist. Der war etwas fassungslos und wäre glaube ich gerne geflohen, blieb aber ruhig. Er fragte, ob er einen Krankenwagen anrufen soll – nein, ganz sicher nicht – oder wenigstens meine Hebamme – ebenso wenig (sie macht schon lange keine Geburten mehr und noch nie außerklinisch). Stattdessen habe ich ihn eine Decke für den Boden und Handtücher für die Babys, sowie mein Dopton holen geschickt.

Nachdem der Boden durch die Decke nicht mehr rutschig war, stand ich bei den Wehen frei im Raum. Ich hatte merkwürdigerweise gar kein Bedürfnis mich festzuhalten. Ich fühlte mich ganz leicht und geerdet zugleich. Die Wehen waren weiterhin heftig und kamen teilweise ohne Pause, aber jetzt fühlten sie sich gut und richtig an. Ich habe gefühlt, wie sie mein Baby durch den Geburtskanal schoben, hatte nicht das Bedürfnis aktiv etwas machen zu müssen. Ich hatte einfach eine Hand am Kopf meines Sohnes, stand da, habe meine Urschreie gebrüllt und aufmerksam hingefühlt was mein Körper tat. Als ich merkte, dass das Köpfchen kommen will, bin ich auf die Knie gegangen und da kam mein Sohn schon in einer einzigen Wehe in die Welt geflutscht. 11:27 Uhr – etwa eine Stunde nachdem ich in die Wanne gestiegen war um herauszufinden ob dies ein Geburtsbeginn sein könnte. Er schrie laut und entrüstet noch ehe er ganz draußen war. Ich fühlte mich wie eine Göttin und hieß ihn willkommen. Leider war seine Nabelschnur so kurz, dass wir abnabeln mussten. Ich konnte ihn sonst weder hoch nehmen, noch mich bewegen, geschweige denn um die Geburt seiner kleinen Schwester kümmern. Mein Mann zückte ganz cool meine Schneiderschere (die sonst niemand anfassen darf) und einen IKEA-Tüten-Clip und schritt zur Tat. Und das alles obwohl er normalerweise kein Blut sehen kann.

Er nahm dann unseren Sohn zum Kuscheln an die Brust, während ich mich um das Baby in meinem Bauch kümmerte. Herztöne waren super. Leider war die kleine Wehenpause nach der Geburt unseres Sohnes nicht lang genug um die Lage des Kindes zu tasten geschweige denn zu beeinflussen. Ich hatte also wieder ordentliche Wehen, tastete vaginal und hatte die kleinen Erbsenzehen meiner Tochter in der Hand. Oha, jetzt also Geburt aus Beckenendlage allein zuhause. Nun gut. Ich wechselte während der folgenden Wehen zwischen Hocke und Vierfüssler und bald schon wurden Füße und Körper unserer Tochter geboren. Ab hier ging das Drama los. Problem 1: sie hatte die Arme hochgeschlagen. Problem 2: ich hatte plötzlich keine Wehen mehr. Nachdem es also nicht weiter ging, habe ich nochmals ihre Herztöne gehört – leider schon viel zu langsam. Ohje! Mir war klar, dass es jetzt ums Ganze geht, doch irgendwie hatte ich keine Angst. Ab jetzt wird meine Erinnerung etwas undeutlich. Ich habe versucht vorsichtig ein Ärmchen zu lösen und ich habe versucht ohne Wehen zu pressen. Mein Mann wollte wieder den RTW rufen. Mir war aber klar, dass die Sanitäter keine Ahnung haben würden und alles nur noch schlimmer machen, weil sie versuchen am Kind zu ziehen. Ich weiß nicht was am Ende dazu geführt hat, aber nach einer gefühlten Ewigkeit habe ich es geschafft ohne Wehen auch Kopf und Arme meiner Tochter zu gebären. 11:58 Uhr. Da lag sie vor mir, weiß wie ein Gespenst, stumm wie ein Fisch und absolut regungslos. Ich habe sofort abgesaugt und sie gerubbelt – keine Reaktion. Also habe ich ein paar Male beatmet – keine Reaktion. Jetzt war der Zeitpunkt, wo ich meinem Mann bat doch den Krankenwagen zu rufen. Während er telefonierte, habe ich begonnen unserer Tochter zu beatmen. Rubbeln, beatmen, ansprechen, weiter, immer weiter. Manchmal kam ein klitzekleines Zucken in ihrer Brust, mehr nicht. Erstaunlicherweise hatte ich immer noch keine Angst. Ich war ganz ruhig, war mir absurderweise sicher, dass alles gut würde und habe gearbeitet.

Nach 10 Minuten waren die Sanitäter da und wie erwartet maximal überfordert. Sie wussten nicht, ob sie das Baby absaugen sollten (nein, hatte ich ja schon), sie wussten nicht, ob sie mit oder ohne Sauerstoff beatmen sollten (Sauerstoff verursacht bei Frühchen Augenschäden, wäre beim reifen Neugeborenen aber sinnvoll), ihnen ging alle paar Sekunden die Maske vom Beatmungsbeutel ab, sie haben es ewig nicht geschafft das Monitoring anzulegen und waren offensichtlich etwas ängstlich. Der Notarzt, der kurz darauf kam, war noch schlimmer. Total hilflos und kurz vorm Hyperventilieren. Als sie dann endlich soweit waren die Reanimation von mir zu übernehmen, bin ich nach nebenan ins Schlafzimmern gegangen. Denn die Plazentas waren schon eine Weile geboren, aber ich blutete ziemlich stark und immer weiter.

Ich legte also meinen Sohn das erste Mal an, in der Hoffnung, dass sie die Gebärmutter dann vernünftig zusammen zieht. Trotz der Aufregung stillte er sofort, als hätte er nie etwas anderes getan. Leider blutete ich fröhlich weiter und auch damit wusste der Notarzt nicht umzugehen. Auf meine Frage, ob er denn Oxytocin spritzen könnte, schaute er wie ein Auto. Zwischenzeitlich hörte ich von nebenan endlich, endlich ein klägliches Jammern – unsere Tochter atmete! Bald darauf traf die Kinderärztin ein und übernahm die Versorgung. Von nun an halte ich es mal kurz, weil es ja nicht mehr zur Geburt gehört.

