Alleingeburt aufgrund von „Terminüberschreitung“ – Babys kennen keinen ET

Heutzutage gilt es einige Bedingungen zu erfüllen, wenn man eine hebammenbegleitete Hausgeburt möchte. Nicht auf alles hat man Einfluss. Zum Beispiel halten sich nicht alle Babys an das recht eng gesteckte Geburtszeitfenster. Der Mutter im folgenden Bericht sprang die Hausgeburtshebamme ab und sie gebar letztlich 21 Tage nach dem errechneten Termin ihr Baby in Eigenregie.

Am 16.04.2021 hatten mein Mann, meine dreijährige Tochter und ich die Erfahrung einer Alleingeburt unserer zweiten Tochter bzw. kleinen Schwester. Wir haben dein Buch als E-Book bestellt und durchgelesen, um uns darauf vorzubereiten, ebenso deine Videos angeschaut. Es hat uns sehr geholfen. Vielen Dank hierfür.

Vor der Geburt

Der errechnete Geburtstermin lag beim 26.03.2021. Ursprünglich war eine Hausgeburt mit Hebamme geplant. Als aber die Frist von ET+14 näher rückte (09.04.2021) und es keine Anzeichen zum Geburtsbeginn gab, haben mein Mann und ich beschlossen, einer Einleitung durch die Hebamme (Nelkenöltampons, Eipollösung, Akupunktur etc.) am 06.04.2021 nicht zuzustimmen, sondern dem Baby die Zeit zu geben, die es braucht. Ich bin auch meinem Mann dankbar, da er auch der Meinung ist, eine Geburt ist etwas Natürliches, und er Vertrauen in meinem Körper hat. Es hat wirklich Kraft und Geduld gekostet, aber ich bin heute so unendlich dankbar, dass wir auf einen natürlichen Wehenbeginn gewartet haben. Sowieso ist meine Periode unregelmäßig und hat keinen 28-Tage-Rhythmus. Am ET+3 war ich zum letzten Mal bei der Frauenärztin (die Hebamme brauchte diesen Vorsorgenachweis, damit sie mich bis ET+14 betreuen kann), die mich darauf hinwies, dass sie ab ET+10 mich in eine Klinik überweisen würde, um künstlich einzuleiten. In Gedanken dachte ich mir, dass sie das vergessen könne. Als sie von meiner eigentlich geplanten Hausgeburt mit Hebamme erfuhr, kamen nur die Worte: „Da fehlt Ihnen halt der medizinische Background. Ich will es Ihnen nicht ausreden, aber vorwarnen muss ich Sie. Nicht, dass man mich nachher in die Verantwortung zieht, dass ich nichts gesagt habe.“ Eine vaginale Untersuchung bot sie mir an, aber ich lehnte ab. Meine Hausgeburtshebamme hat mir gesagt, dass dies nicht verpflichtend ist.

Am 06.04.2021 hatten wir wie oben erwähnt einen Vorsorgetermin bei der Hebamme. Sie versuchte uns von „natürlichen“ Einleitungsmethoden zu überzeugen, indem sie diese als „immer noch besser als in der Klinik eingeleitet zu werden“ bewertete. Sie gab mir Nelkenöl, was ich mir einführen sollte und Massageöl zur Einleitung mit. Habe ich jedoch nicht benutzt und ihr nicht gesagt, da wir den Plan von der Alleingeburt mit keinem geteilt haben – außer meinem Vater und einem Bekannten meines Mannes. Der Akupunktur habe ich ebenfalls nicht zugestimmt, da sich mein Mann damit auskennt und mir bestätigte, dass man dies traditionellerweise in der TCM nicht als Wehenauslöser verwenden sollte.

Am 14.04.2021 hatte ich in der Nacht öfters Senkwehen (?), die sich wie Periodenschmerz anfühlten. Um 10 Uhr morgens ging etwas vom Schleimpfropf ab, mit einem Tupfer Blut; der Schleim war rosa gefärbt.

