Wunder mit Glückshaube

Die Mama im folgenden Bericht erzählt von der Geburt ihres sechsten Kindes. Es ist ihre zweite Alleingeburt, das Baby liegt zu Geburtsbeginn als Sternengucker (hintere Hinterhauptslage). Am Telefon von einer Freundin begleitet wird ihr Baby schließlich in der Fruchtblase geboren.

An einem Freitag im Frühling sagte mir meine 11-jährige, dass sie heute geträumt hat, ich hätte ein Baby geboren … Am Tag darauf machte ich einen Schwangerschaftstest, der positiv war! Dies war meine sechste Schwangerschaft. Die ersten vier Kinder bekam ich im Krankenhaus. Nummer fünf war eine Alleingeburt zuhause, und das sechste sollte auch zu Hause kommen. Diesmal machten wir uns früh genug an die Hebammensuche und fanden eine wirklich nette Hebamme. Leider mussten wir beide feststellen, dass der Umstände wegen es doch eine Alleingeburt ohne Hebamme werden würde. So weit so gut.

Die Schwangerschaft verlief sehr gut. Diesmal habe ich die Louwen-Diät eingehalten. Das wirkte sich positiv auf mein Allgemeinzustand, Gewichtszunahme und Geburtsgewicht des Babys aus. Auch diesmal beteten wir um Gottes Leitung und Segen während Geburt. Diesmal wünschte ich mir eine besondere Geburt mit Gegenwart Gottes. Ich las das Buch von Jobina Schenk „Meisterin der Geburt“ und ein Satz traf mich besonders: „Ist nicht gerade die Geburt eines Kindes die größte Begegnung mit Gott?“Das wollte ich hautnah erleben. Mein Begleitvers während der Geburt sollte folgender werden: „Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott; ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich erhalte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.“ Jesaja 41,10 Das hat mich gestärkt. Die ganze Zeit lag die Bibel vor mir mit dem aufgeschlagenen Vers in Sichtweite und ich durfte ihn immer wieder lesen. Von meinen anderen Geburten kenne ich es so, dass es schnell und intensiv läuft und ca. nach 2-3 Stunden das ganze Programm dann beendet ist. Diesmal war es anders, was ich im Nachhinein jedoch positiv fand. ET+0 hatte ich einen Termin zur Massage, Vorbereitung zur Geburt so gesehen, Muskulatur lockern und bestimmte Stellen stimulieren. Das tat wirklich gut. Ich machte mir Hoffnungen, da alle anderen Kinder um den ET kamen. Die Tage davor hatte ich natürlich schon Übungswehen usw. An dem Abend ging ich dann in die Badewanne mit Heublumenblüten, das hat noch zusätzlich meine verspannte Muskulatur gelockert. In der Nacht wurde ich um 3.10 Uhr von einer Wehe geweckt, die aber mich nur geweckt hat und sonst nichts … Die nächste kam dann 20 Minuten später. Ich habe mir Hoffnung gemacht, wollte aber keine falschen Hoffnungen und schlief erstmal weiter. 40+1 der Tag war voller Energie, ich habe mein Sauerteigbrot und meine Lieblingskekse (Zucker- und glutenfrei, mit Macadamianüsse und gefrorene Himbeeren) gebacken. Was richtig gut war, weil ich die in der Nacht der Geburt nach und nach gefuttert habe. Wäsche wurde gemacht, gekocht und alles Mögliche noch erledigt. Wehen waren da, aber ja, alle 30 Minuten, oder gar eine Stunde dazwischen. Die wollte ich gar nicht mehr beachten. Ich ließ sie als Übungswehen gelten. Habe kurz mit meiner Freundin Beccy telefoniert (wir waren zusammen mit dem 6ten Kind schwanger, nur war sie 5 Tage später als ich ausgerechnet), hab mich bei ihr etwas ausgeheult, dass es so lange auf sich warten lässt mit der Geburt. Danach ging es mir besser. Mittags beim Abtasten ging etwas Schleimpfropf ab (das hatte ich noch nie bei den anderen fünf), was ich ziemlich motivierend fand, aber noch nicht als ungewöhnlich betrachtete. Einige Tage davor hatte ich Gott darum gebeten, wenn es wirklich losgeht, möchte ich ein Zeichen haben. Aber die Wehen, die waren wieder weg.