Wir fuhren uns Krankenhaus. Die Kinder bzw unsere Tochter mit meinem Mann auf die Neo, ich in den Kreissaal. Bei mir Vollnarkose und Gebärmutter ausräumen damit die Blutung aufhört (Blutverlust geschätzt auf 1,5l), Versorgung Dammriss 1. Grades. Bei unserer Tochter Aufwärmen, Blutzucker stabilisieren und Überwachung Gehirn und Vitalwerte. Den Nachmittag, Abend und die halbe Nacht verbrachten mein Mann und ich also mit unserem Sohn bei unserer Tochter auf der Neo und machten uns unbeliebt (weil wir nicht gingen, weil ich stillte statt Pre zu füttern, weil wir uns nicht an die Essenszeiten alle 4 Stunden hielten, weil wir Haut zu Haut kuschelten statt sie ins Wärmebett zu legen und weil wir ernsthaft mit dem Kinderarzt besprechen, am nächsten morgen nach Hause zu gehen, da sich abzeichnete, dass alles gut und stabil war). So zogen wir nach Mitternacht für ein paar Stündchen Schlaf auf die Wochenbettstation, ließen morgens noch einmal Blutwerte checken und fuhren dann keine 24 Stunden nach der Geburt wieder nach Hause um endlich in Ruhe zu kuscheln. Mein Mann beseitigte schnell das Schlachtfeld im Bad und meine Mutter brachte unseren großen Sohn vorbei, sodass wir nachmittags gemütlich zu fünft im Familienbett lagen.

Jetzt sind vier Wochen vergangen und es geht uns allen prächtig. Die Zwillinge haben bereits ein Kilo über Geburtsgewicht, halten uns ordentlich auf Trab, unser Großer ist der tollsten große Bruder der Welt und wie wir genießen die Zeit in vollen Zügen. Außerdem bin ich unglaublich stolz auf diese Geburt. Darauf einfach ganz normal gebären zu können und keine Sectio zu brauchen. Darauf alles so gut gemeistert zu haben. Darauf mit meinem Mann ein so gutes Team zu sein. Und ich bin unendlich dankbar dafür diese Geburt und das Happy End. Allerdings ist damit jetzt unsere Familienplanung abgeschlossen. Ich möchte weder nochmal 36 Stunden Geburtsmarathon mit Sectio noch die Reanimation eines meiner Kinder erleben müssen. Wir möchten das Glück nicht nochmal herausfordern. Wir sind dankbar und geben uns mehr als zufrieden mit dem dreifachen Glück, das uns geschenkt wurde.

Ungeplante Alleingeburt – Wenn das Herz über die Angst siegt

Die Mama im folgenden Bericht bekommt ihr zweites Kind. Sie wünscht sich eine Hausgeburt, aber die Hebamme sagt ihr ab, als herauskommt, dass sie B-Streptokokken hat. Eine Besiedlung der Scheide mit diesen Bakterien kann in seltenen Fällen zu einer schweren Infektion des Neugeborenen führen. Heutzutage ist es üblich, in dem Fall prophylaktisch Antibiotika unter der Geburt zu geben. Was also tun? Dann muss es wohl eine Krankenhausgeburt werden. Aber dann passiert die Geburt doch genauso, wie sie es sich erträumt hat.

Nach einer Fehlgeburt im Juni 2018 haben mein Mann und ich wieder versucht schwanger zu werden und im September 2018 hatte es dann auch wieder geklappt. Etwa 10 Tage nach meinem Eisprung wachte ich von einem Mittagsschlaf auf und wusste, dass ich schwanger war, dass es ein Mädchen ist und dass dieses mal alles gut werden würde. Eine gute Woche später hielt ich dann den positiven Schwangerschaftstest in der Hand und war überglücklich. Ich hatte dennoch Angst, dass es dieses Mal wieder schief gehen würde. Ich vertraute trotzdem auf meinen „Traum“ und versuchte keine negativen Gedanken zuzulassen.
Meinen ersten Frauenarzttermin hatte ich in der 9. SSW und war restlos beruhigt, als sie mir sagte, dass alles gut aussehen würde. Sie machte dann noch einen Abstrich, wo unter anderem auch nach Streptokokken B geschaut wurde. Ich freute mich auf die Schwangerschaft. Ich hatte jedoch stark unter der Übelkeit zu kämpfen. Es gab Tage, an denen ich vom Sofa fast nicht hoch kam …
Dieses Mal wollte ich unbedingt eine Hausgeburt, nachdem meine erste Geburt im Krankenhaus nicht die schönste Erfahrung für mich war.
Etwa in der 14. oder 15. SSW, nachdem ich einen Termin mit der Hebamme, die Hausgeburten begleitete, ausgemacht hatte, hatte ich einen Moment, wo ich mir an den Bauch faste und mir war sofort klar, dass dieses Kind zu Hause geboren werden würde.
Als ich dann in der 16. SSW meinen Termin mit der Hebamme hatte und sie mir sagte, sie könnte mich leider nicht bei der Geburt begleiten, da ich Streptokokken B positiv bin, war ich am Boden zerstört und habe einige Tage nur geweint. Ich wollte nicht noch einmal im Krankenhaus entbinden! Also durchforstete ich das Internet und machte mich auf die Suche nach Berichten, Studien, Artikel, etc. von Streptokokken B.
Nach wochenlangem Hin und Her mit meinem Mann, ob wir Antibiotika während der Geburt haben möchten ja oder nein, entschieden wir uns dann doch dafür, weil uns das Risiko einer Neugeborenensepsis zu gross war und ich auf gar keinen Fall mein Kind in Gefahr bringen wollte – auch wenn das Risiko einer Infektion beim Neugeborenen sehr gering ist und die provisorische Antibiotikagabe während der Geburt in verschiedenen Ländern umstritten ist. Darüber zu lesen ist eine Sache, wenn es um das eigene Kind geht, eine ganz andere.
Ich fand mich also mit dem Gedanken ab und fand sogar an einigen Tagen meinen Frieden mit dieser Entscheidung und freute mich auf die Geburt. Ich schrieb einen detaillierten Geburtsplan und ging damit in der 37. SSW zu meinem Aufnahmetermin ins Krankenhaus, wo ich eine sehr liebe Hebamme hatte, die ich schon von meiner ersten Schwangerschaft kannte. Sie war so ermutigend und sagte mir, dass mein Geburtsplan super sei und alles was ich rein geschrieben hätte schön und natürlich sei und eigentlich das Normalste der Welt sein sollte und dass es sehr traurig ist, dass Frauen überhaupt einen Geburtsplan schreiben müssen. Bei mir wurde noch einmal ein Abstrich gemacht, um zu schauen, ob ich nach wie vor Streptokokken B positiv war (was ich leider noch immer war). Als ich aus dem Krankenhaus nach Hause ging, fühlte ich mich gut und bestärkt und hatte eine innere Ruhe dass es dieses mal schön sein wird im Krankenhaus zu entbinden.

