Alleingeburt beim ersten Kind – in einer Jurte auf Sizilien

Die Frau in diesem Berich bekommt ihr erstes Kind und entscheidet sich für eine Alleingeburt – bei einer Gemeinschaft auf Sizilien in einer Jurte.

Fest stand, ich wollte eine Hausgeburt. Obwohl ich mich in der Großstadt nicht mehr wohl fühlte und obwohl ich keine Auswahl bei der Hebamme hatte, ging ich erst den Kompromiss ein. Ich dachte, so sei es sicherer bei der ersten Geburt. Aber im Laufe meiner Schwangerschaft fühlte ich immer mehr, dass ich mich gerne in die Natur zurückziehen wollte. Dass ich mich am besten mit meiner Urkraft verbinden könne, da wo ich mich wirklich wohl fühle. Und nachdem die Hebamme mir zum wiederholten Male drohte, ich könne keine Hausgeburt haben, wenn mein Eisenwert nicht höher sei oder mein Scheidenpilz wieder auftauchte und sowieso mit ihrer Liste wedelte, auf der tabellarisch Dinge standen, wie zum Beispiel: Wenn die Plazenta nach so und so viel Minuten nicht raus käme, müssten wir ins Krankenhaus, und ich davon sogar Alpträume hatte, fasste ich den Entschluss, meinem Instinkt zu folgen.

Wir organisierten alles, um uns auf Sizilien in der mongolischen Jurte von Freunden für sechs Monate in einem Ökodorf, indem wir zuvor zwei Jahre lebten, ein Nest auf Zeit einzurichten. Welch ein Segen! Ich erfuhr von der Option einer Doula, was sich super stimmig für mich anhörte und ich bestellte einen Geburtspool. Wir (ich hochschwanger am Steuer, denn mein Partner hat keinen Führerschein – ja, selbst ist die Frau) fuhren schnurstracks mit unserem Van von Berlin nach Sizilien. Und ja, es war wunderbar, meinem Impuls zu folgen. Alles lief wie am Schnürchen. Bis auf, dass die frei laufenden Kühe am Tag, als die Wehen einsetzten, die Schläuche der Zisterne verschoben hatten und wir kein Wasser bereit fanden für den Pool. Mein Partner rief die anderen Gemeinschaftsmitglieder zusammen und alle bildeten eine Kette zum Fluss, um Wasser im Kessel auf dem Lagerfeuer zu erhitzen, um den Pool in der Jurte zu füllen. Und so war ungeplant reges Treiben um mich herum, das ich aber nicht als störend empfand, sondern mir ein wunderschönes Gefühl von Zusammenhalt und Umsorgtsein gab. Ich war derweil im Zelt, mal auf allen Vieren, mal aufs bett gestützt, in einer anderen Welt in Geburtstrance, konzentriert atmend. Lange verstand ich nicht, wie weit der Geburtsverlauf schon voranging und so riefen wir meine Doula erst sehr spät. Sie kam und setzte sich ruhig im Abstand neben mich. Als es dann fast soweit war, erinnerte sie mich in einem Moment, als ich es vergaß, dass ich meinen Atem benutzen kann. Sie reichte mir Wasser, als ich es verlangte und ließ mich sein. An einem Punkt, wurde ich ungeduldig und fragte nach, ob der Pool denn schon voll sei. Ich wäre nun wirklich bereit fürs Wasser. Fast zeitgleich kamen mein Partner und ein helfender Freund und standen mit dem letzten Kessel verdutzt im Türrahmen, denn sie wurden Zeugen von einem lauten Urgebrüll und einem kleinen Wesen, dass dann doch auf dem Holzboden zur Welt kommen wollte.

Die Plazenta ließ ein wenig auf sich warten, aber ich war Gott froh, dass ich Zeit hatte dafür. Mein Scheidenpilz war nach der Geburt weg und mein Kind unversehrt. Wir machten eine Tinktur aus einem Stück der Plazenta und ließen sie im Lotusstil abfallen. Danach wurde darauf ein neuer Baum in der Gemeinschaft gepflanzt.

Nach diesem wunderbaren Geburtserlebnis habe ich inzwischen beschlossen, auch andere Frauen als freie Doula zu unterstützen – ganz zu ihren Bedingungen.

Gut zu wissen: Eine Doula ist eine Frau, in der Regel mit eigener Geburtserfahrung, die andere Frauen nicht-medizinisch bei der Geburt begleitet. Eine freie Doula ist eine, die auch Alleingeburten begleitet – etwas, das die meisten anderen Doulas sich verpflichtet haben, nicht zu tun.