Abends gegen 18 Uhr fing ich an mein „Geburtszimmer“ vorzubereiten: Kerzen, Isomatte, Gymnastikball, Unterlagen, Bettwäsche für später, genug trinken, meine Geburtskiste und natürlich meine Öle, mit denen ich mich von oben bis unten eingeölt hab. Etwas zum Beruhigen und erden auf die Fußsohlen, zur Wehentätigkeit auf die Inneknöchel und Bauch, mein Lieblingsduft in den Diffuser. Die Bibel lag auch bereit. Hab dann ein paar Fotos geschossen und meinem Mann zufrieden mitgeteilt, dass ich heute unten schlafe … ähhh, etwas hat noch gefehlt: ach ja, die Wehen! Ach, was soll’s, dann ist es so. Wir beteten mit meinem Mann und segneten die bevorstehende Geburt; ich zog mich zurück und er übernahm die Kinder. Nach einer Zeit, so gegen 22 Uhr, kehrte auch im Haus Ruhe ein. Schlafen konnte ich nicht. Die Erinnerungen an Geburtsverläufe, die ich in den letzten Tagen mitgekriegt hatte, kreisten in meinem Kopf. Was, wenn es mir oder meinem Baby auch passierte? Was, wenn die Kleine sich während der Geburt nicht drehte? (Sie lag als Sternengucker.) Oder ich doch ins Krankenhaus musste… Hab mich dann hingelegt, aber eine Wehe kam und ließ mich nicht einschlafen. Na gut, wenigstens bewegte sich da was. Es war jetzt nicht so, dass ich sie veratmen musste, mich nervte diese Ungewissheit. Eigentlich sollte es ja theoretisch losgehen, aber mit solchen Abständen zwischen den „Übungswehen“ erschien es mir voll unlogisch, dass sich überhaupt was tut. Die Gedanken kamen, sie könnte falsch liegen und sich deswegen nicht in den Geburtskanal einstellen. Vielleicht muss ich irgendwelche Übungen machen, damit sie sich einstellen kann. Ich betete: „Jesus, du hast die Kleine so hingelegt, wie sie liegt und du zeigst ihr den Weg nach draußen.“ Das gab mir Ruhe. Hab mich dann noch mal abgetastet: Und weg war er, mein Muttermund. Keine Ahnung, wo der geblieben ist. Egal! Das war übrigens meine erste Schwangerschaft, in der ich anfing den Muttermund zu tasten. Viel Übung hatte ich also nicht. Bin dann auf mein Zimmer und ließ mich weiterhin so richtig demotivieren von meinen Gedanken. Aber wollte ich nicht ein Wunder erleben? Ein Wunder der Geburt mit Gott.

Irgendwann gegen halb zwei entschied ich mich Beccy zu schreiben und mich nochmal zu beschweren. Sie antwortete mir, sie würde sich auf den Weg machen. Das sind zwei Stunden Fahrt, alleine, eine hochschwangere Frau mitten in der Nacht … Ich verneinte natürlich. Sie rief mich an und ab dann ging es los. So eine Geburt hab ich noch nie erlebt. Kurz gesagt, die Nacht war einmalig: Wir haben ca. 5 Stunden telefoniert, Witze gerissen, uns kaputtgelacht, Kekse genascht, Wehen veratmet, verschiedenste Übungen ausprobiert … irgendwann ging mein Handy leer, ich musste es laden. Gut, dass es noch Festnetz gibt, dann ging es weiter. Ich habe mich beschwert, dass es nicht vorwärts geht und diese „Pups-Wehen“ mit riesen Abständen nie und nimmer produktiv sein können. Alles erschien mir unlogisch, sei es die Position, die mich Beccy mal wieder einnehmen ließ, oder die großen Abstände. Was ich nicht wusste, dass Beccy meine Wehenabstände und Länge mit der App gemessen hat. Sie wollte wissen, in welcher Phase ich mich befinde. Dann forderte sie mich auf, nochmal abzutasten, wie weit Muttermund offen ist. Der Pfropf ging weiter ab und ich beschwerte mich darüber bei meiner Freundin, die das ganz lustig fand. Ich musste feststellen, dass mir die zwei Finger nicht mehr reichten und holte ein Messband um abzuschätzen. Lustig, aber ich glaubte immer noch nicht, dass es in irgendeiner Form noch zur Geburt kommen würde. Wie auch, wenn „die Wehen“ in der Position Oberkörper unten und Po oben gut zu vertragen waren und auf kein Ende hindeuteten. Zwischendurch aß ich einen Keks und trank viel Wasser, was dazu führte, dass ich nach jeder Wehe zur Toilette laufen und meine Blase wieder leeren musste. Das fand Beccy gut, ich nicht so … Wir wetteten, Beccy sagte, dass das Baby noch vor 7 Uhr kommt. Ich musste lachen und sagte, bald stehen meine Kids zur Schule auf, dann werde ich erst recht abgelenkt sein. Ich hatte zwei Momente in der Nacht, als ich die Wehen alleine veratmen musste. Das waren heftige Momente, ich verspannte sehr und dadurch kam wieder der Schmerz, der mir von den anderen Geburten so bekannt war. Also war es enorm wichtig am Telefon zu bleiben und diese Worte zu hören „tieeef einatmen und laaaangsam ausatmen, alles lockerlassen“. Diese Anleitung bleibt mir noch lange im Gedächtnis, das hat so gut getan.