Bei 39+3 hatte ich am späten Nachmittag Wehen, die ich schon ordentlich gespürt habe. Sie waren unregelmässig und gingen auch wieder weg. Ich hatte Angst, dass die Geburt vielleicht schon früher los gehen würde, wenn mein Mann noch arbeiten musste. Er musste noch bis Ende der Woche arbeiten und dann hatte er Urlaub.

Bei 39+5 und 39+6 wachte ich morgens durch Wehen auf, die ich auch schon veratmen musste. Die Wehen verschwanden aber nach einer Zeit wieder komplett.
Bei 40+1 musste ich wieder ins Krankenhaus für eine CTG-Kontrolle, da ich ab jetzt über dem errechneten Termin war. Dieses Mal hatte ich eine andere Hebamme, die mir zwar sagte, es sei gut, dass ich bzw. die Frauen sich Gedanken über ihre Geburt machen würden, man sich leider aber nicht immer an die Vorstellungen der Frauen halten könne und ich einige Punkte in meinem Geburtsplan hätte, die sie leider nicht respektieren könnten. Ich war wieder am Boden zerstört. Ich fühlte mich übergangen und nicht respektiert in meinen Wünschen. Als ich nach Hause ging, war ich nur am Weinen und wusste nicht, was ich machen sollte. Ich hatte wieder ein ungutes Gefühl mein Kind im Krankenhaus zu entbinden. Den Abend verbrachte ich wieder damit, mir Erfahrungsberichte durchzulesen von Frauen, die kein Antibiotikum während der Geburt bekamen. Es war mir dennoch klar, dass es für mich keine Alternative zum Krankenhaus geben würde und versuchte mich zu beruhigen. Ich besprach mich noch einmal mit meinem Mann und wir sagten uns: Egal was auch kommt, wir mussten einfach unsere Wünsche so gut es eben ginge verteidigten. Mit dem Wissen, dass mein Mann sich für unsere Wünsche einsetzen würde, wenn ich es nicht konnte, schlief ich beruhigt ein.

Am nächsten Morgen, also bei 40+2, wachte ich wieder mit Wehen auf, die ich auch veratmen musste. Es war ungefähr viertel vor 6 und ich sagte meinem Mann, dass ich Wehen hätte. Ich ging gegen 7 Uhr in die Badewanne, um zu schauen, ob die Wehen wieder verschwinden würden. Sie wurden nicht schlimmer, gingen aber auch nicht weg. Also beschlossen wir erst einmal zu frühstücken und riefen meine Schwester an, damit sie auf unseren Sohn aufpassen kommt, wenn wir ins Krankenhause fahren würden. Mein Mann sagte ihr, sie könne sich noch Zeit lassen. Wir wären noch nicht sicher, ob es doch schon richtig los gehen würde. Wir frühstückten in Ruhe und ich musste immer wieder zwischendurch die Wehen veratmen. Mein Mann holte mir meinen Gymnastikball, weil mir das Sitzen auf einem Stuhl weh tat. Als wir gegen halb 9 fertig mit Frühstücken waren, ging mein Mann mit unserem Sohn nach draußen zu unserer Baustelle. Wir renovierten ein kleines Ferienhäuschen etwa 100 Meter von unserem Wohnhaus. Ich räumte in der Zwischenzeit noch den Tisch ab und merkte, dass ich die Wehen jetzt doch schon vertönen musste (zum Glück waren wir zu Hause, ich glaube nicht dass ich mich das im Krankenhaus getraut hätte) und dachte mir, wenn die Wehen jetzt schon so heftig sind, wie lange werde ich das dann noch aushalten. Ich wusste ja nicht, wie weit ich da schon war 😉
Ich ging mit meinem Gymnastikball in unser Schlafzimmer und legte mich mit dem Oberkörper über den Ball, kniend auf unserem Bett und das tat so so gut. Also verblieb ich in dieser Position und vertönte eine Wehe nach der anderen. Auf einmal spürte ich, wie sich der Kopf nach unten schraubte und ich wusste: Ok, jetzt wird es nicht mehr lange dauern und unsere Tochter wird hier zu Hause geboren! Ich schrieb gegen 9 Uhr meinem Mann, dass er JETZT wieder ins Haus kommen soll. Ich zog meine Hose aus und hatte auf einmal das Gefühl, ich müsste Pipi machen und würde unser Bett vollsauen. Also nutzte ich die Wehenpause und ging schnell ins Badezimmer, um mir ein paar Handtücher zu holen, die ich noch gerade rechtzeitig vor der nächsten Wehe auf unserem Bett ausgebreitet bekam. Mein Mann kam mit unserem Sohn so gegen viertel nach 9 zu mir ins Schlafzimmer und fragte mich, ob er den Krankenwagen rufen solle. Ich sagte nein. Dafür war es eh zu spät und ich wollte auf gar keinen Fall mein Kind gebären und sofort danach ins Krankenhaus transportiert werden.