Die Geburt

Am 15.04.2021 um 18:30 kam immer ein bisschen Fruchtwasser aus der Fruchtblase, als ich gerade mit meinem Vater telefonierte und ihm mitteilte, dass das Baby nun bald kommen könnte. Wehen setzten am Abend um 21:20 Uhr ein. Unsere Große ist eingeschlafen. Wir versuchten auch zu schlafen, ich konnte jedoch nicht mehr liegen, da die Wehen nun regelmäßiger wurden. Daraufhin füllte mein Mann den Geburtspool mit Hilfe von zwei Eimern mit Wasser bis zur Hälfte. Ich ging ins Wasser, was schmerzlindernd war, wollte aber nach 10 Minuten heraus, da ich anfing zu schwitzen. Plötzlich musste ich mich übergeben. Daraufhin gab mir mein Mann einen Apfel, damit ich nicht unterzuckerte. Bis 04:00 Uhr (16.04.2021) veratmete ich die Wehen und mein Mann massierte mir dabei jedes Mal meinen Unterrücken. Als ich in eine ungünstige Atmung mit zusammengekniffenen Kiefer verfiel, erinnerte er mich, richtig zu atmen. Gegen 04:30 Uhr bekam ich langsam den Drang, zu pressen (schon erstaunlich, wie der Körper das merkt, da veratmen nichts mehr brachte) und entleerte meinen Darm auf der Toilette und auf dem Boden im Türrahmen. Ich war langsam echt erschöpft und schloss die Augen während den kurzen Wehenpausen. Währenddessen gab mir mein Mann noch etwas Apfel und Birne zu essen. Mein Mann schlug zum Glück vor, dass jetzt ein guter Zeitpunkt war, in den Pool zu steigen. In dem Moment wurde unsere Große wach und tröstete mich bei den Presswehen, die nun immer häufiger kamen. Ich führte einen Finger ein und spürte auch schon den Kopf. Ich habe mit aller letzter Kraft ein paar Mal gepresst, mein Mann und unsere Große konnten den Kopf sehen, als sie darauf hinwies, und ich sagte zum Baby: „Du schaffst das, komm dreh dich, damit die Schultern kommen.“ Schließlich kam mit Schwung ihr ganzer Körper und ich nahm unsere jüngste Tochter hoch zur Brust – die Nabelschnur war wohl etwas verkürzt oder um mein Bein umschlingelt und hat wohl etwas gespannt, denn sie ist einfach daraufhin im Wasser gerissen. Das hat uns etwas überrumpelt, da wir ja eigentlich auspulsieren lassen wollten und die Nabelschnur dann durchtrennen wollten. Aber sie fing sofort zu atmen an und ich stieg aus dem Pool, damit die Nachgeburt leichter kommen kann. Ich setzte mich aufs Sofabett (Boden) und mit einem Schwall kamen zuerst große Blutgerinnsel, die aussahen wie blutroter Wackelpudding und nach einigen Minuten kam sofort die Plazenta. Diese hat mein Mann sofort inspiziert und dann in unseren Blumentopf begraben. Ich verlor weiterhin Blut und mir war etwas schwindelig, also gab mir mein Mann Hirtentäschelkrauttee und Haferflocken mit Apfel (vom Restessen noch übrig zu essen) sowie Pumpernickel. Gegen 5 und 6 Uhr legten wir uns hin. Um 7 oder 8 Uhr, als ich meine Blase entleerte, spürte ich wieder Schwindel und Ohrensausen und bat meinen Mann, mir etwas Kaltes für den Bauch zu bringen. Die Gebärmutter war an sich fest. Mein Mann kochte für mich Klebreis mit Eiern und Avocado zur Stärkung. (Einen Monat vor ET habe ich Eisentabletten genommen, da die Hausgeburt auch nur bei einem bestimmten Wert von 14 von der Hebamme begleitet werden durfte. Eigentlich sind wir eher für eine ausgewogene Ernährung, aber wir wollten in keine Klinik, sondern zu Hause gebären.) Körperlänge: 48,5 cm Gewicht: 3 700 g Kopfumfang: 35,5 cm

Extra: Geburtsbericht der 1. Geburt in der Klinik

Unsere erste Tochter kam am 03.11.2017 (ET+3) im Krankenhaus zur Welt, wo man mir Antibiotika per Venenzugang gab, da ich B-Streptokokken hatte. (Bei der zweiten Schwangerschaft habe ich nur die 3 Basisultraschalle durchführen lassen sowie zwei weitere Vorsorgen und die restlichen Vorsorgetermine bei der Hebamme.) Außerdem hat man mir innerhalb einer Presswehe die Fruchtblase eröffnet. Ich lag letzten Endes auf den Rücken (wegen dem CTG) und weil ich es nicht anders wusste (Gebärpositionen) hatte zum Glück nur einen Dammriss von Grad 1, der mir genäht wurde. Ich bin da so froh gewesen, dass mein Mann dabei war, der mir noch Kraft gegeben hat bei den Presswehen, denn ansonsten hätten mir die Hebamme noch zu einem Kaiserschnitt etc. geraten, da ich seit dem Vortag Nachmittag bis zum nächsten Tag in der Früh mit Wehen verbrachte. Man gab mir dann noch homöopathische Globuli. Auf Nachfrage meines Mannes, was dies sei, reagierte die Hebamme schroff: „Stellen Sie sich nicht so an, manche Frauen betteln um eine PDA und Sie sorgen sich wegen Globuli.“ Daraufhin meinte mein Mann nur, dass Fragen wohl erlaubt seien. Ich hatte bei dieser Geburt drei Schichtwechsel von Hebammen erlebt. Die erste Hebamme war sehr feinfühlig und nett. Die zweite hat bei mir ohne Vorwarnung eine vaginale Untersuchung durchgeführt, wie weit der Muttermund wohl schon auf sei. Die dritte Hebamme hat sich dann letzten Endes noch zusammengerissen und nach der schroffen Bemerkung nichts mehr Negatives gesagt. Ich bin trotzdem glücklich, dass alles gut gegangen ist, und es gibt ja Frauen, die echt Schlimmeres erlebt haben. Körperlänge: 52 cm, Körpergewicht: 3750 g Kopfumfang: 36 cm P.S.: Vielen Dank nochmals an die informative Erklärung von Sarah bezüglich der Nabelschnur, die bei Zug manchmal reißen kann (bei der Wassergeburt hebt man das Baby ja zügig aus dem Wasser) aufgrund der Sollbruchstelle. Abklemmen kann man, es hört aber auch so schnell zu bluten auf. In der Tierwelt passiert dies auch durch Abbeißen oder Abreißen. Unsere Kleine hat gleich angefangen zu atmen, die Blutung hörte auch schnell auf, weshalb sie auch nicht beeinträchtigt war. Diesmal hatte ich auch keinen Dammriss, sondern nur eine leichte Schürfwunde, die auch nach ein paar Tagen von selbst verheilt ist. Die Geburtsanmeldung nach ein paar Tagen hat zum Glück auch problemlos per Post funktioniert, man verlangte keine ärztliche Bescheinigung. Ich bin wirklich dankbar, dass meine Familie und ich diese Erfahrung miteinander teilen durften und wir würden – falls es zu einem nächsten Mal kommt – wieder eine Alleingeburt machen.

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