Mein Mann schlief in der Zeit und das war auch gut so, ich wollte sonst keine Gesellschaft weiter. Doch um halb sechs musste meine Große geweckt werden, eine Stunde später die anderen. Der Wecker klingelte, mein Mann kam kurz zu mir und fragte, wie es mir geht. Gut, es geht mir gut. Noch eine halbe Stunde verstrich, ich hatte ein Verlangen „meinen Platz“ aufzuräumen und mich umzuziehen. Ich hatte mir extra ein Kleid und ein Tuch vorbereitet, ich wollte ja meinem Gott begegnen. Beim nächsten Toilettengang schaute ich in den Spiegel und beschwerte mich erneut bei meiner Freundin, wie schlimm ich aussehe, dabei wollte ich doch in dem heiligen Moment besonders hübsch sein. Die Kerzen, die mich die ganze Nacht begleitet hatten, waren ausgegangen, nur die eine war geblieben. Die brannte auch noch, als das Baby da war. Ich sah diese Kerze an und machte meiner Freundin Komplimente, sie wäre diese treue Kerze, die mir beistand in dieser Nacht. Wir warteten noch auf die Übergangsphase, aber die blieb diesmal aus. Ein erneutes Wunder! Der Gymnastikball hat diesmal wieder gute Dienste geleistet. Bei Abstützen merkte ich sehr, wie die Kleine sich im Geburtskanal herunter bewegte. Ein unvergessliches Gefühl! Nach dem meine Große aus dem Haus war und die Schwägerin für die Versorgung der anderen ankam, ließ sich mein Mann wieder blicken und blieb. Im Verlauf des Telefonats hatte mir ja Beccy verschiedensten Positionen vorgeschlagen und erklärt, darunter war auch die tiefe Hocke, in der die Wehen sich ganz gut anfühlten. Deswegen ging ich intuitiv in die Hocke, als mein Mann reinkam und musste schon mitschieben. Nach der ersten Wehe kam ihr kleiner, warmer Kopf in meine Hand und ich hielt ihn fest, nach der zweiten Presswehe kam dann ein Etwas unter mir rausgeflutscht, platzte und es entpuppte sich ein schreiendes Mädchen! Die Kleine ist mit intakter Fruchtblase geboren, die dann erst draußen auf der Unterlage platzte. Wow!!! Sowas hab ich noch nie gehabt! Ein Baby mit Glückshaube geboren. Ein Phänomen, was bei 1:80.000 Geburten eintrifft. Mein Wunder! Ich rief zu Beccy, die immer noch am Telefon war, hörst du die schreien? Jaaa, sagte sie, Halleluja! Paar Minuten später hat sie dann aufgelegt, weil wir mit meinem Mann jetzt unsere ganze Aufmerksamkeit unserem Mädchen widmeten. Sie war so sauber und perfekt und vor allem klein, zierlich für meine Verhältnisse. Ich habe immer 4-4,6 kg schwere Babys, hab mir immer ein unter 4kg Baby gewünscht. Und jetzt bekommen! Wieder ein Wunder für mich. 3800g, 48cm, KU 33cm: Meine Puppi.❤️ THALEA

Wir beteten, dankten und segneten das Kind. Die Kleine lag in meinem Arm, eingewickelt in ein kuscheliges Handtuch mit aufgesticktem „Geschenk Gottes“ drauf. Halbe Stunde später kam die Plazenta, es wurde in Ruhe abgenabelt, ordentlich gekuschelt und aufgeräumt. Diese Hochleistung meines Körpers habe ich dann mit einer kräftigen Knochenbrühesuppe und Sauerteigbrot mit Butter belohnt. Ich hatte nämlich einen riesen Hunger. Wunder über Wunder … von Schwangerschaft bis in die Geburt! Nicht nach meinen Vorstellungen, nicht nach einem Lehrbuch, eine Geburt nach Gottes Plan!

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