Unser Sohn tat sich schwer damit, mich so brüllen zu hören und weinte. (Später haben wir viel mit ihm darüber geredet und ihm alles genau erklärt und er hat die Geburt ohne Probleme verarbeitet.)
Dann kamen auch schon die Presswehen und nach zwei oder drei Presswehen war die Fruchtblase sichtbar und nach zwei weiteren Presswehen sagte mein Mann, er müsste jetzt nach hinten, um unsere Tochter aufzufangen. Ich presste noch einmal und unsere Tochter wurde um 9:30 Uhr in die Hände meines Mannes geboren. Er reichte sie mir nach vorne und ich konnte unsere Tochter begrüßen.
Unser Sohn kuschelte sich zu mir, bewunderte seine kleine Schwester und küsste sie vorsichtig auf die Stirn.
Wir kuschelten erst einmal ausgiebig und sie fing schnell an, nach meiner Brust zu suchen. Nach einer Stunde nabelten wir sie ab und mein Mann rief einen Krankenwagen, weil ich leider einen leichten Dammriss hatte.

Die Nachgeburt gebar ich im Krankenhaus, aber auch nur, weil ich mich zu Hause nicht genug getraut habe um noch einmal zu pressen. Hätte ich mich getraut und gewusst, dass ich ruhig noch einmal pressen kann, dann wäre die Plazenta noch zu Hause geboren.
Im Krankenhaus war unsere Geburt etwas ganz besonderes und niemand hat gewusst, wie oder was sie in die Papiere schreiben müssen.
Die liebe Hebamme, die ich das erste Mal im Krankenhaus hatte, kam noch extra zu mir und hat mir gratuliert und mir gesagt, dass ich das super gemacht hätte. Ich hatte zum Glück einen sehr netten Arzt, der mich genäht hat. Nachdem auch unsere Tochter einmal untersucht wurde, sind wir wieder nach Hause gefahren und wir hatten einen wundervolles Wochenbett, wo wir alle genug Zeit hatten uns kennen zu lernen. Auch für meine Nachsorgehebamme war unsere Geschichte etwas besonderes. Unser Sohn ist überglücklich und sehr fürsorglich mit seiner Schwester. Beide verbindet für immer eine ganz besondere Geschichte.

Unsere Tochter hat keine Neugeborenensepsis durch die Streptokokken entwickelt und das Stillen lief von Anfang an problemlos.
Ich bin sehr glücklich, dass es so gelaufen ist und ich bin mir sicher, dass mein Körper im Unterbewusstsein die Geburt so schnell gesteuert hat.
Es wird einem ja immer Angst gemacht vor den Wehen, aber ich kann für mich nur sagen, dass ich die Wehen nicht als schmerzhaft empfunden habe. Sie waren intensiv und der Körper leistet so einiges, aber richtig schmerzhaft habe ich sie nicht empfunden. Das einzige, was ich als schmerzhaft in Erinnerung habe, ist der Moment, an dem ich gerissen bin. Ich denke, dass ich diese Geburt auch so schmerzarm und schnell empfunden habe, weil mein Körper, dadurch dass ich in meiner vertrauten Umgebung war, entspannt war und die Hormone ungestört ihre Arbeit machen konnten. Ich bin nämlich eine Person, die sich nicht so einfach vor anderen fallen lassen kann und ich mache mir immer Gedanken, was andere vielleicht über mich denken könnten. Ich bin mir deshalb sicher, dass die Geburt einen anderen Verlauf genommen hätte, wenn ich ins Krankenhaus gegangen wäre.

Dein Buch war während der ganzen Schwangerschaft meine Bibel und dank dir und deinem Buch hatte ich zu keinem Moment Angst während der Geburt. Ich habe meinem Körper vertraut und nur das gemacht was mir gut getan hat. Vielen Dank dafür!!

Rückenschmerzen, Wassereinlagerungen und Co – Erkenne den Ursprung des Übels

Gastbeitrag von Hebamme Ann-Kathrin Gnutzmann

Es war wieder ein langer Tag im Büro. Der Bauch wächst und wächst und das lange sitzen fällt mir zunehmend schwerer. Ich könnte zwar häufigere Pausen machen, doch es gibt einfach noch so viel zu tun bis zu meinem Mutterschutz in 5 Wochen.

Eigentlich wollte ich heute endlich einen Spaziergang machen, das nehme ich mir schon seit Tagen vor. Doch vollkommen erschöpft mache ich mir zu Hause nur noch schnell etwas zu essen und setze mich dann auf´s Sofa und schalte den Fernseher ein. Gerade hingesetzt meldet sich schon wieder die Blase. Also wieder aufstehen, das Essen muss warten.
Da durchfährt mich plötzlich ein stechender Schmerz. Mir schießen die Tränen in die Augen. Ein Schmerz, der vom Rücken über den Po bis ins Bein hineinzieht. Ein unfassbarer Schmerz – ich fühle mich einen Moment lang bewegungsunfähig.
„Atmen, tief einatmen“, sage ich mir selbst und sinke auf`s Sofa zurück.

Da höre ich den Schlüssel in der Haustür und mein Mann kommt herein.
Er kümmert sich gleich liebevoll um mich und macht mir eine Wärmflasche für meinen Rücken.
Ich fühle mich so hilflos. Ich rufe meine Hebamme an. Sie hat gerade Feierabend und fährt nochmal einen kleinen Umweg für mich, um mich zu tapen.

Zwei Stunden später:

Ich bin erstaunt, wie gut das Tapen hilft. Für eine Woche soll ich es auf der Haut belassen und ich spüre schon jetzt eine deutliche Verbesserung meiner Schmerzen.

Nun soll ich mich erstmal etwas schonen und in ein paar Tagen zeigt sie mir dann noch vorbeugende Übungen.

So wie der Schwangeren in der Geschichte ergeht es vielen Frauen, wenn zwei Herzen in ihrem Körper schlagen.
Hauptursache von Rückenschmerzen ist unser bewegungsarmer Lebensstil.
Wir sitzen fast den ganzen Tag, sei es beim Essen, beim Autofahren, beim Arbeiten, beim Lesen oder abends vor dem Fernseher.
Das bedeutet, unsere Hüfte ist fast ausschließlich in einer Beugung und der Körper erfährt keine abwechslungsreichen Bewegungsmuster, auf die er ursprünglich ausgelegt war, um zum Beispiel auf die Jagd zu gehen oder vor wilden Tieren zu fliehen.
Doch gerade in der Schwangerschaft, in der der Körper noch zusätzlich den veränderten Körperschwerpunkt kompensieren muss, ist ein gesunder Körper mit kräftigen Muskeln von elementarer Bedeutung für unser Wohlbefinden.

Unser Körper funktioniert äußerst komplex und die Schmerzursache befindet sich somit nicht zwangsläufig in unmittelbarer Näher der Schmerzzone.
So ist eine häufige Ursache bei Rückenschmerzen ein zu schwacher oder verkürzter Hüftbeugermuskel, der M. Iliopsoas (=Lenden-Darmbeinmuskel).
Dieser ist einerseits an unseren Oberschenkelknochen, andererseits an unserer Lendenwirbelsäule befestigt und zieht sich im inneren unseres Beckens entlang. Er ist der kräftigste Beuger des Hüftgelenks und kann zusätzlich unser Bein nach außen rotieren.
Durch seinen Ursprung an der Lendenwirbelsäule lässt sich nun schon der Zusammenhang mit möglichen Rückenschmerzen vermuten, denn der untere Rücken stellt die erste kompensatorische Einheit bei einer Dysfunktion des Lenden-Darmbeinmuskels dar.

Um Schmerzen entgegenzuwirken oder am besten direkt vorzubeugen, kann man auch in der Schwangerschaft einiges tun.

Als erstes und einfachstes empfiehlt es sich natürlich, weniger zu sitzen.
Wenn es sich nicht vermeiden lässt, dann kann auch schon ein Wechsel der Sitzpositionen (also bestenfalls auf dem Boden), eine Verbesserung herbeiführen.
Hier sollte unbedingt auch die tiefe Hocke in der Schwangerschaft Beachtung finden.

Die tiefe Hocke ist ein menschliches Grundbewegungsmuster, die wir vor allem bei Kleinkindern noch sehr gut beobachten können, die aber auch in anderen Kulturen und bei Urvölkern die Hauptposition zum Sitzen darstellt. Hier wird in dieser Position gekocht, gegessen usw.

Die tiefe Hocke mobilisiert die Hüft- und die Sprunggelenke und aktiviert die gesamte hintere Muskelkette, stellt also korrekt ausgeführt sogar ein Ganzkörpertraining dar, denn die wenigsten Westeuropäer können wohl noch bequem die Position der tiefen Hocke einnehmen ohne dass die Fersen von dem Boden abheben.

Daher empfiehlt sich ein regelmäßiges Training dieser Position schon so früh wie möglich in der Schwangerschaft.
Denn fühlt sich die tiefe Hocke erst einmal nicht mehr fremd und schwer, sondern leicht und natürlich an, stellt sie auch eine wunderbare Gebärposition dar, die das Becken unter der Geburt wunderbar öffnet. Auf diese Beckenöffnung zielt auch der Gebärhocker ab, dient hier aber zur deutlichen Unterstützung der Gebärenden, wenn die tiefe Hocke noch schwer fällt.

Als weiteres Training des Lenden-Darmbeinmuskels kann auch ein täglicher ca. 5 km langer Spaziergang dienen. Die Bewegung ist ein guter Ausgleich zum Sitzen.

Ein spezifisches Dehnen der Hüfte mittels eines großen Ausfallschrittes nach vorne in Verbindung mit einer Beckenkippe (Schambein zum Bauchnabel und Bauchnabel sanft Richtung Wirbelsäule ziehen), ggf. unterstützt durch zum Himmel gerichtete Arme, kann ebenfalls eine muskuläre Gesundheit und damit einhergehendes körperliches Wohlbefinden auch bezogen auf Wassereinlagerungen in den Beinen fördern.

Also, ganz viel Spaß in der Bewegung.

Let’s get back to the roots.

Eure Hebamme Ann-Kathrin Gnutzmann

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Eine Alleingeburt nach Kaiserschnitt

Die Mama im folgenden Bericht bekommt ihr zweites Kind. Das erste war eine abgebrochene Hausgeburt, die im Kaiserschnitt endete. Dieses Mal plant sie eine Geburt nur mit Mann und Doula.

Am Tag vor der Geburt war ich bei einer Freundin zu ihrer Blessingway-Feier eingeladen. Ich bin mit dem Zug gefahren und musste auf dem Bahnhof noch ein paar Tränen verdrücken. Ich hatte plötzlich wieder so große Zweifel. Das Köpfchen war ja immer noch nicht fest im Becken (vermutete ich) und ich hatte große Sorgen, dass das Baby wieder nicht ins Becken rutscht. Bei meinem ersten Kind kam es bei einer versuchten Hausgeburt (mit Hebamme) zum Geburtsstillstand, welcher letztendlich zum Kaiserschnitt geführt hat. Ich bin wieder ins Zweifeln gekommen: Was, wenn mein Becken wirklich zu klein ist?

Die Blessing-way-feier war unglaublich schön. Ich war überrascht, dass ich gleich mit gesegnet wurde. Es war unglaublich, wie mir dieses Erlebnis einfach zugeflogen ist. Ich habe nichts organisiert, nichts gewünscht und nichts gefragt und plötzlich waren da 6 Frauen, die mich und mein Baby mit guten Wünschen überschütteten. Viele schöne Dinge wurden gesagt und getan und mein Baby und ich bekamen auch Geschenke. Meine schwangere Freundin lud mich großzügig ein, ohne schlechtes Gewissen alles mitzumachen. Wir verzierten gemeinsam Kerzen, die bei Geburtsbeginn brennen sollten als Zeichen der Verbundenheit und der Unterstützung. Die Frauen witzelten, dass die Geburt aber doch bitte nicht im Zug losgehen sollte.

Im Zug hatte ich tatsächlich schon die ersten leichten Wehen. Es war dann ca 19:30 Uhr. Zweimal bin ich aufgestanden und habe mich oben an der Gepäckablage festgehalten. Das Ruckeln im Zug war ganz angenehm, um das Becken ein bisschen zu bewegen. Zuhause hat unser „großer“ Sohn (3 Jahre) schon geschlafen und ich war froh drüber. Mein Mann und ich haben noch ein bisschen gepuzzelt und ich hatte immer wieder leichte Wehen. Wir haben Radio gehört, das fand ich angenehm, weil es so alltagsmäßig war. Später haben wir Musik von meinem Yoga & Bauchtanz-Kurs gehört. Irgendwann wollte ich aber einfach meine Ruhe. Die ersten Wehen habe ich im Türrahmen veratmet. Irgendwo habe ich gelesen, dass es in der Anfangsphase hilft, das Kreuzbein zu entspannen. So legte ich in den Wehenpausen immer wieder eine Wärmflasche auf das Kreuzbein, was wirklich angenehm war. Die Wehen kamen von Anfang an im Abstand von 3 bis 5 Minuten und steigerten sich langsam von der Intensität. Ich habe eine Zeit lang auf einem Zettel jeweils den Beginn der Wehen mitgeschrieben. Später hat sich mein Mann Notizen gemacht.

Gegen 22 Uhr habe ich einen Mini-Einlauf gemacht und es kam dann auch ein bisschen Durchfall. Ob das wirklich notwendig oder sinnvoll war, weiß ich nicht. Stuhlgang ging bei mir trotzdem bis zum Schluss ein bisschen mit, was mich aber nicht gestört hat. Erbrechen musste ich auch, das war so um 23:00 Uhr. Mein Mann hat eine Matratze im Wohnzimmer gemütlich hergerichtet. Ich wollte mich hinlegen und ein bisschen schlafen, dazu kam es aber nicht mehr. Lange haben wir geglaubt, dass die Wehen bestimmt nochmal schwächer werden.

Irgendwann habe ich mich getraut, den Blessingway-Mädels zu schreiben, dass sie die Kerzen anzünden sollen. Das war ca Mitternacht. Vorher hatte ich echt überlegt, ob ich das mit den Kerzen überhaupt mitmachen soll. Ich hatte die Befürchtung, dass ich unter Druck geraten könnte, wenn ich weiß, dass 6 Frauen an mich denken und auf eine freudige Nachricht nach der Geburt warten. Ich denke, dass der Moment ein ganz wichtiger war, in dem ich mich überwunden habe, die Nachricht loszuschicken. Ich dachte, den Mut muss ich jetzt einfach haben, sonst wird es nichts mit der Geburt. Ich habe also die anderen Frauen informiert und konnte das Ritual als Unterstützung annehmen.

Die Wehen wurden kräftiger und ich sagte schon um 00:45 Uhr das erste Mal, dass ich keine Lust mehr habe. Ich vertönte die Wehen im Stehen, auf dem Wohnzimmertisch abgestützt. An diese Phase im Wohnzimmer kann ich mich am wenigsten gut erinnern. Ich wollte mich immer in den Wehenpausen hinlegen, aber es ging nicht so gut. Die Pausen waren kurz und ich musste bei einer Wehe pünktlich an meinem Platz am Tisch stehen. Mein Mann musste aufpassen, dass der Tisch nicht kippt. Irgendwann dachte ich, dass das Kind nicht runter kommt. Ich hab auch getastet und habe gemeint, es wäre in Sternguckerpposition. Mein Mann meinte, dass mein Bauch anders aussieht. Ich dachte, dass es an der Sternguckerposition lag. Spinning-babies-Übungen wollte ich nicht machen. Es muss trotzdem raus, dachte ich nur. Um ça. 01:30 Uhr haben wir doch das Walcher Manöver in der Küche gemacht. Es war unangenehm und während der Übung beschloss ich, dass ich einfach normal weitermachen muss. Es kam mir zu technisch vor. Im Nachhinein denke, dass das Kind nicht wirklich am Beckeneingang hängen geblieben ist, sondern dass es eher wie eine Erinnerung an meine erste Geburt war. Das Manöver hätten wir vermutlich nicht gebraucht, aber sicher weiß ich das nicht.

Um 02:00 Uhr hat es einen Pflatsch gemacht und es kam Schleim. Vermutlich ist in dem Moment auch die Fruchtblase geplatzt, aber sicher sind wir uns nicht gewesen. Das Köpfchen hat vermutlich schon gut abgedichtet, sodass es für uns nicht eindeutig war. Mein Mann und ich haben uns sehr gefreut. Wir wussten für den Moment, dass wir unser Kind tatsächlich zuhause zur Welt bringen werden. Als ein bisschen Stuhl gekommen ist, haben wir uns auch sehr gefreut. Das Kind schiebt es raus, dachten wir beide, also muss es vorangehen. Fast bei jeder Welle kam etwas mit. Ein weiteres gutes Zeichen war, als ich einen Druck nach unten gespürt habe. Es waren immer wieder Momente, in denen ich zweifelte und dann gab es wieder so Art Schlüsselmomente, in denen ich meine Zuversicht zurückbekommen habe.

Um ca 03.00 Uhr hat unser großer Sohn geschrien und ist nicht mehr eingeschlafen. Wahrscheinlich ist er aufgewacht, weil ich doch sehr laut getönt habe. Ich habe dann unsere Doula angerufen und mein Mann ist zu unserem Sohn gegangen. Ich bin in die Küche umgezogen, da es dort von der Lautstärke her für unseren Sohn leiser war. Es war so schwierig, die Matte und die Unterlagen und das Trinken alleine in die Küche zu bringen. Ich konnte kaum mehr laufen und die Wehenabstände waren kurz. In der Küche kniete ich mich hin und lehnte mich auf das Sofa. Ich dachte, ich wäre auch kurz eingenickt zwischen den Wehen. Mein Mann meinte aber, er hat mich trotzdem immer in kurzen Abständen brüllen hören.

Ich wollte nicht allein sein und war sehr froh, als die Doula ca. eine halbe Stunde später schon bei mir war. Ich sagte nur kurz Hallo und schickte sie dann gleich, um meine Wärmflasche aufzufüllen. Ich kannte die Doula nicht sehr gut, aber es war sofort super mit ihr. Sie war sehr zurückhaltend und hat darauf gewartet, von mir Anweisungen zu bekommen, zum Beispiel, mir das Trinken zu reichen oder in den Wehenpausen kurz das Fenster aufzumachen. Es kam dann auch bald mein Mann wieder. Er war bei mir auf dem Boden oder irgendwo in der Nähe. Ich brüllte so laut. Unsere Doula meinte später, sie hätte mich schon von der Straße aus gehört. Ich kniete vor dem Sofa, damit ich in den Pausen kurz meinen Oberkörper ablegen konnte. Später stand ich am Tisch. Ich stützte mich so stark auf, dass die Doula dagegen halten musste. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass meine Beine fast abheben. Ich habe immer wieder getastet. Ich habe den Muttermundrand gefühlt. Dachte ich jedenfalls. Ich habe mich so gefreut, das Köpfchen zu spüren. Später kam es ein bisschen vor und ich habe immer wieder gefragt: Ist das wirklich der Kopf? Die Doula meinte, dass der Kopf sich länglich anfühlt, aber ich habe immer wieder gefragt: Kann das der Kopf sein? Was ist das? Ich habe zu mir selbst gesprochen.

Um 04:30 Uhr habe ich zu meinem Mann gesagt, er soll mal nachschauen. Er hat nichts sehen können, weil es so dunkel war. Ich meinte, er soll eine Taschenlampe holen. Er hat dann mit meinem Handy in meine Vagina reingefilmt. Ich stand und habe die Schamlippen auseinander gehalten. Er hat dann auch tatsächlich schwarze Haare gesehen. Es gibt auch ein kurzes Video von diesem besonderen Moment. Im Nachhinein war das auch eine sehr lustige Situation, wie er so in mich hineinleuchtete und den Kopf suchte.

Dann kam der Teil, der mir am meisten in Erinnerung geblieben ist. Der Kopf kam ein Stückchen weiter raus, so dass er von außen sichtbar war. Wir wissen nicht mehr genau, wann das war, es gibt aber das erste Beweisfoto um 04:50 Uhr. Die Wehen waren sehr stark. Ich stütze mich nach wie vor am Tisch ab oder an meinem Mann. Zwischendurch stand ich auch im Vierfüßler vor und auf dem Sofa oder ging in die tiefe Hocke. Ich brüllte und schrie: „Komm raus“. Zwischendurch war ich richtig verzweifelt und jammerte ganz weinerlich. Immer wieder kam der Kopf ein Stückchen weiter heraus. Mehrmals dachte ich, es kommt jetzt bald, vielleicht 3 oder 4 Wehen noch, hab ich gesagt. Irgendwann habe ich diesen berühmten Feuerring gespürt, es tat ganz kurz wirklich sehr weh, es brannte total.

Ich habe schon ziemlich gelitten und wollte einfach nur, dass das Kind endlich rauskommt, aber schmerzhaft waren die Wehen ansonsten eigentlich nicht. Es war einfach diese Anstrengung. Ich machte mir auch ein bisschen Sorgen, weil ich das Baby nicht mehr gut spürte. Jetzt denke ich, dass es normal war, sie war ja dann wahrscheinlich schon gut eingequetscht. Den Moment, in dem sie dann tatsächlich geboren wurde, hab ich gar nicht kommen sehen. Es war ca 5:25 Uhr. Ich kniete vor dem Sofa und hatte wahrscheinlich meine Hand an ihrem Kopf. Auf jeden Fall drehte ich mich in die Hocke und hatte sie dann plötzlich in den Händen, am Kopf und am Rücken. Sie ruderte mit den Armen und hatte sofort die Augen offen. Sie schrie ein bisschen, aber es blubberte noch. Kurz fragte ich mich, ob das normal sei, aber man konnte sehen, dass sie fit war. Sie schrie weiter und ich wusste gar nicht richtig, wie ich sie halten soll. Mir tat plötzlich alles weh und ich wusste nicht, wie ich mich setzen soll. Mein Kreuzbein tat weh und mein Damm. Ich lehnte mich an meinen Mann an und wir konnten es beide nicht glauben, dass wir es wirklich geschafft haben. Das war wirklich in vielerlei Hinsicht ein ganz intensiver Moment.

Ich konnte meine Tochter dann noch so am Boden stillen und in Ruhe bewundern. Beim Stillen habe ich nur ganz leichte Kontraktionen gespürt. Ungefähr eine Stunde nach der Geburt hatte ich den Impuls, in die Hocke zu gehen und einfach zu versuchen, die Plazenta zu gebären. Die Doula fragte noch, ob ich schon was spüre. Ich legte unsere Tochter in die Hände meines Mannes und ging in die Hocke. Ich drückte nur ganz leicht und die Plazenta ist dann einfach rausgefallen. Es war ca 6:30 Uhr. Wir haben sie noch gemeinsam angeschaut und ich fand sie total schön.

Dann hätte eigentlich der gemütliche Teil kommen sollen, aber leider hatten wir dann noch ziemlichen Stress mit unserer Nachsorgehebamme. Ich habe ihr gute vier Stunden nach der Geburt eine SMS geschrieben. Sie ist gleich in Stress verfallen und ist sofort vorbeigekommen. Sie wollte uns mit dem Rettungswagen in die Klinik schicken. Ich sagte sofort, dass wir nicht ohne Grund in die Klinik fahren. Sie kündigte uns an, dass sie die Sache mit der Alleingeburt auf jeden Fall noch mit uns besprechen will, denn wir haben uns in große Gefahr gebracht oder so ähnlich. Es war wie eine Ankündigung für eine ordentliche Standpauke.

Es kam dann noch eine befreundete Hausgeburtshebamme vorbei. Ausgerechnet diese, mit der ich vor drei Jahren versucht habe, meinen Sohn zu gebären. Unsere Hebamme hatte sie dazu gerufen, damit sie eine Zweitmeinung abgibt. Meine damalige Hausgeburtshebamme war ruhig und gelassen, aber ich war enttäuscht, dass sie uns nicht mal gratuliert hat. Zu zweit haben sie die Plazenta untersucht und meinen Damm angeschaut. Die Hausgeburtshebamme meinte, sie habe so eine Dammschwellung in 25 Jahren noch nicht gesehen. Insgeheim dachte ich, dass sie eine solche kraftvolle Geburt auch niemals begleitet hätte.

Wir sind dann deswegen mit dem Auto in die Klinik gefahren, zum Glück wohnen wir wirklich sehr nah dran. In der Klinik waren alle voll nett. Die Untersuchung tat übelst weh, aber die Ärztin hat keine Verletzung gefunden. Nur ein ganz kleiner Riss, was aber eine „Schürfung“ sei. Mir war es schon ganz recht, dass wir das abgeklärt haben, die Schwellung war wirklich riesig und ich konnte fast nicht mehr pinkeln. Die Ärztin wollte uns schon einen Katheder mitgeben, falls ich die Blase wirklich gar nicht mehr entleeren kann. Zum Glück ging das aber, Pinkeln im Stehen war der beste Ratschlag dafür.

Es ging dann noch ein bisschen chaotisch weiter. Am zweiten Tag waren wir beim Kinderarzt und am dritten Tag kam eine andere Hebamme vorbei, um das Fersenblut abzunehmen, weil alle anderen Beteiligten Gründe gefunden hatten, dies nicht zu tun. Diese Hebamme war total nett und spontan. Sie lachte nur darüber, dass wir die Geburt allein erlebten. Sie erklärte den Schwangeren immer, das Wichtigste sei das Vertrauen in den Körper. „Sie haben alles richtig gemacht“, sagte sie. Das tat richtig gut, das von einer Hebamme zu hören.

Am Abend war ich richtig wütend auf unsere Hebamme und zog ernsthaft in Erwägung, ihre Betreuung zu kündigen. Wir hatten dann aber am nächsten Tag ein klärendes Gespräch und sie entschuldigte sich auch dafür, dass sie sich von ihren Emotionen so mitreißen hat lassen. Für sie war es ein großer Vertrauensbruch, weil alles anders abgesprochen war. Ich sagte ja im Vorfeld zu ihr, dass wir eine ambulante Geburt planen und hatte mit ihr ausgemacht, dass ich mich noch von der Klinik aus bei ihr melde, um meine Entlassung zu besprechen. Sie hätte niemals unsere Betreuung übernommen, wenn sie von der geplanten Alleingeburt gewusst hätte. Deshalb fand sie es unfair, weil sie sich unwissend mit „reingezogen“ fühlte. Wir haben es ihr nicht gesagt, um sie soweit wie möglich rauszuhalten. Letztendlich glaube ich, dass es natürlich besser gewesen wäre, wir hätten eine Hebamme gefunden, die unsere Pläne gut findet und mit der wir zumindest offen kommunizieren hätten können. Aber zum einen war ich noch nicht soweit in meinem Selbstvertrauen bezüglich der Geburt und zum anderen ist es schwer, eine Hebamme zu finden, die eine Alleingeburt nach Kaiserschnitt unterstützen würde. Insofern waren sich mein Mann und ich uns einig, dass es so unsere einzige Möglichkeit war und wir alles richtig gemacht haben. Gleichzeitig tat es uns natürlich auch leid, dass wir unsere Hebamme in eine so stressige Situation gebracht haben und wir uns selbst dadurch so stressige erste Wochenbetttage beschert haben.

Insgesamt bin ich trotz der stressigen Nachsorge sehr glücklich über die Geburt. Ich denke, es hätte in der Klinik oder mit Hebamme nicht besser laufen können. Vermutlich wären mir wie damals bei meinem Sohn Positionswechsel oder Medikamente angeboten worden, denn ich habe wirklich sehr gejammert und ich bin sehr froh und dankbar, dass mein Mann und später die Doula das so gut einschätzen konnten und mich einfach haben machen lassen. Vermutlich hätte ich in der Situation auch noch alles angenommen und mitgemacht, denn ich war zeitweise wirklich mit den Nerven am Ende. Wahrscheinlich hätte ich zum Schluss sogar einem Dammschnitt zugestimmt, obwohl ich jetzt natürlich froh bin, dass mir das erspart geblieben ist. Die Schwellung an meinem Damm ist auch innerhalb ein paar Tagen wieder zurückgegangen und die Nachsorgehebamme hat mir mehrmals gesagt, dass ich bezüglich Verletzungen wirklich sehr gut weggekommen bin, es ist ja immerhin meine erste vaginale Geburt gewesen. Dass dies bei Alleingeburten ja meistens der Fall ist, habe ich mir aber verkniffen…